Es war ruhig…

Es war ruhig um mich.
Sehr ruhig.
Sehr lange!
Aber ich brauchte Zeit.
Zeit, um zu verstehen, dass ich meine Tochter zwar lieben kann, aber gleichzeitig erst noch eine Beziehung zu ihr aufbauen muss.

Das kannte ich vom kleinen Mann so nicht. Als er auf die Welt kam, da gab es gleich das volle Paket.
Bäm!!! Liebe, Freude, Sorge, Ichwilldichkennenlernenmeingottwasbistdusüßundclever! Alles also. Ich wusste: Der da und ich! Wir werden ein Team.
Und so war es dann ja auch.
Mit dem Lieblingssohn lief alles wie am Schnürchen. Er schlief von Anfang an ganz viel, ließ sich prima wickeln, meisterte alle U-Untersuchen mit Bravour, drehte sich mit sechs Monaten brav das erste Mal vom Rücken auf den Bauch und aß eigentlich alles, was man ihm so anbot. Gut in den ersten sechs Monaten war das ausschließlich Muttermilch – aber danach dann! Da verschwand alles in seinem Mäulchen. Unfälle gab es quasi nicht, weil das clevere kleine Kerlchen – ich hab es ja gleich gewusst – irgendwie immer alles erst vorsichtig ausprobierte.
Ich gebe zu, von dem vorsichtig ist nicht mehr viel übrig, aber clever ist er immer noch! Sehr!!!

Und dann kam das Herzensmädchen. Die Geburt war anders.
Der Kreißsaal war überfüllt, ich wurde in das Zimmer für Wannengeburten geschoben, im Grunde ein größeres Bad – also schön kalt-weiß gefliest und aufgrund der fest installierten Wanne dann mit dem Krankenbett auch schön eng.
Da lag ich dann. Und ich lag lange, denn wenn die Fruchtblase platzt und das Kind noch nicht im Becken ist, dann muss man liegen. Auch, wenn man auf Toilette muss. Keine schöne Erfahrung. Nach neun Stunden mehr oder minder ineffektiven Wehen, bekam ich dann ein Wehen förderndes Mittel, das immerhin soweit half, dass ich zwischen halb drei und halb vier einen Spaziergang im Park machen durfte.
Das doofe ist, dass die durch dieses Mittel verursachten Wehen oft schmerzhafter sind – so wie auch in meinem Fall. Gleichzeitig zeigte mein Wehenschreiber nur einen geringen Ausschlag an. Da ich das alles ja schon mal mitgemacht hatte, wusste ich, dass die Höhe des Ausschlags gleichgesetzt werden kann mit der Stärke der Wehe.
Ich verbrachte also eine geraume Zeit mit dem panischen Gedanken: Ach du scheiße, wenn das jetzt schon so wehtut, wie soll ich dann den Rest schaffen. Das nämlich wusste ich auch noch von der ersten Geburt. Die „richtigen“ Wehen sprengen die Skala. Nur hatte ich in punkto Schmerz keinen Vergleich, denn beim ersten Mal war mir ja nach zwölf Stunden eine PDA gelegt worden.
Zum Glück fasste ich mir ein Mäuseherz und berichtete der Hebamme bei ihrem nächsten Besuch von meiner Verwirrung. Die klärte dann lachend das Missverständnis auf: Der Wehenschreiber könne nur bedingt etwas über die Intensität der Wehe aussagen, weil Frauen ja nicht genormt seien. Das Ding diene nur der Überprüfung der Abstände.
Nachdem das dann geklärt war, konnte ich mich auch besser auf das Veratmen der Wehen konzentrieren, von denen ich fand, dass sie jetzt doch schon recht schnell und stark kamen. Und noch immer lag ich im Bad, keine Spur von dem versprochenen Kreißsaal. Erst gegen halb sechs also nach 13 Stunden überbrachte die Hebamme mir die Nachricht, dass ich gleich umziehen dürfe, sie müsste nur noch … irgendwas… ich weiß nicht mehr… ich solle jedenfalls das Kind nicht ohne sie bekommen.
Guter Witz!
Vor allem, weil es fast passiert wäre.
Kaum war sie nämlich zur Tür raus, wollte auch das Herzensmädchen raus. Sofort! Aber wirklich: SOFORT!!!
Die Hebamme schoss wieder herein mit den Worten: „Na was ist denn jetzt passiert?“ Sehr vertrauenerweckend im übrigen. „Nun gut, dann bekommen wir das Kind eben hier!“
Ja! Guter Plan! Weil ich gehe jetzt nirgendwo hin!
Innerhalb von 10 bis 15 Minuten war meine Tochter auf der Welt, nachdem sie vorher zehn Tage länger gewartet hatte.
Wenn ich das jetzt hier lese, dann klingt es nicht schlimm und ich weiß von der Logik und auch von Freunden, dass er sehr, sehr, sehr viel schlimmere Geburtssituationen gibt, aber ich ganz persönlich habe diese Situation als verstörend empfunden.
Das lange Liegen, in einem Raum abgestellt, der überhaupt keine Wärme ausstrahlt, das Baby in einem provisorischen Krankenbett zu bekommen – Mütter kennen den Unterschied zu einem Kreißsaalbett – und dann auch noch so schnell. Und so stolz ich darauf bin, keine PDA gebraucht zu haben, auf die Schmerzen war ich nicht vorbereitet. Weil ich ja schon ein Kind hatte, dachte ich wohl irgendwie, ich wüsste was kommt. Ich hatte allerdings verdrängt, dass ich beim Sohnemann eine PDA bekam. Und dann sagte man uns noch, dass wir wegen der vielen Geburten kein Familienzimmer bekommen könnten. Ich würde also die erste Nacht allein verbringen – nein, nicht allein, sondern mit einer anderen Frau.
Wie gesagt, an sich und objektiv gesehen, war es alles nicht schlimm, tausende, ach was Millionen Frauen wünschen sich, so gut versorgt ihr Kind zu bekommen, aber in mir hat es trotzdem etwas ausgelöst. Ich fühlte mich nicht so glücklich wie nach der ersten Geburt.

Wobei ich durchaus glaube, dass dies normal ist. Schließlich ist ja bei aller Konzentration auf die eigentliche Geburt auch der Gedanke an das große Kind dabei, auch wenn dann das neue Würmchen da ist. Man muss eben doch an das andere Kind denken, das in unserem Fall bei Oma und Opa war.
Und so kam es – kurz zusammen gefasst – dass ich mit dem Herzensmädchen Berührungsängste hatte. Ich war unsicher – eigentlich weniger, dass ich sie liebe, aber wohl, ob wir miteinander auskommen.
Doof – ich weiß!
Aber diese Sicherheit, dass wir zusammen gehören, die fehlte mir. Ich kümmerte mich, ich fütterte, ich versorgte und ja: Ich liebte!
Aber Ende August wurde mir klar: Ich kenne meine Tochter noch nicht! Ich habe keine Beziehung zu ihr.
Das war der Punkt, an dem ich mich entschied, mich auf die Familie zu konzentrieren. Ich hätte unbedingt für das Studium weiterarbeiten MÜSSEN, aber das war mir egal. Ich wusste, dass hier viele auf neue Beiträge warten und manches Mal gab es Situationen, die ich gerne mit euch geteilt hätte, aber das musste mir egal sein. An erster Stelle stand, dass meine Tochter und ich uns kennenlernen, eine Bindung miteinander eingehen und ich das Gefühl bekomme, sie ist ganz mein Mädchen.

Und heute bin ich an diesem Punkt!

Heute höre ich mich sagen: meingottwasbistdusüßundclever! Heute haben meine Tochter und ich eine so enge Bindung, dass es schon wieder zu viel ist.
Im Ernst!
Sie hat sich angewöhnt mich nur noch anzuheulen: Wenn ich den Raum verlasse, wenn ich ihn betrete, wenn ich an ihr vorbeigehe, wenn ich sie jemand anderem gebe und dann gehe, wenn ich wieder komme und sie nicht SOFORT nehme – sie heult!
Und das nicht mal niedlich. Sondern seeeehr vorwurfsvoll! Ich nenne sie schon liebevoll „Meine kleine Wutbratze!“ Und freue mich jetzt schon auf die Pupertät. 😉

Trotzdem, ganz oft, wenn sie mich sieht, strahlt ihr ganzes Gesicht, sie springt fast vom anderen Arm herunter, um zu mir zu kommen und ihr Krabbeltempo ist atemberaubend, wenn sie auf mich zu oder hinter mir her wuselt. Sie freut sich mit dem ganzen Körper darüber bei mir zu sein und seit kurzem kuschelt sie aktiv mit mir, sucht ganz bewusst meine Nähe und schmiegt ihr Köpfchen an mich. Ich liebe das.

Und genau darum war es richtig, mir diese Zeit zu nehmen, auch wenn ich dadurch vielleicht mein Studium nicht mehr schaffe und ich ganz sicher einige Leser verloren habe.
Ich kann auch nicht versichern, dass ich Zukunft wieder jeden Tag blogge, aber ich bin auf jeden Fall wieder da und ab morgen gibt es wieder Anekdoten und Geschichten vom Lieblingssohn und dem Herzensmädchen, denn ich sage euch, da gibt es viel zu erzählen.

frhoppe 17.01.2016

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27.04.2015 Magenkrämpfe und die ganz große Liebe!

Ich hatte Magenkrämpfe. Nicht bloß Krämpfe, sondern KRÄMPFE!!! Die behelligen mich seit der Geburt nicht zum ersten Mal und sicher auch nicht zum letzten Mal, aber heute war schon ein besonderes Ereignis, denn ich wand mich zusammengerollt auf dem Boden und versetzte damit den Mann naturgemäß in Panik! Was durchaus verständlich, aber nicht nötig ist, denn die Magenschmerzen sind ziemlich sicher Ausdruck der Gesamtumstände. Zwar ist unsere Maus weitestgehend handzahm und schläft meistens recht gut und auch der Große findet sich langsam in der Situation zurecht, aber die Betonung liegt dann leider doch auf weitestgehend, meistens und langsam.

Heute kamen so ziemlich alle Faktoren zusammen: Die Fressraupe schlief schlecht und trank vier mal des nachts, was dann zu einer übervollen Windel führte – leider nicht nur mit Pipi überfüllt. Unser Morgen startete also schon schlecht. Zu dem Schlafmangel – auch beim Papa, obwohl ich das bei seinem Geschnarche nicht gedacht hätte – kam dann blöderweise auch noch schlechte Laune bei uns beiden und Bauchschmerz bei der Maus. Eins kam zum andern, man stritt über dies und das aber natürlich über nichts wichtiges und nachdem unser kleiner Mann nach der Kita zunächst sehr friedlich spielte und auch ganz lieb zuerst seine Jacke und Schuhe auszog und dann seine Schoko-Beute vertilgte, packte ihn dann kurz vor dem Schlafengehen doch der Rappel und er drehte völlig frei. Beißen, kratzen, treten und dann ganz provokativ noch mal beißen, während er so tat, als wolle er den vorherigen Biss mit einem Heileküsschen versorgen.

Als wenn das noch nicht Herausforderung genug wäre, kam es über diesen Ausbruch zu einem weiteren Streit, denn ich hatte bereits kurz vor sechs gesagt, man möge doch mit den Abendvorbereitungen anfangen, solange der kleine Kerl noch munter ist!
„Ooooch, der ist doch noch so wach und spielt so schön. Ich will ihn jetzt da nicht raus reißen! Es ist ja auch erst sechs,“ sprach der Papa und spielte weiter mit dem Sohne. Nun – soll er mal machen, dachte ich mir, ich hatte schließlich das kleine Kind vor den Bauch geschnallt und war damit raus aus der Bettgehzeremonie. Nachdem nun der Sohnemann gegen halb sieben so derartig durchdrehte, ließ ich mich zu einer durchaus amüsiert geäußerten Bermerkung hinreißen, dies sei der Grund, aus dem ich empfohlen habe, bereits um sechs mit dem Ritual rund ums Waschen, Töpfchen und Zähneputzen zu beginnen. Hätte ich nicht sagen sollen! Der Papa bekam das nämlich in den ganz falschen Hals und tat seinen Unmut auch kund. Es folgten heimlich vergossene Tränen auf meiner Seite und eine sehr ernste Entschuldigung auf seiner Seite und auch der kleine Käfer hatte seinen Anfall überwunden und ließ sich hochgradig zahm versorgen und ins Bett bringen. Nun hätte also endlich Ruhe einkehren können – wenn nicht, ja wenn nicht dieser gemeine Bauchschmerz wäre. Der nämlich packte unsere kleine Maus ganz unverhofft erneut und ließ sie etwa eine Stunde schreien, selbst an der Brust. Und das endete dann in den besagten Magenschmerzen.

Allerdings kann ich erfreut berichten, dass es dem lieben Gatten gelungen ist, sie durch eine ausgedehnte Rückenmassage zu vertreiben. Eine genauere Analyse der Umstände ergab dann, dass ich auch bei den letzten Malen immer innerlich SEHR angespannt gewesen war. In Verbindung mit einer verkrampften Haltung beim Tragen der Maus im Fliegergriff sind diese Magenschmerzen wohl unvermeidbar – wie so manches andere in Verbindung mit dem Kinderkriegen. 😉
Aber es lohnt sich.
Bevor mir die Magenschmerzen nämlich dazwischen grätschten, wollte ich heute nämlich eigentlich etwas ganz anderes berichten, dass mich alle negativen Seiten geduldig durchstehen lässt:

„Die Geburt ist das einzige Blind Date, bei dem du dir 100%ig sicher sein kannst, dass du die Liebe deines Lebens findest!“

Wunderschön gesagt und soooo wahr.
Es gibt Momente, in denen ich vor Liebe zu meinen Kindern gar nicht mehr weiß wohin damit. Und dann gibt es diese Momente, in denen ich mich frage, ob meine Kinder – im Moment eher noch nur das größere Kind – wissen, was ich für sie empfinde.
Meine Antwort: Sie tun es!!!
Woher ich das weiß?
Wenn ich unserem Sohn sage: „Mama und Papa haben dich ganz, ganz, ganz doll lieb!“ dann schaut er mich an und sagt „Ja!“ Nichts weiter, nur dieses „Ja!“ Und sein Tonfall drückt aus, dass diese Tatsache für ihn so selbstverständlich ist, dass er sich wundern muss, warum ich das so oft sage. Er ist mutig und voller Selbstvertrauen, testet seine Grenzen und provoziert ohne Ende, aber wenn er denkt, er hat uns möglicherweise enttäuscht, dann weint er bitterlich.Ein Beispiel dazu: Er hat kein Problem damit, seine Milch auf den Boden zu spucken oder seine Wassertasse auszukippen, nur um zu schauen, wie wir reagieren, aber wenn ihm versehentlich etwas herunterfällt, das dann womöglich auch noch kaputt geht, dann weint er fürchterlich und wahrhaftig verzweifelt, bis wir ihm glaubhaft versichert haben, dass das gar nicht weiter schlimm ist.
Wenn ich ihn aus der Kita abhole – was im Moment sehr selten ist – dann strahlt sein ganzes Gesicht, er unterbricht sofort jegliches Spiel und springt mir in die Arme, bevor er mein Gesicht in die Hände nimmt und mich ganz dicke knutscht!
Und unsere kleine Fressraupe?
Sie ist noch nicht einmal sechs Wochen alt und lacht bereits seit über einer Woche ganz bewusst über das ganze Gesichtchen, wenn sie mich sieht. Sogar auf Foto konnte ich diese Zuneigungsbekundung schon bannen und als ich dieses Bild einer Freundin zeigte und mich über das frühe Auftreten dieses Lächelns wunderte, sagte sie nur:
„Geliebte Kinder sind so!“

Ich finde, das kann man so stehen lassen!

Frhoppe 27.04.2015

23.04.2015 „Regretting Parenthood“ – warum ich nichts bereue, aber diese Eltern verstehe!

Seit einiger Zeit geht ja der Geist des sogenannten „Regretting motherhood/fatherhood/parenthood“ durch das Internet. Es handelt sich dabei um Eltern, die bereuen Mütter/Väter/Eltern geworden zu sein. Die wenigsten von ihnen bereuen die Existenz ihrer Kinder, im Gegenteil: Sie lieben sie von Herzen! Aber sie hatten sich ihr Leben oder die Elternschaft anders vorgestellt, finden das Elterndasein an sich bescheiden schön, um es diplomatisch auszudrücken.

Ich habe in letzter Zeit einige weniger schöne Reaktionen auf dieses Thema gelesen, Anfeindungen und Unverständnis schlagen diesen Müttern/Vätern/Eltern entgegen. „Wie kann eine Mutter ihr Kind nicht lieben?“ wird pauschal gefragt und dabei Reue über die Elternschaft mit mangelnder Liebe gleichgesetzt! Rabenmutter ist noch der harmloseste Ausdruck und es wird gar nicht versucht zu betrachten, wie es im Einzelnen zu dieser Erkenntnis, zu diesem Gefühl gekommen ist.
Ich denke, das größte Problem ist, dass Eltern heutzutage zu große Ansprüche an sich selbst haben, z.T. von sich selbst aufgestellt, z.T. von den Verwandten aufoktroyiert und zu einem ganz großen Teil von Medien und Gesellschaft verursacht.
Junge Eltern haben perfekt zu sein. Am besten sollen sie rund um die Uhr für das Kind da sein, den Haushalt ganz allein perfekt managen und dabei noch beide Vollzeit arbeiten. Dabei sehen sie natürlich immer wie aus dem Ei gepellt aus. Wenn eines der beiden Elternteile zu Hause bleibt, dann hat es voll in dieser Rolle aufzugehen, für das Hausmann-/Hausfrauen-Dasein und natürlich für die Kinder zu leben, während eigene Interessen ganz weit hinten anstehen. Sehnsüchte nach Beruf oder Erfüllung gibt es nicht! Andersherum wird von berufstätigen Eltern erwartet, dass sie es nach der Arbeit kaum erwarten können, nach Hause zu kommen, um dort endlich wieder die vollgekackte Windel des neugeborenen Glücks wechseln zu dürfen und sich vollkotzen zu lassen. Kurzum: Ein Kind zu bekommen ist pures Glück – quasi ein Regenbogen, der aus dem Hintern eines Einhorns kommt und Glitzer sprüht!

Klar ist es das! Also so vom Grundsatz her!

Aber es ist eben auch, als würde ein Meteorit in dein Leben einschlagen und einen riesigen Krater hinterlassen. Die Geburt an sich ist schon eine umwälzende Erfahrung – für beide Partner! Sie kann schön sein, aber eben auch nicht und nicht immer stellen sich sofort nach der Geburt die Glücks- und Muttergefühle sofort ein. Ein Kind zu bekommen ist für den Körper einer Frau Hochleistungssport und für den Mann – so er denn dabei ist – eine große psychische Belastung, mitunter auch eine körperlich, wenn die Frau – so wie ich – ihren Schmerz über seine Hände abzuleiten versucht. Auf dieses anstrengende Ereignis folgen dann die zwei bis drei Tage, in denen das Kind quasi ununterbrochen trinken muss, damit die Milch gebildet werden kann. An Schlaf ist da nur im Sitzen zu denken. Und auch wenn sich der Trinkrhythmus nach diesen Tagen so langsam einpendelt, tut es der Schlafrhythmus nicht. Die sogenannte Stilldemenz ist kein Mythos – sie liegt begründet in den Hormonen, die der Körper nach der Geburt ausschüttet und vor allem auch im veränderten sprich gestörten Nachtschlaf. Das Kind schreit eben, wenn es Hunger hat und wenn Mama und Papa da gerade in der REM-Phase ihres Schlafes sind, dann haben sie Pech gehabt. Und gerade diese Phase ist es, in der sich die Gehirnzellen erholen können. Dazu kommen dann noch Bauchschmerzen und im Laufe der Jahre schlechte Laune, Zipperlein, Böcke, die Entwicklung eines eigenen Willens und und und und …

Normalerweise gleichen Kinder das aus durch ihre Freude am Leben und die Liebe, die sie einem entgegen bringen. Meine Kinder sind da wirklich tolle Beispiele – Die kleine Maus lächelte mich heute morgen über das ganze Gesicht an, als sie mich erblickte, nachdem sie einmal 6 Stunden und dann noch einmal 5,5 Stunden geschlafen hatte und sie ist gerade mal 5 Wochen alt. Unser Sohn geht nicht ins Bett, bevor er uns nicht beiden einen Gute-Nacht-Kuss gegeben hat und schließt darin seit kurzem seine Schwester mit ein. Er streichelt mir abends beim Singen den Kopf, während er eigentlich schon fast schläft und umarmt uns aus ganzem Herzen und ganz fest. Er ist unheimlich intelligent und clever und hat eine Freude am Leben und am entdecken, die einfach umwerfend ist. Außerdem ist er wirklich witzig: Heute kamen wir nach Hause und er entdeckte, dass sein Wickelzeug noch auf dem Bett lag. „Ich räume das jetzt GANZ SCHNELL weg!“ verkündete er und grinste mich dabei verschmitzt an, denn er hatte das „ganz schnell“ genauso drohend betont, wie ich es immer tue, wenn er etwas „GANZ SCHNELL“ sein lassen soll. Er hat wirklich genau den Tonfall getroffen. Wenn wir Grimassen ziehen, dann lacht er erst herzhaft und sagt dann „Du kleiner Nasenbär“ zu uns oder „Du kleiner Schlingel!“ und ebenfalls heute Abend bestand er darauf, dass er kein Engelbär ist. „Nein Mama, ich bin kein Bär“, sagte er. „Ich bin dein kleiner Engel! Ihr habt mich ganz, ganz, ganz doll lieb!“ – und das ist ein O-Ton!
Wir sind wirklich gesegnet mit unseren Kindern, das ist mir durchaus bewusst und doch ist auch uns das alles manchmal zu viel, die Nerven liegen bloß und man ist froh, wenn die Kinder endlich endlich schlafen. Es gibt Momente, in denen ich den größeren Sohn weder sehen noch hören will – wenn er nämlich wieder einmal sämtliche Grenzen gleichzeitig austestet und das über Stunden mit all den Mitteln, wie jammern, schreien, hauen, treten, Haare ziehen hinwerfen, rumschmeißen, kaputt machen und so weiter – es gibt Augenblicke, in denen ich meine süße kleine Tochter einfach nur noch loswerden will – weil sie nämlich in der Nacht nur höchstens eine Stunde am Stück geschlafen hat und mir seit einer Stunde ins Ohr brüllt oder vielleicht nicht einmal brüllt, sondern einfach nur den ganzen Tag getragen werden wollte.

Und wenn ich dann über „Regretting Parenthood“ lese und nachdenke, dann stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn mein älterer Sohn nur schreien, hauen, schlagen würde und nicht so gut schlafen. Oder wenn unsere Tochter durchgehend schreien würde ohne jegliche Ruhepause. Wenn ich vielleicht mit meinen zwei Kindern alleine wäre ohne jegliche Hilfe und niemals wirklich zur Ruhe kommen könnte. Es gibt solche Kinder. Kinder, die einfach unheimlich anstrengend sind, mit denen jeder Tag ein Kampf ist. Für die man immer da sein muss und immer eine doppelte Portion Aufmerksamkeit braucht. Ich verstehe, dass man diese Kinder zwar von Herzen lieben und sich trotzdem fragen kann, ob es das wert ist!
Ich möchte damit nicht sagen, dass nur Eltern von „anspruchsvollen“ Kindern ihre Elternschaft bereuen oder dass nur sie ein „Recht“ dazu haben bzw. ich das nur in diesem Fall verstehe. Es ist auch immer eine Frage, wie viel man von sich selbst aufzugeben bereit ist und inwieweit das mit dem vereinbar ist, was man tatsächlich aufgeben muss. Wenn ein Kind erst einmal da ist, dann würden die meisten Eltern alles für es tun, aber das muss nicht heißen, dass sie damit glücklich sind. Eine Mutter/ ein Vater mit einem tiefenentspannten, lebensfrohen, intelligenten, durchschlafenden Kind kann trotzdem bereuen, dass sie/er nicht mehr einfach so verreisen kann, dass ihr gesellschaftliches Leben sich verändert oder verringert hat oder oder oder. Eine Frau/ ein Mann kann sich bewusst dafür entschieden haben, zu Hause zu bleiben bei den Kindern und gleichzeitig bereuen, dass sie/er keine Karriere gemacht hat.

Ich für meinen Teil und für mich ganz allein kann und werde es nicht bereuen, Mutter zu sein. Für mich ist das ein tiefgreifender Teil meiner Zukunftswünsche und dessen, was mich glücklich macht. Meine Kinder nach der Geburt in den Arm nehmen zu können, war für mich ganz klischeehaft das schönste Gefühl der Welt und ließ mich tatsächlich alles vergessen, was zuvor geschah. Ich genieße jedes Lächeln, mein Herz blüht auf beim Lachen meines Sohnes, ich platze vor Stolz, wenn er mit seinen nicht einmal zweieinhalb Jahren zweistellige Zahlen von allein erkennt und wenn er Satzkonstruktionen baut, die manch Fünf- oder Sechsjähriger nicht beherrscht. Ich breche in absurde Freude über den Pups meiner kleinen Maus aus, wenn sie vorher so lange dafür gekämpft hat, dass er heraus kommt und ich liebe das entspannte Gesicht, das sie hinterher zur Schau trägt.
Aber ich versuche das alles auch ganz bewusst wahrzunehmen. Wenn meine Tochter lacht, dann ist das immer etwas besonderes. Wenn sie 4, 5 oder 6 Stunden am Stück schläft, dann sage ich mir jedes Mal, was ich für ein Glück ich habe. Ich weiß, wie ungewöhnlich es ist, dass unser Sohn 12 – 14 Stunden pro Nacht schläft, seit er ein Jahr alt ist und mir ist bewusst, welch großes Glück es ist, dass ich beide Kinder völlig problemlos stillen kann bzw. konnte. Wir haben keine Allergien und keine Krankheiten und ich bin dankbar für meinen Mann, der mir sehr viel Arbeit abnimmt und noch mehr Verständnis aufbringt. Und wenn an manchen Tagen doch alles den Bach runter geht, alle gleichzeitig sauer oder genervt oder weinerlich sind und ich sie dann alle zum Mond schicken könnte, dann erinnere ich mich bewusst daran, dass das normal ist! Und okay!

Ich glaube, dass größte Problem in unserer Gesellschaft ist, dass alle denken, Kinder zu haben macht einen IMMER und UNABDINGBAR glücklich! Und wenn man nicht permanent vor Glück strahlt, dann stimmt etwas nicht – entweder mit einem selbst oder mit den Kindern. Wenn wir alle ein bisschen offener damit umgehen würden, dass nicht immer alles gut ist, wenn aber vor allem Mütter/Väter/Eltern, die über die negativen Seiten und Gefühle des Elterndasein sprechen, nicht immer sofort verteufelt würden à la „Wie kannst du nur…?“, dann würde nicht eine solch hohe Erwartungshaltung an sich selbst und an Eltern überhaupt entstehen.
Eltern sind Menschen! Eltern dürfen sich schlecht fühlen, überfordert sein, raus wollen aus alledem! Und ja Eltern dürfen bereuen, dass sie Eltern geworden sind! Schließlich kann man nicht wissen, was das richtige für einen ist, bevor man es nicht probiert hat! Und mit Kindern ist es nun einmal so, dass man sie nicht zurück geben kann, falls es doch nicht das richtige ist! Man wird ins kalte Wasser geschmissen und muss schwimmen ohne je eine Schwimmstunde gehabt zu haben. Und nur weil ich das Schwimmen nicht mag, kann ich trotzdem das Wasser lieben, nicht wahr?

Frhoppe 23.04.2015

20.04.2015 Aus eins mach zwei – Teil 2

Nun, „da“ war die kleine Schwester zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber zumindest auf dem Weg. Und als sie dann am 19.03. um 17.52 Uhr das Licht der Welt erblickt hatte, riefen wir nach dem ersten Kennenlernen natürlich als erstes die Oma und unseren kleinen Mann an, um vom freudigen Ereignis und natürlich dem Namen zu berichten, was dann auch gleich zu Diskussionen zwischen Oma und Enkel führte. Der zweite Name unserer Tochter endet nämlich auf einem „e“, unser Sohn indes bestand darauf, es müsse ein „a“ sein. Erst nach einigen Versuchen gelang es der Oma, ihn davon zu überzeugen, dass Mama und Papa sich für ein „e“ entschieden haben und dass das nun darum so bliebe.

Da es nunmehr doch schon recht spät am Nachmittag war, beschlossen wir, den kleinen Mann doch zu Hause zu belassen und verabredeten für den nächsten Tag einen Besuch im Krankenhaus. Dies ließ dem stolzen Bruder genug Zeit am nächsten Morgen in der Kita stolz und sehr ernst den Namen seiner Schwester zu verkünden – inzwischen hatte er sich nämlich auch mit dem „e“ arrangiert und legte auch äußerst großen Wert darauf, dass immer jeder gleich den vollen Namen seiner Schwester erfuhr. Wehe jemand sagte nur den ersten Namen – sofort wurde derjenige berichtigt.
Am Nachmittag endlich war es nun soweit: Der erste Besuch stand an. Nachdem Papa eifrig begrüßt worden war, sollte nun auch der kleinen Erdenbürgerin „Hallo“ gesagt werden. Der Plan war ein guter und wurde sogar vom kleinen Mann in Angriff genommen. Dann jedoch – urplötzlich – warf sich dem tapferen Helden ein Nachttisch in den Weg. Dieses scheppernde Ungetüm musste zuerst besiegt werden, bevor an die Begrüßung des kleinen Mädchens auch nur zu denken war. Und wie viele Hebel und Griffe gab es da zu ziehen und Türen zu öffnen. Schließlich jedoch gelang es dem kleinen Mann sich loszureißen und sich erneut auf den Weg zum Bett zu machen, als – oh fürchterliches Geschick – die Krankenbettverstellautomatik in den Blick des Kindes geriet. Ganz zum Schluss gelang es dem Sohn dann doch, seine Schwester willkommen zu heißen mit einem zarten Kopfstreicheln. Insgesamt war es eine gelungene Annäherung, die erst beim Verabschieden ein wenig getrübt wurde, als der Papa nicht mitkommen wollte. Dass die Mama im Krankenhaus bleibt, das sah der kleine Käfer sehr wohl ein, aber Papa hatte da nichts zu suchen. Erst durch schamlose Bestechung, er dürfe sowohl Fische als auch Katze bei Oma und Opa füttern, ließ sich unser Sohn zum Gehen überreden.
Unser großes Glück war – rückblickend betrachtet – dass unsere kleine Maus an einem Donnerstag auf die Welt kam. So waren wir nämlich übers Wochenende nicht da und der ganze „Oma-passt-auf-mich-auf-wenn-meine-Schwester-auf-die-Welt-will“ – Vorgang wurde für den kleinen Mann zu einem mehr oder weniger normalen Wochenendausflug bei Oma und Opa. Nicht ganz natürlich, das ist schon klar, unser Kind ist ja nicht doof und weiß natürlich ganz genau, dass da im Krankenhaus eine gewaltige Veränderung des Status Quo angekommen ist, aber wenigstens ist sein Alltag nicht durcheinander gebracht, nur weil seine kleine Schwester jetzt da ist. Bei Oma und Opa übers Wochenende: Das kennt er! Da fühlt er sich wohl mit! Und da macht es auch nichts, dass man Sonntags noch einmal ins Krankenhaus fährt um Mama und Papa und diese seltsame kleine Schwester zu begutachten. Immerhin ist er ja auch schon ein großer kleiner Mann!
Uns kam es sogar vor als sei er gewachsen. Nicht nur ganz stetig und ein bisschen, sondern über Nacht und mindestens einen Meter! Ich hatte vorher von diesem Phänomen gelesen, aber so recht daran glauben konnte ich nicht. Ich meine, ernsthaft, wie soll denn das gehen, dass einem das Kind plötzlich viel größer und „älter“ erscheint? Ist aber so! Und funktioniert auch umgekehrt! Denn jedesmal, wenn ich das große Kind auf dem Arm hatte, muss ich aufpassen, dass ich mir das kleine Kind nicht mit Schwung über die Schulter schmeiße – und das ist auch nach vier Wochen noch nicht nennenswert besser geworden.
Mir fiel das ganze übrigens erstaunlich schwer – ich meine, ich bin ja durchaus daran gewöhnt, dass der kleine Mann mal drei Tage weg ist, aber wenn man dann im Krankenhaus liegt und eben doch nicht einfach so zu ihm kann, dann wird das Vermissen auf einmal riesig groß. Mein Sohn fehlte mir so unfassbar stark, dass ich ernsthaft überlegt habe, die Sachen zu packen und früher nach Hause zu fahren. Wir haben es nicht gemacht, was auch gut war, denn so konnten sich alle Beteiligten noch ein wenig sammeln, aber leicht gefallen ist es mir nicht. Wie sehr mich das ganze doch beschäftigte, sei anhand meines Traumes in der Nacht von Samstag auf Sonntag illustriert: Ich sah aus dem Fenster unseres Zimmers und beobachtete ein Flugzeug, dass beängstigend tief flog. Meine ungute Vorahnung bestätigte sich und panisch musste ich beobachten, wie das Flugzeug genau dort abstürzte, wo sich unsere Wohnung befand – die grobe Richtung konnten wir nämlich aus dem Fenster sehen. Völlig hysterisch schrie ich und weinte um meinen kleinen Sohn, bis mir einfiel, dass er in Sicherheit bei seinen Großeltern war!
Selbst nach dem Aufwachen zitterte ich noch! Und war meiner Mama umso dankbarer, dass sie uns gleich morgens ein Mini-Video von unserem kleinen Mann schickte, in dem er uns ganz fröhlich einen guten Morgen wünschte und darin auch – nicht ganz so begeistert, seine kleine Schwester einbezog.

Frhoppe 21.04.2015

20.04.2015 Aus eins mach zwei! – Teil 1

Nun ist es also geschehen – wir haben zwei Kinder!

Ganz plötzlich und nicht ganz unerwartet sind wir zu viert, unsere kleine Familie ist erst einmal komplett und der Weg dahin und damit war zwar bislang sehr ereignisreich, aber auch wunderschön zu sehen, was für ein toller großer Bruder unser kleiner Mann ist – was vielleicht auch ein bisschen an unserer Vorbereitung lag.
Aber ich fange am besten von vorne an – nun ja, vielleicht nicht ganz von vorne, aber doch schon ziemlich am Anfang:

Wir hatten unserem Sohn schon recht früh von seiner kleinen Schwester erzählt. Sobald die wichtigsten Familienmitglieder Bescheid wissen durften, weihten wir auch ihn langsam ein – zunächst erst einmal nur anhand der für einen Knirps von nicht einmal zwei Jahren recht unbedeutenden Aussage „Du bekommst bald eine kleine Schwester!“ Seinen Gesichtsausdruck dazu deute ich in etwa so: Tolle Wurscht! Eine Schwester – was is’n das? Kann man das essen oder wozu ist das gut?
Als wir das dann aber präzisierten und ihm erklärten, dass ich jetzt ein Baby im Bauch habe und dass dieses Baby im nächsten März raus will, konnte er damit durchaus etwas anfangen, denn dass Mamas Babys im Bauch haben, die dann irgendwann auf der Welt sind, das hatte er schon erlebt im Freundeskreis. Und irgendwie war ihm auch von vorneherein klar, dass er damit sehr vorsichtig sein muss, denn schon sehr früh begann er, ganz vorsichtig meinen Bauch zu streicheln und als ich ihn im Oktober fragte, ob er denn schon gesehen habe, wie rund Mamas Bauch ist, nickte er begeistert und sagte dann ganz ernst: „Ist ein Baby drin, muss man aufpassen!“ Keine Frage, dass mein Mutterherz bei diesen Worten unwiderruflich dahin schmolz.
Spätestens da war das kleine Würmchen fest in unseren Alltag eingezogen – jeden Tag bezogen wir die kleine Bauchmaus in unseren Alltag mit ein, erzählten dem kleinen Mann, wie sehr wir uns darauf freuen, dass sie bald bei uns ist, sagten ihm, dass er ein ganz toller großer Bruder wird und dass seine kleine Schwester einmal ein toller Spielgefährte wird, sobald sie etwas größer ist. Wenn wir etwas neu anschafften oder bauten – z.B. den Wickeltisch – dann wurde er mit einbezogen. Natürlich blieben da auch erste Anmeldungen von Besitzansprüchen nicht aus: Im Dezember bekam der kleine Mann ein großes Bett. Ein Feuerwehrauto war das, von seinem älteren Cousin gesponsert und een rischtisch schniecket Teil, das sofort mit Begeisterung in Beschlag genommen wurde. Große Freude brach aus im heimischen Kinderzimmer, bis … ja bis das alte Gitterbett abgebaut werden sollte. Die Freude schlug um in schiere Verzweiflung. Unter Tränen klammerte sich der kleine Mann an den Gittern fest und schrie. „NEEEIIIN!!! Das Bett bleibt hier!!!“ Mit Engelszungen redeten wir auf ihn ein, dass doch das Bett zu groß und dann kein Platz mehr sei und überhaupt, man könne ja gar nicht spielen, wenn hier ein Gitterbett mitten im Raum und so … Nichts half! Schließlich hatte ich die zündende Idee: „Weißt du, kleine Mann! Wir brauchen doch das Bett für deine kleine Schwester – oder soll die in deinem Feuerwehrbett schlafen?“ Totale Stille. Dann: „Nein! Das ist mein Bett!“ Sprach’s und das Thema war erledigt. Das Gitterbett musste sogar umgehend in den Keller geschafft werden.
Im Januar schließlich überraschte uns der kleine Kerl mit einer unheimlich intelligenten Erkenntnis. „Wie soll denn deine Schwester heißen?“ fragten wir ihn eines Tages.
„Anne!“ kam es wie aus der Pistole geschossen, woraus dann später ‚Onkel M…‘ wurde, wovon er auch durch hartnäckige Erklärung ‚Onkel M…‘ sei doch ein recht ungewöhnlicher Name für ein Mädchen, nicht abzubringen war. Anne allerdings war es auch nicht!
Wir schauten einander nun also ein wenig hilflos an und überlegten, was zu tun sei, denn unsere Namenswahl unterlag strengster Geheimhaltung gegenüber der Familie. Den tatsächlichen Namen dem Kinde zu verraten, kam also gar nicht in Frage, denn gegen kleine Kinder sind Facebook und Konsorten in Sachen Herausgabe von Daten an Unbefugte ein Witz. Also verlegten wir uns auf eine Ausweichtaktik.
„Naja, müssen wir mal schauen, ob deine Schwester dann Anne heißt! Das sagt sie uns dann, wenn sie auf die Welt kommt! Mama und Papa wissen das auch nicht!“
Es folgte ein prüfender Blick aus verengten Augen, erst zu Mama, dann zu Papa, dann lächelte der Sohn siegesgewiss und verkündete: „Mama und Papa wissen das!“
Die eigenen Eltern dermaßen ausgekontert zu haben, ließ ihn dann auch sämtliches Interesse am zukünftigen Namen seiner Schwester verlieren.
Für uns war dieses eindeutige Zeichen großer Kombinationsfähigkeit der Anlass den nächsten Schritt zu tun, um den Sohn auf das große Ereignis einzustellen. Da wir auch für unser zweites Kind das wunderbare Erlebnis eines Familienzimmers anstrebten, würden sowohl Mama als auch Papa einige Tage nicht anwesend sein, wenn es losging und darauf will so ein kleiner Mensch vorbereitet sein – erst recht wenn die beiden dann auch noch so ein kleines schreiendes Bündel mitbringen, um das sich erst einmal alles drehen wird. Dankenswerterweise hatte sich meine Mama bereit erklärt, den kleinen Mann nicht nur in unserer Abwesenheit zu betreuen, sondern im Notfall auch mitten in der Nacht hier einzureiten, um zu gewährleisten, dass der Papa auch schon im Kreißsaal dabei sein konnte. Wir erklärten nun also dem Sohnemann, wenn dann irgendwann morgens plötzlich die Oma da ist, dann will seine kleine Schwester endlich auf die Welt und er kann dann ein paar Tage Urlaub mit der Oma machen.
Eigentlich gingen wir davon aus, dass das nicht nötig sein würde, denn immerhin kam der Große ja tagsüber, aber wir wollten eben auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, vor allem aber den kleinen Mann wie gesagt gut vorbereiten. Nicht das plötzlich Mama und Papa einfach so über Nacht für mehrere Tage verschwinden. Das wäre ein denkbar schlechter Start ins Geschwisterleben.
Und wie es dann so ist mit den Geburten und mit Kindern überhaupt – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Wir hatten uns 9 Tage nach Termin schweren Herzens entschieden angesichts keinerlei vorhandener Anzeichen, dass es los gehen könnte, am 10. Tag die Geburt einleiten zu lassen. Alles war gepackt, die Oma für den nächsten Tag zum Kind aus der Kita abholen einbestellt und wir planten einen emotionalen Abschied vom großen Sohn am nächsten Morgen, bei dem wir ihn schwersten Knuddeln und Knutschen wollten.
Um vier Uhr nachts platzte die Fruchtblase!
Oma kam und übernahm den Rest der Nachtwache und als sie am nächsten Morgen die Tür zum Kinderzimmer öffnete, erwartete sie ein strahlend waches Kind, das bei ihrem Anblick freudig verkündete: „Meine kleine Schwester ist da!“

Frhoppe 20.04.2015

13.10.2013 Erinnerungen an Wunder!

Heute ist es 11 Monate her, dass unser wundervoller, kleiner Mann das Licht der Welt erblickt hat und gerade heute entdeckte ich diesen kurzen Artikel in dem es heißt, dass der Körper eines Menschen bis zu 45 Schmerz Einheiten aushalten kann, dass bei der Geburt eines Kindes die Mutter aber bis zu 57 Schmerz Einheiten empfindet, was in etwa dem Schmerz entspricht, der entsteht, wenn ein Mensch sich 20 Knochen gleichzeitig bricht.
Und da musste ich zurück denken an die Schmerzen, die ich bei der Geburt empfunden habe. Ich weiß noch, dass ich währenddessen dachte: „Ich muss sterben!“ Ich hatte noch nie in meinem Leben solche Schmerzen. Gleichzeitig dachte ich aber: „Gestorben wird nicht, du musst jetzt deinen Sohn auf die Welt bringen.“
Und heute? Wenn mich heute jemand fragt, wie die Schmerzen waren, kann ich darauf nicht mehr antworten! Ich meine, ich weiß, ich hatte Schmerzen – irgendwann verordneten mir die Ärzte sogar eine PDA – aber ich kann beim besten Willen nicht mehr sagen, wie sich diese Schmerzen angefühlt haben!Ich weiß noch, dass ich während der Geburt dachte: „Nie wieder!“ Ein paar Stunden später mit diesesm wundervoll duftenden, warmen Bündel im Arm dachte ich: „Na vielleicht irgendwann wieder!“ Und am nächsten Tag war ich schon bei „Der bleibt kein Einzelkind!“
Das ist phänomenal! Ein Wunder, das ich bis heute noch nicht wirklich fassen kann! Ich weiß nur, dass ich diese Schmerzen jederzeit wieder auf mich nehmen würde, denn die Belohnung ist so unfassbar groß, dass sich dafür alles lohnt!

Frhoppe 03.07.14

05.04.2013 Vergessene Helden

Wird ein Kind geboren, ist die Freude groß. Alles lobt die Mutter und bewundert die wahnsinnig harte Arbeit die sie und das Baby bei der Geburt geleistet haben. Und das ist auch ganz  richtig so, denn die Frau ist die Heldin des Tages. Aber wo bleiben die Väter? Sicherlich werden sie beglückwünscht zu diesem tollen Baby, das sie da in Produktion gegeben haben, aber wer lobt denn schon einen Vater für seinen heldenhaften Einsatz im Kreißsaal?

Heutzutage wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Vater mit im Kreißsaal dabei ist. Schließlich leisten ja Frau und Kind die ganze Arbeit, da kann der Vater wenigstens dabei sein. Er hat ja eh nix anderes zu tun, als der Frau die Hand zu halten. Das wird er doch wohl schaffen! Stimmt schon! Aber eben auch wieder überhaupt nicht. Ohne Frage leisten Frau und Kind im Kreißsaal die meiste und härteste Arbeit, aber auch für den Vater ist eine Geburt ganz und gar kein Spaziergang. Wir Frauen sind mit uns selbst beschäftigt, wissen wofür wir das alles tun, weswegen es auch alles zu ertragen ist, aber was machen die Männer? Sie können nichts anderes als da zu sein. Sie können nicht eingreifen, können die Schmerzen nicht lindern. Viele Männer sehen ihre Frau das erste Mal solchen Schmerzen ausgesetzt, ohne dass sie helfen können. Sie fragen sich, wie die Frau das aushalten kann, oftmals wähnen sie die Schmerzen schlimmer, als sie letztendlich für uns Frauen sind – ich verweise auf oben, als ich sagte, wir wissen wofür. Und dann ist da noch die Tatsache, dass eine Geburt nicht „sauber“ ist. Ganz im Gegenteil. Wir Frauen verlieren eine Menge Blut, womit man(n) auch erst einmal umgehen können muss. Umso mutiger finde ich die Entscheidung eines Mannes bei der Geburt dabei zu sein, auch wenn er nicht aktiv eingreifen kann.

Für mich persönlich war es sehr wichtig, dass mein Mann im Kreißsaal dabei war. Er ist eine wahnsinnige Stütze für mich gewesen, obwohl er „nur“ da. Er war auf dem Weg seines Sohnes im Leben von Anfang an dabei. Und nicht nur dass, er sieht mich jetzt mit anderen Augen, denn er weiß, was wir bei der Geburt geleistet haben und hatte nicht einfach ein fertiges, sauberes Bündel in den Arm gelegt bekommen.

PS: Ein Mann ist ganz und gar kein Weichei, wenn er sich das nicht zutraut. Ganz im Gegenteil – wenn er nämlich im Kreißsaal ein nervliches Wrack ist, am Ende vielleicht sogar noch umkippt, dann hilft das der Frau kein bisschen.

© frhoppe 05.04.2013

05.03.2013 Deine Geburt!

Du gibst mir den Mut neue Wege zu gehen,

den Mut, Altes in neuem Gewand zu sehen.

Den Mut, sich gehegten Träumen zu stellen.

Deine Geburt, sie schlug hohe Wellen.

Tief in mir drin tost der Ozean nun,

die Wellen, sie wollen einfach nicht ruh’n.

Sie tosen und tragen Gefühle mit sich.

So viele Gefühle sind neu für mich

 *

Die Träume, die ich nie zu träumen gewagt,

aus Angst, dass ich damit am Ende versag’.

Ganz plötzlich erscheinen sie nicht mehr so fern

Denn selbst wenn ich versage, du bleibst mein Stern.

Und wie das die großen Wunder halt machen.

Machst du mich glücklich, bringst mich zum lachen.

Ein Lachen, so frei und ganz ohne Spiel,

immer öfter ganz ehrlich, ganz echt, ohne Ziel.

 *

Und dann diese Angst, jeden Tag, jede Stunde,

um dich und dein Glück, vor der kleinsten Wunde.

Die Angst die ich meistens ganz weit verdränge,

auf dass sie dich niemals zu sehr einenge.

Und schließlich die Liebe, die nur immer größer wird,

die jeden Tag tiefer mein Herz anrührt.

Die Liebe zu dir, die niemals verschwindet,

gleich wie unser Leben sich manchmal auch windet.

© frhoppe 05.03.2013