01.02.2013 Die Mini-Jukebox

Als unser kleiner Mann auf die Welt kam, hat er erst einmal ganz ordnungsgemäß geschrieen. Dann allerdings war erst mal Ruhe, denn von der schweren Reise in unsere Welt war er natürlich ganz erschöpft und verschlief den größten Teil der nächsten zwei Tage, gab allerhöchstens mal einen hochfrequenten ultraschallartigen Ton von sich, wenn er richtig Hunger hatte – was jedoch  auch an einer leichten Neugeborenengelbsucht lag, wie wir später erfuhren. Aber nach zwei Tagen kündigte sich der Wechsel an:

Ich hatte ja schon einmal angedeutet, dass die „Pupse“ und „Bäuerchen“ unseres Sohnes einem Bauarbeiter zur Ehre gereichen. Nun, einen ebensolchen „Pups“ ließ der kleine Mann mitten in der Nacht seines zweiten Tages fahren und zwar während des Wickelns. Es knatterte dermaßen auf dem Wickeltisch und er sah danach so erleichtert aus, dass ich in Gelächter ausbrach – und jede Mama weiß, wie sich das so kurz nach der Geburt anfühlt. Das war aber erst der Auftakt zu einer Odyssee aus Geräuschen. Dieses winzige Wesen furzt, rülpst, knattert, krächzt, grunzt, schnorchelt, keucht, kräht, gurrt, singt, stöhnt, plappert und lacht vor sich hin, dass es eine wahre Freude ist. Ich liebe es, ihm zuzuhören, wenn er mir Märchen erzählt oder vor sich hin meckert oder auch, wenn er mit mir zusammen „singt“. Und ich liebe vor allem dieses Seufzen, das er macht, wenn er zufrieden an der Brust nuckelt und aber eigentlich schon satt ist. Das ist so eine Art hohes „Uff“ oder „Hach“, das er mit jedem Atemzug ausstößt. Besonders im Schlaf haben wir aber schon die tollsten Dinge erlebt. Er schafft es nämlich regelmäßig uns einen mordsmäßigen Schrecken einzujagen und dabei wollten wir nichts anderes als nach ihm schauen – aufmerksame Leser erinnern sich vielleicht an „Schläft und atmet“. Wir schleichen uns also an sein Bettchen heran und verharren dort regungslos über dem Kind, um seine Atmung zu erhören. Mitunter ist diese nicht direkt zu erkennen, was uns immer noch – hört das eigentlich mal auf? – dazu verleitet, sanft die Hand auf den Bauch des kleinen Mannes zu legen, um die Bewegung zu spüren. Allerdings wird dieses Vorhaben häufig schon frühzeitig vereitelt. Wenn sich unsere Hand auf halber Strecke befindet, dann schießen alle vier Glieder des Kindes in die Höhe und er grunzt wie ein Wildschwein auf Nahrungssuche. Ich gestehe, dass ich jedes Mal zusammen zucke und ich habe schon beobachtet, dass es dem Papa genauso geht.

Ich gestehe auch, dass ich die Geräusche, die er nächtens, aber auch während einer Mahlzeit so von sich gibt manchmal ein wenig befremdlich finde, aber eigentlich trotzdem immer irgendwie süß. Komisch eigentlich, denn wenn der Papa sich zu einem derartigen Verhalten hinreißen lassen würde, dann würde ich ihn wahrscheinlich als Schwein betiteln.

© frhoppe 01.02.13

30.01.2013 Da hat man mal Pause und was macht man?

Heute ärgere ich mich über mich selber. Warum, fragen Sie sich? Ganz einfach: Ich habe mich heute erfolgreich selbst boykottiert. Heute hätte ich die Chance gehabt, mal zwei Stunden ganz entspannt zu sitzen, ein Buch zu lesen oder einfach nur am PC zu rödeln. Und was mache ich? Putzen!!! Aber hören Sie selbst:

Nachdem ich heute von einer schönen, aber anstrengenden Stunde Rückbildungsgymnastik kam, wachte unser Sohn nicht wie sonst üblich sofort nach dem Abstellen des Motors auf, sondern schlummerte friedlich weiter. Ich stelle die Vermutung auf, dass dies an der Kapuze seines schicken grünen Jäckchens lag. Diese lag nämlich dergestalt am Köpfchen an, dass der kleine Mann mit einer leichten Drehung seines Köpfchens das Innenfutter in seinen Mund befördern und exzessiv daran nuckeln konnte. Er schlummerte also auch noch, als ich ihn im Autositz im Wohnzimmer abgestellt hatte. Nur schnell was zwischen die Kiemen geschoben und noch mal schnell was aufräumen, bevor Oma kommt. Das lohnt ja eh nicht sich hinzusetzen, der kleine Mann wird eh gleich wach. Wurde er nicht! Er schlief, bis Oma kam und ich ihn immer noch schlafend vom Autositz in die Kinderwagenschale umlagerte. Man könnte meinen, dass ich nach der Verabschiedung der beiden Süßen meinen durch die heutige Sportstunde etwas malträtierten Allerwertesten nun auf der Couch platziert hätte, aber weit gefehlt. Mir fiel nämlich auf, dass die Regale mittlerweile durch die Staubschicht recht dumpf daherkamen. Na komm, da wischst du schnell rüber. Ging auch wirklich schnell, bis ich den Lappen im Bad ausgespült habe. Da dachte ich mir dann: Ach Mist, das Bad wolltest du auch putzen. Und sie ahnen es – wo das Kind grad weg ist, erledigte ich das gleich mal. Und selbst nach Vollendung dieser Aufgabe hätte ich noch ein wenig Zeit gehabt, mich hinzusetzen, aber da ich den Glasreiniger ja nun schon einmal in der Hand hatte, erschien es mir unlogisch nicht auch noch gleich die anderen Spiegel der Wohnung zu putzen. Als ich damit fertig war, setzte ich mich dann tatsächlich aufs Sofa … für etwa zwei Minuten. Dann klingelte es an der Tür und Oma und Kind waren wieder da. Bei einer objektiven Beobachtung der heute verstrichenen Zeit, stelle ich fest, dass ich mich ganze zweieinhalb Stunden mal einfach hätte ausruhen können. Dass ich es nicht getan habe, ist typisch für mich, sogar so typisch, dass mein Mann kürzlich mit mir schimpfte, ich solle solche Zeit für mich nutzen und nicht für den Haushalt.

Natürlich ist eine saubere und ordentliche Wohnung wichtig, aber viel wichtiger sind Ruhephasen. Und das ist etwas, das ich wirklich noch lernen muss. Denn was nützt mir eine piekfeine Wohnung, wenn ich hinterher zu müde bin, um mit dem kleinen Mann zu spielen.

© frhoppe 30.01.13

17.01.2013 Gibt es ein zuviel an Sicherheit?

Heute bin ich wieder einmal mit einer sehr wichtigen Frage konfrontiert worden, nämlich der Frage nach der Sicherheit des Kindes und ob es ein zuviel an Sicherheit gibt. Wir haben nämlich zurzeit Besuch und der guckte etwas verwirrt, als mein Mann nach dem Kontrollblick ins Schlafzimmer zurückkam und vermeldete: „Schläft UND atmet!“

Warum er das so explizit verkündet, mögen Sie sich vielleicht fragen, schließlich impliziert das Wort schlafen ja, dass das Kind atmet. Nun, das kam so: Als ich vor fünf Tagen damit anfing, unseren Kleinen abends im Schlafzimmer allein hinzulegen, bat ich ihn nach einiger Zeit ins Zimmer zu linsen, ob Baby schon bzw. noch schläft. Tat es und das sagte der Papa mir auch, woraufhin ich ihn fragte, ob Baby auch atmet. Er antwortete darauf leicht amüsiert, dass das Kind sehr wohl atme. Als ich anhob, ihm zu erklären, warum ich das frage, grinste er leicht verschmitzt und sagte: „Ich leg ihm auch immer die Hand auf den Bauch!“ Ich brauche kaum zu erklären, dass ich hin und weg war vom Zeichen dieser väterlichen Sorge. Und noch schöner finde ich, dass er seitdem eben immer vermeldet „Schläft UND atmet!“

Nun war aber diese Aussage Anlass zur Erkenntnis unseres Gastes, dass wir über kein Babyfon verfügen. Dazu muss ich allerdings sagen, dass unsere Wohnung nur 46 Quadratmeter hat und wir mit dem Kind quasi Wand an Wand liegen, sodass wir definitiv hören, wenn der Kleine sich muckt. Seine Atmung hören wir so nicht, das tun wir aber auch nicht mit Babyfon. Unser Besuch erzählte uns daraufhin von einem neuen Prinzip, bei dem das Kind auf einer Matratze liegt, die mit Sensoren bestückt sind, die wiederum mit dem Babyfon verbunden sind. Diese Sensoren überwachen die kindliche Herzfrequenz und geben über das Babyfon einen Warnlaut ab, wenn der Herzschlag nicht mehr zu hören ist. Dies wäre beim Plötzlichen Kindstod (SIDS – Sudden Infant Death Syndrome) der Fall und man könnte sofort reagieren. Ich muss ehrlich sagen, dass ich dieses Prinzip vom Grundsatz her nicht schlecht finde, vor allem für Familien in denen durch Asthma oder anderes eventuell ein höheres Risiko besteht. Ich habe dann auch darüber nachgedacht, ob ich solch eine Sicherheitsmaßnahme für mich wollen würde. Das ist mir nicht besonders leicht gefallen, denn der SIDS ist das, was Eltern am meisten fürchten. Wir befolgen zwar schon alle neuesten Empfehlungen – Kind im Schlafsack, auf harter Matratze, ohne Stofftiere oder Nestchen, bei 16-18° im Elternschlafzimmer im eigenen Bettchen in einer absolut rauchfreien Umgebung – aber könnte man nicht noch mehr machen? Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich noch mehr nicht möchte. Die Angst, dass etwas passiert, ist unterbewusst immer präsent und mal schafft man es besser, sie zu verdrängen und mal eben nicht. Eine solche Matratze würde dazu führen, dass ich den ganzen Abend auf das Piepen des Babyfons warten würde. Und das möchte ich einfach nicht.

Ich möchte darauf vertrauen, dass meinem Kind nichts wirklich Schlimmes passiert und ich möchte diesen Glauben auch nicht verlieren. Denn eines weiß ich genau, auch wenn ich es gerne anders hätte – es gibt keine hundertprozentige Sicherheit und zu versuchen, sein Kind vor allem zu bewahren, stutzt ihm die Flügel.

© frhoppe 17.01.13