18.05.2015 Big Oma is watching you – warum ich mir wieder selbst wie ein Kind vorkam.

Heute wurde unser kleiner Käfer von meiner Mama abgeholt, ein höchst seltenes Erlebnis, da sie ja bis vier Uhr arbeiten muss und darum erst um halb fünf frühestens in der Kita sein kann, was uns wiederum eigentlich zu spät ist. Umso größer war dann also die Freude, als die Oma in der Kitatür stand und natürlich kam der kleine Mann ganz brav mit Oma mit.

Gegen viertel sechs waren sie dann bei uns und der Käfer war seinerseits schon sehr müde, weshalb ich relativ schnell mit dem abendlichen Ritual anfing – in stillschweigender Übereinkunft war klar, dass Oma bleiben würde, bis ich eines der beiden Kinder im Bett hätte. Wir spielten noch eine Weile – ich nutzte schamlos aus, dass meine Mama mir sofort das kleine Kind abnahm und befasste mich mit dem Sohnemann, was dieser sichtlich genoss – dann bereitete ich dem kleinen Mann Abendessen. Bereits da fing es an.
„Aha!“ meinte Oma nach einem Blick auf unseren tollen unterteilten Kinderteller. „Du darfst also den Belag auch ohne Brot essen!“
Ich hatte dem Kind nämlich zusätzlich zu seine zwei kleinen Scheiben bestrichenem Brötchen noch etwas hauchdünnen Käse und Salami gepackt, weil er das eben gerne so hat! Warum auch nicht – ich ess ja auch gerne mal den Käse so und ich weiß zufällig ziemlich genau, dass die Frau Mama das auch so macht! Trotzdem zog ich innerlich kurz den Kopf ein, kümmerte mich aber nicht weiter darum.
Nach dem Abendbrot ging es dann aufs Töpfchen, wo mich das Kind in folgendes Gespräch verwickelte: „Mama, wenn ich pullere, dann bekomme ich ein Gummibärchen!“
„Ja, dann bekommst du eins!“
„Ich habe nicht gepullert, ich bekomme aber trotzdem ein Gummibärchen!“
„Nein, wenn du nicht pullerst, dann gibt es auch keins!“
„Dann mache ich einen Tropfen und dann bekomme ich eins!“
„Ja, aber nur, wenn du dich ganz doll anstrengst und eigentlich nicht pullern kannst und dann doch ein Tropfen kommt!“
Das Kind runzelt konzentriert die Stirn und drückt ganz doll!
„Jetzt habe ich einen Tropfen gemacht!“
„Wirklich? Zeig mal her!“
Der Topf war leider leer. Aufgrund der eher schlechten Lichtverhältnisse hob ich ihn aber noch einmal an und drehte ihn zum Licht, um ganz sicher zu gehen – aber es blieb dabei: Kein Tropfen. Dafür sagte die Oma hinter mir: „Na, ich würde ja noch drin rumpulen!“ Und wieder zog ich den Kopf ein bisschen ein, dachte aber gleich darauf ein bisschen rebellisch „Pfft! Ich will ja nur nicht meinem Kind fälschlicherweise eine Lüge vorwerfen.“ Ich sagte aber nix, schließlich war ich meiner Mama sehr dankbar, dass sie das Tochterkind versorgte – sie hätte ja auch gehen können! Aber trotzdem fühlte ich mich zurecht gewiesen. Nun ging es ans Ausziehen. Während Oma mit der kleinen Bauchwehmaus in der Wohnung umher wanderte, begann ich die allabendliche Diskussion zum Thema: „Bitte zieh dich aus!“ „Nein!“ „Dann ziehe ich dich aus!“ „Nein, das mache ich alleine!“ „Dann mach!“ „Nein!“. Und während wir so diskutierten, fühlte ich auf einmal in meinem Rücken meine Mama stehen und das lustige ist, ich wusste genau, welchen Blick sie da gerade aufgesetzt hatte. Den Blick, den meine Nichte „Oma guckt!!!!“ getauft hat. Und wie Oma gucken kann. Ganz böse, eiserne Disziplin spricht aus ihrem Blick und sie sagt kein Wort. Braucht sie auch nicht, denn es klappt jedesmal. Bei jedem Kind! Beinahe hätte sogar ich angefangen mich auszuziehen und ich hatte den Blick ja nicht mal gesehen.
Aber so konnten wir wenigstens schnell zum Waschen gehen, das nämlich macht der kleine Käfer dank Frosch- und Affenwaschhandschuh mittlerweile ziemlich gerne, manchmal sogar allein. Lieber unterhält er sich aber mit den beiden, während sie ihn waschen. Nun ist es bei uns so, dass der kleine Mann sich nur abends waschen muss. Einmal am Tag ist für so kleine Menschen völlig ausreichend, zumal sie ja auch noch nicht diesen aggressiven Schweiß haben, den Erwachsene so tagein, tagaus produzieren. Ich gebe zu, dass wir mit diesem allabendlichen Waschen auch erst recht spät angefangen haben, so etwa vor einem halben Jahr, vorher haben wir eben nach Bedarf – sprich, wenn das Kind schmutzig/sandig/klebrig war, also auch recht häufig, aber eben nicht täglich – gewaschen und ein bis zweimal die Woche gebadet. Darüber haben wir uns auch gar keine Gedanken gemacht. Bis der kleine Mann bei Oma war und sich weigerte, sich vor dem Schlafengehen zu waschen. „Nein, ich muss mich nicht waschen!“ behauptete er steif und fest und hatte je irgendwie recht damit, denn als Teil des Abendrituals kannte er das nicht. Nach einem langen Telefonat mit meiner Mama sah ich tatsächlich ein, dass es durchaus sinnvoll ist, jetzt doch schon mit der Routine anzufangen, auch wenn er es nicht unbedingt braucht, denn sie hat schon recht! Wenn er es jetzt nicht lernt, dann sieht er nachher, wenn es nötig ist, nicht ein, dass er es machen muss. Ich war zwar etwas peinlich berührt über den Rüffel, aber auch dankbar, weil ich ja selber nicht dran gedacht hatte und durchaus bestrebt das in die Tat umzusetzen.
Insgesamt ist es nun also ein großer Fortschritt für einen so kleinen Menschen, dass er innerhalb eines halben Jahres gelernt hat ordentlich am Tisch sitzen zu bleiben, die Ärmel alleine hoch zu krempeln, mehr oder weniger sauber zu essen, sich alles alleine (!) auszuziehen und auch anzuziehen – wenn auch mitunter verkehrt herum, sich die Zähne zu putzen, aufs Töpfchen zu gehen (na gut, noch nicht ganz 😉 ) und sich abends zu waschen und noch etliches andere mehr. Ich dachte jetzt, dass der kleine Mann für sein braves Waschen gelobt wird, aber stattdessen meinte die Oma nur: „Na, du hast es ja gut. Dein Cousin und deine Cousine müssen sich morgens UND abends waschen!“ Da sagte ich dann was. Nämlich: „Da müsste er ja noch eine halbe Stunde eher aufstehen.“ Und das stimmt! Denn weil der kleine Mann so viel schon alleine machen kann und darf, dauert morgens eben alles etwas länger. Zwischen ein und eineinhalb Stunden sind wir morgens mit Aufstehen, Töpfchen, Anziehen und Frühstücken beschäftigt, denn mal ehrlich, so ein Hemd hat echt viele Löcher, wo Arme fälschlicherweise durchpassen und eine Strumpfhose anzuziehen, ist wirklich was für Feinmotoriker, erst recht morgens um dreiviertel acht und überdies vor allem für ein zweieinhalbjähriges Kind. Klar ist es später wichtig, dass er sich vernünftig wäscht, aber jetzt ist es wichtiger, dass er das Gefühl bekommt, alles zu schaffen. Und wenn das eben heißt, dass das zweite Waschen, oder eher das erste, am Tag wegfällt, damit er nicht um sieben aufstehen muss, dann ist das so!
Ich habe aber heute etwas gelernt über mich: Ich bin davon überzeugt, dass wir das mit unserem Kind schon ganz richtig machen. So alles in allem! Und überhaupt! Natürlich mit Fehlern und Holperstellen, aber wir lernen ja noch! Schließlich machen wir beim großen Kind ja alles zum ersten Mal und manches fällt einem eben erst auf, wenn es einem einer sagt! Wie das mit dem Waschen! Anderes wissen aber Außenstehende – und ja, das sind alle, die nicht täglich mit dem Kind zu tun haben – auch einfach nicht zu beurteilen. Ich weiß ja, dass der Sohn morgens oft noch extrem müde ist und ich ihm nicht zumuten kann und will, noch eine halbe Stunde eher aufzustehen, nur damit er sich noch wäscht! Und ich gebe auch offen zu, dass mir persönlich das morgendliche Waschen nicht die Diskussion wert ist, wenn ich anstatt den Sohn früher zu wecken, ihn anziehe, statt ihn dass alleine machen zu lassen. Denn da legt er großen Wert drauf, dass er das kann!
Trotzdem fand ich es bemerkenswert, wie sehr ich mich trotz meiner Überzeugung – für die ich auch eintrete – wieder wie ein kleines Kind gefühlt habe. Mein erster Reflex war es, meiner Mama zuzustimmen und morgen früh mit dem Waschen anzufangen. Und dann fiel mir wieder ein, dass ich erwachsen bin. Und selbst zweifache Mama. 😀

Frhoppe 18.05.2015

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27.04.2015 Magenkrämpfe und die ganz große Liebe!

Ich hatte Magenkrämpfe. Nicht bloß Krämpfe, sondern KRÄMPFE!!! Die behelligen mich seit der Geburt nicht zum ersten Mal und sicher auch nicht zum letzten Mal, aber heute war schon ein besonderes Ereignis, denn ich wand mich zusammengerollt auf dem Boden und versetzte damit den Mann naturgemäß in Panik! Was durchaus verständlich, aber nicht nötig ist, denn die Magenschmerzen sind ziemlich sicher Ausdruck der Gesamtumstände. Zwar ist unsere Maus weitestgehend handzahm und schläft meistens recht gut und auch der Große findet sich langsam in der Situation zurecht, aber die Betonung liegt dann leider doch auf weitestgehend, meistens und langsam.

Heute kamen so ziemlich alle Faktoren zusammen: Die Fressraupe schlief schlecht und trank vier mal des nachts, was dann zu einer übervollen Windel führte – leider nicht nur mit Pipi überfüllt. Unser Morgen startete also schon schlecht. Zu dem Schlafmangel – auch beim Papa, obwohl ich das bei seinem Geschnarche nicht gedacht hätte – kam dann blöderweise auch noch schlechte Laune bei uns beiden und Bauchschmerz bei der Maus. Eins kam zum andern, man stritt über dies und das aber natürlich über nichts wichtiges und nachdem unser kleiner Mann nach der Kita zunächst sehr friedlich spielte und auch ganz lieb zuerst seine Jacke und Schuhe auszog und dann seine Schoko-Beute vertilgte, packte ihn dann kurz vor dem Schlafengehen doch der Rappel und er drehte völlig frei. Beißen, kratzen, treten und dann ganz provokativ noch mal beißen, während er so tat, als wolle er den vorherigen Biss mit einem Heileküsschen versorgen.

Als wenn das noch nicht Herausforderung genug wäre, kam es über diesen Ausbruch zu einem weiteren Streit, denn ich hatte bereits kurz vor sechs gesagt, man möge doch mit den Abendvorbereitungen anfangen, solange der kleine Kerl noch munter ist!
„Ooooch, der ist doch noch so wach und spielt so schön. Ich will ihn jetzt da nicht raus reißen! Es ist ja auch erst sechs,“ sprach der Papa und spielte weiter mit dem Sohne. Nun – soll er mal machen, dachte ich mir, ich hatte schließlich das kleine Kind vor den Bauch geschnallt und war damit raus aus der Bettgehzeremonie. Nachdem nun der Sohnemann gegen halb sieben so derartig durchdrehte, ließ ich mich zu einer durchaus amüsiert geäußerten Bermerkung hinreißen, dies sei der Grund, aus dem ich empfohlen habe, bereits um sechs mit dem Ritual rund ums Waschen, Töpfchen und Zähneputzen zu beginnen. Hätte ich nicht sagen sollen! Der Papa bekam das nämlich in den ganz falschen Hals und tat seinen Unmut auch kund. Es folgten heimlich vergossene Tränen auf meiner Seite und eine sehr ernste Entschuldigung auf seiner Seite und auch der kleine Käfer hatte seinen Anfall überwunden und ließ sich hochgradig zahm versorgen und ins Bett bringen. Nun hätte also endlich Ruhe einkehren können – wenn nicht, ja wenn nicht dieser gemeine Bauchschmerz wäre. Der nämlich packte unsere kleine Maus ganz unverhofft erneut und ließ sie etwa eine Stunde schreien, selbst an der Brust. Und das endete dann in den besagten Magenschmerzen.

Allerdings kann ich erfreut berichten, dass es dem lieben Gatten gelungen ist, sie durch eine ausgedehnte Rückenmassage zu vertreiben. Eine genauere Analyse der Umstände ergab dann, dass ich auch bei den letzten Malen immer innerlich SEHR angespannt gewesen war. In Verbindung mit einer verkrampften Haltung beim Tragen der Maus im Fliegergriff sind diese Magenschmerzen wohl unvermeidbar – wie so manches andere in Verbindung mit dem Kinderkriegen. 😉
Aber es lohnt sich.
Bevor mir die Magenschmerzen nämlich dazwischen grätschten, wollte ich heute nämlich eigentlich etwas ganz anderes berichten, dass mich alle negativen Seiten geduldig durchstehen lässt:

„Die Geburt ist das einzige Blind Date, bei dem du dir 100%ig sicher sein kannst, dass du die Liebe deines Lebens findest!“

Wunderschön gesagt und soooo wahr.
Es gibt Momente, in denen ich vor Liebe zu meinen Kindern gar nicht mehr weiß wohin damit. Und dann gibt es diese Momente, in denen ich mich frage, ob meine Kinder – im Moment eher noch nur das größere Kind – wissen, was ich für sie empfinde.
Meine Antwort: Sie tun es!!!
Woher ich das weiß?
Wenn ich unserem Sohn sage: „Mama und Papa haben dich ganz, ganz, ganz doll lieb!“ dann schaut er mich an und sagt „Ja!“ Nichts weiter, nur dieses „Ja!“ Und sein Tonfall drückt aus, dass diese Tatsache für ihn so selbstverständlich ist, dass er sich wundern muss, warum ich das so oft sage. Er ist mutig und voller Selbstvertrauen, testet seine Grenzen und provoziert ohne Ende, aber wenn er denkt, er hat uns möglicherweise enttäuscht, dann weint er bitterlich.Ein Beispiel dazu: Er hat kein Problem damit, seine Milch auf den Boden zu spucken oder seine Wassertasse auszukippen, nur um zu schauen, wie wir reagieren, aber wenn ihm versehentlich etwas herunterfällt, das dann womöglich auch noch kaputt geht, dann weint er fürchterlich und wahrhaftig verzweifelt, bis wir ihm glaubhaft versichert haben, dass das gar nicht weiter schlimm ist.
Wenn ich ihn aus der Kita abhole – was im Moment sehr selten ist – dann strahlt sein ganzes Gesicht, er unterbricht sofort jegliches Spiel und springt mir in die Arme, bevor er mein Gesicht in die Hände nimmt und mich ganz dicke knutscht!
Und unsere kleine Fressraupe?
Sie ist noch nicht einmal sechs Wochen alt und lacht bereits seit über einer Woche ganz bewusst über das ganze Gesichtchen, wenn sie mich sieht. Sogar auf Foto konnte ich diese Zuneigungsbekundung schon bannen und als ich dieses Bild einer Freundin zeigte und mich über das frühe Auftreten dieses Lächelns wunderte, sagte sie nur:
„Geliebte Kinder sind so!“

Ich finde, das kann man so stehen lassen!

Frhoppe 27.04.2015

20.04.2015 Aus eins mach zwei! – Teil 1

Nun ist es also geschehen – wir haben zwei Kinder!

Ganz plötzlich und nicht ganz unerwartet sind wir zu viert, unsere kleine Familie ist erst einmal komplett und der Weg dahin und damit war zwar bislang sehr ereignisreich, aber auch wunderschön zu sehen, was für ein toller großer Bruder unser kleiner Mann ist – was vielleicht auch ein bisschen an unserer Vorbereitung lag.
Aber ich fange am besten von vorne an – nun ja, vielleicht nicht ganz von vorne, aber doch schon ziemlich am Anfang:

Wir hatten unserem Sohn schon recht früh von seiner kleinen Schwester erzählt. Sobald die wichtigsten Familienmitglieder Bescheid wissen durften, weihten wir auch ihn langsam ein – zunächst erst einmal nur anhand der für einen Knirps von nicht einmal zwei Jahren recht unbedeutenden Aussage „Du bekommst bald eine kleine Schwester!“ Seinen Gesichtsausdruck dazu deute ich in etwa so: Tolle Wurscht! Eine Schwester – was is’n das? Kann man das essen oder wozu ist das gut?
Als wir das dann aber präzisierten und ihm erklärten, dass ich jetzt ein Baby im Bauch habe und dass dieses Baby im nächsten März raus will, konnte er damit durchaus etwas anfangen, denn dass Mamas Babys im Bauch haben, die dann irgendwann auf der Welt sind, das hatte er schon erlebt im Freundeskreis. Und irgendwie war ihm auch von vorneherein klar, dass er damit sehr vorsichtig sein muss, denn schon sehr früh begann er, ganz vorsichtig meinen Bauch zu streicheln und als ich ihn im Oktober fragte, ob er denn schon gesehen habe, wie rund Mamas Bauch ist, nickte er begeistert und sagte dann ganz ernst: „Ist ein Baby drin, muss man aufpassen!“ Keine Frage, dass mein Mutterherz bei diesen Worten unwiderruflich dahin schmolz.
Spätestens da war das kleine Würmchen fest in unseren Alltag eingezogen – jeden Tag bezogen wir die kleine Bauchmaus in unseren Alltag mit ein, erzählten dem kleinen Mann, wie sehr wir uns darauf freuen, dass sie bald bei uns ist, sagten ihm, dass er ein ganz toller großer Bruder wird und dass seine kleine Schwester einmal ein toller Spielgefährte wird, sobald sie etwas größer ist. Wenn wir etwas neu anschafften oder bauten – z.B. den Wickeltisch – dann wurde er mit einbezogen. Natürlich blieben da auch erste Anmeldungen von Besitzansprüchen nicht aus: Im Dezember bekam der kleine Mann ein großes Bett. Ein Feuerwehrauto war das, von seinem älteren Cousin gesponsert und een rischtisch schniecket Teil, das sofort mit Begeisterung in Beschlag genommen wurde. Große Freude brach aus im heimischen Kinderzimmer, bis … ja bis das alte Gitterbett abgebaut werden sollte. Die Freude schlug um in schiere Verzweiflung. Unter Tränen klammerte sich der kleine Mann an den Gittern fest und schrie. „NEEEIIIN!!! Das Bett bleibt hier!!!“ Mit Engelszungen redeten wir auf ihn ein, dass doch das Bett zu groß und dann kein Platz mehr sei und überhaupt, man könne ja gar nicht spielen, wenn hier ein Gitterbett mitten im Raum und so … Nichts half! Schließlich hatte ich die zündende Idee: „Weißt du, kleine Mann! Wir brauchen doch das Bett für deine kleine Schwester – oder soll die in deinem Feuerwehrbett schlafen?“ Totale Stille. Dann: „Nein! Das ist mein Bett!“ Sprach’s und das Thema war erledigt. Das Gitterbett musste sogar umgehend in den Keller geschafft werden.
Im Januar schließlich überraschte uns der kleine Kerl mit einer unheimlich intelligenten Erkenntnis. „Wie soll denn deine Schwester heißen?“ fragten wir ihn eines Tages.
„Anne!“ kam es wie aus der Pistole geschossen, woraus dann später ‚Onkel M…‘ wurde, wovon er auch durch hartnäckige Erklärung ‚Onkel M…‘ sei doch ein recht ungewöhnlicher Name für ein Mädchen, nicht abzubringen war. Anne allerdings war es auch nicht!
Wir schauten einander nun also ein wenig hilflos an und überlegten, was zu tun sei, denn unsere Namenswahl unterlag strengster Geheimhaltung gegenüber der Familie. Den tatsächlichen Namen dem Kinde zu verraten, kam also gar nicht in Frage, denn gegen kleine Kinder sind Facebook und Konsorten in Sachen Herausgabe von Daten an Unbefugte ein Witz. Also verlegten wir uns auf eine Ausweichtaktik.
„Naja, müssen wir mal schauen, ob deine Schwester dann Anne heißt! Das sagt sie uns dann, wenn sie auf die Welt kommt! Mama und Papa wissen das auch nicht!“
Es folgte ein prüfender Blick aus verengten Augen, erst zu Mama, dann zu Papa, dann lächelte der Sohn siegesgewiss und verkündete: „Mama und Papa wissen das!“
Die eigenen Eltern dermaßen ausgekontert zu haben, ließ ihn dann auch sämtliches Interesse am zukünftigen Namen seiner Schwester verlieren.
Für uns war dieses eindeutige Zeichen großer Kombinationsfähigkeit der Anlass den nächsten Schritt zu tun, um den Sohn auf das große Ereignis einzustellen. Da wir auch für unser zweites Kind das wunderbare Erlebnis eines Familienzimmers anstrebten, würden sowohl Mama als auch Papa einige Tage nicht anwesend sein, wenn es losging und darauf will so ein kleiner Mensch vorbereitet sein – erst recht wenn die beiden dann auch noch so ein kleines schreiendes Bündel mitbringen, um das sich erst einmal alles drehen wird. Dankenswerterweise hatte sich meine Mama bereit erklärt, den kleinen Mann nicht nur in unserer Abwesenheit zu betreuen, sondern im Notfall auch mitten in der Nacht hier einzureiten, um zu gewährleisten, dass der Papa auch schon im Kreißsaal dabei sein konnte. Wir erklärten nun also dem Sohnemann, wenn dann irgendwann morgens plötzlich die Oma da ist, dann will seine kleine Schwester endlich auf die Welt und er kann dann ein paar Tage Urlaub mit der Oma machen.
Eigentlich gingen wir davon aus, dass das nicht nötig sein würde, denn immerhin kam der Große ja tagsüber, aber wir wollten eben auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, vor allem aber den kleinen Mann wie gesagt gut vorbereiten. Nicht das plötzlich Mama und Papa einfach so über Nacht für mehrere Tage verschwinden. Das wäre ein denkbar schlechter Start ins Geschwisterleben.
Und wie es dann so ist mit den Geburten und mit Kindern überhaupt – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Wir hatten uns 9 Tage nach Termin schweren Herzens entschieden angesichts keinerlei vorhandener Anzeichen, dass es los gehen könnte, am 10. Tag die Geburt einleiten zu lassen. Alles war gepackt, die Oma für den nächsten Tag zum Kind aus der Kita abholen einbestellt und wir planten einen emotionalen Abschied vom großen Sohn am nächsten Morgen, bei dem wir ihn schwersten Knuddeln und Knutschen wollten.
Um vier Uhr nachts platzte die Fruchtblase!
Oma kam und übernahm den Rest der Nachtwache und als sie am nächsten Morgen die Tür zum Kinderzimmer öffnete, erwartete sie ein strahlend waches Kind, das bei ihrem Anblick freudig verkündete: „Meine kleine Schwester ist da!“

Frhoppe 20.04.2015

06.11.2014 Er wird frech!

Also zunächst einmal: Nachdem der kleine Mann zwar zu Beginn wieder kräftig weinte, als ich die Kita verließ, stand er die Zeit bis zum Abholen, dann aber sehr gut durch. Sohnemanns Erzieherin wusste zu berichten, dass der kleine Kerl kaum nach mir gefragt hatte und sich sehr gut im Kitaalltag zurechtgefunden hatte.
Der wirkliche Knaller kam aber erst, als wir uns bereits im heimischen Hausflur befanden. Wie in letzter Zeit häufiger weigerte sich der kleine Kobold standhaft, Treppen zu steigen. Da ich aber nunmehr seit fast sieben Monaten in anderen Umständen bin, weigere ich mich eben so standhaft, ihn die Treppen hinaufzutragen. Er wiegt immerhin schon 13 Kilo und das ist mir einfach zu schwer, zumal das Ganze tatsächlich mehr eine Machtprobe als Unwillen oder Unvermögen ist. Diese Annahme bestätigte sich heute auf beeindruckende Weise. Nachdem wir mittlerweile geschlagene zwanzig Minuten im Treppenhaus verbracht hatten und sämtliches Betteln, flehen, selbst Bestechungsversuche nichts gebracht hatten, verlegte ich mich aufs Drohen.
„Wenn du nicht gleich nach oben gehst, gibt es keinen Keks! Ich zähle bis drei!!! Eins…!“
Da grinst mich das Kind entwaffnend an und sagt tatsächlich: „…zwei, drei, vier, fünf!“
Ich war völlig von den Socken, wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte, angesichts eines bis fünf zählenden zweijährigen Kindes. Ich meine, sicherlich machen wir Fingerspiele mit ihm, bei denen klar wird, dass es fünf Finger gibt und so, aber bewusst mit ihm geübt oder so etwas haben wir deswegen nicht mit ihm.
Und obwohl ich so dermaßen stolz auf ihn war, war ich gleichzeitig in der Bredouille, denn ich musste ihn ja irgendwie in den ersten Stock bekommen. Ich verlegte mich darauf, weiter zu zählen und tatsächlich: Als ich bei zweidreiviertel – Eltern kennen diesen merkwürdig langen Zwischenraum zwischen zwei und drei – angekommen war, bequemte sich der kleine Mann endlich die Treppen hoch und bekam dann seinen Keks.

Frhoppe 06.11.2014

05.11.2014 Heute kein Mittagsschlaf!

Als ich heute Nachmittag in der Kita ankam, hatte der kleine Mann keinen Mittagsschlaf gemacht, was allerdings an dem Umstand lag, dass es direkt nach dem Mittag einen Zwischenfall mittlerer Katastrophenstufe gab.
Eines der Kinder büxte beim Wickeln aus. Es lief nun schon von Windeln befreit durch den Schlafraum und entschied leider genau in diesem Moment, dass es sein großes Geschäft genau jetzt verrichten müsse. Mitten im Schlafsaal. Da sich eine Gruppe Kinder naturgemäß nur sehr schwer vom Herumrennen abhalten lässt, blieb nicht aus, dass mehrere Kinder durch das Unglück hindurch rannten und damit den ganzen Kram im Schlafsaal verteilten und in der Folge auch untereinander, sodass nunmehr alle Kinder gesäubert werden mussten. Unser kleiner Mann war dabei der letzte an der Reihe und dementsprechend aufgedreht. Verständlicherweise fand er nun nicht mehr recht zur Ruhe und da er die anderen Kinder durch sein Geplapper wach hielt, wurde er dann wieder in den zweiten Raum zur Ruhe gelegt, wo er dann auch tatsächlich eine gute dreiviertel Stunde ruhig lag, bevor er wieder munter wurde und zum Spielen aufstand.
Vermutlich aufgrund des fehlenden Mittagsschlafes zeigte mein kleiner Schatz heute gesteigerte Sehnsucht nach seiner Mama. Trotzdem beschlossen wir, dass wir morgen versuchen würden, erst nach der Vesper zu kommen, das heißt etwa eine dreiviertel Stunde später noch als heute.

Frhoppe 05.11.2014

04.11.2014 Ein deutliches Zeichen

Heute war der zweite Tag, an dem Sohnemanns Erzieherin aus dem Urlaub wieder da war und heute weinte der kleine Mann auch wieder ein wenig mehr, als ich die Kita gen „Arbeit“ verließ. „Mama soll nicht arbeiten gehen“ schluchzte er und streckte vom Arm seiner Erzieherin aus die Händchen flehend nach mir aus.
Es wird wirklich nicht leichter, da einfach zu gehen.
Allerdings gab es heute eine erleichternde Nachricht für mich. Als ich nach dem Mittagsschlaf wieder in der Kita ankam, berichtete mir die Erzieherin, dass der Sohn heute ein wenig unruhiger war und nicht so recht in den Schlaf fand. Also legte sie sich neben ihn und gab ihm ihren Finger zum Festhalten, was schließlich dazu führte, dass der kleine Mann endlich einschlief. Dann jedoch wollte sie aufstehen und musste feststellen, dass die kleine Kinderhand ihren Finger fest umklammert hielt. Jeder Versuch ihn zu lösen, war vergebens, so dass sie schließlich befürchtete, den Mittagsschlaf neben dem Sohn liegend verbringen zu müssen.
Schließlich gelang es ihr aber doch, sich zu befreien, indem sie behutsam einen Finger nach dem anderen löste, bis sie schließlich gehen konnte. Sie freute sich dann sehr, als ich ihr mitteilen konnte, dass dies ein sehr deutliches Zeichen dafür ist, dass der kleine Mann sie als enge Bezugsperson in seinem Leben akzeptiert hat.

Frhoppe 04.11.2014

31.10.2014 Was macht ihr denn hier?

Heute war für den kleinen Mann ein besonderer Tag in der Kita. Er wurde nämlich das erste Mal nicht von mir, sondern von seinen Urgroßeltern abgeholt. Das war besonders niedlich, weil er nämlich zunächst gar nicht bemerkte, was da los war. Der kleine Mann war so auf sein Essen konzentriert, dass er erst aufsah, als ein Kitakamerad freudig rief: „Da eine Oma!“
Der Beschreibung nach sah der kleine Kerl erst einmal nur mäßig interessiert auf, als die Neuankömmlinge so angekündigt wurden. Dann jedoch erkannte er seine geliebten Urgroßeltern. Nach einem kurzen Moment der Freude folgte Verwirrung. Ihm war deutlich anzusehen, dass er nichts mit der Anwesenheit dieser Menschen in der Kita anfangen konnte. Die gehören da für ihn einfach nicht hin.
Dann jedoch schien er den Umstand ihres Daseins in der Kita zu akzeptieren und sprang voll Freude ihren Namen rufend auf und rannte auf sie zu. Er war schon beinahe dabei, sich seine Sachen zu holen, da viel ihm ein, dass er noch seinen Nachtisch essen wollte. Fast hilflos sah er die Großeltern an und sagte: „Muss noch Joghurt essen?!“ Zum Glück für ihn würden seine Großeltern ihm kaum jemals etwas verweigern und so durfte der Sohn ganz in Ruhe sein Dessert vertilgen.
Am Abend erzählte er mir dann strahlend vor Stolz, dass er mit Oma und Opa Straßenbahn gefahren ist und dann Fahrstuhl – sogar einer ganz aus Glas, wo man ringsum alles sieht – und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, durfte er dann auch noch S-Bahn fahren. Dazu muss man wissen, dass unser Kind unheimlich auf öffentliche Verkehrsmittel steht. Kaum sitzt er in einem der genannten Beförderungsmittel, verschlägt es ihm total die Sprache. Er sitzt einfach nur staunend im Fahrzeug und genießt die Fahrt. Zudem wird jeder Bus, jede Straßenbahn und jede S- oder U-Bahn protokollarisch aufgenommen. Die Großeltern des kleinen Kerls wussten dann noch zu berichten, dass der Enkel während des gesamten Heimwegs immer wieder zwischen beiden hin und her schaute, so als könne er nicht fassen, dass die beiden wirklich da sind. Nichtsdestotrotz begann er ab etwa halb fünf an, regelmäßig nach seiner Mama zu fragen. Und als ich dann endlich kam, stürzte er sich vor Freude mich zu sehen, fast die Treppe herunter.

Frhoppe 31.10. 2014

19.10.2014 So ein kleines Fieber hält uns doch nicht auf.

Unsere Nacht war furchtbar. Nach gerade mal einer Stunde Schlaf für mich, wurde der Käfer um ein Uhr nachts wach und war etwa eine Stunde kaum zu beruhigen, bevor er endlich wieder in einen unruhigen Schlaf fiel. Bis kurz nach drei weinte er immer wieder kurz, nicht lange genug, um reinzugehen, aber doch so lang, dass ich nicht schlief. Dann endlich war Ruhe – bis halb sieben. Nachdem wir beide offensichtlich noch sehr müde und es zudem noch dunkel war, holte ich den kleinen Mann ins große Bett, wo wir dann immerhin noch einmal bis acht schliefen.
Gleich beim Aufstehen wusste ich, was der Verursacher der nächtlichen Ruhe war. Der Sohn hatte Fieber. Immerhin 38,5°C. Da es ihm aber augenscheinlich trotzdem jetzt ziemlich gut ging und er schon fröhlich herum rannte, beschloss ich, trotzdem mit ihm in den Gottesdienst zu gehen, zumal ich zugesagt hatte, dort auch zu singen. Da der Papa ja das ganze Wochenende nicht da war, musste der kleine Kerl mit und freute sich auch darauf. Das Fieber machte dann lediglich einen Strich durch den Plan, ihn zum ersten Mal in den Kindergottesdienst mitzugeben. Ich habe es auch gar nicht erst versucht, sondern ihn gleich bei mir behalten. Immer wenn ich singen musste, nahm ihn die Mama meiner besten Freundin auf den Schoß, was er sich sehr gut gefallen ließ, da er die Mama zum einen schon kennt und sie zum anderen einfach eine ganz tolle, liebevolle Mama und Großmutter ist, bei der sich Kinder einfach wohlfühlen. Erst nach einer halben Stunde etwa wurde er etwas lebendiger und unruhiger und glücklicherweise bot sich die Mama meiner besten Freundin an, versuchsweise mit ihm nach oben ins Spielzimmer zu gehen. Dort blieb er dann bis zum Ende des Gottesdienstes, was wohl nicht nur an der Begeisterung fürs die Gesellschaft lag, wie diese lachend zugab, sondern vor allem am Vorhandensein einer Tüte Russisch Brot.
Nun war für den Nachmittag eigentlich geplant um drei Uhr zum Segnungsgottesdienst in der Kita zu gehen, aber als der kleine Mann aus seinem Mittagsschlaf gar nicht wieder aufwachen wollte, beließ ich es dabei, vor allem aufgrund des Fiebers, dass immer wieder zwischen 38,3° und 38,8° schwankte. Nach dem Mittagsschlaf war es dann aber auf 38,3° runter und da der kleine Kerl von selbst nach der Kitafeier fragte, beschloss ich dann doch hinzufahren. Ich hatte ja schließlich auch das ganze Essen im Kühlschrank und wenn ich merkte, dass der kleine Mann nicht mehr kann, könnten wir sofort wieder los und wären in zehn Minuten zu Hause.
Es wurde ein toller Nachmittag. Der kleine Käfer traf seine „Freunde“, bekam tolles Essen – darunter Kuchen vom Buffet –, freute sich riesig, als er seiner Erzieherin in der Menge fand und durfte vor allem und am wichtigsten, endlich einmal in die blaue Kita. (Die blaue Kita ist der Teil der Kita, in dem die „großen“ Kinder spielen, wir sind die grüne Kita.) Und das allerbeste: Als wir nach Hause kamen, hatte der kleine Mann eine Temperatur von 38,0°.

Frhoppe 19.10.2014

17.10.2014 Urgroßtanten und andere Komplikationen

Heute bin ich so richtig fertig. Körperlich sowieso – die Erkältung trägt ihr übriges zum allgemeinen Schwangerschaftserschöpfungszustand bei – und nervlich erst recht völlig.
Der Kita-Tag mit der Eingewöhnung lief zunächst erst einmal sehr gut. Nach unserem gestrigen Erfolg, gefolgt von der mehr oder minder gut kaschierten und von mir verneinten Frage, ob denn der kleine Kerl irgendwie geäußert habe, nicht in die Kita zu wollen, wurde beschlossen, dass ich heute bereits um halb zehn gehen sollte. Das wären dann immerhin schon 2,5 Stunden, also fast der gesamte Vormittag. Der Morgenkreis lief wieder sehr entspannt ab – der Sohn nahm aufgeregt teil, ich wartete im Flur und war schon guter Dinge, als der kleine Mann nach dem Ende des morgendlichen Singens plötzlich sehr anhänglich wurde. Immer wieder wurden mir diverse Kuscheltiere zur Verwahrung gebracht und bereits wenige Augenblicke später wieder abgeholt, bis ich schließlich vom Kind ganz in den Raum gebeten wurde. Gemeinsam mit der Bezugserzieherin beschlossen wir, dass ich dann noch ein bisschen länger bleiben würde, was ich dann auch tat, bis das Kind wieder sehr geschäftig im Raum umher stromerte. Als ich mitteilte, dass ich nun „einkaufen“ müsse, würdigte er mich kaum eines Blickes, geschweige denn, dass er mich verabschiedete. Erst als ich dann wirklich fast weg war, kam er noch einmal in den Flur gestürzt und wurde nun doch etwas weinerlich, darauf beharrend, dass Mama nicht gehen solle. Ich erklärte ihm sehr ruhig, dass ich doch die Zutaten für die Bouletten einkaufen müsse, die wir am Sonntag zum Segnungsgottesdienst der Kita mitbringen wollen und überraschenderweise war ihm diese Erklärung genug, denn er antwortete mit einem einfachen „Okay!“ Ohne weiteres Jammern oder Bitten folgte er der Erzieherin, die ihm vorschlug ein Instrument auszuprobieren.
Als ich knapp zweieinhalb Stunden später wiederkam, wusste die Erzieherin zu berichten, dass der kleine Mann das alles ganz toll macht. Wenn er draußen ist, mischt er überall mit und muss immer als einer der letzten eingefangen werden. Und drinnen macht er auch sein Ding und hat kaum einmal Anwandlungen von Sehnsucht. Und heute hatten wir dann auch eine Premiere. Normalerweise verrichtet der kleine Mann sein großes Geschäft entweder VOR oder NACH der Kita, aber nicht dort. Heute hat er es das erste Mal dort getan, was heißt, dass er sich dort mittlerweile wohl genug fühlt – er kann das große Geschäft nämlich geraume Zeit einhalten. Und es bedeutet gleichzeitig auch , dass er das erste Mal von der Erzieherin gewickelt wurde. Und das hat er sich ganz brav gefallen lassen, ohne irgendwelches Theater. Es klingt bescheuert, aber ich bin deswegen ganz schön stolz auf ihn.
Soweit so gut. Und nun kommt der stressige Teil:
Da der Papa übers Wochenende nicht da ist, bat er mich, ihn gegen dreiviertelzwei zum Bahnhof zu fahren. Dies bedeutete, dass es keinen Mittagsschlaf für den Gnom geben würde. Da der Papa aber wegen der Wochenendbeschäftigung noch Sachen packen musste, blieb die Betreuung eines aufgedrehten, mittagsschlaflosen Räubers an mir hängen – schon für normale Nerven manchmal eine Herausforderung. Nun hätte ich den kleinen Mann nach vollbrachter Ablieferung des Papas noch hinlegen können, jedoch waren wir zwischen drei und halb vier mit der Urgroßtante verabredet.
Besagte Urgroßtante ist am vergangenen Sonntag stolze 88 Jahre alt geworden und dementsprechend kindersicher ist ihre Wohnung! Richtig! GAR NICHT!!! Das alleine ist schon eine wirklich anspruchsvolle Aufgabe für eine einzelne Person, zumal die Tante so gut wie gar nicht laufen kann. Hinzu kam aber noch, dass die Urgroßtante von meinem nicht einmal zwei Jahre alten Sohn erwartete, still zu sitzen und sich mit ihr zu unterhalten. Und jedes Mal, wenn er das nicht tat – quasi durchgängig zwei Stunden lang, weil wirklich ALLES interessanter war, als die Großtante – war sie beleidigt und tat dies auch mit entsprechend „Ist das Schade“- „Bin ich traurig“-Kommentaren kund. Ich war also am hin und her springen zwischen der Bewahrung meines Sohnes vor Blumenvasen, Streichhölzern, Kerzen, Porzellan- und Kristallnippes – oder eher umgekehrt – und der verletzten Eitelkeit meiner Großtante.
Erst ganz zum Schluss griff Kimmi ein, die kleine Plüschkatze, die unser Sohn vor zwei Wochen von seiner Cousine geschenkt bekam und die seitdem treuer Begleiter in jeder Situation ist. Irgendwie ist das Tier für den Sohn eine reale Person, deren Meinung ihm offenbar sehr wichtig ist – mitunter sogar wichtiger als unsere, wenngleich ihre Stimme ja nur unsere verstellte ist. Wenn Kimmi sagt, dass Sohnemann ins Bett kommen soll, weil sie soooo müde ist, dann klettert er sofort ins Bett. Wenn Kimmi möchte, dass Sohnemann das Obst ist, dann isst er das Obst. Und als Kimmi heute meinte, sie würde sich soooo freuen, wenn Sohnemann sich mal zur Tante setzt und vielleicht ein bisschen kuschelt, lief Sohnemann umgehend zur Urgroßtante und blieb dort volle zehn Minuten sitzen. Sogar ein Küsschen gab er der Tante, die dann auf einmal wieder ganz versöhnt war.

Frhoppe 17.10.2014

10.10.2014 Heute keine Kita!

An diesem heutigen Freitag war der Sohn schon vor uns wach, was allerdings vorwiegend daran lag, dass wir später aufstanden. Dies wiederum war begründet mit der Tatsache, dass wir heute nicht in die Kita gingen. Eigentlich ist es ja immer nicht so ratsam, während der Eingewöhnung freie Tage zu haben, aber da die Bezugserzieherin des kleinen Mannes heute zu einer Beerdigung musste und noch nicht klar war, ob die andere Erzieherin würde da sein können, hätten wir zwar kommen dürfen, aber es wurde uns geraten, vielleicht doch zu Hause zu bleiben, um den kleinen Mann nicht zu sehr zu verwirren.
Gesagt, getan!
Als ich dann also gegen neun die Zimmertür des Sohnes öffnete, war dieser hellwach und vollauf bereit in die Kita zu gehen. Statt der umständlichen langwierigen Erklärung, mit der er ohnehin nicht viel anfangen könnte, sagte ich einfach, es sei Wochenende und am Wochenende müsse man nicht in die Kita. Dies nahm er erstaunlich gleichmütig hin, was vielleicht auch an der Tatsache lag, dass es mal kein schnelles Tellerfrühstück gab, sondern einen richtig gedeckten Tisch mit Obst- und Gemüseteller und frischen Brötchen.
Außerdem rief gleich morgens die Uroma an und so wurde entschieden, dass wir den schönen sonnigen Tag dafür nutzen würden, in den Garten zu fahren. Während der Papa den großelterlichen Kompost umsetzte, freute sich der kleine Mann seines Lebens, rannte quietschfidel durch die Botanik, ging mit Oma am See spazieren und erzählte begeistert von der Hupe am Bus. Zudem wiederholte er seine Modifikation einer Strophe des Liedes, die er sich am Morgen ausgedacht hatte. „Die Türen vom Bus gehen auf und zu und die Leute steigen aus und machen Blablabla.“ Erwartungsgemäß rief dies natürlich angemessene Begeisterung hervor, ebenso wie der Erfolg auf dem Töpfchen.
Zum ersten Mal seit Beginn unserer Töpfchenversuchsreihe im Mai hatte der kleine Mann bei den Urgroßeltern ins Töpfchen gepullert. Nun war das nicht per se das erste Mal, denn wir hatten bereits seit Mai immer mal wieder kleine und große Töpfchenerfolge, aber bei den Großeltern war da nichts zu machen. Eine besonders niedliche Episode trug sich zu, als das Kerlchen geraume Zeit buchlesend auf dem Topf zubrachte und dann auf die Frage ob er schon gepullert habe, ganz ernsthaft antwortete: „Ich glaube nicht!“ Nun endlich war es so weit und das auch noch in meiner kurzzeitigen Abwesenheit. Das machte die Großeltern natürlich umso stolzer.
Und noch eine Kleinigkeit gibt es zu berichten: Wir haben unseren ersten Kita-Schnupfen. Ich habe aber damit gerechnet, da unser Sohn mit dem Kuscheltier des eindeutig an einem solchen Schnupfen erkrankten Kindes mehrfach in engeren Kontakt getreten ist. Und der kleine Mann steckt den Schnupfen auch sehr gut weg.

Frhoppe 10.10.2014