01.08.2015 Schnipp schnapp, Haare ab!

Nachdem wir nun gestern morgen kleiner bis mittelgroße Brocken aus des Sohnes Haarpracht herauswaschen mussten, war offenbar auch beim Papa die Erkenntnis zur Notwendigkeit eines Haarschnitts ausgereift. Heute nämlich beauftragte er seinen besten Freund, dessen Haarschneidemaschine mitzubringen.

Der Sohn forderte nun schon seit einigen Wochen vehement eine radikale Kurzhaarfrisur ein, jedes mal wenn wir vorsichtig antesteten, ob man denn nicht erst etwas abschneiden wolle, antwortete er bestimmt: „Nein abrasieren!“ Wir waren nicht ganz so sicher, ob er die volle Tragweite dieser Entscheidung tatsächlich erfasste, also begannen wir mit dem Haarschnitt Stück für Stück. Insgesamt klappte das alles sehr gut, als wir jedoch gerade einen schicken umlaufenden Undercut fertig hatten, wurde das Kind ungeduldig. Gerade noch eben so, schafften wir es, die Seiten mehr schlecht als recht auszurasieren, der Pony jedoch blieb noch stehen und von geradem Schnitt konnte keine Rede mehr sein. Das Ergebnis löste dann kontroverse Reaktionen aus. Von „Kindesmisshandlung“ über „Naja“ bis „Ey cool“ war alles dabei.
Immerhin durften wir dann aber noch mal mit der Maschine ran. Ganz kurz wollte der Sohn dann doch nicht mehr, im Grundsatz sollte die Frisur bleiben, wie sie war, aber wir durften die schiefen Kanten begradigen und den Pony der Frisur anpassen. Jetzt sieht der kleine Mann zwar immer noch nicht wieder so engelhaft brav wie vorher aus, aber dafür wie der kleine freche Rotzer, der er eigentlich ist. Und wenn man ihm mit dem übriggebliebenen Schwänzchen am Hinterkopf einen kleinen Dutt dreht, dann sieht er richtig genial aus.
Und als wir abends nach Hause kamen, sah er sich das erste Mal in der Spiegelung der Haustür, fasste sich an den Kopf und sagte: „Ey, was ist denn da passiert!“ Oben angekommen schauten wir in einen richtigen Spiegel und der kleine Mann stellte fest, dass ihm seine Frisur wirklich gefiel.
Jetzt bin ich mal richtig gespannt, wie die ältere Generation reagiert, die ja so energisch die Kürzung der kindlichen Haarpracht gefordert hat 😀

Frhoppe 01.08.2015

26.04.2015 Eine haarige Angelegenheit!

„Die ist aber süß die Kleine!“

Diesen Satz höre ich mindestens drei Mal die Woche, mitunter auch täglich – nämlich jedes Mal, wenn jemand, den wir nicht kennen, uns auf unseren Sohn anspricht! Der Grund dafür ist folgender: Er hat lange Haare! Wirklich lange Haare, die ihm bis an den Hintern reichen, so sie denn nass sind, denn im trockenen Zustand locken sie sich recht ansehnlich. Dazu kommen noch seine relativ feinen Gesichtszüge, die groooßen blauen Augen und vielleicht auch die Tatsache, dass wir ihn relativ neutral anziehen – wobei ich das aber auch schon gesagt bekam, wenn er Turnschuhe, eine dunkle Jeans und sein schwarz-weiß kariertes Herrenhemd anhatte.
An sich stört mich das nicht, ich berichtige den Irrtum lächelnd, habe auch Verständnis dafür und bin mir vor allem ziemlich sicher, dass es auch mit kürzeren Haaren zu dieser Verwechslung kommen würde. Die Haare könnten also und können auch von mir aus lang bleiben, vor allem, wenn es bei einem Schnitt nur darum gehen würde, unseren Sohn deutlich als Jungen zu kennzeichnen. Ich stimme meinem Mann zu, dass die schönen langen blonden Haare ein Alleinstellungsmerkmal sind und ich denke auch nicht, dass sie unseren Sohn per se in seiner Identitätsfindung negativ oder positiv oder sonstwie beeinflussen – das tun eher diejenigen, die ihm, obwohl sie wissen, dass er ein Junge ist, immer wieder sagen: „Du siehst ja aus wie ein Mädchen.“

Mein Problem mit den langen Haaren ist ein eher ein praktisches – Es wird Sommer!
Ohnehin hat der Sohn die Haare schon andauernd im Mund und im Gesicht kleben, besonders wenn er Schnupfen hat und sich das mit dem Schnodder vermischt, ist es nicht mehr schön – für ihn nicht und für mich auch nicht, denn das Zeug klebt in den Haaren. Im Sommer kommt dann noch dazu, dass man schwitzt, vor allem im Nacken, die Haare kleben überall fest und verfitzen ziemlich leicht. Zudem geht es für unseren kleinen Mann in ein paar Wochen mit den Omas und Opas in den Urlaub nach Griechenland. Eine Woche lang jeden Tag Sonne satt, Sand, Salzwasser, Sonnencreme und vor allem jeden Abend Haarewaschen, damit das Zeug wieder aus den Haaren rauskommt. Ich frage mich, wie angenehm das für unseren kleinen Mann wird.
Eine Lösung wäre es einen niedlichen Pferdeschwanz zu machen oder die Haare hochzustecken zu einer hübschen Frisur, aber bei einem Jungen? Kann ich das? Darf ich das? Will ich das? Will er das und vor allem, will ich ihn dem aussetzen? Für mich ist es keine Frage, dass er ein Junge ist, ob er nun seine Haare lang hat oder nicht und auch er zweifelt nicht daran. Es ist mir egal, ob er einen Zopf hat oder nicht und auch er hatte heute keine Bedenken, sich von mir nach dem Baden die Haare flechten zu lassen, aber die meisten anderen Menschen sind leider selten sensibel. Es beginnt mit: „Du siehst ja aus wie ein Mädchen“ und endet bei „Hach, dann machen wir dir niedliche Zöpfchen und demnächst trägst du noch ein Kleid!“ Ich reagiere darauf immer mit der Antwort. „Wenn ihn das glücklich macht, dann soll er eins tragen!“ und merke, dass die meisten dann schlucken. Ich versuche meinem Sohn das Gefühl zu geben, dass alles, was er tut, okay ist, aber ist es nicht auf Dauer zu anstrengend, zu „verstörend“ für ihn, immer wieder in Frage gestellt zu werden?

Ich weiß es wirklich nicht!
Für die langen Haare muss in der Hitze und den anderen Bedingungen des Sommers eine Lösung gefunden werden. Ich für meinen Teil möchte sie wenigstens ein bisschen abschneiden, weil ich denke, dass das im Sommer sehr viel angenehmer für ihn ist und weil ich die Entscheidung über das Tragen eines Zopfes ihm überlassen möchte. Es ist ein Unterschied, ob ich dem Kind vorschlage einen Zopf zu machen oder ob er es von sich aus macht. Mein Mann hingegen stellt sich vehement gegen die Vorstellung ihm die Haare abzuschneiden. „Bei einem Mädchen würde es diese Diskussion überhaupt nicht geben!“ meint er – nicht zu Unrecht. Einem Mädchen würde man aber auch einfach einen Zopf machen können! Und wieder einmal frage ich mich, warum all das in unserer Gesellschaft eine so große Rolle spielt. Warum kann ich einem Jungen nicht einfach einen Zopf machen, ohne dass er dafür mit blöden Kommentaren konfrontiert wird und ich ihm erklären muss, dass die das alle nicht so meinen und er ganz toll so ist, wie er ist?
Für Gedanken und Anregungen zu diesem Thema bin ich sehr dankbar.

Frhoppe 26.04.2015