29.01.2016 Die Tücken elterlicher Konsequenz!

Unser Morgen begann, nun sagen wie einmal, unkonventionell.
Oder vielleicht auch konventionell, wer weiß denn schon, ob nicht auch andere Brüder versuchen, ihre kleine Schwester mit ihrem Hintern zu ersticken.

Auf unsere verständlicherweise etwas energischere Bitte, das zu unterlassen, reagierte der Sohn mit Unverständnis.
Und mit gesteigerter Aktivität, wozu etwa das Stehlen von Papas Taschenlampe gehörte und das An- und Ausmachen der diversen Lichtquellen im Schlafzimmer. Passend zu dieser Diskobeleuchtung sprang der Herzenssohn dann irgendwann auf das Bett und schwang, lediglich mit seiner Schlüpper bekleidet, sein dazu passendes Hemd* über dem Kopf.

*Ein Moment des Stolzes sei mir hier erlaubt, denn dieses Ensemble hat er höchstselbst aus seinem Schrank geholt!

Es folgten noch verschiedene andere Provokationen, die allesamt damit zu tun hatten, dass der kleine Mann sich doch bitte ankleiden möge – eine Notwendigkeit, die unser Sohn so gar nicht einsehen möchte und mit aller Vehemenz und zum Teil bewundernswerter Ausdauer hinaus zögert.
An dieser Stelle möchte ich gerne das Geräusch Ting  anbringen, das die Bloggerin Mama on the rocks wie ich finde ganz unfassbar treffend beschrieben hat.
Die Folge dieses Geräusches in meinem Kopf war nun eine angedrohte Konsequenz, die sich dergestalt darstellte: „Wenn du nicht SOFORT! deine Sachen anziehst, dann ist dein Kaufmannsladen weg! Dann RÄUME ich den ein!“
Dazu sei gesagt, dass diesen Laden der Weihnachtsmann gebracht hat und das unser Sohn ein zwar wenig talentierter, dafür aber sehr sozialer und vor allem leidenschaftlicher Verkäufer ist. Er liebt seinen Laden und er liebt es, Dinge daraus zu verkaufen. Wenn man mal kein Geld dabei hat, dann macht das auch gar nichts, denn dann gibt er einem einfach einen Zwanziger aus der Kasse.
Insofern hielt ich den Abbau des Ladens für ein geeignetes Druckmittel.
Haha!
Aber nicht mit unserem Sohn!
Der stieg begeistert auf das Spiel ein, sprang vom Bett, rannte – immer noch nur im Schlüpper – in den Flur, holte eine Tüte und begann das Inventar seines Ladens in dieselbe zu überführen.
Manch einer mag nun denken, das sei ein gewiefter Trick, um uns dazu zu bringen, das Ding stehen zu lassen – diese Taktik soll gerüchteweise ja nicht allzu selten angewendet werden.

Allein, es war sein Ernst!

„Ich habe jetzt AAAALLES eingeräumt!“ Hatte er wirklich!
„Ich bau den jetzt ahab!“ Wollte er tatsächlich.
Schaffte er aber nicht und bat darum mich um Hilfe:
„Mama, steh jetzt endlich auf und komm mir helfen, den Laden abzubauen.“

Und als ich daraufhin „Nee!“ sagte und dem Kind mit einem „Bäh“ die Zunge herausstreckte, bekam er einen Wutanfall.

Ich möchte das noch mal deutlich sagen:
Er bekam einen Wutanfall.
Weil er den Kaufmannsladen NICHT!!! abbauen durfte!

An dieser Stelle kann festgestellt werden, dass unser Sohn uns ganz geschickt ausgehebelt hat. Wir haben keinerlei Handhabe mehr, stehen auf verlorenem Posten, kämpfen gegen Windmühlen und fühlen uns wie Sisyphos, der ein ums andere Mal fassungslos den Felsen den Berg hinunterrollen sieht.
Was macht man, wenn die angedrohte Konsequenz dem Kind nicht nur nichts ausmacht, sondern er sie auch noch begeistert selbst ausführt?
Ich für meinen Teil werde den Kaufmannsladen fein säuberlich wieder bestücken. In all seiner Pracht wird er da stehen, wenn das Kind nach Hause kommt!
Das hat er jetzt davon!
😀

frhoppe 29.01.2016

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23./24.01.2016 Unser Wochenende: Neues aus der Anstalt!

Unser Wochenende fing zunächst sehr entspannt an, denn wir konnten tatsächlich bis halb neun schlafen, bevor uns der kleine Mann weckte. Das Herzensmädchen war natürlich wie immer schon immer mal wieder die ganze Nacht wach, aber daran ist man ja mittlerweile gewöhnt, sodass ein ausschlafender Dreijähriger tatsächlich ein Segen ist. Da hatte Mama dann sogar richtig Lust ein schönes Frühstück zu machen, welches wir auch unglaublicherweise ohne Theater, Flecken, Jammer und Böcke zelebrativ vollzogen.
Derartig entspannt in den Tag gestartet, konnte der Rest des Tages nur noch toll werden.
Und Überraschung?! Das wurde er auch!

Der Samstag ist nämlich bei uns seit einigen Wochen zum Familientag erkoren worden. Das heißt für alle: Keine Medien, vor allem kein PC und keine Arbeit – das gilt vor allem für den Papa, der gerne mal Samstags Ämterkram erledigt und E-Mails beantwortet. Er verzieht ganz niedlich das Gesicht, wenn ich ihn freitags daran erinnere, dass „morgen der PC ausbleibt!“ Und für Mama und Papa gilt abends: Bewusst zusammen einen Film schauen, den wir beide ausgesucht haben und dabei kuscheln. Auch hier bleibt der PC aus!

Dafür machen wir viel zusammen, wobei die oberste Regel der Spaß ist, es muss keinen Sinn haben oder pädagogisch wertvoll sein.
Diesen Samstag zum Beispiel kläffte ich eine geraume Zeit in Chihuahua-Manier das Herzensmädchen an, welches sich darüber gar nicht mehr einkriegen konnte vor Lachen.
Zeitgleich krabbelte der Papa auf allen Vieren durch die Wohnung, versteckte sich hinter Ecken und sprang bellend hervor, woraufhin sich der Lieblingssohn kreischend vor Freude erschreckte.
Lustig wurde es, als er die Rollen tauschen wollte – also er den Part des erschreckenden Hundes übernahm.
Denn wohl fand er das Erschrecken sehr lustig, hatte aber das Prinzip aber noch nicht so ganz verstanden.
Wie vermutlich alle Kinder in diesem Alter kicherte er im Versteck und lugte um die Ecken.
Papa versuchte ihm das Konzept zu erklären:
„Pass auf: Du versteckst dich und ich weiß gar nicht wo du bist. Du wartest bis ich komme und DANN machst du WAUWAUWAUWAUWAU! Ganz laut.“
„Ja!“ sprachs und wuselte los.
Papa wartete einen Moment und lief hinterher.
„Dumdidum…wie gut das hier gaaaaaar kein Hund ist!“
„Doch! Ich bin hier,“ tönte es aus dem Versteck.
„Das darfst du mir nicht sagen!“ Noch sehr ruhig. „Ich gehe noch mal raus!“
Sprachs und kam ins Wohnzimmer zurück.
„Dumdidum. Ich gehe ins Schlafzimmer. Wie gut das da gaaaaaaaaar kein Hund ist!“
„Doch!“
„Nein!“ etwas energischer schon. „Du DARFST nichts sagen! DU musst warten bis ich komme und dann erschreckst du mich. Ich gehe noch mal raus.“
Papa kam zurück und drehte wieder um.
„Didumdidum…ich gehe ins Schlafzimmer, wie gut, dass da gaaaaaaaaaaaar kein Hund ist!“
„Dohoch!“
„Waaaaaaaahhhhh!“ Ein Schrei der Verzweiflung aus Papas Mund.
Irgendwie haben die zwei es dann doch geschafft, dass der Sohn den Papa „erschreckte“. Man muss aber durchaus sagen, dass die wilde Bestie eher dem Chihuahua glich, den ich imitiert hatte.

Der Sonntag war dann sehr ruhig. Irgendwie waren wir komischerweise alle seeeeeehr müde. Das nun wiederum war so gar nicht zu erklären, war doch die Nacht einfach wundervoll gewesen.
Gegen drei Uhr entschied das Herzensmädchen, dass es eine wunderbare Zeit sei für ein kleines Intermezzo.
Es begann damit, dass sie Hunger hatte! Durchaus legitim, aber nachdem sie getrunken hatte, wollte sie nicht in ihr Bett zurück. Lange Rede, gar kein Schlaf. Sie machte eine Stunde Theater bevor sie schließlich wieder einschlief.
Zum Glück war ich auch schnell wieder eingeschlummert, denn so konnte der Lieblingssohn mich wenigstens wirklich wecken, als er mir um 4 Uhr 19!!! ins Ohr brüllte: „MAMA! AUFSTEHEN! Die Sonne scheint schon!“
Ehrlich!? Ich habe keine Ahnung, was er gesehen hat und noch ehrlicher?! Es hat mich auch überhaupt null interessiert. Denn natürlich nahm das Herzensmädchen diese sanft hervorgebrüllten Worte ihres Bruders zum Anlass direkt wieder los zu theatern.
Wenig freundlich verwies ich den Sohn des Bettes, was gut möglich war, denn Papa war schnupfenbedingt ins Wohnzimmer ausgezogen, weil er – Achtung! – wollte, dass ich genug Schlaf bekomme! Konnte er ja nicht ahnen.
Auf jeden Fall war ich hinreichend mit dem wieder erwachten Herzensmädchen beschäftigt, dass nach dem erneuten Wecken den Sinn des Schlafens so gar nicht mehr erfassen konnte. Ich konnte also leider, leider nicht wirklich auf das Geplapper des Sohnes im Wohnzimmer lauschen.
Ich wurde jedoch später am Sonntagnachmittag vom Papa ins Bilde gesetzt, dass sich ein Hund im Wohnzimmer befunden habe, der das Kind die ganze Zeit ärgerte und zwickte.

Nun ja! Ich fürchte, diesen Schuh müssen wir uns wohl anziehen! 😀

frhoppe 25.01.2016

11.05.2015 Kitaschließwoche Tag 1! Müüüüüüdeeeeee!!!!

Irgendwann musste es ja mal passieren, so wie in jeder anderen Kita auch. Aufgrund einer Fortbildung ist unsere Kita diese Woche bis Mittwoch geschlossen – am Donnerstag ist Feiertag und Brückentage sind ja eh immer zu – also de facto die ganze Woche. Dieser Umstand ist uns schon lange bekannt, allerdings erfuhr der werte Gatte letzten Donnerstag, dass er kommenden Montag, also heute, nicht nur unbedingt arbeiten müsse, sondern auch noch in Potsdam. Hieß für uns in der Umsetzung: Er geht um halb acht aus dem Haus und kommt um halb neun wieder – also bevor die Kinder wach sind isser weg und erst nachdem sie wieder schlafen, isser wieder da! Eine weitere wichtige Info zu diesem Thema: Unser großes Kind macht keinen Mittagsschlaf!
Das sind Tage, an denen sollte man am besten einen Kaffee getrunken haben, bevor es losgeht. Unser Tag begann dann so: Pünktlich um halb acht mit dem Verlassen des Hauses seitens des Papas erwachte der Sohn. Dahin war meine Hoffnung, nach einer Nacht mit fünfmaligen Trinkunterbrechungen meines Schlafes wenigstens noch ein halbes Stündchen Augenpflege betreiben zu können. Zwar schlief die kleine Maus jetzt tief, der kleine Mann jedoch war wach – und dummerweise mit dem falschen Fuß aufgestanden. Er jammerte in einer Tour. Das schlimme an diesem Jammern ist nicht einmal die Tatsache, dass er es tut, sondern wie. Dieses monotone „huuuh, huuuuh, huuuuh!“ kann einen in den Wahnsinn treiben. Er klingt dabei wie ein Uhu mit Kratzer in der Platte!
Also erklärte ich ihm, er möge doch bitte nicht einfach jammern, wenn er Hilfe braucht, sondern mich rufen oder „Hilfe bitte!“ sagen, dann würde ich kommen. Das half. Er rief tatsächlich um Hilfe, allerdings bei jeder Kleinigkeit, was zu erfüllen sehr schwierig war, weil er zeitgleich darauf bestand, dass ich mich anziehe und ihm Frühstück mache. Um das Maß dann so richtig voll zu machen, begann die kleine Käferine zu brüllen! Chaos pur und wir erwarteten die Ankunft unserer Freundin – die von Freitag. Mit der wollten wir uns nämlich treffen, um den Kitaschließtag gemeinsam zu verarbeiten und die holte uns auf ihrem Morgenspaziergang einfach ab. Natürlich klingelte sie dann an der Tür, als ich die Kleine gerade auf dem Wickeltisch hatte, aber wenigstens bedeutete ihre Ankunft dann auch, dass sich das Problem, wie halte ich Kind 1 und 2 fest, während ich den Kinderwagen aus dem Kofferraum operiere, denn das übernahm sie für mich. War schon ein lustiges Bild – sie da vor unserer Haustür mit fünf Kindern um sich herum und an sich dran. Mit einigen weinenden, verletzten, genervten, hungrigen Hindernissen kamen wir dann aber doch irgendwann bei ihr zu Hause an.
Und das alles ohne Kaffee!!!
Den bekam ich dann in ihrer Wohnung und es wurde dann ein verhältnismäßig entspannter Tag, so entspannt wie eben ein Tag mit drei Kindern und zwei Babys sein kann. Lediglich ein paar kleinere Unstimmigkeiten gab es, wenn z.B. das Gastkind – mein Sohn – mit dem Lego des Gastgeberkindes spielt, was der aber nicht will und was wiederum das Gastkind zum schimpfen bringt, dann greift Mama 2 schlichtend ein, während Mama 1 das Baby von Mama 2 so lange hält, was nun wiederum das Baby von Mama 1 umgehend eifersüchtig macht. Hört sich kompliziert an? Ja – so fühlte es sich auch an. Trotzdem war es ein wunderschöner Tag, den wir alleine nie so toll hätten gestalten können, vor allem weil wir uns dort auch mit meiner besten Freundin via Skype unterhalten konnten. Die Ruhe hätte ich zu Hause nie gehabt. Und mein kleiner Mann hätte hier niemals so viel Spaß gehabt. Er kann zwar gut allein spielen, aber mit Freunden ist es gleich viel besser.
Zumal wir auf dem Heimweg sogar noch einen Bagger bei der Arbeit beobachten konnten. Erst beobachteten wir, wie der Bagger drei Schaufeln voll Sand auf den Berg schaufelte. Danach startete ich den ersten Versuch, den Sohn loszueisen – keine Chance! Er wollte weiterschauen. Ich gestattete ihm eine weitere Schaufel voll, dann würden wir losgehen. Doch das Schicksal wollte es anders. Während wir noch staunten, fuhr ein riesiger Kipper vor und parkte mitten auf dem Weg, damit der Bagger den Sandberg in den Kipper verfrachten konnte. Wir standen eine halbe Stunde da! Aber der Sohnemann hatte Spaß und ging danach noch ganz brav mit mir einkaufen, verzichtete sogar auf seinen blauen Autoeinkaufswagen, nachdem ich ihm erklärte, dass ich den mit Kinderwagen nicht schieben kann. Die ganze Zeit blieb er auf dem Buggyboard stehen und half zum Schluss sogar noch, die Einkäufe auf das Band zu legen.
Und weil er gerade so furchtbar lieb und zuvorkommend war, regte er sich ganz furchtbar über die Scherben und den Müll an der Bushaltestelle auf: „Mama, die haben da den Müll hingeschmissen. Das finde ich gar nicht schön!“ „Nein, Käferchen, das finde ich auch nicht schön!“ „Weißt du Mama?! Das müssen die wieder aufheben!“
Es hätte alles so schön sein können, mein Tag entspannt ausklingen, doch was sich bereits bei der Heimkehr im Treppenhaus ankündigte, setzte sich oben und während des Abendrituals fort. Die kleine Maus schrie und brüllte, weinte und meckerte. So musste ich sämtliche Aufräum-, Auszieh- und Putzarbeiten mit einer Hand erledigen, während ich mit der anderen die Tochter in der Kinderwagenschale umhertrug. Zum Glück spielte der große kleine Mann diesmal wunderbar mit. Dieser Tag war so aufregend, so viel ist passiert, dass der kleine Käfer bereits um sechs todmüde in sein Bett krabbelte. Weil er so müde war, wollte ich ihm sogar das Zähneputzen heute erlassen, doch er bestand darauf, dass das sein müsse. „Nein Mama, ich muss putzen, Papa hat extra die neue Zahnbürste mitgebracht!“ Und wie er putzte, ganz ausgiebig und gründlich und sogar mich ließ er ohne Protest nachputzen – ein absolut seltenes Ereignis in unserer Zahnputzhistorie. Und nach seinen drei Liedern und zweimaligem Zurückrufen, um „Eiei!“ zu machen, schlief er sofort ein.
Wie schon gesagt: Es hätte so schön sein können! Jetzt – um kurz nach halb neun – komme auch ich endlich dazu, mich hinzusetzen, denn genau jetzt schläft die kleine Motte, nachdem sie gestillt wurde, eineinhalb Stunden gebrüllt hat, drei Windeln gewechselt bekam und etwa eine Stunde im Fliegergriff durch die Gegend getragen wurde – alles durch mich, denn der Papa betrat eben erst das Haus.
In diesem Sinne: Ich bin soooooo müüüüüüüüdeeeee! Mal sehen, wie es morgen wird! Da sind wir bei den Großeltern!

Frhoppe 11.05.2015

26.10.2014 Ein olfaktorisch zweifelhafter Start in den Tag!

Auch heute wusste die Oma einiges vom kleinen Mann zu berichten. Zunächst einmal startete der Tag damit, dass der kleine Mann – dank der Zeitumstellung, so was bescheuertes – bereits um sieben wach war. Und stank!
Wäre ich am gestrigen Tag anwesend gewesen, so hätte ich das folgende voraus sagen können, so jedoch sah sich die Oma allein und ahnungslos mit dem Ergebnis von zuviel Schokopudding konfrontiert. Die Windel war nicht nur voll. Sie war übervoll. Und mit ihr Schlafanzug und Body und – da die Oma nicht mit dem vorliegenden gerechnet und dementsprechend keine Vorkehrungen getroffen hatte – auch der Wannenvorleger. Es war wirklich gut, dass der kleine Mann am gestrigen Abend schon gebadet hatte, denn so hatte er natürlich vollstes Verständnis für die Notwendigkeit, nun erneut zu duschen. So RICHTIG viel Verständnis!!!
Trotz des morgendlichen Chaos’ hatten Oma und Enkel einen wirklich tollen Tag, denn sie besuchten den Opa bei seinem Auftritt mit seiner Dixielandband. Und während die ebenfalls anwesende Uroma am liebsten schon mit dem kleinen Mann getanzt hätte, wollte der einfach nur dastehen und der Musik zuhören. Die Fotos, die Oma machte, zeigten einen kleinen Jungen mit offenem Mund und riesengroßen Augen, der am Nachmittag dann ganz begeistert seiner Mama erzählte, dass sein Opa Banjo gespielt hat.
Ganz insgesamt war die Oma völlig hin und weg von ihrem jüngsten Enkel. Sie schwärmte in höchsten Tönen davon, dass man sich mit dem kleinen Mann schon so wundervoll unterhalten kann, dass richtige und wirklich kluge Gespräche mit ihm möglich sind. Das ist für sie deswegen so toll, weil wir das so nicht kennen. Sowohl meine Nichte als auch mein Neffe begannen erst mit zweieinhalb überhaupt richtig zu sprechen und Gespräche wie jetzt mit meinem Sohn waren frühestens mit vier Jahren möglich. Ich selbst staune immer noch jeden Tag über das Sprachvermögen meines Sohnes. Das sind wirklich kluge Sachen, die er sagt, richtig mit Zusammenhang. Zwei Beispiele vom vergangenen Wochenende:
„Das ist eine Straßenbahn! Da steigen Leute ein.“, sagte sie Oma.
„Aber die Türen sind zu“, antwortet der Enkel. „Können die Leute wahrscheinlich nicht einsteigen.“
Und als sie am Sonntagmorgen zum Auftritt des Opas losgehen wollten, bot die Oma dem Kind eine kleine Salzbrezel an.
„Möchtest du eine Brezel oder zwei?“ fragte sie.
Und der Enkel überlegte einen Moment und sagte dann: „Nein! Drei!“
Ich finde es völlig gerechtfertigt, dass er die drei Brezeln bekommen hat, auch wenn ich ihm sonst nie drei Brezeln auf einmal geben würde. Aber ich sehe das so: Wenn ich den kleinen Mann für seine Aussage, Ausrede oder Tat eigentlich bewundere, dann möchte ich ihn eigentlich nicht bestrafen. Ganz so, wie es meine Oma einmal erzählte: Ihre Mama fragte sie nach einer hitzigen Diskussion, warum sie immer das letzte Wort haben müsse. Ihre Antwort darauf war: „Ich wusste ja nicht, dass du nichts mehr sagen wolltest.“ Und obwohl meine Uroma nach Aussage meiner Oma durchaus keine Befürworterin frecher Worte war, sah sie von Bestrafungen ab, wenn die Antworten klug waren. Ich finde das gut. Wie kann ich denn mein Kind guten Gewissens für etwas bestrafen, dass ich eigentlich bewundern muss. Das wäre doch Heuchelei. Natürlich ist mir bewusst, dass ich das nicht immer durchziehen kann und sicher auch nicht werde, zumal manchmal eine Konsequenz wichtig ist, um einem Kind die Gefahr von bestimmten Dingen bewusst zu machen, aber im Großen und Ganzen hoffe ich, dass ich mich meistens so verhalten werde.

Frhoppe 27.10.2014