03.03.2013 Wenn es den Morgen nicht gäbe…

Ich befinde mich im Moment in der mich tierisch nervenden Situation, dass ich – noch voller Babyglück und Endorphine – eine Hausarbeit schreiben muss. Da mag das Thema noch so interessant sein, es kann einfach nicht mit Baby mithalten. Trotzdem muss es getan werden, obwohl ich viel lieber meine Zeit mit dem kleinen Mann verbringen würde. Ich weiß wohl, dass ich es gut habe, weil ich noch zu Hause sein kann, während es unzählige Mütter gibt, die schon nach acht Wochen wieder in den Beruf müssen oder aus anderen Gründen nicht bei ihrem Kind sein können, das ändert aber nichts daran, dass ich mir gerade ganz furchtbar leid tue. Und ich suhle mich mit Freuden in diesem Selbstmitleid, denn seit drei Tagen verbringt MEIN Baby den Großteil des Tages mit Papa bei Oma, während ich Literatur des Kaiserreiches in altdeutscher Schrift wälze. Abends bleibt mir dann meistens weniger als eine halbe Stunde bevor der kleine Mann so müde ist, dass er ins Bett gehört.

Gott sei Dank gibt es den Morgen! Da belohne ich mich für die konzentrierte Arbeit in verzweifelter Einsamkeit, indem ich ganz ungeniert und faul mindestens zwei Stunden mit dem kleinen Mann im Bett liegen bleibe. Wir kuscheln, lachen, erzählen – trinken zwischendurch immer mal einen kleinen Schluck – spielen, strampeln, streicheln und singen miteinander – kurz: Diese Zeit gehört nur uns. Und ich genieße das so sehr, vor allem weil ich weiß, dass es dem kleinen Mann genauso geht. Wenn Papa irgendwann aus dem Schlummer erwacht und Baby leise ruft, dann guckt er kurz, strahlt über ganze Gesicht und freut sich, dann aber dreht er den Kopf wieder zu mir und guckt mir tief in die Augen, bevor er mit strampelnden Beinchen eine Fortsetzung des Animationsprogramms „Mama“ fordert.

Die ich ihm natürlich bereitwillig zur Verfügung stelle. Denn nichts gibt mir nach einer Nacht mit einem Zwei-Stunden-Schlafrhythmus mehr Kraft und Energie für die Hausarbeit als dieses wunderschöne, von ganzem Herzen kommende, zahnlose Babylachen.

PS: Heute hab ich mir aber außerdem noch eine volle Dröhnung selbst gemachter Double-Choc-Cookies gegönnt, die so geil sind, dass ich das Rezept nachher gleich noch online Stelle, sobald ich wieder aus dem Schokokoma erwacht bin.

© frhoppe 03.03.2013

18.02.2013 Der kann auch anders…

Puh, was für eine ereignisreicher Tag!

Wie ich vor einer ganzen Weile schon mal erwähnt hatte, haben meine Großeltern mir ja angeboten, dass sie sich immer Montags um den kleinen Mann kümmern, während ich mich im Nachbarzimmer wenigstens einen Tag in der Woche konzentriert meiner Hausarbeit widmen kann. Nun, dieses Angebot habe ich dankend angenommen, in der Folge waren wir heute auch wieder da und haben viel erlebt.

Der kleine Mann hat fröhlich und interessiert mit dem Opa gequatscht – so süß, ein richtiges Gespräch unter Männern – und dann ganz fidel und begeistert mit der Oma geschäkert. Irgendwann schlief er dann versehentlich ein, obwohl er eigentlich auch schon wieder Hunger hatte. Dementsprechend knatschig war er dann, als er wieder erwachte. Sagte ich knatschig? Er hatte Hunger? Ach was, Hunger! Der kleine Mann stand kurz vor dem Hungertod. Zumindest wollte er uns das weismachen. Gott sei Dank war ja die treu sorgende Oma mit der abgepumpten Milch zur Stelle und stillte ihn im wahrsten Sinne des Wortes. Etwa 30 ml lang ging das gut, dann schmeckte es ihm nicht mehr. Logisch, aufgrund der Eile, mit der die Milch erhitzt worden war, war sie dem kleinen Mäkelfritzen zu kalt, nachdem der erste Hunger gestillt war. Wir mussten die Milch wirklich noch mal erwärmen, damit er sie uns abnimmt. Nachdem aber nun die Katastrophe erst mal abgewendet war, verlebten meine Großeltern und der kleine Mann noch eine großartige Zeit. Es quietschte und quakkelte aus dem Wohnzimmer, das es eine Freude war. Ich liebe es dabei zuzuhören. Und als Baby gegen Abend hin etwas müder und damit quengeliger wurde, packte der Opa seine Mundharmonikas aus und spielte wunderschöne Kinderlieder. Soooo große hingerissene Augen hatte der kleine Mann. Und dann kam die Hiobsbotschaft.

In einem Gespräch mit dem Papa erfuhr ich, dass dieser sein Essen in Kohle verwandelt habe und die Wohnung dementsprechend stonk. Er müsse also noch lüften, ich solle noch ein bisschen dableiben. Ein guter und gerne ausgeführter Gedanke, fühlen wir uns doch sehr wohl bei den geliebten Großeltern, allein war der kleine Mann bereits müde und sollte zeitnah ins Bett. In der Folge schlief er dann auch prompt auf Omas Arm ein und war dann extrem sauer, als ich ihn beim Anziehen wieder weckte. So sauer sogar, dass er mich auf der gesamten Rückfahrt aus seinem Babysitz vorwurfsvoll anstarrte. Doch damit nicht genug. In der – immer noch stinkenden – Wohnung und auf Papas Arm angekommen, weigerte er sich mich anzuschauen. Jedes Mal, wenn er mein Gesicht sah, versteckte er seines an Papas Brust. Und ließ mich mit gebrochenem Herzen zurück. Ist aber schon wieder heil, denn im selben Moment indem er zum Schlafen die Brust bekam, hatte er mir schon wieder alles verziehen.

© frhoppe 18.02.2013

04.02.2013 Meine neue Gelassenheit

Als ich vor 12 Monaten den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hatte, waren zwei Gefühle in mir zu gleichen Teilen vorhanden. Zum einen dieser freudige Unglauben – ich bin gefühlte 200 Mal ins Bad gerannt und hab geschaut, ob die Linie noch da ist – und zum anderen Angst. Angst, ob ich wirklich schon bereit bin, Mama zu werden. Angst, dass etwas schief geht, Angst, dass ich das vielleicht alles nicht schaffe. Und heute? Heute weiß ich, dass ich es kann.

Schon während der Schwangerschaft bin ich mit jeder verstrichenen Woche ruhiger geworden. Als dann klar war, der kleine Mann kann kein Frühchen mehr werden, war die Sache mit dem Stress für mich komplett gelaufen. Freunde haben sich schon darüber amüsiert, dass ich immer entspannter wurde je näher der Geburtstermin rückte – selbst während der Fahrt in die Klinik war ich noch ruhig, obwohl die Wehen schon alle drei Minuten kamen. Vielleicht ist unser Sonnenschein deswegen so gechillt – und auch wenn ich Anglizismen normalerweise vermeide, besser als gechillt trifft einfach kein deutsches Wort auf den kleinen Mann zu. Jedenfalls habe ich es geschafft mir diese Ruhe aus der Schwangerschaft zu bewahren.

Heute saß ich bei meinen Großeltern, um meine Hausarbeit zu schreiben – Sie erinnern sich an das großartige Angebot, auf den kleinen Mann aufzupassen, damit ich schreiben kann – und als ich nach einem fantastischen Mittag wieder über den Büchern brütete, habe ich urplötzlich etwas wichtiges über mich selbst erkannt. Ich habe für mich persönlich mit der Geburt unseres Sohnes das wichtigste in meinem Leben schon erreicht. Und das meine ich ganz und gar nicht unemanzipatorisch, denn ich habe durchaus nicht vor, jetzt zu einem Mütterchen am Herd zu werden. Ich habe immer noch meine Ziele, möchte diese auch immer noch verwirklichen – sonst würde ich mein Studium Studium sein lassen und mich nur noch um das Baby kümmern – aber ich habe nicht mehr so große Versagensängste. Die Panik, die ich angesichts von Prüfungen und Hausarbeiten immer empfunden habe, ist weg. Dieses kleine Wunder und die Tatsache, dass wir als Eltern diesem Wunderwesen auf die Welt geholfen haben, gibt mir eine wahnsinnige Gelassenheit.

Solange Baby glücklich ist, kann ich alles schaffen und selbst wenn mir etwas nicht gelingt, ist es lange nicht so wichtig wie das Wohlergehen des kleinen Mannes. Schließlich sagt schon der kleine Zettel an meinen Yogi-Teebeuteln: „Es gibt keine großen Entdeckungen, solange es noch unglückliche Kinder gibt!“

© frhoppe 04.02.13