25.04.2016 Was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht, oder: Küche aufräumen mit Kleinkind – ein Bericht!

Bei uns läuft es im Moment nicht so wirklich ganz rund.
Zugegebenermaßen laufen wir mittlerweile alle ziemlich auf dem Zahnfleisch, die Nerven liegen blank, jeder zickt jeden an, der Sohn jammert bei jeder sich bietenden Gelegenheit schon einmal pro forma und erklärt einem dann danach seelenruhig, das ging nicht anders, man muss ja jammern, wenn was kaputt geht, das Tochterkind probt den Aufstand wenn es nicht SOFORT seinen Willen bekommt, kommt damit aber seltenst sehr weit. Die damit einhergehende Steigerung des Lärmpegels, regt wiederum auch den Sohn zu lauterem Jammern an, damit ich ihn auch ja höre.
Meine Nerven machen das manchmal mit, öfters aber auch nicht. Oder nur so lange bis dann der Papa nach Hause kommt.
Selbiger trägt ja nun einen großen Teil zum Haushalt und zur Versorgung des Nachwuchses bei – vor allem morgens sorgt er dafür, dass die beiden Chaoten zumindest der Jahreszeit angemessen das Haus verlassen – und hat auch im Allgemeinen eher die Einstellung, dass lieber die Kinder glücklich, als der Haushalt in Ordnung sein sollten. Da kocht er sich dann auch gerne mal selbst sein Essen, wenn ich halt gerade lese oder spiele oder ähnliches Kindergedöns.

Manchmal aber kommt es durch – dieses Macho-Gen aus den 50er Jahren, dieser kleine fiese Zwerg, der ihn angesichts totalen Chaos und fehlender bereits zubereiteter Nahrung fragen lässt:

„Was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht?“

Bäm!!! Ohrfeige. Verbal nur, aber nicht weniger schmerzhaft. In mir krampft sich alles zusammen. Vor Wut, vor Trauer, vor Erschöpfung, vor Fassungslosigkeit über soviel Ungerechtigkeit. Ich möchte platzen, ausrasten – zugegeben meistens tue ich das auch – aber manchmal nehme ich es hin, sogar an. Frage mich: Ja? Was mache ich eigentlich den ganzen Tag!

Und weil wir gerade jüngst wieder einen solchen Vorfall hatten, beobachtete ich mich heute etwas genauer und hier nun kommt der Bericht zu meinem Versuch die Küche in einen erträglich ordentlichen Zustand zu bringen:


Vorhang auf.
Eine Küche. Die Akteure betreten die Szene.

Ich komme in die Küche, das Babymädchen auf dem Arm, schaue mich um.

Die Waschmaschine steht offen, daneben das vollgestellte Brett, das sonst immer darauf liegt – geht nicht anders, wir haben einen Toplader.

Überall steht Geschirr vom Frühstück, das keiner mehr wegräumen konnte, weil der Geschirrspüler zwar fertig aber noch nicht ausgeräumt war und man morgens aufgrund massiver Verspätung fluchtartig das Haus verlassen musste.

Der Herd ist vom vorabendlichen Kochen des Gatten noch, nun sagen wir, recht fleckig. Darauf liebevoll drapiert die benutzten, nicht machinengeeigneten Holzkochutensilien des Mannes, die er abzuwaschen keine Lust mehr hatte gestern. Und der große Topf.

Wo also anfangen.
Ach ja, erst mal das Babymädchen absetzen. Der Arm schmerzt schon. Der Rücken auch, aber egal.

Los geht’s.

Geschirrspüler auf, oberen Einschub raus, Geschirr ausräumen, auf dem Handtuch abstellen zum Nachtrocknen. Das Baby von der Maschine wegnehmen, die Klappe wieder öffnen, weiteres Geschirr entfernen.

Das Baby von der Klappe herunter nehmen, den unteren Schub ausziehen, Geschirr ausräumen, Baby wieder entfernen, Schub wieder herausziehen. Restliches Geschirr entnehmen.
Das Baby mitten in den Raum setzen, um schnell alles Geschirr einzuräumen.

Zwischen durch immer wieder laut Nein! rufen und dem Baby, den Plastikmüll wegnehmen. Das darauf folgende, wütende Geheul muss ignoriert werden, mehr Geschirr will in die Maschine.

Endlich die Maschine schließen, das Baby – wo kommt das jetzt auf einmal her? – daran hindern, alle Knöpfe zu drücken, es wieder in die Mitte des Raumes setzen.

Wasser ins Waschbecken lassen, dem Kind den Pappmüll wegnehmen, Holzutensilien abwaschen, das Baby aus dem Plastikmüll fischen, weiter abwaschen, die Schranktür schließen, den großen Topf abwaschen, die Schranktür wieder schließen, das Baby in die Mitte des Raumes setzen.

Puuuh!
Abwasch erledigt!

Herd schrubben. Geht schnell.

Gitter runter, Schwamm zur Hand, Schwamm aus der Hand, Baby die alte Bananenschale wieder wegnehmen, Biomüll schließen, laut Nein! Sagen, sich verarscht vorkommen, als das 13 Monate alte Mädchen energisch den Kopf schüttelt und NeinNeinNein sagt.

Mit der Hand am Biomüll.

Baby in den Raum setzen, Herd schrubben.

Schwamm erschrocken fallen lassen bei plötzlich eintretendem Geheul hinter mir.

AHA!

Wäscheklammer an der Hand! Erfordert sofortiges chirurgisches Eingreifen durch mich! Große Erleichterung nach Entfernen des Übeltäters. Noch größere Wut bei nicht sofort eintretender Rückgabe des Corpus Delicti an das Baby. Bitte! Dann soll sie doch.

Herd zu Ende schrubben, Gitter wieder drauf.

Den Plastikmüll wieder einsammeln – ernsthaft? Wie schaffen Babys das, knisternde Folie nahezu lautlos zu verteilen?

Das Waschbecken säubern, den Hahn ebenfalls. Dann die Tupperdosen wieder einräumen und den Schrank schließen. Mit etwas mehr Nachdruck als vielleicht nötig.

Den Besen zur Hand nehmen, mit dem Fegen beginnen. Den Besen aus Baby Klammerhändchen befreien, weiter fegen, dauert ja nicht lange, wir haben eine kleine Küche.

Den Handfeger und die Müllschippe suchen, in der Küche ablegen, das Baby hochnehmen und ausschütteln, den Besen zur Hand nehmen und noch mal alle Krümel zusammen fegen.

Abschließend den Haufen SOFORT! mit Schippe und Handfeger aufnehmen, damit ich das Baby daran hindern kann, den Plastikmüll zum drölfmiausendsten Mal auszuräumen.

Ich schaue mich um das Babymädchen auf dem Arm, und verlasse die Küche.

Vorhang fällt!

 

So geschehen heute bei uns!

Und sicher nicht nur bei uns, sondern in jedem Haushalt mit einem neugierigen, von Entdeckerdrang geplagten, interessierten, aufgeweckten Baby.
Kaum jemals kann man einen Handgriff zu Ende tun, andauernd wird man unterbrochen, lässt sich auch manchmal unterbrechen. Da kann ein halbstündiger Arbeitsaufwand schnell mal eineinhalb Stunden ausfüllen.

Und eigentlich weiß der Papa das auch!

Denn immer, wenn er was im Haushalt machen will sagt er:
„Hüte du mal die Kinder, ich komme ja sonst zu nichts!“

😉

frhoppe 25.04.2016

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07.08.2015 Ein vielversprechender Anfang

Unser allerliebster kleine Mann war heute den letzten Tag in der Kita. Also nicht für immer, aber immerhin für drei Wochen. Denn es ist Kitaschließzeit. Ganze drei Wochen ist unsere Kita jetzt zu und der Sohnemann zu Hause!

Wie ich ja schon jüngst andeutete, erprobt unser Skorpiönchen im Moment mit Vorliebe seinen Stachel. Der Nachteil daran, ein willensstarkes Kind zu erziehen, das weiß, was es will, ist nämlich, dass man dann ein willensstarkes Kind hat, das weiß, was es will! Und dies geht nicht immer konform mit dem was Mama und Papa wollen.
Manchmal nimmt das dann auch absurde Auswüchse an – so geschehen heute beim Abendessen. Da regte sich unser kleines Monster aber auch wirklich über alles auf. Es begann mit dem Wasser, welches er gar nicht sofort trinken, wohl aber auf den Tisch stellen sollte. Das wollte der Sohn aber nicht und wetterte drauf los, bis wir sagten: „Wasser auf den Tisch, vorher gibt es kein Essen!“ Totternd tat er wie ihm befohlen. Kaum im Wohnzimmer kam es zum nächsten Eklat. Ich hatte – Rabenmutter, die ich bin – sein Besteck schon in die Stube getragen. Geht GAR nicht! „NEEEEEIN!!! ICH muss das reintragen!!“ Sprachs, nahm sein Besteck vom Tisch, brachte es in die Küche, legte es auf die Anrichte, nahm es wieder runter und brachte es zurück ins Wohnzimmer. Soweit, so wunderlich. Während der Papa nun unsere Teller in die Stube brachte, band ich dem Sohn seinen Latz um – nur war es leider nicht der, den er wollte. Er wollte den weißen Latz, nicht den durchsichtigen. Es schrie und plärrte, warf sich nach hinten, riss den Latz immer wieder herunter und beruhigte sich erst, als sein Teller vor ihm stand. Allerdings auch nur, um zu monieren, dass es Pilze auf dem Teller hatte. Es gab nämlich heute Pfifferlings-Risotto.
„Ey, ich ess doch keine Pilze!“ Stimmt nicht und das sagte ich ihm auch.
„Seit wann denn das? Du hast immer Pilze gegessen!“
„Nein ich ess die gar nicht! Die sollen auf deinen Teller!
Das wiederum sah ich so gar nicht ein. Wenn er sie nicht essen will – Fein! Aber dann soll er gefälligst sehen, wo er die auf seinem Teller lässt und sie nicht alle zu mir rüberschaufeln. Vor allem, da er sie nicht einmal probieren wollte. Hmpfgrmbl!
Leider löste meine Weigerung, seine großzügig offerierten Pilze entgegen zu nehmen, einem weiteren Wutanfall aus, der sich nur dadurch eindämmen ließ, dass ich ihm den Teller wegnahm und ihm todernst mitteilte, wenn er weiter so brüllte, dann dürfe er in sein Zimmer gehen. Ich jedenfalls würde mir das nicht länger anhören, ich wollte jetzt in Ruhe essen.
Vielleicht hat er gemerkt, dass es mir ernst war, vielleicht war er aber auch einfach nur erschöpft und hungrig. Was es auch immer war, das Kind nahm nun seine Gabel und aß – das Hackfleisch und den Risottoreis. Die Pilze und die Zucchini wurden fein säuberlich heraus sortiert und liegen gelassen. Aber immerhin auf seinem Teller.
Und ich sitze nun hier und hoffe, dass dies nicht drei Wochen so weitergeht. Dann bin ich nämlich am Ende der Kitaschließzeit reif für die Nervenheilanstalt!

Frhoppe 07.08.2015

21.05.2015 Mamas sind auch nur Menschen – oder: Dann mach’s halt allein!

Heute Abend hatten wir einen Vorfall der besonderen Art, der vermutlich den allseits angespannten Nerven geschuldet war. Insgesamt war unser Tag nämlich nicht besonders rosig verlaufen. Es begann damit, dass der Herr Papa spontan entschied, er bliebe heute lieber zu Hause, er sei schließlich krank. Zum einen war ich genervt, dass ich plötzlich doch nicht allein vor mich hin rödeln können würde, zum anderen ist der Gatte gerade so krank, dass er zwar wirklich krank ist, aber noch nicht krank genug, um nicht mehr sofort daran zu sterben. Es gibt ja diese zwei Stufen bei Männern: Die eine ist die, wo sie wirklich so krank sind, dass sie einem leid tun und man sich auch gern um sie kümmert, die andere ist die, wo es ihnen schlecht geht und sie vernehmlich daran leiden und einfach nervig sind – vor allem, wenn es einem selber auch nicht so gut geht und man sich aber standhaft weigert, krank zu werden.

In jedem Fall aber war der Mann nun zwar zu Hause, aber nicht wirklich zu gebrauchen. Er half mir ganz lieb beim Wäscheaufhängen und versuchte sich auch sonst an der Bearbeitung von Papieren, aber leider, leider schaffte er es nicht, zum Impfen mitzukommen. Nun musste ich da alleine hin und durch, mit Sack und Pack und Kind festhalten und allem drum herum – eine Situation, in der man einfach schon gerne den Papa des Kindes dabei hat. Zum Glück hatten wir gestern im Leila eine Manduca gefunden – diese großartigen Tragehilfen für Kinder, die wie unsere Maus das Tragetuch nicht mögen – so musste ich wenigstens nicht auch noch den Autositz mit mir herum schleppen. Das Impfen hat die Maus dann ziemlich gut vertragen. Sie hat zwar während dessen geweint, aber nach dem Stillen direkt im Anschluss schlief sie tief und fest ein und dann auch bestimmt vier Stunden ganz gut – wieder in der Manduca, denn nach dem Impfen mag ich die Kiddies immer ganz nah bei mir haben. Außerdem durfte ich mich nicht hinsetzen, denn dann wachte sie sofort auf und meckerte richtig mit mir. Irgendwie süß, aber leider auch sehr anstrengend, wenn man vier Stunden durch die Gegend schaukelt. Da hilft dann auch die Manduca nichts mehr gegen Rückenschmerzen.
Eh wir es uns versahen, war es Zeit den kleinen Mann aus der Kita abzuholen – weil Mausi noch in der Manduca schlief, musste doch der kranke Papa ran und weil ich schon so lange bettelte und außerdem den ganzen Balkon allein sommerfertig gemacht hatte, brachte er mir noch meine Hängeblumen an, bzw. die Haken dafür. Das hieß dann aber, dass ich nun den kleinen Mann und die Maus betreute und bespielte und zwar bis zum Abendbrot, denn nach der Arbeit war der kranke Papa dann zu fertig, um noch handlungsfähig zu sein. Das große Kind wiederum war wegen nicht absolviertem Mittagsschlaf in der Kita zu müde, um noch händelbar zu sein. Und das kleine Kind war nach vier Stunden Schlaf zu wach, um noch ruhig zu sein.
Summa Summarum war ich zur Bettgehzeit einfach durch. Völlig durch und am Ende. Wegen des kranken Papas übernahm ich heute das Abendritual des kleinen Mannes. Bzw. hatte ich das geplant. „Sohn, ziehst du dich bitte aus!“
„Nein!“
„Dann muss ich es machen!“
„Nein, ich mach das!“
„Dann mach es bitte auch!“
„Nein!“
„Warum nicht!“
„Du musst mir helfen!“
In dem Moment aber, wo ich damit begann, setzte es bei ihm – wohl ob der Müdigkeit – komplett aus. Er schrie, tobte, trat, biss, wand sich – ich sag euch, ein Oktopus ist ein Scheißdreck dagegen – haute und kratzte. Als ich dann den nächsten Tritt abbekam, hatte ich genug. Ich stand ruckartig auf, brüllte: „Dann mach’s halt alleine!“ Ich stürmte zum Fenster, ließ das Rollo runter und riss die Vorhänge zu und blaffte das Kind an: „Dann geh halt allein ins Bett! Mir reicht’s für heute! Gute Nacht!“ Ging raus und machte die Tür zu. Ich war sauer, wirklich, wirklich sauer und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, gab der Gatte auf dem Bett liegend mit der Zeitung in der Hand auch noch seinen Senf dabei: „Was war denn los?“ „Er tickt total aus, beißt, kratzt und haut und so!“ „Naja, du bist ja auch total aggressiv! Du bist total angenervt, dass ich mich nicht um die Kinder kümmere“
Ich muss ehrlich sagen, ich war sprachlos! Klar, war ich genervt und ehrlicherweise bereute ich in diesem Moment auch schon, dass ich so gebrüllt hatte und einfach abgehauen war und die Tür zugemacht hatte und das direkt vorm Schlafen – aber wie Pascha auf dem Bett liegen und mir sagen, ich sei total aggressiv, nachdem das Kind MICH geschlagen und getreten hat und ich darauf reagiere, finde ich schon ein starkes Stück. Ich weiß bis jetzt nicht, woher ich die Selbstbeherrschung nahm, ihm nicht den nächsten Gegenstand an den Kopf zu schmeißen, aber ich blaffte nun ihn an: „Mir geht’s selber total beschissen, aber daran denkst du in deinem Elend ja nicht!“ Dann drehte ich mich um, atmete tief durch, erkannte, dass ich den Mist nicht am Kind auslassen kann und ging wieder zum Sohnemann rein.
Der mit seinem Tutti und seinen Tüchern voll angezogen und mit großen blauen Augen im Bett lag und mich abwartend anschaute.
„Es tut Mama leid, dass sie einfach raus ist, aber ich konnte einfach nicht mehr. Es macht mich traurig, wenn du mich haust und trittst. Können wir uns jetzt ausziehen?!“
„Ja!“
So einfach. Ja! Und das Kind legte los, zog sich aus, ging aufs Töpfchen, ließ sich waschen und putzte Zähne. Alles so brav, dass ich noch ein schlechteres Gewissen hatte, einfach gegangen zu sein. Man merkte, dass er befürchtete, ich würde wieder gehen, wenn er nicht alles ganz lieb macht und das tat mir weh. Aber ich kann mich ja auch nicht einfach hauen lassen und irgendwann ist die Geduld auch mal erschöpft und man kann nicht mehr ruhig darum bitten, nicht getreten zu werden.
Man ist ja schließlich auch nur ein Mensch.
Um das wieder gut zu machen, krabbelte ich zu meinem kleinen Mann ins Bett unter die Decke, so wie er es wollte und sang ganz viele Lieder mit ihm und kuschelte, bis schließlich der Mond singen sollte und ich mit einem „Raus, raus, raus!“ der Tür verwiesen wurde.

Frhoppe 21.05.2015

21.04.2015 Aktiv-Kuschler, Nervenzusammenbrüche und Babys Lächeln

Ich bin Aktiv-Kuschler geworden. Für all jene, die sich – zu Recht – fragen, was ein Aktiv-Kuschler wohl sein mag, hier eine kleine Erläuterung: In der Regel kuschelt sich mein Menne nächstens vor dem Schlafen an meinen Rücken an und zieht sich dann bevor wir einschlafen auf seine Betthälfte zurück.

Gestern habe ich mich endlich getraut, ihm zu gestehen, dass ich das im Moment nicht ertrage. Natürlich habe ich das diplomatischer ausgedrückt und ihm auch erklärt! Der Punkt ist folgender: Den ganzen Tag habe ich ein Kind im Arm, auf dem Bauch, an der Brust – leider nuckelt sich das Wurmi im Moment nur allzu gerne in den Schlaf und leider funktioniert dabei in 90% der Fälle der Nuckel nicht. Wenn dann abends der Sohnemann nach Hause kommt, fordert er natürlich, selbstverständlich und auch völlig zu Recht und gern gesehen seinen Teil von Mama ein, was sich im Moment auch durch exzessives Kuscheln, Knutschen und an Mama ranschmeißen, wahlweise festklammern äußert. Wenn ich dann abends ins Bett gehe und die kleine Maus endlich in ihrem Beistellbettchen schlummert – das macht sie nämlich bereits äußerst gut und gesegnete 4-5 Stunden am Stück – dann gehört mein Körper das erste Mal am Tag mir, ich habe ein wenig Freiraum, um mich zu spüren, auch wenn das doof klingen mag, aber man verliert sich doch tagsüber ein wenig an das Baby.
Und dann kommt der Mann und will ebenfalls – natürlich, selbstverständlich und auch völlig zu Recht – seinen Teil von seiner Frau haben. Man verstehe mich da nicht falsch: Er bedrängt mich nicht, verlangt nichts – er will einfach nur kuscheln und ich will ihm das auch nicht verwehren, zumal ich paradoxerweise ja auch den Kontakt zu ihm brauche, auch wenn er mir zu viel ist. Das Problem an der Sache ist, dass ich bislang noch nicht darüber mit ihm gesprochen habe, weil ich ihn nicht vor den Kopf stoßen möchte, vor allem auch nicht wegschieben, aber er ist natürlich auch nicht doof und merkt, dass ich mich verkrampfe und das eigentlich gerade gar nicht mag. Also fühlt er sich irgendwo doch abgewiesen.
Gestern Abend endlich fand ich die Lösung für dieses Problem: Ich bat ihn, mich an seinen Rücken ankuscheln zu dürfen, was er ein bisschen verwundert bejahte. Kaum hatten wir uns beide gedreht und ich meinen Arm um ihn gelegt, stellte ich erleichtert fest, dass dies funktionieren würde. So blöd es klingen mag, aber in dieser Position habe ich die Kontrolle über das Kuscheln – ich kuschele freiwillig und bin dem Kuscheln nicht ausgeliefert. Ich kuschele also aktiv! Und er und ich bekommen beide unsere Portion Körperkontakt und Zuneigung, die wir so dringend nötig haben, um im Gleichgewicht zu bleiben.
Wie wichtig dieses Gleichgewicht ist, zeigte sich nämlich heute wieder. Bereits nachts deutete sich an, dass dieser Tag ein etwas schwierigerer werden dürfte. Obwohl unsere wundervolle Tochter nämlich normalerweise ein unfassbar luxuriös entspanntes Kind ist – sie ist eine effektive Trinkerin, sprich sie dockt an, macht leer und ist nach 15 Minuten fertig, und schläft bereits jetzt wunderbare 4-5 Stunden tagsüber und auch nächtens – haben wir Tage an denen ich nicht mehr so recht weiß, ob die kleine Fressraupe wirklich schon wieder Hunger oder einfach nur vergessen hat, dass sie eben erst getrunken hat.
Heute war so ein Tag. Trinken, einschlafen, nach zehn, maximal 15 Minuten aufwachen, sofort wieder trinken, dann die Windeln vollknattern, wieder trinken – jetzt ist ja wieder Platz – und das ganze dann aber so hastig, dass man sich verschluckt und Bauchschmerzen bekommt, denn Bäuerchen macht die Lady gar nicht gern. Den Nuckel, den uns unsere Hebamme als Mittel gegen Überfressen aufgrund eines hohen Saugbedürfnisses empfahl, verweigerte die kleine Motte heute quasi komplett, sodass ich sie heute wirklich permanent an der Brust hatte. Da der Papa heute den ganzen Tag auf Arbeit war, vergaß ich bzw. hatte ich keine Chance etwas zu essen, was gegen zwei Uhr nachmittags zu massiven Magenkrämpfen führte, die natürlich nicht besser wurden, denn bei Magenschmerzen hilft bekanntlich Entspannung am besten. Und das ist mit einem 4600g schweren, 52cm großen, komplett steifen, rot angelaufenen, brüllenden kleinen Mädchen nicht nur schwer, sondern unmöglich. Das Stillen schaltete zwar den einen Anspannungsfaktor aus, fügte aber die nicht gerade entspannungsfördernde Stillhaltung gleich wieder hinzu. Nach etwa einer Stunde besserte sich dann der Zustand ein wenig. Mein Magen tat nur noch weh, statt mich beinahe umzubringen und die kleine Maus verhielt sich zumindest in meinem Arm für einige Zeit friedlich, sodass ich endlich dazu kam, etwas zu essen. Immerhin konnte ich danach den Rest des Nachmittags die Magenbeschwerden auf einem erträglichen Maß halten, angenehm ist aber trotzdem anders, zumal ja auch immer noch die kleine Fressraupe an meiner Brust und durch das permanente Nuckeln an meinen Nerven nagte.
Nun freute ich mich darauf, dass der Papa mir zugesichert hatte, er sei SPÄTESTENS um sechs da, eher etwas früher. Als er mich um halb sechs doch zurückrief, war er noch im Büro. Nun gut dachte ich mir, dann ist er um halb sieben da, macht ja nix, das große Kind ist ja noch mit Oma unterwegs, also alles entspannt, er kann ja dann die Tochter übernehmen, wenn er da ist, dann habe ich immer noch etwas Ruhe. Er kam tatsächlich um halb sieben, brachte auch ganz lieb den kleinen Mann ins Bett und teilte mir dann mit, dass er seine Mama noch nach Hause fahren würde, was ich absolut in Ordnung fand, hatte sie mir doch nachmittags den kleinen Mann abgenommen. Leider musste der Gatte dann auch noch etwas abholen, sodass er summa summarum erst um halb neun wieder zu Hause war.
Man muss ihm aber zu Gute halten, dass er quasi sofort zum Kinde eilte, als es nach – dreimal dürft ihr raten 10 Minuten – aus dem Schlummer erwachte. Nachdem sie sich allerdings nicht innerhalb von 5 Minuten beruhigte, kam er direkt zu mir und meinte, sie müsse Hunger haben. Der Ärmste wusste natürlich nicht, dass ich bis vor zehn Minuten gestillt hatte und so fuhr ich ihn recht unwirsch an, das könne nicht sein, woraufhin er sich aus dem Wohnzimmer verzog und im Schlafzimmer versuchte das schreiende Bündel zu beruhigen. Leider half nichts. Gegen neun gab ich auf und ging zu ihm, nahm ihm den kleinen Wurm ab und stillte zum gefühlten tausendsten Mal heute, erstaunlicherweise immer noch mit einigermaßen stoischer Akzeptanz der Situation – es blieb ja auch nichts anderes übrig.
Schon während des Stillens merkte ich, dass es der kleinen Fressraupe gar nicht primär ums Trinken, sondern nur ums Nuckeln ging – jedem der jetzt denkt, lass sie doch, ist ja nicht schlimm, sei gesagt, dass permanentes Nuckeln an der Brustwarze nicht nur an selbigen zehrt, sondern irgendwann vor allem an den Nerven. … Hätte ich aber auch noch ertragen können! Dann fing das kleine Monster an, mich zu kneifen! Mit diesen kleinen, sauscharfen Miniklauen, die Babys ihr eigen nennen, zwickte sie mich genüsslich in die Brust.
Das war der Moment, in dem ich in Tränen ausbrach und mein 4 Wochen altes Kind ernsthaft fragte, ob es denn nicht bitte damit aufhören könne.
Nach einer ausgedehnten Tröstorgie seitens des Papas, gewürzt mit sehr viel Verständnis und dem für stillende Mamas am Rande des Nervenzusammenbruchs essentiell wichtigen Satz „DU machst das alles ganz großartig“ – daran zweifelt man nämlich ganz schnell mal, wenn man gerade über spontanes Abstillen nachdenkt – beruhigte ich mich dann endlich wieder und konnte sogar schon wieder über die albernen Grimassen unseres Töchterleins lachen, dass sehr mimikreich versuchte, einen Pups in seine Windel zu befördern.
Und wie das mit Babys so ist: Auf einmal hielt sie inne, suchte ganz konzentriert meinen Blick und als sie ihn fand und ich gerade sagte „Jetzt pullert sie bestimmt!“, strahlte sie mich über das ganze Gesicht hocherfreut an. Ein richtig bewusstes „Für-Mama-Lächeln!“, das mich wieder einmal das alte Klischee auspacken lässt:
Egal wie schlimm oder anstrengend es ist, wenn dein Kind dich anlächelt, ist alles vergessen!

Frhoppe 21.04.2015