28.05.2015 Unser Sohn ist ein ganz Süßer – oder: Unser erstes Entwicklungsgespräch.

Heute endlich war es soweit – der Moment, den wir so lange schon erwartet/gefürchtet/erhofft und noch so vieles andere hatten. Irgendwie war es ein bisschen wie bei einer Prüfung. Was würden wir über unseren Sohn hören? Etwas Schlimmes? Nur Gutes? Die Vernunft sagt einem ja, dass diese Gespräche nicht der Bewertung dienen, dass sie nur informieren sollen über den Stand der Entwicklung. Aber die Gefühle, ja, die sind da etwas anderes. Gestern Nachmittag hatte ich noch scherzend zur Bezugserzieherin gemeint, dass ich gar nicht weiß, was ich erwarten soll, aber so wirklich ein Scherz war das nicht, denn wir waren wirklich komplett ahnungslos was dabei passiert und alle Eltern hoffen ja, dass ihr Kind gaaaaanz toll ist – auch wenn sie natürlich wissen, dass es das ist, egal, was die ganzen anderen Ahnungslosen da draußen reden 😉 !
Aber im Ernst: Man macht sich seine Gedanken, bei uns vor allem über die Verhaltensänderung unseres Sohnes seit der Geburt seiner Schwester, seit der er sich deutlich aggressiver zeigt, aber auch über den Fortschritt seiner motorischen Fähigkeiten. Bei seinen sprachlichen Fähigkeiten machten wir uns keine Sorgen, aber auch da waren wir sehr interessiert, was die Erzieherin dazu zu sagen hat. Grundsätzlich waren wir daran interessiert, ob unser Bild von unserem Sohn mit dem in der Kita übereinstimmt.
Das tut es! Weitestgehend zumindest, denn die ein oder andere Überraschung gab es schon.
Als erstes sprachen wir über die Problematik Verhaltensänderung bei unserem Sohn. Die Erzieherin fragte sehr behutsam, ob und wie weit uns denn etwas aufgefallen sei. Natürlich haben wir das bemerkt, ich hatte ja auch schon an der ein oder anderen Stelle darüber geschrieben, dass der kleine Mann sehr viel mehr schlägt/tritt/beißt und ähnliches. In der Kita haben sie das in diesem Maße nicht bemerkt, aber doch auch eine ähnliche Verhaltensänderung. Vor der Geburt der kleinen Maus war er nämlich eher derjenige, den die Erzieher vor anderen beschützen mussten, weil er sich quasi gar nicht wehrte. Jetzt ist es andersherum, die Erzieher müssen die kleinen vor ihm beschützen. So wie ich das verstanden habe, nicht weil er sie so aggressiv behandelt, wie uns, sondern weil er zu impulsiv und aggressiv in seiner Zuneigung ist. Das äußert sich z.B. so: Er will ein Kind umarmen und tut das auch, aber so fest und lange, dass das Kind anfängt zu weinen und selbst dann lässt er noch nicht los. Er respektiert also die Grenzen dieses Kindes nicht, vielleicht weil er es nicht will, vielleicht aber auch, weil er sie nicht wahr nimmt! Das ist für mich sehr wichtig zu wissen, denn ich lege sehr großen Wert darauf, dass diese Grenzen eingehalten werden. Natürlich darf unser Sohn immer kuscheln kommen und uns auch anfassen, aber ich habe z.B. direkt nach der Geburt eine sehr ernste Diskussion zum Thema „Titties auspacken“ mit meinem Sohn geführt, weil er beim kleinsten Schrei seiner Schwester sofort anfing, mit den Ausschnitt herunter zu ziehen. Sehr ruhig und geduldig – weil mehrfach – erklärte ich ihm, dass das meine Titties sind und dass ich darüber entscheide, wann ich die auspacke, er würde auch nicht wollen, dass ich ihm auf der Straße die Hose herunter ziehe. Genauso gehe ich aber auch mit seinem durchaus schon vorhandenen Scham- und Körpergefühl um. Ich habe von der Ärztin den Auftrag bekommen, seine Vorhaut im Auge zu behalten, ob sich da alles gut entwickelt. Ich frage ihn jedes Mal erst, bevor ich dort etwas untersuche und da ich das nicht täglich machen muss, respektiere ich es uneingeschränkt, wenn er Nein sagt. Egal wie klein mein Sohn ist, es ist sein Körper und er darf darüber entscheiden, wer ihn dort wo anfässt – dass gilt für fremde Frauen im Supermarkt, die ihn ungefragt im Gesicht stricheln und von ihm ein gepfeffertes „Nein! Nicht anfassen!“ zu hören bekommen, dass gilt für Freunde und Verwandte, die ein Küsschen von ihm wollen, dass er nicht immer gibt und das gilt auch für mich und seinen Papa! Sein Körper, seine Regeln. Ich glaube, dass ist das Beste, was ich tun kann, um ihn zu schützen und um ihm beizubringen, dass andere dieses Recht ebenso haben.
Glücklicherweise kann ich mit meinem Sohn schon sehr gut über solche Dinge reden, denn er hat ein unheimlich großes Verständnis und einen sehr großen Sprachschatz. Er ist in diesem Bereich seinem Alter weit voraus, was uns auch die Bezugserzieherin im Gespräch bestätigte. Sie ist immer wieder verblüfft, was er alles für Wörter kennt und vor allem, dass er in seinen mitunter sehr langen und verschachtelten Sätzen schon sehr logisch schlussfolgert, nach dem Motto „Wenn? Dann!“. Das ist so bemerkenswert, dass sie sogar wissen wollte, ob wir unseren Sohn speziell fördern, was wir aber zu ihrer Erleichterung verneinten. Wir haben nur nie in Babysprache mit ihm geredet, ich habe von Anfang an alles, was ich tat, kommentiert und ihm auch mit fünf Monaten schon Geschichten vorgelesen. Na klar verstehen Babys zu diesem Zeitpunkt den Inhalt noch nicht, aber sie hören das Sprachmuster und die Grammatik und das legt den Grundstein. Auch unsere Art ihn zu berichtigen – denn richtige Grammatik ist etwas, das mir ziemlich wichtig ist – trägt wohl dazu bei, dass er so gut sprechen kann. Ich habe zwar gehört, dass man Kinder nicht berichtigen soll, weil das ihr Selbstbewusstsein schwächt, aber laut unserer Erzieherin haben wir es instinktiv richtig gemacht. Wir berichtigen zwar, aber durch positive Bestätigung. Wenn unser Sohn beispielsweise sagt „Mama, Papa hat ihre Brille auf!“ dann antworte ich „Stimmt, du hast Recht, der Papa hat seine Brille auf!“. Ganz nebenbei hört er die richtige Version, ohne dass ich ihn wirklich berichtigt hätte. Das ist wohl ein guter Weg, damit umzugehen. Besonders spaßig ist das können unseres Sohnes wohl im Bereich Zahlen und Buchstaben. Als sie ihn fragte, wo er wohnt – das müssen die Kinder in diesem Alter benennen können, also nicht die Daten, aber so Dinge wie „In einem großen Haus!“ oder „da beim Edeka!“ oder so was – sagte er ihr die Hausnummer und die ist immerhin zweistellig und war richtig. Und ganz absurd wird es, wenn es Buchstabensuppe gibt! Da kommt unser Kind kaum zum essen, weil es immer wieder Buchstaben findet, die es kennt und das laut kund tut. „Da habt ihr wirklich ein gesegnetes Kind!“ schloss unsere Erzieherin ihren Bericht zum Thema Sprachentwicklung und kognitive Fähigkeiten.
Auch sonst ist er ein tolles Kind. Er macht sehr gerne mit bei Kitaaktivitäten, wie Malen oder Kneten, ist sehr offen gegenüber neuen Spielen und Zeitvertreiben und ist auch bereit z.B. beim Morgenkreis aktiv mitzumachen – besonders beim Singen. Das tut er sehr textsicher und so inbrünstig und laut, dass die Erzieherin neulich richtig zusammengezuckt sei. Das freut natürlich die choraktive Mama sehr 😀 . Er kann sich aber auch sehr lange mit sich selbst beschäftigen, spielt sehr lange, sehr konzentriert und auch allein. Mit anderen Kindern spielt er noch nicht so sehr, aber das ist dem Alter auch noch nicht so sehr üblich und liegt auch nicht daran, dass die anderen Kinder ihn „ausschließen“ würden oder er nicht mit anderen Kindern kann, sondern daran, dass er generell ein eher ruhiges, bedächtiges, manchmal zurückhaltendes, vielleicht sogar träumerisches Kind sei.
Dies war der Punkt, an dem ich überrascht war. Bei träumerisch ging ich noch mit, der kleine Mann ist schon manchmal ein rechter „Hans-guck-in-die-Luft“, aber ruhig? Bedächtig? Zurückhaltend gar? So kennen wir ihn überhaupt nicht. Unser Sohn ist laut, lärmend, quatscht am laufenden Band und haut Sprüche raus, da ist manch Großer sprachlos. Schüchtern kennen wir ihn seit der Geburt seiner Schwester, da tut er sich deutlich schwerer damit hinter meinen Beinen hervor zu kommen und hallo zu jemandem zu sagen, den er nicht einmal die Woche sieht. Das traf selbst meine Schwester und meinen Papa! Aber ruhig und zurückhaltend ließ mich dann doch aufhorchen. Sollte es etwa ein Problem in der Kita geben, von dem ich nichts weiß?
Nein! Beruhigte uns die Erzieherin. Alles ganz normal. Unser Sohn wird einfach einfach in größeren Gruppen ruhig. Er beobachtet erst einmal die Situation, macht vieles mit sich aus und nimmt sich zurück, wenn es ihm zu viel wird. Das haben wir mitunter auch schon zu Hause beobachtet. Wenn es sehr wuselig ist, dann geht er in sein Zimmer und spielt da eine geraume Zeit allein, bis er uns ruft oder er wieder zu uns kommt. Je kleiner die Gruppe, in der er sich befindet, desto aufgeschlossener und redseliger wird er. Das ist besonders auffällig in der Kita nach dem Mittagschlaf – den er ja nicht macht – wenn nur zwei oder drei Kinder mit ihm wach sind. Dann schnattert er, was das Zeug hält und kommt richtig aus sich raus. Es ist also nur folgerichtig, dass er zu Hause sehr viel lebhafter ist, denn da hat er ja zumeist sehr kleine Gruppen, die in der Regel aus Personen bestehen, die sich eins zu eins mit ihm befassen. Allerdings ist uns auch schon aufgefallen, dass er bei Familienfeiern immer erst seine Zeit braucht, bevor er wieder „er selbst“ wird. Er beobachtet erst einmal und wen er nicht mag, zu dem geht er auch nicht hin oder ist dann einfach ganz stumm.
Der letzte Punkt im Entwicklungsgespräch betraf die Grob- und Feinmotorik. Da kam raus, dass unser Sohn zwar durchaus altersgemäß einzuschätzen, aber dabei eher behäbig ist. Er macht und kann alles, was er können muss, aber mitunter sehr langsam und bedächtig und mit wenig Körperspannung. Unsere Erzieherin benutzte den Ausdruck er sei sehr mit dem Boden verhaftet, was übereinstimmt mit unserer Beobachtung, dass er noch nicht wirklich hüpfen kann und wenn er rennt, dann steigert er dabei sein Tempo nur unwesentlich, winkelt aber seine Arme an und dreht seinen Oberkörper hin und her. Er löst sich einfach noch nicht so sehr vom Boden, aber das ist auch noch nicht weiter bedenklich und sie hat es auch nur erwähnt, damit man es schon einmal gehört hat. Genauso verhält es sich mit seiner Fähigkeit einen Stift zu halten z.B. Das kann er auch noch nicht, aber das ist auch nicht so arg schlimm im Moment.
Insgesamt kann sie aber sagen, dass unser kleiner Mann sehr gut angekommen ist in der Kita. Wir hatten zwar eine etwas längere Eingewöhnungszeit, die sich über zwei Monate hinzog, aber die hat sich gelohnt, denn jetzt fühlt sich unser Käfer pudelwohl dort und hat vor allem mittlerweile alle Erzieher angenommen, nicht nur seine Bezugserzieherin. Das macht es nicht nur den Erziehern leichter, sondern vor allem auch ihm, wenn er dann doch mal eine Not hat. Denn dann lässt er sich auch in der Kita sehr gut trösten und scheut sich nicht, mit seiner Sorge auch zu einem der Erzieher zu gehen. Das beruhigt mich sehr.
Ich bin also mit einem guten Gefühl aus dem Erziehungsgespräch gegangen. Einiges war mir neu, anderes kannte ich schon, aber alles in allem stimmt das Bild, dass wir ganz subjektiv von unserem Sohn haben, mit dem anderer Menschen überein und das stimmt mich glücklich, denn es heißt, dass mein Sohn von ganz vielen Menschen geliebt und geschätzt wird.
„Euer Sohn ist wirklich ein Schatz – und das sage ich nicht einfach nur so: Er ist ein ganz Süßer!“
Recht hat sie, die Erzieherin ❤

Frhoppe 05.06.2015

24.10.2014 Fische im Teich oder: Ich schlafe nicht!

Es ist ja nun mittlerweile durchaus bekannt, dass unser Sohn sprachlich ziemlich weit und immer für eine Überraschung gut ist. Gestern Nachmittag überraschte uns der Sohn mit der Aussage: „Die Fische machen schubdubidu!“ Diese Aussage ist aus heiterem Himmel dann doch etwas ungewöhnlich, jedoch vermutete ich bereits eine Verbindung zu den jüngst in der Kita eingezogenen Magnetfröschen. Eine Nachfrage bei Sohnemanns Erzieherin bestätigte diese Vermutung, allerdings war sie auch ziemlich überrascht, dass er das jetzt schon in dieser Form rezitierte. Immerhin hatte sie tatsächlich am Vortag das erste Mal das Fröschelied zum Inhalt des Morgenkreises gemacht. Da unser kleiner Mann heute etwas anhänglicher war und mich zudem ausdrücklich um meine Anwesenheit bat, wohnte ich dem Morgenkreis dann bei und wurde Zeuge des Froschliedes:

Refrain:
Mmh, mmh macht der grüne Frosch im Teich.
(Zunge im Mund, an den Ohren ziehen, Zunge raus strecken)
Mmh, mmh macht der grüne Frosch.
(Zunge im Mund, an den Ohren ziehen, Zunge raus strecken)
Mmh, mmh macht der grüne Frosch im Teich.
(Zunge im Mund, an den Ohren ziehen, Zunge raus strecken)
Anstatt quack, quack, quack, quack.
(Hände über einander legen und dann auf und zu machen, wie ein Maul)

Strophe:
Und die Fische schwimmen schubidubidu, schubidubidu, schubidubidu
Und die Fische schwimmen schubidubidu.
(Hände aneinanderlegen und schlängelnde Bewegungen – vorwärts oder seitwärts.)

Und der kleine grüne Frosch macht mmh, mmh, mmh dazu
(Zunge im Mund, an der Ohren ziehen, Zunge rausstrecken)

Refrain

Man kann dann das Lied noch beliebig erweitern – die Krebse zum Beispiel machen Zwickedizwick – aber in der Kita belassen wir es derzeit noch bei der ersten Strophe. Immerhin sollte man von den kleinen Knirpsen dann doch nicht zu viel verlangen.
Was den Mittagsschlaf angeht, so konnten wir heute nur insofern einen Erfolg erzielen, dass der kleine Mann sich relativ bereitwillig eine Weile hinlegte. Von Schlaf konnte aber auch heute keine Rede sein, sodass er mich bereits fröhlich spielend empfing, sich jedoch umso stürmischer in meine Arme warf. Kurz darauf schmiss er sich genauso überschwänglich seiner Erzieherin in die Arme, sodass ich denke, es ist vielleicht auch nicht ganz schlecht, wenn er weniger schläft. Natürlich würde ich mir wünschen, dass der kleine Kerl mittags zur Ruhe findet, aber wenn er schon nicht tut, dann kann er so wenigsten ein bisschen mehr Zeit allein mit der Erzieherin verbringen, was ja im alltäglichen Kita-Betrieb nicht immer gewährleistet ist. Wie gut ihm das tut, beweist ja die Umarmung. Und auch für die Erzieherin ist es schön zu erleben, was für ein tolles, kleines Kerlchen unser Sohn ist. Denn er redet zwar sehr viel und sehr gut, aber nur sehr selten einfach ins Leere hinein. Er braucht und möchte einen Ansprechpartner und wenn er den erst einmal gefunden hat, dann ist er schon richtig charmant. Und so verführte er seine Erzieherin zu einem hingerissenen Lachen und der Aussage „Ooh Gott, ist das süß!“, als er fröhlich grinsend die Zunge rausstreckte und Mmh, mmh macht der Frosch im Teich rezitierte. Als ich dann noch den fehlerfreien Vortrag der ersten Strophe von „Alle meine Entchen“ anführte, äußerte sie sich sehr positiv über die Auffassungsgabe des kleinen Mannes.
Trotz des kleinen Fortschritts in Sachen Mittagsschlaf – der ausgebliebene Bock – entschieden wir dann, dass wir den kleinen Mann in der nächsten Woche doch bereits nach dem Mittagessen abholen würden. Prinzipiell ist es kein Problem, wenn ein Kind nicht schläft, aber aufgrund der derzeitigen Betreuungssituation wäre es für alle Seiten zuviel Stress. Dafür durften wir das erste Kunstwerk unseres Sohnes mit nach Hause nehmen. Denn da heute nur vier Kinder in der Kita waren, wagte sich die Erzieherin an Pinsel und Tusche. Gemalt wurden Sonnenkäfer mit roten Röckchen und schwarzen Punkten. Und ich finde, man kann das gut erkennen – wenn man weiß, was es ist. Trotzdem keine Frage: Das erste Kunstwerk des Sohnes wird gerahmt und bekommt einen Ehrenplatz.

Frhoppe 24.10.2014

21.10.2014 Alle meine Böckchen…

Der heutige Tag begann bereits mit schlechter Laune. Wahrscheinlich der durch nächtlichen Durst bedingten halbstündigen Störung des kindlichen Schlafes geschuldet, war der kleine Mann denkbar übel drauf. Nichts war richtig, nichts gut, er wollte nicht wickeln, nicht anziehen, nicht frühstücken, gar nichts. Lediglich der Gedanke in die Kita zu gehen, bewegte den kleinen Kerl endlich zur Handlung. Kaum waren wir dann in der Kita angekommen, freute er sich aber sehr darüber, seine Erzieherin zu sehen und begann auch umgehend fröhlich zu spielen. Zumindest bis zum Morgenkreis. Den wollte er heute auch nicht so richtig mitmachen, ließ sich aber zumindest davon überzeugen halbwegs daran teilzunehmen, zumindest solange ich hinter ihm sitzen blieb. Allerdings ließ er mich heute sehr schnell und problemlos gehen, vorsichtshalber warnte ich aber seine Erzieherin vor, dass es um des Kindes Laune nicht zum allerbesten stand.
Als ich ihn dann Mittags wieder abholte, wurde ich stürmisch und aufgeregt plappernd und lachend begrüßt, sodass ich zunächst dachte, es sei doch alles prima gelaufen. Sohnemanns Erzieherin berichtete mir dann aber doch vom ersten massiven Bock des kleinen Mannes in der Kita. Das Kind wollte schlicht und einfach und partout nicht in den Garten und hat diese Meinung standhaft vertreten. Selbst nachdem alle anderen Kinder fertig waren, war er nicht bereit sich anziehen zu lassen, was dann darin gipfelte, dass er in einem unbeachteten Moment und eine durch ungünstige Verkettung der Umstände zweier offener Türen in Richtung Straße türmte. Dies wiederum hatte zur Folge, dass die Erzieherin des Böckchens zum ersten Mal ernsthaft mit ihm schimpfte und dies war auch der Grund für ihren Bericht. Sie wollte einfach, dass ich Bescheid wüsste, falls der Sohn etwas in diese Richtung erwähnen sollte. Ich versicherte ihr im Gegenzug, dass dies für mich okay sei, denn im Grunde vertreten wir – in vernünftigen Grenzen – die Ansicht: Wo das Kind zu Besuch ist, gelten die Regeln des Gastgebers/Betreuers. Ob wir nun dabei sind oder nicht. Insofern ist es auch richtig, dass die Erzieherin schimpft, wenn er nicht hören mag, vor allem bei solch wichtigen Sachen.
Aber wie zum Ausgleich wurde der Sohn dann noch gelobt. Zum Mittagessen gab nämlich Nudeln und Tomatensauce und Currywurst. Ich nehme an, es lag an der Beschaffenheit der Wurst – vermutlich mit Darm – jedenfalls sagte sie dem Sohn nicht zu. Statt sie jedoch einfach auszuspucken, schaute er die Erzieherin an und sagte „Schmeckt nicht!“ woraufhin sie eine Schüssel zum sauberen Entsorgen der unerwünschten Essenskomponente holen konnte. Sie hob dann noch deutlich hervor, dass sie es toll fand, wie klar der kleine Kerl sein Missfallen kommuniziert hat.
Auch sonst – und trotz der guten Laune – war in Sachen Sprache heute wieder ein erfreulicher Tag. Am Nachmittag rezitierte das Kind fehlerfrei die gesamte erste Strophe von „Alle meine Entchen“ – mit Wiederholung. Und wenn ich den kleinen Schatz jetzt frage: „Weißt du was?“ Dann lacht er mich an und antwortet: „Mama hat dich lieb!“ Ich finde das so niedlich und so toll, dass es für ihn so selbstverständlich ist!
Und nach unserem nachmittäglichen Termin bei der Gynäkologin konnten wir ihm heute auch mitteilen, dass er vermutlich eine kleine Schwester bekommen wird, was ihn dazu veranlasste, sein Ohr auf meinen Bauch zu legen und „Hallo Baby“ zu sagen.

Frhoppe 21.10.2014

20.10.2014 Kita? Aber unbedingt!

Zunächst einmal die gute Nachricht: Das Fieber war heute morgen ganz weg – eine Erkenntnis, deren Entstehen der Sohn neugierig verfolgte mit der Frage: „Was sagt das Fieber?“ Ich nehme an, er ließ der Bequemlichkeit halber das Thermometer weg, aber eigentlich finde ich diese kurze Version sowieso sehr viel besser.
Dem Gang in die Kita stand also nichts entgegen.
Dort angekommen, konnte der kleine Mann es wieder kaum erwarten, alles zu bespielen und forderte zum ersten Mal sogar das Singen des Sonnenkäferliedes ein. Nach dem Morgenkreis geschah dann etwas unheimlich niedliches. Auf dem Flur ging die Erzieherin des Sohnes in die Hocke und sagte „Na, mein kleiner Freund!“ während sie die Arme ausbreitete. Und der kleine Käfer rannte hinein und ließ sich umarmen. Und dann kurz darauf, glitt sein Blick zu mir und ohne, dass ich etwas gesagt hätte, rannte er auf mich zu und umarmte mich ebenfalls, ganz so, als wolle er, dass ich nicht zu kurz komme. Dann war er sofort wieder fröhlich lachend unterwegs.
Die Erzieherin stellte dann fest, dass er jetzt schon viel offener ist, mehr lächelt und auch mitmacht und nicht nur beobachtet. Das sei ein schöner Fortschritt. Dann wollte sie noch wissen, ob er manchmal morgens nicht in die Kita wolle. Ich konnte das verneinen, allerdings räumte ich auch etwas verlegen ein, dass ich ihm dazu keine Chance gebe. Gleich morgens öffne ich dir Tür mit einem strahlenden Lächeln und sage: „Guten Morgen, ein neuer Kitatag beginnt! Schnell wickeln und anziehen, damit wir in die Kita können.“ Außerdem gab ich zu, dass ich die mittlerweile schon recht solide vorhandene Bindung an die Erzieherin mitunter ausnutze und sage: „Na los, … wartet schon auf dich mit dem Morgenkreis.“ Für mich überraschend zeigte sich unsere Erzieherin erfreut über dieses Vorgehen. Auf Nachfrage teilte sie mir mit, dass dieses Verhalten dem Kind den Übergang in die Kita sehr erleichtere. Sie habe auch oft Eltern, die ihre Kinder fast dafür bemitleiden, dass sie in die Kita „müssen“!
Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht! Ich meine, die Kita ist so etwas Tolles für Kinder. Sie können spielen und toben in einer kindersicheren Umgebung, in der nicht andauernd jemand Nein sagt! Sie lernen, dass sie ganz viele Dinge alleine können – einfach weil ja in einer Kita eine Eins-zu-Eins-Betreuung unmöglich ist. Und das ist gut so. Ich merke jetzt schon, wie sehr sich mein Kind positiv entwickelt. Seine Sprache hat nochmal einen ordentlichen Schub gemacht, er isst noch besser und hat heute das erste Mal Interesse an einer Toilette gezeigt. Er kennt die ersten Kinder mit Namen – sogar welche, die nicht in seiner Gruppe sind und als wir ihn heute abgeholt haben, ist er völlig aufgedreht gewesen vor Freude. Und das zu einer Zeit, in der wir normalerweise den ersten Machtkampf ausfechten, einfach weil wir voneinander schon mächtig gestresst sind. Er lernt, mich zu vermissen und gleichzeitig, dass ich immer wieder komme und er merkt, dass ich dann gute Laune habe und entspannter bin.
Liebe Eltern, falls ihr euer Kind bemitleiden solltet, weil es in der Kita ist! Das braucht ihr nicht! Es ist ein unheimlich toller und wichtiger Schritt, der dem Kind und den Eltern so viel gibt!
Im Auto auf dem Rückweg hatten wir dann auch gleich eine amüsante Diskussion. Wir haben dort als Notfallzuckerlieferant solch kleine Schoko-Minz-Plätzchen liegen. Natürlich blieb der kleinen Raupe Nimmersatt nicht lange verborgen, dass man die Dinger essen kann und seitdem bekommt er im Auto immer eins – immer nur EINS – und das auch nur, wenn er höflich fragt. Am Anfang hieß es nämlich immer: „Ich will eins essen!“ Dieses „Ich will“ gewöhnen wir ihm gerade ab und das klappt inzwischen ziemlich gut.
„Ich möchte bitte im Auto eins essen!“
„Prima!“ Ich gab ihm daraufhin ein Drops.
Eine Weile schnurpste und knurpste es im Kindersitz, dann: „Ich möchte bitte noch eins essen.“
„Nein, es gibt immer nur eins! Das weißt du genau!“
„Mama danke. Danke sagen!“
„Das ist schön, du bekommst trotzdem keins mehr.“
„… bekommt trotzdem eins?“
Ich fand das unheimlich niedlich, trotzdem blieb ich hart, obwohl er alle Register zog. Sonst merkt der sich das sofort und ich habe keine Chance mehr auf eine ruhige Autofahrt.
Überhaupt ist der kleine Mann ein ordentlicher Schlawiner. Er weiß genau, nach der Kita gibt es den Mittagsschlaf und als ich ihn fragte: „Weißt du, was jetzt kommt?“ sagte er auch prompt ja.
„Und was kommt jetzt?“
Große blaue Augen wurden aufgerissen, ein verschmitztes Grinsen breitete sich auf dem Gesichtchen aus und es ertönte ein liebevolles: „Mama hat dich ganz doll lieb.“
Ich denke, es ist klar, dass er trotzdem seinen Mittagsschlaf halten musste, vor allem, weil ja auch seine Kimmi ganz furchtbar müde war, aber dafür hatte ich nachmittags ein ganz außerordentlich gut gelauntes Kind zu Hause. Er kuschelte mit mir, gab mir eines von seinen drei Gummibärchen ab und verlangte mir dann all die Kitalieder ab, die wir schon kennen. Als ich dann den Fehler machte, außer der Reihe „Alle meine Entchen“ zu singen, hörte er erst einmal erfreut zu, bevor er schnurstracks ins Kinderzimmer lief und sein „Alle meine Entchen“-Liederbuch holte. Für die nächste halbe Stunde mutierte ich zu seiner persönlichen Jukebox. Rauf und runter wurden mir die Lieder abverlangt – und es sind nur sieben. Dafür wurde er dann aber auch ganz zärtlich.
Als ich ihn fragte, ob er denn sieht, dass Mamas Bauch schon ganz rund ist, sagte er „Ja!“ Dann meinte ich: „Das kommt von dem Baby! Das ist schon ordentlich groß!“ Er schaute erst einmal interessiert, dann sehr ernst und dann sagte er ganz lieb: „Muss man aufpassen!“, kam auf mich zu und streichelte ganz lange und intensiv die kleine Babykugel!

Frhoppe 20.10.2014