18.01.2016 Wenn’s mal dringend ist…

Zitat des Tages:
„Wenn man so fährt wie Opa G., dann gehen alle Autos kaputt!“

Ich gebe offen zu: Ich besteche meinen Sohn! Wenn ich mit beiden Kindern abends allein bin und ich dringend darauf angewiesen bin, dass er mitarbeitet, dann biete ich ihm Pommes gegen Lieb-Sein an. Dazu sei gesagt, dass er unfassbar gerne Pommes isst – wie wahrscheinlich jedes Kind – sie aber seltenst möglich bekommt.
Was sie ja zu einem so guten Druckmittel macht und was uns wiederum in die heutige Situation des Tages brachte!

Zunächst aber sei vom Herzensmädchen berichtet, denn das kleine Genie hat sich heute von ihrer besten Seite präsentiert.
Zunächst legte unser fittes kleines Mädchen nämlich einen richtigen kleinen Sprint ein. Sie ist ja mit ihren zehn Monaten schon so weit, dass sie sich nicht nur an Gegenständen hochzieht – das allerdings tat sie schon mit acht Monaten – sondern mittlerweile auch an ihnen entlang läuft. Heute war sie nun der Meinung sie müsste das besonders schnell tun, um zu mir zu kommen. Und tappelte in so rasantem Tempo die zwei Meter der Schrankwand entlang, dass sie ein oder zweimal sogar freihändig war.
Wirklich freihändig stand sie dann einige Minuten später zwischen meinen Beinen. Und zwar ganz von sich aus und bewusst. Denn eigentlich saß sie sicher auf meinem Oberschenkel. Und plötzlich stemmte sie sich mit einer Hand an meinem T-Shirt hoch, wartete einen Moment und ließ dann den Stoff los.
Und da stand sie. Staunend, abwartend, austarierend und wundervoll in ihrer Begeisterung über ihren gelungenen Coup. Bestimmt fünf, na ja vielleicht auch zehn Sekunden stand sie auf ihren eigenen kleinen Beinchen, ohne sich irgendwo festzuhalten.
Und als wäre dieses kleine Wunder noch nicht genug für einen Tag, legte unsere kleine Maus nach, indem sie ein neues Wort lernte. „Mama“ und „Papa“ und „Da“ kann sie schon und heute entschied sie wohl, dass es der richtige Tag sei, nun endlich mal das schon seit Wochen wie doof vorgesprochene „Opa“ nachzusprechen! Groß war der Jubel als sie in ihrer unnachahmlich tiefen Heavy-Metal-Grummel-Stimme „OOOOO-Pah!“ formulierte! Und noch größer war er, als sie das auch gleich noch dreimal wiederholte.

Nachdem nun unser Tag so angefüllt war von Momenten des Glücks, war ich hinreichend gestärkt für die Abholung des kleinen Mannes. Dieser an sich schöne Abschnitt des Tages war heute eine etwas größere Herausforderung, denn nicht nur das der Herr Papa heute bis 23 Uhr arbeiten musste, er hatte gestern auch noch vergessen, die beiden Lieblings-Kuschelkatzen des Sohnes von Oma und Opa wieder mit nach Hause zu bringen.
Und wie es das beste Lieblingsmamilein der Welt so tut, wurden die beiden Seelentröster, Herzensfreundinnen, Autoritätskätzchen und Schlafkuschelchen natürlich nach der Kita noch von Oma und Opa abgeholt. Man stelle sich nur vor, eine zweite Nacht OHNE! Das geht ja gar nicht.
Entsprechend aufgedreht war auch das Kind.
Und da man seine Pappenheimer ja kennt, war mir schon klar, dass der Abend mit dem Söhnchen schwierig werden könnte.
Und damit kommen wir zurück auf den Beginn dieses Beitrages.

„Wenn du gaaaaaaanz lieb bist,“ – erfahrene Eltern stellen sich an dieser Stelle bitte den entsprechenden Tonfall dazu vor – „und dich heute Abend ganz lieb ausziehst und kein Theater machst, dann essen wir heute Pommes zum Abendbrot!“
Keine Frage, dass das Kind sofort ALLES versprach und keine Frage, dass ich ihm natürlich auch dieses Mal wieder glaubte, dass er sich heute vielleicht, unter Umständen, ganz eventuell doch noch an sein Versprechen erinnert, wenn es so weit ist!
Auf jeden Fall versetzt uns dieses kleine Schaustück der Korruption mitten in das folgende Szenario!

Eine Pommesbude vor einem Supermarkt. Es ist dunkel und kalt. Mutter und Sohn betreten den beheizten Vorraum der Bude. Die Mutter trägt ein Baby in einer Babyschale über der Schulter.
„Söhnlein, ich würde doch gerne zu Hause essen!“
„Nein! Ich will hier essen.“ antwortet das Kind bestimmt, sein Tonfall droht mit Jammerei, sollte sich der Plan ändern. Nun gut, ich hatte ihm genau das in Aussicht gestellt und wir alle wissen, wie flexibel Kinder in Sachen einmal gesagt sind! Richtig: GAR NICHT!
„Ich hätte gerne zweimal Pommes zum hier essen,“ sage ich seufzend zur Bedienung!
„Das dauert einen Moment!“
In jenem Moment dringt ein zaghaftes Stimmchen vom Tisch herüber: „Mama, ich muss mal pullern!“
Genau! Es muss pullern! Jetzt!
„Entschuldigung!“ rufe ich der Bedienung zu. „Wir hätten das doch gerne zum Mitnehmen!“
„Neeeeeeein,“ dringt der empörte Ruf des Kindes an mein Ohr. „Wir essen hier!“
„Käferchen, wie stellst du dir das vor? Hier ist keine Toilette und du musst pullern!“
Das kleine Kerlchen reckt sein Kinn und sagt: „Ich halte an!“
Ein zweifelnder Blick meinerseits: „Wirklich?“
Ein genervter Blick des 3(!) – jährigen Kindes: „Jahaaaa!“
„Ich glaube dir das jetzt, aber wehe, du musst dann doch!“ Eine Aussage, die so dämlich ist, dass selbst der andere Kunde hinter mir sein Lachen nicht unterdrücken kann. Und ich verstehe ihn. Die Situation ist doch recht absurd.
In diesem Moment kommt das Essen und wir verbringen einige Minuten in gefrässiger Stille. Und dann wird das Kind unruhig, zappelt und isst nicht mehr.
„Mama!“ Nun sag es schon mein Kind, raus mit dem Offensichtlichen.
„Ich muss jetzt ganz dringend pullern!“
Jaaaaa! Da sind sie! Die Worte, die ich eigentlich die ganze Zeit erwartet habe. Und nicht nur ich, denn auch die Bedienung hat blitzschnell die restlichen Pommes eingepackt!
„Wenn man muss, dann muss man eben,“ grinst sie und reicht uns die Tüte.
Und dann, als wir schon fast zur Tür raus sind, schießt der Lieblingssohn den Vogel ab!
„Mama, wir müssen noch mal zurück!“
„Wieso?“ frage ich erstaunt.
„Weil ich was trinken muss!“
Ich muss gestehen, ich habe gelacht. Das ist nicht nett, ich weiß und ganz bestimmt wird mein armer Junge jetzt sein Leben lang therapeutische Hilfe benötigen, aber ich konnte einfach nicht anders, als über Absurdität dieser ganzen Situation zu lachen.

Und für alle, die mich nicht über Facebook kennen, gibt es hier noch mein Highlight von gestern:
Da kommt Sohnemann doch gestern von Oma und Opa nach Hause und hat einen Strauß Narzissen in der Hand!
„Was ist das denn,“ möchte ich wissen?
„Das sind Blumen!“ Altklug, aber okay, nichts lehrt einen so gut präzise Kommunikation wie Kinder, nicht war!
„Das sehe ich, aber wieso hast du die?“
Da grinst das Kind und sagt:
„Die sind für dich!“
„Ooooh, wie schön und wo kommen die her,“ versuche ich zu erfahren.
„Aus dem Blumenladen,“ gibt Sohnemann Auskunft. „Da waren wir und ich habe Oma gesagt, sie muss die kaufen, du brauchst Blumen!“
Und das tolle ist, er klingt dabei so, als wäre dies das selbstverständlichste der Welt!
Da ist er also: Mein allererster, von meinem Sohn gekaufter Blumenstrauß, weil er findet, Mama braucht Blumen. Wenn das nicht der perfekte Grund für Blumen ist!
Und ein bisschen stolz bin ich auch, weil er es jetzt schon souverän drauf hat, andere seine Aufträge ausführen zu lassen!

Frhoppe 18.01.2016

07.04.2004 Babys erster Kuss!

Heute war ich mit dem kleinen Mann endlich mal wieder unter Leuten, also richtigen Leuten meine ich. Er ist zwar oft und viel mit der Familie zusammen, aber das zählt nicht richtig als sozialer Kontakt, weil das ist ja Familie ;). Nein, im Ernst, ich habe mich endlich mal wieder mit Freunden getroffen, so richtig mit rausgehen aus der Wohnung und Kaffee und Kuchen.

Diese Freunde haben selbst eine Tochter, die ungefähr – plus minus ein paar Monate – zwei Jahre alt älter ist als der kleine Mann. Und diese süße kleine Maus ist eine richtige Raubaukin, räubert ganz süß durch die Wohnung und lacht ganz verschmitzt. Aber so wild sie beim Spielen ist, so wunderbar sanft und vorsichtig war sie mit dem kleinen Mann. Ganz vorsichtig hat sie mit einem Finger seine Wange gestreichelt und ihm beim Spielen immer seine Spielsachen gebracht. Und nachdem sie sich beide lange und tief in die Augen gesehen hatten – zack – beugte sie sich vor und drückte Baby einen Schmatz auf den Mund. Keine Frage, dass der kleine Mann danach nicht mehr die Augen von ihr lassen konnte. Ganz verliebt hat er sie beobachtet und hat alle weiteren Schmatzer – jetzt aber nur noch auf die Wange, Frau hat ja ihren Standpunkt klar gemacht – hingerissen angenommen. Man muss schon sagen, er wurde spielend um den kleinen Finger gewickelt.

Und Mama sitzt hier und ist ganz gerührt und wird dem kleinen Mann später, wenn er ein großer Mann ist, immer wieder erzählen wie süß das war, als er damals mit knapp fünf Monaten seinen ersten Kuss bekam. Und wenn er dann schon ganz genervt ist, dann werde ich nur lächeln und die Geschichte bei der nächsten Gelegenheit wieder auspacken. Das ist schließlich das Vorrecht einer Mutter.

© frhoppe 07.04.2013

04.02.2013 Meine neue Gelassenheit

Als ich vor 12 Monaten den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hatte, waren zwei Gefühle in mir zu gleichen Teilen vorhanden. Zum einen dieser freudige Unglauben – ich bin gefühlte 200 Mal ins Bad gerannt und hab geschaut, ob die Linie noch da ist – und zum anderen Angst. Angst, ob ich wirklich schon bereit bin, Mama zu werden. Angst, dass etwas schief geht, Angst, dass ich das vielleicht alles nicht schaffe. Und heute? Heute weiß ich, dass ich es kann.

Schon während der Schwangerschaft bin ich mit jeder verstrichenen Woche ruhiger geworden. Als dann klar war, der kleine Mann kann kein Frühchen mehr werden, war die Sache mit dem Stress für mich komplett gelaufen. Freunde haben sich schon darüber amüsiert, dass ich immer entspannter wurde je näher der Geburtstermin rückte – selbst während der Fahrt in die Klinik war ich noch ruhig, obwohl die Wehen schon alle drei Minuten kamen. Vielleicht ist unser Sonnenschein deswegen so gechillt – und auch wenn ich Anglizismen normalerweise vermeide, besser als gechillt trifft einfach kein deutsches Wort auf den kleinen Mann zu. Jedenfalls habe ich es geschafft mir diese Ruhe aus der Schwangerschaft zu bewahren.

Heute saß ich bei meinen Großeltern, um meine Hausarbeit zu schreiben – Sie erinnern sich an das großartige Angebot, auf den kleinen Mann aufzupassen, damit ich schreiben kann – und als ich nach einem fantastischen Mittag wieder über den Büchern brütete, habe ich urplötzlich etwas wichtiges über mich selbst erkannt. Ich habe für mich persönlich mit der Geburt unseres Sohnes das wichtigste in meinem Leben schon erreicht. Und das meine ich ganz und gar nicht unemanzipatorisch, denn ich habe durchaus nicht vor, jetzt zu einem Mütterchen am Herd zu werden. Ich habe immer noch meine Ziele, möchte diese auch immer noch verwirklichen – sonst würde ich mein Studium Studium sein lassen und mich nur noch um das Baby kümmern – aber ich habe nicht mehr so große Versagensängste. Die Panik, die ich angesichts von Prüfungen und Hausarbeiten immer empfunden habe, ist weg. Dieses kleine Wunder und die Tatsache, dass wir als Eltern diesem Wunderwesen auf die Welt geholfen haben, gibt mir eine wahnsinnige Gelassenheit.

Solange Baby glücklich ist, kann ich alles schaffen und selbst wenn mir etwas nicht gelingt, ist es lange nicht so wichtig wie das Wohlergehen des kleinen Mannes. Schließlich sagt schon der kleine Zettel an meinen Yogi-Teebeuteln: „Es gibt keine großen Entdeckungen, solange es noch unglückliche Kinder gibt!“

© frhoppe 04.02.13

29.01.13 Die Mama ist bekloppt!

Ohne mich jetzt selbst beleidigen zu wollen, aber ich bin wirklich bekloppt geworden. Ich meine, ich war ja schon immer etwas verhaltensoriginell, aber seit das Baby da ist, lass ich meinen inneren Irren auch mal ans Tageslicht. Was heißt hier mal – eigentlich täglich und das auch gerne mehrmals.

Es gibt nämlich etwas, das alle Eltern sehr schnell lernen. Glückliches Baby = Tiefenentspannung. Dementsprechend tut man in der Regel alles, damit das Baby glücklich ist. Und damit meine ich, wirklich ALLES! Ich singe, tanze, mache komische Geräusche und erfreue den kleinen Mann mit allerlei Gesichtsentgleisungen. Besonders beliebt sind auch Kombinationen aus oben genannten Varianten. Also singen und tanzen, oder tanzen und komische Geräusche, gerne aber auch singen und dabei das Gesicht entsprechend der besungenen Emotion verziehen. Und das Witzige ist, es macht mir selber einen Riesenspaß – wie ich ja oben schon sagte: glückliches Baby = Tiefenentspannung! Und zwar nicht, weil das alles so entspannend ist – im Gegenteil, es fordert einen ganz schön, immer was Neues abliefern zu müssen. Sie müssen nämlich nicht denken, dass etwas, das einmal lustig ist, auch wieder hilft. Hin und wieder haben Sie vielleicht Glück, aber in der Regel wird ALLES in kürzester Zeit langweilig. Nein, Tiefenentspannung erreicht man dadurch, dass man in Babys Nähe einfach aufhört, darüber nachzudenken, wie man nach außen wirken könnte.

Egal, wie bekloppt man aussieht oder klingt, es spielt keine Rolle, solange es Baby zum Lachen bringt. Es ist keine Entspannung im eigentlichen Sinne – also wie man sie nach einem Wochenende im Spa erreicht – sondern eine viel wesentlichere, denn in diesem Moment bleiben die Welt und all ihre kleinen und großen Katastrophen außen vor.

© frhoppe 29.01.13

25.01.2013 Wer hat an der Uhr gedreht?

Gerade stellte ich mit Entsetzen fest, dass unser kleines Baby schon zehneinhalb Wochen alt ist. Sicher, das war es auch schon gestern, aber irgendwie wurde es mir heute so richtig bewusst. Vielleicht auch deswegen, weil ich den kleinen Mann heute Nacht jede Stunde stillen musste, was in mir zwangsläufig die Frage aufwarf, ob er schon wieder einen Schub haben könnte. Das wiederum führte dazu, dass ich mir bewusst machte, wie alt er denn schon ist und da war es … Zehneinhalb Wochen! Mensch, die Zeit rennt nur so dahin. Ich würde sie aber auch nicht anhalten wollen.

Denn dafür passieren einfach zu viele tolle Sachen. Neulich habe ich meiner Mama das Gedicht „Worte deines Lebens“ vorgelesen. Sie war ganz ergriffen und wollte von unserem liebreizenden Sohn wissen, ob es ihm denn auch gefallen habe. Da hebt er doch ungelogen eine Augenbraue und knattert allen Ernstes seine Windel voll. So viel dazu. Wir jedenfalls haben Tränen gelacht. Und gestern hat der kleine Fraßbär das erste Mal bewusst seine Mahlzeit unterbrochen und das nur, um mir ein breites, ganz verschmitztes Lächeln zu schenken. Ganz zu schweigen, davon, dass er seit fast zwei Wochen jeden Abend ganz lieb schläft, sobald wir das Abendritual absolviert haben. Auch wenn er dann gegen 12 wieder wach wird und es dann so wie letzte Nacht stressig wird, gönnt er uns diese wenigen Stunden totaler Ruhe, die es uns ermöglichen, den Rest der Zeit geduldig mit ihm zu sein.

Ich bin so wahnsinnig gespannt, was er noch alles lernen wird, was er mögen, worüber er lachen können wird. Ich kann es kaum erwarten, dass er das erste Mal krabbelt, läuft und sein erstes Wort spricht. Ich bin sogar so verrückt, dass ich viele Sachen aufhebe und aufschreibe, damit ich sie dem kleinen Mann später einmal geben kann. Dafür wurde mir schon der eine oder andere schräge Blick zugeworfen. Aber ich sehe das so: Ich werde morgen früh aufwachen und der kleine Mann ist zwanzig und dann werde ich froh sein, diese besonderen Momente bewahrt zu haben.

© frhoppe 25.01.13

24.01.2013 Wie machst du das immer?

Es sind heute mal alle anderen Eltern aufgefordert, mich aufzuklären, denn ich finde ganz ehrlich keine Antwort. Es ist mir nämlich schlechterdings unmöglich, irgendeine Erklärung dafür zu finden, wie unser Sohn es schafft, sich jeden Tag so einzusauen.

Beim Gesicht sehe ich das ja noch ein. Immerhin futtert der kleine Mann mit vollem Körpereinsatz, von der Sabberei mal ganz zu schweigen. Bei der Begeisterung kann schon mal was daneben gehen. Ich bin schon dran gewöhnt, ihm täglich die Milchreste hinterm Ohr und aus den Halsfalten wegzukratzen. Und auch, dass wir bei jedem Bad immer darauf achten müssen, auch wirklich jede Geheimfalte zu erwischen, wissen wir mittlerweile ganz genau. Aber eines ist mir doch schleierhaft: Jeden Morgen, wenn wir aufwachen und der kleine Mann zwischen uns liegend, fröhlich mit seinen Armen fuchtelt, bin ich erstaunt über den Dreck, der sich nicht nur an seinen kleinen Patschehändchen befindet, sondern sogar unter seinen Fingernägeln. Ernsthaft. Wie macht er das? Ich meine es ist ja nicht so, als wäre er mit seinen 10 Wochen schon viel allein unterwegs. Er wird getragen! Immer! Überall hin! Und wenn er nicht getragen wird, dann liegt er in der Wiege oder auf seiner Krabbeldecke. Okay, die Decke hat ein Dschungelthema, aber das erklärt auch nicht, warum seine Hände aussehen, als hätte er den Trainingsparcours der US-Armee absolviert. Da sind überall Fussel – in jeder Falte seiner Hand, zwischen den Fingern. Ich frage mich langsam, ob seine Handinnenflächen nicht vielleicht aus demselben Material gefertigt sind, wie diese Fusselbürsten, wo der Dreck dran haften bleibt. Und dann seine Fingernägel … die sind schwarz! Komplett!!! Und es ist nicht so, dass man sagen könnte, das hätte sich angesammelt. Denn jeden Morgen fange ich an, erst seine Finger fusselfrei zu machen und dann mühsam diese winzig kleinen Nägel zu säubern, unter die nur der eigene Fingernagel passt. Und ich weiß ganz genau, morgen früh werden seine Finger wieder ganz genau so aussehen.

Das einzige, was an diesem Baby wirklich sauber ist, sind seine Füße. Und das auch nur so lange, wie er braucht, um sie beim Wickeln in seine vollgemachte Windel zu stecken.

© frhoppe 24.01.13

23.01.2013 Wenn du glücklich bist…

Eine ganz entscheidende Frage, die man sich relativ bald nach der Geburt, zumeist auf der Höhe einer Schreiattacke, stellt, ist: Warum haben wir das nur getan? Das heißt keinesfalls, dass man sein Baby nicht mehr haben möchte – Sie können ja gerne mal versuchen mir meins wegzunehmen, regeln Sie aber bitte vorher ihre Angelegenheiten – aber man denkt manchmal eben doch über das Warum nach.

Und dann kommt er: Der Moment in dem Baby restlos glücklich ist. Nicht nur satt und zufrieden und aufgrund dieses Umstandes selig schlafend, sondern wach und glücklich. Meistens hält diese Phase nicht viel länger als 20 bis 30 Minuten an, denn Babys sind schnell mal reizüberflutet, aber für die Dauer dieser Phase, liegt der Himmel in den Augen der kleinen Wesen. Denn sie sind unverfälscht glücklich und genießen diesen einen Moment. Wo wir irgendwie doch immer unsere „Erwachsenensorgen“ im Hinterkopf haben, lacht der kleine Mann einfach los. Quietschend und strampelnd zeigt er seine Freude über das, was Mama oder Papa gerade machen.

Unser Baby liebt es total, wenn ich zurückgelehnt sitze, die Beine aufgestellt habe und ihn auf meinem Bauch sitzend nach hinten an die Beine gelehnt. Ich bin eine menschliche Babywippe. Das scheint die ideale Sitzposition zu sein. Da ist quasi alles möglich. Er liegt auf dem Rücken, kann dabei aber unser Gesicht sehen und vor allem kann er selbst entscheiden, wann er hingucken will oder wann es genug ist. Gleichzeitig kann Mama da ganz toll Babymassage üben. Außerdem lässt es sich so aufgrund der leicht angewinkelten Beine ganz wunderbar  pupsen. Und schlafen kann man da sowieso prima. Sie sehen also, eine Multifunktionsposition. Und genau hier haben wir diese tollen Momente, in denen ich ihm vorsingen darf und er mich dabei anlacht, weil er das Lied kennt, in denen er aktiv meine Hände greift und sie befühlt, in denen er seinen Körper entdeckt, indem er die Beine und Arme in die Luft streckt oder sich gedankenverloren den Bauch krabbelt. Und das sind auch die Momente, in denen er sein erstes quietschendes Lachen von sich gab.

Und für dieses Lachen, für diese Freude machen wir das alles!!!

© frhoppe 23.01.13

21.01.2013 Du armes Baby!!!

An der Uhrzeit, zu welcher der heutige Beitrag eingestellt wurde, sieht man, dass wir heute keine Verschnaufpause hatten. Erst jetzt, wo der kleine Mann schläft, komme ich dazu, den Tag Revue passieren zu lassen. Und was für ein Tag das war.

Los ging es mit dem Besuch beim Kinderarzt. Baby hat zwar Gott sei dank noch immer kein Fieber, aber der Husten ist noch immer schlimm und außerdem muss man bei so kleinen Würmchen ja auf jeden Fall immer abklären lassen, dass das nicht von der Lunge her kommt. Nachdem wir nach halb durchwachter Nacht endlich die Augen aufbekamen, riefen wir erst mal bei der Kinderärztin an, um zu erfragen, wann wir denn am besten kommen könnten, damit wir nicht zu lange warten müssen. Die Schwester meinte, gerade sei es ruhig, sie könne aber nicht garantieren, dass das so bleibt. Nun der kleine Mann war gerade satt und gewickelt, also sprach nichts dagegen, gleich loszufahren. Gesagt, getan! Wie Sie sich sicher denken können, war es bei unserer Ankunft natürlich voll. Voll von kranken Kindern, die dementsprechend zwischen aufgedrehtem Gespiele und lautem Geweine schwankten. Der Papa meinte dazu nur ganz trocken, er wisse nun wieder, warum er so früh vom Kinderarzt zum Allgemeinarzt gewechselt hat. Der Lärm an sich war aber gar nicht so schlimm. Viel nervenaufreibender gestaltete sich der Schutz unseres Babys. Kinder haben nämlich ein riesengroßes Interesse an Säuglingen. Finden die wirklich ganz spannend. Ehrlich! Besonders Mädchen! Find ich an sich ja niedlich – würden die nicht alle mit der Puppe spielen wollen!

Erstaunlicherweise nahm der kleine Mann diesen ganzen Arztbesuch ganz friedlich hin, guckte interessiert und ließ sich lächelnd von Frau Doktor untersuchen, die uns ganz freundlich erklärte, dass so kleine Babys noch gar nicht krank sein dürfen! Vielen Dank – uns wäre es auch lieber, er wäre gesund, aber dummerweise hat unser Sohn uns nicht um Rat oder gar Erlaubnis gefragt. Da hätten wir dann auch Nein gesagt. Jedenfalls soll er soviel Tee trinken, wie rein geht – o-Ton Ärztin – wie wir das anstellen, da er ja das Fläschchen noch nicht kennt, sei uns überlassen. Hauptsache der Tee käme rein. Aha, okay, na dann! Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Auf in den Kampf!

Natürlich gab es keinen Kampf. Was wir schon vermutet hatten, wurde grausame Wahrheit: Wir sind Weicheier!!! Zumindest angesichts unseres kranken Würmchens. Ich hab ihm zwar die Flasche immer wieder angeboten und ein-, zweimal hat er auch genuckelt, aber sobald er anfing mit der Flasche im Mund zu weinen, musste er nicht weiter trinken. Ich will mein Kind einfach nicht zwingen, etwas zu essen bzw. zu trinken, was es nicht mag und Kamillentee ist echt ein Arsch. Und solange ich ihn jederzeit anlegen kann, damit er genug trinkt, geht es ja auch noch. Morgen probieren wir es dann mit Fencheltee.

Jetzt endlich schläft der Wurm und wenn ich nicht gerade wieder ängstlich nach ihm schaue, genieße ich die heiße Hühnersuppe, die uns der Papa gekocht hat. Und gerade muss ich etwas schmunzeln, denn mir fällt wieder ein, was die Kinderärztin uns noch empfohlen hat. Dreimal dürfen Sie raten … genau … einen Mundschutz!

© frhoppe 21.01.13

20.01.2013 Die leidige Schnullerfrage!

Unser Kind bekommt keinen Schnuller und basta! Eine durchaus rigorose Einstellung, mögen Sie meinen, allein sie stammt aus der Zeit vor der Geburt des Kindes. Zwar wäre es uns immer noch lieber, es würde ohne gehen, aber diese unumstößliche Sicherheit ist ersten Zweifeln gewichen – zumindest bei mir!

Immerhin hat jedes Kind ein bestimmtes Saugbedürfnis, das bei einigen Kindern stärker ausgebildet ist, als bei anderen. Unser kleiner Mann hat nun ein besonders ausgeprägtes Bedürfnis, was sich ja auch an seinem steigenden Gewicht abzeichnet. Normalerweise gibt er sich allerdings nach vollendeter Mahlzeit damit zufrieden, an meiner Schulter oder an seinem Ärmel zu nuckeln. Nun ist er ja aber krank und das hat verheerende Auswirkungen auf sein Saugbedürfnis: er will nur noch an irgendetwas nuckeln. Da ich ja zu Hause bin, wäre es technisch gesehen möglich, ihm den ganzen Tag die Brust zur Verfügung zu stellen, nur gibt es dabei ein Problem: Da kommt Milch raus. Was sonst für ihn das Schönste ist, ärgert ihn maßlos, wenn er dann doch mal satt ist. Und mit jedem Schluck Milch zuviel steigert er sich mehr in die Wut hinein.

Schließlich schlief er doch irgendwann ein. Und warum? Weil er es geschafft hatte seinen Daumen in den Mund zu wirtschaften. Das hat zwei entscheidende Nachteile. Erstens hat der kleine Mann noch keine hinreichende Kontrolle über seine Hand. In dem Moment in dem unser Würmchen einschläft, rutscht der Daumen aus dem Mund, was ihn quasi sofort wieder weckt. Zweitens finde ich das Daumenlutschen wesentlich schlimmer als den Schnuller. Egal wie anstrengend das Abgewöhnen des Schnullers ist, das Daumenlutschen wieder abzuschaffen wird wesentlich schwerer. Den Daumen kann man nämlich nicht an einen Daumenbaum hängen – so zumindest hieße in meiner Vorstellung das Pendant zum Schnullerbaum – oder symbolisch an das nächste Baby weiterreichen. Dazu kommt, dass Daumenlutschen nicht nur den Kiefer, sondern im schlimmsten Fall auch den Daumen ernsthaft verformen kann. Zwar ist auch ein Schnuller nicht optimal für den Kiefer, aber allemal besser.

Ich kam also zu der Entscheidung, ihm einen Schnuller anzubieten. Nachdem ich das hart mit dem Papa ausdiskutiert hatte, wurde das corpus delicti abgekocht und dem kleinen Mann in den Mund gesteckt. Und was macht er? Sobald ich den Nuckel losließ, arbeitete er solange mit der Zunge an dem Ding herum, bis es draußen war. Und darin steckt eine allgemeine Wahrheit über Kinder: Man kann und soll ihnen alles anbieten, aber was sie annehmen, entscheiden sie selber!

© frhoppe 20.01.13

15.01.2013 Das IMPFEN!!!

Warum ist dieses Wort groß geschrieben? Ganz einfach, weil es sich ungefähr genauso groß auf den Tag auswirkt, an welchem das IMPFEN von statten geht. Wir haben uns nach langem hin und her und sorgsamer Überlegung dafür entschieden und so war heute DER Tag.

Pünktlich um zehn Uhr morgens standen wir bei unserer Kinderärztin auf der Matte – zuerst die positive Nachricht: unser kleiner Fraßbär wiegt nicht sooo viel, wie wir dachten, sondern nur 6540g. Wir hatten ehrlich gesagt schon mit etwa 7 kg gerechnet. Die Laune war also gut, unser kleiner Mann war prima drauf und sah sich mit großen Augen in der Praxis um. Dann ging es zur Frau Doktor rein und ein erster Protestlaut entrang sich der kleinen Kehle, dräuend tauchten dunkle Wolken am sonnigen Himmel auf, die sich zunächst jedoch durch ein kunterbuntes Flugzeug noch fernhalten ließen. Dann kam die Schluckimpfung gegen die Rotaviren – auch noch annehmbar, weil offenbar wohlschmeckend, wenn auch schon ein Krokodilstränchen vergossen wurde, ob des unsäglichen Leides, diesen Impfstoff per Pipette in den Mund gedrückt zu bekommen. Du hast ja keine Ahnung, dachte ich bei mir, denn ICH wusste ja, dass noch zwei Spritzen folgen sollten. Ich hatte aber auch keine Ahnung, wie sich herausstellte, denn ICH sollte dem kleinen Mann die Ärmchen festhalten. Papa war fein raus, denn der hatte sich rechtzeitig eine Bronchitis eingefangen und musste sich deswegen vom Baby fernhalten. Die Schwester hielt seine Beinchen und die Ärztin legte los. Die erste Spritze ließ er halbwegs über sich ergehen, die zweite – die gegen Tetanus – nicht mehr, denn die piekt nicht nur, die tut auch noch beim reinspritzen weh. Zu diesem Zeitpunkt ließ sich der kleine tapfere Mann aber noch einmal von mir beruhigen.

Jetzt – etwa 8 Stunden später – möchte ich mich am liebsten mit ihm hinlegen und mitweinen, denn wenn er nicht schreit, dann nur, weil er sich vor Erschöpfung in den Schlaf geschrieen hat. Und wenn ich daran denke, dass wir das ganze in vier Wochen schon wieder vor uns haben, wird mir ganz anders. Allerdings gibt es eine gute Nachricht, denn er hat kein Fieber. Und an alle Eltern, die noch vor der Klärung der Frage stehen, ob ein Fieberthermometer an entsprechender Stelle wirklich die Darmtätigkeit anregt: Tut es! Sehr gut sogar!

© frhoppe 15.01.13