21.02.2016 „Die machen nicht grad Werbung in eigener Sache!“

Diese Aussage meines werten Mannes trifft den Ablauf der letzten Tage so ziemlich im Kern. Denn unsere letzten elf – ja, es waren elf Tage, seit ich zuletzt Laut gab – Tage waren alles andere als geruhsam, erholsam oder irgendwas-sam.

Unser Sohn ist gerade sehr anstrengend, ohne dass wir konkret sagen könnten, woran das liegt. Er selber weiß das glaube ich auch nicht so genau und ich denke, wir alle hoffen, dass es nur eine Phase ist.
Denn tatsächlich gehen wir mittlerweile alle ziemlich auf dem Zahnfleisch, die Stimmung ist gereizt, wir sind die permanenten Streitereien um jede Kleinigkeit ziemlich leid – gestern beispielsweise war der Grund für einen Wutanfall die Uneinigkeit über die Menge des Rühreis (Der Sohn wollte alles, wir wollten das nicht).
Dazu kommt der permanente Schlafmangel, denn das Zaubermädchen scheint an einem Zahn zu arbeiten und kommt drei bis fünf mal die Nacht und will trinken, oder getragen werden. Oder auch beides. Dabei ist sie ziemlich rabiat in der Einforderung ihrer Bedürfnisse und dieses permanente Gekratze, Gekneife und Geboxe geht irgendwann an die Substanz, weil man es ja dem Baby nicht wirklich vorwerfen kann. Sie besitzt ja die Vernunft noch nicht, zu wissen, dass sie damit jemandem weh tut. Sie drückt nur ihre Frustration über die Situation aus.
Und so haben wir eigentlich durchgehend irgendein jammerndes, bockendes, schreiendes, wütendes, weinendes Kind um uns und bemühen uns bei alledem die Ruhe zu bewahren, was uns leider nicht immer gelingt.
Und dann geschieht folgendes: Am letzten Sonntag war der Herzenssohn im Kindergottesdienst. Offenbar ging es um den Garten Eden und dessen Früchte, man bestimmte dort Obst und verarbeitete es anschließend zu einem Obstsalat, der gemeinsam verspeist wurde.
Als nun der Gottesdienst vorbei war, kam eine der Betreuenden zu mir und lobte meinen Sohn dafür, dass er so lieb sein, so aufmerksam zuhöre und überhaupt so verständig und hilfsbereit sei.
Es ist nicht das erste Mal, dass Außenstehende dies über ihn sagen – anscheinend ist er woanders immer besonders lieb und zuvorkommend, keine Spur von Wutanfällen oder Trotz.
Das sagte ich dann der Dame auch und sie meinte dann zu mir: „Dann sag auch nichts davon, dass es zu Hause anders ist. Gib ihm die Chance woanders jemand anderer zu sein, ohne dass sie von euren Problemen wissen. Das geht die gar nüscht an, wie es zu Hause ist.“
Das fand ich gut! Nicht uneingeschränkt, denn ich finde, dass wir in dieser Gesellschaft viel zu viele Probleme vor anderen verbergen. Aber im Ansatz, im Grundlegenden durchaus. Es hat mich zum Nachdenken gebracht

Warum hebe ich seine schlechten Seiten hervor? Warum relativiere ich seine positive Seite?

Ist es nicht besser, mich zu freuen, dass er woanders lieb ist und nicht ausrastet. Heißt es nicht, dass ich alles richtig mache, wenn er sich außerhalb seines geschützten Raumes „zu benehmen weiß“? Im Umgang mit anderen Menschen umsichtig und vorsichtig ist? Ihr Befinden und ihre Gefühle achtet, wertschätzt, was sie sagen?
Kann ich nicht eigentlich froh sein, dass er sich bei uns sicher genug fühlt, seine negativen Emotionen unkontrolliert heraus zu lassen, weil er weiß, wir sind da? Dass er sich an uns erprobt, weil er sicher ist, dass ihm bei uns nichts passiert?
Ich werde weiterhin offen sein darüber, dass es negative Seiten gibt am Elterndasein – erst kürzlich wurde mir dafür gedankt, dass ich nicht nur über das rosa Familienglück schreibe, sondern auch mit meiner zeitweiligen Verzweiflung offen umgehe. Ich werde sicher auch weiterhin öfter hier über die Wutanfälle de kleinen Mannes bloggen – irgendein Ventil braucht Frau/Mama ja.
Aber ich werde im persönlichen Umgang mit meinem Sohn uneingeschränkter auf seiner Seite stehen, werde so tun, als wäre es ja wohl bitteschön selbstverständlich, dass er sich gut benimmt, er sei schließlich ein wundervolles Kind.
Ich werde ihm den Rücken frei halten und ihm die Möglichkeit geben, auszuprobieren, was für ein Mann und Mensch er sein möchte

frhoppe 21.02.2016

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