14.07.16 Brief an meine Kinder!

Meine beiden liebsten kleinen Menschen,

ich möchte, dass ihr eines immer wisst: Egal, wie müde ich bin, wie traurig, wie verzweifelt, wie wütend, ihr seid mein wertvollster Schatz.
Niemals wird es etwas wertvolleres als euch beide geben und niemals wird irgendjemand etwas an meiner Liebe zu euch ändern.
Für euch umgebe ich mich mit Menschen, wenn ich eigentlich niemanden sehen kann, weil sie euch lieben und ihr sie! Und ich tue es gerne. Ich lächle und freue mich daran, dass ihr Spaß habt, dass ihr geborgen und geliebt seid, von so viel Familie und Freunden.

Ihr seid mein Licht in der Dunkelheit.

Eure Mutter zu sein, gibt mir an manchem Morgen die Kraft aufzustehen und den Tag zu begehen.
Und selbst, wenn es manchmal Unmengen an Kraft kostet, mit euch über den Tag zu kommen, weiß ich, es wäre noch viel schwerer ohne euch, euer Lachen, eure Freude, eure Wildheit, euren Witz und eure Intelligenz.

Du mein großer, kleiner Mann bist so ein wundervoller Junge. Schlau und an allem interessiert, hinterfragst du alles. Nichts nimmst du einfach so hin, du willst genau wissen, warum Dinge so sind, wie sie sind, warum du sie tun musst, bevor du sie (vielleicht) tust.
Du bist witzig und testest deinen Humor schon jetzt an uns aus, versetzt mit deiner Sprachfähigkeit und deinem Wortschatz nicht nur mich immer wieder in Erstaunen.
Du bist wild und unbändig und treibst mich manches Mal in den Wahnsinn und doch bist du dabei oft schon so achtsam und bedacht, umarmst mich kurz und stürmisch.
Du hilfst, wo du kannst – nun ja, du versuchst es, aber das ist es was zählt – und wenn du sie nicht gerade auf dem Kiecker hast, kümmerst du dich rührend besorgt um deine kleine Schwester.
Du musstest viel verkraften in den letzten Monaten, musstest viel zurückstecken und doch zeigst du uns jeden Tag, wie sehr du uns alle liebst und versuchst soviel Geduld zu haben, wie es für einen Dreijährigen nur irgend möglich ist! Manchmal vermisse ich dich so sehr, die Zeit für uns allein und dann wieder zeigst du mir, wie gut du es findest, Teil einer Einheit mit deiner Schwester zu sein, wie wichtig es für dich ist, der Große zu sein, der auf seine kleine Schwester aufpasst und ihr die Welt zeigt und erklärt. Ich lausche so gerne, deinem manchmal altklug klingendem Geplapper aus dem Kinderzimmer.
Du gehst an deine und unsere Grenzen und manchmal darüber hinaus, doch jedes mal kehren wir von dort verliebter ineinander zurück und achtsamer füreinander!
Und du bist sensibel – vielleicht zu sehr in dieser unachtsamen Welt!
Du siehst mich manchmal an und in deinen Augen sehe ich so viel Verständnis, so viel Gefühl und zugleich so viele Fragen!
Wenn du mit deinen großen blauen Augen in die Welt schaust und Menschen so viel mehr von dir fordern, als du zu geben bereit bist, nur weil du es kannst, dann möchte ich mich vor dich stellen.
Wenn sie von dir Dinge erwarten, die du noch nicht können musst, nur weil du im Kopf schon so weit bist, dann möchte ich schreien.
Wenn sie wieder nicht sehen, dass du einfach nur eine Antwort willst, eine Erklärung, wenn sie sich über deinen Kopf hinwegsetzen, weil du nun einfach mal genau diese eine Sache tun musst, dann blutet mir das Herz vor Kummer.
Und gleichzeitig weiß ich – ich kann und darf dich nicht vor allem beschützen, denn du musst deine eigene Stimme finden. Du bist so ein starker, kleiner Kopf mit so einem großen Willen, dass es dir mehr schaden, als nutzen würde, wenn ich jeden Kampf für dich bestreiten würde.
Ich kann dich nur in den Arm nehmen und dich festhalten, kann dir nur versichern, dass du toll bist, einfach ganz großartig und perfekt unperfekt und dass ich dich liebe, mehr als mein eigenes Leben.

Und mein kleines Mädchen?
Du bist so ganz anders. Solche Angst hatte ich vor der Geburt, dass ich dich nicht so lieben könnte, wie deinen Bruder, denn wie sollte ich diese einzigartige Liebe ein zweites Mal fühlen?
Es ist genau so gekommen.
Ich liebe dich nicht so wie deinen Bruder.
Aber nicht weniger!
Nur ganz anders!
Weil du so ganz anders bist.
Du bist ein wunderbar, wildes kleines Mädchen, genau so, wie man sich ein Kleinkind immer vorstellt. Für dich gibt es keine Hindernisse, die zu groß sind. Versperrt dir doch einmal etwas deinen Weg, dann gehst du nicht darum herum, sondern kletterst drüber. Und wie du kletterst. Alles was deinem großen Bruder an Motorik fehlt, ist anscheinend bei dir gelandet, denn du kletterst wie ein kleines Äffchen, balancierst noch auf dem schmalsten Brett und hast eine Körperspannung, um die dich jeder Turner beneiden würde.
Du bist laut und verrückt, ziehst Grimassen und lachst am stärksten, wenn man den größten Blödsinn mit dir macht. Du magst es wild, je höher man dich wirft, je plötzlicher man dich absacken lässt, desto fröhlicher kreischst du und ziehst dann beim Lachen die Nase so niedlich kraus und zeigst uns deine vier Kuchenzähne.
Du bist so ein kleiner Rabauke, mit soviel Feuer und Mut, dass man schon leicht übersehen kann, wie empfindsam du eigentlich bist.
Du brauchst soviel Nähe und Kuscheleinheiten, bist bei all deiner Wildheit gleichzeitig so sanft und liebevoll. Wenn du deine kleinen Ärmchen um mich schlingst und deine Nase an meinem Hals vergräbst, schnuffelnd und ruffelnd, wenn deine kleine Hand sich in meinen Ausschnitt wühlt und du dann erst ruhig wirst, dann möchte ich dich nie mehr loslassen und die Welt anhalten.
Manchmal fällt es mir so schwer, dich gehen zu lassen, dich mutig sein zu lassen, viel schwerer noch als bei deinem großen Bruder. Du bist doch mein kleines Mädchen, mein Babymädchen, mein kleines Herzenskind. Und ich weiß, dass du bei aller Lautstärke auch ein leises Mädchen bist.
So lange hast du gebraucht, um dich von mir zu lösen und noch heute bin ich dein sicherer Hafen, wann immer dich etwas erschreckt.
Dabei bist du so freundlich und offen, lachst jeden an.
Aber immer nur, wenn du nah bei mir bist – oder inzwischen auch bei jemand anderem, der dir wichtig ist.
Ganz genau beobachtest du alles, wägst ab und triffst dann deine Entscheidung – manchmal auch entgegen dem, was ich eigentlich will. Und wenn du DAS tust, dann mit einem Blick über die Schulter zu mir und diesem frechen kleinen Grinsen.

Es ist eine tägliche Herausforderung, euch beiden täglich gerecht zu werden, denn was für den einen funktioniert, löst bei der anderen einen Bock oder Verzweiflung aus. Wenn ich die eine aber anders behandle, als den anderen, fühlt der sich ungerecht behandelt. Manchmal ist es zum Haare raufen, wie sehr wir uns im Kreis drehen, wie oft ihr euch mit euren starken kleinen Willen und den Tränenausbrüchen abwechselt.

Mitunter bin ich am Rande meiner Nerven, meiner Kraft und gerade dann, wenn ich denke: Jetzt! Jetzt kann ich nicht einen Schritt mehr weiter! Dann werdet ihr auf einmal ruhig, ganz anschmiegsam und zärtlich. Wenn ihr dann voller Liebe zu mir aufschaut, eure Arme um meinen Hals schlingt und ein ganz ruhiges „Mama!“ über eure Lippen kommt, dann ist alles gut, dann ist alles machbar.

Ihr beide seid so wundervoll einzigartige kleine Menschen, die alles und noch mehr auf dieser Welt verdient haben.

Manchmal zerreißt es mich fast, mich zwischen euch aufteilen zu müssen und ich denke, wäre nur eins nicht besser gewesen. Und dann wieder sehe ich, wie wundervoll ihr miteinander spielt und ich weiß: Nein! Nicht nur eins. Niemals. Euch beide – genau so verrückt, laut, wild, frustrierend, wütend, bockig, zickig, willenstark, liebevoll, achtsam, hilfsbereit, kuschelig und zart.

Meine Gefühle für euch sind so grundverschieden und doch auch so unendlich gleich:
Euch werde ich immer wollen!
Und lieben!

frhoppe 14.07.2016

10.02.2016 Weil’s so schön war – oder: Es geht so selten um sie!

Also eines muss man ja hier wirklich mal festhalten: Ich schreibe nicht wirklich oft über das Herzensmädchen. Das liegt zum einen daran, dass der Lieblingssohn sprachlich einfach mehr Potential bietet – gestern Abend sagte er beispielsweise zu mir: „Mama, keine Angst, du kannst ruhig gehen! Ich versterbe nicht!“
Zum anderen aber liegt es daran, dass ich das Babymädchen noch nicht so recht loslassen möchte in die Welt.

Ich schrieb ja schon, dass wir uns zwar erst annähern mussten, dass unser Verhältnis jetzt aber seeeehr eng ist. So eng, dass sie mich anheult, wenn ich den Raum betrete und sie nicht SOFORT auf den Arm nehme. Und so eng, dass sie in der Regel erst mal in Tränen ausbricht, wenn ich sie jemand anderem auf den Arm gebe.
Das finde ich einerseits sehr schön – man fühlt sich ja sehr gebraucht und geliebt – andererseits kommt sie aber im April in die Kita und bis dahin sollte das besser möglich sein.
Darum aber soll es heute nicht so sehr gehen.
Sondern darum, dass ich statt zu teilen, was die kleine Motte macht, lieber öfter zuschaue bei ihren Fortschritten und die Momente genieße.
Schließlich haben wir in der letzten Woche hart dafür gearbeitet, denn da ist sie jede Nacht wach geworden und hat 1 bis 2 Stunden geschrien wie am Spieß.
Außer das Licht war an!
Dann hat sie mit uns geschäkert.

Wie vermutlich 90% der Eltern haben wir versucht uns mit dem „Das ist nur ein Schub“-Mantra zu beruhigen und hey: Dieses Mal war es anscheinend ausnahmsweise wirklich mal einer.
Tatsächlich kann das Kind nämlich gar nicht so oft schuben, wie es das vermeintlich in den Augen verzweifelt-übernächtigter Eltern tut.
Trotzdem: Symptom eines Schubes ist nebst der eben erwähnten Schreierei und Unleidlichkeit auch der Umstand, dass das Kind etwas neues kann!

In unserem Fall jede Menge.

Das Babymädchen kann ja schon seit einer Weile mit festhalten laufen und auch ganz wunderbar – nein, nein, nein, nein – klettern auf alles, was so ganz und gar nicht sicher ist. Auch Mama, Papa und Da sagt sie schon, sowie während eines einmaligen Ausrutschers „Opa!“. Außerdem beherrscht die das „Gib Fünf!“ und das Winken, wenn man „Hallo, Hallo!“ oder „ByeBye!“ sagt – immer vorausgesetzt ihre Ladyschaft ist in der Stimmung, das Volk zu belustigen.

Seit eins, zwei Tagen ist aber nun ein wahres El Dorado an Kontaktaufnahmen hinzu gekommen.
So plappert sie zum Beispiel in einer Tour vor sich hin.
„Blablabla, brabra, nguuuu, gaa…da …mamamamamamama…Papa! Da!“
So geht das den ganzen Tag. Mit sich selbst, mit dem unheimlich sympathischen Baby im Spiegel, sehr ernsthaft mit ihren diversen Teddys und Puppis und heute auch exzessiv mit ihrem Düdeldingsi.
Wobei ich ernsthaft vermute, dass diese Höllenmaschine sie beleidigt hat, denn diese Konversation klang eindeutig nach einer saftigen Standpauke!
Zudem beginnt sie, Laute nachzuahmen!
Um nur zwei Beispiele zu nennen: Wenn ich ihren Brei auf den Tisch stellen, dann sagt sie „Etten, Etten!“ und heute haben wir das schöne Wörtchen „Nochmal!“ geübt!
„Maaaaaa!!“ krähte sie glücklich, wenn ich sie noch einmal in die Höhe werfen sollte.
Und das hätte ich beinahe noch vergessen: Sie sagt „Ja!“ Also mehr „Chia!“ aber eindeutig im Sinne einer begeisterten Zustimmung.
Überhaupt legt die kleine Krabbelmaschine eine erstaunliche Begeisterung an dem Tag, bei allem, was sie so den lieben langen Tag tut.
Wach werden, Mama sehen, gewickelt werden, spielen, Mama sehen, Essen, krabbeln, hochziehen, Mama sehen, Chaos anrichten, sich in Gefahr bringen, Mama sehen, Nuckel finden, hopsen, fliegen, Mama sehen …. und so weiter.
Besonders süß ist diese Begeisterung, weil sie im Moment gerade klatschen gelernt hat. Voller Elan haut sie ihre beiden Hände aneinander und freut sich über das Gefühl und das Geräusch. Und ihr neuestes Kunststück löst bei uns allen Entzücken aus.

„Wie groß bist du?“ fragt man das Zaubermädchen und je nach Laune – ich erwähnte die Abhängigkeit ihrer Handlungen von der Gunst, die sie zu gewähren bereit ist – reißt sie beide Arme in die Luft und grinst einen Lob heischend an.
„Jaaaaa! Soooo groß bist du mein Mädchen,“ quietsche ich dann brav, worauf sie mit einem begeisterten Hopsen und Klatschen reagiert.

Mein Babymädchen ist so ein tolles kleines Wesen. Ganz lustig und klug und liebenswert bei all dem Chaos, dass sie anrichtet. Man kann nicht anders als zu lachen, wenn sie Blödsinn macht und einen dann ganz stolz-koboldig angrient mit ihren zwei Zähnchen.
Allerdings muss ich nun zum Schluss doch noch mal vom Lieblingssohn schwärmen.
Denn der kam heute nach der Kita mit einem Strauß Blumen nach Hause, die er beim Papa in Auftrag gegeben hat, weil Mama IMMER Blumen haben soll.
Und beim Abendessen unterbrach er urplötzlich sein Essen, schaute mich an und sagte sehr, sehr ernst: „Mama! Ich hab dich sooooo lieb!“ Dann aß er weiter.

Ich habe tolle Kinder.

Frhoppe 10.02.2016

10.02.2016 Fasching mal anders – oder: Die Geschichte vom Tieraufseher!

Das waren vielleicht ein paar tolle Tage. Also nicht, dass wir die ganze Zeit gefeiert hätten – ich war nur sehr ambitioniert, was das Kostüm des Herzenssohnes anging.
Motto in der Kita war: Aufregung im Zauberwald!

Ein tolles Thema!
Haaaach, was schlägt das des Nähens mächtige Mutterherz da höher, ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich.
Aufgeregt und voller Spannung fragte ich das Kind, als was es denn gehen wolle und es antwortet:
„Als Tieraufpasser!“
Völlig nüchtern, ohne auch nur eine Miene zu verziehen!
Alle, die sich jetzt fragen, was zur verdammten Hölle das kruzifix nochmal sein soll, stehen damit nicht allein!
Mir ging es genauso!
Bis mich die Kreativität und der Ergeiz packten!
Ich shoppte, kreierte, überlegte, tüftelte, schnippelte und nähte.
Zunächst einen wunderschönes Pulli in einem hübschen Moosgrün:

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Der Plan war diesen Pulli durch eine Safari-Hose und einen Safari-Hut zu ergänzen und mit einem Umhang aus dem selben Stoff zu vervollkommnen.
Der Umhang sollte dann ein echter Zauberumhang werden, mit bunten, glitzernden Flatterfetzen und Federn und Blättern.
Da saß ich dann nun vor dem riesigen Haufen zerschnittenem Stoff und der Heißklebepistole und dachte mir: „Joah! Quasi fertig!“

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Unzählige Stunden und eine halbe Packung Heißklebestäbchen später war es dann soweit: Das letzte Kostümteil war fertig und ich war der festen Überzeugung: „Wenn mein Sohn Tieraufseher werden will, dann wird er der verdammt geilste Tieraufseher, den die Welt je gesehen hat!“

Und was soll ich sagen? Er wurde es!
Nicht, weil das Kostüm so extrem toll war – das war es natürlich – sondern, weil seine Augen beim Anblick des Umhangs ehrfürchtig aufleuchteten und weil er beim gestrigen Fasching sein Kostüm mit solch einer selbstverständlichen Würde trug, dass ich ihn nur stolz beobachten konnte.
Er machte wirklich allen Tieraufpassern Ehre.

Da haben sich die vielen Studen Bastelei wirklich gelohnt. Und das schönste Kompliment, dass ich dafür bekam, war: „Man sieht die Liebe, die darin steckt!“

frhoppe 10.02.2015

Es war ruhig…

Es war ruhig um mich.
Sehr ruhig.
Sehr lange!
Aber ich brauchte Zeit.
Zeit, um zu verstehen, dass ich meine Tochter zwar lieben kann, aber gleichzeitig erst noch eine Beziehung zu ihr aufbauen muss.

Das kannte ich vom kleinen Mann so nicht. Als er auf die Welt kam, da gab es gleich das volle Paket.
Bäm!!! Liebe, Freude, Sorge, Ichwilldichkennenlernenmeingottwasbistdusüßundclever! Alles also. Ich wusste: Der da und ich! Wir werden ein Team.
Und so war es dann ja auch.
Mit dem Lieblingssohn lief alles wie am Schnürchen. Er schlief von Anfang an ganz viel, ließ sich prima wickeln, meisterte alle U-Untersuchen mit Bravour, drehte sich mit sechs Monaten brav das erste Mal vom Rücken auf den Bauch und aß eigentlich alles, was man ihm so anbot. Gut in den ersten sechs Monaten war das ausschließlich Muttermilch – aber danach dann! Da verschwand alles in seinem Mäulchen. Unfälle gab es quasi nicht, weil das clevere kleine Kerlchen – ich hab es ja gleich gewusst – irgendwie immer alles erst vorsichtig ausprobierte.
Ich gebe zu, von dem vorsichtig ist nicht mehr viel übrig, aber clever ist er immer noch! Sehr!!!

Und dann kam das Herzensmädchen. Die Geburt war anders.
Der Kreißsaal war überfüllt, ich wurde in das Zimmer für Wannengeburten geschoben, im Grunde ein größeres Bad – also schön kalt-weiß gefliest und aufgrund der fest installierten Wanne dann mit dem Krankenbett auch schön eng.
Da lag ich dann. Und ich lag lange, denn wenn die Fruchtblase platzt und das Kind noch nicht im Becken ist, dann muss man liegen. Auch, wenn man auf Toilette muss. Keine schöne Erfahrung. Nach neun Stunden mehr oder minder ineffektiven Wehen, bekam ich dann ein Wehen förderndes Mittel, das immerhin soweit half, dass ich zwischen halb drei und halb vier einen Spaziergang im Park machen durfte.
Das doofe ist, dass die durch dieses Mittel verursachten Wehen oft schmerzhafter sind – so wie auch in meinem Fall. Gleichzeitig zeigte mein Wehenschreiber nur einen geringen Ausschlag an. Da ich das alles ja schon mal mitgemacht hatte, wusste ich, dass die Höhe des Ausschlags gleichgesetzt werden kann mit der Stärke der Wehe.
Ich verbrachte also eine geraume Zeit mit dem panischen Gedanken: Ach du scheiße, wenn das jetzt schon so wehtut, wie soll ich dann den Rest schaffen. Das nämlich wusste ich auch noch von der ersten Geburt. Die „richtigen“ Wehen sprengen die Skala. Nur hatte ich in punkto Schmerz keinen Vergleich, denn beim ersten Mal war mir ja nach zwölf Stunden eine PDA gelegt worden.
Zum Glück fasste ich mir ein Mäuseherz und berichtete der Hebamme bei ihrem nächsten Besuch von meiner Verwirrung. Die klärte dann lachend das Missverständnis auf: Der Wehenschreiber könne nur bedingt etwas über die Intensität der Wehe aussagen, weil Frauen ja nicht genormt seien. Das Ding diene nur der Überprüfung der Abstände.
Nachdem das dann geklärt war, konnte ich mich auch besser auf das Veratmen der Wehen konzentrieren, von denen ich fand, dass sie jetzt doch schon recht schnell und stark kamen. Und noch immer lag ich im Bad, keine Spur von dem versprochenen Kreißsaal. Erst gegen halb sechs also nach 13 Stunden überbrachte die Hebamme mir die Nachricht, dass ich gleich umziehen dürfe, sie müsste nur noch … irgendwas… ich weiß nicht mehr… ich solle jedenfalls das Kind nicht ohne sie bekommen.
Guter Witz!
Vor allem, weil es fast passiert wäre.
Kaum war sie nämlich zur Tür raus, wollte auch das Herzensmädchen raus. Sofort! Aber wirklich: SOFORT!!!
Die Hebamme schoss wieder herein mit den Worten: „Na was ist denn jetzt passiert?“ Sehr vertrauenerweckend im übrigen. „Nun gut, dann bekommen wir das Kind eben hier!“
Ja! Guter Plan! Weil ich gehe jetzt nirgendwo hin!
Innerhalb von 10 bis 15 Minuten war meine Tochter auf der Welt, nachdem sie vorher zehn Tage länger gewartet hatte.
Wenn ich das jetzt hier lese, dann klingt es nicht schlimm und ich weiß von der Logik und auch von Freunden, dass er sehr, sehr, sehr viel schlimmere Geburtssituationen gibt, aber ich ganz persönlich habe diese Situation als verstörend empfunden.
Das lange Liegen, in einem Raum abgestellt, der überhaupt keine Wärme ausstrahlt, das Baby in einem provisorischen Krankenbett zu bekommen – Mütter kennen den Unterschied zu einem Kreißsaalbett – und dann auch noch so schnell. Und so stolz ich darauf bin, keine PDA gebraucht zu haben, auf die Schmerzen war ich nicht vorbereitet. Weil ich ja schon ein Kind hatte, dachte ich wohl irgendwie, ich wüsste was kommt. Ich hatte allerdings verdrängt, dass ich beim Sohnemann eine PDA bekam. Und dann sagte man uns noch, dass wir wegen der vielen Geburten kein Familienzimmer bekommen könnten. Ich würde also die erste Nacht allein verbringen – nein, nicht allein, sondern mit einer anderen Frau.
Wie gesagt, an sich und objektiv gesehen, war es alles nicht schlimm, tausende, ach was Millionen Frauen wünschen sich, so gut versorgt ihr Kind zu bekommen, aber in mir hat es trotzdem etwas ausgelöst. Ich fühlte mich nicht so glücklich wie nach der ersten Geburt.

Wobei ich durchaus glaube, dass dies normal ist. Schließlich ist ja bei aller Konzentration auf die eigentliche Geburt auch der Gedanke an das große Kind dabei, auch wenn dann das neue Würmchen da ist. Man muss eben doch an das andere Kind denken, das in unserem Fall bei Oma und Opa war.
Und so kam es – kurz zusammen gefasst – dass ich mit dem Herzensmädchen Berührungsängste hatte. Ich war unsicher – eigentlich weniger, dass ich sie liebe, aber wohl, ob wir miteinander auskommen.
Doof – ich weiß!
Aber diese Sicherheit, dass wir zusammen gehören, die fehlte mir. Ich kümmerte mich, ich fütterte, ich versorgte und ja: Ich liebte!
Aber Ende August wurde mir klar: Ich kenne meine Tochter noch nicht! Ich habe keine Beziehung zu ihr.
Das war der Punkt, an dem ich mich entschied, mich auf die Familie zu konzentrieren. Ich hätte unbedingt für das Studium weiterarbeiten MÜSSEN, aber das war mir egal. Ich wusste, dass hier viele auf neue Beiträge warten und manches Mal gab es Situationen, die ich gerne mit euch geteilt hätte, aber das musste mir egal sein. An erster Stelle stand, dass meine Tochter und ich uns kennenlernen, eine Bindung miteinander eingehen und ich das Gefühl bekomme, sie ist ganz mein Mädchen.

Und heute bin ich an diesem Punkt!

Heute höre ich mich sagen: meingottwasbistdusüßundclever! Heute haben meine Tochter und ich eine so enge Bindung, dass es schon wieder zu viel ist.
Im Ernst!
Sie hat sich angewöhnt mich nur noch anzuheulen: Wenn ich den Raum verlasse, wenn ich ihn betrete, wenn ich an ihr vorbeigehe, wenn ich sie jemand anderem gebe und dann gehe, wenn ich wieder komme und sie nicht SOFORT nehme – sie heult!
Und das nicht mal niedlich. Sondern seeeehr vorwurfsvoll! Ich nenne sie schon liebevoll „Meine kleine Wutbratze!“ Und freue mich jetzt schon auf die Pupertät. 😉

Trotzdem, ganz oft, wenn sie mich sieht, strahlt ihr ganzes Gesicht, sie springt fast vom anderen Arm herunter, um zu mir zu kommen und ihr Krabbeltempo ist atemberaubend, wenn sie auf mich zu oder hinter mir her wuselt. Sie freut sich mit dem ganzen Körper darüber bei mir zu sein und seit kurzem kuschelt sie aktiv mit mir, sucht ganz bewusst meine Nähe und schmiegt ihr Köpfchen an mich. Ich liebe das.

Und genau darum war es richtig, mir diese Zeit zu nehmen, auch wenn ich dadurch vielleicht mein Studium nicht mehr schaffe und ich ganz sicher einige Leser verloren habe.
Ich kann auch nicht versichern, dass ich Zukunft wieder jeden Tag blogge, aber ich bin auf jeden Fall wieder da und ab morgen gibt es wieder Anekdoten und Geschichten vom Lieblingssohn und dem Herzensmädchen, denn ich sage euch, da gibt es viel zu erzählen.

frhoppe 17.01.2016

12.05.2015 Hilflos!

Ich fühle mich selten überfordert von meinen Kindern, dafür habe ich einfach zu viel Unterstützung vom Papa und von Verwandten und Freunden, aber mitunter fühle ich mich hilflos. Hilflos in so vielen Varianten. Ich gestehe mir ein und zu hilflos zu sein, denn denn am Ende des Tages, komme ich dadurch zu einer tiefen inneren Zufriedenheit. Heute war so ein Tag!

Ich fühlte mich hilflos, als ich mein Lachen kaum unterdrücken konnte, während der kleine Mann eigentlich völligen Blödsinn machte, dabei aber so niedlich und vor allem witzig war, dass man einfach lachen muss. Das ist echt doof, wenn man das aus pädagogischen Gründen nicht darf! Dieser Moment, wenn du nicht weißt, ob du deinem Kind High Five geben sollst oder mit ihm schimpfen!
Ich war ganz anders hilflos, als ich mich am Abend vom kleinen Käfer verabschiedete. Ich fuhr wieder heim, er sollte bei den Großeltern übernachten. Das erste Mal seit der Geburt der kleinen Maus und er weinte furchtbar, weil ich ohne ihn wegfuhr. Ich möchte sagen, so hat er noch nie geweint. Nun weiß ich ja, dass es nicht besser wird, wenn ich dann immer wieder noch mal kuschle und Tschüss sage, also erklärte ich ihm, dass ich ihn ganz doll lieb habe und dass er schon so oft bei Oma und Opa geschlafen hat und außerdem könne er dann morgen mit der U-Bahn und der S-Bahn nach Hause fahren. Ein letztes festes Kuscheln, ein letzter dicker, verweinter Kuss und ich fuhr los. Und es brach mir das Herz, wie mein kleiner Mann weinend von mir weggetragen wurde, obwohl ich doch weiß – und telefonisch nochmal bestätigt bekommen habe – dass er bei Oma und Opa wunderbar aufgehoben ist. Ich wäre am liebsten umgedreht und dageblieben, aber das ging nicht!
Noch viel hilfloser fühle ich mich, wenn meine kleine Maus Bauchweh hat. Sie tut mir so sehr leid, denn sie schreit so furchtbar. Ihr Gesicht ist rot, ihre Fäuste geballt, der ganze Körper ist gespannt wie eine Feder und ihr Bauch trommelhart. Fast jeden Abend schreit sie ein bis zwei Stunden – mit kleineren und manchmal größeren Unterbrechungen, als nicht durch – und man hört ihr an, dass sie leidet. Wenn ich dann alles versucht habe – Bauch reiben, klopfen, kneten, Radfahren mit den Beinen und die Beine anwinkeln – wenn ich das Bäuchleinöl verwendet und die Bauchwehtropfen gegeben, wenn ich Fieber gemessen und die Kleine stundenlang im Fliegergriff getragen habe und immer noch nichts passiert ist, wenn sie immer wieder weinend aus einem erschöpften minutenlangen Schlaf hochschreckt, dann bin ich hilflos vor Mitleid mit ihr. Hilflos, weil ich ihr nicht mehr helfen kann, weil ich nichts tun kann, als das, was ich bisher schon getan habe.
Und wenn diese Schreizeit vorbei ist, wenn ihr Bäuchlein wieder ruhig ist und ich sie in ihrem Schlafsack in ihr Bettchen legen kann, wenn ich dann neben ihr liege und wir uns Stirn an Stirn und Nase an Nase gegenseitig beruhigen und uns dann intensiv in die Augen sehen, bis sie einschläft, dann bin ich hilflos vor Liebe. Denn in diesem Moment sagt sie mir ohne Worte, dass ich alles für sie bin!

Frhoppe 12.05.2015

09.05.2015 Chaos-Kind und Streicheleinheiten

Worte der Weißheit:

  • Kind beobachtet Papa beim Toilettengang.
    „Wenn ich loslass, geht die Tür zu!“
    „Automatisch?“
    „Nee, automatisch kackerst du.
    – diese Poesie, man beachte nur den Reim –
  • „Wenn du gekackert hast, dann musst du dir den Po abwischen und dann gehst du abmarsch in den Garten.“
  • „Ich kann nicht sprechen, ich habe keine Hörgeräte!“
  • „Oh, eine Kellermeise!“ – gemeint ist eine Assel!
  • „Papa, kannst du mich aussetzen?“
  • „Ich knabber dir ein bisschen die Augen ab!“ – das einer dieser Momente, in denen mir wieder der Gedanke kommt, ob nicht doch ein Fünkchen Wahnsinn in meinem Sohn steckt!

Wenn unser Sohn müde wird, dann dreht er durch! Also so richtig mit allem drum und dran. Bereits gestern meinte meine Freundin angesichts des sich gebärdenden Jungen, ob das immer so sei! Ja! Ist es! Also fast immer.
Anscheinend setzt es dann bei ihm wirklich aus, denn man merkt, dass er gar nichts mehr hört oder überhaupt wahrnimmt, dass jemand etwas sagt. Er rennt, er schreit und dreht sich. Das ist so schon noch okay und auch lustig. Aber irgendwann fängt er dann an zu hauen, zu kneifen und auch zu beißen oder zieht an den Haaren. Nicht weil er es böse meint, oder einem damit bewusst wehtun möchte, sondern aus reinem Übermut. Wie man so schön sagt, er weiß einfach nicht, wann Schluss ist und kann noch dazu nicht einschätzen, wie stark er wirklich schon ist.
Und das ist dann ein ganz blöder Zwiespalt für mich.
Einerseits finde ich das zuckersüß, wie er dabei lacht und was er für einen Spaß hat. Ich tobe gerne mit ihm und ich halte auch einiges aus, finde vor allem, wenn man tobt, dann muss man nicht allzu sanft miteinander umgehen, da darf es auch mal etwas rabiater werden. Nur leider versteht unser Sohn zwar das Konzept „Aua!“, allerdings hört er einfach schlicht nicht mehr, was man sagt. Und manchmal, ganz selten, wenn er wirklich schon so richtig müde ist, dann siehst du seinem Blick an, dass er das „Aua!“ sehr wohl gehört hat und auch weiß, was es heißt, aber dass er weitermacht, um zu schauen, wie weit er gehen kann und ob es diesmal vielleicht noch ein bisschen länger dauert. Leider haben wir ein Null-Toleranz-Regel, was absichtliches Hauen, Treten, Beißen etc. angeht und damit ist das Toben in diesen Fällen dann schnell beendet. Manchmal ist das so schlimm, so wie heute, dass wir ratlos daneben stehen und uns fragen, ob das noch normal ist.
Und dann wiederum – ebenso wie heute – weiß er vor lauter Zuneigung und Liebe gar nicht wohin damit. Dann küsst er und streichelt uns, schmeißt sich einem in die Arme und zieht uns zu sich runter. Er nimmt unser Gesicht in seine Hände und verteilt Butzeköpfchen und macht „Eiei“, während wir für ihn singen. Dann dürfen sein Zimmer nicht verlassen, bevor er uns nicht mindestens dreimal zurück gerufen hat, um uns das Haar zu streicheln.

Frhoppe 09.05.2015

08.05.2015 Unser erstes Playdate – oder warum gute Freunde das wichtigste sind!

Erkenntnisse des Tages:

  • Heute morgen wachte der Sohn mit einem völlig nassen Schlafanzug auf – die Windel hatte einfach keine Chance gehabt!
    „Was ist denn da passiert,“ fragte Papa!
    „Ich hab mich mit Wasser bekleckert!“
    „Und wo ist deine Tasse?“
    „In der Küche!“
    Stimmt – und zwar seit gestern Abend. Wasser war DAS garantiert nicht!
  • Beim abendlichen Singen:
    „Mama, du musst was sagen,“ flüstert der Sohn verschwörerisch.
    „Was soll ich denn sagen,“ frage ich genauso verschwörerisch.
    „Brokkoli!“

Ich habe viele Freunde und Bekannte, aber ich muss sagen, dass ich nicht unbedingt viele sehr gute Freund habe, ich glaube ich kann die sehr guten Freunde sogar an zwei Händen abzählen. Und auch wenn das nicht immer einfach ist, vor allem jetzt wo meine beste Freundin nach Irland gezogen ist, finde ich das gar nicht weiter schlimm, denn ich weiß, dass ich mich auf diese Menschen so sehr verlassen kann, dass sie jeder für sich für zehn Menschen stehen. Ich weiß, dass sie mir nichts wirklich übel nehmen, vor allem nicht, dass ich in letzter Zeit mehr als nur vergesslich und unaufmerksam bin, ich weiß, dass ich sie jederzeit um Hilfe bitten kann – sogar, dass meine Beste sich sofort in den Flieger setzen und kommen würde, wenn es ein Notfall ist –, und ich weiß, dass sie immer für mich da sind, ohne auch nur darüber nachzudenken.
So wie heute!
Wir hatten nämlich unser erstes Playdate. Eine sehr gute Freundin – und Mama, mit Kindern in derselben Kita wie unser Sohn und zudem auch Schwägerin meiner besten Freundin – wollte gerne heute unseren kleinen Mann von der Kita mit nach Hause nehmen, ihn einfach mal abholen. Ich dürfe gerne dazustoßen, es sei auch noch eine weitere Freundin mit ihren beiden Kindern da. Ich stieß gerne dazu und wir hatten einen wirklich tollen Nachmittag, denn die vier älteren Kinder – zu denen auch der kleine Mann ganz stolz gezählt wurde – spielten im Kinderzimmer, während wir Mamas mit den drei jüngeren Kindern ganz klischeehaft bei einem Kaffee die verhältnismäßige Ruhe genossen. Sogar zum Abendessen wurden wir noch mit eingeladen, was wirklich super war, denn der kleine Mann war schon so müde, dass er Abendessen nach dem Heimweg bzw. Heimweg ohne Abendessen nicht mehr gepackt hätte. Schon ihn beim Abendessen in einigermaßen ruhige Bahnen zu lenken, war nicht unbedingt einfach.
Allein dieser Nachmittag, diese selbstverständliche Gastfreundlichkeit, zeugt für mich von Freundschaft, doch was ich meine, bewies sich nur Minuten später. Nach dem Abendessen nämlich wollte ich, dass sich der kleine Mann anzieht. Das wollte der aber nicht. Gleichzeitig schrie die kleine Maus, es sei dem sie wurde in ihrer Wagentasche geschuckelt oder im Fliegergriff getragen. Das Resultat daraus folgte auf dem Fuße, ich bekam Magenschmerzen. Zunächst dachte ich noch, das würde sich schon wieder einrenken, leider stellte sich schnell heraus: Keine Chance. Den Papa anrufen, damit er uns abholt, ging nicht, denn der fuhr wiederum seinen Papa gerade zum Skat und wäre frühestens halb acht wieder erreichbar bzw. in der Nähe. Also nahm ich das sofort angebotene Wärmekissen doch an und erbat mir ein paar mehr Minuten in der Hoffnung auf wundersame Heilung. Es ist jetzt nicht schwer zu erraten, dass die nicht kam – im Gegenteil, es wurde wieder einmal richtig heftig. So heftig, dass mir der Schweiß ausbrach und ich nicht mehr sprechen konnte. Kurzerhand übernahm meine Freundin das Kommando. Sie kümmerte sich darum, dass der kleine Mann sich anzog, schaukelte nebenbei die Babyschale – man merkt, dass sie drei Kinder hat und super managed! – und packte nebenbei noch meine Sachen. Dann verkündete sie, dass sie mich selbstverständlich jetzt nach Hause fahren würde, so könne ich ja natürlich nicht laufen – konnte ich auch nicht. Während ich noch in Schmerzen auf ihrer Couch lag, nahm sie Kinderwagenschale und alle Taschen, rief ihre größere Tochter, die unseren kleinen Mann an die Hand nahm und machte sich auf den Weg zum Auto mit der Bemerkung, ich solle einfach kommen, sobald ich wieder in der Lage sei zu laufen. Nach einer Ibuprofen – in Zukunft nehme ich die schneller, die wirkte wahre Wunder – ging das dann tatsächlich, auch wenn mein Kreislauf ziemlich am Ende war nach diesem Schmerzmarathon, und wir wurden heil und sicher nach Hause gebracht, sogar bis nach oben in die Wohnung. Ich durfte nicht einmal die Wagenschale selber tragen.
Und so sind sie, meine wenigen sehr guten Freunde. Sie fahren mich spontan nach Hause oder auch nachts um zwölf in die Zahnklinik, weil mir ein Zahn abgebrochen ist. Sie nähen ohne zu zögern die allersüßesten Babysachen und geben mir meine Kinderwagenschale vollgepackt mit lauter Überraschungen zurück. Sie organisieren meinen Junggesellinnenabschied und die Deko für die Hochzeit, obwohl sie selbst in Arbeit schwimmen. Sie schimpfen nicht, wenn unser Sohn beim Frühstück ihre Wand anmalt, weil er nicht weiß, wo das Whiteboard endet und denken zuerst an uns, wenn sie ein Hüpfpferd zu vererben haben. Sie vermachen uns die kaum getragenen, wunderschönen Sachen ihres Sohnes und haben immer Kuchen für uns. Sie schenken uns einen Besuch im Tierpark, obwohl sie selbst kaum Geld haben und teilen Freud und Leid als erstes mit uns. Ich könnte noch seitenlang so weiterschreiben, aber eigentlich gibt es nur eins zu sagen:

Ich liebe Euch. Von ganzem Herzen. Ihr seid Menschen, wie die Welt sie mehr braucht. Ihr seid die Heldinnen in meinem Leben, diejenigen, die mir Vertrauen in die Menschheit geben. Ihr seid die, zu denen ich IMMER kommen würde und denen ich jederzeit meine Kinder anvertraue! Ihr seid Menschen, wie ich sie meinen Kindern zum Freund wünsche und erbitte! Und ich hoffe, dass ich euch eines Tages all das zurück geben kann, was ihr mir jeden Tag schenkt!
Danke! Danke, dass es euch gibt!

Frhoppe 08.05.2015

27.04.2015 Magenkrämpfe und die ganz große Liebe!

Ich hatte Magenkrämpfe. Nicht bloß Krämpfe, sondern KRÄMPFE!!! Die behelligen mich seit der Geburt nicht zum ersten Mal und sicher auch nicht zum letzten Mal, aber heute war schon ein besonderes Ereignis, denn ich wand mich zusammengerollt auf dem Boden und versetzte damit den Mann naturgemäß in Panik! Was durchaus verständlich, aber nicht nötig ist, denn die Magenschmerzen sind ziemlich sicher Ausdruck der Gesamtumstände. Zwar ist unsere Maus weitestgehend handzahm und schläft meistens recht gut und auch der Große findet sich langsam in der Situation zurecht, aber die Betonung liegt dann leider doch auf weitestgehend, meistens und langsam.

Heute kamen so ziemlich alle Faktoren zusammen: Die Fressraupe schlief schlecht und trank vier mal des nachts, was dann zu einer übervollen Windel führte – leider nicht nur mit Pipi überfüllt. Unser Morgen startete also schon schlecht. Zu dem Schlafmangel – auch beim Papa, obwohl ich das bei seinem Geschnarche nicht gedacht hätte – kam dann blöderweise auch noch schlechte Laune bei uns beiden und Bauchschmerz bei der Maus. Eins kam zum andern, man stritt über dies und das aber natürlich über nichts wichtiges und nachdem unser kleiner Mann nach der Kita zunächst sehr friedlich spielte und auch ganz lieb zuerst seine Jacke und Schuhe auszog und dann seine Schoko-Beute vertilgte, packte ihn dann kurz vor dem Schlafengehen doch der Rappel und er drehte völlig frei. Beißen, kratzen, treten und dann ganz provokativ noch mal beißen, während er so tat, als wolle er den vorherigen Biss mit einem Heileküsschen versorgen.

Als wenn das noch nicht Herausforderung genug wäre, kam es über diesen Ausbruch zu einem weiteren Streit, denn ich hatte bereits kurz vor sechs gesagt, man möge doch mit den Abendvorbereitungen anfangen, solange der kleine Kerl noch munter ist!
„Ooooch, der ist doch noch so wach und spielt so schön. Ich will ihn jetzt da nicht raus reißen! Es ist ja auch erst sechs,“ sprach der Papa und spielte weiter mit dem Sohne. Nun – soll er mal machen, dachte ich mir, ich hatte schließlich das kleine Kind vor den Bauch geschnallt und war damit raus aus der Bettgehzeremonie. Nachdem nun der Sohnemann gegen halb sieben so derartig durchdrehte, ließ ich mich zu einer durchaus amüsiert geäußerten Bermerkung hinreißen, dies sei der Grund, aus dem ich empfohlen habe, bereits um sechs mit dem Ritual rund ums Waschen, Töpfchen und Zähneputzen zu beginnen. Hätte ich nicht sagen sollen! Der Papa bekam das nämlich in den ganz falschen Hals und tat seinen Unmut auch kund. Es folgten heimlich vergossene Tränen auf meiner Seite und eine sehr ernste Entschuldigung auf seiner Seite und auch der kleine Käfer hatte seinen Anfall überwunden und ließ sich hochgradig zahm versorgen und ins Bett bringen. Nun hätte also endlich Ruhe einkehren können – wenn nicht, ja wenn nicht dieser gemeine Bauchschmerz wäre. Der nämlich packte unsere kleine Maus ganz unverhofft erneut und ließ sie etwa eine Stunde schreien, selbst an der Brust. Und das endete dann in den besagten Magenschmerzen.

Allerdings kann ich erfreut berichten, dass es dem lieben Gatten gelungen ist, sie durch eine ausgedehnte Rückenmassage zu vertreiben. Eine genauere Analyse der Umstände ergab dann, dass ich auch bei den letzten Malen immer innerlich SEHR angespannt gewesen war. In Verbindung mit einer verkrampften Haltung beim Tragen der Maus im Fliegergriff sind diese Magenschmerzen wohl unvermeidbar – wie so manches andere in Verbindung mit dem Kinderkriegen. 😉
Aber es lohnt sich.
Bevor mir die Magenschmerzen nämlich dazwischen grätschten, wollte ich heute nämlich eigentlich etwas ganz anderes berichten, dass mich alle negativen Seiten geduldig durchstehen lässt:

„Die Geburt ist das einzige Blind Date, bei dem du dir 100%ig sicher sein kannst, dass du die Liebe deines Lebens findest!“

Wunderschön gesagt und soooo wahr.
Es gibt Momente, in denen ich vor Liebe zu meinen Kindern gar nicht mehr weiß wohin damit. Und dann gibt es diese Momente, in denen ich mich frage, ob meine Kinder – im Moment eher noch nur das größere Kind – wissen, was ich für sie empfinde.
Meine Antwort: Sie tun es!!!
Woher ich das weiß?
Wenn ich unserem Sohn sage: „Mama und Papa haben dich ganz, ganz, ganz doll lieb!“ dann schaut er mich an und sagt „Ja!“ Nichts weiter, nur dieses „Ja!“ Und sein Tonfall drückt aus, dass diese Tatsache für ihn so selbstverständlich ist, dass er sich wundern muss, warum ich das so oft sage. Er ist mutig und voller Selbstvertrauen, testet seine Grenzen und provoziert ohne Ende, aber wenn er denkt, er hat uns möglicherweise enttäuscht, dann weint er bitterlich.Ein Beispiel dazu: Er hat kein Problem damit, seine Milch auf den Boden zu spucken oder seine Wassertasse auszukippen, nur um zu schauen, wie wir reagieren, aber wenn ihm versehentlich etwas herunterfällt, das dann womöglich auch noch kaputt geht, dann weint er fürchterlich und wahrhaftig verzweifelt, bis wir ihm glaubhaft versichert haben, dass das gar nicht weiter schlimm ist.
Wenn ich ihn aus der Kita abhole – was im Moment sehr selten ist – dann strahlt sein ganzes Gesicht, er unterbricht sofort jegliches Spiel und springt mir in die Arme, bevor er mein Gesicht in die Hände nimmt und mich ganz dicke knutscht!
Und unsere kleine Fressraupe?
Sie ist noch nicht einmal sechs Wochen alt und lacht bereits seit über einer Woche ganz bewusst über das ganze Gesichtchen, wenn sie mich sieht. Sogar auf Foto konnte ich diese Zuneigungsbekundung schon bannen und als ich dieses Bild einer Freundin zeigte und mich über das frühe Auftreten dieses Lächelns wunderte, sagte sie nur:
„Geliebte Kinder sind so!“

Ich finde, das kann man so stehen lassen!

Frhoppe 27.04.2015