28.01.2016 Ich habe Angst!

Aber wovor eigentlich?

Vor der Armut? – Nein!
Ich lebe zwar derzeit von Harz IV und mein Mann bekommt ein sehr bescheidenes Gehalt, das gerade für die Deckung seiner Kosten reicht, aber wir haben alles was wir brauchen. Eigentlich sogar sehr viel mehr. Und zudem keine Schulden. Also Angst vor der Armut? Nein!
Denn selbst wenn es noch schlimmer kommt! Wir haben uns und wir haben das Wissen, aus wenig ganz viel zu machen.

Angst vor den Herausforderungen meiner persönlichen Zukunft? – Nein!
Es wird sich zwar einiges verändern, ich werde neue Wege gehen, die bei einigen sicherlich Kopfschütteln und „Wie kannst du nur?“ – Schreie hervorrufen und nicht einfach sind, aber Angst davor? Nein!
Denn es wird mich glücklich machen, weil es das ist, was ich will!

Angst vor der Zuwanderung, den Flüchtlingen gar? – NEIN!!! Ein ganz entschiedenes!
Ich verschließe nicht die Augen vor der Herausforderung, die sich damit uns allen stellt oder vor den Problemen, die dringend einer Lösung bedürfen, aber ich habe keine Angst!
Denn wie kann ich Angst haben vor Menschen, die so viel Schlimmes, so viel Leid erlebt haben, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein besseres Leben – oft nicht einmal ein besseres, sondern einfach nur eines in Frieden! Vor Menschen, die nichts anderes wollen, als sich hier wieder ein Leben aufzubauen.
(Und allen, die jetzt mit DER! Kriminalität von DEN! Flüchtlingen kommen, sei dieser Beitrag wärmstens empfohlen: http://www.stern.de/tv/sonderkommission–soko-asyl—warum-manche-migranten-kriminell-werden–die-meisten-aber-nicht-6667048.html)

Aber ich HABE Angst!

Ich habe Angst davor, diesen Beitrag zu verfassen, denn wer weiß schon noch, was dann passiert!
Bei dem was derzeit in den sozialen Medien vonstatten geht, bei der Geschwindigkeit mit der Diskussionen nicht nur unsachlich werden, sondern regelrecht eskalieren, bei der Art und Weise und dem Inhalt der Parolen und Meinungen, die bedenkenlos geteilt werden, bei alledem ist alles möglich.
Aber ich habe vor etwas anderem viel größere Angst!

Ich habe Angst vor dem, was gerade in Deutschland passiert. Davor, wie schnell sich der Hass auf Menschen ausbreitet, die unserer Hilfe und unseres Beistands bedürfen. Hass, der jeder Grundlage entbehrt, weil sich keiner von diesen „besorgten Bürgern“ je einmal die Mühe macht, sich überhaupt mit Flüchtlingen zu befassen. Lieber wird geglaubt, was lauthals an Parolen gebrüllt wird, weil es so einfach ist, mit der Masse zu laufen und sich dem (selbst)gerechten Zorn der „Masse“ anzuschließen.
Einfacher jedenfalls, als sich der eigenen Unzufriedenheit und den Gründen dafür zu stellen. Einfacher, als sich gegen die „Masse“ zu stellen.
Ich habe Angst, weil wir das alles schon einmal hatten!
Vor 80 Jahren!
Und weil die Menschen das nicht sehen wollen! Nicht hören! Nicht verstehen!

Ich habe Angst, dass meine Kinder erleben müssen, wie sie verlacht, kopfschüttelnd als „Gutmensch!“ betitelt und vielleicht sogar angefeindet werden, weil sie gelernt haben, dass es richtig ist Menschen in Not zu helfen.
Weil sie wissen, dass Menschen wertvoll sind, egal aus welchem Land, welcher Ethnie, welcher Religion sie kommen und weil sie dafür eintreten werden!
Ich habe Angst, dass sie das vielleicht nicht mehr tun können, weil wir wieder in jene Zeit zurück gekehrt sind, die keiner von uns jemals wieder wollte.
Ich habe Angst, dass sie es trotzdem tun!
Und ich habe Angst, dass sie es nicht tun, weil sie der „Masse“ glauben, egal was wir sagen!

Ich habe Angst!

Und darum kann ich nur bitten:
Erkennt, was ihr habt! Was ihr aneinander habt, was ihr in eurem Leben habt!
Seid dankbar dafür!
Schaut nicht auf das, was euch fehlt, denn dann werdet ihr blind für das, was direkt vor euch, an eurer Seite ist!

Niemand sagt, dass es euch nicht schlecht gehen darf, dass ihr nicht mit eurer Situation hadern dürft – mir geht es selbst oft nicht anders.
Aber ich kann nicht anderen die Schuld dafür geben.
Selbst wenn ich meine Situation aus schwerwiegenden, verständlichen Gründen nicht ändern kann, so steht es mir doch frei, wie ich damit umgehe!
Ich entscheide!

„Ich entscheide mich für Liebe trotz vieler Seitenhiebe.
Ich entscheide mich zu hassen oder es trotz Schmerz zu lassen.
Ich entscheide, wo ich leide, mich trotzdem noch zur Freude.
Entscheidung für den Mut, für die Dankbarkeit tut gut!
Ich hab kein anderes Leben, nur dies eine!
Und ob ich glücklich bin oder nur so scheine,
hängt von so vielem ab, doch bis zu meinem Grab
entscheide vielmehr als ich denke, ich – ganz alleine!“

Kein anderes Leben – Thea Eichholz

frhoppe 28.01.2016