30.04.2015 Nervige Nachbarn? – Nicht mit uns!

Geistesblitze des Tages:

  • „Papa macht mal deine Hände sauber!“
    „Dann esse ich noch ein Schokoei, dann sind die wieder schmutzig.“
  • „Mama! Mama, weißt du, ich gehe jetzt in die Küche und schmeiße das Papier weg, damit das weg ist.“
  • „Ich muss mir noch kalte Hände machen!“ Auch trotz mehrmaliger Nachfrage konnte der Sinn dieser Aussage nicht festgestellt werden.
  • Und ganz ohne Worte clever: Kind spielt per Hand mit einem Auto, welches sich aber – was er nicht weiß – auch fernsteuern lässt. Papa hat die Bedienung und lässt den Sohn ganz nah an das Auto herankommen und fährt dann weg. Das tut er drei vier Mal, dann dreht sich der Sohn um, wirft dem Papa einen prüfenden Blick zu, marschiert zu ihm und fordert die Herausgabe des Bedienelements ein. Tja Papa! Nicht mit deinem Sohn!

Nach diesem Einstieg, den ich in dieser Form nun täglich vorne weg schicke, soll es heute um das meist lästige Übel einer Mietwohnung gehen – die Nachbarn!

Als wir vor etwa eineinhalb Jahren aus unserer alten Wohnung wegziehen mussten – zwei Zimmer reichten einfach nicht mehr – taten wir dies mit einem sehr weinenden Auge. Die Lage war toll, schön zentral, aber ruhig, mit einem schönen grünen, vor allem umzäunten Hinterhof und die Nachbarn waren super. Wir hatten ja schon sieben Jahre dort gewohnt und alle freuten sich, dass das nette, junge Paar Nachwuchs bekommen sollte. Es war ein relativ altes Haus, soll heißen, wir zogen quasi als junge Menschen in eine seit Jahrzehnten eingeschworene Hausgemeinschaft und alle freuten sich, dass endlich ein wenig Leben Einzug halten sollte. Ein weiterer Pluspunkt war der Umstand, dass die liebenswerte Dame über uns schwerhörig, unser direkter Nachbar sehr schlecht zu Fuß und die Nachbarin unter uns fast nie da war. Beschwerden über den Babylärm standen also kaum zu befürchten und wurden auch in dem einen Jahr, das wir mit dem kleinen Mann noch dort wohnten auch nicht an uns heran getragen. Sie alle waren traurig, als sie hörten, dass wir ausziehen! „So nette junge Leute wie Sie kommen hier bestimmt nicht wieder rein,“ sagte man uns und: „Wer weiß, was da nach Ihnen kommt. Mit Ihnen hatten wir ja großes Glück!“ Wir wurden mit großem Bedauern und einer Menge Geschenken für Eltern und Kind verabschiedet und auch jetzt noch telefonieren wir ab und an mit einem der Bewohner.

Die neue Wohnung war also zu Beginn tatsächlich ein notwendiges Übel – allerdings nur ganz zu Beginn. Denn sehr schnell fanden wir heraus, dass sie nicht wesentlich schlechter angebunden ist, dafür aber noch ruhiger und schöner gelegen ist, nämlich direkt an einem Park. Wir schauen aus unserem komplett verglasten Balkon, den man aber auch komplett öffnen kann, direkt ins Grüne und hören Meisen, Amseln und Eichelhäher zwitschern. In der Birke vor unserem Fenster ist ein Vogelnest, von dem wir hoffen, dass es irgendwann bewohnt werden wird, damit die Kinder da mal kleine Vögelchen beobachten können. Wir haben im Schlafzimmer einen französischen Balkon und können vom Bett direkt auf den kleinen Spielplatz im Hof schauen, der zwar nicht umzäunt, aber von zwei Müllplätzen eingegrenzt und auch wunderbar grün ist. Außerdem gibt es Wäscheleinen – im Sommer wirklich ein Traum. Nachdem nun auch noch im Flur ein Einbauschrank vorhanden war – wer die berühmten Q3A-Bauten aus dem ehemaligen Osten noch vor Augen hat, der kennt die Ecke, die ich meine – und eine alte, aber top gepflegte Küche, die wir ohne Kosten übernehmen konnten, hatten wir im Grunde keinerlei Bedenken mehr, dass dies unsere neue Wohnung ist.

Nur eine Sorge blieb: Die Nachbarn!

Die Gefühle, die uns aus dem alten Haus entgegen gebracht wurden, beruhten nämlich auf Gegenseitigkeit. Die waren alle super! Es gab keinen Ärger, keine Beschwerden und wann immer man Hilfe brauchte, war auch jemand da. Man kannte sich – wo ist das heute noch so?
Und würde das im neuen Haus genauso sein? Nach dem, was wir schon mitbekommen hatten, war das Haus hier ähnlich alt und eingeschworen und viele ältere Menschen bergen ja auch immer die Gefahr von Lärmempfindlichkeit. Die Damen hier waren oder sind alle alleinstehend und unsere Vormieterin war fast nie da und damit naturgemäß leise. Kinder sind das nicht und schon gar nicht unser Sohn! Zwar hieß es auch hier von allen Seiten: „Endlich wieder Leben im Haus!“ aber wussten die denn wirklich, was ein Kind im Haus bedeutet?

Nun nach eineinhalb Jahren kann ich sagen: Ja!

Kaum zu glauben, aber wir haben ein zweites Mal riesiges Glück. Unsere Nachbarn sind samt und sonders begeistert vom Nachwuchs. Obwohl unser kleiner Mann wirklich nicht leise ist – heute übte er Riverdance mit meinen Hakenschuhen, was gar nicht mal so schlecht klang 😉 – gab es nicht eine ernst gemeinte Beschwerde. Ganz zu Beginn fragte die Dame unter uns zwaghaft, ob das Kind denn öfter mit Bauklötzern auf dem Boden spielen würde, was ich bejahte. Sie fragte dann, ob man nicht eine Decke unterlegen könnte, winkte aber sofort ab und sagte: „Ach, was rede ich denn, da bleiben die Kleinen ja eh nicht drauf!“ Mittlerweile ist es sogar so weit, dass sie uns nach unserem geburtsbedingten Krankenhausaufenthalt erleichtert im Treppenhaus begrüßte, sie habe sich schon große Sorgen gemacht, weil sie so gar nichts gehört hätte.
Als wir gerade hier eingezogen waren, lag am Geburtstag des kleinen Mannes ein Spielzeug vor der Tür – zufällig, aber mit dem Gedanken, dass es bei der Dame nur herum liegen würde und da wollte sie es lieber dem kleinen Kerl schenken, im Übrigen hätte sie auch noch eine Babywanne im Keller, die recht praktisch sei, weil sie einen Stöpsel hätte und ein Babyphon könnten wir auch gleich noch haben. Und das war nicht das letzte Geschenk. Kein Feiertag wird vergessen, selbst der nette Herr von gegenüber, der gerade 90 geworden ist, hat immer eine Kleinigkeit für unser Käferchen und gerade heute kam die Nachbarin mit der Badewanne extra auf den Hof herunter, um uns eine Packung Kekse zu schenken. Ganz zu schweigen von der großartigen Art und Weise, wie man sich über das kleine Schwesterchen freute – ganz selbstverständlich und mit offenen Armen wurde sie aufgenommen und ebenso ängstlich fragte man uns, ob wir denn jetzt bald wegziehen würden. Was wir nicht tun werden.

Denn wir sind hier angekommen, fühlen uns angenommen. Als es im Haus zu einigen unschöneren Vorfällen kam – Fahrradbeschädigungen, Einbruchsversuche, Müll im Keller – hatte ich Sorge, dass der Verdacht auf uns fallen könnte, schließlich waren wir die neuen in einem eingeschworenen Verband. Darauf angesprochen, lachte die Nachbarin laut auf und versicherte mir eilig, dass nicht einer auch nur eine Sekunde gedacht habe, wir könnten damit etwas zu tun haben, im Gegenteil man habe sich in diesem Rahmen eher darüber ausgetauscht, was für nette junge Leute wir seien und wir niedlich unser Sohn.
Man bittet meinen Mann um Hilfe, informiert uns, wenn er den Keller offen gelassen hat und versichert uns, dass es überhaupt kein Problem sei, wenn der Kinderwagen mal ein wenig länger in unserem recht engen Hausflur stünde – immerhin wisse man noch genau, wie das mit Kind und Einkauf damals so war. Und wenn der kleine Mann wieder einmal im Erdgeschoss geklingelt hat, weil ich nicht schnell genug war, dann sind die beiden unten nicht genervt, sondern lachen über das kesse kleine Wesen.

Nein! Solange es keinen Grund gibt, ziehe ich hier nicht weg! Und ich denke jetzt schon mit Grauen, an die Zeit, wenn das Kinderzimmer zu klein für die zwei Kinder wird. Gott sei Dank ist das noch eine Weile hin.

Frhoppe 30.04.2015