30.01.2016 Unser zuckerwatteweicherregenbogen Samstag!

Ja!
Das klingt gut, nicht wahr?
So hatte ich mir das auch vorgestellt, als ich den Familiensamstag einführte.

Wir beginnen den Tag, nachdem wir alle ausgeschlafen haben, mit einem wunderbaren, gesitteten Frühstück, bei dem jeder in Ruhe essen kann, gefolgt von einem Vormittag angefüllt mit Spiel, Spaß und guter Laune.
Während dann einer von uns das Mittagessen vorbereitet, liest der andere den Kindern etwas vor oder singt oder puzzelt oder baut einen Turm.
Nach dem Mittag gehen dann die Kinder ein wenig in den Mittagsschlaf – die ideale Zeit liegt bei 1,5 Stunden – bevor sie gut ausgeruht am frühen Nachmittag aufwachen und wir noch ausgiebig an der frischen Luft spazieren und toben können.
Entsprechend müde essen die Kleinen dann dankbar ihr Abendbrot bevor sie sich dann dankbar ins Bett bringen lassen, damit Papa und Mama noch in Ruhe einen Film gucken können und ein wenig Zeit für sich haben.

Ha!
Haha!
Hahaha … hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahaaaaaaaaaaaaaaaaa!
Hahaha!
Haha!
Ha!

Also: Ich gebe zu, das nicht einmal ich daran geglaubt habe, aber so in Grundzügen war das schon so gedacht, dass an Samstagen nur die Familie zählt und deswegen auch den ganzen Tag der PC ausbleiben soll und wir alle wirklich viel Spaß haben werden.
Dass ich nun trotzdem blogge, liegt nicht nur an dem Regen bzw. Sturm, der den Nachmittag an der frischen Luft unmöglich machte. Es liegt auch nicht daran, dass ich es ohne meinen PC nicht ausgehalten habe.
Es liegt einzig und allein daran, dass unser Tag so wundervoll war, dass wir abends einfach nicht noch mehr zuckerwatteweichen Regenbogen ertragen würden!

Tatsächlich fing unser Tag um 6:22 Uhr an – eine Stunde BEVOR wir üblicherweise aufstehen müssen. Und zwar damit, dass mich das Herzensmädchen beim Stillen herzhaft biss, während der Herzenssohn auf mir rumsprang und sich in mein Gesicht setzte. Wobei er dreckig lachte. Äußerst dreckig!
Papa hatte schlecht geschlafen und reagierte darum wenig relaxt, als ich „AU! Geh von meinem Gesicht runter!“ schrie – nämlich mit einem Platzverweis für den Sohn. Der leider nur sehr halbherzig eingehalten wurde.
Zwar fügte sich das Kind und spielte in seinem Zimmer, aber nach und nach wanderten die verschiedenen Spielzeuge, Bausteine, Kuscheltiere und Musikinstrumente zu uns ins Schlafzimmer. Natürlich nur, um sie uns zu zeigen!
Das Frühstück dann war ein munteres Durcheinander aus Stulle schmieren, nicht wollen, Belag runter essen, Baby vom Tisch nehmen, neuen Belag runter essen, Baby vom Tisch nehmen, Salz vor dem Sohn retten, Baby aus meinen Haaren puzzeln, Sohn den Joghurt von der Hose wischen, Baby vom Salz fern halten, Sohn vom Kaviarcreme-aus-der-Tube-lecken abhalten, mit dem Papa streiten, weil der nach dem aus dem Fenster starren feststellt, dass ich nicht auf das Baby aufpassen kann und zu guter Letzt noch den verdammten Teller mit der Avokadopampe wieder vom Boden klauben, ohne mich an den Scherben zu schneiden.
Ganz ruhig und entspannt also!
Der Rest des Tages verlief, wie er begonnen hatte, in einem permanenten Rauschen kindlichen Mitteilungsbedürfnisses. Selbst das Mittagessen lief dergestalt ab, dass unser Sohn sang: „Dumdidum, ich esse diese Nudel!“ Und das bei jeder Nudel.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es keinen Mittagsschlaf gab.
Am Nachmittag waren wir dann alles vollends schlecht gelaunt. Dieser Umstand wurde nicht unbedingt dadurch verbessert, dass der Herzenssohn so ziemlich GAR NICHT mehr hörte! Egal was man ihm sagte, er ignorierte es entweder ganz oder tat einfach das Gegenteil!
Natürlich laut!
Wie auch anders!
Und weil das alles so lustig war, war das Herzensmädchen eigentlich auch nur dann leise, wenn ich sie mit mir herumtrug.

Dann galt es nur noch im Kampf Vater gegen Sohn, Sohn gegen Vater, Sohn gegen Mutter und Sohn gegen sich selbst nicht den Rest der Nerven zu verlieren.
Nach nur einer Stunde war es endlich geschafft!
Herzensmädchen und Herzenssohn schlummerten sanft wie die Engelein, als könnten sie kein Wässerchen trüben.
Und Papa und Mama?
Die wollte gar nix mehr sehen und hören!
Und weil Papa eh noch bei seiner Mama Wäsche aufhängen musste, entschieden wir in schweigender Übereinstimmung, dass wir heute keinen gemeinsamen Film mehr brauchen für unser Glück, sondern eigentlich nur Ruhe!

Frhoppe 30.01.2016

23./24.01.2016 Unser Wochenende: Neues aus der Anstalt!

Unser Wochenende fing zunächst sehr entspannt an, denn wir konnten tatsächlich bis halb neun schlafen, bevor uns der kleine Mann weckte. Das Herzensmädchen war natürlich wie immer schon immer mal wieder die ganze Nacht wach, aber daran ist man ja mittlerweile gewöhnt, sodass ein ausschlafender Dreijähriger tatsächlich ein Segen ist. Da hatte Mama dann sogar richtig Lust ein schönes Frühstück zu machen, welches wir auch unglaublicherweise ohne Theater, Flecken, Jammer und Böcke zelebrativ vollzogen.
Derartig entspannt in den Tag gestartet, konnte der Rest des Tages nur noch toll werden.
Und Überraschung?! Das wurde er auch!

Der Samstag ist nämlich bei uns seit einigen Wochen zum Familientag erkoren worden. Das heißt für alle: Keine Medien, vor allem kein PC und keine Arbeit – das gilt vor allem für den Papa, der gerne mal Samstags Ämterkram erledigt und E-Mails beantwortet. Er verzieht ganz niedlich das Gesicht, wenn ich ihn freitags daran erinnere, dass „morgen der PC ausbleibt!“ Und für Mama und Papa gilt abends: Bewusst zusammen einen Film schauen, den wir beide ausgesucht haben und dabei kuscheln. Auch hier bleibt der PC aus!

Dafür machen wir viel zusammen, wobei die oberste Regel der Spaß ist, es muss keinen Sinn haben oder pädagogisch wertvoll sein.
Diesen Samstag zum Beispiel kläffte ich eine geraume Zeit in Chihuahua-Manier das Herzensmädchen an, welches sich darüber gar nicht mehr einkriegen konnte vor Lachen.
Zeitgleich krabbelte der Papa auf allen Vieren durch die Wohnung, versteckte sich hinter Ecken und sprang bellend hervor, woraufhin sich der Lieblingssohn kreischend vor Freude erschreckte.
Lustig wurde es, als er die Rollen tauschen wollte – also er den Part des erschreckenden Hundes übernahm.
Denn wohl fand er das Erschrecken sehr lustig, hatte aber das Prinzip aber noch nicht so ganz verstanden.
Wie vermutlich alle Kinder in diesem Alter kicherte er im Versteck und lugte um die Ecken.
Papa versuchte ihm das Konzept zu erklären:
„Pass auf: Du versteckst dich und ich weiß gar nicht wo du bist. Du wartest bis ich komme und DANN machst du WAUWAUWAUWAUWAU! Ganz laut.“
„Ja!“ sprachs und wuselte los.
Papa wartete einen Moment und lief hinterher.
„Dumdidum…wie gut das hier gaaaaaar kein Hund ist!“
„Doch! Ich bin hier,“ tönte es aus dem Versteck.
„Das darfst du mir nicht sagen!“ Noch sehr ruhig. „Ich gehe noch mal raus!“
Sprachs und kam ins Wohnzimmer zurück.
„Dumdidum. Ich gehe ins Schlafzimmer. Wie gut das da gaaaaaaaaar kein Hund ist!“
„Doch!“
„Nein!“ etwas energischer schon. „Du DARFST nichts sagen! DU musst warten bis ich komme und dann erschreckst du mich. Ich gehe noch mal raus.“
Papa kam zurück und drehte wieder um.
„Didumdidum…ich gehe ins Schlafzimmer, wie gut, dass da gaaaaaaaaaaaar kein Hund ist!“
„Dohoch!“
„Waaaaaaaahhhhh!“ Ein Schrei der Verzweiflung aus Papas Mund.
Irgendwie haben die zwei es dann doch geschafft, dass der Sohn den Papa „erschreckte“. Man muss aber durchaus sagen, dass die wilde Bestie eher dem Chihuahua glich, den ich imitiert hatte.

Der Sonntag war dann sehr ruhig. Irgendwie waren wir komischerweise alle seeeeeehr müde. Das nun wiederum war so gar nicht zu erklären, war doch die Nacht einfach wundervoll gewesen.
Gegen drei Uhr entschied das Herzensmädchen, dass es eine wunderbare Zeit sei für ein kleines Intermezzo.
Es begann damit, dass sie Hunger hatte! Durchaus legitim, aber nachdem sie getrunken hatte, wollte sie nicht in ihr Bett zurück. Lange Rede, gar kein Schlaf. Sie machte eine Stunde Theater bevor sie schließlich wieder einschlief.
Zum Glück war ich auch schnell wieder eingeschlummert, denn so konnte der Lieblingssohn mich wenigstens wirklich wecken, als er mir um 4 Uhr 19!!! ins Ohr brüllte: „MAMA! AUFSTEHEN! Die Sonne scheint schon!“
Ehrlich!? Ich habe keine Ahnung, was er gesehen hat und noch ehrlicher?! Es hat mich auch überhaupt null interessiert. Denn natürlich nahm das Herzensmädchen diese sanft hervorgebrüllten Worte ihres Bruders zum Anlass direkt wieder los zu theatern.
Wenig freundlich verwies ich den Sohn des Bettes, was gut möglich war, denn Papa war schnupfenbedingt ins Wohnzimmer ausgezogen, weil er – Achtung! – wollte, dass ich genug Schlaf bekomme! Konnte er ja nicht ahnen.
Auf jeden Fall war ich hinreichend mit dem wieder erwachten Herzensmädchen beschäftigt, dass nach dem erneuten Wecken den Sinn des Schlafens so gar nicht mehr erfassen konnte. Ich konnte also leider, leider nicht wirklich auf das Geplapper des Sohnes im Wohnzimmer lauschen.
Ich wurde jedoch später am Sonntagnachmittag vom Papa ins Bilde gesetzt, dass sich ein Hund im Wohnzimmer befunden habe, der das Kind die ganze Zeit ärgerte und zwickte.

Nun ja! Ich fürchte, diesen Schuh müssen wir uns wohl anziehen! 😀

frhoppe 25.01.2016

29.07.2015 Wir sind wieder da – nur mit neuem Namen!

Naja, noch nicht so ganz! Aber bald! Es wurde nämlich geheiratet und das ist auch der Grund für meine wirklich LANGE Abwesenheit mal wieder. Denn wie das bei jungen Familien mit zwei Kindern so ist, sieht es Sachen Geld eher mau aus und also machten wir vieles selber. Basteln, häkeln, kochen, dekorieren, einkaufen …… Ohne die Hilfe meiner wundervollen Freunde hätte ich das wohl nicht geschafft! Und so war Zeit wirklich und wahrhaftig Mangelware.

Ich habe es kaum geschafft, den beiden Kindern gerecht zu werden, geschweige denn über ihre Fortschritte zu schreiben. Ehrlich gesagt fiel ich heute erst einmal in ein ganz tiefes Loch, weil mir schlagartig bewusst wurde, wie schnell das letzte halbe Jahr vergangen ist. Mein letzter wirklich bewusster Moment der Ruhe fand statt, als ich noch schwanger war. Das ist tatsächlich schon fast 5 Monate her. Meine kleine Tochter ist schon vier Monate alt. Sie lacht schon, brabbelt vor sich hin und erkennt ihre Eltern und ihren Bruder und lacht uns bewusst an. Sie fordert mit kräftiger Stimme, was sie will und ihr Weinen ist längst nicht mehr nur hilfsbedürftig, sondern wird auch schon gezielt eingesetzt, um etwas zu erreichen. Sie kann greifen und zum Mund führen UND!!! Sie dreht sich auf den Bauch! Was mir schon beim Sohn fast zu schnell ging, rast nun noch viel schneller an mir vorbei und ich frage mich, ob es das wert war! Aber eigentlich denke ich: Ja! Ich habe zwölf Jahre auf meine Hochzeit gewartet und wir haben uns bewusst dafür entschieden, erst das zweite Kind zu bekommen und dann zu heiraten, denn es umgedreht zu machen, hätte bedeutet, dass der Abstand zwischen den beiden Kindern vier Jahre betragen hätte und das wollte ich nie. Bis jetzt hat sich das auch bestätigt, denn der Sohn akzeptiert seine Schwester ganz wunderbar. Nach einer kleinen Eingewöhnungszeit, in der sie das ein oder andere Ding mitbekommen hat, passt er so wundervoll auf sie auf. Er beschützt sie, ist ganz vorsichtig mit ihr und bezieht sie überall mit ein.

„Mama holt schnell die Taschen und ihr wartet hier mit der Tante!“
„Ja!“ nickt das Kind. „Und mit der Schwester!“
Oder auch hier:
„Wir fahren jetzt nach Hause: Wir Männer und du und die Schwester!“
Und nach wie vor ein Klassiker:
„Neee, das ist ja unsere Schwester!“

Das sind nur wenige Beispiele, aber sie zeigen, was bei uns tatsächlich so ist: Das Baby findet im Bewusstsein des Sohnes statt. Natürlich erkämpft er sich mitunter seine Aufmerksamkeit, zeigt er Anflüge von Eifersucht und Uneinsichtigkeit, aber das ist völlig klar und wäre es anders, würde ich mir tatsächlich Sorgen machen, denn das wäre nicht normal. Aber wir sind insgesamt sehr glücklich mit dem Zusammenwachsen unserer kleinen Familie. Wir sind ein richtiges kleines Kleeblatt geworden und mit der Zeit werden wir es auch als Eltern schaffen, unsere Aufmerksamkeit gerechter zu verteilen.
Immerhin ist die große Hochzeiterei ja jetzt vorbei und wir haben wieder mehr Zeit 😉

frhoppe 29.07.2015

23.05.2015 Babysitter – oder: Warum man sich immer im Auge behalten sollte!

Der weiß, was er will:

  • „Oma, du gibst mir einen Joghurt!“
    „Wie bitte?!“
    „Ich möchte bitte einen Joghurt essen!“
    Oma geht mit Kind zum Buffet!
    „Was möchtest du – Blaubeere oder Erdbeere!“
    „NEEEEEIIIIIIIIN!!!! Ich möchte Joghurt!“
  • „Die Männer sind Blümchen!“

Heute waren wir auf einer Familienfeier – ein großer 80ster Geburtstag. Der kleine Mann hatte sich extra schick gemacht, so richtig mit Anzug und sogar mit kleiner Fliege und ich sage bewusst er hat sich schick gemacht, denn er gefiel sich selbst so gut, dass er sich eine geschlagene Stunde standhaft weigerte, sein kleines Jackett auszuziehen. Und das, obwohl es wirklich, wirklich warm war.
Dieser Geburtstag war so etwas wie eine Generalprobe für die Hochzeit, denn auch wenn keine 80 Leute da waren, sondern nur etwa 30, so zeigte sich doch, dass wir zwar für die Feierlichkeiten bestimmt keinen Babysitter zu organisieren brauchen, aber dass es doch klare Absprachen geben muss, wer wann wie für das Kind verantwortlich ist. Man verlässt sich nämlich nur allzu schnell darauf, dass ja genug Leute da sind, um das Kind zu betreuen. Der Papa und ich nutzten diese Gelegenheit, um das Verhalten der verschiedenen Omas und Opas und Tanten und Onkel und und und zu beobachten und während z.B. die Oma und die Uroma mütterlicherseits sehr gut in ihrem „Job“ waren, d.h. den kleinen Käfer nicht aus den Augen ließen, bis die Aufsichtspflicht übergeben war, gab es auch Momente, in denen der gerade Zuständige plötzlich im Gespräch war und dann doch Mama oder Papa hinterherliefen. Oder auch die Oma mütterlicherseits, die immer Blickkontakt mit dem Papa hatte. War schon irgendwie witzig zu beobachten, wie die beiden sich ohne Worte darüber verständigten, wer den kleinen Mann jetzt im Blick behält und ihm notfalls hinterher rennt.
Es geht nämlich wahnsinnig schnell, dass so ein kleiner Mensch weg ist. Einmal nicht aufgepasst und das Kind ist an der Treppe, so wie bei meiner angeheirateten Großcousine und ihrer Freundin: „Wo ist das Kind?“ fragte ich meine Stiefschwester!
„Der ist mit A. und S. draußen!“
„Und wissen die das auch?“
Denn während die beiden am einen Ende der Terrasse standen, rannte der kleine Mann fröhlich Richtung Treppe. Hätte er da wirklich runter gemacht, wäre keine von ihnen schnell genug bei ihm gewesen – natürlich stand der Papa aber an der Treppe bereit. Ebenso bereit stand er, als der Sohn seinem Großcousin entwischte und um die Ecke des Vorraums verschwinden wollte, in dem das Buffet stand. Und das waren nur zwei von einigen Situationen, in denen entweder der Papa oder die Oma plötzlich aufsprangen und dem Sohnemann hinterher rannten. Er ist nun einmal ein kleiner Wirbelwind und man weiß nie, was er als nächstes plant.
Dafür hat er aber auch seine ruhigen, ganz wundervollen Seiten. Weil der 80ste Geburtstag früher als nötigenfalls eingeplant zu Ende war, beschlossen wir spontan beim 30. Geburtstag einer unserer ältesten und liebsten Freundinnen vorbei zu schauen, der wir eigentlich abgesagt hatten. Das wir damit goldrichtig lagen, zeigte sich, als sie bei unserem Anblick völlig unerwartet vor Freude in Tränen ausbrach. Aber davon ganz abgesehen, war es auch für den kleinen Mann trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit noch eine ganz tolle Entscheidung, denn die Blumen – die Menschen mit den bunten Haaren nämlich – schnappten sich ihre Klampfe und spielten noch ein paar ganz wunderbare Lieder. Und unser kleiner Wildfang wurde ganz still und staunend, während er der Musik lauschte und weckte damit die Begeisterung aller Anwesenden über ein so musikbegeistertes Kind.

Frhoppe 27.04.2015

30.04.2015 Nervige Nachbarn? – Nicht mit uns!

Geistesblitze des Tages:

  • „Papa macht mal deine Hände sauber!“
    „Dann esse ich noch ein Schokoei, dann sind die wieder schmutzig.“
  • „Mama! Mama, weißt du, ich gehe jetzt in die Küche und schmeiße das Papier weg, damit das weg ist.“
  • „Ich muss mir noch kalte Hände machen!“ Auch trotz mehrmaliger Nachfrage konnte der Sinn dieser Aussage nicht festgestellt werden.
  • Und ganz ohne Worte clever: Kind spielt per Hand mit einem Auto, welches sich aber – was er nicht weiß – auch fernsteuern lässt. Papa hat die Bedienung und lässt den Sohn ganz nah an das Auto herankommen und fährt dann weg. Das tut er drei vier Mal, dann dreht sich der Sohn um, wirft dem Papa einen prüfenden Blick zu, marschiert zu ihm und fordert die Herausgabe des Bedienelements ein. Tja Papa! Nicht mit deinem Sohn!

Nach diesem Einstieg, den ich in dieser Form nun täglich vorne weg schicke, soll es heute um das meist lästige Übel einer Mietwohnung gehen – die Nachbarn!

Als wir vor etwa eineinhalb Jahren aus unserer alten Wohnung wegziehen mussten – zwei Zimmer reichten einfach nicht mehr – taten wir dies mit einem sehr weinenden Auge. Die Lage war toll, schön zentral, aber ruhig, mit einem schönen grünen, vor allem umzäunten Hinterhof und die Nachbarn waren super. Wir hatten ja schon sieben Jahre dort gewohnt und alle freuten sich, dass das nette, junge Paar Nachwuchs bekommen sollte. Es war ein relativ altes Haus, soll heißen, wir zogen quasi als junge Menschen in eine seit Jahrzehnten eingeschworene Hausgemeinschaft und alle freuten sich, dass endlich ein wenig Leben Einzug halten sollte. Ein weiterer Pluspunkt war der Umstand, dass die liebenswerte Dame über uns schwerhörig, unser direkter Nachbar sehr schlecht zu Fuß und die Nachbarin unter uns fast nie da war. Beschwerden über den Babylärm standen also kaum zu befürchten und wurden auch in dem einen Jahr, das wir mit dem kleinen Mann noch dort wohnten auch nicht an uns heran getragen. Sie alle waren traurig, als sie hörten, dass wir ausziehen! „So nette junge Leute wie Sie kommen hier bestimmt nicht wieder rein,“ sagte man uns und: „Wer weiß, was da nach Ihnen kommt. Mit Ihnen hatten wir ja großes Glück!“ Wir wurden mit großem Bedauern und einer Menge Geschenken für Eltern und Kind verabschiedet und auch jetzt noch telefonieren wir ab und an mit einem der Bewohner.

Die neue Wohnung war also zu Beginn tatsächlich ein notwendiges Übel – allerdings nur ganz zu Beginn. Denn sehr schnell fanden wir heraus, dass sie nicht wesentlich schlechter angebunden ist, dafür aber noch ruhiger und schöner gelegen ist, nämlich direkt an einem Park. Wir schauen aus unserem komplett verglasten Balkon, den man aber auch komplett öffnen kann, direkt ins Grüne und hören Meisen, Amseln und Eichelhäher zwitschern. In der Birke vor unserem Fenster ist ein Vogelnest, von dem wir hoffen, dass es irgendwann bewohnt werden wird, damit die Kinder da mal kleine Vögelchen beobachten können. Wir haben im Schlafzimmer einen französischen Balkon und können vom Bett direkt auf den kleinen Spielplatz im Hof schauen, der zwar nicht umzäunt, aber von zwei Müllplätzen eingegrenzt und auch wunderbar grün ist. Außerdem gibt es Wäscheleinen – im Sommer wirklich ein Traum. Nachdem nun auch noch im Flur ein Einbauschrank vorhanden war – wer die berühmten Q3A-Bauten aus dem ehemaligen Osten noch vor Augen hat, der kennt die Ecke, die ich meine – und eine alte, aber top gepflegte Küche, die wir ohne Kosten übernehmen konnten, hatten wir im Grunde keinerlei Bedenken mehr, dass dies unsere neue Wohnung ist.

Nur eine Sorge blieb: Die Nachbarn!

Die Gefühle, die uns aus dem alten Haus entgegen gebracht wurden, beruhten nämlich auf Gegenseitigkeit. Die waren alle super! Es gab keinen Ärger, keine Beschwerden und wann immer man Hilfe brauchte, war auch jemand da. Man kannte sich – wo ist das heute noch so?
Und würde das im neuen Haus genauso sein? Nach dem, was wir schon mitbekommen hatten, war das Haus hier ähnlich alt und eingeschworen und viele ältere Menschen bergen ja auch immer die Gefahr von Lärmempfindlichkeit. Die Damen hier waren oder sind alle alleinstehend und unsere Vormieterin war fast nie da und damit naturgemäß leise. Kinder sind das nicht und schon gar nicht unser Sohn! Zwar hieß es auch hier von allen Seiten: „Endlich wieder Leben im Haus!“ aber wussten die denn wirklich, was ein Kind im Haus bedeutet?

Nun nach eineinhalb Jahren kann ich sagen: Ja!

Kaum zu glauben, aber wir haben ein zweites Mal riesiges Glück. Unsere Nachbarn sind samt und sonders begeistert vom Nachwuchs. Obwohl unser kleiner Mann wirklich nicht leise ist – heute übte er Riverdance mit meinen Hakenschuhen, was gar nicht mal so schlecht klang 😉 – gab es nicht eine ernst gemeinte Beschwerde. Ganz zu Beginn fragte die Dame unter uns zwaghaft, ob das Kind denn öfter mit Bauklötzern auf dem Boden spielen würde, was ich bejahte. Sie fragte dann, ob man nicht eine Decke unterlegen könnte, winkte aber sofort ab und sagte: „Ach, was rede ich denn, da bleiben die Kleinen ja eh nicht drauf!“ Mittlerweile ist es sogar so weit, dass sie uns nach unserem geburtsbedingten Krankenhausaufenthalt erleichtert im Treppenhaus begrüßte, sie habe sich schon große Sorgen gemacht, weil sie so gar nichts gehört hätte.
Als wir gerade hier eingezogen waren, lag am Geburtstag des kleinen Mannes ein Spielzeug vor der Tür – zufällig, aber mit dem Gedanken, dass es bei der Dame nur herum liegen würde und da wollte sie es lieber dem kleinen Kerl schenken, im Übrigen hätte sie auch noch eine Babywanne im Keller, die recht praktisch sei, weil sie einen Stöpsel hätte und ein Babyphon könnten wir auch gleich noch haben. Und das war nicht das letzte Geschenk. Kein Feiertag wird vergessen, selbst der nette Herr von gegenüber, der gerade 90 geworden ist, hat immer eine Kleinigkeit für unser Käferchen und gerade heute kam die Nachbarin mit der Badewanne extra auf den Hof herunter, um uns eine Packung Kekse zu schenken. Ganz zu schweigen von der großartigen Art und Weise, wie man sich über das kleine Schwesterchen freute – ganz selbstverständlich und mit offenen Armen wurde sie aufgenommen und ebenso ängstlich fragte man uns, ob wir denn jetzt bald wegziehen würden. Was wir nicht tun werden.

Denn wir sind hier angekommen, fühlen uns angenommen. Als es im Haus zu einigen unschöneren Vorfällen kam – Fahrradbeschädigungen, Einbruchsversuche, Müll im Keller – hatte ich Sorge, dass der Verdacht auf uns fallen könnte, schließlich waren wir die neuen in einem eingeschworenen Verband. Darauf angesprochen, lachte die Nachbarin laut auf und versicherte mir eilig, dass nicht einer auch nur eine Sekunde gedacht habe, wir könnten damit etwas zu tun haben, im Gegenteil man habe sich in diesem Rahmen eher darüber ausgetauscht, was für nette junge Leute wir seien und wir niedlich unser Sohn.
Man bittet meinen Mann um Hilfe, informiert uns, wenn er den Keller offen gelassen hat und versichert uns, dass es überhaupt kein Problem sei, wenn der Kinderwagen mal ein wenig länger in unserem recht engen Hausflur stünde – immerhin wisse man noch genau, wie das mit Kind und Einkauf damals so war. Und wenn der kleine Mann wieder einmal im Erdgeschoss geklingelt hat, weil ich nicht schnell genug war, dann sind die beiden unten nicht genervt, sondern lachen über das kesse kleine Wesen.

Nein! Solange es keinen Grund gibt, ziehe ich hier nicht weg! Und ich denke jetzt schon mit Grauen, an die Zeit, wenn das Kinderzimmer zu klein für die zwei Kinder wird. Gott sei Dank ist das noch eine Weile hin.

Frhoppe 30.04.2015

23.04.2015 „Regretting Parenthood“ – warum ich nichts bereue, aber diese Eltern verstehe!

Seit einiger Zeit geht ja der Geist des sogenannten „Regretting motherhood/fatherhood/parenthood“ durch das Internet. Es handelt sich dabei um Eltern, die bereuen Mütter/Väter/Eltern geworden zu sein. Die wenigsten von ihnen bereuen die Existenz ihrer Kinder, im Gegenteil: Sie lieben sie von Herzen! Aber sie hatten sich ihr Leben oder die Elternschaft anders vorgestellt, finden das Elterndasein an sich bescheiden schön, um es diplomatisch auszudrücken.

Ich habe in letzter Zeit einige weniger schöne Reaktionen auf dieses Thema gelesen, Anfeindungen und Unverständnis schlagen diesen Müttern/Vätern/Eltern entgegen. „Wie kann eine Mutter ihr Kind nicht lieben?“ wird pauschal gefragt und dabei Reue über die Elternschaft mit mangelnder Liebe gleichgesetzt! Rabenmutter ist noch der harmloseste Ausdruck und es wird gar nicht versucht zu betrachten, wie es im Einzelnen zu dieser Erkenntnis, zu diesem Gefühl gekommen ist.
Ich denke, das größte Problem ist, dass Eltern heutzutage zu große Ansprüche an sich selbst haben, z.T. von sich selbst aufgestellt, z.T. von den Verwandten aufoktroyiert und zu einem ganz großen Teil von Medien und Gesellschaft verursacht.
Junge Eltern haben perfekt zu sein. Am besten sollen sie rund um die Uhr für das Kind da sein, den Haushalt ganz allein perfekt managen und dabei noch beide Vollzeit arbeiten. Dabei sehen sie natürlich immer wie aus dem Ei gepellt aus. Wenn eines der beiden Elternteile zu Hause bleibt, dann hat es voll in dieser Rolle aufzugehen, für das Hausmann-/Hausfrauen-Dasein und natürlich für die Kinder zu leben, während eigene Interessen ganz weit hinten anstehen. Sehnsüchte nach Beruf oder Erfüllung gibt es nicht! Andersherum wird von berufstätigen Eltern erwartet, dass sie es nach der Arbeit kaum erwarten können, nach Hause zu kommen, um dort endlich wieder die vollgekackte Windel des neugeborenen Glücks wechseln zu dürfen und sich vollkotzen zu lassen. Kurzum: Ein Kind zu bekommen ist pures Glück – quasi ein Regenbogen, der aus dem Hintern eines Einhorns kommt und Glitzer sprüht!

Klar ist es das! Also so vom Grundsatz her!

Aber es ist eben auch, als würde ein Meteorit in dein Leben einschlagen und einen riesigen Krater hinterlassen. Die Geburt an sich ist schon eine umwälzende Erfahrung – für beide Partner! Sie kann schön sein, aber eben auch nicht und nicht immer stellen sich sofort nach der Geburt die Glücks- und Muttergefühle sofort ein. Ein Kind zu bekommen ist für den Körper einer Frau Hochleistungssport und für den Mann – so er denn dabei ist – eine große psychische Belastung, mitunter auch eine körperlich, wenn die Frau – so wie ich – ihren Schmerz über seine Hände abzuleiten versucht. Auf dieses anstrengende Ereignis folgen dann die zwei bis drei Tage, in denen das Kind quasi ununterbrochen trinken muss, damit die Milch gebildet werden kann. An Schlaf ist da nur im Sitzen zu denken. Und auch wenn sich der Trinkrhythmus nach diesen Tagen so langsam einpendelt, tut es der Schlafrhythmus nicht. Die sogenannte Stilldemenz ist kein Mythos – sie liegt begründet in den Hormonen, die der Körper nach der Geburt ausschüttet und vor allem auch im veränderten sprich gestörten Nachtschlaf. Das Kind schreit eben, wenn es Hunger hat und wenn Mama und Papa da gerade in der REM-Phase ihres Schlafes sind, dann haben sie Pech gehabt. Und gerade diese Phase ist es, in der sich die Gehirnzellen erholen können. Dazu kommen dann noch Bauchschmerzen und im Laufe der Jahre schlechte Laune, Zipperlein, Böcke, die Entwicklung eines eigenen Willens und und und und …

Normalerweise gleichen Kinder das aus durch ihre Freude am Leben und die Liebe, die sie einem entgegen bringen. Meine Kinder sind da wirklich tolle Beispiele – Die kleine Maus lächelte mich heute morgen über das ganze Gesicht an, als sie mich erblickte, nachdem sie einmal 6 Stunden und dann noch einmal 5,5 Stunden geschlafen hatte und sie ist gerade mal 5 Wochen alt. Unser Sohn geht nicht ins Bett, bevor er uns nicht beiden einen Gute-Nacht-Kuss gegeben hat und schließt darin seit kurzem seine Schwester mit ein. Er streichelt mir abends beim Singen den Kopf, während er eigentlich schon fast schläft und umarmt uns aus ganzem Herzen und ganz fest. Er ist unheimlich intelligent und clever und hat eine Freude am Leben und am entdecken, die einfach umwerfend ist. Außerdem ist er wirklich witzig: Heute kamen wir nach Hause und er entdeckte, dass sein Wickelzeug noch auf dem Bett lag. „Ich räume das jetzt GANZ SCHNELL weg!“ verkündete er und grinste mich dabei verschmitzt an, denn er hatte das „ganz schnell“ genauso drohend betont, wie ich es immer tue, wenn er etwas „GANZ SCHNELL“ sein lassen soll. Er hat wirklich genau den Tonfall getroffen. Wenn wir Grimassen ziehen, dann lacht er erst herzhaft und sagt dann „Du kleiner Nasenbär“ zu uns oder „Du kleiner Schlingel!“ und ebenfalls heute Abend bestand er darauf, dass er kein Engelbär ist. „Nein Mama, ich bin kein Bär“, sagte er. „Ich bin dein kleiner Engel! Ihr habt mich ganz, ganz, ganz doll lieb!“ – und das ist ein O-Ton!
Wir sind wirklich gesegnet mit unseren Kindern, das ist mir durchaus bewusst und doch ist auch uns das alles manchmal zu viel, die Nerven liegen bloß und man ist froh, wenn die Kinder endlich endlich schlafen. Es gibt Momente, in denen ich den größeren Sohn weder sehen noch hören will – wenn er nämlich wieder einmal sämtliche Grenzen gleichzeitig austestet und das über Stunden mit all den Mitteln, wie jammern, schreien, hauen, treten, Haare ziehen hinwerfen, rumschmeißen, kaputt machen und so weiter – es gibt Augenblicke, in denen ich meine süße kleine Tochter einfach nur noch loswerden will – weil sie nämlich in der Nacht nur höchstens eine Stunde am Stück geschlafen hat und mir seit einer Stunde ins Ohr brüllt oder vielleicht nicht einmal brüllt, sondern einfach nur den ganzen Tag getragen werden wollte.

Und wenn ich dann über „Regretting Parenthood“ lese und nachdenke, dann stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn mein älterer Sohn nur schreien, hauen, schlagen würde und nicht so gut schlafen. Oder wenn unsere Tochter durchgehend schreien würde ohne jegliche Ruhepause. Wenn ich vielleicht mit meinen zwei Kindern alleine wäre ohne jegliche Hilfe und niemals wirklich zur Ruhe kommen könnte. Es gibt solche Kinder. Kinder, die einfach unheimlich anstrengend sind, mit denen jeder Tag ein Kampf ist. Für die man immer da sein muss und immer eine doppelte Portion Aufmerksamkeit braucht. Ich verstehe, dass man diese Kinder zwar von Herzen lieben und sich trotzdem fragen kann, ob es das wert ist!
Ich möchte damit nicht sagen, dass nur Eltern von „anspruchsvollen“ Kindern ihre Elternschaft bereuen oder dass nur sie ein „Recht“ dazu haben bzw. ich das nur in diesem Fall verstehe. Es ist auch immer eine Frage, wie viel man von sich selbst aufzugeben bereit ist und inwieweit das mit dem vereinbar ist, was man tatsächlich aufgeben muss. Wenn ein Kind erst einmal da ist, dann würden die meisten Eltern alles für es tun, aber das muss nicht heißen, dass sie damit glücklich sind. Eine Mutter/ ein Vater mit einem tiefenentspannten, lebensfrohen, intelligenten, durchschlafenden Kind kann trotzdem bereuen, dass sie/er nicht mehr einfach so verreisen kann, dass ihr gesellschaftliches Leben sich verändert oder verringert hat oder oder oder. Eine Frau/ ein Mann kann sich bewusst dafür entschieden haben, zu Hause zu bleiben bei den Kindern und gleichzeitig bereuen, dass sie/er keine Karriere gemacht hat.

Ich für meinen Teil und für mich ganz allein kann und werde es nicht bereuen, Mutter zu sein. Für mich ist das ein tiefgreifender Teil meiner Zukunftswünsche und dessen, was mich glücklich macht. Meine Kinder nach der Geburt in den Arm nehmen zu können, war für mich ganz klischeehaft das schönste Gefühl der Welt und ließ mich tatsächlich alles vergessen, was zuvor geschah. Ich genieße jedes Lächeln, mein Herz blüht auf beim Lachen meines Sohnes, ich platze vor Stolz, wenn er mit seinen nicht einmal zweieinhalb Jahren zweistellige Zahlen von allein erkennt und wenn er Satzkonstruktionen baut, die manch Fünf- oder Sechsjähriger nicht beherrscht. Ich breche in absurde Freude über den Pups meiner kleinen Maus aus, wenn sie vorher so lange dafür gekämpft hat, dass er heraus kommt und ich liebe das entspannte Gesicht, das sie hinterher zur Schau trägt.
Aber ich versuche das alles auch ganz bewusst wahrzunehmen. Wenn meine Tochter lacht, dann ist das immer etwas besonderes. Wenn sie 4, 5 oder 6 Stunden am Stück schläft, dann sage ich mir jedes Mal, was ich für ein Glück ich habe. Ich weiß, wie ungewöhnlich es ist, dass unser Sohn 12 – 14 Stunden pro Nacht schläft, seit er ein Jahr alt ist und mir ist bewusst, welch großes Glück es ist, dass ich beide Kinder völlig problemlos stillen kann bzw. konnte. Wir haben keine Allergien und keine Krankheiten und ich bin dankbar für meinen Mann, der mir sehr viel Arbeit abnimmt und noch mehr Verständnis aufbringt. Und wenn an manchen Tagen doch alles den Bach runter geht, alle gleichzeitig sauer oder genervt oder weinerlich sind und ich sie dann alle zum Mond schicken könnte, dann erinnere ich mich bewusst daran, dass das normal ist! Und okay!

Ich glaube, dass größte Problem in unserer Gesellschaft ist, dass alle denken, Kinder zu haben macht einen IMMER und UNABDINGBAR glücklich! Und wenn man nicht permanent vor Glück strahlt, dann stimmt etwas nicht – entweder mit einem selbst oder mit den Kindern. Wenn wir alle ein bisschen offener damit umgehen würden, dass nicht immer alles gut ist, wenn aber vor allem Mütter/Väter/Eltern, die über die negativen Seiten und Gefühle des Elterndasein sprechen, nicht immer sofort verteufelt würden à la „Wie kannst du nur…?“, dann würde nicht eine solch hohe Erwartungshaltung an sich selbst und an Eltern überhaupt entstehen.
Eltern sind Menschen! Eltern dürfen sich schlecht fühlen, überfordert sein, raus wollen aus alledem! Und ja Eltern dürfen bereuen, dass sie Eltern geworden sind! Schließlich kann man nicht wissen, was das richtige für einen ist, bevor man es nicht probiert hat! Und mit Kindern ist es nun einmal so, dass man sie nicht zurück geben kann, falls es doch nicht das richtige ist! Man wird ins kalte Wasser geschmissen und muss schwimmen ohne je eine Schwimmstunde gehabt zu haben. Und nur weil ich das Schwimmen nicht mag, kann ich trotzdem das Wasser lieben, nicht wahr?

Frhoppe 23.04.2015

22.04.2015 Fresspause für die Fressraupe

Nach einer mit weniger Schlaf gesegneten Nacht – im Ernst jetzt, ich glaube, ich habe keine Stunde am Stück geschlafen – durften wir als erstes ein großes Erfolgserlebnis mit dem kleinen Mann teilen. Ein im wahrsten Sinne großes Ereignis, denn seit einiger Zeit haben wir mit dem Töpfchen-Training angefangen und heute befand sich im Töpfchen tatsächlich wieder ein großer Haufen. Wie stolz der kleine Mann darüber war, erwies sich am Abend, als allein die Erinnerung an den morgendlichen Erfolg ihn dazu brachte, sich freiwillig auf das Töpfchen zu setzen. Auch das ist nicht unbedingt zu unterschätzen, denn auch wenn wir keinen Zwang anwenden, so ist das komische weiße Plastikding nicht unbedingt der beste Freund unseres Sohnes.

Nachdem der Sohnemann dann wohlbehalten in der Kita abgegeben war, erwarteten wir gespannt den vorerst letzten Besuch unserer Hebamme. Immerhin wollte ich wissen, was sie von dem gestrigen Trinkexzess unserer Fressraupe hielt. Und wenn sie mir nur sagen würde, ich soll mich nicht so haben, das sei alles ganz normal, dann wäre das auch okay, dann hätte ich wenigstens eine Richtlinie!
Tja, was soll ich sagen – normal ist das, aber eben weil bei Babys alles quasi alles normal ist. Aber normal ist das nicht!
Will heißen: „Wenn du sogar weinst, dann hat sie dich ziemlich rund laufen lassen gestern.“ Und nachdem sie sich das Fressverhalten unserer kleinen Raupe schildern lassen hat, und die kleine Maus ein wenig beim Trinken beobachten konnte – sie hatte nämlich wenig überraschend gerade wieder ein Hüngerchen – verordnete sie eine Fresspause. Mama hat nämlich viel, viel Milch und die kommt immer direkt rausgeschossen aus der Brust, so dass das Würmchen am Anfang gar keine Wahl hat, wobei sie auch nicht so aussieht, als sei sie damit unzufrieden. Es heißt also „Trink oder stirb!“ Und sie trinkt mit einer Inbrunst, dass man denken könnte sie sei völlig ausgehungert. Das Problem an der Sache ist aber, dass sie dabei leider viel Luft schluckt, was dann wiederum Bauchweh zur Folge hat, welches sie ganz furchtbar piesackt und zwickt. Sie ist also latent unzufrieden und fühlt sich unwohl und verwechselt das dann mit Hunger. Oder wie unsere Hebamme es ausdrückt: „Na klar will sie bei Mama an die Brust – da ist für sie alles gut!“
Ihre Empfehlung? Mindestens zwei Stunden muss das kleine Milchmonster durchhalten, alles andere ist schlecht fürs Bäuchlein. Wenn sie vorher wieder kommt, dann geben wir Fenchel- oder Bauchwohltee und tragen sie unermüdlich im Fliegergriff durch die Gegend, damit der Bauch besser wird. Und beim Trinken soll sie möglichst aufrecht auf meinem Bauch liegen, das reduziert den Druck, mit dem ihr die Milch in den Mund schießt!
Einzige Ausnahme von der Regel – sie hat vor der Mahlzeit vier bis fünf Stunden geschlafen! Dann darf sie auch drei oder vier mal hintereinander Hunger haben, denn sie muss quasi ihre Speicher wieder auffüllen.
Vier bis fünf Stunden geschlafen hat sie heute nicht und auch keine zwei Stunden durchgehalten, also konnte ich das mit dem Fencheltee gleich mal ausprobieren. Wer jemals versucht hat, Flüssigkeit, die einem Kind nicht schmeckt mit einem Teelöffel in selbiges Kind hineinzubekommen, der weiß wie sich ein Kampf mit einem Tintenfisch einfühlt. Die gute Nachricht ist aber, dass das Kind irgendwann so sauer ist, dass es das Zeug vor Wut schluckt, statt es fein säuberlich mit der Zunge aus dem Mund herauszuarbeiten. Ich muss ehrlich sagen, zwischendurch war ich versucht, die kleine Maus einfach wieder anzulegen – was weiß denn schließlich die Hebamme schon? Tja, leider eben eine Menge und so hörte ich dann doch auf die dämliche Vernunft, die mir ins Ohr schrie, das Baby jetzt anzulegen macht das Problem nicht besser, sondern verschiebt es nur um einige wenige Minuten. Tatsächlich schlief die Maus dann auch wieder ein – zwar auf meinem Bauch und sie brüllte auch, sobald ich sie weglegen wollte – aber immerhin habe ich sie erfolgreich von ihrem „eingebildeten“ Hunger ablenken können. Denn das der Hunger eingebildet ist, merkt man daran, dass sie sich mit Tee und Kuscheln hat abspeisen lassen. Wenn sie nämlich richtig Knast hat, dann hilft nix davon, dann muss das Titti raus, aber Zackzack.
Nun immerhin war sie dann einigermaßen entspannt, als es daran ging, ihren großen Bruder abzuholen. Da war sie gerade gesättigt und frisch gewickelt nach einem monströsen Pups. Tatsächlich bin ich nicht sicher, ob es nicht der Pups war, der sie so entspannt hat, denn der war wirklich erfurchtgebietend, wenn man bedenkt, dass er aus so einem kleinen Wesen kommt. Jedenfalls konnten wir uns auf diese Art beim Abholen auf das größere Kind konzentrieren, das sich mir auch wieder überschwänglich in die Arme schmiss und mich ganz süß mit einem Kuss begrüßte. Er nahm nämlich mit seinen beiden Händchen mein Gesicht zu sich herunter und gab mir einen dicken Schmatz. Zu Hause angekommen heimste er dann noch einmal Lorbeeren ein. Obwohl er nämlich schon seine Schokolade schon in seinen Nostalgie-Pappostereiern gefunden hatte – die gibt es nämlich rationiert seit Ostern immer dann, wenn er sich ordentlich die Zähne putzt (morgen gibt es übrigens keine – soviel dazu!) – legte er sie noch einmal weg und zog sich erst seine Jacke und seine Schuhe ganz von allein aus! Keine Frage, dass er dafür ein riesiges Lob bekam, denn normalerweise streiten wir darüber, dass zu Hause als erstes Jacke und Schuhe ausgezogen werden. Ein zweieinhalbjähriger Junge, der das freiwillig tut, obwohl er seine Schokolade schon erbeutet hat, verdient ein Extralob, finde ich.
Leider sind kleine Jungs eben doch keine richtigen kleinen Jungs, wenn sie nicht wenigstens einmal am Tag Quatsch machen und so mussten wir dem größeren Kind dann noch erklären, dass sich sich die Kuh und der Bauer ganz viel Mühe geben, um die Milch zu machen und dass es darum gar nicht schön ist, wenn er die Milch absichtlich und vor allem aus reiner Provokation auf den Boden spuckt. Als Konsequenz gab es dann heute keine Milch mehr – da unser Kind in der Regel nur Milch und Wasser trinkt, ist das eine Kürzung seiner Auswahlmöglichkeiten um 50% – und er musste den Boden allein trocken wischen. Er resümierte dann ein wenig später, dass die Kuh und der Bauer sehr traurig sind und wirkte darüber ehrlich betroffen, aber ich bezweifle dennoch nicht, dass er nicht das letzte Mal auf den Boden gespuckt hat.
Dafür hat er aber nach dem Zubettgehen und dem Abendritual noch einmal ganz laut nach uns gerufen, weil er seiner kleinen Schwester noch nicht Gute Nacht gesagt hatte. Erst nachdem wir ihn das nachholen ließen, konnte er beruhigt und sekundenschnell einschlafen.
Und ich habe jetzt das kleinere Kind an den Papa verkauft und gönne mir ein heißes Zeit-für-Dich-Bad, damit ich auch morgen noch kraftvoll zupacken kann!

Frhoppe 22.04.2015

21.04.2015 Aktiv-Kuschler, Nervenzusammenbrüche und Babys Lächeln

Ich bin Aktiv-Kuschler geworden. Für all jene, die sich – zu Recht – fragen, was ein Aktiv-Kuschler wohl sein mag, hier eine kleine Erläuterung: In der Regel kuschelt sich mein Menne nächstens vor dem Schlafen an meinen Rücken an und zieht sich dann bevor wir einschlafen auf seine Betthälfte zurück.

Gestern habe ich mich endlich getraut, ihm zu gestehen, dass ich das im Moment nicht ertrage. Natürlich habe ich das diplomatischer ausgedrückt und ihm auch erklärt! Der Punkt ist folgender: Den ganzen Tag habe ich ein Kind im Arm, auf dem Bauch, an der Brust – leider nuckelt sich das Wurmi im Moment nur allzu gerne in den Schlaf und leider funktioniert dabei in 90% der Fälle der Nuckel nicht. Wenn dann abends der Sohnemann nach Hause kommt, fordert er natürlich, selbstverständlich und auch völlig zu Recht und gern gesehen seinen Teil von Mama ein, was sich im Moment auch durch exzessives Kuscheln, Knutschen und an Mama ranschmeißen, wahlweise festklammern äußert. Wenn ich dann abends ins Bett gehe und die kleine Maus endlich in ihrem Beistellbettchen schlummert – das macht sie nämlich bereits äußerst gut und gesegnete 4-5 Stunden am Stück – dann gehört mein Körper das erste Mal am Tag mir, ich habe ein wenig Freiraum, um mich zu spüren, auch wenn das doof klingen mag, aber man verliert sich doch tagsüber ein wenig an das Baby.
Und dann kommt der Mann und will ebenfalls – natürlich, selbstverständlich und auch völlig zu Recht – seinen Teil von seiner Frau haben. Man verstehe mich da nicht falsch: Er bedrängt mich nicht, verlangt nichts – er will einfach nur kuscheln und ich will ihm das auch nicht verwehren, zumal ich paradoxerweise ja auch den Kontakt zu ihm brauche, auch wenn er mir zu viel ist. Das Problem an der Sache ist, dass ich bislang noch nicht darüber mit ihm gesprochen habe, weil ich ihn nicht vor den Kopf stoßen möchte, vor allem auch nicht wegschieben, aber er ist natürlich auch nicht doof und merkt, dass ich mich verkrampfe und das eigentlich gerade gar nicht mag. Also fühlt er sich irgendwo doch abgewiesen.
Gestern Abend endlich fand ich die Lösung für dieses Problem: Ich bat ihn, mich an seinen Rücken ankuscheln zu dürfen, was er ein bisschen verwundert bejahte. Kaum hatten wir uns beide gedreht und ich meinen Arm um ihn gelegt, stellte ich erleichtert fest, dass dies funktionieren würde. So blöd es klingen mag, aber in dieser Position habe ich die Kontrolle über das Kuscheln – ich kuschele freiwillig und bin dem Kuscheln nicht ausgeliefert. Ich kuschele also aktiv! Und er und ich bekommen beide unsere Portion Körperkontakt und Zuneigung, die wir so dringend nötig haben, um im Gleichgewicht zu bleiben.
Wie wichtig dieses Gleichgewicht ist, zeigte sich nämlich heute wieder. Bereits nachts deutete sich an, dass dieser Tag ein etwas schwierigerer werden dürfte. Obwohl unsere wundervolle Tochter nämlich normalerweise ein unfassbar luxuriös entspanntes Kind ist – sie ist eine effektive Trinkerin, sprich sie dockt an, macht leer und ist nach 15 Minuten fertig, und schläft bereits jetzt wunderbare 4-5 Stunden tagsüber und auch nächtens – haben wir Tage an denen ich nicht mehr so recht weiß, ob die kleine Fressraupe wirklich schon wieder Hunger oder einfach nur vergessen hat, dass sie eben erst getrunken hat.
Heute war so ein Tag. Trinken, einschlafen, nach zehn, maximal 15 Minuten aufwachen, sofort wieder trinken, dann die Windeln vollknattern, wieder trinken – jetzt ist ja wieder Platz – und das ganze dann aber so hastig, dass man sich verschluckt und Bauchschmerzen bekommt, denn Bäuerchen macht die Lady gar nicht gern. Den Nuckel, den uns unsere Hebamme als Mittel gegen Überfressen aufgrund eines hohen Saugbedürfnisses empfahl, verweigerte die kleine Motte heute quasi komplett, sodass ich sie heute wirklich permanent an der Brust hatte. Da der Papa heute den ganzen Tag auf Arbeit war, vergaß ich bzw. hatte ich keine Chance etwas zu essen, was gegen zwei Uhr nachmittags zu massiven Magenkrämpfen führte, die natürlich nicht besser wurden, denn bei Magenschmerzen hilft bekanntlich Entspannung am besten. Und das ist mit einem 4600g schweren, 52cm großen, komplett steifen, rot angelaufenen, brüllenden kleinen Mädchen nicht nur schwer, sondern unmöglich. Das Stillen schaltete zwar den einen Anspannungsfaktor aus, fügte aber die nicht gerade entspannungsfördernde Stillhaltung gleich wieder hinzu. Nach etwa einer Stunde besserte sich dann der Zustand ein wenig. Mein Magen tat nur noch weh, statt mich beinahe umzubringen und die kleine Maus verhielt sich zumindest in meinem Arm für einige Zeit friedlich, sodass ich endlich dazu kam, etwas zu essen. Immerhin konnte ich danach den Rest des Nachmittags die Magenbeschwerden auf einem erträglichen Maß halten, angenehm ist aber trotzdem anders, zumal ja auch immer noch die kleine Fressraupe an meiner Brust und durch das permanente Nuckeln an meinen Nerven nagte.
Nun freute ich mich darauf, dass der Papa mir zugesichert hatte, er sei SPÄTESTENS um sechs da, eher etwas früher. Als er mich um halb sechs doch zurückrief, war er noch im Büro. Nun gut dachte ich mir, dann ist er um halb sieben da, macht ja nix, das große Kind ist ja noch mit Oma unterwegs, also alles entspannt, er kann ja dann die Tochter übernehmen, wenn er da ist, dann habe ich immer noch etwas Ruhe. Er kam tatsächlich um halb sieben, brachte auch ganz lieb den kleinen Mann ins Bett und teilte mir dann mit, dass er seine Mama noch nach Hause fahren würde, was ich absolut in Ordnung fand, hatte sie mir doch nachmittags den kleinen Mann abgenommen. Leider musste der Gatte dann auch noch etwas abholen, sodass er summa summarum erst um halb neun wieder zu Hause war.
Man muss ihm aber zu Gute halten, dass er quasi sofort zum Kinde eilte, als es nach – dreimal dürft ihr raten 10 Minuten – aus dem Schlummer erwachte. Nachdem sie sich allerdings nicht innerhalb von 5 Minuten beruhigte, kam er direkt zu mir und meinte, sie müsse Hunger haben. Der Ärmste wusste natürlich nicht, dass ich bis vor zehn Minuten gestillt hatte und so fuhr ich ihn recht unwirsch an, das könne nicht sein, woraufhin er sich aus dem Wohnzimmer verzog und im Schlafzimmer versuchte das schreiende Bündel zu beruhigen. Leider half nichts. Gegen neun gab ich auf und ging zu ihm, nahm ihm den kleinen Wurm ab und stillte zum gefühlten tausendsten Mal heute, erstaunlicherweise immer noch mit einigermaßen stoischer Akzeptanz der Situation – es blieb ja auch nichts anderes übrig.
Schon während des Stillens merkte ich, dass es der kleinen Fressraupe gar nicht primär ums Trinken, sondern nur ums Nuckeln ging – jedem der jetzt denkt, lass sie doch, ist ja nicht schlimm, sei gesagt, dass permanentes Nuckeln an der Brustwarze nicht nur an selbigen zehrt, sondern irgendwann vor allem an den Nerven. … Hätte ich aber auch noch ertragen können! Dann fing das kleine Monster an, mich zu kneifen! Mit diesen kleinen, sauscharfen Miniklauen, die Babys ihr eigen nennen, zwickte sie mich genüsslich in die Brust.
Das war der Moment, in dem ich in Tränen ausbrach und mein 4 Wochen altes Kind ernsthaft fragte, ob es denn nicht bitte damit aufhören könne.
Nach einer ausgedehnten Tröstorgie seitens des Papas, gewürzt mit sehr viel Verständnis und dem für stillende Mamas am Rande des Nervenzusammenbruchs essentiell wichtigen Satz „DU machst das alles ganz großartig“ – daran zweifelt man nämlich ganz schnell mal, wenn man gerade über spontanes Abstillen nachdenkt – beruhigte ich mich dann endlich wieder und konnte sogar schon wieder über die albernen Grimassen unseres Töchterleins lachen, dass sehr mimikreich versuchte, einen Pups in seine Windel zu befördern.
Und wie das mit Babys so ist: Auf einmal hielt sie inne, suchte ganz konzentriert meinen Blick und als sie ihn fand und ich gerade sagte „Jetzt pullert sie bestimmt!“, strahlte sie mich über das ganze Gesicht hocherfreut an. Ein richtig bewusstes „Für-Mama-Lächeln!“, das mich wieder einmal das alte Klischee auspacken lässt:
Egal wie schlimm oder anstrengend es ist, wenn dein Kind dich anlächelt, ist alles vergessen!

Frhoppe 21.04.2015

21.04.2015 Aus eins mach zwei – Teil drei

Und nun – zum Abschluss der Auftakt-Trilogie, denn heutzutage hat ja alles drei Teile – präsentiere ich den geneigten Lesern noch einige liebenswerte und manchmal auch witzige Anekdoten aus dem Leben des großen Bruders:

23.03.2015: Der Tag des Einzuges. Die klugen Eltern sorgen vor und bringen dem großen Sohn im Namen seiner kleinen Schwester Geschenke mit: Zwei Bücher – eines mit Widmung der Schwester – und ein Holzpuzzle. Es handelt sich hier ganz klar und auch ganz offensichtlich um den Versuch der Bestechung.
Aber es wirkt:
Während das größere Kind mit der Mama und dem neuen Puzzle spielt, beginnt das kleinere Kind zu schreien. Mama überlegt kurz und entscheidet, dass das kleinere Kind einen Moment warten kann, da sagt das größere Kind:
„Die Schwester schreit!“
„Ja, aber wir puzzeln das erst noch zu Ende“, antwortet die Mama, was beim größeren Kind ein besorgtes Stirnrunzeln auslöst!
„Oder soll ich die Schwester erst füttern“, fragt die Mama!
Das größere Kind nickt erleichtert und antwortet mit einem erleichterten Ja!
In den folgenden Tagen kommt es zu mehreren hitzigen Diskussionen darüber, ob kleine Jungs Mamas Titties auspacken dürfen, wenn die kleine Schwester Hunger hat. Das größere Kind sieht sich durchaus im Recht, ergibt sich aber schließlich Mamas Hinweis, dass ihre Titties ihr gehören und sie entscheidet, wann die ausgepackt werden, schließlich wolle der kleine Mann ja auch nicht, dass man ihm auf offener Straße die Hose herunter zieht!

27.03.2015: Anlässlich des ersten Freitags zu dritt wurde das größere Kind heute früher und vor allem von beiden Eltern abgeholt. Während das Kind noch dringend zu Ende spielen musste, stand man mit dem Erzieher zusammen, der den Eltern berichtete, dass der Sohn sehr wohl von seiner kleinen Schwester spricht.
„Die kann ja noch nichts!“ verkündete er auf die Frage nach seiner kleinen Schwester. „Nur schlafen, pupsen, essen und weinen!“
Recht hat er und die Situation erstaunlich treffend zusammen gefasst.
07.04.2015: Morgens beim Eintreffen in der Kita trafen wir auf ein andere Mama, welche unseren Nachwuchs noch nicht gesehen hatte und natürlich sofort einen Blick in die Babyschale warf.
„Na du bist ja eine ganz Süße“, rief sie entzückt aus.
Und wurde vom größeren Kind direkt zurecht gewiesen:
„Das ist meine Schwester!!!“

15.04.2015: Mama und Sohn sind mit der kleinen Schwester allein zu Hause, der Papa ist terminbedingt schon frühmorgens außerhäusig, was bedeutet, dass die morgendliche Versorgung beider Kinder bei Mama liegt. Bislang klappt auch alles ganz gut, dann plötzlich entdeckt das größere Kind den Hasen, der mittels Klettvorrichtung am Gitter des Babybays befestigt ist und definitiv der kleinen Schwester gehört.
„Ich will den haben“, verkündet er.
„Nein, der gehört deiner Schwester“, sagt Mama fürchtend, dass dies einen Trotzanfall zur Folge hat, aber dennoch bestimmt, denn auch das muss der kleine Mann lernen. Als er tatsächlich ein wenig verstimmt schaut, fügt Mama erklärend hinzu:
„Weißt du, die kleine Schwester hat nur den einen Hasen und du hast so viele Kuscheltiere in deinem Bett. Oder du gibst ihr eines von deinen!“
Das größere Kind überlegt einen Moment, entfernt dann den Hasen vom Gitter und wackelt damit in sein Zimmer, von wo es mit seinem geliebten Pinguin aus dem Berliner Tierpark wiederkommt.
„Weißt du Mama! Ich gebe der kleinen Schwester den Pinguin, weil ich den ganz doll lieb habe“, sagte er und bestand darauf, dass ich das Tier auf den Wickeltisch zu seiner Schwester setze.
Nicht nötig zu erwähnen, dass mein Mutterherz dahinschmolz vor Liebe. Ich versicherte dem kleinen Käfer dann aber, dass er mir nur Bescheid sagen muss, wenn er den Pinguin wieder haben will und dann tauschen wir zurück. Das war schon fünf Minuten später der Fall, aber der kleine Mann befestigte dann auch ganz brav den Hasen wieder am Babybett.

Dies sind nur vier Wort-Beispiele aus unserem Alltag in den letzten Wochen, aber sicherlich wird es ganz bald noch viel mehr geben. So fordert der kleine Mann schon ganz offensiv, man solle die kleine Schwester in Ruhe lassen. „Nein! Lass die K. In Ruhe!“ rief er kürzlich seiner Oma zu, weil die Kleine auf deren Arm weinte und er dachte, sie weint wegen Oma. Wir haben das zwar richtig gestellt, aber stolz waren wir alle ein bisschen, dass er seine kleine Schwester sogar gegen Oma verteidigt, wenn er das für nötig hält.
Natürlich ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Der kleine Käfer hat ganz schön an der neuen Situation zu knabbern, er bockt sehr viel, testet sämtliche Grenzen ganz neu aus und ist unheimlich anhänglich geworden. Erst am Wochenende entdeckten wir, dass er unheimliche Angst vor weiteren Veränderungen hat, denn als wir unsere Klappstühle anlässlich einer Feier vom Balkon in den Garten schaffen wollten, fing er furchtbar an zu weinen und beharrte darauf, dass die da nicht weg dürfen. Auch in der Kita weint er wohl öfters nach seinem Papa, was uns sehr zu schaffen macht, aber auch nicht wirklich zu ändern ist, denn eigentlich ist er in der Kita unheimlich glücklich und will da auch unbedingt hin. Das wollen wir ihm auch auf keinen Fall nehmen, zumal er auch noch nie von sich aus zu Hause bleiben wollte. Wir versuchen das aufzufangen, indem wir sehr viel mit ihm Kuscheln und versuchen möglichst nicht die Geduld zu verlieren, wenn er auf deutsch gesagt, völlig am Rad dreht. Ich habe ihm z.B. erlaubt, jederzeit kuscheln zu kommen, wenn er möchte, auch wenn ich gerade stille. Das ist zwar ein wenig unruhiger, aber die kleine Maus fühlt sich dadurch nicht gestört und ich möchte ihm nicht das Gefühl geben, dass er hinten an steht. Wir versuchen, ihm nicht das Gefühl zu geben, dass er Dinge nicht mehr darf, weil jetzt seine Schwester da ist. Wenn er also auf dem Bett tobt, dann schirmen wir die kleine Maus unauffällig ab, anstatt zu sagen: „Du darfst nicht so doll toben, deine Schwester liegt hier!“ Und ihn zum Leise sein aufrufen, lassen wir ganz sein, es sei dem, er ist wirklich zu laut, aber selbst dann sagen wir ihm nur, dass es Mama und Papa zu laut ist. Seine kleine Schwester bleibt dabei ganz außen vor. Natürlich muss er achtsam sein: Wenn er zu doll tobt oder zu grob ist – zweimal hat er seiner Schwester schon mehr oder weniger eine gewischt, aber das war ganz am Anfang – dann sagen wir ihm auch, dass er auf seine kleine Schwester aufpassen muss. Allerdings versuchen wir das in einem vernünftigen Rahmen zu halten. Und wenn die kleine dann eben einmal öfter wach ist, dann muss sie da auch durch – schließlich nimmt sie auch keine Rücksicht darauf, dass ihr großer Bruder nachts schläft, selbst wenn den nicht mal eine Marschkapelle neben seinem Bett wecken könnte.
Und es wirkt: Denn bisher lässt der kleine Mann bis auf die zwei Ausnahmen seinen Frust über die Situation an uns aus – und nur an uns. Mit seiner kleinen Schwester geht er unheimlich liebevoll um, streichelt sie sehr viel und bekommt einen ganz lieben Tonfall, wenn er mit ihr spricht. Wenn sie weint, ist er besorgt und verunsichert und bringt ihr den Nuckel, bevor er mich – leider immer noch – ab und an versucht auszuziehen. Und langsam, ganz langsam beginnt für uns eine Art Alltag, in dem wir hoffentlich beiden Kindern gerecht werden.

Frhoppe 21.04.2015

20.04.2015 Aus eins mach zwei – Teil 2

Nun, „da“ war die kleine Schwester zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber zumindest auf dem Weg. Und als sie dann am 19.03. um 17.52 Uhr das Licht der Welt erblickt hatte, riefen wir nach dem ersten Kennenlernen natürlich als erstes die Oma und unseren kleinen Mann an, um vom freudigen Ereignis und natürlich dem Namen zu berichten, was dann auch gleich zu Diskussionen zwischen Oma und Enkel führte. Der zweite Name unserer Tochter endet nämlich auf einem „e“, unser Sohn indes bestand darauf, es müsse ein „a“ sein. Erst nach einigen Versuchen gelang es der Oma, ihn davon zu überzeugen, dass Mama und Papa sich für ein „e“ entschieden haben und dass das nun darum so bliebe.

Da es nunmehr doch schon recht spät am Nachmittag war, beschlossen wir, den kleinen Mann doch zu Hause zu belassen und verabredeten für den nächsten Tag einen Besuch im Krankenhaus. Dies ließ dem stolzen Bruder genug Zeit am nächsten Morgen in der Kita stolz und sehr ernst den Namen seiner Schwester zu verkünden – inzwischen hatte er sich nämlich auch mit dem „e“ arrangiert und legte auch äußerst großen Wert darauf, dass immer jeder gleich den vollen Namen seiner Schwester erfuhr. Wehe jemand sagte nur den ersten Namen – sofort wurde derjenige berichtigt.
Am Nachmittag endlich war es nun soweit: Der erste Besuch stand an. Nachdem Papa eifrig begrüßt worden war, sollte nun auch der kleinen Erdenbürgerin „Hallo“ gesagt werden. Der Plan war ein guter und wurde sogar vom kleinen Mann in Angriff genommen. Dann jedoch – urplötzlich – warf sich dem tapferen Helden ein Nachttisch in den Weg. Dieses scheppernde Ungetüm musste zuerst besiegt werden, bevor an die Begrüßung des kleinen Mädchens auch nur zu denken war. Und wie viele Hebel und Griffe gab es da zu ziehen und Türen zu öffnen. Schließlich jedoch gelang es dem kleinen Mann sich loszureißen und sich erneut auf den Weg zum Bett zu machen, als – oh fürchterliches Geschick – die Krankenbettverstellautomatik in den Blick des Kindes geriet. Ganz zum Schluss gelang es dem Sohn dann doch, seine Schwester willkommen zu heißen mit einem zarten Kopfstreicheln. Insgesamt war es eine gelungene Annäherung, die erst beim Verabschieden ein wenig getrübt wurde, als der Papa nicht mitkommen wollte. Dass die Mama im Krankenhaus bleibt, das sah der kleine Käfer sehr wohl ein, aber Papa hatte da nichts zu suchen. Erst durch schamlose Bestechung, er dürfe sowohl Fische als auch Katze bei Oma und Opa füttern, ließ sich unser Sohn zum Gehen überreden.
Unser großes Glück war – rückblickend betrachtet – dass unsere kleine Maus an einem Donnerstag auf die Welt kam. So waren wir nämlich übers Wochenende nicht da und der ganze „Oma-passt-auf-mich-auf-wenn-meine-Schwester-auf-die-Welt-will“ – Vorgang wurde für den kleinen Mann zu einem mehr oder weniger normalen Wochenendausflug bei Oma und Opa. Nicht ganz natürlich, das ist schon klar, unser Kind ist ja nicht doof und weiß natürlich ganz genau, dass da im Krankenhaus eine gewaltige Veränderung des Status Quo angekommen ist, aber wenigstens ist sein Alltag nicht durcheinander gebracht, nur weil seine kleine Schwester jetzt da ist. Bei Oma und Opa übers Wochenende: Das kennt er! Da fühlt er sich wohl mit! Und da macht es auch nichts, dass man Sonntags noch einmal ins Krankenhaus fährt um Mama und Papa und diese seltsame kleine Schwester zu begutachten. Immerhin ist er ja auch schon ein großer kleiner Mann!
Uns kam es sogar vor als sei er gewachsen. Nicht nur ganz stetig und ein bisschen, sondern über Nacht und mindestens einen Meter! Ich hatte vorher von diesem Phänomen gelesen, aber so recht daran glauben konnte ich nicht. Ich meine, ernsthaft, wie soll denn das gehen, dass einem das Kind plötzlich viel größer und „älter“ erscheint? Ist aber so! Und funktioniert auch umgekehrt! Denn jedesmal, wenn ich das große Kind auf dem Arm hatte, muss ich aufpassen, dass ich mir das kleine Kind nicht mit Schwung über die Schulter schmeiße – und das ist auch nach vier Wochen noch nicht nennenswert besser geworden.
Mir fiel das ganze übrigens erstaunlich schwer – ich meine, ich bin ja durchaus daran gewöhnt, dass der kleine Mann mal drei Tage weg ist, aber wenn man dann im Krankenhaus liegt und eben doch nicht einfach so zu ihm kann, dann wird das Vermissen auf einmal riesig groß. Mein Sohn fehlte mir so unfassbar stark, dass ich ernsthaft überlegt habe, die Sachen zu packen und früher nach Hause zu fahren. Wir haben es nicht gemacht, was auch gut war, denn so konnten sich alle Beteiligten noch ein wenig sammeln, aber leicht gefallen ist es mir nicht. Wie sehr mich das ganze doch beschäftigte, sei anhand meines Traumes in der Nacht von Samstag auf Sonntag illustriert: Ich sah aus dem Fenster unseres Zimmers und beobachtete ein Flugzeug, dass beängstigend tief flog. Meine ungute Vorahnung bestätigte sich und panisch musste ich beobachten, wie das Flugzeug genau dort abstürzte, wo sich unsere Wohnung befand – die grobe Richtung konnten wir nämlich aus dem Fenster sehen. Völlig hysterisch schrie ich und weinte um meinen kleinen Sohn, bis mir einfiel, dass er in Sicherheit bei seinen Großeltern war!
Selbst nach dem Aufwachen zitterte ich noch! Und war meiner Mama umso dankbarer, dass sie uns gleich morgens ein Mini-Video von unserem kleinen Mann schickte, in dem er uns ganz fröhlich einen guten Morgen wünschte und darin auch – nicht ganz so begeistert, seine kleine Schwester einbezog.

Frhoppe 21.04.2015