23.04.2015 „Regretting Parenthood“ – warum ich nichts bereue, aber diese Eltern verstehe!

Seit einiger Zeit geht ja der Geist des sogenannten „Regretting motherhood/fatherhood/parenthood“ durch das Internet. Es handelt sich dabei um Eltern, die bereuen Mütter/Väter/Eltern geworden zu sein. Die wenigsten von ihnen bereuen die Existenz ihrer Kinder, im Gegenteil: Sie lieben sie von Herzen! Aber sie hatten sich ihr Leben oder die Elternschaft anders vorgestellt, finden das Elterndasein an sich bescheiden schön, um es diplomatisch auszudrücken.

Ich habe in letzter Zeit einige weniger schöne Reaktionen auf dieses Thema gelesen, Anfeindungen und Unverständnis schlagen diesen Müttern/Vätern/Eltern entgegen. „Wie kann eine Mutter ihr Kind nicht lieben?“ wird pauschal gefragt und dabei Reue über die Elternschaft mit mangelnder Liebe gleichgesetzt! Rabenmutter ist noch der harmloseste Ausdruck und es wird gar nicht versucht zu betrachten, wie es im Einzelnen zu dieser Erkenntnis, zu diesem Gefühl gekommen ist.
Ich denke, das größte Problem ist, dass Eltern heutzutage zu große Ansprüche an sich selbst haben, z.T. von sich selbst aufgestellt, z.T. von den Verwandten aufoktroyiert und zu einem ganz großen Teil von Medien und Gesellschaft verursacht.
Junge Eltern haben perfekt zu sein. Am besten sollen sie rund um die Uhr für das Kind da sein, den Haushalt ganz allein perfekt managen und dabei noch beide Vollzeit arbeiten. Dabei sehen sie natürlich immer wie aus dem Ei gepellt aus. Wenn eines der beiden Elternteile zu Hause bleibt, dann hat es voll in dieser Rolle aufzugehen, für das Hausmann-/Hausfrauen-Dasein und natürlich für die Kinder zu leben, während eigene Interessen ganz weit hinten anstehen. Sehnsüchte nach Beruf oder Erfüllung gibt es nicht! Andersherum wird von berufstätigen Eltern erwartet, dass sie es nach der Arbeit kaum erwarten können, nach Hause zu kommen, um dort endlich wieder die vollgekackte Windel des neugeborenen Glücks wechseln zu dürfen und sich vollkotzen zu lassen. Kurzum: Ein Kind zu bekommen ist pures Glück – quasi ein Regenbogen, der aus dem Hintern eines Einhorns kommt und Glitzer sprüht!

Klar ist es das! Also so vom Grundsatz her!

Aber es ist eben auch, als würde ein Meteorit in dein Leben einschlagen und einen riesigen Krater hinterlassen. Die Geburt an sich ist schon eine umwälzende Erfahrung – für beide Partner! Sie kann schön sein, aber eben auch nicht und nicht immer stellen sich sofort nach der Geburt die Glücks- und Muttergefühle sofort ein. Ein Kind zu bekommen ist für den Körper einer Frau Hochleistungssport und für den Mann – so er denn dabei ist – eine große psychische Belastung, mitunter auch eine körperlich, wenn die Frau – so wie ich – ihren Schmerz über seine Hände abzuleiten versucht. Auf dieses anstrengende Ereignis folgen dann die zwei bis drei Tage, in denen das Kind quasi ununterbrochen trinken muss, damit die Milch gebildet werden kann. An Schlaf ist da nur im Sitzen zu denken. Und auch wenn sich der Trinkrhythmus nach diesen Tagen so langsam einpendelt, tut es der Schlafrhythmus nicht. Die sogenannte Stilldemenz ist kein Mythos – sie liegt begründet in den Hormonen, die der Körper nach der Geburt ausschüttet und vor allem auch im veränderten sprich gestörten Nachtschlaf. Das Kind schreit eben, wenn es Hunger hat und wenn Mama und Papa da gerade in der REM-Phase ihres Schlafes sind, dann haben sie Pech gehabt. Und gerade diese Phase ist es, in der sich die Gehirnzellen erholen können. Dazu kommen dann noch Bauchschmerzen und im Laufe der Jahre schlechte Laune, Zipperlein, Böcke, die Entwicklung eines eigenen Willens und und und und …

Normalerweise gleichen Kinder das aus durch ihre Freude am Leben und die Liebe, die sie einem entgegen bringen. Meine Kinder sind da wirklich tolle Beispiele – Die kleine Maus lächelte mich heute morgen über das ganze Gesicht an, als sie mich erblickte, nachdem sie einmal 6 Stunden und dann noch einmal 5,5 Stunden geschlafen hatte und sie ist gerade mal 5 Wochen alt. Unser Sohn geht nicht ins Bett, bevor er uns nicht beiden einen Gute-Nacht-Kuss gegeben hat und schließt darin seit kurzem seine Schwester mit ein. Er streichelt mir abends beim Singen den Kopf, während er eigentlich schon fast schläft und umarmt uns aus ganzem Herzen und ganz fest. Er ist unheimlich intelligent und clever und hat eine Freude am Leben und am entdecken, die einfach umwerfend ist. Außerdem ist er wirklich witzig: Heute kamen wir nach Hause und er entdeckte, dass sein Wickelzeug noch auf dem Bett lag. „Ich räume das jetzt GANZ SCHNELL weg!“ verkündete er und grinste mich dabei verschmitzt an, denn er hatte das „ganz schnell“ genauso drohend betont, wie ich es immer tue, wenn er etwas „GANZ SCHNELL“ sein lassen soll. Er hat wirklich genau den Tonfall getroffen. Wenn wir Grimassen ziehen, dann lacht er erst herzhaft und sagt dann „Du kleiner Nasenbär“ zu uns oder „Du kleiner Schlingel!“ und ebenfalls heute Abend bestand er darauf, dass er kein Engelbär ist. „Nein Mama, ich bin kein Bär“, sagte er. „Ich bin dein kleiner Engel! Ihr habt mich ganz, ganz, ganz doll lieb!“ – und das ist ein O-Ton!
Wir sind wirklich gesegnet mit unseren Kindern, das ist mir durchaus bewusst und doch ist auch uns das alles manchmal zu viel, die Nerven liegen bloß und man ist froh, wenn die Kinder endlich endlich schlafen. Es gibt Momente, in denen ich den größeren Sohn weder sehen noch hören will – wenn er nämlich wieder einmal sämtliche Grenzen gleichzeitig austestet und das über Stunden mit all den Mitteln, wie jammern, schreien, hauen, treten, Haare ziehen hinwerfen, rumschmeißen, kaputt machen und so weiter – es gibt Augenblicke, in denen ich meine süße kleine Tochter einfach nur noch loswerden will – weil sie nämlich in der Nacht nur höchstens eine Stunde am Stück geschlafen hat und mir seit einer Stunde ins Ohr brüllt oder vielleicht nicht einmal brüllt, sondern einfach nur den ganzen Tag getragen werden wollte.

Und wenn ich dann über „Regretting Parenthood“ lese und nachdenke, dann stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn mein älterer Sohn nur schreien, hauen, schlagen würde und nicht so gut schlafen. Oder wenn unsere Tochter durchgehend schreien würde ohne jegliche Ruhepause. Wenn ich vielleicht mit meinen zwei Kindern alleine wäre ohne jegliche Hilfe und niemals wirklich zur Ruhe kommen könnte. Es gibt solche Kinder. Kinder, die einfach unheimlich anstrengend sind, mit denen jeder Tag ein Kampf ist. Für die man immer da sein muss und immer eine doppelte Portion Aufmerksamkeit braucht. Ich verstehe, dass man diese Kinder zwar von Herzen lieben und sich trotzdem fragen kann, ob es das wert ist!
Ich möchte damit nicht sagen, dass nur Eltern von „anspruchsvollen“ Kindern ihre Elternschaft bereuen oder dass nur sie ein „Recht“ dazu haben bzw. ich das nur in diesem Fall verstehe. Es ist auch immer eine Frage, wie viel man von sich selbst aufzugeben bereit ist und inwieweit das mit dem vereinbar ist, was man tatsächlich aufgeben muss. Wenn ein Kind erst einmal da ist, dann würden die meisten Eltern alles für es tun, aber das muss nicht heißen, dass sie damit glücklich sind. Eine Mutter/ ein Vater mit einem tiefenentspannten, lebensfrohen, intelligenten, durchschlafenden Kind kann trotzdem bereuen, dass sie/er nicht mehr einfach so verreisen kann, dass ihr gesellschaftliches Leben sich verändert oder verringert hat oder oder oder. Eine Frau/ ein Mann kann sich bewusst dafür entschieden haben, zu Hause zu bleiben bei den Kindern und gleichzeitig bereuen, dass sie/er keine Karriere gemacht hat.

Ich für meinen Teil und für mich ganz allein kann und werde es nicht bereuen, Mutter zu sein. Für mich ist das ein tiefgreifender Teil meiner Zukunftswünsche und dessen, was mich glücklich macht. Meine Kinder nach der Geburt in den Arm nehmen zu können, war für mich ganz klischeehaft das schönste Gefühl der Welt und ließ mich tatsächlich alles vergessen, was zuvor geschah. Ich genieße jedes Lächeln, mein Herz blüht auf beim Lachen meines Sohnes, ich platze vor Stolz, wenn er mit seinen nicht einmal zweieinhalb Jahren zweistellige Zahlen von allein erkennt und wenn er Satzkonstruktionen baut, die manch Fünf- oder Sechsjähriger nicht beherrscht. Ich breche in absurde Freude über den Pups meiner kleinen Maus aus, wenn sie vorher so lange dafür gekämpft hat, dass er heraus kommt und ich liebe das entspannte Gesicht, das sie hinterher zur Schau trägt.
Aber ich versuche das alles auch ganz bewusst wahrzunehmen. Wenn meine Tochter lacht, dann ist das immer etwas besonderes. Wenn sie 4, 5 oder 6 Stunden am Stück schläft, dann sage ich mir jedes Mal, was ich für ein Glück ich habe. Ich weiß, wie ungewöhnlich es ist, dass unser Sohn 12 – 14 Stunden pro Nacht schläft, seit er ein Jahr alt ist und mir ist bewusst, welch großes Glück es ist, dass ich beide Kinder völlig problemlos stillen kann bzw. konnte. Wir haben keine Allergien und keine Krankheiten und ich bin dankbar für meinen Mann, der mir sehr viel Arbeit abnimmt und noch mehr Verständnis aufbringt. Und wenn an manchen Tagen doch alles den Bach runter geht, alle gleichzeitig sauer oder genervt oder weinerlich sind und ich sie dann alle zum Mond schicken könnte, dann erinnere ich mich bewusst daran, dass das normal ist! Und okay!

Ich glaube, dass größte Problem in unserer Gesellschaft ist, dass alle denken, Kinder zu haben macht einen IMMER und UNABDINGBAR glücklich! Und wenn man nicht permanent vor Glück strahlt, dann stimmt etwas nicht – entweder mit einem selbst oder mit den Kindern. Wenn wir alle ein bisschen offener damit umgehen würden, dass nicht immer alles gut ist, wenn aber vor allem Mütter/Väter/Eltern, die über die negativen Seiten und Gefühle des Elterndasein sprechen, nicht immer sofort verteufelt würden à la „Wie kannst du nur…?“, dann würde nicht eine solch hohe Erwartungshaltung an sich selbst und an Eltern überhaupt entstehen.
Eltern sind Menschen! Eltern dürfen sich schlecht fühlen, überfordert sein, raus wollen aus alledem! Und ja Eltern dürfen bereuen, dass sie Eltern geworden sind! Schließlich kann man nicht wissen, was das richtige für einen ist, bevor man es nicht probiert hat! Und mit Kindern ist es nun einmal so, dass man sie nicht zurück geben kann, falls es doch nicht das richtige ist! Man wird ins kalte Wasser geschmissen und muss schwimmen ohne je eine Schwimmstunde gehabt zu haben. Und nur weil ich das Schwimmen nicht mag, kann ich trotzdem das Wasser lieben, nicht wahr?

Frhoppe 23.04.2015

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21.04.2015 Aus eins mach zwei – Teil drei

Und nun – zum Abschluss der Auftakt-Trilogie, denn heutzutage hat ja alles drei Teile – präsentiere ich den geneigten Lesern noch einige liebenswerte und manchmal auch witzige Anekdoten aus dem Leben des großen Bruders:

23.03.2015: Der Tag des Einzuges. Die klugen Eltern sorgen vor und bringen dem großen Sohn im Namen seiner kleinen Schwester Geschenke mit: Zwei Bücher – eines mit Widmung der Schwester – und ein Holzpuzzle. Es handelt sich hier ganz klar und auch ganz offensichtlich um den Versuch der Bestechung.
Aber es wirkt:
Während das größere Kind mit der Mama und dem neuen Puzzle spielt, beginnt das kleinere Kind zu schreien. Mama überlegt kurz und entscheidet, dass das kleinere Kind einen Moment warten kann, da sagt das größere Kind:
„Die Schwester schreit!“
„Ja, aber wir puzzeln das erst noch zu Ende“, antwortet die Mama, was beim größeren Kind ein besorgtes Stirnrunzeln auslöst!
„Oder soll ich die Schwester erst füttern“, fragt die Mama!
Das größere Kind nickt erleichtert und antwortet mit einem erleichterten Ja!
In den folgenden Tagen kommt es zu mehreren hitzigen Diskussionen darüber, ob kleine Jungs Mamas Titties auspacken dürfen, wenn die kleine Schwester Hunger hat. Das größere Kind sieht sich durchaus im Recht, ergibt sich aber schließlich Mamas Hinweis, dass ihre Titties ihr gehören und sie entscheidet, wann die ausgepackt werden, schließlich wolle der kleine Mann ja auch nicht, dass man ihm auf offener Straße die Hose herunter zieht!

27.03.2015: Anlässlich des ersten Freitags zu dritt wurde das größere Kind heute früher und vor allem von beiden Eltern abgeholt. Während das Kind noch dringend zu Ende spielen musste, stand man mit dem Erzieher zusammen, der den Eltern berichtete, dass der Sohn sehr wohl von seiner kleinen Schwester spricht.
„Die kann ja noch nichts!“ verkündete er auf die Frage nach seiner kleinen Schwester. „Nur schlafen, pupsen, essen und weinen!“
Recht hat er und die Situation erstaunlich treffend zusammen gefasst.
07.04.2015: Morgens beim Eintreffen in der Kita trafen wir auf ein andere Mama, welche unseren Nachwuchs noch nicht gesehen hatte und natürlich sofort einen Blick in die Babyschale warf.
„Na du bist ja eine ganz Süße“, rief sie entzückt aus.
Und wurde vom größeren Kind direkt zurecht gewiesen:
„Das ist meine Schwester!!!“

15.04.2015: Mama und Sohn sind mit der kleinen Schwester allein zu Hause, der Papa ist terminbedingt schon frühmorgens außerhäusig, was bedeutet, dass die morgendliche Versorgung beider Kinder bei Mama liegt. Bislang klappt auch alles ganz gut, dann plötzlich entdeckt das größere Kind den Hasen, der mittels Klettvorrichtung am Gitter des Babybays befestigt ist und definitiv der kleinen Schwester gehört.
„Ich will den haben“, verkündet er.
„Nein, der gehört deiner Schwester“, sagt Mama fürchtend, dass dies einen Trotzanfall zur Folge hat, aber dennoch bestimmt, denn auch das muss der kleine Mann lernen. Als er tatsächlich ein wenig verstimmt schaut, fügt Mama erklärend hinzu:
„Weißt du, die kleine Schwester hat nur den einen Hasen und du hast so viele Kuscheltiere in deinem Bett. Oder du gibst ihr eines von deinen!“
Das größere Kind überlegt einen Moment, entfernt dann den Hasen vom Gitter und wackelt damit in sein Zimmer, von wo es mit seinem geliebten Pinguin aus dem Berliner Tierpark wiederkommt.
„Weißt du Mama! Ich gebe der kleinen Schwester den Pinguin, weil ich den ganz doll lieb habe“, sagte er und bestand darauf, dass ich das Tier auf den Wickeltisch zu seiner Schwester setze.
Nicht nötig zu erwähnen, dass mein Mutterherz dahinschmolz vor Liebe. Ich versicherte dem kleinen Käfer dann aber, dass er mir nur Bescheid sagen muss, wenn er den Pinguin wieder haben will und dann tauschen wir zurück. Das war schon fünf Minuten später der Fall, aber der kleine Mann befestigte dann auch ganz brav den Hasen wieder am Babybett.

Dies sind nur vier Wort-Beispiele aus unserem Alltag in den letzten Wochen, aber sicherlich wird es ganz bald noch viel mehr geben. So fordert der kleine Mann schon ganz offensiv, man solle die kleine Schwester in Ruhe lassen. „Nein! Lass die K. In Ruhe!“ rief er kürzlich seiner Oma zu, weil die Kleine auf deren Arm weinte und er dachte, sie weint wegen Oma. Wir haben das zwar richtig gestellt, aber stolz waren wir alle ein bisschen, dass er seine kleine Schwester sogar gegen Oma verteidigt, wenn er das für nötig hält.
Natürlich ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Der kleine Käfer hat ganz schön an der neuen Situation zu knabbern, er bockt sehr viel, testet sämtliche Grenzen ganz neu aus und ist unheimlich anhänglich geworden. Erst am Wochenende entdeckten wir, dass er unheimliche Angst vor weiteren Veränderungen hat, denn als wir unsere Klappstühle anlässlich einer Feier vom Balkon in den Garten schaffen wollten, fing er furchtbar an zu weinen und beharrte darauf, dass die da nicht weg dürfen. Auch in der Kita weint er wohl öfters nach seinem Papa, was uns sehr zu schaffen macht, aber auch nicht wirklich zu ändern ist, denn eigentlich ist er in der Kita unheimlich glücklich und will da auch unbedingt hin. Das wollen wir ihm auch auf keinen Fall nehmen, zumal er auch noch nie von sich aus zu Hause bleiben wollte. Wir versuchen das aufzufangen, indem wir sehr viel mit ihm Kuscheln und versuchen möglichst nicht die Geduld zu verlieren, wenn er auf deutsch gesagt, völlig am Rad dreht. Ich habe ihm z.B. erlaubt, jederzeit kuscheln zu kommen, wenn er möchte, auch wenn ich gerade stille. Das ist zwar ein wenig unruhiger, aber die kleine Maus fühlt sich dadurch nicht gestört und ich möchte ihm nicht das Gefühl geben, dass er hinten an steht. Wir versuchen, ihm nicht das Gefühl zu geben, dass er Dinge nicht mehr darf, weil jetzt seine Schwester da ist. Wenn er also auf dem Bett tobt, dann schirmen wir die kleine Maus unauffällig ab, anstatt zu sagen: „Du darfst nicht so doll toben, deine Schwester liegt hier!“ Und ihn zum Leise sein aufrufen, lassen wir ganz sein, es sei dem, er ist wirklich zu laut, aber selbst dann sagen wir ihm nur, dass es Mama und Papa zu laut ist. Seine kleine Schwester bleibt dabei ganz außen vor. Natürlich muss er achtsam sein: Wenn er zu doll tobt oder zu grob ist – zweimal hat er seiner Schwester schon mehr oder weniger eine gewischt, aber das war ganz am Anfang – dann sagen wir ihm auch, dass er auf seine kleine Schwester aufpassen muss. Allerdings versuchen wir das in einem vernünftigen Rahmen zu halten. Und wenn die kleine dann eben einmal öfter wach ist, dann muss sie da auch durch – schließlich nimmt sie auch keine Rücksicht darauf, dass ihr großer Bruder nachts schläft, selbst wenn den nicht mal eine Marschkapelle neben seinem Bett wecken könnte.
Und es wirkt: Denn bisher lässt der kleine Mann bis auf die zwei Ausnahmen seinen Frust über die Situation an uns aus – und nur an uns. Mit seiner kleinen Schwester geht er unheimlich liebevoll um, streichelt sie sehr viel und bekommt einen ganz lieben Tonfall, wenn er mit ihr spricht. Wenn sie weint, ist er besorgt und verunsichert und bringt ihr den Nuckel, bevor er mich – leider immer noch – ab und an versucht auszuziehen. Und langsam, ganz langsam beginnt für uns eine Art Alltag, in dem wir hoffentlich beiden Kindern gerecht werden.

Frhoppe 21.04.2015