29.01.2016 Nachtrag: Der Triumph der elterlichen Konsequenzen

Wie Gladiatoren nach siegreichem Kampf fühlen wir uns, siegreich sind wir aus der Schlacht hervor gegangen und fühlen uns nur ein ganz klein wenig schuldig, weil uns das Unglück des Sohnes zu Triumphgeheul motiviert.

Wie aber kam es zu diesem Ausfall elterlichen Mitleids?
Ich hatte ja angekündigt, dass ich den Kaufmannsladen wieder bestücken würde und genau das tat ich dann auch. Hingebungsvoll. Mit ausgeprägter Akribie geradezu.
Mein Werk war das Bild eines aufgebauten Kaufmannsladen. Ein Meisterwerk der Regalbestückung, das Muster eines Warenhandels.

Als nun der Sohn mit dem Vater nach Hause kam, schien er zunächst nichts von meinem perfiden Akt der Konsequenz mitzubekommen, doch weit gefehlt.
„Geh doch mal in dein Zimmer und guck, was da ist,“ stachelte der siegesgewisse Vater den Herzenssohn an.
Der ging nicht, sondern schaute uns nur trotzig an.
„Ihr habt den Kaufmannsladen wieder eingeräumt,“ maulte(!) er.
„Wie findest du denn das!“ Ooooo teuflisch-kluger Papa! Die üblichen emphatischen Erziehungsfragen auf diese Situation anzuwenden!
„Nicht schön!“ Seeeeeeehr trotzig und maulig!
Dann stapfte er in sein Zimmer und brach beim Anblick seines voll funktionstüchtigen Ladens in lautes Wehklagen aus!
„Ichhabgesagtihrsolltdasabbauenichwilldashiernichthaaaaaaabeeeeeheeen!“ Sehr jammernd, sehr mitleiderregend mit beeindruckender Schnute und einem echten Tränchen. Ich war ein bisschen beeindruckt!
Schluchzend kam er zu uns zurück, schaute uns Trost heischend aus feuchten Augen an.
„Bitte baut den Kaufmannsladen ab.“
Und an dieser Stelle muss ich leider sagen, dass Leonardo diCaprio auch dieses Jahr bei den Oscars leer ausgehen wird. Ich bedauere es sehr, aber diese Auszeichnung geht an den Papa des Herzenssohnes, der todernst und sehr bedauernd sagte:
„Da MUSS der Papa jetzt hart bleiben. Der Laden bleibt stehen!“
Meinen Respekt für diese Meisterleistung hat er auf jeden Fall.

Und wir sitzen nun hier und erfreuen uns an diesem absurden Ausgang der morgendlichen Diskussion, aber man muss auch ehrlich sein: Eltern eines dreijährigen Kindes fühlen sich so oft hilf- und sprachlos, da darf der Triumph der elterlichen Konsequenz auch gerne mal gefeiert werden.

frhoppe 29.01.2016

 

29.01.2016 Die Tücken elterlicher Konsequenz!

Unser Morgen begann, nun sagen wie einmal, unkonventionell.
Oder vielleicht auch konventionell, wer weiß denn schon, ob nicht auch andere Brüder versuchen, ihre kleine Schwester mit ihrem Hintern zu ersticken.

Auf unsere verständlicherweise etwas energischere Bitte, das zu unterlassen, reagierte der Sohn mit Unverständnis.
Und mit gesteigerter Aktivität, wozu etwa das Stehlen von Papas Taschenlampe gehörte und das An- und Ausmachen der diversen Lichtquellen im Schlafzimmer. Passend zu dieser Diskobeleuchtung sprang der Herzenssohn dann irgendwann auf das Bett und schwang, lediglich mit seiner Schlüpper bekleidet, sein dazu passendes Hemd* über dem Kopf.

*Ein Moment des Stolzes sei mir hier erlaubt, denn dieses Ensemble hat er höchstselbst aus seinem Schrank geholt!

Es folgten noch verschiedene andere Provokationen, die allesamt damit zu tun hatten, dass der kleine Mann sich doch bitte ankleiden möge – eine Notwendigkeit, die unser Sohn so gar nicht einsehen möchte und mit aller Vehemenz und zum Teil bewundernswerter Ausdauer hinaus zögert.
An dieser Stelle möchte ich gerne das Geräusch Ting  anbringen, das die Bloggerin Mama on the rocks wie ich finde ganz unfassbar treffend beschrieben hat.
Die Folge dieses Geräusches in meinem Kopf war nun eine angedrohte Konsequenz, die sich dergestalt darstellte: „Wenn du nicht SOFORT! deine Sachen anziehst, dann ist dein Kaufmannsladen weg! Dann RÄUME ich den ein!“
Dazu sei gesagt, dass diesen Laden der Weihnachtsmann gebracht hat und das unser Sohn ein zwar wenig talentierter, dafür aber sehr sozialer und vor allem leidenschaftlicher Verkäufer ist. Er liebt seinen Laden und er liebt es, Dinge daraus zu verkaufen. Wenn man mal kein Geld dabei hat, dann macht das auch gar nichts, denn dann gibt er einem einfach einen Zwanziger aus der Kasse.
Insofern hielt ich den Abbau des Ladens für ein geeignetes Druckmittel.
Haha!
Aber nicht mit unserem Sohn!
Der stieg begeistert auf das Spiel ein, sprang vom Bett, rannte – immer noch nur im Schlüpper – in den Flur, holte eine Tüte und begann das Inventar seines Ladens in dieselbe zu überführen.
Manch einer mag nun denken, das sei ein gewiefter Trick, um uns dazu zu bringen, das Ding stehen zu lassen – diese Taktik soll gerüchteweise ja nicht allzu selten angewendet werden.

Allein, es war sein Ernst!

„Ich habe jetzt AAAALLES eingeräumt!“ Hatte er wirklich!
„Ich bau den jetzt ahab!“ Wollte er tatsächlich.
Schaffte er aber nicht und bat darum mich um Hilfe:
„Mama, steh jetzt endlich auf und komm mir helfen, den Laden abzubauen.“

Und als ich daraufhin „Nee!“ sagte und dem Kind mit einem „Bäh“ die Zunge herausstreckte, bekam er einen Wutanfall.

Ich möchte das noch mal deutlich sagen:
Er bekam einen Wutanfall.
Weil er den Kaufmannsladen NICHT!!! abbauen durfte!

An dieser Stelle kann festgestellt werden, dass unser Sohn uns ganz geschickt ausgehebelt hat. Wir haben keinerlei Handhabe mehr, stehen auf verlorenem Posten, kämpfen gegen Windmühlen und fühlen uns wie Sisyphos, der ein ums andere Mal fassungslos den Felsen den Berg hinunterrollen sieht.
Was macht man, wenn die angedrohte Konsequenz dem Kind nicht nur nichts ausmacht, sondern er sie auch noch begeistert selbst ausführt?
Ich für meinen Teil werde den Kaufmannsladen fein säuberlich wieder bestücken. In all seiner Pracht wird er da stehen, wenn das Kind nach Hause kommt!
Das hat er jetzt davon!
😀

frhoppe 29.01.2016

06.11.2014 Er wird frech!

Also zunächst einmal: Nachdem der kleine Mann zwar zu Beginn wieder kräftig weinte, als ich die Kita verließ, stand er die Zeit bis zum Abholen, dann aber sehr gut durch. Sohnemanns Erzieherin wusste zu berichten, dass der kleine Kerl kaum nach mir gefragt hatte und sich sehr gut im Kitaalltag zurechtgefunden hatte.
Der wirkliche Knaller kam aber erst, als wir uns bereits im heimischen Hausflur befanden. Wie in letzter Zeit häufiger weigerte sich der kleine Kobold standhaft, Treppen zu steigen. Da ich aber nunmehr seit fast sieben Monaten in anderen Umständen bin, weigere ich mich eben so standhaft, ihn die Treppen hinaufzutragen. Er wiegt immerhin schon 13 Kilo und das ist mir einfach zu schwer, zumal das Ganze tatsächlich mehr eine Machtprobe als Unwillen oder Unvermögen ist. Diese Annahme bestätigte sich heute auf beeindruckende Weise. Nachdem wir mittlerweile geschlagene zwanzig Minuten im Treppenhaus verbracht hatten und sämtliches Betteln, flehen, selbst Bestechungsversuche nichts gebracht hatten, verlegte ich mich aufs Drohen.
„Wenn du nicht gleich nach oben gehst, gibt es keinen Keks! Ich zähle bis drei!!! Eins…!“
Da grinst mich das Kind entwaffnend an und sagt tatsächlich: „…zwei, drei, vier, fünf!“
Ich war völlig von den Socken, wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte, angesichts eines bis fünf zählenden zweijährigen Kindes. Ich meine, sicherlich machen wir Fingerspiele mit ihm, bei denen klar wird, dass es fünf Finger gibt und so, aber bewusst mit ihm geübt oder so etwas haben wir deswegen nicht mit ihm.
Und obwohl ich so dermaßen stolz auf ihn war, war ich gleichzeitig in der Bredouille, denn ich musste ihn ja irgendwie in den ersten Stock bekommen. Ich verlegte mich darauf, weiter zu zählen und tatsächlich: Als ich bei zweidreiviertel – Eltern kennen diesen merkwürdig langen Zwischenraum zwischen zwei und drei – angekommen war, bequemte sich der kleine Mann endlich die Treppen hoch und bekam dann seinen Keks.

Frhoppe 06.11.2014