04.11.2014 Ein deutliches Zeichen

Heute war der zweite Tag, an dem Sohnemanns Erzieherin aus dem Urlaub wieder da war und heute weinte der kleine Mann auch wieder ein wenig mehr, als ich die Kita gen „Arbeit“ verließ. „Mama soll nicht arbeiten gehen“ schluchzte er und streckte vom Arm seiner Erzieherin aus die Händchen flehend nach mir aus.
Es wird wirklich nicht leichter, da einfach zu gehen.
Allerdings gab es heute eine erleichternde Nachricht für mich. Als ich nach dem Mittagsschlaf wieder in der Kita ankam, berichtete mir die Erzieherin, dass der Sohn heute ein wenig unruhiger war und nicht so recht in den Schlaf fand. Also legte sie sich neben ihn und gab ihm ihren Finger zum Festhalten, was schließlich dazu führte, dass der kleine Mann endlich einschlief. Dann jedoch wollte sie aufstehen und musste feststellen, dass die kleine Kinderhand ihren Finger fest umklammert hielt. Jeder Versuch ihn zu lösen, war vergebens, so dass sie schließlich befürchtete, den Mittagsschlaf neben dem Sohn liegend verbringen zu müssen.
Schließlich gelang es ihr aber doch, sich zu befreien, indem sie behutsam einen Finger nach dem anderen löste, bis sie schließlich gehen konnte. Sie freute sich dann sehr, als ich ihr mitteilen konnte, dass dies ein sehr deutliches Zeichen dafür ist, dass der kleine Mann sie als enge Bezugsperson in seinem Leben akzeptiert hat.

Frhoppe 04.11.2014

30.10.2014 Das schlimmste Gefühl der Welt.

Bereits gestern war der kleine Mann ja nicht wirklich einverstanden mit dem Umstand, dass ich ihn in der Kita zurückließ. Heute morgen sprach er dann direkt seine Ängste an, indem er sich schon im Auto meiner dauerhaften Anwesenheit in der Kita zu versichern versuchte. Da ich ihn nicht belügen wollte, sagte ich ihm auch ganz ehrlich, dass ich zwar noch eine Weile mit rein käme, dann aber arbeiten müsste. In der Folge wich der Gnom in der Kita die ganze Zeit nicht von meiner Seite. Zwei Schritte in den Raum hinein schaffte er, dann flüchtete er wieder halbwegs verzweifelt zwischen meine Arme und kuschelte sich gegen meine Beine. Nichtsdestotrotz mussten wir es ja versuchen und so schlug die Vertretungserzieherin des kleinen Kerlchens mir eine halbe Stunde später vor, trotzdem zu gehen.
Ich kam mir vor wie der schlechteste Mensch der Welt.
Der kleine Schatz klammerte sich an meinen Beinen fest, versuchte mir die Jacke zu entwinden und weinte ganz schrecklich verzweifelt in den Armen seiner Erzieherin, die Händchen nach mir ausgestreckt. Schließlich nahm sie ihn auf den Arm und verließ den Flur, in der Hoffnung, mich nicht mehr zu sehen würde die Situation verbessern. Und da wir ja vereinbart hatte, dass ich auf dem Handy erreichbar sein würde, ging auch ich, wenngleich ich mich furchtbar deswegen fühlte. Ich muss ehrlich sagen, dass es mir fast das Herz zerriss meinen kleinen Sohn so furchtbar nach mir weinen zu hören und trotzdem einfach zu gehen. Meine Gefühlte mussten mir wohl deutlich anzusehen gewesen sein, denn eine ebenfalls anwesende Mama versicherte mir sofort, dass diese Verzweiflung bestimmt nur der Abwesenheit der Bezugserzieherin geschuldet sei. Normalerweise gehöre mein kleiner Schatz zu den fröhlichsten und aufgewecktesten Kindern der Kita und würde kaum einmal nach mir fragen, geschweige denn verzweifelt sein, dass ich nicht da bin. Das half mir unheimlich, stark zu bleiben, denn von der Logik her weiß ich natürlich, dass ich gehen muss, dass ich es dem kleinen Mann nicht leichter mache, wenn ich gehe. Trotzdem fragte ich mich natürlich auch, ob eine gute Mama wirklich geht, wenn ihr Kind so weint, zumal ich mich tags zuvor mit einer anderen Mama unterhalten habe, die ihr Kind genau aus diesem Grund doch wieder zu Hause behält. Allerdings kam ich im Verlauf des Tages doch selbst zu dem Schluss kam, dass es richtig und wichtig ist zu gehen. Wenn ich ihn jetzt wieder aus der Kita nehmen würde, dann nehme ich ihm die Möglichkeit, seine eigenen Stärken und Grenzen kennen zu lernen. Ich würde ihm damit zeigen, dass ich ihm nicht zutraue mit der Situation und ohne mich fertig zu werden und ihm damit ein Stück seines Selbstbewusstseins wieder nehmen.
Und wie um mich zu bestätigen, erzählte mir die Erzieherin am Mittag, dass des Kindes Gebrüll verstummte, kaum dass ich um die Ecke war. Und auch meine beste Freundin, die selbst Erzieherin ist, beruhigte mich am Nachmittag, dass die meisten Kinder immer mal wieder heftig weinen, einfach um es den Eltern ein bisschen schwerer zu machen.
Ich bin also beruhigt und bleibe weiterhin stark, denn ich weiß, dass mein Sohn die Kita liebt.

Frhoppe 30.10.2014

20.10.2014 Kita? Aber unbedingt!

Zunächst einmal die gute Nachricht: Das Fieber war heute morgen ganz weg – eine Erkenntnis, deren Entstehen der Sohn neugierig verfolgte mit der Frage: „Was sagt das Fieber?“ Ich nehme an, er ließ der Bequemlichkeit halber das Thermometer weg, aber eigentlich finde ich diese kurze Version sowieso sehr viel besser.
Dem Gang in die Kita stand also nichts entgegen.
Dort angekommen, konnte der kleine Mann es wieder kaum erwarten, alles zu bespielen und forderte zum ersten Mal sogar das Singen des Sonnenkäferliedes ein. Nach dem Morgenkreis geschah dann etwas unheimlich niedliches. Auf dem Flur ging die Erzieherin des Sohnes in die Hocke und sagte „Na, mein kleiner Freund!“ während sie die Arme ausbreitete. Und der kleine Käfer rannte hinein und ließ sich umarmen. Und dann kurz darauf, glitt sein Blick zu mir und ohne, dass ich etwas gesagt hätte, rannte er auf mich zu und umarmte mich ebenfalls, ganz so, als wolle er, dass ich nicht zu kurz komme. Dann war er sofort wieder fröhlich lachend unterwegs.
Die Erzieherin stellte dann fest, dass er jetzt schon viel offener ist, mehr lächelt und auch mitmacht und nicht nur beobachtet. Das sei ein schöner Fortschritt. Dann wollte sie noch wissen, ob er manchmal morgens nicht in die Kita wolle. Ich konnte das verneinen, allerdings räumte ich auch etwas verlegen ein, dass ich ihm dazu keine Chance gebe. Gleich morgens öffne ich dir Tür mit einem strahlenden Lächeln und sage: „Guten Morgen, ein neuer Kitatag beginnt! Schnell wickeln und anziehen, damit wir in die Kita können.“ Außerdem gab ich zu, dass ich die mittlerweile schon recht solide vorhandene Bindung an die Erzieherin mitunter ausnutze und sage: „Na los, … wartet schon auf dich mit dem Morgenkreis.“ Für mich überraschend zeigte sich unsere Erzieherin erfreut über dieses Vorgehen. Auf Nachfrage teilte sie mir mit, dass dieses Verhalten dem Kind den Übergang in die Kita sehr erleichtere. Sie habe auch oft Eltern, die ihre Kinder fast dafür bemitleiden, dass sie in die Kita „müssen“!
Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht! Ich meine, die Kita ist so etwas Tolles für Kinder. Sie können spielen und toben in einer kindersicheren Umgebung, in der nicht andauernd jemand Nein sagt! Sie lernen, dass sie ganz viele Dinge alleine können – einfach weil ja in einer Kita eine Eins-zu-Eins-Betreuung unmöglich ist. Und das ist gut so. Ich merke jetzt schon, wie sehr sich mein Kind positiv entwickelt. Seine Sprache hat nochmal einen ordentlichen Schub gemacht, er isst noch besser und hat heute das erste Mal Interesse an einer Toilette gezeigt. Er kennt die ersten Kinder mit Namen – sogar welche, die nicht in seiner Gruppe sind und als wir ihn heute abgeholt haben, ist er völlig aufgedreht gewesen vor Freude. Und das zu einer Zeit, in der wir normalerweise den ersten Machtkampf ausfechten, einfach weil wir voneinander schon mächtig gestresst sind. Er lernt, mich zu vermissen und gleichzeitig, dass ich immer wieder komme und er merkt, dass ich dann gute Laune habe und entspannter bin.
Liebe Eltern, falls ihr euer Kind bemitleiden solltet, weil es in der Kita ist! Das braucht ihr nicht! Es ist ein unheimlich toller und wichtiger Schritt, der dem Kind und den Eltern so viel gibt!
Im Auto auf dem Rückweg hatten wir dann auch gleich eine amüsante Diskussion. Wir haben dort als Notfallzuckerlieferant solch kleine Schoko-Minz-Plätzchen liegen. Natürlich blieb der kleinen Raupe Nimmersatt nicht lange verborgen, dass man die Dinger essen kann und seitdem bekommt er im Auto immer eins – immer nur EINS – und das auch nur, wenn er höflich fragt. Am Anfang hieß es nämlich immer: „Ich will eins essen!“ Dieses „Ich will“ gewöhnen wir ihm gerade ab und das klappt inzwischen ziemlich gut.
„Ich möchte bitte im Auto eins essen!“
„Prima!“ Ich gab ihm daraufhin ein Drops.
Eine Weile schnurpste und knurpste es im Kindersitz, dann: „Ich möchte bitte noch eins essen.“
„Nein, es gibt immer nur eins! Das weißt du genau!“
„Mama danke. Danke sagen!“
„Das ist schön, du bekommst trotzdem keins mehr.“
„… bekommt trotzdem eins?“
Ich fand das unheimlich niedlich, trotzdem blieb ich hart, obwohl er alle Register zog. Sonst merkt der sich das sofort und ich habe keine Chance mehr auf eine ruhige Autofahrt.
Überhaupt ist der kleine Mann ein ordentlicher Schlawiner. Er weiß genau, nach der Kita gibt es den Mittagsschlaf und als ich ihn fragte: „Weißt du, was jetzt kommt?“ sagte er auch prompt ja.
„Und was kommt jetzt?“
Große blaue Augen wurden aufgerissen, ein verschmitztes Grinsen breitete sich auf dem Gesichtchen aus und es ertönte ein liebevolles: „Mama hat dich ganz doll lieb.“
Ich denke, es ist klar, dass er trotzdem seinen Mittagsschlaf halten musste, vor allem, weil ja auch seine Kimmi ganz furchtbar müde war, aber dafür hatte ich nachmittags ein ganz außerordentlich gut gelauntes Kind zu Hause. Er kuschelte mit mir, gab mir eines von seinen drei Gummibärchen ab und verlangte mir dann all die Kitalieder ab, die wir schon kennen. Als ich dann den Fehler machte, außer der Reihe „Alle meine Entchen“ zu singen, hörte er erst einmal erfreut zu, bevor er schnurstracks ins Kinderzimmer lief und sein „Alle meine Entchen“-Liederbuch holte. Für die nächste halbe Stunde mutierte ich zu seiner persönlichen Jukebox. Rauf und runter wurden mir die Lieder abverlangt – und es sind nur sieben. Dafür wurde er dann aber auch ganz zärtlich.
Als ich ihn fragte, ob er denn sieht, dass Mamas Bauch schon ganz rund ist, sagte er „Ja!“ Dann meinte ich: „Das kommt von dem Baby! Das ist schon ordentlich groß!“ Er schaute erst einmal interessiert, dann sehr ernst und dann sagte er ganz lieb: „Muss man aufpassen!“, kam auf mich zu und streichelte ganz lange und intensiv die kleine Babykugel!

Frhoppe 20.10.2014

09.10.2014 Tag 4: Der Tag der Erfolge

Heute Morgen schlief der kleine Mann noch tief und fest, als ich die Tür zu seinem Zimmer öffnete. Sobald ich aber die Vorhänge aufzog, setzte er sich urplötzlich in seinem Bett auf und sagte mit verschlafenem Blick und stecknadelgroßen Schlafpupillen: „Da ist der Pinguin!“ Dann drehte er sich zu mir um und schaute mich sehr unglücklich dreinblickend an. Er wollte schlicht und einfach nicht aufstehen.
Erstaunlicherweise war seine gute Laune sehr schnell wieder hergestellt, als ich ihm erklärte, wir müssen jetzt Milch trinken und uns anziehen, weil seine Erzieherin schon auf uns wartet. Ganz brav ließ er sich anziehen, aß sein Frühstück, holte seine Schnuffitücher und seine Kimmi und stand dann gespornt und gestiefelt im Flur und drängelte mich: „Mama, müssen inne Kita fahren mit dem Auto!“
In der Kita selber war dann wieder alles wie immer. Wir kommen an, das Kind ist weg, kaum dass es Hausschuhe anhat. Heute brauchte er wieder etwas länger, um aus sich heraus zu kommen, beim Morgenkreis durfte ich dann aber immerhin schon hinter ihm sitzen und er saß auf seinem eigenen kleinen Kissen und beobachtete wieder stumm und immer noch recht kritisch das Treiben der klatschenden und singenden Menschen. Ich nehme an, dass ihn heute vor allem der Neuankömmling aus dem Konzept gebracht hat. Heute war nämlich zum ersten Mal der Auszubildende da, ein junger Mann, der den praktischen Teil seiner dualen Ausbildung in unserer Kita absolviert. Prinzipiell finde ich es super, dass unser Sohn auch in der Kita nicht nur weibliche Bezugspersonen hat und dieser junge Mann war darüber hinaus auch noch sehr sympathisch und wie ich im Tagesverlauf beobachten konnte, auch schon sehr kompetent im Umgang mit den Kindern. Allerdings war er natürlich erst mal ein neuer Faktor im Ablauf des kleinen Mannes, den er aber sehr schnell für sich integriert hatte. Bereits nach der Obstpause war er so vertraut mit dem Erzieher, dass es einen ersten Minibock gab – im übrigen den ersten in der Kita – aufgrund der Tatsache, dass das Kind als einziger nicht Händewaschen wollte. Wenn ich eines von meinem Sohn weiß, dann dass er dann bockt, wenn er sich irgendwo oder bei irgendjemandem wohlfühlt. Also insgesamt ein toller Fortschritt für die Eingewöhnung – zumindest aus meiner Sicht. Einen zweiten Erfolg hatten wir schon kurz zuvor gehabt: Ich kann nicht genau sagen, was passiert ist, aber wahrscheinlich ist der kleine Mann irgendwo herunter gefallen, denn auf einmal hörte ich sein Weinen, blieb aber sitzen. Und das war das Schwerste, das ich je in meinem Leben getan habe. Es war ja nicht einfach nur irgendein weinen, das war schon echt, aber ich dachte mir, wenn er hier irgendwann alleine sein soll, dann muss ich den Erzieherinnen auch die Chance geben, für ihn da zu sein. Und tatsächlich! Kurze Zeit später verklang das Weinen und mein kleiner, wieder fröhlicher Mann kam um die Ecke in den Flur geschossen – wo ich wieder meinen Platz eingenommen hatte – und erklärte mir sehr ernst: „… hat sich nur gestoßen!“ Dann zischte er wieder davon und spielte weiter. Der erste gelungene Trost und dann machte er sich auch noch die Mühe, mich zu beruhigen. Hach!
Nach der Obstvesper ging es dann wieder nach draußen und ich blieb auch wieder drinnen. Dieses Mal hielt es der kleine Mann etwa zehn Minuten ohne mich aus, dann stiefelte er mit seiner Erzieherin an der Hand um die Ecke und schaute durch die Glasscheibe hindurch, ob ich noch da bin. Das reichte ihm aber auch schon. Als ihn nämlich die Erzieherin fragte, ob sie noch buddeln wollten, ging er widerstandslos mit und spielte noch einmal volle 20 Minuten alleine, bevor er mich wirklich aufforderte nun bitte nach draußen zu kommen. Das konnte ich ihm nun nicht mehr verweigern, allerdings musste ich unglücklicherweise noch das Örtchen aufsuchen, was dem Sohn wiederum so gar nicht zusagte.
Ich ging! Er weinte!
Und als ihn seine Erzieherin hochnahm, bekam er einen Bock, so einen richtigen, mit steif machen und trampeln.
Ich ging trotzdem!
Als ich mich dann später erkundigte, bis wohin der Bock angehalten habe, wurde mir mitgeteilt, dass dies lediglich bis zur Ecke der Fall gewesen sei und der kleine Mann dann schon wieder zum spielen losrannte. Ich erklärte, dann, dass das ein Zeichen dafür ist, dass er sich wohlfühlt, schlug die Erzieherin mir vor, ab Montag dann wirklich mal längere Zeit die Kita zu verlassen und vielleicht auch schon das Mittag mal mitzumachen.
Ich freu mich. So tolle Fortschritte in nur 4 Tagen und der kleine Kerl meistert das alles soooo prima.

Übrigens war die Erzieherin bass erstaunt, als ich ihr von der gestrigen Nachmittagsession zum Thema „Die Räder am Bus“ berichtete und ihr auf ihre Nachfrage hin antwortete, dass dieses Lied uns vorher nicht bekannt war. „Hallo?“ meinte sie. „Na, das ist ja mal ordentlich!“ Es ist einfach schön für mich, von jemanden, der viel mit Kindern zu hat, bestätigt zu bekommen, dass der kleine Mann sprachlich schon so schön weit ist.

Frhoppe 09.10.2014