25.04.2016 Was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht, oder: Küche aufräumen mit Kleinkind – ein Bericht!

Bei uns läuft es im Moment nicht so wirklich ganz rund.
Zugegebenermaßen laufen wir mittlerweile alle ziemlich auf dem Zahnfleisch, die Nerven liegen blank, jeder zickt jeden an, der Sohn jammert bei jeder sich bietenden Gelegenheit schon einmal pro forma und erklärt einem dann danach seelenruhig, das ging nicht anders, man muss ja jammern, wenn was kaputt geht, das Tochterkind probt den Aufstand wenn es nicht SOFORT seinen Willen bekommt, kommt damit aber seltenst sehr weit. Die damit einhergehende Steigerung des Lärmpegels, regt wiederum auch den Sohn zu lauterem Jammern an, damit ich ihn auch ja höre.
Meine Nerven machen das manchmal mit, öfters aber auch nicht. Oder nur so lange bis dann der Papa nach Hause kommt.
Selbiger trägt ja nun einen großen Teil zum Haushalt und zur Versorgung des Nachwuchses bei – vor allem morgens sorgt er dafür, dass die beiden Chaoten zumindest der Jahreszeit angemessen das Haus verlassen – und hat auch im Allgemeinen eher die Einstellung, dass lieber die Kinder glücklich, als der Haushalt in Ordnung sein sollten. Da kocht er sich dann auch gerne mal selbst sein Essen, wenn ich halt gerade lese oder spiele oder ähnliches Kindergedöns.

Manchmal aber kommt es durch – dieses Macho-Gen aus den 50er Jahren, dieser kleine fiese Zwerg, der ihn angesichts totalen Chaos und fehlender bereits zubereiteter Nahrung fragen lässt:

„Was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht?“

Bäm!!! Ohrfeige. Verbal nur, aber nicht weniger schmerzhaft. In mir krampft sich alles zusammen. Vor Wut, vor Trauer, vor Erschöpfung, vor Fassungslosigkeit über soviel Ungerechtigkeit. Ich möchte platzen, ausrasten – zugegeben meistens tue ich das auch – aber manchmal nehme ich es hin, sogar an. Frage mich: Ja? Was mache ich eigentlich den ganzen Tag!

Und weil wir gerade jüngst wieder einen solchen Vorfall hatten, beobachtete ich mich heute etwas genauer und hier nun kommt der Bericht zu meinem Versuch die Küche in einen erträglich ordentlichen Zustand zu bringen:


Vorhang auf.
Eine Küche. Die Akteure betreten die Szene.

Ich komme in die Küche, das Babymädchen auf dem Arm, schaue mich um.

Die Waschmaschine steht offen, daneben das vollgestellte Brett, das sonst immer darauf liegt – geht nicht anders, wir haben einen Toplader.

Überall steht Geschirr vom Frühstück, das keiner mehr wegräumen konnte, weil der Geschirrspüler zwar fertig aber noch nicht ausgeräumt war und man morgens aufgrund massiver Verspätung fluchtartig das Haus verlassen musste.

Der Herd ist vom vorabendlichen Kochen des Gatten noch, nun sagen wir, recht fleckig. Darauf liebevoll drapiert die benutzten, nicht machinengeeigneten Holzkochutensilien des Mannes, die er abzuwaschen keine Lust mehr hatte gestern. Und der große Topf.

Wo also anfangen.
Ach ja, erst mal das Babymädchen absetzen. Der Arm schmerzt schon. Der Rücken auch, aber egal.

Los geht’s.

Geschirrspüler auf, oberen Einschub raus, Geschirr ausräumen, auf dem Handtuch abstellen zum Nachtrocknen. Das Baby von der Maschine wegnehmen, die Klappe wieder öffnen, weiteres Geschirr entfernen.

Das Baby von der Klappe herunter nehmen, den unteren Schub ausziehen, Geschirr ausräumen, Baby wieder entfernen, Schub wieder herausziehen. Restliches Geschirr entnehmen.
Das Baby mitten in den Raum setzen, um schnell alles Geschirr einzuräumen.

Zwischen durch immer wieder laut Nein! rufen und dem Baby, den Plastikmüll wegnehmen. Das darauf folgende, wütende Geheul muss ignoriert werden, mehr Geschirr will in die Maschine.

Endlich die Maschine schließen, das Baby – wo kommt das jetzt auf einmal her? – daran hindern, alle Knöpfe zu drücken, es wieder in die Mitte des Raumes setzen.

Wasser ins Waschbecken lassen, dem Kind den Pappmüll wegnehmen, Holzutensilien abwaschen, das Baby aus dem Plastikmüll fischen, weiter abwaschen, die Schranktür schließen, den großen Topf abwaschen, die Schranktür wieder schließen, das Baby in die Mitte des Raumes setzen.

Puuuh!
Abwasch erledigt!

Herd schrubben. Geht schnell.

Gitter runter, Schwamm zur Hand, Schwamm aus der Hand, Baby die alte Bananenschale wieder wegnehmen, Biomüll schließen, laut Nein! Sagen, sich verarscht vorkommen, als das 13 Monate alte Mädchen energisch den Kopf schüttelt und NeinNeinNein sagt.

Mit der Hand am Biomüll.

Baby in den Raum setzen, Herd schrubben.

Schwamm erschrocken fallen lassen bei plötzlich eintretendem Geheul hinter mir.

AHA!

Wäscheklammer an der Hand! Erfordert sofortiges chirurgisches Eingreifen durch mich! Große Erleichterung nach Entfernen des Übeltäters. Noch größere Wut bei nicht sofort eintretender Rückgabe des Corpus Delicti an das Baby. Bitte! Dann soll sie doch.

Herd zu Ende schrubben, Gitter wieder drauf.

Den Plastikmüll wieder einsammeln – ernsthaft? Wie schaffen Babys das, knisternde Folie nahezu lautlos zu verteilen?

Das Waschbecken säubern, den Hahn ebenfalls. Dann die Tupperdosen wieder einräumen und den Schrank schließen. Mit etwas mehr Nachdruck als vielleicht nötig.

Den Besen zur Hand nehmen, mit dem Fegen beginnen. Den Besen aus Baby Klammerhändchen befreien, weiter fegen, dauert ja nicht lange, wir haben eine kleine Küche.

Den Handfeger und die Müllschippe suchen, in der Küche ablegen, das Baby hochnehmen und ausschütteln, den Besen zur Hand nehmen und noch mal alle Krümel zusammen fegen.

Abschließend den Haufen SOFORT! mit Schippe und Handfeger aufnehmen, damit ich das Baby daran hindern kann, den Plastikmüll zum drölfmiausendsten Mal auszuräumen.

Ich schaue mich um das Babymädchen auf dem Arm, und verlasse die Küche.

Vorhang fällt!

 

So geschehen heute bei uns!

Und sicher nicht nur bei uns, sondern in jedem Haushalt mit einem neugierigen, von Entdeckerdrang geplagten, interessierten, aufgeweckten Baby.
Kaum jemals kann man einen Handgriff zu Ende tun, andauernd wird man unterbrochen, lässt sich auch manchmal unterbrechen. Da kann ein halbstündiger Arbeitsaufwand schnell mal eineinhalb Stunden ausfüllen.

Und eigentlich weiß der Papa das auch!

Denn immer, wenn er was im Haushalt machen will sagt er:
„Hüte du mal die Kinder, ich komme ja sonst zu nichts!“

😉

frhoppe 25.04.2016

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15.04.2016 Geburtstag mit Kind oder das Ende der Sprachlosigkeit!

Ich muss ehrlich zugeben, ich war in den letzten Wochen nicht in der Lage, mich in Wort und Schrift hier zu äußern. Das lag zum einen an dem wahnsinnig geringen Rest an Zeit und Energie, den ich abends noch über hatte. Zum anderen fühlte ich mich einfach sprachlos angesichts all der Dinge, die in unserer Gesellschaft, unserem Land, unserer Welt so vor sich gehen.
Es folgte eine schlimme Nachricht nach der anderen und mit jeder Nachricht fühlte ich mich weniger fähig, mich zu äußern – zu so banalen Dinge wie dem Tagesablauf meiner Kinder. Wie kann ich nur darüber schreiben, was ihnen tagtäglich passiert, wenn es doch so viel wichtigere Themen auf der Welt gibt? Sollte ich nicht darüber schreiben?
Diese Frage lähmte mich, ließ mich wortlos bleiben.

Bis heute!

Denn nichts macht einem die eigene Bedeutung so bewusst, wie der eigene Geburtstag mit Kindern. Rückblickend betrachtet weiß ich gar nicht, warum ich dachte, dass heute irgendetwas anders wäre als sonst. Eigentlich hätte mir klar sein müssen, dass meine Kinder morgens nicht plötzlich kooperativ sind, nur weil Mama Geburtstag hat. Weil sie das nämlich gar nicht können – zumindest nicht in ihrem Alter. Das Mama Geburtstag hat, ist für sie kaum etwas besonderes, denn schließlich hat ja jeder Geburtstag.

So einfach ist das!

Und so genial!

Jeder hat Geburtstag, jeder hat Probleme, jeder hat seine Sicht der Dinge zu den Sorgen und Nöten unserer Welt. Für die einen sind sie wichtiger, für die anderen nicht. Und wenn ich an einem Tag keine Energie habe, mich zu den Problemen dieser Welt zu äußern, sondern lieber über die Probleme oder Freuden unseres Tages zu schreiben, dann ist das ganz okay so.

Weil es wichtig ist für mich!
Ganz bald also geht es weiter – vielleicht! Wenn mir danach ist!
Aber bestimmt!
Denn es gibt viel zu erzählen von meinen kleinen Zaubermonstern!

Frhoppe 15.04.2016