05.08.2015 Was für ein höfliches Kerlchen!

Heute waren wir – wieder einmal – auf einem Geburtstag. Unser eigentlich ja sehr gut hörbarer und vor allem meist gar nicht zurückhaltender Sohn, zeigte sich jedoch heute von seiner schüchternen Seite.

Zunächst waren wir ja noch allein mit dem Gastgeber, ganz einfach, weil wir die ersten waren. So weit so gut, der Sohn kennt ja das Geburtstagskind – nämlich Papas besten Freund – sehr gut und war dem entsprechend mopsfidel. Er half beim Tisch decken, beim Stühle rücken und beäugte schon schelmisch den Kuchen. Dann jedoch klingelte es urplötzlich an der Tür. Was sollte das? Wer kam da? Erste Maßnahmen wurden ergriffen, dergestalt, dass man sich erst einmal hinter Mamas Bein versteckte. Nachdem der angekommene Gast jedoch nur in einer Frau bestand, ließ sich das Käferchen überzeugen, auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Er suchte sich einen aus und wollte auch unbedingt auf diesem sitzen, auf keinem andern. Jener Stuhl jedoch stand unglücklicherweise etwas weiter entfernt von meinem Sitzplatz auf dem Bett und so saß irgendwann mit steigender Gästezahl jemand zwischen uns und unserem Kind. Dieses reagierte darauf mit einem Höflichkeitsausbruch. Die Beine artig nebeneinander hängend, die Hände im Schoß gefaltet, schaute er stumm in die Runde. Nach einem Stück Kuchen gefragt, antwortete er „Ja, bitte!“ und vor die Wahl gestellt, ob er Wasser oder Milch wolle, schlug er die Augen nieder und sagte sehr gesittet: „Wasser bitte!“ Die anwesenden Gäste zeigten sich begeistert von soviel Höflichkeit und freuten sich, wie gut erzogen unser Kind doch sei. Wir lachten dazu nur trocken und baten um eine halbe Stunde Zeit zur Akklimatisierung. Dann würde sich das schon geben!
Und wirklich – kaum war der Kuchen abgeräumt und damit der Grund noch länger am Tisch zu bleiben, taute unser kleines Kerlchen auf und mutierte zum dem Schadwild, dass wir kennen. In Sekundenschnelle hatte er alle Gegenstände in der Wohnung erfasst, die möglichst viel und möglichst nervigen Lärm machen. Zum Glück für uns hatten die Gäste alle selbst Kinder, die sich in solchen Situationen ebenso verhalten. So wurden die meisten Aktionen nicht nur mit einem gutmütigen Lachen quittiert, sondern manchmal auch noch angeheizt.
Für uns war das aber wieder einmal sehr lustig, zu sehen, welch großartiger Schauspieler in unserem Kinde steckt. Denn würde ich ihn nicht kennen, ich hätte meinem Sohn die Darbietung des braven Knaben sofort abgenommen.

Frhoppe 07.08.2015

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31.05.2015 Und er ist doch schüchtern!

Es ging auf große Fahrt. Seit ein paar Tagen hatten wir den kleinen Mann darauf vorbereitet, dass wir heute zu seiner Uroma mütterlicherseits fahren würden, um dort an einer Geburtstagsfeier zu Ehren ihres achtundachtzigsten teilzunehmen. Da unser Käferchen ja ein kleines Genie ist, wusste er sehr wohl noch, wer Oma Ianne ist, auch wenn er sie wirklich seeeehr selten sieht und freute sich sehr, dass wir nach Leipzig fahren würden – der Geburtstag fand zwar woanders statt, aber das bekamen wir irgendwie erst auf halber Strecke mit, zum Glück lag der neue Ort auch auf dem Weg.

Während der ganzen Fahrt krähte er und erzählte und freute sich und sang und schrie – ich entschuldigte mich nach der Ankunft als erstes bei meinen Eltern für all die Jahre Autofahrt, als wir noch Kinder waren – und schlief dann natürlich, wie Kinder das so tun, zehn Minuten vor der Ankunft tief und fest ein. Als ich ihn dann am Ankunftsort weckte und ihm sagte, wir seien da, schreckte er hoch, schaute sich mit weit aufgerissenen, offensichtlich noch schlafenden Augen an und fragte „In Leipzig?“ Das wir nicht dort waren, nahm er relativ gelassen hin und stiefelte brav hinter uns her in die Restauration, wo die Meute auf ihn wartete.
Wie um seinem Entwicklungsgespräch gerecht zu werden, blieb er erst einmal an der Treppe stehen und beäugte alle, bevor er den Papa zu seinem Platz begleitete und von dort aus alle beäugte. Lange Zeit blieb er dort sitzen, ließ sich nur mal von seinem Onkel und seiner Tante oder von Oma durch die Lokalität spazieren führen. Er war so ruhig, dass sich eine Gästin zu der Aussage hinreißen ließ, ihre Enkelin hätte schon längst den Laden aufgemischt, sie sei sehr lebhaft. Mag es dieses Stichwort gewesen sein oder vielleicht der plötzliche gemeinsame Aufbruch aller Raucher, jedenfalls verlor der Sohn schlagartig alle Schüchternheit. Er lief durch den Raum und erzählte dabei munter, bis er schließlich vor dem gläsernen Geländer stehen blieb, durch das er einen sehr guten Blick auf die unter ihm im Garten befindlichen Raucher hatte.
„Was machen die da?“ wollte er von seinem Onkel wissen!
„Die machen Quatsch“, antwortete dieser. „Die rauchen!“
„Nein! Nein“, fing er daraufhin an, nach unten zu rufen. „Die sollen das nicht machen! Hör auf!“ Und er hörte auch nicht wieder damit auf – man möchte sagen, er steigerte seine Empörung noch, denn als die Raucher alle nacheinander wieder nach oben kamen, sagte er jedem laut und vernehmlich: „Nein! Du SOLLST nicht rauchen!“ Sehr ernst und sehr böse sagte er das! Und jeder Raucher nickte und antwortete: „Da hast du Recht! Das soll man wirklich nicht!“ Es war witzig zu beobachten, dass sie wirklich alle dasselbe sagten.
Meine Mama fand das auch alles sehr witzig, obwohl sie ja als Raucherin selbst von seiner Entrüstung getroffen wurde. Nicht mehr ganz so witzig fand sie, was kurz darauf geschah. Sohnemann ging mit seinem Onkel in den nun raucherfreien Garten und nahm in einem der Sessel Platz. Als die beiden wieder nach oben kamen, sagte der Onkel nur ganz trocken zu meiner Mama: „So jetzt habt ihr’s geschafft!“ Man schaute ihn verwundert an, fragte sich, was er wohl meinte, bis er uns grinsend aufklärte. „Naja! Er setzte sich hin, schaute sich um und sagte: Jetzt rauche ich!“ Man lachte daraufhin, aber es klang ein wenig ertappt und meine liebe Mama, die immer sagte, sie würde sofort aufhören zu rauchen, aber eben nur, wenn ihr Arzt ihr sagen würde, es sei der Gesundheit wegen nötig, erklärte meinem Sohn sehr ernsthaft, dass Rauchen gar nicht schön ist und – Achtung! – sagte dann: „Vielleicht hört die Oma ja auch bald damit auf!“ Ich würde es mir wünschen. Ich bin kein militanter Nichtraucher. Ob jemand raucht oder nicht, ist ihm selbst überlassen, da hilft auch keine Predigt oder Naserümpfen. Ich habe meine eigenen Laster und gestehe darum anderen auch ihre zu, aber ich finde es toll, dass so ein kleiner Mensch einen jahrelangen, überzeugten Raucher durch eine einfache Spiegelung seines Verhaltens zum Nachdenken anregen kann. Denn auch wenn meine Mama gerne raucht, weiß ich, dass sie stolz ist, dass ich nie damit angefangen habe und dass sie auf keinen Fall will, dass ihr Enkel raucht, geschweige denn, dass er sich sie in diesem Punkt zum Vorbild nimmt.

Frhoppe 10.06.2015

18.05.2015 Big Oma is watching you – warum ich mir wieder selbst wie ein Kind vorkam.

Heute wurde unser kleiner Käfer von meiner Mama abgeholt, ein höchst seltenes Erlebnis, da sie ja bis vier Uhr arbeiten muss und darum erst um halb fünf frühestens in der Kita sein kann, was uns wiederum eigentlich zu spät ist. Umso größer war dann also die Freude, als die Oma in der Kitatür stand und natürlich kam der kleine Mann ganz brav mit Oma mit.

Gegen viertel sechs waren sie dann bei uns und der Käfer war seinerseits schon sehr müde, weshalb ich relativ schnell mit dem abendlichen Ritual anfing – in stillschweigender Übereinkunft war klar, dass Oma bleiben würde, bis ich eines der beiden Kinder im Bett hätte. Wir spielten noch eine Weile – ich nutzte schamlos aus, dass meine Mama mir sofort das kleine Kind abnahm und befasste mich mit dem Sohnemann, was dieser sichtlich genoss – dann bereitete ich dem kleinen Mann Abendessen. Bereits da fing es an.
„Aha!“ meinte Oma nach einem Blick auf unseren tollen unterteilten Kinderteller. „Du darfst also den Belag auch ohne Brot essen!“
Ich hatte dem Kind nämlich zusätzlich zu seine zwei kleinen Scheiben bestrichenem Brötchen noch etwas hauchdünnen Käse und Salami gepackt, weil er das eben gerne so hat! Warum auch nicht – ich ess ja auch gerne mal den Käse so und ich weiß zufällig ziemlich genau, dass die Frau Mama das auch so macht! Trotzdem zog ich innerlich kurz den Kopf ein, kümmerte mich aber nicht weiter darum.
Nach dem Abendbrot ging es dann aufs Töpfchen, wo mich das Kind in folgendes Gespräch verwickelte: „Mama, wenn ich pullere, dann bekomme ich ein Gummibärchen!“
„Ja, dann bekommst du eins!“
„Ich habe nicht gepullert, ich bekomme aber trotzdem ein Gummibärchen!“
„Nein, wenn du nicht pullerst, dann gibt es auch keins!“
„Dann mache ich einen Tropfen und dann bekomme ich eins!“
„Ja, aber nur, wenn du dich ganz doll anstrengst und eigentlich nicht pullern kannst und dann doch ein Tropfen kommt!“
Das Kind runzelt konzentriert die Stirn und drückt ganz doll!
„Jetzt habe ich einen Tropfen gemacht!“
„Wirklich? Zeig mal her!“
Der Topf war leider leer. Aufgrund der eher schlechten Lichtverhältnisse hob ich ihn aber noch einmal an und drehte ihn zum Licht, um ganz sicher zu gehen – aber es blieb dabei: Kein Tropfen. Dafür sagte die Oma hinter mir: „Na, ich würde ja noch drin rumpulen!“ Und wieder zog ich den Kopf ein bisschen ein, dachte aber gleich darauf ein bisschen rebellisch „Pfft! Ich will ja nur nicht meinem Kind fälschlicherweise eine Lüge vorwerfen.“ Ich sagte aber nix, schließlich war ich meiner Mama sehr dankbar, dass sie das Tochterkind versorgte – sie hätte ja auch gehen können! Aber trotzdem fühlte ich mich zurecht gewiesen. Nun ging es ans Ausziehen. Während Oma mit der kleinen Bauchwehmaus in der Wohnung umher wanderte, begann ich die allabendliche Diskussion zum Thema: „Bitte zieh dich aus!“ „Nein!“ „Dann ziehe ich dich aus!“ „Nein, das mache ich alleine!“ „Dann mach!“ „Nein!“. Und während wir so diskutierten, fühlte ich auf einmal in meinem Rücken meine Mama stehen und das lustige ist, ich wusste genau, welchen Blick sie da gerade aufgesetzt hatte. Den Blick, den meine Nichte „Oma guckt!!!!“ getauft hat. Und wie Oma gucken kann. Ganz böse, eiserne Disziplin spricht aus ihrem Blick und sie sagt kein Wort. Braucht sie auch nicht, denn es klappt jedesmal. Bei jedem Kind! Beinahe hätte sogar ich angefangen mich auszuziehen und ich hatte den Blick ja nicht mal gesehen.
Aber so konnten wir wenigstens schnell zum Waschen gehen, das nämlich macht der kleine Käfer dank Frosch- und Affenwaschhandschuh mittlerweile ziemlich gerne, manchmal sogar allein. Lieber unterhält er sich aber mit den beiden, während sie ihn waschen. Nun ist es bei uns so, dass der kleine Mann sich nur abends waschen muss. Einmal am Tag ist für so kleine Menschen völlig ausreichend, zumal sie ja auch noch nicht diesen aggressiven Schweiß haben, den Erwachsene so tagein, tagaus produzieren. Ich gebe zu, dass wir mit diesem allabendlichen Waschen auch erst recht spät angefangen haben, so etwa vor einem halben Jahr, vorher haben wir eben nach Bedarf – sprich, wenn das Kind schmutzig/sandig/klebrig war, also auch recht häufig, aber eben nicht täglich – gewaschen und ein bis zweimal die Woche gebadet. Darüber haben wir uns auch gar keine Gedanken gemacht. Bis der kleine Mann bei Oma war und sich weigerte, sich vor dem Schlafengehen zu waschen. „Nein, ich muss mich nicht waschen!“ behauptete er steif und fest und hatte je irgendwie recht damit, denn als Teil des Abendrituals kannte er das nicht. Nach einem langen Telefonat mit meiner Mama sah ich tatsächlich ein, dass es durchaus sinnvoll ist, jetzt doch schon mit der Routine anzufangen, auch wenn er es nicht unbedingt braucht, denn sie hat schon recht! Wenn er es jetzt nicht lernt, dann sieht er nachher, wenn es nötig ist, nicht ein, dass er es machen muss. Ich war zwar etwas peinlich berührt über den Rüffel, aber auch dankbar, weil ich ja selber nicht dran gedacht hatte und durchaus bestrebt das in die Tat umzusetzen.
Insgesamt ist es nun also ein großer Fortschritt für einen so kleinen Menschen, dass er innerhalb eines halben Jahres gelernt hat ordentlich am Tisch sitzen zu bleiben, die Ärmel alleine hoch zu krempeln, mehr oder weniger sauber zu essen, sich alles alleine (!) auszuziehen und auch anzuziehen – wenn auch mitunter verkehrt herum, sich die Zähne zu putzen, aufs Töpfchen zu gehen (na gut, noch nicht ganz 😉 ) und sich abends zu waschen und noch etliches andere mehr. Ich dachte jetzt, dass der kleine Mann für sein braves Waschen gelobt wird, aber stattdessen meinte die Oma nur: „Na, du hast es ja gut. Dein Cousin und deine Cousine müssen sich morgens UND abends waschen!“ Da sagte ich dann was. Nämlich: „Da müsste er ja noch eine halbe Stunde eher aufstehen.“ Und das stimmt! Denn weil der kleine Mann so viel schon alleine machen kann und darf, dauert morgens eben alles etwas länger. Zwischen ein und eineinhalb Stunden sind wir morgens mit Aufstehen, Töpfchen, Anziehen und Frühstücken beschäftigt, denn mal ehrlich, so ein Hemd hat echt viele Löcher, wo Arme fälschlicherweise durchpassen und eine Strumpfhose anzuziehen, ist wirklich was für Feinmotoriker, erst recht morgens um dreiviertel acht und überdies vor allem für ein zweieinhalbjähriges Kind. Klar ist es später wichtig, dass er sich vernünftig wäscht, aber jetzt ist es wichtiger, dass er das Gefühl bekommt, alles zu schaffen. Und wenn das eben heißt, dass das zweite Waschen, oder eher das erste, am Tag wegfällt, damit er nicht um sieben aufstehen muss, dann ist das so!
Ich habe aber heute etwas gelernt über mich: Ich bin davon überzeugt, dass wir das mit unserem Kind schon ganz richtig machen. So alles in allem! Und überhaupt! Natürlich mit Fehlern und Holperstellen, aber wir lernen ja noch! Schließlich machen wir beim großen Kind ja alles zum ersten Mal und manches fällt einem eben erst auf, wenn es einem einer sagt! Wie das mit dem Waschen! Anderes wissen aber Außenstehende – und ja, das sind alle, die nicht täglich mit dem Kind zu tun haben – auch einfach nicht zu beurteilen. Ich weiß ja, dass der Sohn morgens oft noch extrem müde ist und ich ihm nicht zumuten kann und will, noch eine halbe Stunde eher aufzustehen, nur damit er sich noch wäscht! Und ich gebe auch offen zu, dass mir persönlich das morgendliche Waschen nicht die Diskussion wert ist, wenn ich anstatt den Sohn früher zu wecken, ihn anziehe, statt ihn dass alleine machen zu lassen. Denn da legt er großen Wert drauf, dass er das kann!
Trotzdem fand ich es bemerkenswert, wie sehr ich mich trotz meiner Überzeugung – für die ich auch eintrete – wieder wie ein kleines Kind gefühlt habe. Mein erster Reflex war es, meiner Mama zuzustimmen und morgen früh mit dem Waschen anzufangen. Und dann fiel mir wieder ein, dass ich erwachsen bin. Und selbst zweifache Mama. 😀

Frhoppe 18.05.2015

13.05.2015 Das erste Fläschchen – oder: Alles anders mit dem zweiten?

Kürzlich wurde mir die Frage gestellt, ob ich denn schon spürbar etwas anders mache in der Erziehung des zweiten Kindes, also ob ich vielleicht Dinge nicht mehr mache, die sich beim ersten Kind nicht bewährt haben. So richtig beantworten kann ich das eigentlich nicht, denn momentan hat unser Umgang mit dem kleinsten Familienmitglied noch nicht viel mit Erziehung zu tun, sondern eher mit Bedürfnisbefriedigung.

Aber ein paar Sachen sind mir doch aufgefallen.
An allererster Stelle: Unsere Tochter wird lange nicht so viel getragen, wie unser Sohn in den ersten Wochen seines Lebens. Ich erinnere mich daran, dass wir ihn zwar auch öfter mal in der Wiege oder auf dem Fell liegen hatten, aber vor allem abends schlief er meistens bis zum Zubettgehen auf einem unserer Bäuche. Zumindest bis er zwei Monate alt war, denn da begannen wir mit der Einführung einer Schlafdisziplin. Was mich zum zweiten Punkt bringt, an dem wir etwas anders machen. Das Schlafen. Denn die kleine Maus schläft bereits seit drei Wochen circa drei Stunden – nämlich von acht oder neun bis elf oder zwölf, wenn wir ins Bett kommen – allein in ihrem Bettchen im Schlafzimmer. Natürlich gucken wir ab und an, aber ihr großer Bruder hatte bis zum zweiten Monat die Rund-um-die-Uhr-total-Überwachung! Bei ihm schliefen wir die ersten Wochen sogar mit Nachtlicht, damit wir ihn immer sofort im Auge hatten beim Aufwachen. Beim zweiten Kind taten wir dies nur im Krankenhaus.
Überhaupt ist vieles etwas entspannter. Wir wickeln nicht bei jedem Pups sofort, sondern wissen schon, wann wir noch etwas warten können, weil das nur Luft war, oder auch, dass die Größe des Windelpakets zwischen den Beinen Aufschluss über dessen Füllstand gibt. Bestimmte Handgriffe beim Wickeln sitzen noch, das Baden z.B. ist längst nicht so eine Zitterpartie, wie beim Sohnemann am Anfang.
Es gibt aber auch Dinge, die nicht im positiven Sinne anders sind – negativ möchte ich sie aber auch nicht unbedingt nennen, vielleicht nur etwas anstrengender.
Die kleine Maus hat sehr viel Bauchweh, was wir von unserem Großen gar nicht kennen. Der hatte in seiner Babyzeit viermal Bauchweh – einmal vom Grünkohl und dreimal wegen Erbsen, da hat es etwas länger gedauert, bis ich das geschnallt hatte. Die kleine Maus hingegen schreit beinahe jeden Abend, manchmal 10 Minuten, dann aber auch wieder eine Stunde und leider manchmal auch zwei Stunden. Sie brüllt nicht durchweg, wimmert auch ab und an oder fällt in einen erschöpften Schlaf für ein paar Minuten, aber meistens hat sie dann auch 1 bis 2 Stunden Schmerzen. Ich wünschte, ich könnte ihr das abnehmen, aber mal schauen. Vielleicht hängt es wirklich damit zusammen, dass sie ihr Köpfchen nach hinten überstreckt und schief hält. Dann hoffen wir auf Besserung, wenn es zum Osteopathen geht.
Schwierig ist auch, dass ich seit der Geburt 24/7 also rund um die Uhr mit der kleinen zusammen war. Beim großen Mann hatte ich ja Großeltern, die zwei bis dreimal die Woche etwa 2 Stunden mit ihm spazieren waren, also mir sechs gesegnete Stunden Zeit für mich bescherten, weil er im Kinderwagen so super schlief. Diese Großeltern habe ich auch immer noch und sie sind auch noch genauso hilfreich,und auch die kleine Maus schläft im Kinderwagen gerne mal zwei Stunden, solange sich das Ding bewegt – aber diese Großeltern versorgen eben den großen, kleinen Mann und die kleine Maus kann ich ihnen dann nicht auch noch zumuten. Mit dem Sohnemann ist man wahrlich ausgelastet genug. Wirklich beschweren kann ich mich auch nicht, was den Papa angeht, denn wenn er zu Hause ist, dann übernimmt auch er die Betreuung der kleinen Maus. Im seltenen Fall, in dem ich dann aber nicht mit dem großen Sohn beschäftigt bin, kann ich auch nicht wirklich abschalten, weil ich Baby ja immer noch höre und irgendwie immer erwarte, dass ich gleich wieder gebraucht werde. Naja und nachts? Da kann ja von Abschalten eh kaum die Rede sein, denn man schläft ja doch mit einem Ohr beim Kind. Auch wenn das durchaus schon mal fünf oder sechs Stunden sind – erholsam ist anders.
So richtig bewusst geworden ist mir das mit der ständigen Bereitschaft gestern bei der Probe, wo ich mich aufgrund ihrer Schreiattacke natürlich kaum aufs Singen konzentrieren konnte. Und da wurde mir klar, dass ich nicht einmal diese zwei Stunden für mich habe. Diese zwei Stunden, die mir zwar super wichtig sind und mir und meiner Seele unheimlich gut tun, in denen ich aber auch nicht entspanne, sondern konzentriert arbeite. Und als ich nach Hause kam, informierte ich den Gatten, dass ich ab sofort mit dem Abpumpen anfange. Nicht regelmäßig und nicht dauerhaft, sondern eine Flasche – so dass er eine Mahlzeit am Tag geben kann. Heute haben wir dies das erste Mal probiert und es hat sofort funktioniert. Das erleichtert mich ungemein, denn es entlastet mich insofern, dass ich auch mal ohne Kind raus kann, ohne Panik haben zu müssen, dass sie eine Hungerattacke hat, während ich einkaufe und es macht mir diese zwei Stunden Probe am Dienstag möglich, die mir gehören. Und ganz davon abgesehen ermöglicht es dem Papa, auch an der Versorgung des Kindes teilzuhaben, seine ganz eigene Bindung zu ihr aufzubauen, die ja in dieser frühen Phase auch über Nahrungszufuhr stattfindet. Das übrigens haben wir auch beim ersten Kind auch schon gemacht, um zur Frage zurück zu kehren, aber auch erst zwei Wochen später.
Ich kann also bis hierhin sagen, dass wir vielleicht nicht viele Dinge anders machen, aber mit dem zweiten Kind dann doch etwas früher. Wirklich ein Fazit dazu abgeben, kann ich aber erst, wenn die kleine Maus auch einen eigenen Charakter entwickelt und wir mit der tatsächlichen Erziehung anfangen müssen, wobei ich auch da denke, dass wir im Grundsatz nicht allzu viel anders machen werden, denn unser Sohn ist ja für seine zwei Jahre ganz großartig geraten. Allerdings bleibt natürlich abzuwarten, was für ein Charakterkopf die kleine Prinzessin wird, denn jedes Kind ist anders und mit jedem Kind muss man individuell umgehen. Was beim einen funktioniert, muss noch lange nicht für das zweite passen. Ich denke aber, wenn man nur auf sein Gefühl hört und vor allem dem Kind immer das Gefühl vermittelt, dass man es bedingungslos liebt, dann ergibt sich alles andere.

Frhoppe 13.05.2015

06.11.2014 Er wird frech!

Also zunächst einmal: Nachdem der kleine Mann zwar zu Beginn wieder kräftig weinte, als ich die Kita verließ, stand er die Zeit bis zum Abholen, dann aber sehr gut durch. Sohnemanns Erzieherin wusste zu berichten, dass der kleine Kerl kaum nach mir gefragt hatte und sich sehr gut im Kitaalltag zurechtgefunden hatte.
Der wirkliche Knaller kam aber erst, als wir uns bereits im heimischen Hausflur befanden. Wie in letzter Zeit häufiger weigerte sich der kleine Kobold standhaft, Treppen zu steigen. Da ich aber nunmehr seit fast sieben Monaten in anderen Umständen bin, weigere ich mich eben so standhaft, ihn die Treppen hinaufzutragen. Er wiegt immerhin schon 13 Kilo und das ist mir einfach zu schwer, zumal das Ganze tatsächlich mehr eine Machtprobe als Unwillen oder Unvermögen ist. Diese Annahme bestätigte sich heute auf beeindruckende Weise. Nachdem wir mittlerweile geschlagene zwanzig Minuten im Treppenhaus verbracht hatten und sämtliches Betteln, flehen, selbst Bestechungsversuche nichts gebracht hatten, verlegte ich mich aufs Drohen.
„Wenn du nicht gleich nach oben gehst, gibt es keinen Keks! Ich zähle bis drei!!! Eins…!“
Da grinst mich das Kind entwaffnend an und sagt tatsächlich: „…zwei, drei, vier, fünf!“
Ich war völlig von den Socken, wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte, angesichts eines bis fünf zählenden zweijährigen Kindes. Ich meine, sicherlich machen wir Fingerspiele mit ihm, bei denen klar wird, dass es fünf Finger gibt und so, aber bewusst mit ihm geübt oder so etwas haben wir deswegen nicht mit ihm.
Und obwohl ich so dermaßen stolz auf ihn war, war ich gleichzeitig in der Bredouille, denn ich musste ihn ja irgendwie in den ersten Stock bekommen. Ich verlegte mich darauf, weiter zu zählen und tatsächlich: Als ich bei zweidreiviertel – Eltern kennen diesen merkwürdig langen Zwischenraum zwischen zwei und drei – angekommen war, bequemte sich der kleine Mann endlich die Treppen hoch und bekam dann seinen Keks.

Frhoppe 06.11.2014