13.05.2015 Das erste Fläschchen – oder: Alles anders mit dem zweiten?

Kürzlich wurde mir die Frage gestellt, ob ich denn schon spürbar etwas anders mache in der Erziehung des zweiten Kindes, also ob ich vielleicht Dinge nicht mehr mache, die sich beim ersten Kind nicht bewährt haben. So richtig beantworten kann ich das eigentlich nicht, denn momentan hat unser Umgang mit dem kleinsten Familienmitglied noch nicht viel mit Erziehung zu tun, sondern eher mit Bedürfnisbefriedigung.

Aber ein paar Sachen sind mir doch aufgefallen.
An allererster Stelle: Unsere Tochter wird lange nicht so viel getragen, wie unser Sohn in den ersten Wochen seines Lebens. Ich erinnere mich daran, dass wir ihn zwar auch öfter mal in der Wiege oder auf dem Fell liegen hatten, aber vor allem abends schlief er meistens bis zum Zubettgehen auf einem unserer Bäuche. Zumindest bis er zwei Monate alt war, denn da begannen wir mit der Einführung einer Schlafdisziplin. Was mich zum zweiten Punkt bringt, an dem wir etwas anders machen. Das Schlafen. Denn die kleine Maus schläft bereits seit drei Wochen circa drei Stunden – nämlich von acht oder neun bis elf oder zwölf, wenn wir ins Bett kommen – allein in ihrem Bettchen im Schlafzimmer. Natürlich gucken wir ab und an, aber ihr großer Bruder hatte bis zum zweiten Monat die Rund-um-die-Uhr-total-Überwachung! Bei ihm schliefen wir die ersten Wochen sogar mit Nachtlicht, damit wir ihn immer sofort im Auge hatten beim Aufwachen. Beim zweiten Kind taten wir dies nur im Krankenhaus.
Überhaupt ist vieles etwas entspannter. Wir wickeln nicht bei jedem Pups sofort, sondern wissen schon, wann wir noch etwas warten können, weil das nur Luft war, oder auch, dass die Größe des Windelpakets zwischen den Beinen Aufschluss über dessen Füllstand gibt. Bestimmte Handgriffe beim Wickeln sitzen noch, das Baden z.B. ist längst nicht so eine Zitterpartie, wie beim Sohnemann am Anfang.
Es gibt aber auch Dinge, die nicht im positiven Sinne anders sind – negativ möchte ich sie aber auch nicht unbedingt nennen, vielleicht nur etwas anstrengender.
Die kleine Maus hat sehr viel Bauchweh, was wir von unserem Großen gar nicht kennen. Der hatte in seiner Babyzeit viermal Bauchweh – einmal vom Grünkohl und dreimal wegen Erbsen, da hat es etwas länger gedauert, bis ich das geschnallt hatte. Die kleine Maus hingegen schreit beinahe jeden Abend, manchmal 10 Minuten, dann aber auch wieder eine Stunde und leider manchmal auch zwei Stunden. Sie brüllt nicht durchweg, wimmert auch ab und an oder fällt in einen erschöpften Schlaf für ein paar Minuten, aber meistens hat sie dann auch 1 bis 2 Stunden Schmerzen. Ich wünschte, ich könnte ihr das abnehmen, aber mal schauen. Vielleicht hängt es wirklich damit zusammen, dass sie ihr Köpfchen nach hinten überstreckt und schief hält. Dann hoffen wir auf Besserung, wenn es zum Osteopathen geht.
Schwierig ist auch, dass ich seit der Geburt 24/7 also rund um die Uhr mit der kleinen zusammen war. Beim großen Mann hatte ich ja Großeltern, die zwei bis dreimal die Woche etwa 2 Stunden mit ihm spazieren waren, also mir sechs gesegnete Stunden Zeit für mich bescherten, weil er im Kinderwagen so super schlief. Diese Großeltern habe ich auch immer noch und sie sind auch noch genauso hilfreich,und auch die kleine Maus schläft im Kinderwagen gerne mal zwei Stunden, solange sich das Ding bewegt – aber diese Großeltern versorgen eben den großen, kleinen Mann und die kleine Maus kann ich ihnen dann nicht auch noch zumuten. Mit dem Sohnemann ist man wahrlich ausgelastet genug. Wirklich beschweren kann ich mich auch nicht, was den Papa angeht, denn wenn er zu Hause ist, dann übernimmt auch er die Betreuung der kleinen Maus. Im seltenen Fall, in dem ich dann aber nicht mit dem großen Sohn beschäftigt bin, kann ich auch nicht wirklich abschalten, weil ich Baby ja immer noch höre und irgendwie immer erwarte, dass ich gleich wieder gebraucht werde. Naja und nachts? Da kann ja von Abschalten eh kaum die Rede sein, denn man schläft ja doch mit einem Ohr beim Kind. Auch wenn das durchaus schon mal fünf oder sechs Stunden sind – erholsam ist anders.
So richtig bewusst geworden ist mir das mit der ständigen Bereitschaft gestern bei der Probe, wo ich mich aufgrund ihrer Schreiattacke natürlich kaum aufs Singen konzentrieren konnte. Und da wurde mir klar, dass ich nicht einmal diese zwei Stunden für mich habe. Diese zwei Stunden, die mir zwar super wichtig sind und mir und meiner Seele unheimlich gut tun, in denen ich aber auch nicht entspanne, sondern konzentriert arbeite. Und als ich nach Hause kam, informierte ich den Gatten, dass ich ab sofort mit dem Abpumpen anfange. Nicht regelmäßig und nicht dauerhaft, sondern eine Flasche – so dass er eine Mahlzeit am Tag geben kann. Heute haben wir dies das erste Mal probiert und es hat sofort funktioniert. Das erleichtert mich ungemein, denn es entlastet mich insofern, dass ich auch mal ohne Kind raus kann, ohne Panik haben zu müssen, dass sie eine Hungerattacke hat, während ich einkaufe und es macht mir diese zwei Stunden Probe am Dienstag möglich, die mir gehören. Und ganz davon abgesehen ermöglicht es dem Papa, auch an der Versorgung des Kindes teilzuhaben, seine ganz eigene Bindung zu ihr aufzubauen, die ja in dieser frühen Phase auch über Nahrungszufuhr stattfindet. Das übrigens haben wir auch beim ersten Kind auch schon gemacht, um zur Frage zurück zu kehren, aber auch erst zwei Wochen später.
Ich kann also bis hierhin sagen, dass wir vielleicht nicht viele Dinge anders machen, aber mit dem zweiten Kind dann doch etwas früher. Wirklich ein Fazit dazu abgeben, kann ich aber erst, wenn die kleine Maus auch einen eigenen Charakter entwickelt und wir mit der tatsächlichen Erziehung anfangen müssen, wobei ich auch da denke, dass wir im Grundsatz nicht allzu viel anders machen werden, denn unser Sohn ist ja für seine zwei Jahre ganz großartig geraten. Allerdings bleibt natürlich abzuwarten, was für ein Charakterkopf die kleine Prinzessin wird, denn jedes Kind ist anders und mit jedem Kind muss man individuell umgehen. Was beim einen funktioniert, muss noch lange nicht für das zweite passen. Ich denke aber, wenn man nur auf sein Gefühl hört und vor allem dem Kind immer das Gefühl vermittelt, dass man es bedingungslos liebt, dann ergibt sich alles andere.

Frhoppe 13.05.2015

Advertisements