08.07.2013 Das war es schon!

Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich vor 13 – oder waren es doch 14 – Wochen fühlte, als ich an diesem ersten Montag das Haus in Richtung Uni verließ. Gereizt, depressiv, besorgt, traurig, ängstlich, als hätte man mir mein Herz rausgerissen und es zu Hause liegen lassen – naja, da Baby ja mein Herz ist, stimmt das sogar irgendwie. Ich dachte, ich schaffe das nie.

Und heute stelle ich fest: Das Semester ist vorbei! Die Wochen sind nur so geflogen. Und nicht, dass es nicht schlimm gewesen wäre, aber so schlimm, wie gedacht, war es dann nicht. Es hatte sich ja schnell eine Lösung für das Abpumpen und die Kühlung der Milch gefunden, was allerdings bereits nach einigen Wochen auch gar nicht mehr nötig war, da sich Babys Durst verändert hatte und damit meine Milchmenge reduziert wurde. Und auch wenn ich meinen kleinen Mann vermisst habe und einiges verpasst habe, durfte ich so die Erfahrung machen, wie er sich freut, wenn ich wiederkomme. Und noch viel wichtiger, er konnte die Erfahrung machen, dass Mama auch mal weg ist und dass man sie dann vermisst. Ich werde nie vergessen, wie furchtbar der kleine Mann anfing zu weinen, als er meine Stimme aus dem Telefon hörte und ich weit und breit nicht zu sehen war. Das hat er einfach nicht verstanden. Mamas Stimme = Mama da! SO einfach ist das in Babys Welt.

Es war ein tolles Semester, ein Semester in dem ich nach all den Schikanen und Hindernissen in meiner Unilaufbahn doch noch erfahren durfte, dass es Professoren gibt, die Verständnis haben. Denen Anwesenheitspflichten nicht so wichtig sind, wenn ein Baby im Spiel ist und die einen auch mal einfach gehen lassen – so heute geschehen – weil sich ein Milchstau ankündigt und man dringend abpumpen muss. Zwei Tage habe ich jetzt noch vor mir – übermorgen noch ein Referat zum Abschluss – und wenn alles gut geht, dann waren das meine letzten Kurse in meinem doch schon etwas längeren Studentenleben. Ich hoffe, bete und drücke die Daumen, aber falls ich nächstes Semester doch noch einmal hin muss, weiß ich, dass dies dank meiner Familie, meiner Freunde und nicht zuletzt dank des ganz wundervollen Papas des kleinen Mannes kein Problem sein wird.

Ach ja: Sagenhafte siebeneinhalb Stunden Schlaf liegen hinter mir, denn nachdem der kleine Mann bereits 3! Stunden nach dem Abendbrei wieder trinken wollte, schlief er dann von halb eins bis um acht! 😀

© frhoppe 08.07.2013

22.04.2013 Endlich zu Hause!

Zugegeben, nachdem der kleine Mann heute Nacht ungefähr fünf, vielleicht auch sechs Mal kam, um dann nach dem Trinken, wickeln und Streicheln immer noch zu meckern, war ich nicht ganz so traurig, heute morgen das Haus verlassen zu müssen.

Müde war ich, aber jede Mutter und jeder Vater weiß, dass dieses quengelnde Weinen einem irgendwann an die Nieren geht und so verließ ich dann nach einem strahlenden Guten-Morgen-Lächeln meines Sohnes – ich frag mich woher der die Energie dafür hatte, bei der Nacht – trotzdem beschwingt das Haus in Richtung Uni. Und ooh weh, da kam dann der Katzenjammer. Aber ich habe wirklich nur drei Mal angerufen, um zu fragen, ob alles okay ist. Na gut! Und einmal, um mir das Kind pünktlich zu halb sechs nach Hause liefern zu lassen. Immerhin will ich wenigstens ein bisschen was vom Sohn haben, bevor der ins Bett muss.

Und ach, wie wurde ich empfangen!!! Gleichzeitig mit mir traf Schwiegermutter ein, sie hatte sich extra beeilt, damit der kleine Mann nicht unterwegs einschläft – das geht nämlich ratzfatz bei ihm im Kinderwagen. Und so lag er da hellwach, jedoch mit abgewandten Kopf. Ich sprach ihn also sanft an und sofort drehte er sein Gesicht zu mir, seine Augen wurden ganz groß und ein Strahlen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Dann begannen seine Ärmchen aufgeregt zu wackeln und seine Beine strampelten so begeistert, dass es immer die Decke des Kinderwagens anhob. Und schließlich gurrte und quietschte Baby mich grinsend an. Oben angekommen wollte er SOFORT von mir aus der Schale genommen werden. Und dann kuschelte er auf seine süße Babyart ganz innig mit mir. Die Händchen lagen auf meinen Schultern und Gesicht wurde immer wieder an meinem Busen gerieben – und es war kein Hunger, denn er war gerade gefüttert worden –, bevor der kleine Mann mir immer wieder lange und eindringlich in die Augen sah, um dann in fröhliches Lachen auszubrechen.

Ich bin wirklich ganz selig, denn das ist das erste Mal, dass mein kleiner Schatz mir so deutlich gezeigt hat, dass er mich vermisst, wenn ich nicht da bin. Und wenn ich jetzt immer so begrüßt werde, dann ist das die beste Entschädigung für eine lange – ja, ihr Spötter, 10 Stunden sind lang, zumindest noch – Trennung, die man sich vorstellen kann.

© frhoppe 22.04.2013

16.04.2013 Unistart – zweiter Versuch

Nachdem ich ja nun unglücklicherweise letzte Woche durch meine Gehörgangsentzündung außer Gefecht gesetzt war, und dadurch eine Gnadenfrist in Sachen Baby-Abgeben bekommen habe, ging es nun heute endgültig los mit der Uni. Um 5 Uhr morgens klingelte der Wecker – eine Zeit, zu der noch nicht einmal der kleine Mann wach ist. Sein Blick, als ich ihn kurz vor meiner Abreise noch einmal zum Stillen weckte, fragte mich auch ganz verwirrt, was denn hier abgehe. Zum Abschied hat er mich aber nochmal ganz zärtlich angelacht, der süße Bär, so dass ich mit einem beschwingten Schritt das Haus verlassen konnte.

Endlich in der Uni angekommen, fehlte mir mein kleiner Mann schon so sehr, dass ich am liebsten wieder nach Hause gefahren wäre, aber es hilft ja nichts. Wat mut, dat mut. Glücklicherweise habe ich meinen Kalender schon präpariert, so dass er jetzt mit Fotos von Baby gespickt ist und mich von der Vorderseite immer der kleine Mann anlacht. Das ließ mich weniger sehnsüchtig sein und so konnte ich mich dann auch auf die Kurse konzentrieren.

Ich muss aber an dieser Stelle mal ein großes Lob an meine Dozenten aussprechen, die alle absolut verständnisvoll sind. Es ist gar kein Problem, wenn ich eins, zwei mal öfter fehle – O-ton einer Dozentin: „Ihr Kind hat natürlich Vorrang!“ und einer meinte ja sogar, solange ich zu meinem Referat da bin, ist ihm der Rest egal – und wenn ich wegen des Abpumpens mal früher raus muss, dann ist das eben so. Das gibt mir eine Menge Zuversicht, dass ich dieses Semester erfolgreich absolvieren kann.

© frhoppe 16.04.2013

 

30.03.2013 Baby- oder doch besser Uni-Blues?

Ob’s das miese Wetter zu Ostern ist oder der Wachstumsschub des kleinen Mannes oder vielleicht auch der Schlafmangel im Moment, irgendwie macht es mich heute so richtig fertig, dass ich nächsten Montag – also am 08.04. – wieder in die Uni muss. Ich weiß, dass andere Mamis viel früher wieder ran müssen und dann auch gleich fünf und nicht „nur“ drei Tage, aber das ändert nichts daran, dass ich noch nicht bereit dafür bin. ICH WILL NICHT!!! – und ja, jetzt stampfe ich gerade mit dem Fuß auf und verschränke bockig die Arme vor der Brust.

Das blöde ist, dass es keine Alternative gibt, wenn ich mein Studium noch abschließen will. Ich habe nämlich nur noch bis März 2014 Zeit und mindestens ein Semester braucht man für die Magisterarbeit. Also muss ich alle noch nötigen Kurse in diesem Sommersemester abarbeiten. Eigentlich sind es nur 8 Kurse – sechs, wenn sich die Prüfungsvorsitzende in Französisch gnädig zeigt und mir die zuviel besuchten Kurse aus dem Grundstudium anerkennt – aber die sind so blöd verteilt, dass ich eben an drei Tagen in die Uni muss, statt nur an zweien. Und die haben es dann auch noch in sich. Dadurch, dass ich eineinhalb Stunden bis zur Uni brauche – und das gleiche dann noch mal zurück – muss ich Dienstags um acht aus dem Haus und bin abends um halb acht wieder zu Hause und Mittwochs muss ich um sechs los, bin aber dafür schon um halb vier wieder da. Ich sehe also am Dienstag meinen kleinen Mann GAR nicht – erst recht, wenn ich danach noch zum Chor gehe, der bis um neun probt. Ich will das nicht, ich möchte das nicht, ich mag das nicht und ja, ich habe Angst davor!

Denn die Konsequenz aus der ganzen Uni-Fahrerei ist natürlich auch, dass ich, da ich noch voll stille, in der Uni abpumpen muss, damit der kleine Mann nicht hungern muss und auch damit die Milch weiter in der richtigen Menge produziert wird – je weniger ich stille respektive abpumpe, desto weniger Milch produziert der Körper nämlich. Heißt also: trotzdem regelmäßig abpumpen. Schaffe ich das zwischen den Kursen? Und wohin mit der Milch? Gibt es an der Uni eine Kühlmöglichkeit? Oder muss ich das wegschütten? Im Moment schießen mir einfach all diese Fragen durch den Kopf und irgendwie werden die immer größer und durcheinanderer – ich weiß das Wort gibt’s nicht, aber es passt!

Mein Trost ist, dass der kleine Mann gut versorgt ist, wenn ich nicht da bin. Aber auch wenn ich weiß, dass ich ohne all die lieben, hilfsbereiten Omis und Opis mein Studium in den Wind schreiben könnte, sagt da dieses leise Stimmchen: Das ist mein Baby, ich muss mich doch drum kümmern!

© frhoppe 30.03.2013

03.02.2013 Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust!

So wirklich kann ich nicht sagen, wie es mir im Moment geht. Unser kleiner Mann hat nämlich einen „ganz“ großen Schritt von der Mami weg gemacht. Was mich einerseits wahnsinnig glücklich macht, bewirkt andererseits auch, dass ich heute ein wenig nachdenklich, vielleicht sogar traurig bin. Dabei habe ich noch vor wenigen Wochen ganz großzügig gesagt, der Papa soll auch bald füttern, um die Bindung zu stärken und so. Aber ich hatte ja keine Ahnung, dass das so schnell geht.

Vor drei Tagen habe ich angefangen, Milch abzupumpen, weil man die ja so wunderbar einfrieren kann und weil wir die ja dann im April auch brauchen, wenn ich wieder in der Uni bin. Und weil wir ja dann quasi gerade Milch in der Flasche hatten, bot es sich an, einfach mal auszuprobieren, ob der kleine Mann denn Milch aus der Flasche besser annimmt, als den Kamillentee. Das tat er! Und wie! Das spielte sich folgendermaßen ab: Baby hatte Hunger – nichts Ungewöhnliches und auch wahrhaftig nichts Seltenes bei diesem Kind – und tat diesen lauthals und wütend kund. Der Papa sollte nun also das erste Mal füttern, bat mich aber aufgrund von Unsicherheiten im Umgang mit der Flasche dem Vorgang beizuwohnen. Ich sei gleich da, rief ich über das Gebrüll des Kindes hinweg, ich müsse mir nur schnell die Hände waschen. Und plötzlich war Ruhe. Totale Stille. Vorsichtig hoffnungsfroh spähte ich durch die Schlafzimmertür und da waren sie. Meine beiden Männer. Der eine selig trinkend, der andere selig fütternd. Ohne Probleme. Und in diesem Moment war ich so stolz und glücklich und habe mich so sehr für den Papa gefreut, dass er dieses wunderbare Gefühl, das eigene Kind zu ernähren, auch endlich erleben darf, nachdem er solange nur für die Beseitigung der daraus resultierenden Abfälle verantwortlich war. Ich habe sogar einen kleinen Freudentanz aufgeführt, wobei ich offen zugebe, dass der auch der Freude über das kleine Stück zurück gewonnener Freizeit geschuldet war. Ich ahnte noch nicht, dass dies eine zwiespältige Freiheit sein sollte.

Natürlich bin ich nach wie vor begeistert, dass das Füttern so gut klappt – das Kind lässt sich nämlich nicht nur von Papa, sondern auch von beiden Omas ganz prima füttern – aber jetzt ist der kleine Mann schon den zweiten Tag über fünf Stunden mit dem Papa bei der Oma. Ich brauche diese Zeit zwar dringend, weil ich noch Hausarbeiten für die Uni zu schreiben habe, aber meine Gedanken schweifen immer wieder zum kleinen Mann ab. Es ist eben bei aller Freude ein erstes „großes“ Loslassen für mich. Ein Schritt, von dem ich dachte, dass er langsamer vonstatten gehen würde und wie mir klar ist, nur der erste Schritt von vielen. Aber mir ist auch klar, dass diese Schritte sein müssen. Denn wie sagte schon der olle Goethe: „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

© frhoppe 03.02.13