21.01.2016 Der wird mal ein guter Mann!

Also sind wir mal ehrlich: Kinder können manchmal ganz furchtbar, schrecklich gemein sein. Sie meckern, schimpfen, schreien uns an, sie verletzen uns und provozieren uns so lange, bis wir manchmal – gar nicht so selten – denken:

Was habe ich nur falsch gemacht?!

Man hofft ja immer, dass das eigene Kind höflich, hilfsbereit, empathisch, aufmerksam, dankbar und überhaupt ganz unfassbar fantastisch ist. In den Momenten, in denen es auf die Frage „Findest du das schön, wenn deine Schwester weint?“ mit einem entschiedenen „Ja!!!“ antwortet, in denen es vor deinen Augen, die gerade eingeräumte Spielzeugkiste grinsend wieder ausKIPPT, in denen es statt „Danke!“ „Bäh!“ sagt oder vorwurfsvoll bemerkt, dass es gar nicht schön sei, wenn die Nachbarin heute nichts vor die Tür gelegt hat – in diesen Momenten zweifelt man an der Verwirklichung dieser Hoffnung.

Und dann gibt diese besonderen Tage!

Tage, an denen das Kind einen Blumenstrauß mit nach Hause bringt.
Tage, an denen das Kind einen fest in den Arm nimmt und sagt: „Mama, ich gehe jetzt ins Bett, damit du dich ausruhen kannst.“ Und dann auch wirklich geht.
Tage, an denen das Kind – leichtfertig, ich gebs zu – verspricht, Papa und Mama zu füttern und ihnen den Hintern sauber zu machen, wenn sie alt und wieder klein sind!

Und Tage wie heute!

An denen uns die Kita-Erzieherin erzählt, dass unser Sohn seit zwei Tagen etwas wirklich sehr schönes macht.
Die Tochter meiner Freundin, die mit unserem kleinen Mann in die Kita geht, darf im Moment nur noch sehr wenige Dinge essen, weil sie unter einer Fructose-Intoleranz leidet. In der Kita gibt es aber hauptsächlich Obst, das sie nicht verträgt. Das hat leider zur Folge, dass die wenigen Dinge, die sie essen darf, schnell weg sind und meistens nichts für sie übrig bleibt.
Während besagte Erzieherin gerade noch die Kinder an jenem Tisch bat, doch etwas für die kleine aufzuheben, kam mein Sohn von seinem Tisch herüber, die Hände voller essbarem Obst!
„Guck!,“ sagte er. „Ich hab die extra für dich aufgehoben, damit du auch was zum Essen hast!“
Und das wiederholte er heute genau so!

Das sind die Tage, in denen man gar nicht weiß wohin mit seinem Stolz und seiner Liebe, mit seiner Bewunderung für so einen unfassbar tollen, kleinen Menschen.
Das sind die Tage, an denen man weiß:

Aus dem wird mal ein guter Mann!

Frhoppe 21.01.2016

15.05.2015 Waaah! Was ist das? – Oder wie unsere Tochter ihre Hand entdeckte!

Heute war ein wundervoller Tag. Da nun der Sohnemann gestern ja so sehr spät im Bett war, schlief er heute auch verhältnismäßig lange, wodurch er auch recht gute Laune hatte. Er zog sich ziemlich kooperativ an, wenn auch erst, nachdem er erfahren hatte, dass heute eine bei ihm beliebte Freundin zu Besuch kommen sollte – bei uns ist sie natürlich auch beliebt, aber bei ihm ist das besonders erwähnenswert, weil sie sogar direkt mit Hand und Worten begrüßt und ziemlich schnell in sein Spiel eingebunden wurde. Beides ist in letzter Zeit nicht unbedingt üblich, erst recht nicht bei Leuten, die seltener als einmal die Woche auftauchen. Allerdings muss auch zugegeben sein, dass diese Freundin sechs selbstgemachte Bärentatzen – oder auch Magdalenas – mitgebracht hatte, von denen vier im Bauch des kleinen Mannes landeten. Ein wirklich gut durchdachtes Bestechungsmittel, ist es doch nicht nur süß, sonder fesselt auch den kleinen Fressbär an den Tisch, wo er sich dann wieder an den Besuch gewöhnen kann.

Nachdem die Freundin dann wieder losgegangen war, beschlossen wir den Tag im nahegelegenen Park auf dem Spielplatz ausklingen zu lassen. Und während wir da so mit dem Kinderwagen unsere Kreise zogen und das kleine Käferchen hingebungsvoll am zweiten Waffeleis seines Lebens leckte, ertönten plötzlich aus dem Kinderwagen laute, ebenso hingebungsvolle Schmatzgeräusche. Etwas irritiert ob dieser ungewohnten Laute wagten wir einen Blick …
… und stellten fest, dass die kleine Maus an ihrer Hand nuckelte. Eine weiterführende Beobachtung ergab, dass sie die Hand zielsicher zum Mund führen kann, um dann daran saugen zu können. Das ist ein gewaltiger Schritt für so einen kleinen Menschen, denn es ist eine bewusste Steuerung ihrer Arme. Sie möchte an ihrer Hand nuckeln, also muss sie diese zum Mund heben und dann auch noch dabehalten. Wer mal ein Baby in seinen ersten Lebenswochen beobachtet hat, weiß, dass das nicht so selbstverständlich ist, wie es klingt. Zumal sie für diesen Akt des Körperkultes sogar ihren Nuckel ausgespuckt hat. Da wird einem ganz glücklich und zugleich ganz wehmütig ums Herz – so groß ist sie schon, acht Wochen alt seit gestern und kann jetzt schon ganz breit lachen und gurren und sogar ihre Hand zum Mund führen. Und ehe ich es mich versehe, stehe ich da und sehe ihr dabei zu, wie sie dasselbe über ihr Kind sagt. 😉

Frhoppe 15.05.2015

03.05.2015 Wir haben einen Whirlpool! – Ein Anekdötchen zur Nacht!

Zitate des Tages:

„Mama ich bringe noch den Bär ins Schlafzimmer. Der ist alt und möchte in deinem Bett schlafen!“
Besagter Bär wurde dann in meinem Bett zur Ruhe gebettet und sorgsam zugedeckt!“

„Nein Papa, steh auf, ich muss mich da kurz hinsetzen!“

„Mama, die Schwester braucht jetzt keinen Tutti, weil die nicht weint! Wenn die weint, braucht die einen Tutti!“ Sprachs und zog dem schlafenden Schwesterlein den Tutti aus dem Mund, worauf das Kind zu weinen anfing. „Oh, jetzt braucht die Schwester einen Tutti!“

Und da ich heute ja schon wortreich Laut gegeben habe und unser Tag im wesentlichen aus schreienden Kindern, Mittagsschlaf und Besuch von Oma und Opa bestand, gibt es jetzt nur noch eine kleine Anekdote:

Beim sonntäglichen Baden saß der kleine Mann in der Wanne und plantschte fröhlich vor sich hin. Mit einem Mal stiegen überall um ihn herum Blasen auf – klar, er hatte gepupst. An sich nicht besonders lustig oder erwähnenswert. Die Reaktion des kleinen Mannes hingegen war es wohl.
Er sprang auf und rief immer wieder panisch „Ohoh Ooooh Oooh!“ bevor dann endlich alle Blasen verschwunden war und er völlig entspannt zu Ende badete.

Frhoppe 03.05.2015

29.04.2015 Ein Schub – oder: Der Tag der ersten Male!

Zu Beginn des heutigen Beitrages erfreue ich euch mit ein paar der bedeutsamen Äußerungen unseres Sohnes – einfach so, zur allgemeinen Erheiterung und weil ich finde, dass da wirklich Geist und Witz drin steckt:

  • „Sohn! Kennst du einen Horst?“
    „Ja! Onkel M. ist ein Horst!“
  • Papa, ich messe dein Gehirn!“ Eine Gummibärchentüte wird auf Papas Kopf gehalten. „Du hast ein blaues Gehirn! Jetzt messe ich mein Gehirn!“ Dieselbe Tüte kommt zum Einsatz. „Ich habe ein rotes Gehirn. Oma B., jetzt messe ich dein Gehirn!“ Einsatz der Tüte! „DU hast ein schwarzes Hirn. MAAAAAMAAAA!“ Ich war in der Küche, darum das Geschrei. „Ich muss noch dein Gehirn messen!“ Gesagt, getan – mir wird die Tüte an den Kopf gehalten, dann folgt ein Zögern und ein sehr ernster, fast besorgter Blick: „Mama! Du hast ein altes Gehirn!“
  • Und damit ich mir auch ganz sicher bin, dass ich alt bin, sagt er mir wenige Minuten später: „Mama! Du bist alt Jahre!“
  • Papa zieht eine Grimasse, der Sohn unterbricht sein Spiel und schaut auf: „Du kleiner Nasenbär!“, ruft er grinsend mit hoher Stimme und spielt ungerührt weiter.
  • Und nach dem Zubettgehen tönte es durch die geschlossene Tür: „Oma, weißt du??? Wir fahren mit dem Rollerbusch und machen alle pusch, pusch, pusch!“

Im Garten mit Oma demonstrierte er sehr deutlich, dass er eine feste Vorstellung von den Dingen und ihrem Verlauf hat.

  • Opa will sich ausruhen und setzt sich auf einen Stuhl, nur um sofort zurecht gewiesen zu werden: „Nein Opa! Das ist mein Stuhl, da sitze ich!“
  • Selbiges, als Opa Omas Portemonnaie weglegen möchte: „Nein Opa! Das ist Omas Portemonnaie, lass das da liegen!“
  • Und ebenso wenig durfte Opa das Bett umgraben: „Nein Opa! Nicht die Grabegabel nehmen. Das bleibt so!“

Selbstredend gehorcht der Opa aufs Wort – naja, da brauch er sich nicht über seinen vorlauten Enkel wundern 😀

Wir hatten aber heute auch noch aus ganz anderen Gründen einen tollen Tag. Unsere Maus schubt nämlich. Okay … diese Tatsache ist jetzt nicht ganz so toll – vor allem, weil sie das seit zwei Tagen tut und das bedeutet: viel trinken, weil ja die Milchproduktion auf den Mehrbedarf umgestellt werden muss, wenig schlafen und das bevorzugt auf Mamas Bauch oder Arm und vor allem eine Menge schlechter Laune. Aber es bedeutet eben auch: Sie lernt etwas Neues, kann wieder etwas mehr und wird uns am Ende dieser Phase ganz sicher mit etwas überraschen.

Dieser Tag war heute.

Während ich in der Küche werkelte und rumorte, hörte ich plötzlich ein ganz zaghaftes „Gah“ aus der am Boden befindlichen Kinderwagenschale, welche die kleine Mieze beherbergte. Ich schaute irritiert zu ihr runter und da lag sie und lachte mich mit strahlenden Augen an. „Gah!“ wiederholte sie, gefolgt von einem „Nguh!“ und mir schossen Tränen des Glücks in die Augen. Meine kleine, gerade erst geborene Maus entdeckt ihre Stimme und versucht sich sofort in der Kontaktaufnahme. Dieses Gefühl ist durchaus vergleichbar mit jenem, dass einem beim ersten Schrei ergreift. Und auch ein bisschen Wehmut schleicht sich ein, denn dies ist der Anfang – nicht vom Ende, aber vom Großwerden. Jeden Tag wird sie ein wenig mehr lernen und ein bisschen weniger Baby sein!
Dazu gehört dann auch die zweite Neuerung des Tages, denn wir haben festgestellt, dass nasse, schwere Windeln doof sind. Die kleine Motte schrie und schrie, war durch Tragen nicht zu beruhigen und auch nicht durch füttern, den Nuckel spuckte sie aus und Bäuchleinklopfen war auch nicht recht. Also begab ich mich zum Wickelplatz obwohl das letzte Mal noch gar nicht lange her war und siehe da. Die Windel war ordentlich vollgepuschert und mächtig schwer. Kaum befreite ich das kleine Bündel von dem großen Bündel, war Ruhe und ich hatte ein hochzufriedenes Baby vor mir liegen.
Diese Zufriedenheit hielt dann auch den Nachmittag über an. Nach einem kleinen Nickerchen kam die Mama meiner besten Freundin zum Babygucken und natürlich wollte und durfte sie die kleine Maus auch halten. Kaum hatte sie sie im Arm, wandte die Maus den Kopf und nahm Augenkontakt auf. Dann lächelte sie. Und lachte. Lächelte wieder – mal nur mit einem Mundwinkel, mal übers ganze Gesicht! Eine volle Viertelstunde lang strahlte sie mit der Mama meiner besten Freundin um die Wette – so lange und so oft wie noch nie zuvor!

Wenn ich das dann so sehe und erlebe, dann bin ich schlagartig nicht mehr müde und erschöpft, sondern platze vor Stolz und Freude – bis zur nächsten Schreiattacke. 😉

Frhoppe 29.04.2015

25.04.2015 Ich liebe meinen Sohn, aber …

… ab und an stelle ich mich auch gerne mal zwei Stunden an eine Großbaustelle, um die Ruhe zu genießen!!!

Heute bei Crouse@dercrouse gelesen und direkt für passend gefunden, denn unser Tag heute war sooo:

Rumms! Schlafzimmertür kollidiert mit dahinter stehendem Schrank. „GUTEN MORGEN, MAMA!“ kräht der Sohn blendend gelaunt, gefolgt von einem „Oh, die schläft noch!“
Nein! Jetzt nicht mehr! Aber danke für die Feststellung. Offenbar ist es auch nicht mehr als das, denn als nächstes springt das Kind in Parcours-Manier auf das Bett und schmeißt sich auf mich!
„Ich habe Hunger!!!“ werde ich informiert. Offenbar reagiere ich nicht schnell genug, denn quasi sofort wird das gesagte ein paar Dezibel lauter wiederholt und erweitert: „ICH HABE HUNGER! Du musst Frühstück machen!“
Ich muss gar nix, aber das Kind hat Glück, ich habe auch Hunger, also mache ich Frühstück, ich muss mich nur vorher anziehen. Genau so sage ich das dem Bub.
„Ich bringe dir deine Sachen!“ ruft er begeistert und springt vom Bett. Nun heißt es fix sein, denn „Ich bringe dir deine Sachen“ bedeutet er macht den Schrank auf und sucht wahllos Sachen heraus ohne Rücksicht auf eventuell herausfallende Sachen. Natürlich darf er nicht allein an den Schrank, aber in seiner Begeisterung mir zu helfen, kann man das schon mal vergessen.
„Mama, du musst deine Titties noch einpacken,“ kommentiert er meine Fortschritte! Puh – gut dass er das sagt, ich hätte das jetzt glatt vergessen! Hätte peinlich werden können, so entblößt den ganzen Tag.

Überhaupt kommentiert der kleine Kerl sehr gerne. Er ist im Grunde ein ständiges Rauschen. Erst heute wieder beim Frühstück machen!
„Mama, ich will dir helfen!“ Kein Problem, das kann er und darf er auch.
„Aber natürlich, Käferchen. Ich mache schnell den Kaffee und dann gebe ich dir was zum rein tragen!“
Und damit begann es:
„Ich träge den Teller rein!“ Sprach’s und wuselte los, nur um kurz darauf zurückzukehren mit der Frage: „Was noch?!“
„Hier ist Mamas Teller!
„Ich träge Mamas Teller rein!“ Auf diesem „ich träge“ beharrt er, egal wie oft wir ihm sagen, dass es „trage“ heißt. Aber wie berichtigt man das am besten, wenn man sagen würde „Ja stimmt, du trägst das!“ Denn offensichtlich auf einen Fehler beim Sprechen hinweisen wollen wir den kleinen Mann nicht, sondern ihm unauffällig beibringen, wie es richtig heißt. Nun ja, vielleicht gibt sich das auch noch. Nun jedenfalls bekommt er Papas Teller in die Hand.
„Oh, ich trage noch einen Teller rein.“
Tapp, tapp, tapp!!! „Was noch?“
„Ich träge die Teewurst rein.“
Tapp, Tapp, Tapp. „Was noch?“
„Ich träge meinen Joghurt rein … NEIN! Ich kann den erst essen, wenn ich ein Brötchen hatte!“ Tapp, Tapp, Tapp! „Was noch?“
„Ich träge die Butter rein! Mama ich nehme die Butter ganz vorsichtig, damit sie nicht runter fällt!“
„Oh, oh, Mama ich muss noch die Eierbecher rein tragen!“ Da kann er es dann auf einmal!
Und so geht es weiter, den ganzen, lieben langen Tag. Heute bevor wir zum Einkaufen gingen, sagte er zum Papa: „Papa, ich gebe dir einen neuen Schlüppi!“ Er sagt wirklich Schlüppi und seine Schlüppis kommen in die Schlüppilade. „Da kannst du deinen Pullermann rein tun!“

Mit dieser großartigen Sprachbegabung, die uns unheimlich viel Freude bereitet, geht allerdings auch ein immenser Geräuschpegel einher. Denn wie schon erwähnt, kommentiert er alles was er tut. Wenn unser Kind also auf seiner Blechtrommel trommelt, was ja schon an sich mitunter recht laut ist, dann ruft er dazu noch lauthals „Ich trommele auf meiner Trommel!“ Und kürzlich hatte er auf sein Töpfchen gepullert und rief mir das aus seinem Zimmer, wo er mit dem Papa saß durch die geschlossene Tür zu. „MAAAAMAAAA!!! Ich hab aufs Töpfchen gepullert!“ Und das 10 Mal hintereinander, immer lauter werdend.
Besonders schön ist diese Begabung, wenn er etwas nicht möchte, dann steigert sich nämlich nicht nur die Frequenz der Äußerungen, sondern auch deren Lautstärke und vor allem die Ausdauer, mit der er sein Missfallen äußert. Wenn dann auch noch die kleine Maus eine ihrer Schreiattacken hat, dann fällt mir nur eines ein:

Ich liebe meinen Sohn, aber ab und an stelle ich mich auch gerne mal zwei Stunden an eine Großbaustelle, um die Ruhe zu genießen!!!

Und genau dann, wenn dieses Gefühl eintritt, während also die kleine Maus mir ins Ohr brüllt und ich denke, ein bisschen Ruhe wäre so schön, dann kommt mein kleines Käferchen mit seinem Lieblingspinguin im Arm angewackelt und sagt: „Mama, ich geb der kleinen Schwester meinen Pinguin, damit die nicht mehr weint!“ ❤

Frhoppe 25.04.2015

21.04.2015 Aus eins mach zwei – Teil drei

Und nun – zum Abschluss der Auftakt-Trilogie, denn heutzutage hat ja alles drei Teile – präsentiere ich den geneigten Lesern noch einige liebenswerte und manchmal auch witzige Anekdoten aus dem Leben des großen Bruders:

23.03.2015: Der Tag des Einzuges. Die klugen Eltern sorgen vor und bringen dem großen Sohn im Namen seiner kleinen Schwester Geschenke mit: Zwei Bücher – eines mit Widmung der Schwester – und ein Holzpuzzle. Es handelt sich hier ganz klar und auch ganz offensichtlich um den Versuch der Bestechung.
Aber es wirkt:
Während das größere Kind mit der Mama und dem neuen Puzzle spielt, beginnt das kleinere Kind zu schreien. Mama überlegt kurz und entscheidet, dass das kleinere Kind einen Moment warten kann, da sagt das größere Kind:
„Die Schwester schreit!“
„Ja, aber wir puzzeln das erst noch zu Ende“, antwortet die Mama, was beim größeren Kind ein besorgtes Stirnrunzeln auslöst!
„Oder soll ich die Schwester erst füttern“, fragt die Mama!
Das größere Kind nickt erleichtert und antwortet mit einem erleichterten Ja!
In den folgenden Tagen kommt es zu mehreren hitzigen Diskussionen darüber, ob kleine Jungs Mamas Titties auspacken dürfen, wenn die kleine Schwester Hunger hat. Das größere Kind sieht sich durchaus im Recht, ergibt sich aber schließlich Mamas Hinweis, dass ihre Titties ihr gehören und sie entscheidet, wann die ausgepackt werden, schließlich wolle der kleine Mann ja auch nicht, dass man ihm auf offener Straße die Hose herunter zieht!

27.03.2015: Anlässlich des ersten Freitags zu dritt wurde das größere Kind heute früher und vor allem von beiden Eltern abgeholt. Während das Kind noch dringend zu Ende spielen musste, stand man mit dem Erzieher zusammen, der den Eltern berichtete, dass der Sohn sehr wohl von seiner kleinen Schwester spricht.
„Die kann ja noch nichts!“ verkündete er auf die Frage nach seiner kleinen Schwester. „Nur schlafen, pupsen, essen und weinen!“
Recht hat er und die Situation erstaunlich treffend zusammen gefasst.
07.04.2015: Morgens beim Eintreffen in der Kita trafen wir auf ein andere Mama, welche unseren Nachwuchs noch nicht gesehen hatte und natürlich sofort einen Blick in die Babyschale warf.
„Na du bist ja eine ganz Süße“, rief sie entzückt aus.
Und wurde vom größeren Kind direkt zurecht gewiesen:
„Das ist meine Schwester!!!“

15.04.2015: Mama und Sohn sind mit der kleinen Schwester allein zu Hause, der Papa ist terminbedingt schon frühmorgens außerhäusig, was bedeutet, dass die morgendliche Versorgung beider Kinder bei Mama liegt. Bislang klappt auch alles ganz gut, dann plötzlich entdeckt das größere Kind den Hasen, der mittels Klettvorrichtung am Gitter des Babybays befestigt ist und definitiv der kleinen Schwester gehört.
„Ich will den haben“, verkündet er.
„Nein, der gehört deiner Schwester“, sagt Mama fürchtend, dass dies einen Trotzanfall zur Folge hat, aber dennoch bestimmt, denn auch das muss der kleine Mann lernen. Als er tatsächlich ein wenig verstimmt schaut, fügt Mama erklärend hinzu:
„Weißt du, die kleine Schwester hat nur den einen Hasen und du hast so viele Kuscheltiere in deinem Bett. Oder du gibst ihr eines von deinen!“
Das größere Kind überlegt einen Moment, entfernt dann den Hasen vom Gitter und wackelt damit in sein Zimmer, von wo es mit seinem geliebten Pinguin aus dem Berliner Tierpark wiederkommt.
„Weißt du Mama! Ich gebe der kleinen Schwester den Pinguin, weil ich den ganz doll lieb habe“, sagte er und bestand darauf, dass ich das Tier auf den Wickeltisch zu seiner Schwester setze.
Nicht nötig zu erwähnen, dass mein Mutterherz dahinschmolz vor Liebe. Ich versicherte dem kleinen Käfer dann aber, dass er mir nur Bescheid sagen muss, wenn er den Pinguin wieder haben will und dann tauschen wir zurück. Das war schon fünf Minuten später der Fall, aber der kleine Mann befestigte dann auch ganz brav den Hasen wieder am Babybett.

Dies sind nur vier Wort-Beispiele aus unserem Alltag in den letzten Wochen, aber sicherlich wird es ganz bald noch viel mehr geben. So fordert der kleine Mann schon ganz offensiv, man solle die kleine Schwester in Ruhe lassen. „Nein! Lass die K. In Ruhe!“ rief er kürzlich seiner Oma zu, weil die Kleine auf deren Arm weinte und er dachte, sie weint wegen Oma. Wir haben das zwar richtig gestellt, aber stolz waren wir alle ein bisschen, dass er seine kleine Schwester sogar gegen Oma verteidigt, wenn er das für nötig hält.
Natürlich ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Der kleine Käfer hat ganz schön an der neuen Situation zu knabbern, er bockt sehr viel, testet sämtliche Grenzen ganz neu aus und ist unheimlich anhänglich geworden. Erst am Wochenende entdeckten wir, dass er unheimliche Angst vor weiteren Veränderungen hat, denn als wir unsere Klappstühle anlässlich einer Feier vom Balkon in den Garten schaffen wollten, fing er furchtbar an zu weinen und beharrte darauf, dass die da nicht weg dürfen. Auch in der Kita weint er wohl öfters nach seinem Papa, was uns sehr zu schaffen macht, aber auch nicht wirklich zu ändern ist, denn eigentlich ist er in der Kita unheimlich glücklich und will da auch unbedingt hin. Das wollen wir ihm auch auf keinen Fall nehmen, zumal er auch noch nie von sich aus zu Hause bleiben wollte. Wir versuchen das aufzufangen, indem wir sehr viel mit ihm Kuscheln und versuchen möglichst nicht die Geduld zu verlieren, wenn er auf deutsch gesagt, völlig am Rad dreht. Ich habe ihm z.B. erlaubt, jederzeit kuscheln zu kommen, wenn er möchte, auch wenn ich gerade stille. Das ist zwar ein wenig unruhiger, aber die kleine Maus fühlt sich dadurch nicht gestört und ich möchte ihm nicht das Gefühl geben, dass er hinten an steht. Wir versuchen, ihm nicht das Gefühl zu geben, dass er Dinge nicht mehr darf, weil jetzt seine Schwester da ist. Wenn er also auf dem Bett tobt, dann schirmen wir die kleine Maus unauffällig ab, anstatt zu sagen: „Du darfst nicht so doll toben, deine Schwester liegt hier!“ Und ihn zum Leise sein aufrufen, lassen wir ganz sein, es sei dem, er ist wirklich zu laut, aber selbst dann sagen wir ihm nur, dass es Mama und Papa zu laut ist. Seine kleine Schwester bleibt dabei ganz außen vor. Natürlich muss er achtsam sein: Wenn er zu doll tobt oder zu grob ist – zweimal hat er seiner Schwester schon mehr oder weniger eine gewischt, aber das war ganz am Anfang – dann sagen wir ihm auch, dass er auf seine kleine Schwester aufpassen muss. Allerdings versuchen wir das in einem vernünftigen Rahmen zu halten. Und wenn die kleine dann eben einmal öfter wach ist, dann muss sie da auch durch – schließlich nimmt sie auch keine Rücksicht darauf, dass ihr großer Bruder nachts schläft, selbst wenn den nicht mal eine Marschkapelle neben seinem Bett wecken könnte.
Und es wirkt: Denn bisher lässt der kleine Mann bis auf die zwei Ausnahmen seinen Frust über die Situation an uns aus – und nur an uns. Mit seiner kleinen Schwester geht er unheimlich liebevoll um, streichelt sie sehr viel und bekommt einen ganz lieben Tonfall, wenn er mit ihr spricht. Wenn sie weint, ist er besorgt und verunsichert und bringt ihr den Nuckel, bevor er mich – leider immer noch – ab und an versucht auszuziehen. Und langsam, ganz langsam beginnt für uns eine Art Alltag, in dem wir hoffentlich beiden Kindern gerecht werden.

Frhoppe 21.04.2015

20.04.2015 Aus eins mach zwei – Teil 2

Nun, „da“ war die kleine Schwester zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber zumindest auf dem Weg. Und als sie dann am 19.03. um 17.52 Uhr das Licht der Welt erblickt hatte, riefen wir nach dem ersten Kennenlernen natürlich als erstes die Oma und unseren kleinen Mann an, um vom freudigen Ereignis und natürlich dem Namen zu berichten, was dann auch gleich zu Diskussionen zwischen Oma und Enkel führte. Der zweite Name unserer Tochter endet nämlich auf einem „e“, unser Sohn indes bestand darauf, es müsse ein „a“ sein. Erst nach einigen Versuchen gelang es der Oma, ihn davon zu überzeugen, dass Mama und Papa sich für ein „e“ entschieden haben und dass das nun darum so bliebe.

Da es nunmehr doch schon recht spät am Nachmittag war, beschlossen wir, den kleinen Mann doch zu Hause zu belassen und verabredeten für den nächsten Tag einen Besuch im Krankenhaus. Dies ließ dem stolzen Bruder genug Zeit am nächsten Morgen in der Kita stolz und sehr ernst den Namen seiner Schwester zu verkünden – inzwischen hatte er sich nämlich auch mit dem „e“ arrangiert und legte auch äußerst großen Wert darauf, dass immer jeder gleich den vollen Namen seiner Schwester erfuhr. Wehe jemand sagte nur den ersten Namen – sofort wurde derjenige berichtigt.
Am Nachmittag endlich war es nun soweit: Der erste Besuch stand an. Nachdem Papa eifrig begrüßt worden war, sollte nun auch der kleinen Erdenbürgerin „Hallo“ gesagt werden. Der Plan war ein guter und wurde sogar vom kleinen Mann in Angriff genommen. Dann jedoch – urplötzlich – warf sich dem tapferen Helden ein Nachttisch in den Weg. Dieses scheppernde Ungetüm musste zuerst besiegt werden, bevor an die Begrüßung des kleinen Mädchens auch nur zu denken war. Und wie viele Hebel und Griffe gab es da zu ziehen und Türen zu öffnen. Schließlich jedoch gelang es dem kleinen Mann sich loszureißen und sich erneut auf den Weg zum Bett zu machen, als – oh fürchterliches Geschick – die Krankenbettverstellautomatik in den Blick des Kindes geriet. Ganz zum Schluss gelang es dem Sohn dann doch, seine Schwester willkommen zu heißen mit einem zarten Kopfstreicheln. Insgesamt war es eine gelungene Annäherung, die erst beim Verabschieden ein wenig getrübt wurde, als der Papa nicht mitkommen wollte. Dass die Mama im Krankenhaus bleibt, das sah der kleine Käfer sehr wohl ein, aber Papa hatte da nichts zu suchen. Erst durch schamlose Bestechung, er dürfe sowohl Fische als auch Katze bei Oma und Opa füttern, ließ sich unser Sohn zum Gehen überreden.
Unser großes Glück war – rückblickend betrachtet – dass unsere kleine Maus an einem Donnerstag auf die Welt kam. So waren wir nämlich übers Wochenende nicht da und der ganze „Oma-passt-auf-mich-auf-wenn-meine-Schwester-auf-die-Welt-will“ – Vorgang wurde für den kleinen Mann zu einem mehr oder weniger normalen Wochenendausflug bei Oma und Opa. Nicht ganz natürlich, das ist schon klar, unser Kind ist ja nicht doof und weiß natürlich ganz genau, dass da im Krankenhaus eine gewaltige Veränderung des Status Quo angekommen ist, aber wenigstens ist sein Alltag nicht durcheinander gebracht, nur weil seine kleine Schwester jetzt da ist. Bei Oma und Opa übers Wochenende: Das kennt er! Da fühlt er sich wohl mit! Und da macht es auch nichts, dass man Sonntags noch einmal ins Krankenhaus fährt um Mama und Papa und diese seltsame kleine Schwester zu begutachten. Immerhin ist er ja auch schon ein großer kleiner Mann!
Uns kam es sogar vor als sei er gewachsen. Nicht nur ganz stetig und ein bisschen, sondern über Nacht und mindestens einen Meter! Ich hatte vorher von diesem Phänomen gelesen, aber so recht daran glauben konnte ich nicht. Ich meine, ernsthaft, wie soll denn das gehen, dass einem das Kind plötzlich viel größer und „älter“ erscheint? Ist aber so! Und funktioniert auch umgekehrt! Denn jedesmal, wenn ich das große Kind auf dem Arm hatte, muss ich aufpassen, dass ich mir das kleine Kind nicht mit Schwung über die Schulter schmeiße – und das ist auch nach vier Wochen noch nicht nennenswert besser geworden.
Mir fiel das ganze übrigens erstaunlich schwer – ich meine, ich bin ja durchaus daran gewöhnt, dass der kleine Mann mal drei Tage weg ist, aber wenn man dann im Krankenhaus liegt und eben doch nicht einfach so zu ihm kann, dann wird das Vermissen auf einmal riesig groß. Mein Sohn fehlte mir so unfassbar stark, dass ich ernsthaft überlegt habe, die Sachen zu packen und früher nach Hause zu fahren. Wir haben es nicht gemacht, was auch gut war, denn so konnten sich alle Beteiligten noch ein wenig sammeln, aber leicht gefallen ist es mir nicht. Wie sehr mich das ganze doch beschäftigte, sei anhand meines Traumes in der Nacht von Samstag auf Sonntag illustriert: Ich sah aus dem Fenster unseres Zimmers und beobachtete ein Flugzeug, dass beängstigend tief flog. Meine ungute Vorahnung bestätigte sich und panisch musste ich beobachten, wie das Flugzeug genau dort abstürzte, wo sich unsere Wohnung befand – die grobe Richtung konnten wir nämlich aus dem Fenster sehen. Völlig hysterisch schrie ich und weinte um meinen kleinen Sohn, bis mir einfiel, dass er in Sicherheit bei seinen Großeltern war!
Selbst nach dem Aufwachen zitterte ich noch! Und war meiner Mama umso dankbarer, dass sie uns gleich morgens ein Mini-Video von unserem kleinen Mann schickte, in dem er uns ganz fröhlich einen guten Morgen wünschte und darin auch – nicht ganz so begeistert, seine kleine Schwester einbezog.

Frhoppe 21.04.2015

20.04.2015 Aus eins mach zwei! – Teil 1

Nun ist es also geschehen – wir haben zwei Kinder!

Ganz plötzlich und nicht ganz unerwartet sind wir zu viert, unsere kleine Familie ist erst einmal komplett und der Weg dahin und damit war zwar bislang sehr ereignisreich, aber auch wunderschön zu sehen, was für ein toller großer Bruder unser kleiner Mann ist – was vielleicht auch ein bisschen an unserer Vorbereitung lag.
Aber ich fange am besten von vorne an – nun ja, vielleicht nicht ganz von vorne, aber doch schon ziemlich am Anfang:

Wir hatten unserem Sohn schon recht früh von seiner kleinen Schwester erzählt. Sobald die wichtigsten Familienmitglieder Bescheid wissen durften, weihten wir auch ihn langsam ein – zunächst erst einmal nur anhand der für einen Knirps von nicht einmal zwei Jahren recht unbedeutenden Aussage „Du bekommst bald eine kleine Schwester!“ Seinen Gesichtsausdruck dazu deute ich in etwa so: Tolle Wurscht! Eine Schwester – was is’n das? Kann man das essen oder wozu ist das gut?
Als wir das dann aber präzisierten und ihm erklärten, dass ich jetzt ein Baby im Bauch habe und dass dieses Baby im nächsten März raus will, konnte er damit durchaus etwas anfangen, denn dass Mamas Babys im Bauch haben, die dann irgendwann auf der Welt sind, das hatte er schon erlebt im Freundeskreis. Und irgendwie war ihm auch von vorneherein klar, dass er damit sehr vorsichtig sein muss, denn schon sehr früh begann er, ganz vorsichtig meinen Bauch zu streicheln und als ich ihn im Oktober fragte, ob er denn schon gesehen habe, wie rund Mamas Bauch ist, nickte er begeistert und sagte dann ganz ernst: „Ist ein Baby drin, muss man aufpassen!“ Keine Frage, dass mein Mutterherz bei diesen Worten unwiderruflich dahin schmolz.
Spätestens da war das kleine Würmchen fest in unseren Alltag eingezogen – jeden Tag bezogen wir die kleine Bauchmaus in unseren Alltag mit ein, erzählten dem kleinen Mann, wie sehr wir uns darauf freuen, dass sie bald bei uns ist, sagten ihm, dass er ein ganz toller großer Bruder wird und dass seine kleine Schwester einmal ein toller Spielgefährte wird, sobald sie etwas größer ist. Wenn wir etwas neu anschafften oder bauten – z.B. den Wickeltisch – dann wurde er mit einbezogen. Natürlich blieben da auch erste Anmeldungen von Besitzansprüchen nicht aus: Im Dezember bekam der kleine Mann ein großes Bett. Ein Feuerwehrauto war das, von seinem älteren Cousin gesponsert und een rischtisch schniecket Teil, das sofort mit Begeisterung in Beschlag genommen wurde. Große Freude brach aus im heimischen Kinderzimmer, bis … ja bis das alte Gitterbett abgebaut werden sollte. Die Freude schlug um in schiere Verzweiflung. Unter Tränen klammerte sich der kleine Mann an den Gittern fest und schrie. „NEEEIIIN!!! Das Bett bleibt hier!!!“ Mit Engelszungen redeten wir auf ihn ein, dass doch das Bett zu groß und dann kein Platz mehr sei und überhaupt, man könne ja gar nicht spielen, wenn hier ein Gitterbett mitten im Raum und so … Nichts half! Schließlich hatte ich die zündende Idee: „Weißt du, kleine Mann! Wir brauchen doch das Bett für deine kleine Schwester – oder soll die in deinem Feuerwehrbett schlafen?“ Totale Stille. Dann: „Nein! Das ist mein Bett!“ Sprach’s und das Thema war erledigt. Das Gitterbett musste sogar umgehend in den Keller geschafft werden.
Im Januar schließlich überraschte uns der kleine Kerl mit einer unheimlich intelligenten Erkenntnis. „Wie soll denn deine Schwester heißen?“ fragten wir ihn eines Tages.
„Anne!“ kam es wie aus der Pistole geschossen, woraus dann später ‚Onkel M…‘ wurde, wovon er auch durch hartnäckige Erklärung ‚Onkel M…‘ sei doch ein recht ungewöhnlicher Name für ein Mädchen, nicht abzubringen war. Anne allerdings war es auch nicht!
Wir schauten einander nun also ein wenig hilflos an und überlegten, was zu tun sei, denn unsere Namenswahl unterlag strengster Geheimhaltung gegenüber der Familie. Den tatsächlichen Namen dem Kinde zu verraten, kam also gar nicht in Frage, denn gegen kleine Kinder sind Facebook und Konsorten in Sachen Herausgabe von Daten an Unbefugte ein Witz. Also verlegten wir uns auf eine Ausweichtaktik.
„Naja, müssen wir mal schauen, ob deine Schwester dann Anne heißt! Das sagt sie uns dann, wenn sie auf die Welt kommt! Mama und Papa wissen das auch nicht!“
Es folgte ein prüfender Blick aus verengten Augen, erst zu Mama, dann zu Papa, dann lächelte der Sohn siegesgewiss und verkündete: „Mama und Papa wissen das!“
Die eigenen Eltern dermaßen ausgekontert zu haben, ließ ihn dann auch sämtliches Interesse am zukünftigen Namen seiner Schwester verlieren.
Für uns war dieses eindeutige Zeichen großer Kombinationsfähigkeit der Anlass den nächsten Schritt zu tun, um den Sohn auf das große Ereignis einzustellen. Da wir auch für unser zweites Kind das wunderbare Erlebnis eines Familienzimmers anstrebten, würden sowohl Mama als auch Papa einige Tage nicht anwesend sein, wenn es losging und darauf will so ein kleiner Mensch vorbereitet sein – erst recht wenn die beiden dann auch noch so ein kleines schreiendes Bündel mitbringen, um das sich erst einmal alles drehen wird. Dankenswerterweise hatte sich meine Mama bereit erklärt, den kleinen Mann nicht nur in unserer Abwesenheit zu betreuen, sondern im Notfall auch mitten in der Nacht hier einzureiten, um zu gewährleisten, dass der Papa auch schon im Kreißsaal dabei sein konnte. Wir erklärten nun also dem Sohnemann, wenn dann irgendwann morgens plötzlich die Oma da ist, dann will seine kleine Schwester endlich auf die Welt und er kann dann ein paar Tage Urlaub mit der Oma machen.
Eigentlich gingen wir davon aus, dass das nicht nötig sein würde, denn immerhin kam der Große ja tagsüber, aber wir wollten eben auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, vor allem aber den kleinen Mann wie gesagt gut vorbereiten. Nicht das plötzlich Mama und Papa einfach so über Nacht für mehrere Tage verschwinden. Das wäre ein denkbar schlechter Start ins Geschwisterleben.
Und wie es dann so ist mit den Geburten und mit Kindern überhaupt – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Wir hatten uns 9 Tage nach Termin schweren Herzens entschieden angesichts keinerlei vorhandener Anzeichen, dass es los gehen könnte, am 10. Tag die Geburt einleiten zu lassen. Alles war gepackt, die Oma für den nächsten Tag zum Kind aus der Kita abholen einbestellt und wir planten einen emotionalen Abschied vom großen Sohn am nächsten Morgen, bei dem wir ihn schwersten Knuddeln und Knutschen wollten.
Um vier Uhr nachts platzte die Fruchtblase!
Oma kam und übernahm den Rest der Nachtwache und als sie am nächsten Morgen die Tür zum Kinderzimmer öffnete, erwartete sie ein strahlend waches Kind, das bei ihrem Anblick freudig verkündete: „Meine kleine Schwester ist da!“

Frhoppe 20.04.2015

28.10.2014 Geburtstagskuchen vom Onkel

Als ich heute morgen das Zimmer des kleinen Mannes betrat, war das Kerlchen schon putzmunter und ließ sich widerstandslos Fieber messen. Ich muss sagen, ich war ziemlich überrascht als ich feststellte, dass die Temperatur des kleinen Mannes bei total normalen 37,2° lag. Dem Gang in die Kita stand also nichts im Wege.
Dort angekommen konnte ich den Sohn dann auch direkt als vermisst melden, so wenig interessierte ihn meine Anwesenheit. Aber wenigstens konnte ich so ruhigen Gewissens gehen. Als ich den kleinen Mann dann nach dem Mittag wieder abholte, erzählte er mit sofort, dass ihm das Essen heute geschmeckt habe. Wirklich mitkommen mit mir wollte er aber nicht. Viel lieber wäre er da geblieben. Erst als ich ihm erklärte, dass sein Onkel heute Geburtstag habe und wir deswegen nach Hause müssten, erklärte er sich gnädigerweise bereit mich zu begleiten. Um ihn dann zu Hause zum Mittagsschlaf zu bewegen, erzählte ich dem kleinen Mann, dass es nach dem Schlafen Kuchen von seinem Onkel geben würde.
Im Nachhinein erwies sich das als ausnehmend unkluge Idee, denn kaum war der kleine Käfer erwacht, fragte er nach dem Kuchen. Nun war es allerdings erst halb drei und der Onkel wollte erst gegen vier kommen. Den ganzen Nachmittag verlangte er alle 5 Minuten den Kuchen und als es dann kurz nach vier endlich klingelte, schaffte der Sohn es gerade noch eben so dem Onkel alles Gute zu wünschen, bevor er nach dem Kuchen fragte. Leider sollte der Kuchen erst angeschnitten werden, wenn auch der Papa endlich zu Hause wäre, was in diesem Fall eine weitere Verzögerung von einer halben Stunde bedeutete.
Das Kind saß nun also eine halbe Stunde am gedeckten Tisch, war von seinem Stuhl nicht wegzubewegen und forderte lautstark den Kuchen. Und als wenn das noch nicht genug wäre, wies der gemeine Opa väterlicherseits immer wieder auf das Objekt der Begierde hin, was den Sohn natürlich immer nervöser machte.
Es war fast komisch mit welcher Erleichterung er dann schließlich sein Stück Kuchen verschlang.

Frhoppe 28.10.2014

16.10.2014 Piff, Paff, Puff mit Fingerchen

Ich muss sagen, dass es mir heute morgen sehr schwer fiel, rechtzeitig aufzustehen, denn mich hat jetzt der Kita-Schnupfen des Kindes auch voll erwischt, nur dass es mir – wie es ja immer so ist mit Kinderkrankheiten – deutlich schlechter geht als dem Kind. Und da man ja mit 5 Monate altem Baby im Bauch ohnehin nicht immer die beste Kondition und Konstitution hat, war ich entsprechend weniger positiv gegenüber der Idee des frühen Aufstehens eingestellt. Aber wie sagt der Kölner: Wat mutt, dat mutt! Zumal der Gnom auch wieder schon hellwach war, als ich noch schlaftrunken ins Bad tappte.
Dementsprechend war ich dann auch ganz froh, als mir die Erzieherin mitteilte, ich dürfe heute ebenso wie gestern bereits um zehn gehen und sogar bis NACH dem Mittagessen wegbleiben. Volle zwei Stunden Freiheit! Na gut – es waren nur knapp eineinhalb, weil ich dann doch länger da war, um beim aufgrund des Regenwetters erschwerten Anziehen der acht Kinder zu helfen, aber ich habe es trotzdem geschafft, in Ruhe einen Kaffee zu trinken und wuschelweiche Kuschelwintersocken zu kaufen.
Der Vormittag heute in der Kita war ein wenig besonders, denn eines der Kita-Kinder hatte Geburtstag und so wurden im Morgenkreis bis auf das Begrüßungslied hauptsächlich Geburtstagslieder gesungen und außerdem waren heute auch die ganz Kleinen beim Morgenkreis anwesend – die sind normalerweise eine Art Extragruppe, auch wenn die Räume untereinander offen sind. Dieses Beisammensein stellte dann auch eine größere Herausforderung bei der Vesper dar, denn die Mama des Geburtstagskindes hatte Cake-Pops gebacken – für alle die das nicht kennen: das ist Kuchen am Stiel, überzogen mit Schokolade und Streuseln drauf, wie ein Lolli halt, nur aus Kuchen.
Während die Erzieher noch darüber rätselten, ob die Kinder es wohl schaffen würden das halbwegs sauber zu essen – ich dachte, naja so mit Stiel sollte das eigentlich gehen – bewies mein Sohn, dass es nicht nur geht, sondern auch schnell!
Etwas ungläubig fragte die Erzieherin der „kleinen“ Gruppe, ob sich mein Kind gerade den gesamten Kuchen in den Mund gesteckt habe. „Ja hat er“, bestätigte ich. „Das ist seine bevorzugte Strategie. Soviel wie möglich, so schnell wie möglich in den Mund stecken.“ Das ist insofern ein erstaunliches Verhalten, da er es nur bei Banane und Süßkram an den Tag legt, ansonsten isst er ja ordentlich. Woher diese Verlustangst kommt, weiß ich ehrlich gesagt nicht, es isst ihm ja keiner was weg. Wenn er denn mal was bekommt, dann hat er auch für sich. Aber vielleicht ist es genau das. Er bekommt – von Banane mal abgesehen – eher selten Süßes oder Kuchen, bei uns zu Hause eigentlich gar nicht, also nutzt er die Chance, wenn sie sich im bietet oder so! Keine Ahnung. Auf jeden Fall sorgte er heute für Spaß beim Händewaschen, denn er outete sich als Gegner des Konsums. Er entschied, dass nicht jedes Kind sein eigenes Handtuch haben müsse, sondern hängte sehr geduldig alle Handtücher an einen Haken und freute sich dann über das Ergebnis. Das nun keiner mehr wusste, wem welches Handtuch gehörte – in Kitas ja auch durchaus eine Hygienefrage, könnte ich mir vorstellen – war ihm relativ gleichgültig.
Im Übrigen war er das einzige der Kinder, das halbwegs sauber aus der Sache mit dem Schokoladenkuchen herauskam, von Tisch und Boden ganz zu schweigen – was mich und eine andere Eingewöhnungsmama dann dazu verleitete, nicht ganz ernsthafte Mutmaßungen über die beste Geburtstagsnahrung anzubringen. Wir einigten uns auf leicht angetautes Eis in den Sorten Schokolade und Blaubeere. Dies wiederum veranlasste unsere Bezugserzieherin zu der Äußerung: „Hach, ich liebe meine Eltern.“, worüber wir dann alle sehr lachen mussten.
Und noch etwas war heute sehr erfreulich: Nach einem dreistündigen Mittagsschlaf verlangte das Kind: „Mama soll Käse holen.“ Als ich darauf hin erwiderte: „Das ist aber keine schöne Art zu fragen!“ überlegte er kurz und sagte dann steinerweichend grinsend: „Ich möchte bitte einen Käse!“ Darüber hinaus sangen wir mehrfach das schöne Lied „Mit Fingerchen!“ (Text unten), wobei er nicht nur schon toll mitmachte – Finger, flache Hände, Fäuste, Hände über dem Kopf und vor den Augen kann er schon – sondern sich auch noch bekugelte vor Lachen über den Jäger, der Piff, Paff, Puff macht und lauthals Piff, Paff, Puff krähend durch die Wohnung rannte.
Und wer so ein herzhaftes Kinderlachen hört, weiß wie gut das fürs Gemüt und die Seele ist und somit geht es mir heute trotz körperlicher Gebrechen, die mich jetzt schon ins Bett gezwungen haben, psychisch sehr gut.

Anmerkung: Text zu „Mit Fingerchen“ für alle Nachahmer, die es nicht kennen:

Mit Fingerchen, mit Fingerchen
(Mit beiden Zeigefingern auf den Tisch klopfen.)
mit flacher, flacher Hand
(Mit den Händen auf den Tisch klopfen.)
mit Fäusten, mit Fäusten
(Mit den Fäusten auf den Tisch klopfen.)
mit Ellenbogen
(Mit den Ellenbogen auf den Tisch klopfen.)
klatsch, klatsch, klatsch.
(In die Hände klatschen.)

Legt eure Hände auf den Kopf,
(Hände falten und über den Kopf heben)
forme einen Blumentopf,
(Die Hände zu einem U öffnen.)
leg die Finger zu ner Brille,
(Daumen und Zeigefinger zu Kreisen formen und um die Augen legen.)
und dann sei auch mal ganz stille.
(Leise sprechen und dann den Zeigefinger auf die Lippen legen.)

Kommt der Jäger und macht:
Piff! Paff! Puff!
(Erst mit einer, dann mit der anderen und bei
puff mit beiden Handflächen auf den Tisch klatschen.)
Frhoppe 16.10.2014