18.01.2016 Wenn’s mal dringend ist…

Zitat des Tages:
„Wenn man so fährt wie Opa G., dann gehen alle Autos kaputt!“

Ich gebe offen zu: Ich besteche meinen Sohn! Wenn ich mit beiden Kindern abends allein bin und ich dringend darauf angewiesen bin, dass er mitarbeitet, dann biete ich ihm Pommes gegen Lieb-Sein an. Dazu sei gesagt, dass er unfassbar gerne Pommes isst – wie wahrscheinlich jedes Kind – sie aber seltenst möglich bekommt.
Was sie ja zu einem so guten Druckmittel macht und was uns wiederum in die heutige Situation des Tages brachte!

Zunächst aber sei vom Herzensmädchen berichtet, denn das kleine Genie hat sich heute von ihrer besten Seite präsentiert.
Zunächst legte unser fittes kleines Mädchen nämlich einen richtigen kleinen Sprint ein. Sie ist ja mit ihren zehn Monaten schon so weit, dass sie sich nicht nur an Gegenständen hochzieht – das allerdings tat sie schon mit acht Monaten – sondern mittlerweile auch an ihnen entlang läuft. Heute war sie nun der Meinung sie müsste das besonders schnell tun, um zu mir zu kommen. Und tappelte in so rasantem Tempo die zwei Meter der Schrankwand entlang, dass sie ein oder zweimal sogar freihändig war.
Wirklich freihändig stand sie dann einige Minuten später zwischen meinen Beinen. Und zwar ganz von sich aus und bewusst. Denn eigentlich saß sie sicher auf meinem Oberschenkel. Und plötzlich stemmte sie sich mit einer Hand an meinem T-Shirt hoch, wartete einen Moment und ließ dann den Stoff los.
Und da stand sie. Staunend, abwartend, austarierend und wundervoll in ihrer Begeisterung über ihren gelungenen Coup. Bestimmt fünf, na ja vielleicht auch zehn Sekunden stand sie auf ihren eigenen kleinen Beinchen, ohne sich irgendwo festzuhalten.
Und als wäre dieses kleine Wunder noch nicht genug für einen Tag, legte unsere kleine Maus nach, indem sie ein neues Wort lernte. „Mama“ und „Papa“ und „Da“ kann sie schon und heute entschied sie wohl, dass es der richtige Tag sei, nun endlich mal das schon seit Wochen wie doof vorgesprochene „Opa“ nachzusprechen! Groß war der Jubel als sie in ihrer unnachahmlich tiefen Heavy-Metal-Grummel-Stimme „OOOOO-Pah!“ formulierte! Und noch größer war er, als sie das auch gleich noch dreimal wiederholte.

Nachdem nun unser Tag so angefüllt war von Momenten des Glücks, war ich hinreichend gestärkt für die Abholung des kleinen Mannes. Dieser an sich schöne Abschnitt des Tages war heute eine etwas größere Herausforderung, denn nicht nur das der Herr Papa heute bis 23 Uhr arbeiten musste, er hatte gestern auch noch vergessen, die beiden Lieblings-Kuschelkatzen des Sohnes von Oma und Opa wieder mit nach Hause zu bringen.
Und wie es das beste Lieblingsmamilein der Welt so tut, wurden die beiden Seelentröster, Herzensfreundinnen, Autoritätskätzchen und Schlafkuschelchen natürlich nach der Kita noch von Oma und Opa abgeholt. Man stelle sich nur vor, eine zweite Nacht OHNE! Das geht ja gar nicht.
Entsprechend aufgedreht war auch das Kind.
Und da man seine Pappenheimer ja kennt, war mir schon klar, dass der Abend mit dem Söhnchen schwierig werden könnte.
Und damit kommen wir zurück auf den Beginn dieses Beitrages.

„Wenn du gaaaaaaanz lieb bist,“ – erfahrene Eltern stellen sich an dieser Stelle bitte den entsprechenden Tonfall dazu vor – „und dich heute Abend ganz lieb ausziehst und kein Theater machst, dann essen wir heute Pommes zum Abendbrot!“
Keine Frage, dass das Kind sofort ALLES versprach und keine Frage, dass ich ihm natürlich auch dieses Mal wieder glaubte, dass er sich heute vielleicht, unter Umständen, ganz eventuell doch noch an sein Versprechen erinnert, wenn es so weit ist!
Auf jeden Fall versetzt uns dieses kleine Schaustück der Korruption mitten in das folgende Szenario!

Eine Pommesbude vor einem Supermarkt. Es ist dunkel und kalt. Mutter und Sohn betreten den beheizten Vorraum der Bude. Die Mutter trägt ein Baby in einer Babyschale über der Schulter.
„Söhnlein, ich würde doch gerne zu Hause essen!“
„Nein! Ich will hier essen.“ antwortet das Kind bestimmt, sein Tonfall droht mit Jammerei, sollte sich der Plan ändern. Nun gut, ich hatte ihm genau das in Aussicht gestellt und wir alle wissen, wie flexibel Kinder in Sachen einmal gesagt sind! Richtig: GAR NICHT!
„Ich hätte gerne zweimal Pommes zum hier essen,“ sage ich seufzend zur Bedienung!
„Das dauert einen Moment!“
In jenem Moment dringt ein zaghaftes Stimmchen vom Tisch herüber: „Mama, ich muss mal pullern!“
Genau! Es muss pullern! Jetzt!
„Entschuldigung!“ rufe ich der Bedienung zu. „Wir hätten das doch gerne zum Mitnehmen!“
„Neeeeeeein,“ dringt der empörte Ruf des Kindes an mein Ohr. „Wir essen hier!“
„Käferchen, wie stellst du dir das vor? Hier ist keine Toilette und du musst pullern!“
Das kleine Kerlchen reckt sein Kinn und sagt: „Ich halte an!“
Ein zweifelnder Blick meinerseits: „Wirklich?“
Ein genervter Blick des 3(!) – jährigen Kindes: „Jahaaaa!“
„Ich glaube dir das jetzt, aber wehe, du musst dann doch!“ Eine Aussage, die so dämlich ist, dass selbst der andere Kunde hinter mir sein Lachen nicht unterdrücken kann. Und ich verstehe ihn. Die Situation ist doch recht absurd.
In diesem Moment kommt das Essen und wir verbringen einige Minuten in gefrässiger Stille. Und dann wird das Kind unruhig, zappelt und isst nicht mehr.
„Mama!“ Nun sag es schon mein Kind, raus mit dem Offensichtlichen.
„Ich muss jetzt ganz dringend pullern!“
Jaaaaa! Da sind sie! Die Worte, die ich eigentlich die ganze Zeit erwartet habe. Und nicht nur ich, denn auch die Bedienung hat blitzschnell die restlichen Pommes eingepackt!
„Wenn man muss, dann muss man eben,“ grinst sie und reicht uns die Tüte.
Und dann, als wir schon fast zur Tür raus sind, schießt der Lieblingssohn den Vogel ab!
„Mama, wir müssen noch mal zurück!“
„Wieso?“ frage ich erstaunt.
„Weil ich was trinken muss!“
Ich muss gestehen, ich habe gelacht. Das ist nicht nett, ich weiß und ganz bestimmt wird mein armer Junge jetzt sein Leben lang therapeutische Hilfe benötigen, aber ich konnte einfach nicht anders, als über Absurdität dieser ganzen Situation zu lachen.

Und für alle, die mich nicht über Facebook kennen, gibt es hier noch mein Highlight von gestern:
Da kommt Sohnemann doch gestern von Oma und Opa nach Hause und hat einen Strauß Narzissen in der Hand!
„Was ist das denn,“ möchte ich wissen?
„Das sind Blumen!“ Altklug, aber okay, nichts lehrt einen so gut präzise Kommunikation wie Kinder, nicht war!
„Das sehe ich, aber wieso hast du die?“
Da grinst das Kind und sagt:
„Die sind für dich!“
„Ooooh, wie schön und wo kommen die her,“ versuche ich zu erfahren.
„Aus dem Blumenladen,“ gibt Sohnemann Auskunft. „Da waren wir und ich habe Oma gesagt, sie muss die kaufen, du brauchst Blumen!“
Und das tolle ist, er klingt dabei so, als wäre dies das selbstverständlichste der Welt!
Da ist er also: Mein allererster, von meinem Sohn gekaufter Blumenstrauß, weil er findet, Mama braucht Blumen. Wenn das nicht der perfekte Grund für Blumen ist!
Und ein bisschen stolz bin ich auch, weil er es jetzt schon souverän drauf hat, andere seine Aufträge ausführen zu lassen!

Frhoppe 18.01.2016

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