22.04.2015 Fresspause für die Fressraupe

Nach einer mit weniger Schlaf gesegneten Nacht – im Ernst jetzt, ich glaube, ich habe keine Stunde am Stück geschlafen – durften wir als erstes ein großes Erfolgserlebnis mit dem kleinen Mann teilen. Ein im wahrsten Sinne großes Ereignis, denn seit einiger Zeit haben wir mit dem Töpfchen-Training angefangen und heute befand sich im Töpfchen tatsächlich wieder ein großer Haufen. Wie stolz der kleine Mann darüber war, erwies sich am Abend, als allein die Erinnerung an den morgendlichen Erfolg ihn dazu brachte, sich freiwillig auf das Töpfchen zu setzen. Auch das ist nicht unbedingt zu unterschätzen, denn auch wenn wir keinen Zwang anwenden, so ist das komische weiße Plastikding nicht unbedingt der beste Freund unseres Sohnes.

Nachdem der Sohnemann dann wohlbehalten in der Kita abgegeben war, erwarteten wir gespannt den vorerst letzten Besuch unserer Hebamme. Immerhin wollte ich wissen, was sie von dem gestrigen Trinkexzess unserer Fressraupe hielt. Und wenn sie mir nur sagen würde, ich soll mich nicht so haben, das sei alles ganz normal, dann wäre das auch okay, dann hätte ich wenigstens eine Richtlinie!
Tja, was soll ich sagen – normal ist das, aber eben weil bei Babys alles quasi alles normal ist. Aber normal ist das nicht!
Will heißen: „Wenn du sogar weinst, dann hat sie dich ziemlich rund laufen lassen gestern.“ Und nachdem sie sich das Fressverhalten unserer kleinen Raupe schildern lassen hat, und die kleine Maus ein wenig beim Trinken beobachten konnte – sie hatte nämlich wenig überraschend gerade wieder ein Hüngerchen – verordnete sie eine Fresspause. Mama hat nämlich viel, viel Milch und die kommt immer direkt rausgeschossen aus der Brust, so dass das Würmchen am Anfang gar keine Wahl hat, wobei sie auch nicht so aussieht, als sei sie damit unzufrieden. Es heißt also „Trink oder stirb!“ Und sie trinkt mit einer Inbrunst, dass man denken könnte sie sei völlig ausgehungert. Das Problem an der Sache ist aber, dass sie dabei leider viel Luft schluckt, was dann wiederum Bauchweh zur Folge hat, welches sie ganz furchtbar piesackt und zwickt. Sie ist also latent unzufrieden und fühlt sich unwohl und verwechselt das dann mit Hunger. Oder wie unsere Hebamme es ausdrückt: „Na klar will sie bei Mama an die Brust – da ist für sie alles gut!“
Ihre Empfehlung? Mindestens zwei Stunden muss das kleine Milchmonster durchhalten, alles andere ist schlecht fürs Bäuchlein. Wenn sie vorher wieder kommt, dann geben wir Fenchel- oder Bauchwohltee und tragen sie unermüdlich im Fliegergriff durch die Gegend, damit der Bauch besser wird. Und beim Trinken soll sie möglichst aufrecht auf meinem Bauch liegen, das reduziert den Druck, mit dem ihr die Milch in den Mund schießt!
Einzige Ausnahme von der Regel – sie hat vor der Mahlzeit vier bis fünf Stunden geschlafen! Dann darf sie auch drei oder vier mal hintereinander Hunger haben, denn sie muss quasi ihre Speicher wieder auffüllen.
Vier bis fünf Stunden geschlafen hat sie heute nicht und auch keine zwei Stunden durchgehalten, also konnte ich das mit dem Fencheltee gleich mal ausprobieren. Wer jemals versucht hat, Flüssigkeit, die einem Kind nicht schmeckt mit einem Teelöffel in selbiges Kind hineinzubekommen, der weiß wie sich ein Kampf mit einem Tintenfisch einfühlt. Die gute Nachricht ist aber, dass das Kind irgendwann so sauer ist, dass es das Zeug vor Wut schluckt, statt es fein säuberlich mit der Zunge aus dem Mund herauszuarbeiten. Ich muss ehrlich sagen, zwischendurch war ich versucht, die kleine Maus einfach wieder anzulegen – was weiß denn schließlich die Hebamme schon? Tja, leider eben eine Menge und so hörte ich dann doch auf die dämliche Vernunft, die mir ins Ohr schrie, das Baby jetzt anzulegen macht das Problem nicht besser, sondern verschiebt es nur um einige wenige Minuten. Tatsächlich schlief die Maus dann auch wieder ein – zwar auf meinem Bauch und sie brüllte auch, sobald ich sie weglegen wollte – aber immerhin habe ich sie erfolgreich von ihrem „eingebildeten“ Hunger ablenken können. Denn das der Hunger eingebildet ist, merkt man daran, dass sie sich mit Tee und Kuscheln hat abspeisen lassen. Wenn sie nämlich richtig Knast hat, dann hilft nix davon, dann muss das Titti raus, aber Zackzack.
Nun immerhin war sie dann einigermaßen entspannt, als es daran ging, ihren großen Bruder abzuholen. Da war sie gerade gesättigt und frisch gewickelt nach einem monströsen Pups. Tatsächlich bin ich nicht sicher, ob es nicht der Pups war, der sie so entspannt hat, denn der war wirklich erfurchtgebietend, wenn man bedenkt, dass er aus so einem kleinen Wesen kommt. Jedenfalls konnten wir uns auf diese Art beim Abholen auf das größere Kind konzentrieren, das sich mir auch wieder überschwänglich in die Arme schmiss und mich ganz süß mit einem Kuss begrüßte. Er nahm nämlich mit seinen beiden Händchen mein Gesicht zu sich herunter und gab mir einen dicken Schmatz. Zu Hause angekommen heimste er dann noch einmal Lorbeeren ein. Obwohl er nämlich schon seine Schokolade schon in seinen Nostalgie-Pappostereiern gefunden hatte – die gibt es nämlich rationiert seit Ostern immer dann, wenn er sich ordentlich die Zähne putzt (morgen gibt es übrigens keine – soviel dazu!) – legte er sie noch einmal weg und zog sich erst seine Jacke und seine Schuhe ganz von allein aus! Keine Frage, dass er dafür ein riesiges Lob bekam, denn normalerweise streiten wir darüber, dass zu Hause als erstes Jacke und Schuhe ausgezogen werden. Ein zweieinhalbjähriger Junge, der das freiwillig tut, obwohl er seine Schokolade schon erbeutet hat, verdient ein Extralob, finde ich.
Leider sind kleine Jungs eben doch keine richtigen kleinen Jungs, wenn sie nicht wenigstens einmal am Tag Quatsch machen und so mussten wir dem größeren Kind dann noch erklären, dass sich sich die Kuh und der Bauer ganz viel Mühe geben, um die Milch zu machen und dass es darum gar nicht schön ist, wenn er die Milch absichtlich und vor allem aus reiner Provokation auf den Boden spuckt. Als Konsequenz gab es dann heute keine Milch mehr – da unser Kind in der Regel nur Milch und Wasser trinkt, ist das eine Kürzung seiner Auswahlmöglichkeiten um 50% – und er musste den Boden allein trocken wischen. Er resümierte dann ein wenig später, dass die Kuh und der Bauer sehr traurig sind und wirkte darüber ehrlich betroffen, aber ich bezweifle dennoch nicht, dass er nicht das letzte Mal auf den Boden gespuckt hat.
Dafür hat er aber nach dem Zubettgehen und dem Abendritual noch einmal ganz laut nach uns gerufen, weil er seiner kleinen Schwester noch nicht Gute Nacht gesagt hatte. Erst nachdem wir ihn das nachholen ließen, konnte er beruhigt und sekundenschnell einschlafen.
Und ich habe jetzt das kleinere Kind an den Papa verkauft und gönne mir ein heißes Zeit-für-Dich-Bad, damit ich auch morgen noch kraftvoll zupacken kann!

Frhoppe 22.04.2015

19.06.2013 Was eine Hitze!!!

Als ich diesen Blog am ersten Januar 2013 begann, schrieb ich, dass junge Eltern NICHTS wissen und das es auch völlig egal sei, wie oft und intensiv man schon andere Kinder gehütet hat, man fange ganz von vorne an! Ich unterschreibe diese Aussage auch heute noch völlig blind! Zum einen weil ich der absoluten Überzeugung bin, dass jedes Kind anders ist und sich Eltern darum anders darauf einstellen müssen. Zum anderen weil uns die Richtigkeit dieser Aussage wieder einmal vor Augen geführt wurde.

Heute war nämlich der erste RICHTIG heiße Tag des Jahres und damit auch Babys erster RICHTIG heißer Tag! Und wir fingen als Eltern bei null an!

Natürlich nicht ganz bei null. Der kleine Mann hielt sich zu 99% der Zeit im Schatten auf und war trotzdem gut eingecremt, falls wir doch mal mit ihm in die Sonne kämen. Am laufenden Band bot ich ihm Wasser an – mit dem Löffel, denn der erste Mineralwassererfolg war wohl nur ein Einzelstück, lediglich mit dem Löffel bekommen wir ein paar Tropfen in Baby hinein – und wann immer er danach verlangte, legte ich ihn an. Klamotten trug er schon gleich gar nicht, auch keine Windel, was zu dem ein oder anderen Pinkelanschlag führte. Ich muss allerdings sagen, dass ich diese Pinkelei eher erleichternd fand, denn zwischendurch war Baby doch sehr matt, bekam richtig glänzende Augen und einen hochroten Kopf. Wegen der glänzenden Augen beschloss ich dann auch, Fieber zu messen, weil ich nicht mehr einschätzen konnte, ob er einfach nur wegen der Temperaturen warm war oder doch Fieber hatte. Die Temperatur war mit 37,8° gerade noch eben in Ordnung, aber für mich eben doch schon bedenklich. Da er schon nackt und im Schatten war, war ich ein wenig hilflos, denn von dem wenigen Wasser, das ich mit dem Löffel in ihn hineinbekam, spuckte der kleine Mann mindestens die Hälfte wieder aus. Und an der Brust war er mittlerweile auch mäkelig geworden. Wie sollte ich also genug Flüssigkeit in Baby hinein bekommen? Dass er pullert war dann insofern erleichternd, dass es bedeutet, er hat noch genügend Flüssigkeit im Körper.

Das war der Moment, in dem ich von meinem „Nur-Wasser“-Vorsatz abrückte. Bevor Baby zu wenig trinkt und sein kleiner Kreislauf das nicht mehr verarbeiten kann, probiere ich es dann doch lieber mit einem Schuss Apfelsaft im Wasser. MuMi ist schließlich auch süß und zudem sehr gehaltvoll, da halte ich 10 ml Apfelsaft auf 150ml Wasser für vertretbar, natürlich nur wenn der Saft Direktsaft ist, d.h. zu 100% aus Äpfeln besteht.
Und endlich trank der kleine Mann, etwa 60 ml am Stück und sah danach gleich viel frischer aus.

Trotzdem schläft er jetzt ganz pattig, auf dem Bauch liegend alle viere von sich gestreckt und bis auf seine Windel nackt.

© frhoppe 19.06.2013

11.05.2013 Alles hat ein Ende!

Nun, da der erste Schritt zur nahrungstechnischen Loslösung des kleinen Mannes von Mama vollzogen ist – heute hat das mit dem Brei nämlich schon viel besser geklappt und viel mehr ist im Bauch gelandet und wir brauchten nicht sofort danach stillen – wende ich mich dem Thema „Stillen“ zu!

Ich stille nämlich unheimlich gerne.

Es ist ein so wundervolles Gefühl, dem kleinen Mann all das geben zu können, was er braucht und ihm dabei so nahe zu sein. Selbst im Schlaf weiß er instinktiv, wo meine Brust ist, trinkt mit geschlossenen Augen und hält dabei meinen Finger ganz fest, bis er wieder eingeschlafen ist. Vom ersten Moment an, als er mir das erste Mal noch im Kreissaal an die Brust gelegt wurde, wusste ich, dass ich mein Bestes geben werde, um ihn die empfohlenen 6 Monate voll stillen zu können.

Das kam mir damals so wahnsinnig lang vor…und jetzt? … Jetzt stehe ich da, habe meinem Sohn schon zum zweiten Mal Möhrenbrei gegeben und versuche es morgen mit Pastinaken und die sechs Monate sind wie im Flug vergangen. Sicherlich war ich mehr als einmal davon genervt, dass ich in der Uni abpumpen muss und darum meistens völlig gehetzt bin, aber das war es mir absolut wert. Muttermilch ist einfach das Beste und wie gut es dem kleinen Mann bekommt, kann jeder bestätigen, der ihn schon einmal gesehen hat. Ein bisschen Wehmut ist jetzt schon dabei, aber so, wie ich wusste, dass Muttermilch das ist, was Baby braucht, weiß ich jetzt eben auch, dass der kleine Mann jetzt langsam mehr als das braucht.

Und mir bleiben ja noch eine !eile lang die Nächte. Und die gehören ganz Baby und mir!

© frhoppe 11.05.2013

10.02.2013 Nicht schon wieder!

Was sich heute Nacht um eins bereits mit einem leichten Kratzen im Hals ankündigte, ist morgens um acht schreckliche Gewissheit geworden. Ich bin schon wieder krank. Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber – das volle Programm also, trotz all der Vorsichtsmaßnahmen seitens der kranken Oma. Den kleinen Mann hat sie nicht erwischt, aber mich.

Jetzt ist natürlich meine größte Sorge, dass ich den Kleinen wieder anstecke – zweimal in so kurzer Zeit muss so ein Würmchen nun wirklich nicht krank sein. Ich baue aber darauf, dass ich vor ihm krank geworden bin, denn die Abwehrstoffe, die ich bereits produziere, bekommt er ja mit der Muttermilch gleich mitgeliefert. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, ich werde mich trotz aller Sorge nicht dazu überwinden können, einen Mundschutz zu benutzen. Ich weiß nicht, ob ich das das letztes Mal schon geschrieben habe, aber das hat einen ganz einfachen Grund: Babys haben ein ganz festes Gesichtsschema, an dem sie sich orientieren. Nase, Augen, Mund. Wenn da auf einmal Mund und Nase fehlen und von einem grünen Stoffquadrat ersetzt werden, dann kann der kleine Mann das doch gar nicht mehr zuordnen. Und erklären kann ich ihm das auch noch nicht. Genauso wenig kann ich ihm erklären, warum ich ihn heute nicht bespaßen kann. Die fehlende Zuwendung von Mutti macht ihn nun natürlich quengelig, aber Gott sei Dank habe ich ja meine Schwiegermama in Rufweite. Die ist dann auch gleich mit meinem Schwager angeritten gekommen und hat Baby auf einen ausgedehnten Spaziergang und einen anschließenden Besuch bei Opa mitgenommen. Und während Baby einen spannenden Tag hat, macht der Papa den Haushalt und ich liege auf der Couch.

Und jetzt sitze ich hier und fühle mich ehrlich gesagt beschissen. Nicht nur, dass ich mein Baby vermisse, ich bin gleichzeitig auch erleichtert, dass ich mich heute auskurieren kann. Und auch wenn ich das morgen hundertprozentig anders sehe und auch wenn meine Vernunft ganz laut anmerkt, dass ich `nen Knall habe, frage ich mich, ob eine gute Mutter wirklich erleichtert sein darf, dass ihr drei Monate altes Baby weg ist.

© frhoppe 10.02.13