17.05.2016 Mein Kind soll glücklich sein oder: Für mehr Toleranz und Akzeptanz!

„Ich hasse das Wort Homophobie. Es ist keine Phobie. DU hast keine Angst! Du bist ein Arschloch!“

Mittlerweile wissen wir, dass es nicht Morgan Freeman war, der diese Worte sagte, doch deswegen sind sie nicht weniger wahr.
Homophobie und auch Transphobie sind in meinen Augen zwei Begriffe, die nicht zutreffen, denn der Hass auf Menschen, die nicht meine sexuelle Orientierung teilen, hat absolut gar nichts mir einer Angststörung zu tun!
Dennoch ist es wichtig, dass es diese Begriffe gibt, denn sie machen ein Thema griffig, das in unserer immer noch eines der polarisierendsten ist, die es gibt! Man kann es damit benennen und das ist wichtig, damit man darüber spricht!

Heute ist der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie und es ist ein wichtiger Tag für alle, die immer noch und immer wieder gegen Anfeindungen und Intoleranz kämpfen müssen, aber auch für mich!

Ich lebe in einer heterosexuellen Beziehung und habe zwei Kinder. Das ist nun mal so, das habe ich mir aber nicht ausgesucht! Genauso wenig, wie jeder andere Mensch auf diesem Planeten, denn sexuelle Orientierung oder auch das Gefühl im falschen Körper zu sein ist keine Option oder etwas, das man ändern könnte.
Man kann es vielleicht unterdrücken, aber wie lange? Und gesund ist das auch nicht! Es macht im Gegenteil krank und unglücklich, zieht im schlimmsten Fall schwere psychische Probleme nach sich unter denen Betroffene ein Leben lang leiden.

Nun stellt sich vielleicht die Frage, warum ich darüber blogge, wenn es mich doch gar nicht betrifft!

Das tut es eben doch!

Denn ich habe einige Verwandte und Freunde, die noch immer mit den Einschränkungen kämpfen müssen, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft nach sich zieht! Sie müssen mit Anfeindungen leben, mit Versteckspielen und auch mit dummen Fragen, die man einem heterosexuellen Paar niemals zu stellen wagen würde, weil es einen nichts angeht!

Und ich habe Kinder!

Ich weiß natürlich nicht, welches ihre Orientierung ist – wie auch in diesem Alter?
Aber ganz ehrlich: Es ist auch egal!
Manchmal witzeln wir darüber, dass unser Sohn wohl doch eher einen Freund nach Hause bringen wird – wenn er zum Beispiel in Tränen ausbricht, weil das Oberteil nicht zur Hose passt oder wenn er im Supermarkt begeistert das rosafarbene Einhorn mit den Regenbogenflügeln kaufen will!

Doch selbst, wenn es so ist, dann ist das okay – mit einer Einschränkung:
Er soll glücklich sein!
(Wenn ein potentieller Partner meine Kinder unglücklich macht, dann lernt er mich kennen, ganz egal ob Mann, Frau oder Transgender, aber das nur am Rande)

Für uns ist es das wichtigste, dass unsere Kinder sich selbst akzeptieren und glücklich sind. Und wenn das eben heißt, dass mein Sohn einen kompliziert geflochtenen Zopf* über seinem Undercut tragen möchte, dann flechte ich ihm den. Oder lasse ihn mit dem rosafarbenen Glitzerhaarreif in die Kita gehen, oder seine Barbie mitnehmen.
Allerdings erkläre ich ihm vorher, dass es sein kann, dass einige Kinder über ihn lachen und ihn ein Mädchen nennen. (Im Übrigen keine übertriebene Fürsorglichkeit, sondern weil es bereits so geschehen ist!) Und ich sage ihn, dass er sich davon nicht ärgern lassen soll, sondern ihnen einfach erklären, dass er schließlich anziehen und mitbringen darf, was er möchte. Und das auch Jungs rosa Haarreifen tragen dürfen, wenn ihnen danach ist!
Und dass er ganz perfekt so ist, wie er ist!

Dass ich das aber erklären muss, weil es nicht selbstverständlich ist, weil selbst so kleine Kinder schon in Kategorien wie Junge und Mädchen und normal denken, das macht mich manchmal traurig. Und manchmal wütend!

Und genau das ist der Grund, aus dem ich diesen heutigen Tag gegen Homophobie und Transphobie so wichtig finde!

Ich wünsche mir eine Welt, in der Kinder, Jugendliche und Erwachsene keine Angst mehr haben müssen, sich zu outen – mehr noch, in der sie sich nicht mehr outen müssen, weil es nicht mehr wichtig ist, welche sexuelle Orientierung sie haben!
Jeder sollte so leben dürfen, wie es ihn glücklich macht, denn jeder Mensch ist gleich!
Für Toleranz und Akzeptanz!
Immer!

Frhoppe 17.05.2016

Anmerkung: Mir ist bewusst, dass dieser Beitrag ein sehr komplexes und kontroverses Thema gerade mal anreißt. Es soll hier aber nur darum gehen, kurz meine Gedanken zum heutigen Tag aufzuschreiben.

*Hier noch das Bild von besagtem Zopf zur besseren Vorstellung 😉
Sammi Zopf

25.04.2016 Was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht, oder: Küche aufräumen mit Kleinkind – ein Bericht!

Bei uns läuft es im Moment nicht so wirklich ganz rund.
Zugegebenermaßen laufen wir mittlerweile alle ziemlich auf dem Zahnfleisch, die Nerven liegen blank, jeder zickt jeden an, der Sohn jammert bei jeder sich bietenden Gelegenheit schon einmal pro forma und erklärt einem dann danach seelenruhig, das ging nicht anders, man muss ja jammern, wenn was kaputt geht, das Tochterkind probt den Aufstand wenn es nicht SOFORT seinen Willen bekommt, kommt damit aber seltenst sehr weit. Die damit einhergehende Steigerung des Lärmpegels, regt wiederum auch den Sohn zu lauterem Jammern an, damit ich ihn auch ja höre.
Meine Nerven machen das manchmal mit, öfters aber auch nicht. Oder nur so lange bis dann der Papa nach Hause kommt.
Selbiger trägt ja nun einen großen Teil zum Haushalt und zur Versorgung des Nachwuchses bei – vor allem morgens sorgt er dafür, dass die beiden Chaoten zumindest der Jahreszeit angemessen das Haus verlassen – und hat auch im Allgemeinen eher die Einstellung, dass lieber die Kinder glücklich, als der Haushalt in Ordnung sein sollten. Da kocht er sich dann auch gerne mal selbst sein Essen, wenn ich halt gerade lese oder spiele oder ähnliches Kindergedöns.

Manchmal aber kommt es durch – dieses Macho-Gen aus den 50er Jahren, dieser kleine fiese Zwerg, der ihn angesichts totalen Chaos und fehlender bereits zubereiteter Nahrung fragen lässt:

„Was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht?“

Bäm!!! Ohrfeige. Verbal nur, aber nicht weniger schmerzhaft. In mir krampft sich alles zusammen. Vor Wut, vor Trauer, vor Erschöpfung, vor Fassungslosigkeit über soviel Ungerechtigkeit. Ich möchte platzen, ausrasten – zugegeben meistens tue ich das auch – aber manchmal nehme ich es hin, sogar an. Frage mich: Ja? Was mache ich eigentlich den ganzen Tag!

Und weil wir gerade jüngst wieder einen solchen Vorfall hatten, beobachtete ich mich heute etwas genauer und hier nun kommt der Bericht zu meinem Versuch die Küche in einen erträglich ordentlichen Zustand zu bringen:


Vorhang auf.
Eine Küche. Die Akteure betreten die Szene.

Ich komme in die Küche, das Babymädchen auf dem Arm, schaue mich um.

Die Waschmaschine steht offen, daneben das vollgestellte Brett, das sonst immer darauf liegt – geht nicht anders, wir haben einen Toplader.

Überall steht Geschirr vom Frühstück, das keiner mehr wegräumen konnte, weil der Geschirrspüler zwar fertig aber noch nicht ausgeräumt war und man morgens aufgrund massiver Verspätung fluchtartig das Haus verlassen musste.

Der Herd ist vom vorabendlichen Kochen des Gatten noch, nun sagen wir, recht fleckig. Darauf liebevoll drapiert die benutzten, nicht machinengeeigneten Holzkochutensilien des Mannes, die er abzuwaschen keine Lust mehr hatte gestern. Und der große Topf.

Wo also anfangen.
Ach ja, erst mal das Babymädchen absetzen. Der Arm schmerzt schon. Der Rücken auch, aber egal.

Los geht’s.

Geschirrspüler auf, oberen Einschub raus, Geschirr ausräumen, auf dem Handtuch abstellen zum Nachtrocknen. Das Baby von der Maschine wegnehmen, die Klappe wieder öffnen, weiteres Geschirr entfernen.

Das Baby von der Klappe herunter nehmen, den unteren Schub ausziehen, Geschirr ausräumen, Baby wieder entfernen, Schub wieder herausziehen. Restliches Geschirr entnehmen.
Das Baby mitten in den Raum setzen, um schnell alles Geschirr einzuräumen.

Zwischen durch immer wieder laut Nein! rufen und dem Baby, den Plastikmüll wegnehmen. Das darauf folgende, wütende Geheul muss ignoriert werden, mehr Geschirr will in die Maschine.

Endlich die Maschine schließen, das Baby – wo kommt das jetzt auf einmal her? – daran hindern, alle Knöpfe zu drücken, es wieder in die Mitte des Raumes setzen.

Wasser ins Waschbecken lassen, dem Kind den Pappmüll wegnehmen, Holzutensilien abwaschen, das Baby aus dem Plastikmüll fischen, weiter abwaschen, die Schranktür schließen, den großen Topf abwaschen, die Schranktür wieder schließen, das Baby in die Mitte des Raumes setzen.

Puuuh!
Abwasch erledigt!

Herd schrubben. Geht schnell.

Gitter runter, Schwamm zur Hand, Schwamm aus der Hand, Baby die alte Bananenschale wieder wegnehmen, Biomüll schließen, laut Nein! Sagen, sich verarscht vorkommen, als das 13 Monate alte Mädchen energisch den Kopf schüttelt und NeinNeinNein sagt.

Mit der Hand am Biomüll.

Baby in den Raum setzen, Herd schrubben.

Schwamm erschrocken fallen lassen bei plötzlich eintretendem Geheul hinter mir.

AHA!

Wäscheklammer an der Hand! Erfordert sofortiges chirurgisches Eingreifen durch mich! Große Erleichterung nach Entfernen des Übeltäters. Noch größere Wut bei nicht sofort eintretender Rückgabe des Corpus Delicti an das Baby. Bitte! Dann soll sie doch.

Herd zu Ende schrubben, Gitter wieder drauf.

Den Plastikmüll wieder einsammeln – ernsthaft? Wie schaffen Babys das, knisternde Folie nahezu lautlos zu verteilen?

Das Waschbecken säubern, den Hahn ebenfalls. Dann die Tupperdosen wieder einräumen und den Schrank schließen. Mit etwas mehr Nachdruck als vielleicht nötig.

Den Besen zur Hand nehmen, mit dem Fegen beginnen. Den Besen aus Baby Klammerhändchen befreien, weiter fegen, dauert ja nicht lange, wir haben eine kleine Küche.

Den Handfeger und die Müllschippe suchen, in der Küche ablegen, das Baby hochnehmen und ausschütteln, den Besen zur Hand nehmen und noch mal alle Krümel zusammen fegen.

Abschließend den Haufen SOFORT! mit Schippe und Handfeger aufnehmen, damit ich das Baby daran hindern kann, den Plastikmüll zum drölfmiausendsten Mal auszuräumen.

Ich schaue mich um das Babymädchen auf dem Arm, und verlasse die Küche.

Vorhang fällt!

 

So geschehen heute bei uns!

Und sicher nicht nur bei uns, sondern in jedem Haushalt mit einem neugierigen, von Entdeckerdrang geplagten, interessierten, aufgeweckten Baby.
Kaum jemals kann man einen Handgriff zu Ende tun, andauernd wird man unterbrochen, lässt sich auch manchmal unterbrechen. Da kann ein halbstündiger Arbeitsaufwand schnell mal eineinhalb Stunden ausfüllen.

Und eigentlich weiß der Papa das auch!

Denn immer, wenn er was im Haushalt machen will sagt er:
„Hüte du mal die Kinder, ich komme ja sonst zu nichts!“

😉

frhoppe 25.04.2016

15.04.2016 Geburtstag mit Kind oder das Ende der Sprachlosigkeit!

Ich muss ehrlich zugeben, ich war in den letzten Wochen nicht in der Lage, mich in Wort und Schrift hier zu äußern. Das lag zum einen an dem wahnsinnig geringen Rest an Zeit und Energie, den ich abends noch über hatte. Zum anderen fühlte ich mich einfach sprachlos angesichts all der Dinge, die in unserer Gesellschaft, unserem Land, unserer Welt so vor sich gehen.
Es folgte eine schlimme Nachricht nach der anderen und mit jeder Nachricht fühlte ich mich weniger fähig, mich zu äußern – zu so banalen Dinge wie dem Tagesablauf meiner Kinder. Wie kann ich nur darüber schreiben, was ihnen tagtäglich passiert, wenn es doch so viel wichtigere Themen auf der Welt gibt? Sollte ich nicht darüber schreiben?
Diese Frage lähmte mich, ließ mich wortlos bleiben.

Bis heute!

Denn nichts macht einem die eigene Bedeutung so bewusst, wie der eigene Geburtstag mit Kindern. Rückblickend betrachtet weiß ich gar nicht, warum ich dachte, dass heute irgendetwas anders wäre als sonst. Eigentlich hätte mir klar sein müssen, dass meine Kinder morgens nicht plötzlich kooperativ sind, nur weil Mama Geburtstag hat. Weil sie das nämlich gar nicht können – zumindest nicht in ihrem Alter. Das Mama Geburtstag hat, ist für sie kaum etwas besonderes, denn schließlich hat ja jeder Geburtstag.

So einfach ist das!

Und so genial!

Jeder hat Geburtstag, jeder hat Probleme, jeder hat seine Sicht der Dinge zu den Sorgen und Nöten unserer Welt. Für die einen sind sie wichtiger, für die anderen nicht. Und wenn ich an einem Tag keine Energie habe, mich zu den Problemen dieser Welt zu äußern, sondern lieber über die Probleme oder Freuden unseres Tages zu schreiben, dann ist das ganz okay so.

Weil es wichtig ist für mich!
Ganz bald also geht es weiter – vielleicht! Wenn mir danach ist!
Aber bestimmt!
Denn es gibt viel zu erzählen von meinen kleinen Zaubermonstern!

Frhoppe 15.04.2016

09.03.2016 Ernste Gespräche am Morgen!

Unser kleiner Mann ist nunmehr beinahe dreieinhalb Jahre alt – ganz schön groß also und doch immer noch sehr klein.

Irgendwie genau an diesem Übergang von „Wo ist meine Mama?!“ und „Hallo Welt!“. Dieser Übergang, wo er sich nicht mehr vor jedem Fremden automatisch hinter meinen Beinen versteckt, sondern durchaus auch Interesse an neuen Menschen zeigt.
Und das finde ich durchaus gut, denn es erweitert seine Welt, seine Sicht der Dinge und seinen Horizont. Neue Menschen, das bedeutet neue Erfahrungen, neue Perspektiven und neue Möglichkeiten.
Aber eben auch neue Gefahren.
Kürzlich erst gab es zwei Situationen, in denen wir aufmerksam wurden, in denen uns klar wurde, wir müssen ihm das Wissen über den richtigen Umgang mit solchen Situationen mit an die Hand geben.

Einmal besuchte uns jemand, den wir frisch kennenlernten und er ging von Anfang an sehr vertraut mit unserem Sohn um. Den kleinen Mann schien das nicht zu stören, im Gegenteil, er fand den Besuch ganz toll, aber uns waren es doch insgesamt ein wenig zu viele Berührungen dafür, dass wir denjenigen erst kennen lernten. Wir schauten uns an und uns war klar: Das dauert lange, lange bist unser Sohn mit demjenigen allein ist – wenn überhaupt.
Wahrscheinlich war es gar nichts, aber als Eltern haben wir nun einmal die Pflicht, unsere Kinder zu schützen.
Jedenfalls war dies der erste Anlass, in dem wir ganz offen mit dem kleinen Mann darüber sprachen, dass er sich von NIEMANDEM anfassen lassen muss. Er allein entscheidet, was wie mit seinem Körper geschieht und niemand hat das Recht, seine Grenzen zu übergehen – auch wir nicht. Ich z.B. frage vorher, ob es okay ist, wenn ich ihn an intimen Stellen waschen, untersuchen etc. muss. Und ich sage ihm auch ganz deutlich, wenn ich irgendwo nicht von ihm berührt werden möchte.

Einen weiteren Anlass gab es bei einem Plausch mit unserer Nachbarin, die unseren Sohn einlud mit nach oben zu kommen, sie habe etwas Schönes für den kleinen Mann. Bedenkenlos gab der Papa die Erlaubnis – im Falle der Nachbarin berechtigt bedenkenlos, sie ließ sogar die Wohnungstür bei sich weit offen, damit ich alles hören konnte – aber mir behagte die Wortwahl der Nachbarin eben nicht und das sagte ich dem Papa auch.
Er stimmte mir zu und als der Lieblingssohn wieder nach unten kam, führten wir ein Gespräch darüber, dass der kleine Mann niemals mit Fremden – und auch nicht mit Bekannten mitgehen darf, ohne das wir IHM persönlich unsere Erlaubnis gegeben haben. Egal um wen es sich handelt – Omas und Opas mal ausgenommen – er kommt erst zu uns und fragt, ob er mitgehen darf. Auch wenn der nette Onkel auf dem Spielplatz die allersüßesten Hundewelpen hat. Das ist nun gute zwei Wochen her.

Nun weiß man immer nicht, inwieweit so etwas wirklich bei einem Kind ankommt. Man sucht ja auch nach Formulierungen, um dem Kind nicht Angst vor der ganzen Welt zu machen. Keinem ist damit gedient, wenn der Sohnemann bei jedem Fremden der Hallo sagt, schreiend das Weite sucht.
Tatsächlich zeigte der heutige Morgen jedoch, dass unser kleiner Mann das Gesagte sehr wohl verinnerlicht hat.

„Mama, auf dem Schulhof habe ich schon gespielt, aber auf dem dahinten nicht, da ist das Tor zu, da darf ich nicht rauf!“ Dazu sei gesagt, wir haben zwei Schulen direkt vor dem Haus – eine Oberschule und eine Grundschule.
„Ja, mein Schatz, das ist richtig so, denn dahinten sind noch kleinere Kinder, die vielleicht noch nicht wissen, dass man nicht mit Fremden mitgehen darf und die geschützt werden müssen.“ antwortete ich diplomatisch.
„Aber Mama,“ tönt es altklug von hinten. „ICH weiß das schon!“
„Ja! Du weißt das schon. Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass du mit keinem Fremden mitgehen darfst, stimmts?“
„Ja! Ich muss fragen.“
„Genau, du musst immer Mama und Papa fragen und nur wenn wir DIR ganz persönlich sagen, dass du mitgehen darfst, dann ist das okay!“
„Ja!“
„Wir würden niemals etwas ausrichten lassen – wir sagen dir  das immer ins Gesicht.“
„Ja! Ich gehe mit keinem mit!“
„Das ist gut!“ Und weil wir eh dabei waren und er gerade aufmerksam und interessiert, brachte ich gleich noch ein Anliegen an: „Und wenn dich mal jemand einfach mitnehmen will oder dich sogar packt, dann darfst du ganz laut schreien. Ich kenne dich nicht, lass mich los. Ich will nicht mit! Das rufst du dann, okay!“
„Ja! Das mache ich!“
„Nur Mama und Papa oder Omas und Opas dürfen dich einfach mitnehmen, da schreist du dann bitte nicht!“ Fiel mir gerade noch ein – gibt ja genug Situationen, in denen man sich so ein Kind mal unter den Arm klemmt!
„Neeee! Ihr dürft mich ja mitnehmen,“ antwortete er, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt.
Eine kleine Weile herrschte Ruhe, dann sagte ich: „Puuuh! Das sind ja ernste Themen am Morgen!“
Seine Antwort haute mich tatsächlich aus den Socken.
„Ja Mama! Aber manchmal muss das einfach sein!“

Recht hat er!
So furchtbar das ist, aber manchmal muss es sein. Leider!
Und ich bin froh, dass es bei uns in dieser unverfänglichen Situation geschehen konnte, eingebunden in ein normales Gespräch, dem der Sohn interessiert folgen konnte.
Denn ich höre oft: „Puh ja, darüber muss ich auch noch mit meinem Kind sprechen!“
Es ist eines der schwierigsten Themen in der Erziehung, eines vor dem man so gerne die Augen verschließen möchte, weil man sich einfach nicht vorstellen mag, dass es dem eigenen Kind passieren könnte.
Aber der sicherste Weg, dies zu verhindern, ist eben, mit dem Kind darüber zu sprechen, ihm bewusst zu machen, dass es Rechte hat, dass es Nein sagen darf, auch zu Erwachsenen und auch ganz laut, dass sein Körper ihm allein gehört und vor allem, dass dieses Thema für Mama und Papa kein Tabu ist!
Denn oftmals testen Täter an, bevor sie handeln.
Sie berühren sich oder das Kind in scheinbar unverfänglichen Situationen oder kommen z.B. ins Bad und schauen dem Kind beim Toilettengang zu. Dabei beobachten sie, wie das Kind darauf reagiert.
Sagt es offen: „Lass das, ich will das nicht!“, läuft es gar zu jemanden und sagt: „Der xxx ist einfach zu mir ins Bad gekommen!“ Oder senkt es den Blick, ist beschämt, eingeschüchtert, verlegen. Die Reaktion des Kindes in einer solchen Situation kann oft schon den Unterschied machen.
Starke Kinder werden seltener Opfer.
Und wir Eltern haben die Mittel unsere Kinder zu starken Kindern zu machen, indem wir sie ernst nehmen und ihre Grenzen respektieren. Für Kinder ist schwer zu unterscheiden, warum Dinge von Eltern erlaubt sind und von anderen nicht.
Nur, wenn wir also zulassen, dass unsere Kinder auch zu uns Nein sagen, wenn wir uns nicht über ihre persönlichen Schamgefühle hinweg setzen, lernen sie, dass sie Nein sagen dürfen.
Zu JEDEM!

Frhoppe 10.03.2016

Nur nicht schweigen!

Statt neuer Infos über den kleinen Mann – morgen dann – gibt es heute mal wieder ein Gedicht zur Lage. Weil es manchmal, nein: eigentlich immer, nötig ist.
Nicht ganz aktuell, aber ganz aktuell:

Nur nicht schweigen!

Ich halte nicht mehr an
Ich schweige nicht mehr still.
Ich spreche Menschen an,
weil ich nicht schweigen will.

Nicht schweigen zu dem Hass,
der überall nun schwärt,
nicht schweigen zu der Wut,
die diesen Hass noch nährt.

Wir hatten all das schon!
Wie dunkel war die Zeit?
Als Leben nichts mehr wert war
und auch nicht Menschlichkeit.

Zu viele damals schwiegen
aus Angst, vielleicht aus Scham.
Sie ließen jene siegen,
die nichts mehr heilig nahmen.

Wacht endlich auf, ihr Leute!
Das möcht ich täglich schrein.
Das werd ich tun ab heute,
will nicht mehr sprachlos sein.

© frhoppe 22.02.2016

22.02.2016 Ich hätte es nicht gedacht – aber der kleine Mann hat gewonnen!

Keinen Wettkampf und kein Preisausschreiben und auch nicht den Platz für das Kitakind mit der häufigsten Bindehautentzündung – nein, dieser Kelch ging ausnahmsweise einmal an uns vorbei.

Er hat das interne Geschwisterrennen um den ersten Besuch in der Notaufnahme gewonnen.
Der Papa und ich hatten nämlich so eine Art Wette laufen, welches unserer Kinder als erstes in die Notaufnahme müssen würde.
Ich tippte auf das Chaosmädchen, denn – mal ehrlich – dieses Kind kennt keine Angst. Nicht vor Höhen, nicht vor Tiefen, nicht vor Kanten oder Abgründen, nicht vor Absperrungen, Wasser, Pflanzen, Hockern, Treppen … und so weiter.
Der Papa hielt dagegen, er dächte da eher an den kleinen Tollpatsch, der es immerhin schafft aus dem Stand auf die Nase zu fallen, ohne, dass er sich vorher irgendwie bewegt hätte.

Eine wie auch immer geartete Verletzung war indes nicht der Grund für unseren gestrigen Besuch in der Rettungsstelle, sondern der Umstand, dass der kleine Mann gegen halb zehn weinend aufwachte und über Bauchweh klagte.
Kinder klagen ja nun des öfteren über Bauchweh, insbesondere wenn sie krank sind, ganz einfach weil sie die diffusen Schmerzen, die mit Fieber z.B. einher gehen, einfach nicht benennen können, von daher dachte ich zunächst, ich tröste ihn erst einmal und dann sehen wir weiter.
Als ich ihn in den Arm nahm, stellte ich fest, dass er sich glühend heiß anfühlte und das, obwohl wir ihm vor dem Schlafengehen ein Zäpfchen gegeben hatten.
Eine rasche Messung ergab eine Temperatur von 40,2° Celsius.
Das war der Moment in dem wir entschieden, dass wir nicht bis zum nächsten Morgen warten wollten, um den Arzt aufzusuchen. Denn Fieber hatte der kleine Mann bereits seit – wie sollte es anders sein – Freitag Abend.
Da er aber nur Fieber hatte, das auch mit einem Zäpfchen vor dem Schlafen gehen ganz gut in Schach war, wollte ich ihm nun nicht unbedingt eine wochenendliche Notaufnahme zumuten.
Mit dem Bauchweh als Dreingabe sah das dann aber ganz anders aus, vor allem bei der Höhe des Fiebers trotz Zäpfchen.
Und also machte sich der Papa auf den Weg mit dem Sohne in das Krankenhaus, mit dem unbedingten Auftrag mein Baby auf keinen Fall aus den Augen zu lassen.

Zwei Stunden später waren sie wieder zurück. Immer noch mit Fieber. Aber ohne Befund! Alles unauffällig, wohl ein akuter Infekt der oberen Atemwege.
Da die oberen Lymphdrüsen wohl irgendwie mit denen im Bauch verbunden sind, könne das schon mal Bauchweh hervor rufen.
Und wir sind so schlau als wie zuvor.
Und das Kind so krank als wie zuvor!
Und unsere Ärztin hat Urlaub!
Dann müssen wir wohl in den sauren Apfel beißen und morgen zur doofen Vertretungs-Frau-Doctor, die immer gleich Antibiotika verschreibt.
Gar nicht schön!
Nichts davon 😦

frhoppe 22.02.2016

21.02.2016 Lernt von den Kindern!

Hey, ihr da draußen!

Ihr intoleranten, menschenverachtenden Idioten, die im Suff brennende Asylbewerberheime bejubeln und Kinder, die das schlimmste Grauen erlebt haben, auch noch an den Kragen gehen! Ihr, die ihr wahrscheinlich noch nicht einen Cent für Flüchtlinge ausgegeben habt, geschweige denn es musstet! Ihr, die ihr vor dem Flachbildschirm mit dem Smartphone in der Hand auf DIE Ausländer schimpft, die nur noch ihr Smartphone haben, um irgendeinen Kontakt zu ihrer Familie halten können, während ihr selbst nicht einen Tag ohne auskommen würdet.

Genau ihr seid gemeint, wenn ich jetzt sage: Mein Sohn beschämt euch alle!

Während ihr um euren Wohlstand fürchtet, den ihr nicht einmal zu schätzen wisst, während ihr die Zeit, die ihr mit euren Lieben verbringen könntet, damit verschwendet, hilflose Menschen zu bedrohen und zu verhöhnen, zeigt mein Kind, was Menschlichkeit ist.

MIT 3 JAHREN!!!

Mit drei Jahren sitzt mein Kind vor seinem Gummibärenglas und schaufelt löffelweise Gummibärchen in eine Tüte. Und als ich frage, was er da tut, antwortet er gelassen: „Ich mache Gummibären in die Tüte, damit Papa die mitnehmen und den armen Kindern geben kann, die gar nichts haben.“
Als wäre es für ihn das selbstverständlichste der Welt zu teilen.

Und soll ich euch etwas sagen: DAS IST ES!!!

Nichts von dem, was ihr habt, ist selbstverständlich. Alles das kann euch durch einen dummen Zufall, einen Unfall, einen Terroranschlag, einen Krieg – oder auch ganz einfach durch das Leben genommen werden.
Und dann steht ihr da und hofft auf Hilfe! Hofft darauf, dass es da draußen Menschen gibt, die das tun, was IHR den Flüchtlingen verwehrt. Die ihr Hab und Gut teilen, damit ihr die zerbombten Trümmer eures Lebens hinter euch lassen könnt!
Und wisst ihr, was ich euch dann wünsche?!

Dass ihr einen Menschen findet, der sich anders als ihr verhält. Der nicht um seinen Besitz fürchtet, sondern um das Wohl und die Gesundheit der Menschen, die seine Hilfe benötigen. Der euch mit offenen Armen empfängt und euch sagt:
Hier bist du sicher! Ruh dich aus, finde Frieden! Ich bin für dich da!

Verdient habt ihr das nicht! Sicher nicht!
Aber bei einem Menschen vor den Trümmern seines Lebens fragt man nicht, ob er es verdient!
Man hilft!
Man teilt!
Weil es das selbstverständlichste der Welt ist!

Frhoppe 21.02.2016

21.02.2016 „Die machen nicht grad Werbung in eigener Sache!“

Diese Aussage meines werten Mannes trifft den Ablauf der letzten Tage so ziemlich im Kern. Denn unsere letzten elf – ja, es waren elf Tage, seit ich zuletzt Laut gab – Tage waren alles andere als geruhsam, erholsam oder irgendwas-sam.

Unser Sohn ist gerade sehr anstrengend, ohne dass wir konkret sagen könnten, woran das liegt. Er selber weiß das glaube ich auch nicht so genau und ich denke, wir alle hoffen, dass es nur eine Phase ist.
Denn tatsächlich gehen wir mittlerweile alle ziemlich auf dem Zahnfleisch, die Stimmung ist gereizt, wir sind die permanenten Streitereien um jede Kleinigkeit ziemlich leid – gestern beispielsweise war der Grund für einen Wutanfall die Uneinigkeit über die Menge des Rühreis (Der Sohn wollte alles, wir wollten das nicht).
Dazu kommt der permanente Schlafmangel, denn das Zaubermädchen scheint an einem Zahn zu arbeiten und kommt drei bis fünf mal die Nacht und will trinken, oder getragen werden. Oder auch beides. Dabei ist sie ziemlich rabiat in der Einforderung ihrer Bedürfnisse und dieses permanente Gekratze, Gekneife und Geboxe geht irgendwann an die Substanz, weil man es ja dem Baby nicht wirklich vorwerfen kann. Sie besitzt ja die Vernunft noch nicht, zu wissen, dass sie damit jemandem weh tut. Sie drückt nur ihre Frustration über die Situation aus.
Und so haben wir eigentlich durchgehend irgendein jammerndes, bockendes, schreiendes, wütendes, weinendes Kind um uns und bemühen uns bei alledem die Ruhe zu bewahren, was uns leider nicht immer gelingt.
Und dann geschieht folgendes: Am letzten Sonntag war der Herzenssohn im Kindergottesdienst. Offenbar ging es um den Garten Eden und dessen Früchte, man bestimmte dort Obst und verarbeitete es anschließend zu einem Obstsalat, der gemeinsam verspeist wurde.
Als nun der Gottesdienst vorbei war, kam eine der Betreuenden zu mir und lobte meinen Sohn dafür, dass er so lieb sein, so aufmerksam zuhöre und überhaupt so verständig und hilfsbereit sei.
Es ist nicht das erste Mal, dass Außenstehende dies über ihn sagen – anscheinend ist er woanders immer besonders lieb und zuvorkommend, keine Spur von Wutanfällen oder Trotz.
Das sagte ich dann der Dame auch und sie meinte dann zu mir: „Dann sag auch nichts davon, dass es zu Hause anders ist. Gib ihm die Chance woanders jemand anderer zu sein, ohne dass sie von euren Problemen wissen. Das geht die gar nüscht an, wie es zu Hause ist.“
Das fand ich gut! Nicht uneingeschränkt, denn ich finde, dass wir in dieser Gesellschaft viel zu viele Probleme vor anderen verbergen. Aber im Ansatz, im Grundlegenden durchaus. Es hat mich zum Nachdenken gebracht

Warum hebe ich seine schlechten Seiten hervor? Warum relativiere ich seine positive Seite?

Ist es nicht besser, mich zu freuen, dass er woanders lieb ist und nicht ausrastet. Heißt es nicht, dass ich alles richtig mache, wenn er sich außerhalb seines geschützten Raumes „zu benehmen weiß“? Im Umgang mit anderen Menschen umsichtig und vorsichtig ist? Ihr Befinden und ihre Gefühle achtet, wertschätzt, was sie sagen?
Kann ich nicht eigentlich froh sein, dass er sich bei uns sicher genug fühlt, seine negativen Emotionen unkontrolliert heraus zu lassen, weil er weiß, wir sind da? Dass er sich an uns erprobt, weil er sicher ist, dass ihm bei uns nichts passiert?
Ich werde weiterhin offen sein darüber, dass es negative Seiten gibt am Elterndasein – erst kürzlich wurde mir dafür gedankt, dass ich nicht nur über das rosa Familienglück schreibe, sondern auch mit meiner zeitweiligen Verzweiflung offen umgehe. Ich werde sicher auch weiterhin öfter hier über die Wutanfälle de kleinen Mannes bloggen – irgendein Ventil braucht Frau/Mama ja.
Aber ich werde im persönlichen Umgang mit meinem Sohn uneingeschränkter auf seiner Seite stehen, werde so tun, als wäre es ja wohl bitteschön selbstverständlich, dass er sich gut benimmt, er sei schließlich ein wundervolles Kind.
Ich werde ihm den Rücken frei halten und ihm die Möglichkeit geben, auszuprobieren, was für ein Mann und Mensch er sein möchte

frhoppe 21.02.2016

10.02.2016 Weil’s so schön war – oder: Es geht so selten um sie!

Also eines muss man ja hier wirklich mal festhalten: Ich schreibe nicht wirklich oft über das Herzensmädchen. Das liegt zum einen daran, dass der Lieblingssohn sprachlich einfach mehr Potential bietet – gestern Abend sagte er beispielsweise zu mir: „Mama, keine Angst, du kannst ruhig gehen! Ich versterbe nicht!“
Zum anderen aber liegt es daran, dass ich das Babymädchen noch nicht so recht loslassen möchte in die Welt.

Ich schrieb ja schon, dass wir uns zwar erst annähern mussten, dass unser Verhältnis jetzt aber seeeehr eng ist. So eng, dass sie mich anheult, wenn ich den Raum betrete und sie nicht SOFORT auf den Arm nehme. Und so eng, dass sie in der Regel erst mal in Tränen ausbricht, wenn ich sie jemand anderem auf den Arm gebe.
Das finde ich einerseits sehr schön – man fühlt sich ja sehr gebraucht und geliebt – andererseits kommt sie aber im April in die Kita und bis dahin sollte das besser möglich sein.
Darum aber soll es heute nicht so sehr gehen.
Sondern darum, dass ich statt zu teilen, was die kleine Motte macht, lieber öfter zuschaue bei ihren Fortschritten und die Momente genieße.
Schließlich haben wir in der letzten Woche hart dafür gearbeitet, denn da ist sie jede Nacht wach geworden und hat 1 bis 2 Stunden geschrien wie am Spieß.
Außer das Licht war an!
Dann hat sie mit uns geschäkert.

Wie vermutlich 90% der Eltern haben wir versucht uns mit dem „Das ist nur ein Schub“-Mantra zu beruhigen und hey: Dieses Mal war es anscheinend ausnahmsweise wirklich mal einer.
Tatsächlich kann das Kind nämlich gar nicht so oft schuben, wie es das vermeintlich in den Augen verzweifelt-übernächtigter Eltern tut.
Trotzdem: Symptom eines Schubes ist nebst der eben erwähnten Schreierei und Unleidlichkeit auch der Umstand, dass das Kind etwas neues kann!

In unserem Fall jede Menge.

Das Babymädchen kann ja schon seit einer Weile mit festhalten laufen und auch ganz wunderbar – nein, nein, nein, nein – klettern auf alles, was so ganz und gar nicht sicher ist. Auch Mama, Papa und Da sagt sie schon, sowie während eines einmaligen Ausrutschers „Opa!“. Außerdem beherrscht die das „Gib Fünf!“ und das Winken, wenn man „Hallo, Hallo!“ oder „ByeBye!“ sagt – immer vorausgesetzt ihre Ladyschaft ist in der Stimmung, das Volk zu belustigen.

Seit eins, zwei Tagen ist aber nun ein wahres El Dorado an Kontaktaufnahmen hinzu gekommen.
So plappert sie zum Beispiel in einer Tour vor sich hin.
„Blablabla, brabra, nguuuu, gaa…da …mamamamamamama…Papa! Da!“
So geht das den ganzen Tag. Mit sich selbst, mit dem unheimlich sympathischen Baby im Spiegel, sehr ernsthaft mit ihren diversen Teddys und Puppis und heute auch exzessiv mit ihrem Düdeldingsi.
Wobei ich ernsthaft vermute, dass diese Höllenmaschine sie beleidigt hat, denn diese Konversation klang eindeutig nach einer saftigen Standpauke!
Zudem beginnt sie, Laute nachzuahmen!
Um nur zwei Beispiele zu nennen: Wenn ich ihren Brei auf den Tisch stellen, dann sagt sie „Etten, Etten!“ und heute haben wir das schöne Wörtchen „Nochmal!“ geübt!
„Maaaaaa!!“ krähte sie glücklich, wenn ich sie noch einmal in die Höhe werfen sollte.
Und das hätte ich beinahe noch vergessen: Sie sagt „Ja!“ Also mehr „Chia!“ aber eindeutig im Sinne einer begeisterten Zustimmung.
Überhaupt legt die kleine Krabbelmaschine eine erstaunliche Begeisterung an dem Tag, bei allem, was sie so den lieben langen Tag tut.
Wach werden, Mama sehen, gewickelt werden, spielen, Mama sehen, Essen, krabbeln, hochziehen, Mama sehen, Chaos anrichten, sich in Gefahr bringen, Mama sehen, Nuckel finden, hopsen, fliegen, Mama sehen …. und so weiter.
Besonders süß ist diese Begeisterung, weil sie im Moment gerade klatschen gelernt hat. Voller Elan haut sie ihre beiden Hände aneinander und freut sich über das Gefühl und das Geräusch. Und ihr neuestes Kunststück löst bei uns allen Entzücken aus.

„Wie groß bist du?“ fragt man das Zaubermädchen und je nach Laune – ich erwähnte die Abhängigkeit ihrer Handlungen von der Gunst, die sie zu gewähren bereit ist – reißt sie beide Arme in die Luft und grinst einen Lob heischend an.
„Jaaaaa! Soooo groß bist du mein Mädchen,“ quietsche ich dann brav, worauf sie mit einem begeisterten Hopsen und Klatschen reagiert.

Mein Babymädchen ist so ein tolles kleines Wesen. Ganz lustig und klug und liebenswert bei all dem Chaos, dass sie anrichtet. Man kann nicht anders als zu lachen, wenn sie Blödsinn macht und einen dann ganz stolz-koboldig angrient mit ihren zwei Zähnchen.
Allerdings muss ich nun zum Schluss doch noch mal vom Lieblingssohn schwärmen.
Denn der kam heute nach der Kita mit einem Strauß Blumen nach Hause, die er beim Papa in Auftrag gegeben hat, weil Mama IMMER Blumen haben soll.
Und beim Abendessen unterbrach er urplötzlich sein Essen, schaute mich an und sagte sehr, sehr ernst: „Mama! Ich hab dich sooooo lieb!“ Dann aß er weiter.

Ich habe tolle Kinder.

Frhoppe 10.02.2016

10.02.2016 Fasching mal anders – oder: Die Geschichte vom Tieraufseher!

Das waren vielleicht ein paar tolle Tage. Also nicht, dass wir die ganze Zeit gefeiert hätten – ich war nur sehr ambitioniert, was das Kostüm des Herzenssohnes anging.
Motto in der Kita war: Aufregung im Zauberwald!

Ein tolles Thema!
Haaaach, was schlägt das des Nähens mächtige Mutterherz da höher, ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich.
Aufgeregt und voller Spannung fragte ich das Kind, als was es denn gehen wolle und es antwortet:
„Als Tieraufpasser!“
Völlig nüchtern, ohne auch nur eine Miene zu verziehen!
Alle, die sich jetzt fragen, was zur verdammten Hölle das kruzifix nochmal sein soll, stehen damit nicht allein!
Mir ging es genauso!
Bis mich die Kreativität und der Ergeiz packten!
Ich shoppte, kreierte, überlegte, tüftelte, schnippelte und nähte.
Zunächst einen wunderschönes Pulli in einem hübschen Moosgrün:

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Der Plan war diesen Pulli durch eine Safari-Hose und einen Safari-Hut zu ergänzen und mit einem Umhang aus dem selben Stoff zu vervollkommnen.
Der Umhang sollte dann ein echter Zauberumhang werden, mit bunten, glitzernden Flatterfetzen und Federn und Blättern.
Da saß ich dann nun vor dem riesigen Haufen zerschnittenem Stoff und der Heißklebepistole und dachte mir: „Joah! Quasi fertig!“

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Unzählige Stunden und eine halbe Packung Heißklebestäbchen später war es dann soweit: Das letzte Kostümteil war fertig und ich war der festen Überzeugung: „Wenn mein Sohn Tieraufseher werden will, dann wird er der verdammt geilste Tieraufseher, den die Welt je gesehen hat!“

Und was soll ich sagen? Er wurde es!
Nicht, weil das Kostüm so extrem toll war – das war es natürlich – sondern, weil seine Augen beim Anblick des Umhangs ehrfürchtig aufleuchteten und weil er beim gestrigen Fasching sein Kostüm mit solch einer selbstverständlichen Würde trug, dass ich ihn nur stolz beobachten konnte.
Er machte wirklich allen Tieraufpassern Ehre.

Da haben sich die vielen Studen Bastelei wirklich gelohnt. Und das schönste Kompliment, dass ich dafür bekam, war: „Man sieht die Liebe, die darin steckt!“

frhoppe 10.02.2015