22.10.2014 Totally verpennt!

Heute morgen wurde nicht von meinem Wecker, sondern von einem plappernden kleinen Kind geweckt. Der Blick auf mein Handy bestätigte meine Vorahnung – wir hatten komplett verschlafen.Eine geschlagene Stunde zu spät wachten wir auf und damit eine viertel Stunde bevor wir den kleinen Mann in der Kita abgeben mussten. Dank einer bemerkenswerten Koordinationsleistung zwischen Mama und Papa und der beinahe unheimlichen Kooperation des Kindes, dass sich ganz brav wickeln und anziehen ließ, während es seine Milch trank und einen Zwieback knabberte, gelang es uns um neun das Haus zu verlassen und um viertel zehn mit nur einer viertel Stunde Verspätung in der Kita anzukommen. Leider hatten wir dadurch den Morgenkreis verpasst und da wir noch in der Eingewöhnung sind, musste ich dann auch wieder bis dreiviertel zehn dableiben, statt um halb zehn zu gehen. Dafür ließ das kleine Menschlein mich dann aber ganz entspannt gehen und begrüßte mich bei der Abholung nach dem Mittag total überschwänglich und begeistert. Vor lauter Kuscheln konnten wir gar nicht richtig anziehen, sodass ich erst zu Hause beim Ausziehen merkte, dass ich die Stiefel verkehrt herum an die Füße gesteckt hatte.
Quasi als kleine Mittagsbeschäftigung trugen wir im Supermarkt zur Belustigung einer Verkäuferin bei und das kam so: Beim unweigerlichen und unvermeidbaren Passieren der allgegenwärtigen Weihnachtsgebäcke und -schokoladen meldete auch der Sohn Besitzansprüche an einem Weihnachtsmann an. „Will den haben!“ krakelte es. Verstehe ich total. Das Zeug ist bunt und er weiß dank eines Schokoladenosterhasenzwischenfalls vor einigen Wochen wie es schmeckt – wir hatten dummerweise einen solchen in des Kindes Zimmer auf der Kommode stehen lassen, wo er eigentlich nicht ran kam … eigentlich, denn was wir nicht bedachten, war der Erfindungsgeist eines fast Zweijährigen, der einfach seine Spielzeugtruhe an die Kommode schob und somit den Hasen erreichte, entpackte und vertilgte, sowie große Teile der Schokolade auf Haut und Kleidung verteilte. Die Folge waren primär ein Kind im Zuckerschock und sekundär ein Kind mit zweitägiger Verstopfung.
In jedem Fall habe ich trotz dieses Wissens um die große Verlockung eine strickte Regel: Kein Weihnachtskram vor Ende November. Da hat der Papa Geburtstag und bekommt traditionell die erste Packung Schoko-Lebkuchen-Herzen. Das aber dürfte für ein Kind keine hinreichende Erklärung sein, zumindest keine Verständliche. Also erklärte ich dem Sohn, dass wir das jetzt noch nicht kaufen können. Sonst würde ja der Weihnachtsmann ganz durcheinander kommen und vielleicht an Weihnachten vergessen, dass Weihnachten ist. Während der kleine Mann das ganz verständig hinnahm, machte oben bereits erwähnte Verkäuferin meinen pädagogischen Geniestreich beinahe zunichte, indem sie in Gelächter ausbrach. Nur eine spontane Flucht in Richtung Kasse verhinderte selbiges.
Und nun noch etwas ernsteres: Morgen wird ein spannender Tag für uns. Der kleine Käfer wird zum ersten Mal in der Kita Mittagsschlaf machen. Die Erzieherin wollte eigentlich noch bis zum Ende der Ferien – also bis 3.11. – damit warten. Der Grund dafür war allerdings nicht, dass der kleine Mann nicht bereit wäre, sondern, dass sie nächste Woche selber nicht da ist und jedes zusätzliche Schlaf-Kind ihren Kollegen mehr Stress machen würde. Das brachte mich in einen Gewissenskonflikt. Einerseits verstehe ich die Beweggründe der Erzieherin, andererseits habe ich ja auch noch einiges für die Uni zu tun und bin darauf angewiesen, dass der Sohn länger in der Kita ist. Außerdem äußerte der kleine Mann sowohl heute als auch gestern bereits, dass er mit den anderen Kindern schlafen wolle. Wie ernst er das jetzt meint, weiß ich nicht, aber ich denke es ist doch ein Zeichen, dass es ein guter Zeitpunkt ist.
Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass wir es morgen das Erste Mal versuchen und dass mir Sohnemanns Erzieherin dann ganz ehrlich sagt, ob es sinnvoll und für die übrigen beiden Erzieher machbar ist, den kleinen Mann zum Mittagsschlaf dazubehalten. Ich meine, bei aller Liebe: Ich kenne meinen Sohn. Und wenn der nicht will, dann will er nicht. Und das ist eine Herausforderung bei der die Anwesenheit der Bezugserzieherin entscheidend sein kann. Aber wenigstens versuchen will ich es, da ich sonst noch zwei Wochen länger warten müsste, bevor ich genug Zeit habe, mich wieder ernsthaft dem Studium zu widmen. Da ich bis zur Geburt von Nummer 2 Anfang März weitestgehend fertig sein möchte, können diese zwei Wochen durchaus entscheidend sein.

Frhoppe 22.10.2014

28.05.2013 Volle Breitseite!

Wow, da hat sie mich heute voll erwischt, die Breitseite. Peng aus dem Hinterhalt und ohne sich anzukünden war es plötzlich da, das tiefe schwarze Loch. Und da bin ich einfach so reingefallen, ganz plötzlich von jetzt auf gleich. Auf einmal war es mir zu viel, dass ich den kleinen Mann drei Mal die Woche abgeben muss, dass ich ihn so oft teilen muss, dass ich ihn in der letzten Woche wirklich wenig gesehen habe. Alle wollen sie den kleinen Mann sehen, betreuen und wenn wir einmal eine Woche ausfallen lassen müssen, dann bekommen sie Entzugserscheinungen und wollen ihn an einem anderen Tag sehen. Und ich? hat es auf einmal ganz laut in mir geschrien. Das ist mein Sohn, ich will ihn bei mir behalten, für immer, ganz nah bei mir.

Das geht natürlich nicht, das ist mir ganz klar. Es ist gut und auch absolut richtig, dass Baby so viele Bezugspersonen hat, alles Menschen, die ihn lieben und die er liebt. Ich bin auch unendlich dankbar, weil alle diese lieben Menschen es mir ermöglichen, mein Studium doch noch abzuschließen. Und als mein kleiner Engel dann um viertel sieben endlich nach Hause kam und mich anlachte, mit den Beinen strampelte und sich in einem monströsen Kraftakt seiner winzigen Bauchmuskeln aus einer halb liegenden Position in den Sitz erhob, da ging es mir auch gleich nicht mehr ganz so schlecht.

© frhoppe 28.05.2013

30.03.2013 Baby- oder doch besser Uni-Blues?

Ob’s das miese Wetter zu Ostern ist oder der Wachstumsschub des kleinen Mannes oder vielleicht auch der Schlafmangel im Moment, irgendwie macht es mich heute so richtig fertig, dass ich nächsten Montag – also am 08.04. – wieder in die Uni muss. Ich weiß, dass andere Mamis viel früher wieder ran müssen und dann auch gleich fünf und nicht „nur“ drei Tage, aber das ändert nichts daran, dass ich noch nicht bereit dafür bin. ICH WILL NICHT!!! – und ja, jetzt stampfe ich gerade mit dem Fuß auf und verschränke bockig die Arme vor der Brust.

Das blöde ist, dass es keine Alternative gibt, wenn ich mein Studium noch abschließen will. Ich habe nämlich nur noch bis März 2014 Zeit und mindestens ein Semester braucht man für die Magisterarbeit. Also muss ich alle noch nötigen Kurse in diesem Sommersemester abarbeiten. Eigentlich sind es nur 8 Kurse – sechs, wenn sich die Prüfungsvorsitzende in Französisch gnädig zeigt und mir die zuviel besuchten Kurse aus dem Grundstudium anerkennt – aber die sind so blöd verteilt, dass ich eben an drei Tagen in die Uni muss, statt nur an zweien. Und die haben es dann auch noch in sich. Dadurch, dass ich eineinhalb Stunden bis zur Uni brauche – und das gleiche dann noch mal zurück – muss ich Dienstags um acht aus dem Haus und bin abends um halb acht wieder zu Hause und Mittwochs muss ich um sechs los, bin aber dafür schon um halb vier wieder da. Ich sehe also am Dienstag meinen kleinen Mann GAR nicht – erst recht, wenn ich danach noch zum Chor gehe, der bis um neun probt. Ich will das nicht, ich möchte das nicht, ich mag das nicht und ja, ich habe Angst davor!

Denn die Konsequenz aus der ganzen Uni-Fahrerei ist natürlich auch, dass ich, da ich noch voll stille, in der Uni abpumpen muss, damit der kleine Mann nicht hungern muss und auch damit die Milch weiter in der richtigen Menge produziert wird – je weniger ich stille respektive abpumpe, desto weniger Milch produziert der Körper nämlich. Heißt also: trotzdem regelmäßig abpumpen. Schaffe ich das zwischen den Kursen? Und wohin mit der Milch? Gibt es an der Uni eine Kühlmöglichkeit? Oder muss ich das wegschütten? Im Moment schießen mir einfach all diese Fragen durch den Kopf und irgendwie werden die immer größer und durcheinanderer – ich weiß das Wort gibt’s nicht, aber es passt!

Mein Trost ist, dass der kleine Mann gut versorgt ist, wenn ich nicht da bin. Aber auch wenn ich weiß, dass ich ohne all die lieben, hilfsbereiten Omis und Opis mein Studium in den Wind schreiben könnte, sagt da dieses leise Stimmchen: Das ist mein Baby, ich muss mich doch drum kümmern!

© frhoppe 30.03.2013

04.02.2013 Meine neue Gelassenheit

Als ich vor 12 Monaten den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hatte, waren zwei Gefühle in mir zu gleichen Teilen vorhanden. Zum einen dieser freudige Unglauben – ich bin gefühlte 200 Mal ins Bad gerannt und hab geschaut, ob die Linie noch da ist – und zum anderen Angst. Angst, ob ich wirklich schon bereit bin, Mama zu werden. Angst, dass etwas schief geht, Angst, dass ich das vielleicht alles nicht schaffe. Und heute? Heute weiß ich, dass ich es kann.

Schon während der Schwangerschaft bin ich mit jeder verstrichenen Woche ruhiger geworden. Als dann klar war, der kleine Mann kann kein Frühchen mehr werden, war die Sache mit dem Stress für mich komplett gelaufen. Freunde haben sich schon darüber amüsiert, dass ich immer entspannter wurde je näher der Geburtstermin rückte – selbst während der Fahrt in die Klinik war ich noch ruhig, obwohl die Wehen schon alle drei Minuten kamen. Vielleicht ist unser Sonnenschein deswegen so gechillt – und auch wenn ich Anglizismen normalerweise vermeide, besser als gechillt trifft einfach kein deutsches Wort auf den kleinen Mann zu. Jedenfalls habe ich es geschafft mir diese Ruhe aus der Schwangerschaft zu bewahren.

Heute saß ich bei meinen Großeltern, um meine Hausarbeit zu schreiben – Sie erinnern sich an das großartige Angebot, auf den kleinen Mann aufzupassen, damit ich schreiben kann – und als ich nach einem fantastischen Mittag wieder über den Büchern brütete, habe ich urplötzlich etwas wichtiges über mich selbst erkannt. Ich habe für mich persönlich mit der Geburt unseres Sohnes das wichtigste in meinem Leben schon erreicht. Und das meine ich ganz und gar nicht unemanzipatorisch, denn ich habe durchaus nicht vor, jetzt zu einem Mütterchen am Herd zu werden. Ich habe immer noch meine Ziele, möchte diese auch immer noch verwirklichen – sonst würde ich mein Studium Studium sein lassen und mich nur noch um das Baby kümmern – aber ich habe nicht mehr so große Versagensängste. Die Panik, die ich angesichts von Prüfungen und Hausarbeiten immer empfunden habe, ist weg. Dieses kleine Wunder und die Tatsache, dass wir als Eltern diesem Wunderwesen auf die Welt geholfen haben, gibt mir eine wahnsinnige Gelassenheit.

Solange Baby glücklich ist, kann ich alles schaffen und selbst wenn mir etwas nicht gelingt, ist es lange nicht so wichtig wie das Wohlergehen des kleinen Mannes. Schließlich sagt schon der kleine Zettel an meinen Yogi-Teebeuteln: „Es gibt keine großen Entdeckungen, solange es noch unglückliche Kinder gibt!“

© frhoppe 04.02.13