10.08.2015 Ein großer Erfolg

Unser Morgen begann mit einem Experiment. Zunächst waren wir alle ziemlich guter Laune, jedoch schlug die Stimmung wieder einmal sehr schnell um, als wir den Sohn baten, sich auf das Töpfchen zu begeben. Quasi sofort fing er an zu jammern. Statt wie die Tage vorher jedoch ebenso sofort genervt zu sein, fragte ich ihn betont fröhlich: „Weißt du was? Heute versuchen wir mal den Tag ohne jammern zu verbringen.“ Das Kind hielt inne in seiner Jammerei, überlegte kurz und sagte dann: „Oh ja!“ So begeistert, als hätte ich vorgeschlagen, einen riesigen Eisbecher mit ihm essen zu gehen. Ich dachte mir nur, na mal schauen, ob du wirklich weißt, was ich von dir will.

Anscheinend schon, denn die Jammerei des Käferchens beschränkte sich heute auf ein Minimum. Und als wäre es des positiven nicht genug, hatten wir heute einen Riesenerfolg in Sachen Windelfrei.
Relativ spontan beschlossen wir heute morgen auf den nahegelegenen Spielplatz zu gehen und daher brachen wir auch ein wenig überstürzt auf. Normalerweise sind wir noch nicht so weit, dass der Sohnemann ohne Windel auf den Spielplatz geht, aber heute haben wir schlichtweg vergessen, ihm eine anzuziehen. Die Zeit verging, er spielte fröhlich, bis wir schließlich den Spielplatz verließen. Keiner dachte daran, dass das Kind vielleicht mal würde pullern müssen – warum auch, wir wähnten ihn ja ihn Windeln. Wir spazierten also durch den Park und entschlossen uns den dringend nötigen Einkauf noch schnell zu erledigen – der witzigerweise aus Windeln für beide Kinder bestand. Während wir dann also im Drogeriemarkt standen, zappelte das Kind auf einmal ungeduldig hin und her und griff sich in den Schritt. Da erst fiel mir auf, dass der Sohn keine Windel trug. Musst du pullern, fragte ich ihn und er sagte Nein, zappelte aber weiter. Kurzentschlossen schickte ich ihn mit meiner Freundin ins nächstgelegene Kaffee – für die kleinen Kinderfüße aber trotzdem bestimmt 5 Minuten weit weg – und bezahlte schnell die Einkäufe, um anschließend dem Sohn hinterher zu eilen. Im Kaffee angekommen, entdeckte ich den kleinen Mann und meine Freundin auf der Bank sitzend. Man hatte sich nicht getraut auf der Toilette zu pullern. Zwischen Feststellung der Misere im Drogeriemarkt und diesem Moment waren nun immerhin weitere 10 Minuten vergangen und immer noch hielt der kleine Mann das Pipi an. Ganz brav ging er dann mit mir auf die Toilette, die sehr kinderfreundlich über ein Töpfchen verfügte und da plätscherte ein kleiner See aus dem Kind hinaus. Es war also wirklich sehr dringend und trotzdem hat unser toller kleiner Mann die ganze Zeit angehalten.
Zusätzlich zu meinem überschwänglichen Lob und den Bekundungen meines Stolzes ob dieser Leistung, gab es dann in jenem Kaffee auch noch zwei Kugeln Eis. Eine extra Belohnung, die er wohl zu würdigen wusste, denn normalerweise gibt es eine Kugel und das auch nur höchst selten. Aber besondere Ereignisse bedürfen besonderer Belohnungen.

Frhoppe 10.08.2015

 

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22.05.2015 Ein Stück Normalität – Mama fährt mich zur Kita!

Apropos Normalität – hier kommen mal wieder die Knaller des Tages:

  • „Hat Oma schon Teller hingestellt? Jaaaaa!!! Dann können wir ja endlich Kuchen essen!“
  • „Du bist ne olle Plärre!“ Opa hat die Nase voll vom theatralischen Geweine des Enkels!
    „Nein Opa, man sagt sowas nicht!“
  • „Guck mal Sohn! Ein Bus!“
    „Ich meine, das wär‘ ein LKW!“
  • „Ich hab dich lieb, mein kleiner Mann!“
    „Ich hab dich lieb, mein großer Mann!“
    „Mama und Papa passen immer auf dich auf!“
    „Mama und ich passen immer auf DICH auf!“

Und nun geht es los:
Das erste wovon man sich verabschieden sollte, wenn man sich dafür entscheidet ein Kind zu bekommen, ist der Gedanke an Planbarkeit! Alles was praktisch ist und gut strukturiert und geplant funktioniert, hat meist einen Haken: Das Kind.
Ganz aktuell betrifft dies bei uns die morgendliche Kita-Regelung, die doch so wunderbar bequem für alle Beteiligten war – na gut, kurz nach der Geburt mehr für mich, denn ich durfte im Bett liegen bleiben, während Papa das große Kind fertig macht und zur Kita bringt. Seit etwa einer Woche war es dann ein bisschen anders: Papa weckt das große Kind, während ich das kleine Kind stille, das daraufhin noch einmal einschläft. Während Papa das große Kind aus dem Schlafzeug und aufs Töpfchen quatscht, mache ich den beiden Männern Frühstück, welches diese dann zusammen einnehmen, während ich das kleine Kind wickele und es, so wie auch mich, anziehe. Kurz vor oder kurz nach neun verlassen wir dann im Rudel das Haus gen Kita! Gestern stellten wir dann fest, dass dieses Vorgehen für den kleinen Mann offenbar nicht optimal ist, denn schon als wir ihn auszogen wollten er uns nicht von der Seite weichen, als wir dann gingen, weinte er bittere Tränen – was er schon sehr lange nicht mehr gemacht hat. Das brachte uns beide zum Nachdenken und wir hatten bereits gestern entschieden, dass wieder nur noch einer von uns fährt. Da der Papa ja immer noch nicht wieder fit war, übernahm also heute ich den Weck- und Fahrdienst und was soll ich sagen? Es war super. Der kleine Mann pullerte aufs Töpfchen, zog sich allein an, frühstückte, während ich mich anzog und als es losging, konnte ich das frisch gestillte Kind bedenkenlos bei Papa zurück lassen.
Im Auto erzählte der kleine Mann dann munter vor sich hin und in der Kita war von Abschiedsschmerz oder Tränen nichts zu sehen. Als ich ihn nachmittags fragte, ob ich ihn wieder zur Kita fahren soll morgens, sagte er: „Ja! Und der Papa bleibt zu Hause mit der Schwester.“ In diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war endlich wieder etwas so wie vor der Geburt. Da hatte ich den kleinen Mann morgens immer geweckt und zur Kita gefahren. Seit der Geburt ist ja nicht nur das sondern überhaupt alles anders und ich kann mir vorstellen, dass es für den kleinen Kerl ein Stück Sicherheit in einer völlig umgeworfenen Lebenssituation bedeutet, wenn er auf einmal ein altes Ritual wieder hat.
Und egal, wie schön und bequem es für mich ist, morgens mit der kleinen Maus einfach liegen zu bleiben, oder wie gut es funktioniert, wenn wir uns den Ablauf teilen, ich habe mir fest vorgenommen, jetzt wieder öfter den Weck- und Kita-Dienst zu übernehmen. Bleibt nur abzuwarten, ob der Papa mich lässt! Der ist nämlich von dieser Idee gar nicht begeistert, denn er hat das Gefühl, ich will ihm seine Zeit mit seinem Sohn wegnehmen. Naja, vielleicht lässt sich ja eine Regelung finden, in der mal er, mal ich den Sohn wecken und bringen.

Frhoppe 22.05.2015

18.05.2015 Big Oma is watching you – warum ich mir wieder selbst wie ein Kind vorkam.

Heute wurde unser kleiner Käfer von meiner Mama abgeholt, ein höchst seltenes Erlebnis, da sie ja bis vier Uhr arbeiten muss und darum erst um halb fünf frühestens in der Kita sein kann, was uns wiederum eigentlich zu spät ist. Umso größer war dann also die Freude, als die Oma in der Kitatür stand und natürlich kam der kleine Mann ganz brav mit Oma mit.

Gegen viertel sechs waren sie dann bei uns und der Käfer war seinerseits schon sehr müde, weshalb ich relativ schnell mit dem abendlichen Ritual anfing – in stillschweigender Übereinkunft war klar, dass Oma bleiben würde, bis ich eines der beiden Kinder im Bett hätte. Wir spielten noch eine Weile – ich nutzte schamlos aus, dass meine Mama mir sofort das kleine Kind abnahm und befasste mich mit dem Sohnemann, was dieser sichtlich genoss – dann bereitete ich dem kleinen Mann Abendessen. Bereits da fing es an.
„Aha!“ meinte Oma nach einem Blick auf unseren tollen unterteilten Kinderteller. „Du darfst also den Belag auch ohne Brot essen!“
Ich hatte dem Kind nämlich zusätzlich zu seine zwei kleinen Scheiben bestrichenem Brötchen noch etwas hauchdünnen Käse und Salami gepackt, weil er das eben gerne so hat! Warum auch nicht – ich ess ja auch gerne mal den Käse so und ich weiß zufällig ziemlich genau, dass die Frau Mama das auch so macht! Trotzdem zog ich innerlich kurz den Kopf ein, kümmerte mich aber nicht weiter darum.
Nach dem Abendbrot ging es dann aufs Töpfchen, wo mich das Kind in folgendes Gespräch verwickelte: „Mama, wenn ich pullere, dann bekomme ich ein Gummibärchen!“
„Ja, dann bekommst du eins!“
„Ich habe nicht gepullert, ich bekomme aber trotzdem ein Gummibärchen!“
„Nein, wenn du nicht pullerst, dann gibt es auch keins!“
„Dann mache ich einen Tropfen und dann bekomme ich eins!“
„Ja, aber nur, wenn du dich ganz doll anstrengst und eigentlich nicht pullern kannst und dann doch ein Tropfen kommt!“
Das Kind runzelt konzentriert die Stirn und drückt ganz doll!
„Jetzt habe ich einen Tropfen gemacht!“
„Wirklich? Zeig mal her!“
Der Topf war leider leer. Aufgrund der eher schlechten Lichtverhältnisse hob ich ihn aber noch einmal an und drehte ihn zum Licht, um ganz sicher zu gehen – aber es blieb dabei: Kein Tropfen. Dafür sagte die Oma hinter mir: „Na, ich würde ja noch drin rumpulen!“ Und wieder zog ich den Kopf ein bisschen ein, dachte aber gleich darauf ein bisschen rebellisch „Pfft! Ich will ja nur nicht meinem Kind fälschlicherweise eine Lüge vorwerfen.“ Ich sagte aber nix, schließlich war ich meiner Mama sehr dankbar, dass sie das Tochterkind versorgte – sie hätte ja auch gehen können! Aber trotzdem fühlte ich mich zurecht gewiesen. Nun ging es ans Ausziehen. Während Oma mit der kleinen Bauchwehmaus in der Wohnung umher wanderte, begann ich die allabendliche Diskussion zum Thema: „Bitte zieh dich aus!“ „Nein!“ „Dann ziehe ich dich aus!“ „Nein, das mache ich alleine!“ „Dann mach!“ „Nein!“. Und während wir so diskutierten, fühlte ich auf einmal in meinem Rücken meine Mama stehen und das lustige ist, ich wusste genau, welchen Blick sie da gerade aufgesetzt hatte. Den Blick, den meine Nichte „Oma guckt!!!!“ getauft hat. Und wie Oma gucken kann. Ganz böse, eiserne Disziplin spricht aus ihrem Blick und sie sagt kein Wort. Braucht sie auch nicht, denn es klappt jedesmal. Bei jedem Kind! Beinahe hätte sogar ich angefangen mich auszuziehen und ich hatte den Blick ja nicht mal gesehen.
Aber so konnten wir wenigstens schnell zum Waschen gehen, das nämlich macht der kleine Käfer dank Frosch- und Affenwaschhandschuh mittlerweile ziemlich gerne, manchmal sogar allein. Lieber unterhält er sich aber mit den beiden, während sie ihn waschen. Nun ist es bei uns so, dass der kleine Mann sich nur abends waschen muss. Einmal am Tag ist für so kleine Menschen völlig ausreichend, zumal sie ja auch noch nicht diesen aggressiven Schweiß haben, den Erwachsene so tagein, tagaus produzieren. Ich gebe zu, dass wir mit diesem allabendlichen Waschen auch erst recht spät angefangen haben, so etwa vor einem halben Jahr, vorher haben wir eben nach Bedarf – sprich, wenn das Kind schmutzig/sandig/klebrig war, also auch recht häufig, aber eben nicht täglich – gewaschen und ein bis zweimal die Woche gebadet. Darüber haben wir uns auch gar keine Gedanken gemacht. Bis der kleine Mann bei Oma war und sich weigerte, sich vor dem Schlafengehen zu waschen. „Nein, ich muss mich nicht waschen!“ behauptete er steif und fest und hatte je irgendwie recht damit, denn als Teil des Abendrituals kannte er das nicht. Nach einem langen Telefonat mit meiner Mama sah ich tatsächlich ein, dass es durchaus sinnvoll ist, jetzt doch schon mit der Routine anzufangen, auch wenn er es nicht unbedingt braucht, denn sie hat schon recht! Wenn er es jetzt nicht lernt, dann sieht er nachher, wenn es nötig ist, nicht ein, dass er es machen muss. Ich war zwar etwas peinlich berührt über den Rüffel, aber auch dankbar, weil ich ja selber nicht dran gedacht hatte und durchaus bestrebt das in die Tat umzusetzen.
Insgesamt ist es nun also ein großer Fortschritt für einen so kleinen Menschen, dass er innerhalb eines halben Jahres gelernt hat ordentlich am Tisch sitzen zu bleiben, die Ärmel alleine hoch zu krempeln, mehr oder weniger sauber zu essen, sich alles alleine (!) auszuziehen und auch anzuziehen – wenn auch mitunter verkehrt herum, sich die Zähne zu putzen, aufs Töpfchen zu gehen (na gut, noch nicht ganz 😉 ) und sich abends zu waschen und noch etliches andere mehr. Ich dachte jetzt, dass der kleine Mann für sein braves Waschen gelobt wird, aber stattdessen meinte die Oma nur: „Na, du hast es ja gut. Dein Cousin und deine Cousine müssen sich morgens UND abends waschen!“ Da sagte ich dann was. Nämlich: „Da müsste er ja noch eine halbe Stunde eher aufstehen.“ Und das stimmt! Denn weil der kleine Mann so viel schon alleine machen kann und darf, dauert morgens eben alles etwas länger. Zwischen ein und eineinhalb Stunden sind wir morgens mit Aufstehen, Töpfchen, Anziehen und Frühstücken beschäftigt, denn mal ehrlich, so ein Hemd hat echt viele Löcher, wo Arme fälschlicherweise durchpassen und eine Strumpfhose anzuziehen, ist wirklich was für Feinmotoriker, erst recht morgens um dreiviertel acht und überdies vor allem für ein zweieinhalbjähriges Kind. Klar ist es später wichtig, dass er sich vernünftig wäscht, aber jetzt ist es wichtiger, dass er das Gefühl bekommt, alles zu schaffen. Und wenn das eben heißt, dass das zweite Waschen, oder eher das erste, am Tag wegfällt, damit er nicht um sieben aufstehen muss, dann ist das so!
Ich habe aber heute etwas gelernt über mich: Ich bin davon überzeugt, dass wir das mit unserem Kind schon ganz richtig machen. So alles in allem! Und überhaupt! Natürlich mit Fehlern und Holperstellen, aber wir lernen ja noch! Schließlich machen wir beim großen Kind ja alles zum ersten Mal und manches fällt einem eben erst auf, wenn es einem einer sagt! Wie das mit dem Waschen! Anderes wissen aber Außenstehende – und ja, das sind alle, die nicht täglich mit dem Kind zu tun haben – auch einfach nicht zu beurteilen. Ich weiß ja, dass der Sohn morgens oft noch extrem müde ist und ich ihm nicht zumuten kann und will, noch eine halbe Stunde eher aufzustehen, nur damit er sich noch wäscht! Und ich gebe auch offen zu, dass mir persönlich das morgendliche Waschen nicht die Diskussion wert ist, wenn ich anstatt den Sohn früher zu wecken, ihn anziehe, statt ihn dass alleine machen zu lassen. Denn da legt er großen Wert drauf, dass er das kann!
Trotzdem fand ich es bemerkenswert, wie sehr ich mich trotz meiner Überzeugung – für die ich auch eintrete – wieder wie ein kleines Kind gefühlt habe. Mein erster Reflex war es, meiner Mama zuzustimmen und morgen früh mit dem Waschen anzufangen. Und dann fiel mir wieder ein, dass ich erwachsen bin. Und selbst zweifache Mama. 😀

Frhoppe 18.05.2015

22.04.2015 Fresspause für die Fressraupe

Nach einer mit weniger Schlaf gesegneten Nacht – im Ernst jetzt, ich glaube, ich habe keine Stunde am Stück geschlafen – durften wir als erstes ein großes Erfolgserlebnis mit dem kleinen Mann teilen. Ein im wahrsten Sinne großes Ereignis, denn seit einiger Zeit haben wir mit dem Töpfchen-Training angefangen und heute befand sich im Töpfchen tatsächlich wieder ein großer Haufen. Wie stolz der kleine Mann darüber war, erwies sich am Abend, als allein die Erinnerung an den morgendlichen Erfolg ihn dazu brachte, sich freiwillig auf das Töpfchen zu setzen. Auch das ist nicht unbedingt zu unterschätzen, denn auch wenn wir keinen Zwang anwenden, so ist das komische weiße Plastikding nicht unbedingt der beste Freund unseres Sohnes.

Nachdem der Sohnemann dann wohlbehalten in der Kita abgegeben war, erwarteten wir gespannt den vorerst letzten Besuch unserer Hebamme. Immerhin wollte ich wissen, was sie von dem gestrigen Trinkexzess unserer Fressraupe hielt. Und wenn sie mir nur sagen würde, ich soll mich nicht so haben, das sei alles ganz normal, dann wäre das auch okay, dann hätte ich wenigstens eine Richtlinie!
Tja, was soll ich sagen – normal ist das, aber eben weil bei Babys alles quasi alles normal ist. Aber normal ist das nicht!
Will heißen: „Wenn du sogar weinst, dann hat sie dich ziemlich rund laufen lassen gestern.“ Und nachdem sie sich das Fressverhalten unserer kleinen Raupe schildern lassen hat, und die kleine Maus ein wenig beim Trinken beobachten konnte – sie hatte nämlich wenig überraschend gerade wieder ein Hüngerchen – verordnete sie eine Fresspause. Mama hat nämlich viel, viel Milch und die kommt immer direkt rausgeschossen aus der Brust, so dass das Würmchen am Anfang gar keine Wahl hat, wobei sie auch nicht so aussieht, als sei sie damit unzufrieden. Es heißt also „Trink oder stirb!“ Und sie trinkt mit einer Inbrunst, dass man denken könnte sie sei völlig ausgehungert. Das Problem an der Sache ist aber, dass sie dabei leider viel Luft schluckt, was dann wiederum Bauchweh zur Folge hat, welches sie ganz furchtbar piesackt und zwickt. Sie ist also latent unzufrieden und fühlt sich unwohl und verwechselt das dann mit Hunger. Oder wie unsere Hebamme es ausdrückt: „Na klar will sie bei Mama an die Brust – da ist für sie alles gut!“
Ihre Empfehlung? Mindestens zwei Stunden muss das kleine Milchmonster durchhalten, alles andere ist schlecht fürs Bäuchlein. Wenn sie vorher wieder kommt, dann geben wir Fenchel- oder Bauchwohltee und tragen sie unermüdlich im Fliegergriff durch die Gegend, damit der Bauch besser wird. Und beim Trinken soll sie möglichst aufrecht auf meinem Bauch liegen, das reduziert den Druck, mit dem ihr die Milch in den Mund schießt!
Einzige Ausnahme von der Regel – sie hat vor der Mahlzeit vier bis fünf Stunden geschlafen! Dann darf sie auch drei oder vier mal hintereinander Hunger haben, denn sie muss quasi ihre Speicher wieder auffüllen.
Vier bis fünf Stunden geschlafen hat sie heute nicht und auch keine zwei Stunden durchgehalten, also konnte ich das mit dem Fencheltee gleich mal ausprobieren. Wer jemals versucht hat, Flüssigkeit, die einem Kind nicht schmeckt mit einem Teelöffel in selbiges Kind hineinzubekommen, der weiß wie sich ein Kampf mit einem Tintenfisch einfühlt. Die gute Nachricht ist aber, dass das Kind irgendwann so sauer ist, dass es das Zeug vor Wut schluckt, statt es fein säuberlich mit der Zunge aus dem Mund herauszuarbeiten. Ich muss ehrlich sagen, zwischendurch war ich versucht, die kleine Maus einfach wieder anzulegen – was weiß denn schließlich die Hebamme schon? Tja, leider eben eine Menge und so hörte ich dann doch auf die dämliche Vernunft, die mir ins Ohr schrie, das Baby jetzt anzulegen macht das Problem nicht besser, sondern verschiebt es nur um einige wenige Minuten. Tatsächlich schlief die Maus dann auch wieder ein – zwar auf meinem Bauch und sie brüllte auch, sobald ich sie weglegen wollte – aber immerhin habe ich sie erfolgreich von ihrem „eingebildeten“ Hunger ablenken können. Denn das der Hunger eingebildet ist, merkt man daran, dass sie sich mit Tee und Kuscheln hat abspeisen lassen. Wenn sie nämlich richtig Knast hat, dann hilft nix davon, dann muss das Titti raus, aber Zackzack.
Nun immerhin war sie dann einigermaßen entspannt, als es daran ging, ihren großen Bruder abzuholen. Da war sie gerade gesättigt und frisch gewickelt nach einem monströsen Pups. Tatsächlich bin ich nicht sicher, ob es nicht der Pups war, der sie so entspannt hat, denn der war wirklich erfurchtgebietend, wenn man bedenkt, dass er aus so einem kleinen Wesen kommt. Jedenfalls konnten wir uns auf diese Art beim Abholen auf das größere Kind konzentrieren, das sich mir auch wieder überschwänglich in die Arme schmiss und mich ganz süß mit einem Kuss begrüßte. Er nahm nämlich mit seinen beiden Händchen mein Gesicht zu sich herunter und gab mir einen dicken Schmatz. Zu Hause angekommen heimste er dann noch einmal Lorbeeren ein. Obwohl er nämlich schon seine Schokolade schon in seinen Nostalgie-Pappostereiern gefunden hatte – die gibt es nämlich rationiert seit Ostern immer dann, wenn er sich ordentlich die Zähne putzt (morgen gibt es übrigens keine – soviel dazu!) – legte er sie noch einmal weg und zog sich erst seine Jacke und seine Schuhe ganz von allein aus! Keine Frage, dass er dafür ein riesiges Lob bekam, denn normalerweise streiten wir darüber, dass zu Hause als erstes Jacke und Schuhe ausgezogen werden. Ein zweieinhalbjähriger Junge, der das freiwillig tut, obwohl er seine Schokolade schon erbeutet hat, verdient ein Extralob, finde ich.
Leider sind kleine Jungs eben doch keine richtigen kleinen Jungs, wenn sie nicht wenigstens einmal am Tag Quatsch machen und so mussten wir dem größeren Kind dann noch erklären, dass sich sich die Kuh und der Bauer ganz viel Mühe geben, um die Milch zu machen und dass es darum gar nicht schön ist, wenn er die Milch absichtlich und vor allem aus reiner Provokation auf den Boden spuckt. Als Konsequenz gab es dann heute keine Milch mehr – da unser Kind in der Regel nur Milch und Wasser trinkt, ist das eine Kürzung seiner Auswahlmöglichkeiten um 50% – und er musste den Boden allein trocken wischen. Er resümierte dann ein wenig später, dass die Kuh und der Bauer sehr traurig sind und wirkte darüber ehrlich betroffen, aber ich bezweifle dennoch nicht, dass er nicht das letzte Mal auf den Boden gespuckt hat.
Dafür hat er aber nach dem Zubettgehen und dem Abendritual noch einmal ganz laut nach uns gerufen, weil er seiner kleinen Schwester noch nicht Gute Nacht gesagt hatte. Erst nachdem wir ihn das nachholen ließen, konnte er beruhigt und sekundenschnell einschlafen.
Und ich habe jetzt das kleinere Kind an den Papa verkauft und gönne mir ein heißes Zeit-für-Dich-Bad, damit ich auch morgen noch kraftvoll zupacken kann!

Frhoppe 22.04.2015

10.10.2014 Heute keine Kita!

An diesem heutigen Freitag war der Sohn schon vor uns wach, was allerdings vorwiegend daran lag, dass wir später aufstanden. Dies wiederum war begründet mit der Tatsache, dass wir heute nicht in die Kita gingen. Eigentlich ist es ja immer nicht so ratsam, während der Eingewöhnung freie Tage zu haben, aber da die Bezugserzieherin des kleinen Mannes heute zu einer Beerdigung musste und noch nicht klar war, ob die andere Erzieherin würde da sein können, hätten wir zwar kommen dürfen, aber es wurde uns geraten, vielleicht doch zu Hause zu bleiben, um den kleinen Mann nicht zu sehr zu verwirren.
Gesagt, getan!
Als ich dann also gegen neun die Zimmertür des Sohnes öffnete, war dieser hellwach und vollauf bereit in die Kita zu gehen. Statt der umständlichen langwierigen Erklärung, mit der er ohnehin nicht viel anfangen könnte, sagte ich einfach, es sei Wochenende und am Wochenende müsse man nicht in die Kita. Dies nahm er erstaunlich gleichmütig hin, was vielleicht auch an der Tatsache lag, dass es mal kein schnelles Tellerfrühstück gab, sondern einen richtig gedeckten Tisch mit Obst- und Gemüseteller und frischen Brötchen.
Außerdem rief gleich morgens die Uroma an und so wurde entschieden, dass wir den schönen sonnigen Tag dafür nutzen würden, in den Garten zu fahren. Während der Papa den großelterlichen Kompost umsetzte, freute sich der kleine Mann seines Lebens, rannte quietschfidel durch die Botanik, ging mit Oma am See spazieren und erzählte begeistert von der Hupe am Bus. Zudem wiederholte er seine Modifikation einer Strophe des Liedes, die er sich am Morgen ausgedacht hatte. „Die Türen vom Bus gehen auf und zu und die Leute steigen aus und machen Blablabla.“ Erwartungsgemäß rief dies natürlich angemessene Begeisterung hervor, ebenso wie der Erfolg auf dem Töpfchen.
Zum ersten Mal seit Beginn unserer Töpfchenversuchsreihe im Mai hatte der kleine Mann bei den Urgroßeltern ins Töpfchen gepullert. Nun war das nicht per se das erste Mal, denn wir hatten bereits seit Mai immer mal wieder kleine und große Töpfchenerfolge, aber bei den Großeltern war da nichts zu machen. Eine besonders niedliche Episode trug sich zu, als das Kerlchen geraume Zeit buchlesend auf dem Topf zubrachte und dann auf die Frage ob er schon gepullert habe, ganz ernsthaft antwortete: „Ich glaube nicht!“ Nun endlich war es so weit und das auch noch in meiner kurzzeitigen Abwesenheit. Das machte die Großeltern natürlich umso stolzer.
Und noch eine Kleinigkeit gibt es zu berichten: Wir haben unseren ersten Kita-Schnupfen. Ich habe aber damit gerechnet, da unser Sohn mit dem Kuscheltier des eindeutig an einem solchen Schnupfen erkrankten Kindes mehrfach in engeren Kontakt getreten ist. Und der kleine Mann steckt den Schnupfen auch sehr gut weg.

Frhoppe 10.10.2014