02.05.2015 Glückliche Eltern haben glückliche Kinder – was ein Kaffee und eine Stunde Lesezeit bewirken können!

Heute war ich nicht wirklich zu Hause, also gibt es nur zwei Wortlaute vom Sohn – aber mindestens eine davon hat es in sich und brachte mich lauthals zum Lachen:

„Mama, darf ich jetzt zu Papa gehen?“
„Ja, natürlich darfst du zu Papa gehen!“
„Donnerwetter! Wo ist denn der Papa?“

„Mama, möchtest du an meinen Titties trinken?“

Unser Samstag begann wie immer: Baby stillen und wickeln und dann Frühstück machen, während der Papa den großen kleinen Mann fertig macht – also anzieht und wickelt und so Kram. Diese Aufteilung hat sich so ergeben, weil Baby stillen und wickeln mit der kleinen Fressraupe vom Typ Barracuda tatsächlich viel schneller geht, als kleinen Mann fertig machen. Das wiederum liegt wohl nur daran, dass er gefühlt eine halbe Stunde auf dem Töpfchen sitzt und Bücher liest – ganz die Mama halt. Außerdem heißt Frühstück machen für den Gatten: Einfach alles in der Verpackung auf den Tisch, ein paar Teller und Besteck dazu – Fertsch! Und ich mag gerne ein bisschen Kultur, wenn wir schon mal zusammen frühstücken können, so einen hübsch zurecht gemachten Obstteller und ein gekochtes Ei. Heute war es allerdings schon etwas besonders, denn Schwiegermama war da – also ging der Gatte ganz brav Brötchen holen, wo er sonst gerne mal meutert und außerdem machte ich uns zur Feier des Tages eine echte heiße Gewürzschokolade. Und etwa selbstgemachtes Mango Lassi hatte ich auch noch da.
Der Tag hatte also schon gut gestartet, eine perfekte Grundlage also für einen entspannten Samstag.
Die weiteren Voraussetzungen waren schon zuvor geschaffen worden, denn der Papa hatte sich bereit erklärt mit dem Sohnemann zu Hause zu bleiben, damit ich ein paar Freunde treffen konnte, die an diesem Wochenende in Berlin sein würden. Als ich die Wohnung verließ, fragte er wie lange ich wohl weg sein würde – so zwei, drei Stunden etwa?! Ich sagte, wohl eher drei, vier Stunden und er reagierte genau richtig: „Na egal! Nimm dir ruhig ein bisschen Zeit für dich!“ Und das tat ich! Nach dem Treffen mit den Freunden blieb ich noch eine Stunde länger vor dem Cafe im Sonnenschein sitzen und genoss meinen Caramel Macchiato, während ich in meinem Buch las. Die kleine Maus wusste anscheinend, wie wichtig das für mich ist, denn sie schlief ganz friedlich in ihrem Wagen. Nichts besonderes, aber doch so wertvoll, dieser kleine Moment!
Vielleicht lag es auch daran, dass ich bei meiner Heimkehr fast zwei Stunden ausgelassen mit dem kleinen Mann toben konnte und danach immer noch Energie hatte, um die tägliche Schreizeit unserer Maus zwischen sieben und neun ganz entspannt durchzustehen.

Glückliche Eltern haben glückliche Kinder – das stimmt so sehr, dass ich es gar nicht oft genug sagen kann. Die Bedürfnisse der Eltern zählen und das zu leben, auch im Alltag, ist für die Kinder nicht nur wichtig, weil entspannte Eltern auch mit den Kindern entspannter sind, sondern weil Kinder dadurch lernen, dass nicht immer nur zählt – oder zählen kann – was sie wollen. Natürlich stehen Kinder an erster Stelle, das will ich im Grundsatz gar nicht bestreiten und wenn meine Mäuse wirklich Not haben, lasse ich auch alles stehen und liegen, um ihnen zur Seite zu stehen, aber wenn ich jedes Mal sofort springe, wenn ich ein Mama höre oder ein kleines Ächzen von unserer Maus, dann hilft das keinem. Ich werde dadurch angespannt und nervös und reagiere dementsprechend ungeduldig. Ich bin ein Mensch und ich als dieser Mensch ein Individuum mit allen meinen Bedürfnissen. Wie soll ich meinen Kindern beibringen, eine eigenständige starke Persönlichkeit zu werden, wenn ich mich selbst völlig aufgebe und nur noch für sie lebe. Natürlich bin ich derzeit mit dem kleinsten Kind zu Hause und mein Leben dreht sich hauptsächlich um sie, aber das wird nicht ewig so sein. Ich habe Pläne und Träume, möchte mich verwirklichen und für meine Kinder – Sohn, wie auch Tochter – eine Frau sein, die für ihre Vorstellungen und ihre Bedürfnisse einsteht.
Für mich fängt das im Kleinen, ganz Profanen an!

Frhoppe 02.05.2015

Advertisements

29.10.2014 Der Bock aller Böcke oder auch einfach: NEIN!!!

Von der Kita gibt es heute nicht allzu viel zu berichten, außer vielleicht, dass der kleine Mann das erste Mal einen Anflug von Unglück gezeigt hat, als ich die Kita verlassen wollte. Seine Vertretungserzieherin teilte mir dann auch mit, dass diese Verlassensangst bis zum Vesper anhielt, jedoch durch den Spaß im Garten schließlich verdrängt wurde.
Das eigentliche Ereignis heute war jedoch der Monsterbock des kleinen Sonnenscheins.
Das das Kerlchen bereits greinend aus dem Mittagsschlaf aufwachte, hätte mir ja vielleicht schon eine Warnung sein können, aber zunächst zeigte sich das Kind noch recht anhänglich und so wiegte ich mich in Sicherheit. Gedankenlos schlug ich vor das große Geschäft in des Kindes Windel durch Wickeln zu beseitigen.
Ich gebe es zu: Das war doof. Ich hätte das einfach nicht tun sollen! Ich hätte den kleinen Menschen einfach noch eine Weile vor sich hinmüffeln lassen sollen, aber ich habe das merkwürdige Verlangen, vollgesch… Windeln zeitnah zu wechseln. Die Folge dieses Verlangens war zunächst ein entschiedenes Nein! Eben jenes kenne ich nun genauer, kommt es doch öfter im Alltag vor und lässt sich zumeist ignorieren oder durch Argumentation in ein Okay verwandeln. Als ich heute jedoch die Wickelutensilien zurechtlegte, setzte es beim kleinen Mann aus.
Wie ein Besessener wand er sich auf dem Boden, bockte hoch, schrie aus voller Kehle immer wieder und ausschließlich NEEEEEIN, NEEEEEEIN, NEEEEEEIN. Jeglicher Beruhigungsversuch schlug nicht nur fehl, sonder verschlimmerte die ganze Situation nur noch, so dass ich mich schließlich auf regungs- und wortlose Anwesenheit verlegte. Zu deutsch: Ich saß einfach nur da!
Nach einer halben Stunde Gebrüll hielt ich es rein lautstärkebedingt nicht mehr im Zimmer aus und zog mich, nachdem ein weiterer Versuch, das Kind zu beruhigen, fehlgeschlagen war, in eine strategisch günstige Beobachtungsposition auf der wohnzimmerlichen Couch zurück. Überraschenderweise wurde nun das Gebrüll ruhiger, der kleine Mann fasste mich an der Hand und führte mich in sein Zimmer, wo er sich wortlos auf seine Wickelunterlage legte und mich abwartend ansah. Völlig widerstandslos ließ er sich wickeln, so dass ich annahm, wir hätten nun das Schlimmste überstanden.
Wieder lag ich falsch.
Ich fragte ihn nach vollendeter Säuberung, ob den jetzt alles wieder okay sei. Drei mal darf man raten, was geschah: Das Gebrüll ging von vorne los. Und wieder nur NEEEEEEEEEEEEIN, NEEEEEEEIN! und nichts anderes. Einzige Änderung im Ablauf war der Ort, da das Kind nun nicht mehr im Zimmer schrie, sondern auf dem Flurboden lag und bockte und trampelte. So hatte nicht nur ich etwas von dem Klangerlebnis, sondern auch alle Nachbarn – glücklicherweise vermuteten die hinter dem Gebrüll nichts schlimmeres als Zahnschmerzen.
Eine weitere halbe Stunde ging das Schreien weiter, jeder Trostversuch war genauso zum scheitern verurteilt wie zuvor, sodass ich tatsächlich einfach nur daneben saß und wartete. Urplötzlich war dann Ruhe, der kleine Mann stand auf, atmete tief durch und teilte mir sehr sachlich mit, er brauche jetzt seinen Tutti. Da er mir wirklich leid tat und ich ehrlich gesagt auch keinen weiteren Anfall durch ein Nein herausfordern wollte, bekam er ihn umgehend. Mit einem Seufzen nahm der kleine Kerl das Nuckeln auf, begab sich schnurstracks in sein Bett, wo er sich mit seinen Tüchern und seiner Kimmi einkuschelte und mir mitteilte, er müsse sich jetzt ausruhen.
Eine Viertelstunde lag er ganz ruhig in seinem Bett, während ich ein Lied nach dem anderen vorsang und er andächtig lauschte, dann kam mein kleines Wunder wieder aus dem Bett gekrabbelt und kuschelte sich ganz eng an mich.

Frhoppe 29.10.2014