28.04.2015 Wer hat unser Kind vertauscht? – Oder: Warum ich es trotzdem liebe, ihn ins Bett zu bringen!

Wir haben ein Abendritual. Irgendwann zwischen sechs und sieben, je nach Müdigkeitsgrad des Kindes beginnen wir mit unserer abendlichen Zeremonie.

Den Auftakt bildet das Abendbrot – wobei das optional ist, wenn das Kind vorher beispielsweise bei den Großeltern war und wahrlich genug gegessen hat. Nicht optional sind dann: Ausziehen, was der kleine Mann schon ganz prima alleine macht, Waschen, Töpfchen, Wickeln, Schlafzeug an und Zähneputzen.
Pünktlich zum Ausziehen ist unser Sohn wie ausgewechselt. War er eben noch lieb und umgänglich gar freudig, sitzt nun ein kleines Monster vor uns. Er schreit, weint, jammert, hält seine Sachen fest, tritt den Papa oder die Mama, beißt und haut und läuft davon, wobei er wie wild kreischt und lacht. Das ganze dauert im Schnitt 5 bis 10 Minuten, dann ist der Spuk vorbei. Das Käferchen zieht sich selbstständig aus, trifft sehr ernsthaft seine Entscheidung, ob ihn heute Frosch oder Affe waschen sollen, sitzt geduldig auf dem Topf und freut sich mit uns, wenn ihm dort doch einmal ein Erfolg gelingt. Sein Schlafzeug zieht er alleine an und auch das Zähneputzen klappt gut, seit Mama das abends wieder übernimmt – und seit ich ihm irgendwann nicht mehr nur mit dem Entzug von Süßkram gedroht habe, sondern ihm auch erklärt habe, dass ihm die Zähne ausfallen, wenn er nicht putzt und er dann nur noch Wasser trinken und Brei essen kann. Klingt erst mal gemein, einem Kind das so zu sagen, aber der kleine Kerl ist einfach zu clever, um sich was daraus zu machen, dass der Osterhase im Falle des Nichtputzens keine Schokolade in seine Pappeier legt. Gibt ja auch noch genug leckere Sachen, wenn Oma ihn abholt. Aber keine Zähne mehr zu haben! Das wäre blöd! Könnte man ja auch nicht mehr beißen! Wobei das vielleicht gar nicht so schlecht wäre!

Aber ich schweife ab!

Nach seinem heutigen Ausbruch fragte ich ihn, ob sein Gehirn schon im Schlafmodus sei und er beantwortete das mit einem klaren „Jo!“ – dieses Jo müsst ihr euch genau so vorstellen, wie es so ein cooler Möchtegernrapper sagt. Ich warte nur noch auf die entsprechende Geste dazu. Auf die Nachfrage, ob er deswegen so aufgedreht sei, kreischte er ein entschiedenes „Jaaaaa!“ und warf sich mir an den Hals, um mir mein Gute-Nacht-Küsschen zu geben, denn da seine Schwester am Schreien war, blieb der schöne Teil des Abendrituals dem Papa überlassen.
Wenn nämlich alles geschafft, auch der letzte Zahn geputzt und die letzte Socke angezogen ist, dann geht es ins Bett. Dort warten der Tutti und die Schnuffeltücher, sowie die Kuscheltierarmee auf unseren Sohn und er kriecht friedfertig unter die Decke. Dann darf sich das Käferchen ein bis sechs Lieder aussuchen, denn das Singen ist fester Bestandteil unseres Lebens – meistens sind es zwei, wobei an den meisten Abenden tatsächlich die „Wasserflut“ das Rennen macht. Wem dieses Lied nichts sagt, nicht wundern: Wasserflut heißt so, weil es in der zweiten Strophe heißt „Weißt du wie viel Fischlein springen, in der hellen Wasserflut“ und ist eigentlich das allseits bekannte Lied „Weißt du wie viel Sternlein stehen!“ Unser Sohn hat da eine ganz eigene Art, sich Lieder zu merken: So heißt zum Beispiel „Eine Seefahrt, die ist lustig …“ bei uns „Uschi Uschi“, weil nämlich in der dritten Strophe eine gewisse Uschi zweimal angesprochen wird. Ich gebe zu, es hat eine Weile gedauert, bis wir das raushatten.

Während wir singen, wird gekuschelt – und zwar vom Sohn. Wie eine kleine Katze butzt er uns mit seinem Köpfchen an und kugelt sich in unseren Armen ein. Außerdem werden wir gestreichelt und geknutscht, bis der letzte Ton verklungen ist! Dann müssen wir folgende Worte sagen, die er auch mitflüstert: „Mama und Papa haben dich ganz ganz ganz doll lieb und wir passen immer auf dich auf, ganz egal was auf der Welt noch passiert. DU bist unser größter Engelbär. Soll der Mond noch singen?“ Damit ist die Spieluhr gemeint und die Frage ist eher rhetorisch, denn der Mond soll IMMER singen! „Ja!“ flüstert es durch den Tutti, es wird an der Schnur gezogen und der kleine Mann hebt uns sein Gesicht zum letzten Gute-Nacht-Kuss entgegen. „Ich hab dich lieb, mein kleiner Engel. Schlaf gut und träum süß! Bis morgen früh!“
Dann gehen wir raus. Und unser Sohn schläft. Tief und fest und wir können tatsächlich an einer Hand abzählen, wann das einmal nicht so gewesen ist. Ich denke, er weiß, dass ihm nichts passieren kann!

Frhoppe 28.04.2015

11.07.2013 Da war es wieder!

Furchtbar! Mit einem Wort: FURCHTBAR!!!

Da kam ich gerade von der Chorprobe nach Hause, als ich auch schon Babys Spieluhr an den Stäben des Gitterbettes klappern höre. Selbiges heißt nichts anderes, als das der kleine Mann zeitnah erwachen wird. Genau dies tat er dann auch. Ich für meinen Teil wusste sofort, dass etwas nicht stimmte, das Weinen klang nämlich anders. Der Papa meinte „Ach was, der hat Hunger!“ Ich hatte Recht, auch wenn ich lieber nicht recht gehabt hätte.

Der kleine Mann lag stocksteif in seinem Bettchen, drückte sich von der Matratze hoch, die Augen weit geöffnet und schrie wie am Spieß. Nur eben nicht in diesem typischen Hungerton, sondern ganz verzweifelt – ich schwöre, ich habe auauauauau gehört. Meine Brust ignorierte er vollkommen. Er drehte nicht einmal den Kopf. Also nahm ich ihn hoch, wollte ihn trösten, doch noch immer war er steif wie ein Brett, statt sich wie sonst an mich anzukuscheln. Ich probierte es mit dem Wiegegriff, doch auch hier nahm Baby einen einzigen winzigen Schluck und drehte sich dann wieder weg. Ich gebe zu, dass ich mich noch nie in meinem Leben so hilflos gefühlt habe. Man ist so machtlos, diese kleinen Würmchen können ja noch nicht sagen was sie haben.

Trotz Babys anhaltendem Geschrei begann ich dann leise zu singen, vielleicht auch, um mich selbst zu beruhigen, während ich den kleinen Mann sachte schaukelte. Und siehe da, das Schreien wurde weniger, ging langsam in Schluchzen über und hörte schließlich mit einem tiefem Seufzer auf.

Und plötzlich hatte der kleine Mann auch wieder ganz großen Hunger!

© frhoppe 11.07.2013

04.06.2013 Die Freiheit war so nah….

Puh, endlich schläft unser kleiner Babymann. Das war heute gar nicht so einfach, sogar den Chor hat Mama abgeblasen, weil der kleine Mann sich nicht so recht entscheiden konnte, ob er trinken will oder nicht.

Während des abendlichen Wickelns schrie er wie am Spieß, wollte unbedingt an die Mutterbrust und saugte sogar schon verzweifelt am Kissen. Zu allem Übel war auch noch die Batterie seiner Spieluhr alle – ja genau diejenige, welche fester Teil unseres Abendrituals ist – sodass wir die erstmal austauschen mussten. Baby schrie unterdessen weiter nach Futter. Kaum lagen wir jedoch bereit, war auf einmal alles andere interessanter als die Mahlzeit. Vor allem die gerade wieder in Funktion versetzte Spieluhr lenkte den kleinen Brüllbär vom Trinken ab. Zwischendurch nahm er zwar immer mal wieder einen Schluck, aber da war nichts ernsthaftes dabei.

Und so kam es wie es kommen musste: Nachdem wir das Einschlafritual beendet und das Schlafzimmer verlassen hatten, war aus demselben zunächst munteres Geplapper zu hören, welches nahtlos überging in Demontageversuche des Bettes unter aktiver Zuhilfenahme beider Füße. Dann begann das Gemecker, das schließlich in einem forderndem Weinen gipfelte, welches nun endlich Mama herbeirief – ja ich bin da hart, ich gehe nicht rein, solange er nur meckert … darüber ist er nämlich schon oft genug eingeschlafen! Und was sah ich, als ich das Zimmer betrat? Dieses kleine Ninjababy hatte sich ganz geschickt mitsamt Schlafsack aus seinem Bettchen gerollt und stetig nach unten gerobbt. Rausfallen hätte er zwar noch nicht gekonnt, trotzdem haben wir ihn jetzt zur Sicherheit in seinem eigenen kleinen Alcatraz eingesperrt. Das Beistellbettchen hat nämlich ein Absperrgitter, welches nach Bedarf zwischen Baby- und Elternbett eine Sperre bildet.

Bis jetzt hatten wir keinen Bedarf und ich werde das Ding auch wieder abnehmen, sobald wir schlafen gehen, aber eins ist klar: Mit der Freiheit beim Einschlafen ist es jetzt vorbei, kleiner Mann!

© frhoppe 04.06.2013

24.05.2013 Baby in Hochform!

Gestern Nacht, es mag so gegen 1 Uhr gewesen sein, erwachte der kleine Mann wie immer mit GROSSEM Hunger. Er konnte es gar nicht erwarten, dass ich ihm die Quelle anreiche, so dringend war sein Bedürfnis nach Nahrung – selber schuld! Wer abends lieber mit seiner Spieluhr spielt, statt zu trinken, hat halt nachts Hunger!

Wie immer war nach dem Stillen das nächtliche Windeln dran. Da wird dann die tagsüber völlig genügende Discount-Windel gegen den Ferrari unter den Windeln ausgetauscht, weil die eben wirklich länger trocken hält. Bei zwei bis drei Stunden gibt es da noch nicht wirklich einen Unterschied, auch noch nicht bei drei bis vier, aber nach 9 Stunden Schlaf ist der Pöter des kleinen Mannes mit dem Ferrari halt doch wesentlich trockener, als mit dem Volkswagen.

Ich hatte nun Baby gerade von seinem Volkswagen befreit, um ihm den Ferrari anzulegen, als ich daran dachte, ihm ein Taschentuch über seinen gefährlichen kleinen Wutz zu legen – Schaden macht ja bekanntlich klug und er hatte uns schon des Öfteren angepinkelt! Ich wähnte mich also ob der Taschentuchsperre in Sicherheit und in der Tat, ich war es auch. Nicht so Schlafanzug und Body des kleinen Mannes. Baby schaffte es nämlich tatsächlich, am Taschentuch vorbei, beides komplett vollzupinkeln. Naja, alle Eltern wissen, welche Freude es macht, nachts dass Kind komplett neu anzuziehen – wobei ich präzisieren muss: dem Kind bereitet dies durchaus große Freude! Vor lauter Freude hat er dann gleich noch mal gepinkelt. Und weil ich ja nicht davon ausging, dass in dem Kind noch was drin ist, hatte ich das durchweichte Taschentuch bereits von Babys Wutz entfernt. In der Folge pinkelte er nicht nur seine frisch untergelegte Ferrari-Windel, sondern auch sich und dann noch meine eilig über den Wutz gehaltene Handfläche voll. Gott sei Dank hatte ich noch keine neuen Klamotten in Reichweite gelegt.

Keine Frage, dass nach dieser Aktion der kleine Mann hellwach war!

Dafür hat er aber heute nicht nur bis halb zehn geschlafen – nur von einem kurzen Stillen gegen sechs unterbrochen – sondern auch den gestern mühsam hergestellten Möhren-Kartoffel-Brei mit einem solchen Genuss gegessen, dass alles andere wieder vergessen war.

© frhoppe 24.05.2013

10.03.2013 Huch! Es ist ja schon halb 10!

Nachdem wir ja gestern so wunderbar durch- und angekommen sind, hatte ich schon arge Befürchtungen wegen der Nacht gehabt. Schließlich schläft der kleine Mann das erste Mal in einem eigenen Bett! Zuhause hat er zwar auch ein Beistellbett, aber das ist ja noch mit Mamas und Papas Bett verbunden, sodass er eigentlich bei uns schläft. Und jetzt gleich in dem großen Reisebett. Da sieht er ganz verloren drin aus. Tja und dann war da ja noch die Frage, ob er abends überhaupt einschläft, nachdem er ja fast drei Stunden im Auto geschlafen hatte und dann auch noch in fremder Umgebung. Aber wir hatten ja unser Abendritual – an die Spieluhr war ja auch gedacht worden – also waren wir gespannt, ob das wirklich so gut funktioniert, wenn sich alles drum herum ändert.

Hat es!!! Und zwar ganz wunderbar! Ein bisschen komisch hat er ja schon dreingeschaut, als wir ihn plötzlich noch mal hochgehoben und in dieses merkwürdige viereckige Ding reingelegt haben, aber er hat sich friedlich verhalten und ist in der Nacht auch nur drei Mal gekommen. Um halb zwölf, um vier und dann noch mal um halb sechs. Dann hat er aber erstaunlicherweise bis halb Zehn geschlafen. Damit hatten wir ja nun überhaupt nicht gerechnet – halb acht ja, vielleicht noch halb neun, aber halb zehn. Wahnsinn! Was für ein wunderbarer Start in den Urlaub. Und dabei hatte die Gastgeberin Geburtstag und nicht wir. 😀

© frhoppe 10.03.2013