17.05.2016 Mein Kind soll glücklich sein oder: Für mehr Toleranz und Akzeptanz!

„Ich hasse das Wort Homophobie. Es ist keine Phobie. DU hast keine Angst! Du bist ein Arschloch!“

Mittlerweile wissen wir, dass es nicht Morgan Freeman war, der diese Worte sagte, doch deswegen sind sie nicht weniger wahr.
Homophobie und auch Transphobie sind in meinen Augen zwei Begriffe, die nicht zutreffen, denn der Hass auf Menschen, die nicht meine sexuelle Orientierung teilen, hat absolut gar nichts mir einer Angststörung zu tun!
Dennoch ist es wichtig, dass es diese Begriffe gibt, denn sie machen ein Thema griffig, das in unserer immer noch eines der polarisierendsten ist, die es gibt! Man kann es damit benennen und das ist wichtig, damit man darüber spricht!

Heute ist der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie und es ist ein wichtiger Tag für alle, die immer noch und immer wieder gegen Anfeindungen und Intoleranz kämpfen müssen, aber auch für mich!

Ich lebe in einer heterosexuellen Beziehung und habe zwei Kinder. Das ist nun mal so, das habe ich mir aber nicht ausgesucht! Genauso wenig, wie jeder andere Mensch auf diesem Planeten, denn sexuelle Orientierung oder auch das Gefühl im falschen Körper zu sein ist keine Option oder etwas, das man ändern könnte.
Man kann es vielleicht unterdrücken, aber wie lange? Und gesund ist das auch nicht! Es macht im Gegenteil krank und unglücklich, zieht im schlimmsten Fall schwere psychische Probleme nach sich unter denen Betroffene ein Leben lang leiden.

Nun stellt sich vielleicht die Frage, warum ich darüber blogge, wenn es mich doch gar nicht betrifft!

Das tut es eben doch!

Denn ich habe einige Verwandte und Freunde, die noch immer mit den Einschränkungen kämpfen müssen, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft nach sich zieht! Sie müssen mit Anfeindungen leben, mit Versteckspielen und auch mit dummen Fragen, die man einem heterosexuellen Paar niemals zu stellen wagen würde, weil es einen nichts angeht!

Und ich habe Kinder!

Ich weiß natürlich nicht, welches ihre Orientierung ist – wie auch in diesem Alter?
Aber ganz ehrlich: Es ist auch egal!
Manchmal witzeln wir darüber, dass unser Sohn wohl doch eher einen Freund nach Hause bringen wird – wenn er zum Beispiel in Tränen ausbricht, weil das Oberteil nicht zur Hose passt oder wenn er im Supermarkt begeistert das rosafarbene Einhorn mit den Regenbogenflügeln kaufen will!

Doch selbst, wenn es so ist, dann ist das okay – mit einer Einschränkung:
Er soll glücklich sein!
(Wenn ein potentieller Partner meine Kinder unglücklich macht, dann lernt er mich kennen, ganz egal ob Mann, Frau oder Transgender, aber das nur am Rande)

Für uns ist es das wichtigste, dass unsere Kinder sich selbst akzeptieren und glücklich sind. Und wenn das eben heißt, dass mein Sohn einen kompliziert geflochtenen Zopf* über seinem Undercut tragen möchte, dann flechte ich ihm den. Oder lasse ihn mit dem rosafarbenen Glitzerhaarreif in die Kita gehen, oder seine Barbie mitnehmen.
Allerdings erkläre ich ihm vorher, dass es sein kann, dass einige Kinder über ihn lachen und ihn ein Mädchen nennen. (Im Übrigen keine übertriebene Fürsorglichkeit, sondern weil es bereits so geschehen ist!) Und ich sage ihn, dass er sich davon nicht ärgern lassen soll, sondern ihnen einfach erklären, dass er schließlich anziehen und mitbringen darf, was er möchte. Und das auch Jungs rosa Haarreifen tragen dürfen, wenn ihnen danach ist!
Und dass er ganz perfekt so ist, wie er ist!

Dass ich das aber erklären muss, weil es nicht selbstverständlich ist, weil selbst so kleine Kinder schon in Kategorien wie Junge und Mädchen und normal denken, das macht mich manchmal traurig. Und manchmal wütend!

Und genau das ist der Grund, aus dem ich diesen heutigen Tag gegen Homophobie und Transphobie so wichtig finde!

Ich wünsche mir eine Welt, in der Kinder, Jugendliche und Erwachsene keine Angst mehr haben müssen, sich zu outen – mehr noch, in der sie sich nicht mehr outen müssen, weil es nicht mehr wichtig ist, welche sexuelle Orientierung sie haben!
Jeder sollte so leben dürfen, wie es ihn glücklich macht, denn jeder Mensch ist gleich!
Für Toleranz und Akzeptanz!
Immer!

Frhoppe 17.05.2016

Anmerkung: Mir ist bewusst, dass dieser Beitrag ein sehr komplexes und kontroverses Thema gerade mal anreißt. Es soll hier aber nur darum gehen, kurz meine Gedanken zum heutigen Tag aufzuschreiben.

*Hier noch das Bild von besagtem Zopf zur besseren Vorstellung 😉
Sammi Zopf

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09.03.2016 Ernste Gespräche am Morgen!

Unser kleiner Mann ist nunmehr beinahe dreieinhalb Jahre alt – ganz schön groß also und doch immer noch sehr klein.

Irgendwie genau an diesem Übergang von „Wo ist meine Mama?!“ und „Hallo Welt!“. Dieser Übergang, wo er sich nicht mehr vor jedem Fremden automatisch hinter meinen Beinen versteckt, sondern durchaus auch Interesse an neuen Menschen zeigt.
Und das finde ich durchaus gut, denn es erweitert seine Welt, seine Sicht der Dinge und seinen Horizont. Neue Menschen, das bedeutet neue Erfahrungen, neue Perspektiven und neue Möglichkeiten.
Aber eben auch neue Gefahren.
Kürzlich erst gab es zwei Situationen, in denen wir aufmerksam wurden, in denen uns klar wurde, wir müssen ihm das Wissen über den richtigen Umgang mit solchen Situationen mit an die Hand geben.

Einmal besuchte uns jemand, den wir frisch kennenlernten und er ging von Anfang an sehr vertraut mit unserem Sohn um. Den kleinen Mann schien das nicht zu stören, im Gegenteil, er fand den Besuch ganz toll, aber uns waren es doch insgesamt ein wenig zu viele Berührungen dafür, dass wir denjenigen erst kennen lernten. Wir schauten uns an und uns war klar: Das dauert lange, lange bist unser Sohn mit demjenigen allein ist – wenn überhaupt.
Wahrscheinlich war es gar nichts, aber als Eltern haben wir nun einmal die Pflicht, unsere Kinder zu schützen.
Jedenfalls war dies der erste Anlass, in dem wir ganz offen mit dem kleinen Mann darüber sprachen, dass er sich von NIEMANDEM anfassen lassen muss. Er allein entscheidet, was wie mit seinem Körper geschieht und niemand hat das Recht, seine Grenzen zu übergehen – auch wir nicht. Ich z.B. frage vorher, ob es okay ist, wenn ich ihn an intimen Stellen waschen, untersuchen etc. muss. Und ich sage ihm auch ganz deutlich, wenn ich irgendwo nicht von ihm berührt werden möchte.

Einen weiteren Anlass gab es bei einem Plausch mit unserer Nachbarin, die unseren Sohn einlud mit nach oben zu kommen, sie habe etwas Schönes für den kleinen Mann. Bedenkenlos gab der Papa die Erlaubnis – im Falle der Nachbarin berechtigt bedenkenlos, sie ließ sogar die Wohnungstür bei sich weit offen, damit ich alles hören konnte – aber mir behagte die Wortwahl der Nachbarin eben nicht und das sagte ich dem Papa auch.
Er stimmte mir zu und als der Lieblingssohn wieder nach unten kam, führten wir ein Gespräch darüber, dass der kleine Mann niemals mit Fremden – und auch nicht mit Bekannten mitgehen darf, ohne das wir IHM persönlich unsere Erlaubnis gegeben haben. Egal um wen es sich handelt – Omas und Opas mal ausgenommen – er kommt erst zu uns und fragt, ob er mitgehen darf. Auch wenn der nette Onkel auf dem Spielplatz die allersüßesten Hundewelpen hat. Das ist nun gute zwei Wochen her.

Nun weiß man immer nicht, inwieweit so etwas wirklich bei einem Kind ankommt. Man sucht ja auch nach Formulierungen, um dem Kind nicht Angst vor der ganzen Welt zu machen. Keinem ist damit gedient, wenn der Sohnemann bei jedem Fremden der Hallo sagt, schreiend das Weite sucht.
Tatsächlich zeigte der heutige Morgen jedoch, dass unser kleiner Mann das Gesagte sehr wohl verinnerlicht hat.

„Mama, auf dem Schulhof habe ich schon gespielt, aber auf dem dahinten nicht, da ist das Tor zu, da darf ich nicht rauf!“ Dazu sei gesagt, wir haben zwei Schulen direkt vor dem Haus – eine Oberschule und eine Grundschule.
„Ja, mein Schatz, das ist richtig so, denn dahinten sind noch kleinere Kinder, die vielleicht noch nicht wissen, dass man nicht mit Fremden mitgehen darf und die geschützt werden müssen.“ antwortete ich diplomatisch.
„Aber Mama,“ tönt es altklug von hinten. „ICH weiß das schon!“
„Ja! Du weißt das schon. Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass du mit keinem Fremden mitgehen darfst, stimmts?“
„Ja! Ich muss fragen.“
„Genau, du musst immer Mama und Papa fragen und nur wenn wir DIR ganz persönlich sagen, dass du mitgehen darfst, dann ist das okay!“
„Ja!“
„Wir würden niemals etwas ausrichten lassen – wir sagen dir  das immer ins Gesicht.“
„Ja! Ich gehe mit keinem mit!“
„Das ist gut!“ Und weil wir eh dabei waren und er gerade aufmerksam und interessiert, brachte ich gleich noch ein Anliegen an: „Und wenn dich mal jemand einfach mitnehmen will oder dich sogar packt, dann darfst du ganz laut schreien. Ich kenne dich nicht, lass mich los. Ich will nicht mit! Das rufst du dann, okay!“
„Ja! Das mache ich!“
„Nur Mama und Papa oder Omas und Opas dürfen dich einfach mitnehmen, da schreist du dann bitte nicht!“ Fiel mir gerade noch ein – gibt ja genug Situationen, in denen man sich so ein Kind mal unter den Arm klemmt!
„Neeee! Ihr dürft mich ja mitnehmen,“ antwortete er, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt.
Eine kleine Weile herrschte Ruhe, dann sagte ich: „Puuuh! Das sind ja ernste Themen am Morgen!“
Seine Antwort haute mich tatsächlich aus den Socken.
„Ja Mama! Aber manchmal muss das einfach sein!“

Recht hat er!
So furchtbar das ist, aber manchmal muss es sein. Leider!
Und ich bin froh, dass es bei uns in dieser unverfänglichen Situation geschehen konnte, eingebunden in ein normales Gespräch, dem der Sohn interessiert folgen konnte.
Denn ich höre oft: „Puh ja, darüber muss ich auch noch mit meinem Kind sprechen!“
Es ist eines der schwierigsten Themen in der Erziehung, eines vor dem man so gerne die Augen verschließen möchte, weil man sich einfach nicht vorstellen mag, dass es dem eigenen Kind passieren könnte.
Aber der sicherste Weg, dies zu verhindern, ist eben, mit dem Kind darüber zu sprechen, ihm bewusst zu machen, dass es Rechte hat, dass es Nein sagen darf, auch zu Erwachsenen und auch ganz laut, dass sein Körper ihm allein gehört und vor allem, dass dieses Thema für Mama und Papa kein Tabu ist!
Denn oftmals testen Täter an, bevor sie handeln.
Sie berühren sich oder das Kind in scheinbar unverfänglichen Situationen oder kommen z.B. ins Bad und schauen dem Kind beim Toilettengang zu. Dabei beobachten sie, wie das Kind darauf reagiert.
Sagt es offen: „Lass das, ich will das nicht!“, läuft es gar zu jemanden und sagt: „Der xxx ist einfach zu mir ins Bad gekommen!“ Oder senkt es den Blick, ist beschämt, eingeschüchtert, verlegen. Die Reaktion des Kindes in einer solchen Situation kann oft schon den Unterschied machen.
Starke Kinder werden seltener Opfer.
Und wir Eltern haben die Mittel unsere Kinder zu starken Kindern zu machen, indem wir sie ernst nehmen und ihre Grenzen respektieren. Für Kinder ist schwer zu unterscheiden, warum Dinge von Eltern erlaubt sind und von anderen nicht.
Nur, wenn wir also zulassen, dass unsere Kinder auch zu uns Nein sagen, wenn wir uns nicht über ihre persönlichen Schamgefühle hinweg setzen, lernen sie, dass sie Nein sagen dürfen.
Zu JEDEM!

Frhoppe 10.03.2016

21.02.2016 „Die machen nicht grad Werbung in eigener Sache!“

Diese Aussage meines werten Mannes trifft den Ablauf der letzten Tage so ziemlich im Kern. Denn unsere letzten elf – ja, es waren elf Tage, seit ich zuletzt Laut gab – Tage waren alles andere als geruhsam, erholsam oder irgendwas-sam.

Unser Sohn ist gerade sehr anstrengend, ohne dass wir konkret sagen könnten, woran das liegt. Er selber weiß das glaube ich auch nicht so genau und ich denke, wir alle hoffen, dass es nur eine Phase ist.
Denn tatsächlich gehen wir mittlerweile alle ziemlich auf dem Zahnfleisch, die Stimmung ist gereizt, wir sind die permanenten Streitereien um jede Kleinigkeit ziemlich leid – gestern beispielsweise war der Grund für einen Wutanfall die Uneinigkeit über die Menge des Rühreis (Der Sohn wollte alles, wir wollten das nicht).
Dazu kommt der permanente Schlafmangel, denn das Zaubermädchen scheint an einem Zahn zu arbeiten und kommt drei bis fünf mal die Nacht und will trinken, oder getragen werden. Oder auch beides. Dabei ist sie ziemlich rabiat in der Einforderung ihrer Bedürfnisse und dieses permanente Gekratze, Gekneife und Geboxe geht irgendwann an die Substanz, weil man es ja dem Baby nicht wirklich vorwerfen kann. Sie besitzt ja die Vernunft noch nicht, zu wissen, dass sie damit jemandem weh tut. Sie drückt nur ihre Frustration über die Situation aus.
Und so haben wir eigentlich durchgehend irgendein jammerndes, bockendes, schreiendes, wütendes, weinendes Kind um uns und bemühen uns bei alledem die Ruhe zu bewahren, was uns leider nicht immer gelingt.
Und dann geschieht folgendes: Am letzten Sonntag war der Herzenssohn im Kindergottesdienst. Offenbar ging es um den Garten Eden und dessen Früchte, man bestimmte dort Obst und verarbeitete es anschließend zu einem Obstsalat, der gemeinsam verspeist wurde.
Als nun der Gottesdienst vorbei war, kam eine der Betreuenden zu mir und lobte meinen Sohn dafür, dass er so lieb sein, so aufmerksam zuhöre und überhaupt so verständig und hilfsbereit sei.
Es ist nicht das erste Mal, dass Außenstehende dies über ihn sagen – anscheinend ist er woanders immer besonders lieb und zuvorkommend, keine Spur von Wutanfällen oder Trotz.
Das sagte ich dann der Dame auch und sie meinte dann zu mir: „Dann sag auch nichts davon, dass es zu Hause anders ist. Gib ihm die Chance woanders jemand anderer zu sein, ohne dass sie von euren Problemen wissen. Das geht die gar nüscht an, wie es zu Hause ist.“
Das fand ich gut! Nicht uneingeschränkt, denn ich finde, dass wir in dieser Gesellschaft viel zu viele Probleme vor anderen verbergen. Aber im Ansatz, im Grundlegenden durchaus. Es hat mich zum Nachdenken gebracht

Warum hebe ich seine schlechten Seiten hervor? Warum relativiere ich seine positive Seite?

Ist es nicht besser, mich zu freuen, dass er woanders lieb ist und nicht ausrastet. Heißt es nicht, dass ich alles richtig mache, wenn er sich außerhalb seines geschützten Raumes „zu benehmen weiß“? Im Umgang mit anderen Menschen umsichtig und vorsichtig ist? Ihr Befinden und ihre Gefühle achtet, wertschätzt, was sie sagen?
Kann ich nicht eigentlich froh sein, dass er sich bei uns sicher genug fühlt, seine negativen Emotionen unkontrolliert heraus zu lassen, weil er weiß, wir sind da? Dass er sich an uns erprobt, weil er sicher ist, dass ihm bei uns nichts passiert?
Ich werde weiterhin offen sein darüber, dass es negative Seiten gibt am Elterndasein – erst kürzlich wurde mir dafür gedankt, dass ich nicht nur über das rosa Familienglück schreibe, sondern auch mit meiner zeitweiligen Verzweiflung offen umgehe. Ich werde sicher auch weiterhin öfter hier über die Wutanfälle de kleinen Mannes bloggen – irgendein Ventil braucht Frau/Mama ja.
Aber ich werde im persönlichen Umgang mit meinem Sohn uneingeschränkter auf seiner Seite stehen, werde so tun, als wäre es ja wohl bitteschön selbstverständlich, dass er sich gut benimmt, er sei schließlich ein wundervolles Kind.
Ich werde ihm den Rücken frei halten und ihm die Möglichkeit geben, auszuprobieren, was für ein Mann und Mensch er sein möchte

frhoppe 21.02.2016

06.02.2016 Trauer

Trauer ist ein großes Wort,
denn Trauer heißt: Ein Mensch ist fort!
Niemals kann ich ihn mehr sehen,
niemals ich mehr zu ihm gehen.
Niemals seiner Stimme lauschen
oder liebe Worte tauschen.

Trauer ist Verlassensein,
Trauer ist: Ich bin allein!
Trauer ist sehr schwer zu tragen,
vor allem in den ersten Tagen.

Zeit verrennt und Zeit vergeht,
weil die Welt sich weiterdreht.
Schmerz vergeht und Wunden heilen,
weil wir stetig weiter eilen.

Und es kommt einmal der Tag
an dem man nicht mehr weinen mag,
an dem man merkt, da ist noch einer,
denn ganz allein, das ist doch keiner.

Trauer ist ein großes Wort,
denn Trauer heißt: Ein Mensch ist fort!
Immer ist sie doch auch Streben,
nach der Zukunft, nach dem Leben,
denn wir lernen durch die Trauer,
im Leben ist nur eins von Dauer.

Liebe und Erinnerung,
geben uns nun neuen Schwung,
denn da wo die Liebe bleibt,
bleibt auch der Mensch in Ewigkeit!

Wir haben heute meinen Onkel beerdigt! Einen geliebten, sturen, schelmischen, wundervollen Menschen!
Er wird für immer in unseren Herzen bleiben!

Was wir bergen in den Särgen ist das Erdenkleid, was wir lieben, ist geblieben, bleibt in Ewigkeit.
– J.W. von Goethe –

06.02.2016 frhoppe

25.01.2016 Es arbeitet in ihm – mein armer kleiner Mann!

Heute morgen kam mein kleiner Mann freudestrahlend zu mir kuscheln. Er war wirklich äußerst anschmiegsam und lieb und darum überraschte es mich doch etwas, als er plötzlich ganz verträumt sagte: „Ich mache jetzt deinen Kopf ab!“ Begleitet von Sägebewegungen an meinem Hals.

Ich erklärte ihm daraufhin, dass ich das nicht ganz so optimal finden würde und dass ich meinen Kopf doch bräuchte.
Doch, er müsste den jetzt abschneiden.
Ich brachte vorsichtig zu bedenken, dass ich ohne Kopf nicht leben könne.
„Dann gehst du zu einen Kopfdoktor und der macht ihn wieder ran. Dann bist du nicht mehr verstorben.“
Oha! So ähnlich hatten wir das ja vor einigen Tagen schon gehört. Da hatte ich das einfach so stehen lassen, aber nun wurde doch offenbar, dass der kleine Mann mitnichten den Zusammenhang zwischen verstorben und tot hergestellt hatte.
Ganz behutsam erklärte ich ihm, dass Menschen, wenn sie verstorben sind, nicht mehr zurück kommen, sondern in den Himmel gehen und da auf uns warten – zur Erinnerung: wir haben einen christlichen Hintergrund, das Konzept Himmel kennt der Lieblingssohn also.
„Aber ich will das nicht!“ merkte der kleine Mann an.
„Ich will das auch nicht, Häschen, aber so etwas passiert nun einmal. Manchmal werden Menschen schlimm krank und dann sterben sie.“
„Ich bin krank!“ Das klang sehr besorgt.
„Ja! Aber nicht so krank! DU hast Medikamente bekommen und jetzt geht es dir besser. Du stirbst nicht!“
„Keiner soll sterben!“
„Das hätte ich auch gerne, mein Süßer, aber das geht leider nicht. Wir können nur beten, dass unsere Lieben und unsere Freunde gesund bleiben.“
„Onkel L. war mein Freund,“ sagte der Lieblingssohn ganz leise mit ganz großen, traurigen Augen.
Dann war Stille!
Und dann – dann kuschelte sich mein Sohn ganz eng an.
„Mama! Du darfst nicht versterben.“ Und bevor ich antworten konnte, an dem Kloß vorbei, seufzte er tief. „Außer du bist ganz alt – dann könntest du versterben.“

Puh! Was für ein Start in den Tag sag ich euch!

Frhoppe 25.01.2016

22.01.2016 Die gehen in ein Reparierhaus…

Vor einigen Tagen erhielten wir eine Nachricht, die uns alle einigermaßen fassungslos zurücklässt, weil wir damit einfach nicht gerechnet haben.
Ein naher Verwandter ist überraschend verstorben – er war zwar im Krankenhaus und es war auch ernst, aber eigentlich schien er Fortschritte zu machen und dann kam plötzlich diese Nachricht.
In erster Linie gelten meine Gedanken natürlich seiner Frau und seinen beiden Töchtern, meiner Mama, die im letzten Jahr nach all den Jahren noch eine ganz besondere Bindung zu ihrem Bruder aufbauen konnte. Ich denke an meine Cousine, die seit Oktober in Südamerika ist und ich frage mich, ob sie sich genug verabschieden konnte. Natürlich hat sie sich im Voraus darüber Gedanken gemacht, dass so etwas passieren könnte, aber wirklich damit gerechnet?
Ich bin sehr still gewesen in den letzten Tagen, habe viel darüber nachgedacht, wie viel Zeit wir im Leben verschwenden, weil wir denken, wir haben noch genug davon. Ich denke an den Enkel, der seinen Opa nur so kurz hat kennen dürfen und an die Enkel, die ihn nicht mehr kennenlernen.

Und ich denke auch an meinen Sohn, denn von allen seinen vielen Großonkels mochte er diesen am liebsten.
Es kam darum auch gar nicht in Frage, dass ich dem kleinen Mann diesen Verlust verschweige, nur wusste ich beim besten Willen nicht, wie ich es ihm sagen soll.
Für ihn – und auch für mich – ist es der erste Verlust mit dem wir umgehen müssen und gerade bei Kindern ist es wichtig, wie mit dem Thema umgegangen wird, vor allem, weil meine Kinder nicht in der glücklichen Position werden sein, erst mit 30 mit dem Verlust naher Verwandter konfrontiert zu sein.
Ich beschloss mich langsam heran zu tasten. Ohne den kleinen Mann jetzt schon informieren zu wollen, fragte ich ihn an jenem Tag auf der Rückfahrt von der Kita: „ Kannst du dich noch erinnern, wie du den Onkel besuchen warst in seinem Haus?“
„Ja!“ Es herrschte einen Moment lang Ruhe. Und dann geschah etwas Unheimliches. „Der Onkel ist verstorben,“ sagte mein Sohn ganz leise.
Ich weiß, nicht woher er das wusste. Vielleicht hat es an meiner Stimme gehört, vielleicht hat er eine unfassbare Intuition, aber was auch immer es war, ich war sprachlos. Ich hatte es ihm ja noch gar nicht sagen wollen, ich wollte nur mal das Terrain auskundschaften, um mir zu überlegen, wie ich es ihm am besten sage, aber so war ich völlig überrumpelt.
„Ja,“ antwortete ich eben so leise. „Der Onkel ist gestern verstorben.“
Und dann war Ruhe im Auto, so als würden wir beide das erst einmal sacken lassen.
Erst zu Hause kam er wieder darauf zu sprechen.
„Der Onkel ist verstorben,“ sagte er mitten im Spielen zu mir. Ich setzte mich zu ihm, nahm ihn auf den Schoß und versuchte ihm zu erklären, dass der Onkel krank gewesen sei und auch lange im Krankenhaus war.
Da sah der kleine Mann mich fragend an und sagte: „Ich bin auch krank!“
Ganz ruhig sagte er das und doch machte es mir bewusst, wie sehr man auf seine Worte achten muss, denn es stimmte, der kleine Mann hatte ja gerade erst Medizin schlucken müssen und hustete auch immer noch.
Ich glaube, mehr um mich zu beruhigen, hielt ich meinen Sohn einige Momente lang sehr fest. Dann erklärte ich ihm, dass sein Onkel anders krank gewesen sei und dass man keine richtige Medizin für ihn gefunden hatte und ich konnte sehen, dass diese Erklärung für den klugen kleinen Kerl okay war.
Dann fragte ich ihn, was er denn glaube, wo die Menschen hingehen, wenn sie verstorben sind.
„Die gehen in ein Reparierhaus und da kommt ein Mann und repariert sie, dann sind sie nicht mehr verstorben,“ antwortete er sehr sicher.
Und für mich, die ich einen christlichen Hintergrund habe, ist das wohl eine der schönsten Interpretationen von Auferstehung! Ich möchte genau daran glauben, dass egal wie kaputt ich aus dem Leben scheide, körperlich wie seelisch, ich dort oben angenommen werde und meinen Platz an der Seite meiner Lieben einnehme.
Ich berührt mich sehr, dass mein kleiner 3-jähriger Sohn in der Lage ist, das so klar auszudrücken, denn im Grunde hat er Recht, selbst wenn man nicht an die Auferstehung glaubt. Da, wo wir den Verstorbenen gedenken, da wo sie ihren Platz in unserem Herzen und in unserer Erinnerung haben, da sind sie niemals wirklich fort.

Mein Onkel war ein toller Mensch! Ein Mensch mit Problemen, wie jeder andere Mensch auch, aber nichts desto weniger ein fantastischer Mensch, der für seine Lieben immer parat stand.
Der für seinen Enkel lebte und gesund sein wollte und es am Ende nicht geschafft hat!
Er wird mir fehlen!
Und nicht nur mir!

Frhoppe 22.01.2016

Es war ruhig…

Es war ruhig um mich.
Sehr ruhig.
Sehr lange!
Aber ich brauchte Zeit.
Zeit, um zu verstehen, dass ich meine Tochter zwar lieben kann, aber gleichzeitig erst noch eine Beziehung zu ihr aufbauen muss.

Das kannte ich vom kleinen Mann so nicht. Als er auf die Welt kam, da gab es gleich das volle Paket.
Bäm!!! Liebe, Freude, Sorge, Ichwilldichkennenlernenmeingottwasbistdusüßundclever! Alles also. Ich wusste: Der da und ich! Wir werden ein Team.
Und so war es dann ja auch.
Mit dem Lieblingssohn lief alles wie am Schnürchen. Er schlief von Anfang an ganz viel, ließ sich prima wickeln, meisterte alle U-Untersuchen mit Bravour, drehte sich mit sechs Monaten brav das erste Mal vom Rücken auf den Bauch und aß eigentlich alles, was man ihm so anbot. Gut in den ersten sechs Monaten war das ausschließlich Muttermilch – aber danach dann! Da verschwand alles in seinem Mäulchen. Unfälle gab es quasi nicht, weil das clevere kleine Kerlchen – ich hab es ja gleich gewusst – irgendwie immer alles erst vorsichtig ausprobierte.
Ich gebe zu, von dem vorsichtig ist nicht mehr viel übrig, aber clever ist er immer noch! Sehr!!!

Und dann kam das Herzensmädchen. Die Geburt war anders.
Der Kreißsaal war überfüllt, ich wurde in das Zimmer für Wannengeburten geschoben, im Grunde ein größeres Bad – also schön kalt-weiß gefliest und aufgrund der fest installierten Wanne dann mit dem Krankenbett auch schön eng.
Da lag ich dann. Und ich lag lange, denn wenn die Fruchtblase platzt und das Kind noch nicht im Becken ist, dann muss man liegen. Auch, wenn man auf Toilette muss. Keine schöne Erfahrung. Nach neun Stunden mehr oder minder ineffektiven Wehen, bekam ich dann ein Wehen förderndes Mittel, das immerhin soweit half, dass ich zwischen halb drei und halb vier einen Spaziergang im Park machen durfte.
Das doofe ist, dass die durch dieses Mittel verursachten Wehen oft schmerzhafter sind – so wie auch in meinem Fall. Gleichzeitig zeigte mein Wehenschreiber nur einen geringen Ausschlag an. Da ich das alles ja schon mal mitgemacht hatte, wusste ich, dass die Höhe des Ausschlags gleichgesetzt werden kann mit der Stärke der Wehe.
Ich verbrachte also eine geraume Zeit mit dem panischen Gedanken: Ach du scheiße, wenn das jetzt schon so wehtut, wie soll ich dann den Rest schaffen. Das nämlich wusste ich auch noch von der ersten Geburt. Die „richtigen“ Wehen sprengen die Skala. Nur hatte ich in punkto Schmerz keinen Vergleich, denn beim ersten Mal war mir ja nach zwölf Stunden eine PDA gelegt worden.
Zum Glück fasste ich mir ein Mäuseherz und berichtete der Hebamme bei ihrem nächsten Besuch von meiner Verwirrung. Die klärte dann lachend das Missverständnis auf: Der Wehenschreiber könne nur bedingt etwas über die Intensität der Wehe aussagen, weil Frauen ja nicht genormt seien. Das Ding diene nur der Überprüfung der Abstände.
Nachdem das dann geklärt war, konnte ich mich auch besser auf das Veratmen der Wehen konzentrieren, von denen ich fand, dass sie jetzt doch schon recht schnell und stark kamen. Und noch immer lag ich im Bad, keine Spur von dem versprochenen Kreißsaal. Erst gegen halb sechs also nach 13 Stunden überbrachte die Hebamme mir die Nachricht, dass ich gleich umziehen dürfe, sie müsste nur noch … irgendwas… ich weiß nicht mehr… ich solle jedenfalls das Kind nicht ohne sie bekommen.
Guter Witz!
Vor allem, weil es fast passiert wäre.
Kaum war sie nämlich zur Tür raus, wollte auch das Herzensmädchen raus. Sofort! Aber wirklich: SOFORT!!!
Die Hebamme schoss wieder herein mit den Worten: „Na was ist denn jetzt passiert?“ Sehr vertrauenerweckend im übrigen. „Nun gut, dann bekommen wir das Kind eben hier!“
Ja! Guter Plan! Weil ich gehe jetzt nirgendwo hin!
Innerhalb von 10 bis 15 Minuten war meine Tochter auf der Welt, nachdem sie vorher zehn Tage länger gewartet hatte.
Wenn ich das jetzt hier lese, dann klingt es nicht schlimm und ich weiß von der Logik und auch von Freunden, dass er sehr, sehr, sehr viel schlimmere Geburtssituationen gibt, aber ich ganz persönlich habe diese Situation als verstörend empfunden.
Das lange Liegen, in einem Raum abgestellt, der überhaupt keine Wärme ausstrahlt, das Baby in einem provisorischen Krankenbett zu bekommen – Mütter kennen den Unterschied zu einem Kreißsaalbett – und dann auch noch so schnell. Und so stolz ich darauf bin, keine PDA gebraucht zu haben, auf die Schmerzen war ich nicht vorbereitet. Weil ich ja schon ein Kind hatte, dachte ich wohl irgendwie, ich wüsste was kommt. Ich hatte allerdings verdrängt, dass ich beim Sohnemann eine PDA bekam. Und dann sagte man uns noch, dass wir wegen der vielen Geburten kein Familienzimmer bekommen könnten. Ich würde also die erste Nacht allein verbringen – nein, nicht allein, sondern mit einer anderen Frau.
Wie gesagt, an sich und objektiv gesehen, war es alles nicht schlimm, tausende, ach was Millionen Frauen wünschen sich, so gut versorgt ihr Kind zu bekommen, aber in mir hat es trotzdem etwas ausgelöst. Ich fühlte mich nicht so glücklich wie nach der ersten Geburt.

Wobei ich durchaus glaube, dass dies normal ist. Schließlich ist ja bei aller Konzentration auf die eigentliche Geburt auch der Gedanke an das große Kind dabei, auch wenn dann das neue Würmchen da ist. Man muss eben doch an das andere Kind denken, das in unserem Fall bei Oma und Opa war.
Und so kam es – kurz zusammen gefasst – dass ich mit dem Herzensmädchen Berührungsängste hatte. Ich war unsicher – eigentlich weniger, dass ich sie liebe, aber wohl, ob wir miteinander auskommen.
Doof – ich weiß!
Aber diese Sicherheit, dass wir zusammen gehören, die fehlte mir. Ich kümmerte mich, ich fütterte, ich versorgte und ja: Ich liebte!
Aber Ende August wurde mir klar: Ich kenne meine Tochter noch nicht! Ich habe keine Beziehung zu ihr.
Das war der Punkt, an dem ich mich entschied, mich auf die Familie zu konzentrieren. Ich hätte unbedingt für das Studium weiterarbeiten MÜSSEN, aber das war mir egal. Ich wusste, dass hier viele auf neue Beiträge warten und manches Mal gab es Situationen, die ich gerne mit euch geteilt hätte, aber das musste mir egal sein. An erster Stelle stand, dass meine Tochter und ich uns kennenlernen, eine Bindung miteinander eingehen und ich das Gefühl bekomme, sie ist ganz mein Mädchen.

Und heute bin ich an diesem Punkt!

Heute höre ich mich sagen: meingottwasbistdusüßundclever! Heute haben meine Tochter und ich eine so enge Bindung, dass es schon wieder zu viel ist.
Im Ernst!
Sie hat sich angewöhnt mich nur noch anzuheulen: Wenn ich den Raum verlasse, wenn ich ihn betrete, wenn ich an ihr vorbeigehe, wenn ich sie jemand anderem gebe und dann gehe, wenn ich wieder komme und sie nicht SOFORT nehme – sie heult!
Und das nicht mal niedlich. Sondern seeeehr vorwurfsvoll! Ich nenne sie schon liebevoll „Meine kleine Wutbratze!“ Und freue mich jetzt schon auf die Pupertät. 😉

Trotzdem, ganz oft, wenn sie mich sieht, strahlt ihr ganzes Gesicht, sie springt fast vom anderen Arm herunter, um zu mir zu kommen und ihr Krabbeltempo ist atemberaubend, wenn sie auf mich zu oder hinter mir her wuselt. Sie freut sich mit dem ganzen Körper darüber bei mir zu sein und seit kurzem kuschelt sie aktiv mit mir, sucht ganz bewusst meine Nähe und schmiegt ihr Köpfchen an mich. Ich liebe das.

Und genau darum war es richtig, mir diese Zeit zu nehmen, auch wenn ich dadurch vielleicht mein Studium nicht mehr schaffe und ich ganz sicher einige Leser verloren habe.
Ich kann auch nicht versichern, dass ich Zukunft wieder jeden Tag blogge, aber ich bin auf jeden Fall wieder da und ab morgen gibt es wieder Anekdoten und Geschichten vom Lieblingssohn und dem Herzensmädchen, denn ich sage euch, da gibt es viel zu erzählen.

frhoppe 17.01.2016

11.08./12.08.2015 Wenn Kinder plötzlich verrückt spielen …

… dann ist es vielleicht Zeit sich selbst und das eigene Verhalten zu reflektieren.

Die letzten zwei Tage waren für uns alle sehr durchwachsen, sehr anstrengend, aber auch sehr schön. Begonnen haben sie schon sehr früh, denn unser Sohn beschloss an beiden Tagen, dass er um sieben Uhr morgens wach ist. Leider waren wir zeitgleich wegen einiger Umräumarbeiten in den beiden jeweiligen Nächten wiederum sehr spät im Bett – so gegen eins oder zwei – was nun naturgemäß dazu führt, das WIR um sieben definitiv nicht wach sind.
Schon gestern, aber heute besonders, war unser normalerweise schon recht aufmüpfiger Sohn richtiggehend renitent. Er hat jegliche Anordnung verweigert und nicht nur das, auch noch mit voller Absicht das komplette Gegenteil gemacht, was nur mit großem Glück nicht zu größeren Sachschäden und Verletzungen geführt hat. Die ganze Situation gipfelte am Abend darin, dass sowohl der Papa als auch ich eine Backpfeife bekamen und so lange getreten wurden, bis ich dem Kind androhte, es ohne Windel schlafen zu lassen, wenn jetzt nicht sofort Schluss sei. Dann erst ließ sich der kleine Mann wickeln, aber das war auch schon alles. Im Endeffekt waren wir alle völlig erschöpft, unglücklich – wegen der Hauerei fiel auch das abendliche Singen und Kuscheln aus – und als der Sohn endlich eingeschlafen war, saßen wir als Eltern im Wohnzimmer und hielten Kriegsrat.
Der Herzensmann fragte mich immer noch recht aufgebracht, was denn bloß in unser Kind gefahren sei, das könne man ihm doch nicht durchgehen lassen. Ich dachte sehr ernsthaft darüber nach. Natürlich kann und darf man einem Kind nicht alles durchgehen lassen. Gerade so ein starker kleiner Charakter braucht klare Grenzen an denen es sich reiben kann, aber verlangen wir zu viel? Verlieren wir zu schnell die Geduld? Oder diskutieren wir zu viel, sind zu inkonsequent?

Da saß ich nun und ließ die letzten Wochen passieren und ich muss sagen: Beides! Von jedem gerade soviel, dass es ein Kind vollends verwirren muss!

Geschuldet ist das sicherlich dem Stress unter dem wir mit der Hochzeit und den bis zum Wochenende andauernden Aufräumarbeiten standen. Dann wurde der Papa krank, vermutlich wegen der Hitze, vielleicht aber auch wegen eines Infektes. Eine Entschuldigung ist das aber nicht.
Rückblickend betrachtet habe ich in vielen Dingen sehr inkonsequent gehandelt. „Dann mach halt!“ höre ich mich öfters sagen, weil ich nicht den Nerv hatte, wieder etwas auszudiskutieren. Gleichzeitig bin ich öfters laut geworden, war sehr gereizt. Nicht dem Kind gegenüber, aber dem Papa. Wir haben uns öfter in die Haare bekommen und haben uns dabei auch nichts geschenkt. Der Papa wiederum ist nicht nur ebenso gereizt wie ich, sondern durch den Infekt so ausgelaugt, dass er zwar körperlich beim Sohn ist, aber gar nicht wirklich mit ihm agiert. Er liegt auf dem Bett, während der kleine Mann um ihn herum spielt oder er spielt zwar, aber insgesamt mit sehr wenig Kommunikation. Die einzigen Momente, in denen er viel und konzentriert mit seinem Sohn spricht, sind oft die, in denen der kleine Mann über die Strenge schlägt und zurechtgewiesen wird.Und das oft auch sehr harsch und laut.
Ist es da ein Wunder, dass unser kleines Männchen anfängt, uns anzuschreien? Ist es ein Wunder, dass er anfängt, alle Grenzen neu zu hinterfragen? Wenn ich respektlos mit dem Papa umgehe, warum soll er das dann nicht dürfen? Und wenn alle gereizt sind und schreien, warum muss er dann als einziger ruhig sein?
Das sind legitime Fragen und es sind Fragen, die ein Kind in große Verwirrung stürzen, sodass es dann eben mit Schlagen und Treten reagiert. Und auch wenn ich darauf direkt reagieren muss – denn das ist bei uns absolut tabu! – muss ich mich doch auch fragen, warum der Sohn so reagiert und muss mich mir selbst und meinem Verhalten stellen. Wir Eltern sind die Vorbilder unserer Kinder und was wir tun, ist für sie das Muster dessen, wie sie handeln.
Ich weiß, dass wir in den letzten Tagen, man kann sogar sagen Wochen, nicht immer perfekt gehandelt haben, oft nicht einmal richtig. Aber dazu bleibt mir eben auch nur zu sagen, dass wir Menschen sind und weit davon entfernt perfekt zu sein. Ich war heute beeindruckt von meinem Mann, der auf die Erläuterungen meiner Erkenntnisse nicht etwa mit Verteidigung reagiert hat, sondern mit Einsicht – Er wisse, dass er oft zu schnell laut werde und es tue ihm hinterher immer leid. Und er bedankte sich dafür, dass ich das angesprochen habe, denn den Zusammenhang hatte er trotzdem so noch nicht gesehen. Dennoch glaube ich, dass wir diese Phase gut überstehen können, denn jetzt, wo wir unsere eigene Mitverantwortung an der Situation erkannt haben, können wir daran arbeiten.
Es wird auch weiterhin klare Grenzen geben und es wird sicherlich auch nicht schlagartig ruhig und gesittet zugehen – wir sind hier ein Widder, ein Schütze und ein Skorpion im Ring – aber wir versuchen uns selbst und unsere Fehler zu betrachten und daraus zu lernen. Und eines ist sowieso klar: Auch wenn wir die Eltern sind, wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann wird sich entschuldigt! Das ist das mindeste und nur so kann man sein Kind zu einem empathischen Menschen machen.

Das wir eben doch nicht so viel falsch machen, zeigte sich gestern Nachmittag, als ich nach einem Streit weinend in der Küche saß. Das war ein deutliches Zeichen der Überreizung, denn eigentlich war der Streit tatsächlich gar nicht schlimm. Vor allem aber weine ich so gut wie nie und bisher auch noch nicht vor unserem Sohn.
Statt nun aber vor der Situation zurückzuschrecken, handelte unser wundervoller kleiner Mann. Er fragte nicht einmal – was für ein Kind in der Warum-Phase typisch wäre – „Warum weinst du denn?“, sondern kam einfach zu mir. Er legte mir die Arme um den Hals, gab mir einen ganz dicken, zärtlichen Kuss, sah mir in die Augen und sagte: „Mama! Du brauchst nicht weinen! Es ist alles gut.“ Dann gab er mir seine durchweichte Dinkelwaffel und sagte: „Hier, das musst du essen, dann weinst du nicht mehr!“
Es steht außer Frage, dass ich danach gar nicht mehr traurig sein konnte. Und morgen früh werde ich mich als erstes bei meinem kleinen Mann für den Stress der letzten Wochen entschuldigen!

Frhoppe 12.08.2015

08./09.08.2015 Unser Wochenende

Vorweg gegriffen lässt sich sagen: Unser Wochenende war toll. Wir hatten sehr viel Zeit für uns als Familie, ich konnte mich beiden Kindern widmen und hatte sogar noch etwas Zeit, Dinge zu erledigen, die mir wichtig waren – Blog aktualisieren, Fotos sichern usw.
So schön es alles in allem aber auch war, haben wir etwas an unserem Sohn bemerkt, dass uns ein wenig hilflos zurück lässt.
Er jammert!
Und zwar nicht nur mal so am Rande, wenn er müde ist, sondern in einer Tour fort. Es beginnt morgens mit dem Aufstehen und endet abends beim ins Bett gehen. Egal, worum es geht, jederzeit kann die Sirene angehen und wir haben langsam das Gefühl nichts mehr richtig machen zu können. Lassen wir ihn helfen, will er nicht, sagen wir „Dann lass es!“, will er auf einmal doch.
„Ich kann nicht!“, „Ich will nicht!“, „Das geht nicht!“ sind derzeit die häufigsten Sätze bei uns. Und immer vorgetragen in einer weinerlich, quengelig, möglichst lautstarken Art. Mal ganz davon abgesehen, dass dies irgendwann das stärkste Nervenkostüm angreift, weiß ich langsam ganz grundsätzlich nicht mehr, wie ich damit umgehen soll.Sätze wie „Du bist doch ein Junge!“ kann ich da gar nicht hören. Warum sollen Jungs weniger Recht haben zu weinen oder mal über die Gesamtsituation zu jammern. Aber unser Sohn jammert wirklich in einer Tour. Hemd verkehrt herum. Wuäääh. Hose nicht übern Hintern bekommen. Wuähhh. Toast falsch gefaltet. Wuähäää.
Unabhängig davon, ob er ein Junge ist oder nicht – und auch davon, dass ich es nicht mehr hören kann – finde ich einfach, dass er es sich damit zu einfach macht. Wir sollen ihm immer und bei allem sofort helfen. Er macht quasi nichts alleine. Und jedes Mal helfen will ich ihm einfach nicht. Er soll auch lernen, dass er ganz viele Sachen alleine machen kann und das wird er nicht, wenn er es nicht einmal versucht.
Es ist wirklich schwierig im Moment da an ihn heranzukommen, denn er schaltet auf Durchzug, wenn ihm nicht sofort geholfen wird. Und leider, leider, leider habe ich mich selbst schon das ein oder andere Mal bei Sätzen ertappt, wie „Jetzt hör doch endlich mit dem Geplärre auf. Das ist ja nicht auszuhalten!“ oder „Du nervst mit deinem ewigen Geheule!“
Ich hoffe sehr, dass ich öfter die Ruhe und die Geduld habe, die mir heute morgen gegeben war. Als nämlich der Sohn weinend und jammernd darauf beharrte, dass er seine Schlüppi nicht alleine anziehen könne, erklärte ich ihm sehr ruhig und ernsthaft, dass ich vollstes Vertrauen habe, dass er das schafft, denn er sei schließlich ein ganz großartige, kluger, kleiner Junge, der schon ganz viel kann, wenn er es denn nur versucht! Denn da klappte es nämlich auf einmal – wenn auch weiterhin jammernd – ganz wunderbar mit dem Anziehen.
Ich frage mich, wie das bei anderen Eltern ist! Ist das eine Phase? Wie gehen die anderen Eltern damit um? Muss denn mein Kind nicht auch lernen, Situationen selbst zu bewältigen? Und ab wann lasse ich ihn im Stich, wenn er Dinge ganz allein machen muss?
Fragen über Fragen, die mich dieses Wochenende begleitet haben! Vielleicht finde ich ja nächste Woche einige Antworten darauf…

Frhoppe 09.08.2015

06.08.2015 Ich liebe meine Tochter – Endlich!

Ich weiß, dass ich das schon öfter schrieb. Ich weiß, dass ich das schon oft gesagt habe. Ich weiß, dass ich immer, jederzeit und überall, alles für sie gegeben hätte und für sie geben würde. Aber ich weiß auch, dass ich diese tiefe, allumfassende Liebe, die bei unserem Sohn vom ersten Tag an da war, nicht empfunden habe.

Vielleicht lag es an dem Stress der letzten vier Monate, daran, dass ich eigentlich nie zur Ruhe kommen konnte, einfach mal innehalten und diesen kleinen Menschen betrachten. Wann immer ich mich mit ihr befasste, war es, um sie zu stillen, zu trösten, ihr Bauchweh zu beseitigen oder um sie zu wickeln. Wenn ich nicht bei ihr war, dann kümmerte ich mich um die Hochzeitsvorbereitungen, um den Haushalt – auch wenn mein Mann dabei wirklich vorbildlich mithalf, aber er arbeitet ja auch –, um Einkäufe oder eben um unseren Sohn. Das da etwas nicht richtig lief, konnte ich zunächst nicht richtig ausdrücken, kaum benennen, denn ich wusste, ja ich liebe sie. Aber wenn sie wieder einmal zwei Stunden schrie und dann ruhig war, sobald der Papa nach Hause kam, wenn sie zwar endlich einmal länger schlief, aber genau dann wieder wach wurde, wenn ich mich gerade hin gesetzt hatte, wenn ich manchmal bis mittags noch nichts gegessen oder mich vom vielen Herumtragen mit Magenschmerzen auf dem Boden wälzte, dann liebte ich sie, ohne dieses Gefühl zu empfinden. Ich sah sie an und funktionierte nur noch. Fliegergriff, Stillen, Wickeln, Bauchmassage – alles immer sanft, alles immer beherrscht, nie am Rand der Kontrolle, aber eben mechanisch.
Das erste Mal wirklich bewusst sagen, konnte ich das einige Wochen vor der Hochzeit: Mein Mann sah unser Babymädchen verzückt an und freute sich: „Sieh sie dir an. Sie ist so schön. Ich freue mich so, sie zu haben.“ Ich zögerte einen Moment und nahm dann meinen Mut zusammen. „Ich weiß…Aber ich kann mich nicht mehr freuen, wenn ich sie sehe!“ Mein Mann reagierte genau richtig. Er blieb ruhig, fragte, wie das käme und was wir dagegen tun könnten und auch warum das jetzt bei ihr so ist und beim Sohn nicht so war – etwas, dass ich mich selbst auch schon voller Schuldgefühle gefragt hatte. Die Lösung des Problems war einfach. Ich war seit der Geburt und vorher durch eine Grippeerkrankung des Gatten bedingt auch schon, immer nur auf Hochtouren gelaufen. Beim Sohn war alles traumhaft verlaufen. Ich war die letzten zwei Wochen vor der Geburt sehr entspannt, konnte viel Ruhe tanken, mich erholen und Kraft sammeln. Der Sohn kam eine Woche früher, die Geburt verlief im Großen und Ganzen unkompliziert und die Rekonvaleszenz durfte ich in vollen Zügen genießen. Ich wurde umsorgt, mir wurde Essen gebracht, man ging sogar schon ab der zweiten Woche ein bis zwei Mal pro Woche für etwa ein bis zwei Stunden mit dem Sohn spazieren, sodass ich zumindest diese Zeit für mich hatte. Da es mir aufgrund der PDA und anderer kleinerer Komplikationen auch noch nicht wirklich gut ging, nahm ich mir die Zeit für mich. Und vor allem nahm ich mir die Zeit für das Kennenlernen mit unserem Sohn. Wir konnten viel kuscheln, wir verbrachten lange Stunden auf der Couch – Bauch an Bauch und so zärtlich. Ich sang ihm vor, ich erzählte ihm Geschichten und bewunderte ihn einfach nur! Alles ganz wunderbar also!
Beim Babymädchen begann alles ganz anders. Zweieinhalb Wochen vor dem Termin bekam der Papa die Grippe – also keine Männergrippe, sonder so die richtige. Nix Entspannung also und Füße hochlegen. Mann, Sohn, Haushalt und Einkauf erledigen, während schon jetzt aufgrund der Hustenanfälle des Gatten kaum mehr von Nachtschlaf die Rede sein konnte. Pünktlich zum errechneten Termin und sehr zu unserer Erleichterung war der Gatte dann genesen, das Kind also konnte kommen.
Allein es kam nicht!
Ganze zehn Tage ließ sich sie sich Zeit – zehn Tage voller CTGs und Ultraschalluntersuchungen, voller Bangen und Zweifeln, voller Warten und Hoffen. Es war eine schwierige Zeit für mich, denn nicht nur haderte ich mit mir, weil ich es „nicht schaffte, meinem Kind natürlich auf die Welt zu helfen“, es gab auch einen Grund für die Eile, denn meine beste Freundin sollte am 17.03. nach Irland auswandern. Ohnehin schwer genug für uns beide, aber dass sie nun auch noch mein Babymädchen verpassen sollte, das war ein schier unerträglicher Gedanke. Und doch kam es so. Um ganze zwei Tage verpassten sie sich. Wenigsten machte sich unsere Tochter, nachdem wir uns schweren Herzens für eine Einleitung am nächsten Tag entschieden hatten, dann nächtens doch noch allein auf den Weg. Die zweite Geburt war, wenn möglich, sogar noch unkomplizierter. Sie ging schneller, ich brauchte keine PDA und mir ging es quasi sofort wieder richtig gut. Vielleicht war das genau das Problem, denn so hatte ich keinen Grund mich zu schonen. Voll einsteigen war die Devise. Im Haushalt, bei Verwandtenbesuchen, aber vor allem beim großen Sohn. Ich wollte allem gerecht werden. Saubere Wohnung? Schaff ich, mir geht’s ja gut. Verwandte jeden zweiten Tag? Na klar, ich will sie ja auch sehen und mir geht’s ja gut. Den großen Sohn auf keinen Fall vernachlässigen? Das versteht sich ja wohl von selbst und: Mir geht’s ja gut!
Und so war es auch. Mir ging es gut! Ich war fit und auch glücklich.
Und verpasste den Moment, mir Zeit für mich und für unsere Tochter zu nehmen. Kaum waren die Besuche vorbei, ging es mit der Hochzeitsvorbereitung los. Der Papa musste auch wieder arbeiten und so kam es auch öfter vor, dass ich mit beiden Kindern abends allein war und sie eben auch beide allein ins Bett bringen musste. Wer das schon mal mit einem naturgemäß aufmüpfigen zweieinhalbjährigen Neubruder und einem kollikgeplagten, brüllenden Neugeborenen gemacht hat, der weiß, dass man da schnell ziemlich fertig ist. Das war die Zeit der Magenkrämpfe, über die ich ja auch geschrieben hatte. Dazu kamen dann die Osteopathietermine und die Bobathterapie. Aber ich schaffte das alles und mir ging es ja gut!
Zumal mir der große Sohn auch abgenommen wurde. Verschiedenste Großeltern holten ihn wechselnd von der Kita ab – so oft, dass dies im Entwicklungsgespräch angesprochen wurde. Ihnen sei aufgefallen, dass der Sohn gehäuft von jemand anderem abgeholt würde, sie würden uns raten, ihn doch lieber öfter selbst abzuholen. Die Kita meinte das gar nicht böse, verstand sogar meine gutgemeinten Irrglauben, ich würde ihm damit etwas Gutes tun, schließlich bekäme er da die ungeteilte Aufmersamkeit und müsse sich nicht langweilen, weil das Baby gerade schreit. „Aber manchmal wollen sie einfach bei Mama sein, egal ob sie Zeit hat!“ Ich verstand das und fortan wurde der Sohn nur noch eins, manchmal zweimal die Woche von jemand anderen aus der Kita abgeholt. Dann verbrachte er einen schönen Nachmittag und kam fröhlich und erschöpft wieder. Nur mit dem Babymädchen ging niemand spazieren. Sie war immer bei mir! Und wenn sie mal nicht bei mir, sondern beim Papa war, dann nutzte ich die Zeit, um endlich mit dem Sohn zu spielen und zu kuscheln. Ich war immer in Habachtstellung, immer mit einem Ohr beim Kind, niemals wirklich entspannt.
Gesagt habe ich das niemandem. Ich habe das schließlich so gewollt! Ich hätte ja kein zweites Kind bekommen müssen! Und schon gar nicht so schnell. Zumindest dachte ich, dass die anderen so denken würden. Und ich gab ihnen ja auch irgendwie Recht. Also sagte ich nichts. Machte sogar allen vor, dass ich gar keine Sorgen hätte.
Bis zu dem Tag, als ich mit dem Mann sprach. Seitdem ist es ein wenig besser geworden. Wenigstens ein paar Mal war jetzt schon jemand mit dem Babymädchen spazieren, während Sohnemann nicht da war. Ich konnte zu den Chorproben und an meinem Junggesellinnenabschied hatte ich fast den ganzen Tag kindfrei.
Trotzdem traf es mich nach der Hochzeit wie ein Schlag, dass mein kleines Mädchen schon vier Monate alt ist. Sie ist so fit und so schnell in allem, dreht sich schon und versucht zu krabbeln, wird wütend, wenn sie es nicht schafft und stützt sich dann vor Wut doch schon auf die Hände. Sie erzählt – noch viel mehr als es ihr Bruder in diesem Alter getan hat, brabbelt in einem fort vor sich hin und uns an. Sie lacht und zieht Grimassen, freut sich, wenn wir sie anlachen und liebt es über Kopf gehalten und in die Luft „geworfen“ zu werden. Je doller es wackelt, desto mehr giggelt sie.
Und so kam es:
Gestern nachdem wir wie wild herum gealbert hatten und sie ihr neuestes Können mit dem Mund bewiesen hatte – nämlich Bwwwwwwwwwww, mit wackelnden Lippen und viel Spucke – schlief sie ein! Eine Weile später wachte sie auf. Ich stand zufällig gerade in der Tür und beobachtete sie. Sie hob ruckartig den Kopf – weil sie sich selbst im Schlaf auf den Bauch dreht, war sie in Bauchlage –, sah sich verschlafen suchend um und erblickte mich schließlich. Ihr Augen begannen zu leuchten, sie lachte über das ganze Gesicht und strampelte wie wild mit beiden Armen und Beinen, so sehr freute sie sich, mich zu sehen.
Das war er! Der Moment, in dem sich all die Liebe, von der ich wusste, dass sie da in mir sein muss, Bahn brach. In der sich sprichwörtlich mein Herz verkrampfte und ich nicht nur wusste, sondern fühlte, das ist mein Herzensmädchen! Mein Ein und alles! Und erstaunlicherweise ist es eine andere Liebe als die zum Sohn. Es ist schwer den Unterschied zu benennen, denn die Intensität ist die gleiche. Aber vielleicht ist sie nicht so unbeschwert. Ja! Ich denke, das ist es. In dieser Liebe steckt viel mehr Sorge, denn ich weiß, was auf sie als Mädchen, als junge Frau, als Erwachsene und später als Mutter zukommen wird. Und ich hoffe, sie wird dann immer wissen, wie sehr sie geliebt wird!

Frhoppe 07.08.2015