15.06.2016 Weil es so ist!

Dieser Satz fällt bei uns in letzter Zeit häufig, denn der kleine Mann fragt nicht „Warum?“ sondern „Wieso?“ und auf „Wieso?“ kann ich nicht mit „Dieso!“ antworten.
Wobei ich auch das mitunter tue!

Der kleine Mann ist mittlerweile 3 Jahre und 7 Monate alt und er ist wahrhaftig ein kleines Sprachgenie! Das die Sprache wirklich sein Steckenpferd ist, war uns schon länger klar, denn immerhin verkündete er mit gerade einmal 17 Monaten „Kimmi unter Spüle steckt!“ beim Anblick der sich unter der Spüle versteckenden Katze. Auch vermuteten wir, dass er wohl ein bisschen weiter ist, als andere Kinder in seinem Alter, vor allem, weil er nicht selten komplizierte, grammatikalisch richtige Schachtelsätze in verschiedenen Zeitformen von sich gibt, die ihresgleichen suchen. Selbst den Konjunktiv beherrscht er weitestgehend fehlerfrei.
Allerdings ordneten wir das ganze doch eher noch im normalen Bereich ein – der eine spricht halt mehr, der andere eben weniger.

Kürzlich hatten wir jedoch ein Gespräch mit der Erzieherin des kleinen Mannes, in dessen Verlauf sich herausstellte, dass es gar nicht so üblich ist, was der kleine Mann da fabriziert.*¹
Ganz im Gegenteil.

Sprachlich und kognitiv befindet er sich auf dem Level eines 5 bis 6jährigen. Er kann Farben weit über die Grundfarben hinaus benennen, kennt bereits einzelne Buchstaben und zählt – meist fehlerfrei, nur die 11 liegt ihm nicht so – bis dreizehn. Er weiß, wo er wohnt und die Nachnamen der meisten Nachbarn. Er erkennt die winzigste Veränderung in unserer Wohnung und an uns und er weiß ganz genau, wie sämtliche Kindersicherungen im Haus aufgehen, inklusive des Sicherheitsschlosses an der Haustür. Und das alles eigentlich bereits seit etwa einem Jahr.*²

Und sein Sprachschatz – Puh!
Der war bereits mit zwei Jahren so umfangreich, dass die Kita gar nicht wusste, wie sie ein Sprachlerntagebuch anlegen sollte.
Er benutzt Wörter wie „Majestätisch“ und „theoretisch!“ und beginnt Sätze mit „Weißt du Mama? Ich habe mir überlegt … !“, „Würdest du bitte,“ oder „Reichst du mir mal…!“.
Ich könnte noch seitenlang darüber verbringen, aufzuzählen, was er alles von sich gibt und würde zu keinem Ende kommen, darum höre ich an dieser Stelle auf.*³

Mit der Sprachkompetenz geht auch ein unheimliches Verständnis für Zusammenhänge einher.
„Wenn ihr mal alt seid und nicht mehr essen könnt, dann füttere ich euch und ich wickel euch auch, wenn ihr eingekackt habt und ich mache Kindersitze für euch in mein Auto und fahre euch überall hin!“ Diesen Satz hat er genauso gesagt – ich spinne mir das nicht zusammen. Tatsächlich spuckte ich selbst fast mein Frühstücksei über den Tisch!
Kürzlich fragte er mich, ob man mir im Krankenhaus den Bauch aufgeschnitten hat, um seine kleine Schwester rauszuholen. Hat man nicht und wir haben auch nie etwas in der Richtung gesagt, er hat sich wohl einfach gewundert, wie seine Schwester eigentlich aus meinem Bauch herausgekommen ist.
Und gerade letzte Woche, als er mit seiner Oma in den Urlaub flog, schaute er gespannt dem Sicherheitsballett zu und sagte dann seelenruhig zu meiner Mama „Oma! Du hast deine Tasche unter meinen Sitz gepackt, die muss aber vorne unter den Sitz!“
Das sind nur drei Beispiele – drei ganz kleine von ganz vielen solcher Momente, die aber eindrucksvoll zeigen, was sich in seinem kleinen Kopf abspielt.

Dass dies mitunter ein Problem für ihn sein kann, habe ich instinktiv schon vermutet und im Gespräch mit der Erzieherin wurde es uns dann bestätigt.
Ja, er ist sprachlich und kognitiv auf dem Level eines 5 bis 6jährigen.
Emotional ist er aber eben erst 3

Und das bedeutet im Umkehrschluss, dass er all die Dinge, die er im Kopf schon versteht, emotional noch gar nicht verarbeiten kann. Diese Diskrepanz zwischen Vernunft und Gefühl ist manchmal – durchaus täglich – einfach zu viel für ihn.
Vor allem wenn es um die Verteilung meiner Aufmerksamkeit zwischen den beiden Kindern geht. Ich versuche wirklich mein bestes, mich beiden Kindern zu widmen und es wird immer besser, je älter das Herzensmädchen wird, aber natürlich gibt es Situationen, in denen ich mich vorrangig um sie kümmern muss.
Und der kleine Mann versteht das, versteht, dass seine Schwester noch klein ist und die voll gekackte Windel nicht warten kann, bis sein Tierpark fertig gebaut ist. Aber er kann nichts dagegen tun, dass er das ungerecht findet – zu Recht!
Dann brennen seine Sicherungen durch, er wird laut, er schlägt um sich, ist hilflos, kann sich nicht mehr anders ausdrücken als so.
Wir versuchen dann ruhig zu bleiben, beruhigend auf ihn einzuwirken, ihm Halt zu geben, doch auch wir sind nur Menschen und unsere Nerven nicht immer die besten. Selbstverständlich würden wir ihn NIEMALS schlagen. Niemals, niemals, niemals!!!

Aber manchmal werden wir laut, ungeduldig und auch ungerecht mit ihm.
Und gleichzeitig tut er mir so leid, denn ich verstehe ihn!
Es ist für uns alle eine schwierige Situation, denn manchmal sind wir abends wirklich am Ende unserer Kräfte. Ich bin verzweifelt und frage mich, ob das jemals besser wird, ob ich etwas besser machen könnte.

Einiges haben wir schon verändert. So kümmere ich mich z.B. erst abends um den Haushalt zusammen mit dem Herzensmann dann, damit ich wirklich bei den Kindern sein kann. Und einmal die Woche versucht meine Schwiegermama das Herzensmädchen von der Kita abzuholen, damit ich Zeit nur mit dem kleinen Mann zusammen habe.
Denn nicht nur er vermisst mich, auch ich vermisse die Zeit ganz allein mit meinem Sohn! Diese Zweisamkeit, dieses Gefühl „Wir gegen alle!“

Er ist so ein wunderbarer kleiner Mensch.
So klug und witzig, so neugierig und interessiert. Liebevoll und aufmerksam, immer darauf bedacht, dass es uns gut geht. Er teilt seine Süßigkeiten mit armen Kindern , die nichts haben und verbringt minutenlang Zeit damit, mit seiner Schwester zu kuscheln, wenn er sie länger nicht gesehen hat. Er ist zärtlich und rücksichtsvoll, hilfsbereit und achtsam.
Und er liebt und braucht mich so sehr – so sehr, wie ich ihn brauche!
Und jetzt, wo ich es schreibe, stehen mir wieder die Tränen in den Augen vor Glück über meinen wundervollen Jungen.

Ja! Es ist mitunter schwierig, eine Herausforderung oft – aber es ist es wert!
Alles!
Und immer!
Weil es so ist!

*¹ festgemacht hat sie es neben sehr vielen anderen Dingen an einem bestimmten Verhalten des kleinen Kerlchens. Seit einigen Wochen macht er nämlich gerne einfach „Bähbähbäh Bäh Bäh!“ wenn man ihm etwas erklären möchte oder ihn um etwas bittet.
Laut Erzieherin ist dies ein Verhalten, dass Dreijährige sich nur von älteren Geschwistern (hat er nicht) oder in der Kita (da gibt es das aber auch gerade nicht) abschauen könnten. Er muss es also ganz allein entwickelt haben und das tun Kinder üblicherweise erst mit fünf bis sechs Jahren.

*² Im Übrigen ohne, dass wir es speziell gefördert hätten. Alles was ich immer getan habe, war mit ihm zu reden, viel zu reden, alles zu kommentieren und vorzulesen, selbst, als er noch ganz klein war. Und gesungen habe ich, weil ich ohnehin sehr viel und gerne singe. Singen ist schließlich das Atmen der Seele.

*³ Ihr könnt aber gerne hier noch genauer nachlesen

30.07.2015 Warum?

Wir sind angekommen. In der von allen Eltern so gefürchteten Warum-Phase. Diese furchtbare Zeitspanne, in der Kinder wirklich bei allem fragen: „Warum?“ Einerseits sah ich dieser Phase relativ gelassen entgegen, hatte ich doch vor einigen Jahren einen Beitrag zu diesem Thema gehört, in dem eine Kinderpsychologin sagte: „Ab und an mal ein gepflegtes DARUM! dürfen sich Eltern erlaube, ohne dass die kindliche Neugierde für immer zerstört wird!“ Andererseits kenne ich ja meinen Sohn und seine bisherige Sprachentwicklung ließ vermuten, dass er es nicht auf einem einfachen Warum beruhen lassen würde.

Und was soll ich sagen?
Wir lasen in einem Märchenbuch. Dort herinnen wurden ein Junge und ein Mädchen dargestellt, Hänsel und Gretel nämlich, und während Hänsel Schuhe trug, stellten wir fest, dass dem Mädel ebenjene fehlten! Nun fragte der Sohn nicht etwa altersentsprechend „Warum!“ sondern „Warum hat das Mädchen keine Schuhe an und wo sind ihre Schuhe eigentlich?“
Ich gebe zu, dass ich nicht mehr oft überrascht bin, wenn unser Sohn wieder eine seiner Weisheiten loslässt. Ich erfreue mich an seiner Wortgewandtheit und bin stolz, dass er so vieles schon so detailliert ausdrücken kann, aber ich falle nicht mehr jedes Mal aus allen Wolken. Aber gestern war es wieder einmal so weit. Ich meine, ohne jedes Zögern solch einen Satz von sich zu geben, der von einer Wissbegierde und einer Fähigkeit zu schlussfolgern zeigt, die man in diesem Alter einfach nicht erwartet – da darf man wirklich mal wieder von schwärmen.
Vor allem, weil ich nicht immer einfach nur begeistert bin. Diese Fähigkeit unseres kleinen Mannes bereitet mir mitunter auch Sorgen, denn Menschen neigen dazu, anhand der Sprache zu beurteilen, was ein Kind alles schon können muss. Das führt dazu, dass unser kleines Kerlchen oft überschätzt wird. Er soll am besten alles so gut können, wie sprechen. Und dabei hat er gerade im motorischen Bereich noch Aufholbedarf, denn er ist – mal ein bisschen gemein gesagt – manchmal ein echter kleiner Körperklaus. Wenn er rennt, dann läuft er zum Beispiel nicht schneller, sondern zieht seine Arme an und bewegt sie euphorisch nach rechts und links. Und er kann nicht hüpfen. Es sieht unheimlich niedlich aus, wie er versucht zu hüpfen, aber sich wirklich vom Boden lösen, das hat er einfach noch nicht raus. Das alles ist nicht schlimm und er ist auch noch nicht hinterher damit, er ist nur eben in diesen Dingen altersgerecht und das wird nicht immer gewürdigt. Natürlich muss man da ein Auge drauf haben, aber man sollte es eben auch nicht überbewerten.
Und vor allem nicht vergleichen mit anderen Kindern. Erst recht nicht mit seiner Schwester. Denn die kann sich mit ihren vier Monaten nicht nur schon auf den Bauch drehen, sondern versuchte sich heute allen Ernstes im Krabbeln, wobei sie sich gar nicht so schlecht anstellte. Beide Knie hatte sie schon unter den Bauch gezogen und streckte den Hintern fröhlich in die Höhe.

Frhoppe 30.07.2015

16.05.2015 Der kleine Tyrann – oder: Nicht in diesem Ton!

Zunächst eine kleine Begebenheit zur allgemeinen Erheiterung (Achtung Windelinhalt – wer dazu nix lesen will, bitte zum nächsten Absatz springen 😉 ) :

Ich wickelte heute meine kleine, süße, possierliche Tochter! Ein Mädchen, so süß und lieblich – sollte man meinen! Das sie rülpst wie ein Bauarbeiter hatte ich ja schon erwähnt, heute jedoch übertraf sie sich beim Wickeln selbst.
Ich öffnete die Windel und maß ihre Temperatur – sie war mir ein wenig warm vorgekommen – und was ich sonst nur zu oft vergeblich anwende, um ihr bei Bauchschmerzen weiterzuhelfen, hatte heute durchschlagenden Erfolg. Ein gewaltiger Pups brach sich Bahn … und mit ihm ein Schwall, der sich über Thermometer, Windel und auf mein T-Shirt ergoss, weil ich ja aufgund des Fiebermessens die Windel unten hatte. Ich säuberte das Kind, entfernte die schmutzige Windel und … das kleine süße Mädchen pupste erneut mit Schwung und Schwall auf das unterliegende Taschentuch. Ich legte eine neue Windel unter. Zack! Reingemacht. Windel entfernt – jetzt muss ja mal fertig sein. Rumms, noch ein Schwall auf das Sicherheitswickelunterlagenviertel – wir legen auf die große Unterlage immer noch ein zerschnittenes Viertel, dann muss man nicht immer gleich die ganze Unterlage wegschmeissen. Ich entfernte selbige und legte eine Windel unter und … jipppiiieee! Immer rein damit. In dem festen Glauben, dass das Kind nun leer sei, entfernte ich die Windel, wollte mich aber mit der neuen trotzdem beeilen. Ich war nicht schnell genug. ZackBumm. Auch die große Unterlage war dahin. Resigniert legte ich erstmal zwei drei Taschentücher auf die Bescherung, um das Kind zu wickeln, doch bevor ich dazu kam, kackte die Tochter auch auf die Taschentücher. Auch diese Tat bedeckte ich zunächst mit Tüchern und tatsächlich blieben die auch von weiteren Darmentleerungen verschont. Auf einmal schaute die Maus aber ganz entspannt drein … und tatsächlich: Sie pinkelte einen riesigen See auf den Taschentuchberg, um die Sache so richtig schwierig zu machen. Das war der Moment, in dem ich zu lachen anfing.

Nun aber zum eigentlichen Thema 😉 :
Dass unser kleiner Mann gut sprechen kann, ist nun einigermaßen bekannt. Was der für Satzkonstruktionen bildet, da schlackern einem die Ohren, sage ich euch.

  • „Mama, ich ziehe dir einen Schlüppi an, dann kannst du aufstehen und pullerst nicht auf den Boden!“

Bekam ich zu hören. Ernsthaft! Vor drei Tagen von meinem zweieinhalbjährigen Sohn. Mal vom etwas absurden Inhalt abgesehen – ich schwöre ich bin noch nicht inkontinent – finde ich diese absolut korrekte Grammatik und die Verwendung einer Vielzahl von Verben und dem Wörtchen dann schon sehr beeindruckend.

  • „Weißt du Papa! Wir fahren mit dem Polizeiauto. Ich sitze mit dir vorne und Mama sitzt hinter dir!
    Dann hält sie mich fest, damit ich nicht raus falle!“

Ist ein weiteres Beispiel für relativ alltägliche Äußerungen unserer kleine Quatschtasche!
Mit dieser Sprachbegabung geht nun allerdings auch ein recht hohes Diskussionsbedürfnis einher. So hebt beispielsweise das Kind nicht einfach etwas auf – das er nebenbei gesagt, absichtlich auf den Boden geworfen hat:

  • „Sohn! Heb das bitte sofort wieder auf!“
    „NEIN!!! DU hebst das auf!“
    „Das mache ich nicht. Ich habe das ja nicht runter geworfen!“ oder auch an etwas stressigeren Tagen weniger gewählt ausgedrückt. „Ich denk nicht dran. Du hast das geschmissen!“
    „NEIN! DU hebst das auf! Aber ganz schnell!“

Er muss das Corpus delicti dann selbstverständlich im Endeffekt selbst aufheben – immer, jedesmal! Aber das hält ihn nicht davon ab, zu diskutieren und mit Formulierungen um sich zu werfen, die mich regelmäßig ganz unpädagogisch zum lachen bringen – vor allem, weil ich darin uns wiedererkenne! Er kann nämlich im Grunde eigentlich gar nichts dafür, denn er plappert ja nur nach, was Mama und Papa zu ihm sagen. „Mach das nicht noch mal!“ sagte er heute seeeehr ernst zu mir, als ich den Geschirrspüler wiederholt öffnete – was er ja nicht darf –, aber auch „Jetzt ist Schluss!“ oder „Ich warne dich!“ gehören in diese Kategorie.
Was aber soll man dagegen machen – er soll natürlich nicht so mit uns reden, aber wie soll er das verstehen, wenn wir doch selbst immer wieder solche Formulierungen verwenden. Andererseits können wir bei unserem kleinen Sturkopf auch nicht darauf verzichten, denn oftmals reagiert er erst, wenn genau diese Worte fallen. Ich fürchte, es wird eine Art Never-Ending-Story werden.
Wenigstens endet sein Nachplappern nicht beim Frech-Sein, sondern erstreckt sich auch auf alle anderen Lebensbereiche. Gerade eben kam er beispielsweise extra ins Schlafzimmer zu mir, um mir noch ein Küsschen zu geben. „Nein, ich muss Mama noch ein Gute-Nacht-Kuss geben.“ Und dann als ich sagte: „Mama hat dich ganz doll lieb.“ schaute er mich an und antwortete: „Ich hab dich ganz doll lieb!“ Das erste Mal.
Jetzt bin ich glücklich ❤

Frhoppe 16.05.2015

29.04.2015 Ein Schub – oder: Der Tag der ersten Male!

Zu Beginn des heutigen Beitrages erfreue ich euch mit ein paar der bedeutsamen Äußerungen unseres Sohnes – einfach so, zur allgemeinen Erheiterung und weil ich finde, dass da wirklich Geist und Witz drin steckt:

  • „Sohn! Kennst du einen Horst?“
    „Ja! Onkel M. ist ein Horst!“
  • Papa, ich messe dein Gehirn!“ Eine Gummibärchentüte wird auf Papas Kopf gehalten. „Du hast ein blaues Gehirn! Jetzt messe ich mein Gehirn!“ Dieselbe Tüte kommt zum Einsatz. „Ich habe ein rotes Gehirn. Oma B., jetzt messe ich dein Gehirn!“ Einsatz der Tüte! „DU hast ein schwarzes Hirn. MAAAAAMAAAA!“ Ich war in der Küche, darum das Geschrei. „Ich muss noch dein Gehirn messen!“ Gesagt, getan – mir wird die Tüte an den Kopf gehalten, dann folgt ein Zögern und ein sehr ernster, fast besorgter Blick: „Mama! Du hast ein altes Gehirn!“
  • Und damit ich mir auch ganz sicher bin, dass ich alt bin, sagt er mir wenige Minuten später: „Mama! Du bist alt Jahre!“
  • Papa zieht eine Grimasse, der Sohn unterbricht sein Spiel und schaut auf: „Du kleiner Nasenbär!“, ruft er grinsend mit hoher Stimme und spielt ungerührt weiter.
  • Und nach dem Zubettgehen tönte es durch die geschlossene Tür: „Oma, weißt du??? Wir fahren mit dem Rollerbusch und machen alle pusch, pusch, pusch!“

Im Garten mit Oma demonstrierte er sehr deutlich, dass er eine feste Vorstellung von den Dingen und ihrem Verlauf hat.

  • Opa will sich ausruhen und setzt sich auf einen Stuhl, nur um sofort zurecht gewiesen zu werden: „Nein Opa! Das ist mein Stuhl, da sitze ich!“
  • Selbiges, als Opa Omas Portemonnaie weglegen möchte: „Nein Opa! Das ist Omas Portemonnaie, lass das da liegen!“
  • Und ebenso wenig durfte Opa das Bett umgraben: „Nein Opa! Nicht die Grabegabel nehmen. Das bleibt so!“

Selbstredend gehorcht der Opa aufs Wort – naja, da brauch er sich nicht über seinen vorlauten Enkel wundern 😀

Wir hatten aber heute auch noch aus ganz anderen Gründen einen tollen Tag. Unsere Maus schubt nämlich. Okay … diese Tatsache ist jetzt nicht ganz so toll – vor allem, weil sie das seit zwei Tagen tut und das bedeutet: viel trinken, weil ja die Milchproduktion auf den Mehrbedarf umgestellt werden muss, wenig schlafen und das bevorzugt auf Mamas Bauch oder Arm und vor allem eine Menge schlechter Laune. Aber es bedeutet eben auch: Sie lernt etwas Neues, kann wieder etwas mehr und wird uns am Ende dieser Phase ganz sicher mit etwas überraschen.

Dieser Tag war heute.

Während ich in der Küche werkelte und rumorte, hörte ich plötzlich ein ganz zaghaftes „Gah“ aus der am Boden befindlichen Kinderwagenschale, welche die kleine Mieze beherbergte. Ich schaute irritiert zu ihr runter und da lag sie und lachte mich mit strahlenden Augen an. „Gah!“ wiederholte sie, gefolgt von einem „Nguh!“ und mir schossen Tränen des Glücks in die Augen. Meine kleine, gerade erst geborene Maus entdeckt ihre Stimme und versucht sich sofort in der Kontaktaufnahme. Dieses Gefühl ist durchaus vergleichbar mit jenem, dass einem beim ersten Schrei ergreift. Und auch ein bisschen Wehmut schleicht sich ein, denn dies ist der Anfang – nicht vom Ende, aber vom Großwerden. Jeden Tag wird sie ein wenig mehr lernen und ein bisschen weniger Baby sein!
Dazu gehört dann auch die zweite Neuerung des Tages, denn wir haben festgestellt, dass nasse, schwere Windeln doof sind. Die kleine Motte schrie und schrie, war durch Tragen nicht zu beruhigen und auch nicht durch füttern, den Nuckel spuckte sie aus und Bäuchleinklopfen war auch nicht recht. Also begab ich mich zum Wickelplatz obwohl das letzte Mal noch gar nicht lange her war und siehe da. Die Windel war ordentlich vollgepuschert und mächtig schwer. Kaum befreite ich das kleine Bündel von dem großen Bündel, war Ruhe und ich hatte ein hochzufriedenes Baby vor mir liegen.
Diese Zufriedenheit hielt dann auch den Nachmittag über an. Nach einem kleinen Nickerchen kam die Mama meiner besten Freundin zum Babygucken und natürlich wollte und durfte sie die kleine Maus auch halten. Kaum hatte sie sie im Arm, wandte die Maus den Kopf und nahm Augenkontakt auf. Dann lächelte sie. Und lachte. Lächelte wieder – mal nur mit einem Mundwinkel, mal übers ganze Gesicht! Eine volle Viertelstunde lang strahlte sie mit der Mama meiner besten Freundin um die Wette – so lange und so oft wie noch nie zuvor!

Wenn ich das dann so sehe und erlebe, dann bin ich schlagartig nicht mehr müde und erschöpft, sondern platze vor Stolz und Freude – bis zur nächsten Schreiattacke. 😉

Frhoppe 29.04.2015

25.04.2015 Ich liebe meinen Sohn, aber …

… ab und an stelle ich mich auch gerne mal zwei Stunden an eine Großbaustelle, um die Ruhe zu genießen!!!

Heute bei Crouse@dercrouse gelesen und direkt für passend gefunden, denn unser Tag heute war sooo:

Rumms! Schlafzimmertür kollidiert mit dahinter stehendem Schrank. „GUTEN MORGEN, MAMA!“ kräht der Sohn blendend gelaunt, gefolgt von einem „Oh, die schläft noch!“
Nein! Jetzt nicht mehr! Aber danke für die Feststellung. Offenbar ist es auch nicht mehr als das, denn als nächstes springt das Kind in Parcours-Manier auf das Bett und schmeißt sich auf mich!
„Ich habe Hunger!!!“ werde ich informiert. Offenbar reagiere ich nicht schnell genug, denn quasi sofort wird das gesagte ein paar Dezibel lauter wiederholt und erweitert: „ICH HABE HUNGER! Du musst Frühstück machen!“
Ich muss gar nix, aber das Kind hat Glück, ich habe auch Hunger, also mache ich Frühstück, ich muss mich nur vorher anziehen. Genau so sage ich das dem Bub.
„Ich bringe dir deine Sachen!“ ruft er begeistert und springt vom Bett. Nun heißt es fix sein, denn „Ich bringe dir deine Sachen“ bedeutet er macht den Schrank auf und sucht wahllos Sachen heraus ohne Rücksicht auf eventuell herausfallende Sachen. Natürlich darf er nicht allein an den Schrank, aber in seiner Begeisterung mir zu helfen, kann man das schon mal vergessen.
„Mama, du musst deine Titties noch einpacken,“ kommentiert er meine Fortschritte! Puh – gut dass er das sagt, ich hätte das jetzt glatt vergessen! Hätte peinlich werden können, so entblößt den ganzen Tag.

Überhaupt kommentiert der kleine Kerl sehr gerne. Er ist im Grunde ein ständiges Rauschen. Erst heute wieder beim Frühstück machen!
„Mama, ich will dir helfen!“ Kein Problem, das kann er und darf er auch.
„Aber natürlich, Käferchen. Ich mache schnell den Kaffee und dann gebe ich dir was zum rein tragen!“
Und damit begann es:
„Ich träge den Teller rein!“ Sprach’s und wuselte los, nur um kurz darauf zurückzukehren mit der Frage: „Was noch?!“
„Hier ist Mamas Teller!
„Ich träge Mamas Teller rein!“ Auf diesem „ich träge“ beharrt er, egal wie oft wir ihm sagen, dass es „trage“ heißt. Aber wie berichtigt man das am besten, wenn man sagen würde „Ja stimmt, du trägst das!“ Denn offensichtlich auf einen Fehler beim Sprechen hinweisen wollen wir den kleinen Mann nicht, sondern ihm unauffällig beibringen, wie es richtig heißt. Nun ja, vielleicht gibt sich das auch noch. Nun jedenfalls bekommt er Papas Teller in die Hand.
„Oh, ich trage noch einen Teller rein.“
Tapp, tapp, tapp!!! „Was noch?“
„Ich träge die Teewurst rein.“
Tapp, Tapp, Tapp. „Was noch?“
„Ich träge meinen Joghurt rein … NEIN! Ich kann den erst essen, wenn ich ein Brötchen hatte!“ Tapp, Tapp, Tapp! „Was noch?“
„Ich träge die Butter rein! Mama ich nehme die Butter ganz vorsichtig, damit sie nicht runter fällt!“
„Oh, oh, Mama ich muss noch die Eierbecher rein tragen!“ Da kann er es dann auf einmal!
Und so geht es weiter, den ganzen, lieben langen Tag. Heute bevor wir zum Einkaufen gingen, sagte er zum Papa: „Papa, ich gebe dir einen neuen Schlüppi!“ Er sagt wirklich Schlüppi und seine Schlüppis kommen in die Schlüppilade. „Da kannst du deinen Pullermann rein tun!“

Mit dieser großartigen Sprachbegabung, die uns unheimlich viel Freude bereitet, geht allerdings auch ein immenser Geräuschpegel einher. Denn wie schon erwähnt, kommentiert er alles was er tut. Wenn unser Kind also auf seiner Blechtrommel trommelt, was ja schon an sich mitunter recht laut ist, dann ruft er dazu noch lauthals „Ich trommele auf meiner Trommel!“ Und kürzlich hatte er auf sein Töpfchen gepullert und rief mir das aus seinem Zimmer, wo er mit dem Papa saß durch die geschlossene Tür zu. „MAAAAMAAAA!!! Ich hab aufs Töpfchen gepullert!“ Und das 10 Mal hintereinander, immer lauter werdend.
Besonders schön ist diese Begabung, wenn er etwas nicht möchte, dann steigert sich nämlich nicht nur die Frequenz der Äußerungen, sondern auch deren Lautstärke und vor allem die Ausdauer, mit der er sein Missfallen äußert. Wenn dann auch noch die kleine Maus eine ihrer Schreiattacken hat, dann fällt mir nur eines ein:

Ich liebe meinen Sohn, aber ab und an stelle ich mich auch gerne mal zwei Stunden an eine Großbaustelle, um die Ruhe zu genießen!!!

Und genau dann, wenn dieses Gefühl eintritt, während also die kleine Maus mir ins Ohr brüllt und ich denke, ein bisschen Ruhe wäre so schön, dann kommt mein kleines Käferchen mit seinem Lieblingspinguin im Arm angewackelt und sagt: „Mama, ich geb der kleinen Schwester meinen Pinguin, damit die nicht mehr weint!“ ❤

Frhoppe 25.04.2015

20.10.2014 Kita? Aber unbedingt!

Zunächst einmal die gute Nachricht: Das Fieber war heute morgen ganz weg – eine Erkenntnis, deren Entstehen der Sohn neugierig verfolgte mit der Frage: „Was sagt das Fieber?“ Ich nehme an, er ließ der Bequemlichkeit halber das Thermometer weg, aber eigentlich finde ich diese kurze Version sowieso sehr viel besser.
Dem Gang in die Kita stand also nichts entgegen.
Dort angekommen, konnte der kleine Mann es wieder kaum erwarten, alles zu bespielen und forderte zum ersten Mal sogar das Singen des Sonnenkäferliedes ein. Nach dem Morgenkreis geschah dann etwas unheimlich niedliches. Auf dem Flur ging die Erzieherin des Sohnes in die Hocke und sagte „Na, mein kleiner Freund!“ während sie die Arme ausbreitete. Und der kleine Käfer rannte hinein und ließ sich umarmen. Und dann kurz darauf, glitt sein Blick zu mir und ohne, dass ich etwas gesagt hätte, rannte er auf mich zu und umarmte mich ebenfalls, ganz so, als wolle er, dass ich nicht zu kurz komme. Dann war er sofort wieder fröhlich lachend unterwegs.
Die Erzieherin stellte dann fest, dass er jetzt schon viel offener ist, mehr lächelt und auch mitmacht und nicht nur beobachtet. Das sei ein schöner Fortschritt. Dann wollte sie noch wissen, ob er manchmal morgens nicht in die Kita wolle. Ich konnte das verneinen, allerdings räumte ich auch etwas verlegen ein, dass ich ihm dazu keine Chance gebe. Gleich morgens öffne ich dir Tür mit einem strahlenden Lächeln und sage: „Guten Morgen, ein neuer Kitatag beginnt! Schnell wickeln und anziehen, damit wir in die Kita können.“ Außerdem gab ich zu, dass ich die mittlerweile schon recht solide vorhandene Bindung an die Erzieherin mitunter ausnutze und sage: „Na los, … wartet schon auf dich mit dem Morgenkreis.“ Für mich überraschend zeigte sich unsere Erzieherin erfreut über dieses Vorgehen. Auf Nachfrage teilte sie mir mit, dass dieses Verhalten dem Kind den Übergang in die Kita sehr erleichtere. Sie habe auch oft Eltern, die ihre Kinder fast dafür bemitleiden, dass sie in die Kita „müssen“!
Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht! Ich meine, die Kita ist so etwas Tolles für Kinder. Sie können spielen und toben in einer kindersicheren Umgebung, in der nicht andauernd jemand Nein sagt! Sie lernen, dass sie ganz viele Dinge alleine können – einfach weil ja in einer Kita eine Eins-zu-Eins-Betreuung unmöglich ist. Und das ist gut so. Ich merke jetzt schon, wie sehr sich mein Kind positiv entwickelt. Seine Sprache hat nochmal einen ordentlichen Schub gemacht, er isst noch besser und hat heute das erste Mal Interesse an einer Toilette gezeigt. Er kennt die ersten Kinder mit Namen – sogar welche, die nicht in seiner Gruppe sind und als wir ihn heute abgeholt haben, ist er völlig aufgedreht gewesen vor Freude. Und das zu einer Zeit, in der wir normalerweise den ersten Machtkampf ausfechten, einfach weil wir voneinander schon mächtig gestresst sind. Er lernt, mich zu vermissen und gleichzeitig, dass ich immer wieder komme und er merkt, dass ich dann gute Laune habe und entspannter bin.
Liebe Eltern, falls ihr euer Kind bemitleiden solltet, weil es in der Kita ist! Das braucht ihr nicht! Es ist ein unheimlich toller und wichtiger Schritt, der dem Kind und den Eltern so viel gibt!
Im Auto auf dem Rückweg hatten wir dann auch gleich eine amüsante Diskussion. Wir haben dort als Notfallzuckerlieferant solch kleine Schoko-Minz-Plätzchen liegen. Natürlich blieb der kleinen Raupe Nimmersatt nicht lange verborgen, dass man die Dinger essen kann und seitdem bekommt er im Auto immer eins – immer nur EINS – und das auch nur, wenn er höflich fragt. Am Anfang hieß es nämlich immer: „Ich will eins essen!“ Dieses „Ich will“ gewöhnen wir ihm gerade ab und das klappt inzwischen ziemlich gut.
„Ich möchte bitte im Auto eins essen!“
„Prima!“ Ich gab ihm daraufhin ein Drops.
Eine Weile schnurpste und knurpste es im Kindersitz, dann: „Ich möchte bitte noch eins essen.“
„Nein, es gibt immer nur eins! Das weißt du genau!“
„Mama danke. Danke sagen!“
„Das ist schön, du bekommst trotzdem keins mehr.“
„… bekommt trotzdem eins?“
Ich fand das unheimlich niedlich, trotzdem blieb ich hart, obwohl er alle Register zog. Sonst merkt der sich das sofort und ich habe keine Chance mehr auf eine ruhige Autofahrt.
Überhaupt ist der kleine Mann ein ordentlicher Schlawiner. Er weiß genau, nach der Kita gibt es den Mittagsschlaf und als ich ihn fragte: „Weißt du, was jetzt kommt?“ sagte er auch prompt ja.
„Und was kommt jetzt?“
Große blaue Augen wurden aufgerissen, ein verschmitztes Grinsen breitete sich auf dem Gesichtchen aus und es ertönte ein liebevolles: „Mama hat dich ganz doll lieb.“
Ich denke, es ist klar, dass er trotzdem seinen Mittagsschlaf halten musste, vor allem, weil ja auch seine Kimmi ganz furchtbar müde war, aber dafür hatte ich nachmittags ein ganz außerordentlich gut gelauntes Kind zu Hause. Er kuschelte mit mir, gab mir eines von seinen drei Gummibärchen ab und verlangte mir dann all die Kitalieder ab, die wir schon kennen. Als ich dann den Fehler machte, außer der Reihe „Alle meine Entchen“ zu singen, hörte er erst einmal erfreut zu, bevor er schnurstracks ins Kinderzimmer lief und sein „Alle meine Entchen“-Liederbuch holte. Für die nächste halbe Stunde mutierte ich zu seiner persönlichen Jukebox. Rauf und runter wurden mir die Lieder abverlangt – und es sind nur sieben. Dafür wurde er dann aber auch ganz zärtlich.
Als ich ihn fragte, ob er denn sieht, dass Mamas Bauch schon ganz rund ist, sagte er „Ja!“ Dann meinte ich: „Das kommt von dem Baby! Das ist schon ordentlich groß!“ Er schaute erst einmal interessiert, dann sehr ernst und dann sagte er ganz lieb: „Muss man aufpassen!“, kam auf mich zu und streichelte ganz lange und intensiv die kleine Babykugel!

Frhoppe 20.10.2014