14.07.16 Brief an meine Kinder!

Meine beiden liebsten kleinen Menschen,

ich möchte, dass ihr eines immer wisst: Egal, wie müde ich bin, wie traurig, wie verzweifelt, wie wütend, ihr seid mein wertvollster Schatz.
Niemals wird es etwas wertvolleres als euch beide geben und niemals wird irgendjemand etwas an meiner Liebe zu euch ändern.
Für euch umgebe ich mich mit Menschen, wenn ich eigentlich niemanden sehen kann, weil sie euch lieben und ihr sie! Und ich tue es gerne. Ich lächle und freue mich daran, dass ihr Spaß habt, dass ihr geborgen und geliebt seid, von so viel Familie und Freunden.

Ihr seid mein Licht in der Dunkelheit.

Eure Mutter zu sein, gibt mir an manchem Morgen die Kraft aufzustehen und den Tag zu begehen.
Und selbst, wenn es manchmal Unmengen an Kraft kostet, mit euch über den Tag zu kommen, weiß ich, es wäre noch viel schwerer ohne euch, euer Lachen, eure Freude, eure Wildheit, euren Witz und eure Intelligenz.

Du mein großer, kleiner Mann bist so ein wundervoller Junge. Schlau und an allem interessiert, hinterfragst du alles. Nichts nimmst du einfach so hin, du willst genau wissen, warum Dinge so sind, wie sie sind, warum du sie tun musst, bevor du sie (vielleicht) tust.
Du bist witzig und testest deinen Humor schon jetzt an uns aus, versetzt mit deiner Sprachfähigkeit und deinem Wortschatz nicht nur mich immer wieder in Erstaunen.
Du bist wild und unbändig und treibst mich manches Mal in den Wahnsinn und doch bist du dabei oft schon so achtsam und bedacht, umarmst mich kurz und stürmisch.
Du hilfst, wo du kannst – nun ja, du versuchst es, aber das ist es was zählt – und wenn du sie nicht gerade auf dem Kiecker hast, kümmerst du dich rührend besorgt um deine kleine Schwester.
Du musstest viel verkraften in den letzten Monaten, musstest viel zurückstecken und doch zeigst du uns jeden Tag, wie sehr du uns alle liebst und versuchst soviel Geduld zu haben, wie es für einen Dreijährigen nur irgend möglich ist! Manchmal vermisse ich dich so sehr, die Zeit für uns allein und dann wieder zeigst du mir, wie gut du es findest, Teil einer Einheit mit deiner Schwester zu sein, wie wichtig es für dich ist, der Große zu sein, der auf seine kleine Schwester aufpasst und ihr die Welt zeigt und erklärt. Ich lausche so gerne, deinem manchmal altklug klingendem Geplapper aus dem Kinderzimmer.
Du gehst an deine und unsere Grenzen und manchmal darüber hinaus, doch jedes mal kehren wir von dort verliebter ineinander zurück und achtsamer füreinander!
Und du bist sensibel – vielleicht zu sehr in dieser unachtsamen Welt!
Du siehst mich manchmal an und in deinen Augen sehe ich so viel Verständnis, so viel Gefühl und zugleich so viele Fragen!
Wenn du mit deinen großen blauen Augen in die Welt schaust und Menschen so viel mehr von dir fordern, als du zu geben bereit bist, nur weil du es kannst, dann möchte ich mich vor dich stellen.
Wenn sie von dir Dinge erwarten, die du noch nicht können musst, nur weil du im Kopf schon so weit bist, dann möchte ich schreien.
Wenn sie wieder nicht sehen, dass du einfach nur eine Antwort willst, eine Erklärung, wenn sie sich über deinen Kopf hinwegsetzen, weil du nun einfach mal genau diese eine Sache tun musst, dann blutet mir das Herz vor Kummer.
Und gleichzeitig weiß ich – ich kann und darf dich nicht vor allem beschützen, denn du musst deine eigene Stimme finden. Du bist so ein starker, kleiner Kopf mit so einem großen Willen, dass es dir mehr schaden, als nutzen würde, wenn ich jeden Kampf für dich bestreiten würde.
Ich kann dich nur in den Arm nehmen und dich festhalten, kann dir nur versichern, dass du toll bist, einfach ganz großartig und perfekt unperfekt und dass ich dich liebe, mehr als mein eigenes Leben.

Und mein kleines Mädchen?
Du bist so ganz anders. Solche Angst hatte ich vor der Geburt, dass ich dich nicht so lieben könnte, wie deinen Bruder, denn wie sollte ich diese einzigartige Liebe ein zweites Mal fühlen?
Es ist genau so gekommen.
Ich liebe dich nicht so wie deinen Bruder.
Aber nicht weniger!
Nur ganz anders!
Weil du so ganz anders bist.
Du bist ein wunderbar, wildes kleines Mädchen, genau so, wie man sich ein Kleinkind immer vorstellt. Für dich gibt es keine Hindernisse, die zu groß sind. Versperrt dir doch einmal etwas deinen Weg, dann gehst du nicht darum herum, sondern kletterst drüber. Und wie du kletterst. Alles was deinem großen Bruder an Motorik fehlt, ist anscheinend bei dir gelandet, denn du kletterst wie ein kleines Äffchen, balancierst noch auf dem schmalsten Brett und hast eine Körperspannung, um die dich jeder Turner beneiden würde.
Du bist laut und verrückt, ziehst Grimassen und lachst am stärksten, wenn man den größten Blödsinn mit dir macht. Du magst es wild, je höher man dich wirft, je plötzlicher man dich absacken lässt, desto fröhlicher kreischst du und ziehst dann beim Lachen die Nase so niedlich kraus und zeigst uns deine vier Kuchenzähne.
Du bist so ein kleiner Rabauke, mit soviel Feuer und Mut, dass man schon leicht übersehen kann, wie empfindsam du eigentlich bist.
Du brauchst soviel Nähe und Kuscheleinheiten, bist bei all deiner Wildheit gleichzeitig so sanft und liebevoll. Wenn du deine kleinen Ärmchen um mich schlingst und deine Nase an meinem Hals vergräbst, schnuffelnd und ruffelnd, wenn deine kleine Hand sich in meinen Ausschnitt wühlt und du dann erst ruhig wirst, dann möchte ich dich nie mehr loslassen und die Welt anhalten.
Manchmal fällt es mir so schwer, dich gehen zu lassen, dich mutig sein zu lassen, viel schwerer noch als bei deinem großen Bruder. Du bist doch mein kleines Mädchen, mein Babymädchen, mein kleines Herzenskind. Und ich weiß, dass du bei aller Lautstärke auch ein leises Mädchen bist.
So lange hast du gebraucht, um dich von mir zu lösen und noch heute bin ich dein sicherer Hafen, wann immer dich etwas erschreckt.
Dabei bist du so freundlich und offen, lachst jeden an.
Aber immer nur, wenn du nah bei mir bist – oder inzwischen auch bei jemand anderem, der dir wichtig ist.
Ganz genau beobachtest du alles, wägst ab und triffst dann deine Entscheidung – manchmal auch entgegen dem, was ich eigentlich will. Und wenn du DAS tust, dann mit einem Blick über die Schulter zu mir und diesem frechen kleinen Grinsen.

Es ist eine tägliche Herausforderung, euch beiden täglich gerecht zu werden, denn was für den einen funktioniert, löst bei der anderen einen Bock oder Verzweiflung aus. Wenn ich die eine aber anders behandle, als den anderen, fühlt der sich ungerecht behandelt. Manchmal ist es zum Haare raufen, wie sehr wir uns im Kreis drehen, wie oft ihr euch mit euren starken kleinen Willen und den Tränenausbrüchen abwechselt.

Mitunter bin ich am Rande meiner Nerven, meiner Kraft und gerade dann, wenn ich denke: Jetzt! Jetzt kann ich nicht einen Schritt mehr weiter! Dann werdet ihr auf einmal ruhig, ganz anschmiegsam und zärtlich. Wenn ihr dann voller Liebe zu mir aufschaut, eure Arme um meinen Hals schlingt und ein ganz ruhiges „Mama!“ über eure Lippen kommt, dann ist alles gut, dann ist alles machbar.

Ihr beide seid so wundervoll einzigartige kleine Menschen, die alles und noch mehr auf dieser Welt verdient haben.

Manchmal zerreißt es mich fast, mich zwischen euch aufteilen zu müssen und ich denke, wäre nur eins nicht besser gewesen. Und dann wieder sehe ich, wie wundervoll ihr miteinander spielt und ich weiß: Nein! Nicht nur eins. Niemals. Euch beide – genau so verrückt, laut, wild, frustrierend, wütend, bockig, zickig, willenstark, liebevoll, achtsam, hilfsbereit, kuschelig und zart.

Meine Gefühle für euch sind so grundverschieden und doch auch so unendlich gleich:
Euch werde ich immer wollen!
Und lieben!

frhoppe 14.07.2016

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