06.02.2016 Trauer

Trauer ist ein großes Wort,
denn Trauer heißt: Ein Mensch ist fort!
Niemals kann ich ihn mehr sehen,
niemals ich mehr zu ihm gehen.
Niemals seiner Stimme lauschen
oder liebe Worte tauschen.

Trauer ist Verlassensein,
Trauer ist: Ich bin allein!
Trauer ist sehr schwer zu tragen,
vor allem in den ersten Tagen.

Zeit verrennt und Zeit vergeht,
weil die Welt sich weiterdreht.
Schmerz vergeht und Wunden heilen,
weil wir stetig weiter eilen.

Und es kommt einmal der Tag
an dem man nicht mehr weinen mag,
an dem man merkt, da ist noch einer,
denn ganz allein, das ist doch keiner.

Trauer ist ein großes Wort,
denn Trauer heißt: Ein Mensch ist fort!
Immer ist sie doch auch Streben,
nach der Zukunft, nach dem Leben,
denn wir lernen durch die Trauer,
im Leben ist nur eins von Dauer.

Liebe und Erinnerung,
geben uns nun neuen Schwung,
denn da wo die Liebe bleibt,
bleibt auch der Mensch in Ewigkeit!

Wir haben heute meinen Onkel beerdigt! Einen geliebten, sturen, schelmischen, wundervollen Menschen!
Er wird für immer in unseren Herzen bleiben!

Was wir bergen in den Särgen ist das Erdenkleid, was wir lieben, ist geblieben, bleibt in Ewigkeit.
– J.W. von Goethe –

06.02.2016 frhoppe

25.01.2016 Es arbeitet in ihm – mein armer kleiner Mann!

Heute morgen kam mein kleiner Mann freudestrahlend zu mir kuscheln. Er war wirklich äußerst anschmiegsam und lieb und darum überraschte es mich doch etwas, als er plötzlich ganz verträumt sagte: „Ich mache jetzt deinen Kopf ab!“ Begleitet von Sägebewegungen an meinem Hals.

Ich erklärte ihm daraufhin, dass ich das nicht ganz so optimal finden würde und dass ich meinen Kopf doch bräuchte.
Doch, er müsste den jetzt abschneiden.
Ich brachte vorsichtig zu bedenken, dass ich ohne Kopf nicht leben könne.
„Dann gehst du zu einen Kopfdoktor und der macht ihn wieder ran. Dann bist du nicht mehr verstorben.“
Oha! So ähnlich hatten wir das ja vor einigen Tagen schon gehört. Da hatte ich das einfach so stehen lassen, aber nun wurde doch offenbar, dass der kleine Mann mitnichten den Zusammenhang zwischen verstorben und tot hergestellt hatte.
Ganz behutsam erklärte ich ihm, dass Menschen, wenn sie verstorben sind, nicht mehr zurück kommen, sondern in den Himmel gehen und da auf uns warten – zur Erinnerung: wir haben einen christlichen Hintergrund, das Konzept Himmel kennt der Lieblingssohn also.
„Aber ich will das nicht!“ merkte der kleine Mann an.
„Ich will das auch nicht, Häschen, aber so etwas passiert nun einmal. Manchmal werden Menschen schlimm krank und dann sterben sie.“
„Ich bin krank!“ Das klang sehr besorgt.
„Ja! Aber nicht so krank! DU hast Medikamente bekommen und jetzt geht es dir besser. Du stirbst nicht!“
„Keiner soll sterben!“
„Das hätte ich auch gerne, mein Süßer, aber das geht leider nicht. Wir können nur beten, dass unsere Lieben und unsere Freunde gesund bleiben.“
„Onkel L. war mein Freund,“ sagte der Lieblingssohn ganz leise mit ganz großen, traurigen Augen.
Dann war Stille!
Und dann – dann kuschelte sich mein Sohn ganz eng an.
„Mama! Du darfst nicht versterben.“ Und bevor ich antworten konnte, an dem Kloß vorbei, seufzte er tief. „Außer du bist ganz alt – dann könntest du versterben.“

Puh! Was für ein Start in den Tag sag ich euch!

Frhoppe 25.01.2016

22.01.2016 Die gehen in ein Reparierhaus…

Vor einigen Tagen erhielten wir eine Nachricht, die uns alle einigermaßen fassungslos zurücklässt, weil wir damit einfach nicht gerechnet haben.
Ein naher Verwandter ist überraschend verstorben – er war zwar im Krankenhaus und es war auch ernst, aber eigentlich schien er Fortschritte zu machen und dann kam plötzlich diese Nachricht.
In erster Linie gelten meine Gedanken natürlich seiner Frau und seinen beiden Töchtern, meiner Mama, die im letzten Jahr nach all den Jahren noch eine ganz besondere Bindung zu ihrem Bruder aufbauen konnte. Ich denke an meine Cousine, die seit Oktober in Südamerika ist und ich frage mich, ob sie sich genug verabschieden konnte. Natürlich hat sie sich im Voraus darüber Gedanken gemacht, dass so etwas passieren könnte, aber wirklich damit gerechnet?
Ich bin sehr still gewesen in den letzten Tagen, habe viel darüber nachgedacht, wie viel Zeit wir im Leben verschwenden, weil wir denken, wir haben noch genug davon. Ich denke an den Enkel, der seinen Opa nur so kurz hat kennen dürfen und an die Enkel, die ihn nicht mehr kennenlernen.

Und ich denke auch an meinen Sohn, denn von allen seinen vielen Großonkels mochte er diesen am liebsten.
Es kam darum auch gar nicht in Frage, dass ich dem kleinen Mann diesen Verlust verschweige, nur wusste ich beim besten Willen nicht, wie ich es ihm sagen soll.
Für ihn – und auch für mich – ist es der erste Verlust mit dem wir umgehen müssen und gerade bei Kindern ist es wichtig, wie mit dem Thema umgegangen wird, vor allem, weil meine Kinder nicht in der glücklichen Position werden sein, erst mit 30 mit dem Verlust naher Verwandter konfrontiert zu sein.
Ich beschloss mich langsam heran zu tasten. Ohne den kleinen Mann jetzt schon informieren zu wollen, fragte ich ihn an jenem Tag auf der Rückfahrt von der Kita: „ Kannst du dich noch erinnern, wie du den Onkel besuchen warst in seinem Haus?“
„Ja!“ Es herrschte einen Moment lang Ruhe. Und dann geschah etwas Unheimliches. „Der Onkel ist verstorben,“ sagte mein Sohn ganz leise.
Ich weiß, nicht woher er das wusste. Vielleicht hat es an meiner Stimme gehört, vielleicht hat er eine unfassbare Intuition, aber was auch immer es war, ich war sprachlos. Ich hatte es ihm ja noch gar nicht sagen wollen, ich wollte nur mal das Terrain auskundschaften, um mir zu überlegen, wie ich es ihm am besten sage, aber so war ich völlig überrumpelt.
„Ja,“ antwortete ich eben so leise. „Der Onkel ist gestern verstorben.“
Und dann war Ruhe im Auto, so als würden wir beide das erst einmal sacken lassen.
Erst zu Hause kam er wieder darauf zu sprechen.
„Der Onkel ist verstorben,“ sagte er mitten im Spielen zu mir. Ich setzte mich zu ihm, nahm ihn auf den Schoß und versuchte ihm zu erklären, dass der Onkel krank gewesen sei und auch lange im Krankenhaus war.
Da sah der kleine Mann mich fragend an und sagte: „Ich bin auch krank!“
Ganz ruhig sagte er das und doch machte es mir bewusst, wie sehr man auf seine Worte achten muss, denn es stimmte, der kleine Mann hatte ja gerade erst Medizin schlucken müssen und hustete auch immer noch.
Ich glaube, mehr um mich zu beruhigen, hielt ich meinen Sohn einige Momente lang sehr fest. Dann erklärte ich ihm, dass sein Onkel anders krank gewesen sei und dass man keine richtige Medizin für ihn gefunden hatte und ich konnte sehen, dass diese Erklärung für den klugen kleinen Kerl okay war.
Dann fragte ich ihn, was er denn glaube, wo die Menschen hingehen, wenn sie verstorben sind.
„Die gehen in ein Reparierhaus und da kommt ein Mann und repariert sie, dann sind sie nicht mehr verstorben,“ antwortete er sehr sicher.
Und für mich, die ich einen christlichen Hintergrund habe, ist das wohl eine der schönsten Interpretationen von Auferstehung! Ich möchte genau daran glauben, dass egal wie kaputt ich aus dem Leben scheide, körperlich wie seelisch, ich dort oben angenommen werde und meinen Platz an der Seite meiner Lieben einnehme.
Ich berührt mich sehr, dass mein kleiner 3-jähriger Sohn in der Lage ist, das so klar auszudrücken, denn im Grunde hat er Recht, selbst wenn man nicht an die Auferstehung glaubt. Da, wo wir den Verstorbenen gedenken, da wo sie ihren Platz in unserem Herzen und in unserer Erinnerung haben, da sind sie niemals wirklich fort.

Mein Onkel war ein toller Mensch! Ein Mensch mit Problemen, wie jeder andere Mensch auch, aber nichts desto weniger ein fantastischer Mensch, der für seine Lieben immer parat stand.
Der für seinen Enkel lebte und gesund sein wollte und es am Ende nicht geschafft hat!
Er wird mir fehlen!
Und nicht nur mir!

Frhoppe 22.01.2016