21.04.2015 Aus eins mach zwei – Teil drei

Und nun – zum Abschluss der Auftakt-Trilogie, denn heutzutage hat ja alles drei Teile – präsentiere ich den geneigten Lesern noch einige liebenswerte und manchmal auch witzige Anekdoten aus dem Leben des großen Bruders:

23.03.2015: Der Tag des Einzuges. Die klugen Eltern sorgen vor und bringen dem großen Sohn im Namen seiner kleinen Schwester Geschenke mit: Zwei Bücher – eines mit Widmung der Schwester – und ein Holzpuzzle. Es handelt sich hier ganz klar und auch ganz offensichtlich um den Versuch der Bestechung.
Aber es wirkt:
Während das größere Kind mit der Mama und dem neuen Puzzle spielt, beginnt das kleinere Kind zu schreien. Mama überlegt kurz und entscheidet, dass das kleinere Kind einen Moment warten kann, da sagt das größere Kind:
„Die Schwester schreit!“
„Ja, aber wir puzzeln das erst noch zu Ende“, antwortet die Mama, was beim größeren Kind ein besorgtes Stirnrunzeln auslöst!
„Oder soll ich die Schwester erst füttern“, fragt die Mama!
Das größere Kind nickt erleichtert und antwortet mit einem erleichterten Ja!
In den folgenden Tagen kommt es zu mehreren hitzigen Diskussionen darüber, ob kleine Jungs Mamas Titties auspacken dürfen, wenn die kleine Schwester Hunger hat. Das größere Kind sieht sich durchaus im Recht, ergibt sich aber schließlich Mamas Hinweis, dass ihre Titties ihr gehören und sie entscheidet, wann die ausgepackt werden, schließlich wolle der kleine Mann ja auch nicht, dass man ihm auf offener Straße die Hose herunter zieht!

27.03.2015: Anlässlich des ersten Freitags zu dritt wurde das größere Kind heute früher und vor allem von beiden Eltern abgeholt. Während das Kind noch dringend zu Ende spielen musste, stand man mit dem Erzieher zusammen, der den Eltern berichtete, dass der Sohn sehr wohl von seiner kleinen Schwester spricht.
„Die kann ja noch nichts!“ verkündete er auf die Frage nach seiner kleinen Schwester. „Nur schlafen, pupsen, essen und weinen!“
Recht hat er und die Situation erstaunlich treffend zusammen gefasst.
07.04.2015: Morgens beim Eintreffen in der Kita trafen wir auf ein andere Mama, welche unseren Nachwuchs noch nicht gesehen hatte und natürlich sofort einen Blick in die Babyschale warf.
„Na du bist ja eine ganz Süße“, rief sie entzückt aus.
Und wurde vom größeren Kind direkt zurecht gewiesen:
„Das ist meine Schwester!!!“

15.04.2015: Mama und Sohn sind mit der kleinen Schwester allein zu Hause, der Papa ist terminbedingt schon frühmorgens außerhäusig, was bedeutet, dass die morgendliche Versorgung beider Kinder bei Mama liegt. Bislang klappt auch alles ganz gut, dann plötzlich entdeckt das größere Kind den Hasen, der mittels Klettvorrichtung am Gitter des Babybays befestigt ist und definitiv der kleinen Schwester gehört.
„Ich will den haben“, verkündet er.
„Nein, der gehört deiner Schwester“, sagt Mama fürchtend, dass dies einen Trotzanfall zur Folge hat, aber dennoch bestimmt, denn auch das muss der kleine Mann lernen. Als er tatsächlich ein wenig verstimmt schaut, fügt Mama erklärend hinzu:
„Weißt du, die kleine Schwester hat nur den einen Hasen und du hast so viele Kuscheltiere in deinem Bett. Oder du gibst ihr eines von deinen!“
Das größere Kind überlegt einen Moment, entfernt dann den Hasen vom Gitter und wackelt damit in sein Zimmer, von wo es mit seinem geliebten Pinguin aus dem Berliner Tierpark wiederkommt.
„Weißt du Mama! Ich gebe der kleinen Schwester den Pinguin, weil ich den ganz doll lieb habe“, sagte er und bestand darauf, dass ich das Tier auf den Wickeltisch zu seiner Schwester setze.
Nicht nötig zu erwähnen, dass mein Mutterherz dahinschmolz vor Liebe. Ich versicherte dem kleinen Käfer dann aber, dass er mir nur Bescheid sagen muss, wenn er den Pinguin wieder haben will und dann tauschen wir zurück. Das war schon fünf Minuten später der Fall, aber der kleine Mann befestigte dann auch ganz brav den Hasen wieder am Babybett.

Dies sind nur vier Wort-Beispiele aus unserem Alltag in den letzten Wochen, aber sicherlich wird es ganz bald noch viel mehr geben. So fordert der kleine Mann schon ganz offensiv, man solle die kleine Schwester in Ruhe lassen. „Nein! Lass die K. In Ruhe!“ rief er kürzlich seiner Oma zu, weil die Kleine auf deren Arm weinte und er dachte, sie weint wegen Oma. Wir haben das zwar richtig gestellt, aber stolz waren wir alle ein bisschen, dass er seine kleine Schwester sogar gegen Oma verteidigt, wenn er das für nötig hält.
Natürlich ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Der kleine Käfer hat ganz schön an der neuen Situation zu knabbern, er bockt sehr viel, testet sämtliche Grenzen ganz neu aus und ist unheimlich anhänglich geworden. Erst am Wochenende entdeckten wir, dass er unheimliche Angst vor weiteren Veränderungen hat, denn als wir unsere Klappstühle anlässlich einer Feier vom Balkon in den Garten schaffen wollten, fing er furchtbar an zu weinen und beharrte darauf, dass die da nicht weg dürfen. Auch in der Kita weint er wohl öfters nach seinem Papa, was uns sehr zu schaffen macht, aber auch nicht wirklich zu ändern ist, denn eigentlich ist er in der Kita unheimlich glücklich und will da auch unbedingt hin. Das wollen wir ihm auch auf keinen Fall nehmen, zumal er auch noch nie von sich aus zu Hause bleiben wollte. Wir versuchen das aufzufangen, indem wir sehr viel mit ihm Kuscheln und versuchen möglichst nicht die Geduld zu verlieren, wenn er auf deutsch gesagt, völlig am Rad dreht. Ich habe ihm z.B. erlaubt, jederzeit kuscheln zu kommen, wenn er möchte, auch wenn ich gerade stille. Das ist zwar ein wenig unruhiger, aber die kleine Maus fühlt sich dadurch nicht gestört und ich möchte ihm nicht das Gefühl geben, dass er hinten an steht. Wir versuchen, ihm nicht das Gefühl zu geben, dass er Dinge nicht mehr darf, weil jetzt seine Schwester da ist. Wenn er also auf dem Bett tobt, dann schirmen wir die kleine Maus unauffällig ab, anstatt zu sagen: „Du darfst nicht so doll toben, deine Schwester liegt hier!“ Und ihn zum Leise sein aufrufen, lassen wir ganz sein, es sei dem, er ist wirklich zu laut, aber selbst dann sagen wir ihm nur, dass es Mama und Papa zu laut ist. Seine kleine Schwester bleibt dabei ganz außen vor. Natürlich muss er achtsam sein: Wenn er zu doll tobt oder zu grob ist – zweimal hat er seiner Schwester schon mehr oder weniger eine gewischt, aber das war ganz am Anfang – dann sagen wir ihm auch, dass er auf seine kleine Schwester aufpassen muss. Allerdings versuchen wir das in einem vernünftigen Rahmen zu halten. Und wenn die kleine dann eben einmal öfter wach ist, dann muss sie da auch durch – schließlich nimmt sie auch keine Rücksicht darauf, dass ihr großer Bruder nachts schläft, selbst wenn den nicht mal eine Marschkapelle neben seinem Bett wecken könnte.
Und es wirkt: Denn bisher lässt der kleine Mann bis auf die zwei Ausnahmen seinen Frust über die Situation an uns aus – und nur an uns. Mit seiner kleinen Schwester geht er unheimlich liebevoll um, streichelt sie sehr viel und bekommt einen ganz lieben Tonfall, wenn er mit ihr spricht. Wenn sie weint, ist er besorgt und verunsichert und bringt ihr den Nuckel, bevor er mich – leider immer noch – ab und an versucht auszuziehen. Und langsam, ganz langsam beginnt für uns eine Art Alltag, in dem wir hoffentlich beiden Kindern gerecht werden.

Frhoppe 21.04.2015

11.05.2013 Alles hat ein Ende!

Nun, da der erste Schritt zur nahrungstechnischen Loslösung des kleinen Mannes von Mama vollzogen ist – heute hat das mit dem Brei nämlich schon viel besser geklappt und viel mehr ist im Bauch gelandet und wir brauchten nicht sofort danach stillen – wende ich mich dem Thema „Stillen“ zu!

Ich stille nämlich unheimlich gerne.

Es ist ein so wundervolles Gefühl, dem kleinen Mann all das geben zu können, was er braucht und ihm dabei so nahe zu sein. Selbst im Schlaf weiß er instinktiv, wo meine Brust ist, trinkt mit geschlossenen Augen und hält dabei meinen Finger ganz fest, bis er wieder eingeschlafen ist. Vom ersten Moment an, als er mir das erste Mal noch im Kreissaal an die Brust gelegt wurde, wusste ich, dass ich mein Bestes geben werde, um ihn die empfohlenen 6 Monate voll stillen zu können.

Das kam mir damals so wahnsinnig lang vor…und jetzt? … Jetzt stehe ich da, habe meinem Sohn schon zum zweiten Mal Möhrenbrei gegeben und versuche es morgen mit Pastinaken und die sechs Monate sind wie im Flug vergangen. Sicherlich war ich mehr als einmal davon genervt, dass ich in der Uni abpumpen muss und darum meistens völlig gehetzt bin, aber das war es mir absolut wert. Muttermilch ist einfach das Beste und wie gut es dem kleinen Mann bekommt, kann jeder bestätigen, der ihn schon einmal gesehen hat. Ein bisschen Wehmut ist jetzt schon dabei, aber so, wie ich wusste, dass Muttermilch das ist, was Baby braucht, weiß ich jetzt eben auch, dass der kleine Mann jetzt langsam mehr als das braucht.

Und mir bleiben ja noch eine !eile lang die Nächte. Und die gehören ganz Baby und mir!

© frhoppe 11.05.2013

18.01.2013 Krank – was nun?

Wie ich ja schon vor einigen Tagen am Rande mal erwähnt hatte, hatte der Papa sich erkältet. So richtig mit Husten und Schnupfen und Gliederschmerzen. Er hat sich also auch ganz brav vom Kind ferngehalten, damit er unseren kleinen Mann nicht ansteckt.

Die Folge dessen war aber, dass  ich mich nun um den Kleinen quasi alleine kümmern musste. An sich ja nicht schlimm, das muss so manch andere Mutter tagtäglich tun – meinen tief empfundenen Respekt an dieser Stelle mal für alle alleinerziehende Mütter!!! Allerdings gestalten sich seitdem die Nächte etwas rastloser. Zwar schläft der kleine Mann mittlerweile fast immer länger als vier Stunden – einmal sogar acht! – allerdings tut er das nur einmal die Nacht! Ja natürlich, werden Sie meinen, ich schlaf ja auch nur einmal die Nacht, ich meine damit aber folgendes: Wenn er seine lange Schlafphase einmal hinter sich hat, dann kommt er in etwa alle zwei Stunden. Auch noch ein Zeitabschnitt, der nach entsprechender Gewöhnungsphase, eine gewisse Erholung gewährleistet, jetzt jedoch kommt der kranke Papa ins Spiel. Immer im Wechsel mit dem Kind – nicht etwa gleichzeitig, dass wäre ja zu einfach – erwachte er schnaubend und hustend. Keine Frage, dass ich natürlich mit wach war. Und wenn Sie jetzt gut aufgepasst haben, erkennen Sie, dass das Summa Summarum eine Stunde Schlaf am Stück für mich bedeutet. Dementsprechend gerädert fühle ich mich seit einigen Tagen – vergessen Sie bitte die Kinderbetreuung tagsüber nicht – und dementsprechend bin ich jetzt natürlich auch krank.

Und jetzt stellt sich die große Frage: Was mache ich mit dem kleinen Mann? Mich fernhalten ist eher schwieriger umzusetzen, denn meine Brust ist und bleibt mit mir verwachsen. Also muss Google ran! Und da fand ich etwas wirklich Absurdes! Da wurde doch ernsthaft und wirklich dazu geraten, das Kind nur mit Mundschutz zu stillen!!! Ich stelle mir das jetzt mal aus Babys Perspektive vor. Es wird endlich wieder an die geliebte, wohlig warme Milchquelle angelegt, blickt vertrauensvoll dahin auf, wo es zu Recht Mamas liebendes Gesicht erwartet und wird empfangen von einem Gesicht, das statt Mund und Nase einen weißen, wahlweise chirurgisch grünen Fleck hat.

Nein danke, da riskiere ich lieber, dass der kleine Mann einen Keim abbekommt, als ihn zu traumatisieren. Es gibt ja auch noch den Nestschutz!!!

© frhoppe 18.01.13