11.08./12.08.2015 Wenn Kinder plötzlich verrückt spielen …

… dann ist es vielleicht Zeit sich selbst und das eigene Verhalten zu reflektieren.

Die letzten zwei Tage waren für uns alle sehr durchwachsen, sehr anstrengend, aber auch sehr schön. Begonnen haben sie schon sehr früh, denn unser Sohn beschloss an beiden Tagen, dass er um sieben Uhr morgens wach ist. Leider waren wir zeitgleich wegen einiger Umräumarbeiten in den beiden jeweiligen Nächten wiederum sehr spät im Bett – so gegen eins oder zwei – was nun naturgemäß dazu führt, das WIR um sieben definitiv nicht wach sind.
Schon gestern, aber heute besonders, war unser normalerweise schon recht aufmüpfiger Sohn richtiggehend renitent. Er hat jegliche Anordnung verweigert und nicht nur das, auch noch mit voller Absicht das komplette Gegenteil gemacht, was nur mit großem Glück nicht zu größeren Sachschäden und Verletzungen geführt hat. Die ganze Situation gipfelte am Abend darin, dass sowohl der Papa als auch ich eine Backpfeife bekamen und so lange getreten wurden, bis ich dem Kind androhte, es ohne Windel schlafen zu lassen, wenn jetzt nicht sofort Schluss sei. Dann erst ließ sich der kleine Mann wickeln, aber das war auch schon alles. Im Endeffekt waren wir alle völlig erschöpft, unglücklich – wegen der Hauerei fiel auch das abendliche Singen und Kuscheln aus – und als der Sohn endlich eingeschlafen war, saßen wir als Eltern im Wohnzimmer und hielten Kriegsrat.
Der Herzensmann fragte mich immer noch recht aufgebracht, was denn bloß in unser Kind gefahren sei, das könne man ihm doch nicht durchgehen lassen. Ich dachte sehr ernsthaft darüber nach. Natürlich kann und darf man einem Kind nicht alles durchgehen lassen. Gerade so ein starker kleiner Charakter braucht klare Grenzen an denen es sich reiben kann, aber verlangen wir zu viel? Verlieren wir zu schnell die Geduld? Oder diskutieren wir zu viel, sind zu inkonsequent?

Da saß ich nun und ließ die letzten Wochen passieren und ich muss sagen: Beides! Von jedem gerade soviel, dass es ein Kind vollends verwirren muss!

Geschuldet ist das sicherlich dem Stress unter dem wir mit der Hochzeit und den bis zum Wochenende andauernden Aufräumarbeiten standen. Dann wurde der Papa krank, vermutlich wegen der Hitze, vielleicht aber auch wegen eines Infektes. Eine Entschuldigung ist das aber nicht.
Rückblickend betrachtet habe ich in vielen Dingen sehr inkonsequent gehandelt. „Dann mach halt!“ höre ich mich öfters sagen, weil ich nicht den Nerv hatte, wieder etwas auszudiskutieren. Gleichzeitig bin ich öfters laut geworden, war sehr gereizt. Nicht dem Kind gegenüber, aber dem Papa. Wir haben uns öfter in die Haare bekommen und haben uns dabei auch nichts geschenkt. Der Papa wiederum ist nicht nur ebenso gereizt wie ich, sondern durch den Infekt so ausgelaugt, dass er zwar körperlich beim Sohn ist, aber gar nicht wirklich mit ihm agiert. Er liegt auf dem Bett, während der kleine Mann um ihn herum spielt oder er spielt zwar, aber insgesamt mit sehr wenig Kommunikation. Die einzigen Momente, in denen er viel und konzentriert mit seinem Sohn spricht, sind oft die, in denen der kleine Mann über die Strenge schlägt und zurechtgewiesen wird.Und das oft auch sehr harsch und laut.
Ist es da ein Wunder, dass unser kleines Männchen anfängt, uns anzuschreien? Ist es ein Wunder, dass er anfängt, alle Grenzen neu zu hinterfragen? Wenn ich respektlos mit dem Papa umgehe, warum soll er das dann nicht dürfen? Und wenn alle gereizt sind und schreien, warum muss er dann als einziger ruhig sein?
Das sind legitime Fragen und es sind Fragen, die ein Kind in große Verwirrung stürzen, sodass es dann eben mit Schlagen und Treten reagiert. Und auch wenn ich darauf direkt reagieren muss – denn das ist bei uns absolut tabu! – muss ich mich doch auch fragen, warum der Sohn so reagiert und muss mich mir selbst und meinem Verhalten stellen. Wir Eltern sind die Vorbilder unserer Kinder und was wir tun, ist für sie das Muster dessen, wie sie handeln.
Ich weiß, dass wir in den letzten Tagen, man kann sogar sagen Wochen, nicht immer perfekt gehandelt haben, oft nicht einmal richtig. Aber dazu bleibt mir eben auch nur zu sagen, dass wir Menschen sind und weit davon entfernt perfekt zu sein. Ich war heute beeindruckt von meinem Mann, der auf die Erläuterungen meiner Erkenntnisse nicht etwa mit Verteidigung reagiert hat, sondern mit Einsicht – Er wisse, dass er oft zu schnell laut werde und es tue ihm hinterher immer leid. Und er bedankte sich dafür, dass ich das angesprochen habe, denn den Zusammenhang hatte er trotzdem so noch nicht gesehen. Dennoch glaube ich, dass wir diese Phase gut überstehen können, denn jetzt, wo wir unsere eigene Mitverantwortung an der Situation erkannt haben, können wir daran arbeiten.
Es wird auch weiterhin klare Grenzen geben und es wird sicherlich auch nicht schlagartig ruhig und gesittet zugehen – wir sind hier ein Widder, ein Schütze und ein Skorpion im Ring – aber wir versuchen uns selbst und unsere Fehler zu betrachten und daraus zu lernen. Und eines ist sowieso klar: Auch wenn wir die Eltern sind, wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann wird sich entschuldigt! Das ist das mindeste und nur so kann man sein Kind zu einem empathischen Menschen machen.

Das wir eben doch nicht so viel falsch machen, zeigte sich gestern Nachmittag, als ich nach einem Streit weinend in der Küche saß. Das war ein deutliches Zeichen der Überreizung, denn eigentlich war der Streit tatsächlich gar nicht schlimm. Vor allem aber weine ich so gut wie nie und bisher auch noch nicht vor unserem Sohn.
Statt nun aber vor der Situation zurückzuschrecken, handelte unser wundervoller kleiner Mann. Er fragte nicht einmal – was für ein Kind in der Warum-Phase typisch wäre – „Warum weinst du denn?“, sondern kam einfach zu mir. Er legte mir die Arme um den Hals, gab mir einen ganz dicken, zärtlichen Kuss, sah mir in die Augen und sagte: „Mama! Du brauchst nicht weinen! Es ist alles gut.“ Dann gab er mir seine durchweichte Dinkelwaffel und sagte: „Hier, das musst du essen, dann weinst du nicht mehr!“
Es steht außer Frage, dass ich danach gar nicht mehr traurig sein konnte. Und morgen früh werde ich mich als erstes bei meinem kleinen Mann für den Stress der letzten Wochen entschuldigen!

Frhoppe 12.08.2015

10.08.2015 Ein großer Erfolg

Unser Morgen begann mit einem Experiment. Zunächst waren wir alle ziemlich guter Laune, jedoch schlug die Stimmung wieder einmal sehr schnell um, als wir den Sohn baten, sich auf das Töpfchen zu begeben. Quasi sofort fing er an zu jammern. Statt wie die Tage vorher jedoch ebenso sofort genervt zu sein, fragte ich ihn betont fröhlich: „Weißt du was? Heute versuchen wir mal den Tag ohne jammern zu verbringen.“ Das Kind hielt inne in seiner Jammerei, überlegte kurz und sagte dann: „Oh ja!“ So begeistert, als hätte ich vorgeschlagen, einen riesigen Eisbecher mit ihm essen zu gehen. Ich dachte mir nur, na mal schauen, ob du wirklich weißt, was ich von dir will.

Anscheinend schon, denn die Jammerei des Käferchens beschränkte sich heute auf ein Minimum. Und als wäre es des positiven nicht genug, hatten wir heute einen Riesenerfolg in Sachen Windelfrei.
Relativ spontan beschlossen wir heute morgen auf den nahegelegenen Spielplatz zu gehen und daher brachen wir auch ein wenig überstürzt auf. Normalerweise sind wir noch nicht so weit, dass der Sohnemann ohne Windel auf den Spielplatz geht, aber heute haben wir schlichtweg vergessen, ihm eine anzuziehen. Die Zeit verging, er spielte fröhlich, bis wir schließlich den Spielplatz verließen. Keiner dachte daran, dass das Kind vielleicht mal würde pullern müssen – warum auch, wir wähnten ihn ja ihn Windeln. Wir spazierten also durch den Park und entschlossen uns den dringend nötigen Einkauf noch schnell zu erledigen – der witzigerweise aus Windeln für beide Kinder bestand. Während wir dann also im Drogeriemarkt standen, zappelte das Kind auf einmal ungeduldig hin und her und griff sich in den Schritt. Da erst fiel mir auf, dass der Sohn keine Windel trug. Musst du pullern, fragte ich ihn und er sagte Nein, zappelte aber weiter. Kurzentschlossen schickte ich ihn mit meiner Freundin ins nächstgelegene Kaffee – für die kleinen Kinderfüße aber trotzdem bestimmt 5 Minuten weit weg – und bezahlte schnell die Einkäufe, um anschließend dem Sohn hinterher zu eilen. Im Kaffee angekommen, entdeckte ich den kleinen Mann und meine Freundin auf der Bank sitzend. Man hatte sich nicht getraut auf der Toilette zu pullern. Zwischen Feststellung der Misere im Drogeriemarkt und diesem Moment waren nun immerhin weitere 10 Minuten vergangen und immer noch hielt der kleine Mann das Pipi an. Ganz brav ging er dann mit mir auf die Toilette, die sehr kinderfreundlich über ein Töpfchen verfügte und da plätscherte ein kleiner See aus dem Kind hinaus. Es war also wirklich sehr dringend und trotzdem hat unser toller kleiner Mann die ganze Zeit angehalten.
Zusätzlich zu meinem überschwänglichen Lob und den Bekundungen meines Stolzes ob dieser Leistung, gab es dann in jenem Kaffee auch noch zwei Kugeln Eis. Eine extra Belohnung, die er wohl zu würdigen wusste, denn normalerweise gibt es eine Kugel und das auch nur höchst selten. Aber besondere Ereignisse bedürfen besonderer Belohnungen.

Frhoppe 10.08.2015

 

08./09.08.2015 Unser Wochenende

Vorweg gegriffen lässt sich sagen: Unser Wochenende war toll. Wir hatten sehr viel Zeit für uns als Familie, ich konnte mich beiden Kindern widmen und hatte sogar noch etwas Zeit, Dinge zu erledigen, die mir wichtig waren – Blog aktualisieren, Fotos sichern usw.
So schön es alles in allem aber auch war, haben wir etwas an unserem Sohn bemerkt, dass uns ein wenig hilflos zurück lässt.
Er jammert!
Und zwar nicht nur mal so am Rande, wenn er müde ist, sondern in einer Tour fort. Es beginnt morgens mit dem Aufstehen und endet abends beim ins Bett gehen. Egal, worum es geht, jederzeit kann die Sirene angehen und wir haben langsam das Gefühl nichts mehr richtig machen zu können. Lassen wir ihn helfen, will er nicht, sagen wir „Dann lass es!“, will er auf einmal doch.
„Ich kann nicht!“, „Ich will nicht!“, „Das geht nicht!“ sind derzeit die häufigsten Sätze bei uns. Und immer vorgetragen in einer weinerlich, quengelig, möglichst lautstarken Art. Mal ganz davon abgesehen, dass dies irgendwann das stärkste Nervenkostüm angreift, weiß ich langsam ganz grundsätzlich nicht mehr, wie ich damit umgehen soll.Sätze wie „Du bist doch ein Junge!“ kann ich da gar nicht hören. Warum sollen Jungs weniger Recht haben zu weinen oder mal über die Gesamtsituation zu jammern. Aber unser Sohn jammert wirklich in einer Tour. Hemd verkehrt herum. Wuäääh. Hose nicht übern Hintern bekommen. Wuähhh. Toast falsch gefaltet. Wuähäää.
Unabhängig davon, ob er ein Junge ist oder nicht – und auch davon, dass ich es nicht mehr hören kann – finde ich einfach, dass er es sich damit zu einfach macht. Wir sollen ihm immer und bei allem sofort helfen. Er macht quasi nichts alleine. Und jedes Mal helfen will ich ihm einfach nicht. Er soll auch lernen, dass er ganz viele Sachen alleine machen kann und das wird er nicht, wenn er es nicht einmal versucht.
Es ist wirklich schwierig im Moment da an ihn heranzukommen, denn er schaltet auf Durchzug, wenn ihm nicht sofort geholfen wird. Und leider, leider, leider habe ich mich selbst schon das ein oder andere Mal bei Sätzen ertappt, wie „Jetzt hör doch endlich mit dem Geplärre auf. Das ist ja nicht auszuhalten!“ oder „Du nervst mit deinem ewigen Geheule!“
Ich hoffe sehr, dass ich öfter die Ruhe und die Geduld habe, die mir heute morgen gegeben war. Als nämlich der Sohn weinend und jammernd darauf beharrte, dass er seine Schlüppi nicht alleine anziehen könne, erklärte ich ihm sehr ruhig und ernsthaft, dass ich vollstes Vertrauen habe, dass er das schafft, denn er sei schließlich ein ganz großartige, kluger, kleiner Junge, der schon ganz viel kann, wenn er es denn nur versucht! Denn da klappte es nämlich auf einmal – wenn auch weiterhin jammernd – ganz wunderbar mit dem Anziehen.
Ich frage mich, wie das bei anderen Eltern ist! Ist das eine Phase? Wie gehen die anderen Eltern damit um? Muss denn mein Kind nicht auch lernen, Situationen selbst zu bewältigen? Und ab wann lasse ich ihn im Stich, wenn er Dinge ganz allein machen muss?
Fragen über Fragen, die mich dieses Wochenende begleitet haben! Vielleicht finde ich ja nächste Woche einige Antworten darauf…

Frhoppe 09.08.2015

07.08.2015 Ein vielversprechender Anfang

Unser allerliebster kleine Mann war heute den letzten Tag in der Kita. Also nicht für immer, aber immerhin für drei Wochen. Denn es ist Kitaschließzeit. Ganze drei Wochen ist unsere Kita jetzt zu und der Sohnemann zu Hause!

Wie ich ja schon jüngst andeutete, erprobt unser Skorpiönchen im Moment mit Vorliebe seinen Stachel. Der Nachteil daran, ein willensstarkes Kind zu erziehen, das weiß, was es will, ist nämlich, dass man dann ein willensstarkes Kind hat, das weiß, was es will! Und dies geht nicht immer konform mit dem was Mama und Papa wollen.
Manchmal nimmt das dann auch absurde Auswüchse an – so geschehen heute beim Abendessen. Da regte sich unser kleines Monster aber auch wirklich über alles auf. Es begann mit dem Wasser, welches er gar nicht sofort trinken, wohl aber auf den Tisch stellen sollte. Das wollte der Sohn aber nicht und wetterte drauf los, bis wir sagten: „Wasser auf den Tisch, vorher gibt es kein Essen!“ Totternd tat er wie ihm befohlen. Kaum im Wohnzimmer kam es zum nächsten Eklat. Ich hatte – Rabenmutter, die ich bin – sein Besteck schon in die Stube getragen. Geht GAR nicht! „NEEEEEIN!!! ICH muss das reintragen!!“ Sprachs, nahm sein Besteck vom Tisch, brachte es in die Küche, legte es auf die Anrichte, nahm es wieder runter und brachte es zurück ins Wohnzimmer. Soweit, so wunderlich. Während der Papa nun unsere Teller in die Stube brachte, band ich dem Sohn seinen Latz um – nur war es leider nicht der, den er wollte. Er wollte den weißen Latz, nicht den durchsichtigen. Es schrie und plärrte, warf sich nach hinten, riss den Latz immer wieder herunter und beruhigte sich erst, als sein Teller vor ihm stand. Allerdings auch nur, um zu monieren, dass es Pilze auf dem Teller hatte. Es gab nämlich heute Pfifferlings-Risotto.
„Ey, ich ess doch keine Pilze!“ Stimmt nicht und das sagte ich ihm auch.
„Seit wann denn das? Du hast immer Pilze gegessen!“
„Nein ich ess die gar nicht! Die sollen auf deinen Teller!
Das wiederum sah ich so gar nicht ein. Wenn er sie nicht essen will – Fein! Aber dann soll er gefälligst sehen, wo er die auf seinem Teller lässt und sie nicht alle zu mir rüberschaufeln. Vor allem, da er sie nicht einmal probieren wollte. Hmpfgrmbl!
Leider löste meine Weigerung, seine großzügig offerierten Pilze entgegen zu nehmen, einem weiteren Wutanfall aus, der sich nur dadurch eindämmen ließ, dass ich ihm den Teller wegnahm und ihm todernst mitteilte, wenn er weiter so brüllte, dann dürfe er in sein Zimmer gehen. Ich jedenfalls würde mir das nicht länger anhören, ich wollte jetzt in Ruhe essen.
Vielleicht hat er gemerkt, dass es mir ernst war, vielleicht war er aber auch einfach nur erschöpft und hungrig. Was es auch immer war, das Kind nahm nun seine Gabel und aß – das Hackfleisch und den Risottoreis. Die Pilze und die Zucchini wurden fein säuberlich heraus sortiert und liegen gelassen. Aber immerhin auf seinem Teller.
Und ich sitze nun hier und hoffe, dass dies nicht drei Wochen so weitergeht. Dann bin ich nämlich am Ende der Kitaschließzeit reif für die Nervenheilanstalt!

Frhoppe 07.08.2015

06.08.2015 Ich liebe meine Tochter – Endlich!

Ich weiß, dass ich das schon öfter schrieb. Ich weiß, dass ich das schon oft gesagt habe. Ich weiß, dass ich immer, jederzeit und überall, alles für sie gegeben hätte und für sie geben würde. Aber ich weiß auch, dass ich diese tiefe, allumfassende Liebe, die bei unserem Sohn vom ersten Tag an da war, nicht empfunden habe.

Vielleicht lag es an dem Stress der letzten vier Monate, daran, dass ich eigentlich nie zur Ruhe kommen konnte, einfach mal innehalten und diesen kleinen Menschen betrachten. Wann immer ich mich mit ihr befasste, war es, um sie zu stillen, zu trösten, ihr Bauchweh zu beseitigen oder um sie zu wickeln. Wenn ich nicht bei ihr war, dann kümmerte ich mich um die Hochzeitsvorbereitungen, um den Haushalt – auch wenn mein Mann dabei wirklich vorbildlich mithalf, aber er arbeitet ja auch –, um Einkäufe oder eben um unseren Sohn. Das da etwas nicht richtig lief, konnte ich zunächst nicht richtig ausdrücken, kaum benennen, denn ich wusste, ja ich liebe sie. Aber wenn sie wieder einmal zwei Stunden schrie und dann ruhig war, sobald der Papa nach Hause kam, wenn sie zwar endlich einmal länger schlief, aber genau dann wieder wach wurde, wenn ich mich gerade hin gesetzt hatte, wenn ich manchmal bis mittags noch nichts gegessen oder mich vom vielen Herumtragen mit Magenschmerzen auf dem Boden wälzte, dann liebte ich sie, ohne dieses Gefühl zu empfinden. Ich sah sie an und funktionierte nur noch. Fliegergriff, Stillen, Wickeln, Bauchmassage – alles immer sanft, alles immer beherrscht, nie am Rand der Kontrolle, aber eben mechanisch.
Das erste Mal wirklich bewusst sagen, konnte ich das einige Wochen vor der Hochzeit: Mein Mann sah unser Babymädchen verzückt an und freute sich: „Sieh sie dir an. Sie ist so schön. Ich freue mich so, sie zu haben.“ Ich zögerte einen Moment und nahm dann meinen Mut zusammen. „Ich weiß…Aber ich kann mich nicht mehr freuen, wenn ich sie sehe!“ Mein Mann reagierte genau richtig. Er blieb ruhig, fragte, wie das käme und was wir dagegen tun könnten und auch warum das jetzt bei ihr so ist und beim Sohn nicht so war – etwas, dass ich mich selbst auch schon voller Schuldgefühle gefragt hatte. Die Lösung des Problems war einfach. Ich war seit der Geburt und vorher durch eine Grippeerkrankung des Gatten bedingt auch schon, immer nur auf Hochtouren gelaufen. Beim Sohn war alles traumhaft verlaufen. Ich war die letzten zwei Wochen vor der Geburt sehr entspannt, konnte viel Ruhe tanken, mich erholen und Kraft sammeln. Der Sohn kam eine Woche früher, die Geburt verlief im Großen und Ganzen unkompliziert und die Rekonvaleszenz durfte ich in vollen Zügen genießen. Ich wurde umsorgt, mir wurde Essen gebracht, man ging sogar schon ab der zweiten Woche ein bis zwei Mal pro Woche für etwa ein bis zwei Stunden mit dem Sohn spazieren, sodass ich zumindest diese Zeit für mich hatte. Da es mir aufgrund der PDA und anderer kleinerer Komplikationen auch noch nicht wirklich gut ging, nahm ich mir die Zeit für mich. Und vor allem nahm ich mir die Zeit für das Kennenlernen mit unserem Sohn. Wir konnten viel kuscheln, wir verbrachten lange Stunden auf der Couch – Bauch an Bauch und so zärtlich. Ich sang ihm vor, ich erzählte ihm Geschichten und bewunderte ihn einfach nur! Alles ganz wunderbar also!
Beim Babymädchen begann alles ganz anders. Zweieinhalb Wochen vor dem Termin bekam der Papa die Grippe – also keine Männergrippe, sonder so die richtige. Nix Entspannung also und Füße hochlegen. Mann, Sohn, Haushalt und Einkauf erledigen, während schon jetzt aufgrund der Hustenanfälle des Gatten kaum mehr von Nachtschlaf die Rede sein konnte. Pünktlich zum errechneten Termin und sehr zu unserer Erleichterung war der Gatte dann genesen, das Kind also konnte kommen.
Allein es kam nicht!
Ganze zehn Tage ließ sich sie sich Zeit – zehn Tage voller CTGs und Ultraschalluntersuchungen, voller Bangen und Zweifeln, voller Warten und Hoffen. Es war eine schwierige Zeit für mich, denn nicht nur haderte ich mit mir, weil ich es „nicht schaffte, meinem Kind natürlich auf die Welt zu helfen“, es gab auch einen Grund für die Eile, denn meine beste Freundin sollte am 17.03. nach Irland auswandern. Ohnehin schwer genug für uns beide, aber dass sie nun auch noch mein Babymädchen verpassen sollte, das war ein schier unerträglicher Gedanke. Und doch kam es so. Um ganze zwei Tage verpassten sie sich. Wenigsten machte sich unsere Tochter, nachdem wir uns schweren Herzens für eine Einleitung am nächsten Tag entschieden hatten, dann nächtens doch noch allein auf den Weg. Die zweite Geburt war, wenn möglich, sogar noch unkomplizierter. Sie ging schneller, ich brauchte keine PDA und mir ging es quasi sofort wieder richtig gut. Vielleicht war das genau das Problem, denn so hatte ich keinen Grund mich zu schonen. Voll einsteigen war die Devise. Im Haushalt, bei Verwandtenbesuchen, aber vor allem beim großen Sohn. Ich wollte allem gerecht werden. Saubere Wohnung? Schaff ich, mir geht’s ja gut. Verwandte jeden zweiten Tag? Na klar, ich will sie ja auch sehen und mir geht’s ja gut. Den großen Sohn auf keinen Fall vernachlässigen? Das versteht sich ja wohl von selbst und: Mir geht’s ja gut!
Und so war es auch. Mir ging es gut! Ich war fit und auch glücklich.
Und verpasste den Moment, mir Zeit für mich und für unsere Tochter zu nehmen. Kaum waren die Besuche vorbei, ging es mit der Hochzeitsvorbereitung los. Der Papa musste auch wieder arbeiten und so kam es auch öfter vor, dass ich mit beiden Kindern abends allein war und sie eben auch beide allein ins Bett bringen musste. Wer das schon mal mit einem naturgemäß aufmüpfigen zweieinhalbjährigen Neubruder und einem kollikgeplagten, brüllenden Neugeborenen gemacht hat, der weiß, dass man da schnell ziemlich fertig ist. Das war die Zeit der Magenkrämpfe, über die ich ja auch geschrieben hatte. Dazu kamen dann die Osteopathietermine und die Bobathterapie. Aber ich schaffte das alles und mir ging es ja gut!
Zumal mir der große Sohn auch abgenommen wurde. Verschiedenste Großeltern holten ihn wechselnd von der Kita ab – so oft, dass dies im Entwicklungsgespräch angesprochen wurde. Ihnen sei aufgefallen, dass der Sohn gehäuft von jemand anderem abgeholt würde, sie würden uns raten, ihn doch lieber öfter selbst abzuholen. Die Kita meinte das gar nicht böse, verstand sogar meine gutgemeinten Irrglauben, ich würde ihm damit etwas Gutes tun, schließlich bekäme er da die ungeteilte Aufmersamkeit und müsse sich nicht langweilen, weil das Baby gerade schreit. „Aber manchmal wollen sie einfach bei Mama sein, egal ob sie Zeit hat!“ Ich verstand das und fortan wurde der Sohn nur noch eins, manchmal zweimal die Woche von jemand anderen aus der Kita abgeholt. Dann verbrachte er einen schönen Nachmittag und kam fröhlich und erschöpft wieder. Nur mit dem Babymädchen ging niemand spazieren. Sie war immer bei mir! Und wenn sie mal nicht bei mir, sondern beim Papa war, dann nutzte ich die Zeit, um endlich mit dem Sohn zu spielen und zu kuscheln. Ich war immer in Habachtstellung, immer mit einem Ohr beim Kind, niemals wirklich entspannt.
Gesagt habe ich das niemandem. Ich habe das schließlich so gewollt! Ich hätte ja kein zweites Kind bekommen müssen! Und schon gar nicht so schnell. Zumindest dachte ich, dass die anderen so denken würden. Und ich gab ihnen ja auch irgendwie Recht. Also sagte ich nichts. Machte sogar allen vor, dass ich gar keine Sorgen hätte.
Bis zu dem Tag, als ich mit dem Mann sprach. Seitdem ist es ein wenig besser geworden. Wenigstens ein paar Mal war jetzt schon jemand mit dem Babymädchen spazieren, während Sohnemann nicht da war. Ich konnte zu den Chorproben und an meinem Junggesellinnenabschied hatte ich fast den ganzen Tag kindfrei.
Trotzdem traf es mich nach der Hochzeit wie ein Schlag, dass mein kleines Mädchen schon vier Monate alt ist. Sie ist so fit und so schnell in allem, dreht sich schon und versucht zu krabbeln, wird wütend, wenn sie es nicht schafft und stützt sich dann vor Wut doch schon auf die Hände. Sie erzählt – noch viel mehr als es ihr Bruder in diesem Alter getan hat, brabbelt in einem fort vor sich hin und uns an. Sie lacht und zieht Grimassen, freut sich, wenn wir sie anlachen und liebt es über Kopf gehalten und in die Luft „geworfen“ zu werden. Je doller es wackelt, desto mehr giggelt sie.
Und so kam es:
Gestern nachdem wir wie wild herum gealbert hatten und sie ihr neuestes Können mit dem Mund bewiesen hatte – nämlich Bwwwwwwwwwww, mit wackelnden Lippen und viel Spucke – schlief sie ein! Eine Weile später wachte sie auf. Ich stand zufällig gerade in der Tür und beobachtete sie. Sie hob ruckartig den Kopf – weil sie sich selbst im Schlaf auf den Bauch dreht, war sie in Bauchlage –, sah sich verschlafen suchend um und erblickte mich schließlich. Ihr Augen begannen zu leuchten, sie lachte über das ganze Gesicht und strampelte wie wild mit beiden Armen und Beinen, so sehr freute sie sich, mich zu sehen.
Das war er! Der Moment, in dem sich all die Liebe, von der ich wusste, dass sie da in mir sein muss, Bahn brach. In der sich sprichwörtlich mein Herz verkrampfte und ich nicht nur wusste, sondern fühlte, das ist mein Herzensmädchen! Mein Ein und alles! Und erstaunlicherweise ist es eine andere Liebe als die zum Sohn. Es ist schwer den Unterschied zu benennen, denn die Intensität ist die gleiche. Aber vielleicht ist sie nicht so unbeschwert. Ja! Ich denke, das ist es. In dieser Liebe steckt viel mehr Sorge, denn ich weiß, was auf sie als Mädchen, als junge Frau, als Erwachsene und später als Mutter zukommen wird. Und ich hoffe, sie wird dann immer wissen, wie sehr sie geliebt wird!

Frhoppe 07.08.2015

05.08.2015 Was für ein höfliches Kerlchen!

Heute waren wir – wieder einmal – auf einem Geburtstag. Unser eigentlich ja sehr gut hörbarer und vor allem meist gar nicht zurückhaltender Sohn, zeigte sich jedoch heute von seiner schüchternen Seite.

Zunächst waren wir ja noch allein mit dem Gastgeber, ganz einfach, weil wir die ersten waren. So weit so gut, der Sohn kennt ja das Geburtstagskind – nämlich Papas besten Freund – sehr gut und war dem entsprechend mopsfidel. Er half beim Tisch decken, beim Stühle rücken und beäugte schon schelmisch den Kuchen. Dann jedoch klingelte es urplötzlich an der Tür. Was sollte das? Wer kam da? Erste Maßnahmen wurden ergriffen, dergestalt, dass man sich erst einmal hinter Mamas Bein versteckte. Nachdem der angekommene Gast jedoch nur in einer Frau bestand, ließ sich das Käferchen überzeugen, auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Er suchte sich einen aus und wollte auch unbedingt auf diesem sitzen, auf keinem andern. Jener Stuhl jedoch stand unglücklicherweise etwas weiter entfernt von meinem Sitzplatz auf dem Bett und so saß irgendwann mit steigender Gästezahl jemand zwischen uns und unserem Kind. Dieses reagierte darauf mit einem Höflichkeitsausbruch. Die Beine artig nebeneinander hängend, die Hände im Schoß gefaltet, schaute er stumm in die Runde. Nach einem Stück Kuchen gefragt, antwortete er „Ja, bitte!“ und vor die Wahl gestellt, ob er Wasser oder Milch wolle, schlug er die Augen nieder und sagte sehr gesittet: „Wasser bitte!“ Die anwesenden Gäste zeigten sich begeistert von soviel Höflichkeit und freuten sich, wie gut erzogen unser Kind doch sei. Wir lachten dazu nur trocken und baten um eine halbe Stunde Zeit zur Akklimatisierung. Dann würde sich das schon geben!
Und wirklich – kaum war der Kuchen abgeräumt und damit der Grund noch länger am Tisch zu bleiben, taute unser kleines Kerlchen auf und mutierte zum dem Schadwild, dass wir kennen. In Sekundenschnelle hatte er alle Gegenstände in der Wohnung erfasst, die möglichst viel und möglichst nervigen Lärm machen. Zum Glück für uns hatten die Gäste alle selbst Kinder, die sich in solchen Situationen ebenso verhalten. So wurden die meisten Aktionen nicht nur mit einem gutmütigen Lachen quittiert, sondern manchmal auch noch angeheizt.
Für uns war das aber wieder einmal sehr lustig, zu sehen, welch großartiger Schauspieler in unserem Kinde steckt. Denn würde ich ihn nicht kennen, ich hätte meinem Sohn die Darbietung des braven Knaben sofort abgenommen.

Frhoppe 07.08.2015

04.08.2015 Schnuffeltuch oder Lieblingsplüschtier!

ODER??? UND!!!!

Die meisten Kinder haben ja tatsächlich entweder oder! Nicht so unser Sohn. Zunächst sah es ja so aus, als würde unser Käferchen sich für die Variante Tuch entscheiden. Nachdem er mir mein damals geliebtes Halstuch quasi vom Hals weg geschnuffelt hat, kam nach einiger Zeit ein zweites Tuch dazu, das ebenfalls heiß und innig geliebt wird.
Ich zeigte mich damals erleichtert, lässt sich doch ein Tuch so viel leichter reinigen, nämlich indem man es einfach in die Waschmaschine überführt – zumindest sofern man das Kind von der Notwendigkeit einer Reinigung überzeugen kann. Soviel sei verraten: Es ist mit viel Geduld und Überzeugungsarbeit verbunden, die nicht immer erfolgreich ist.
Im Oktober letzten Jahres dann zeigte sich Sohnemanns Cousine überaus großzügig. Nachdem unser Kind auf einer Geburtstagsfeier begeistert mit ihrer großäugigen schwarzen Plüschkatze gespielt hat, entschied sie ganz plötzlich, diese Katze zu verschenken, weil unser Sohn jenes Plüschtier ja so gern hat! Und da sich unser Sohn selbst in seinem Alter schon erstaunlich häufig merkt, von wem welches Geschenk ist und diese dann auch ins Herz schließt, hatten wir nun also eine Plüschkatze, die uns auf Schritt und Tritt begleitete. Abends einschlafen ohne Tücher oder Kimmi – so der Name der Katze – konnten wir vergessen. Fürderhin hatten wir also Schnuffeltuch UND Lieblingsplüschviech. Natürlich verbunden mit dem entsprechenden Drama als eben jenes zeitweise verschwunden war. Auch wenn die großartige Oma mütterlicherseits genau diese Katze noch einmal nachkaufte – eigentlich zweimal, nur um sicher zu gehen – die echte Kimmi fehlte eben doch und so war die Freude entsprechend groß, als wir das Tier wundersamerweise im Kinderwagen wieder fanden. Die Ersatzkimmi wanderte wieder in den Schrank und schaute von dort auf uns herab, bis … ja bis der Sohn sie vor etwa vier Wochen dort entdeckte. Seitdem sind wir stolze Eltern eines Kindes, das über zwei (identische) Kuscheltiere und zwei Schnuffeltücher verfügt – die natürlich überall mit hin müssen.
Und wer jetzt denkt, dass dies alles nur Quatsch ist, der hätte heute unser Kind sehen müssen. Aus Gründen der Erziehung hatten wir nämlich die Schnuffeltücher einige Tage in Geiselhaft, denn unser Kind war der Ansicht, selbige mutwillig in den Dreck schmeißen zu müssen. Heute war nun endlich der Tag an dem wir ihm seine Tücher wiedergaben und sein Blick war wirklich unbezahlbar. Die blauen Augen wurden immer größer und strahlender, ein seliges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus und er streckte die Arme geradezu gierig nach seinen Tüchern aus. „Meine Tüüüüücher … !“ rief er. Als er sie dann endlich in den Händen hielt, presste er sie an seine Nase und nahm einen tiefen Atemzug, bevor er einmal richtig damit schnuffelte. Merke also: Eines Kindes Schnuffeltuch ist durchaus lebensnotwendig!

Frhoppe 06.08.2015

03.08.2015 Große Augen in der Kita und die Macken eines kleinen Skorpions

Heute morgen durfte unser kleiner Punk in der Kita seine neue Frisur präsentieren und sie wurde mit großen Augen, aber auch sehr positiv aufgenommen. Was mich aber auch nicht wirklich wundert, denn im Grunde genommen passt dieser Haarschnitt zu unserem Sohn, wie Faust aufs Auge. Während er nämlich zunächst ganz niedlich und lieb wirkt, ist er bei näherer Betrachtung doch ein ziemlicher Wildfang. Natürlich ist unser Käferchen grundzahm und wirklich sehr lieb und verschmust, aber er ist eben auch ein wahrhaftiger kleiner Skorpion. Wo er kann, stänkert er, probiert permanent aus, wie weit er gehen kann. Und wenn er am Limit angekommen ist, dann macht er einen Schritt weiter, einfach nur um zu sehen, was passiert. Das führte zum Beispiel gestern dazu, dass die frisch befüllte Bademuschel quasi sofort wieder ausgekippt wurde, denn ich bat den Sohn seinen Buddelsand NICHT in das Wasser zu überführen, oder ich würde das Wasser auskippen. Drei mal dürft ihr raten: Er schaute mich an, überlegte kurz und entschied dann sehr bewusst, mich auszutesten, indem er sich grinsend eine Hand voll Sand holte und sie ins Wasser rieseln ließ. Zu diesen und ähnlichen Situationen kommt dann noch die Sache mit dem Bock. Wenn er etwas nicht machen will, dann will er nicht oder umgekehrt, dann schreit, ja kreischt er sogar, wird puterrot im Gesicht und ballt seinen ganzen Oberkörper zur sprichwörtlichen Faust. Man merkt, dass er stinkwütend ist und nicht weiß wohin mit seiner Wut. Meistens bekommen wir ihn da nicht heraus, sondern müssen warten, bis er sich von selbst beruhigt. Heute jedoch hat er sich erfolgreich selbst aus dem Konzept gebracht.
Er wollte nämlich nicht auf der Toilette pullern. Papa hat ihn aber einfach trotzdem drauf gesetzt und ihn sich vor ihm hingehockt, um ihn am Verlassen der Toilette zu hindern. Dieses Vorgehen löste nun den beschriebenen Bock aus. „Ich will nicht pullern. NEEEEIIIIN!!! Ich puller nicht!“ Hat er auch nicht. Vor lauter Wut hat er aber das erste Mal auf der Toilette groß gemacht, was ihm furchtbar unangenehm war. So unangenehm, dass er völlig vergaß wütend zu sein. Stattdessen war er verwirrt und zwar so sehr, dass er nicht einmal das Belohnungsgummibärchen annehmen wollte, bevor er nicht gespült, sich die Hände gewaschen und seine Hose wieder angezogen hatte. Dann kam er ins Wohnzimmer stolziert und verkündete: „So Mama, jetzt kann ich ja das Gummibärchen essen!“

Frhoppe 03.08.2015

02.08.2015 Das Wochenende der ersten Male – oder warum man nicht aus dem Hundenapf trinken sollte …

Nachdem unser kleiner Chaot ja schon am Freitag Bekanntschaft mit der ernährungsbedingten Missfunktion seines Magen-Darm-Traktes machen durfte, gab es heute unglücklicherweise eine weitere Premiere in unserem Hause.

Sehr jämmerlich rief unser Sohn des Morgens nach uns, was uns schon per se aufhorchen ließ, denn nach uns rufen ist nicht so sein Stil – er kommt lieber direkt ins Schlafzimmer. Als wir die Tür zum Kinderzimmer öffneten, wurde uns allerdings klar, warum er uns gerufen hatte. Ein kleines Häufchen Elend schaute uns aus tränenumflorten Augen sehr beschämt an und sagte: „Ich hab gekackert.“ Was daran so beschämend sein sollte, war uns zunächst nicht klar, immerhin trug er ja eine Windel. Als Papa dann aber die Decke hob, entdeckten wir das Unglück, denn nun hatte uns auch das Übel Durchfall zum ersten Mal erwischt.
In Erinnerung an den freitäglichen Vorfall vermuteten wir spontan, doch einen Magen-Darm-Infekt, jedoch kam uns sofort der relative, zeitliche Abstand merkwürdig vor. Bei dieser Art Infekt tritt ja alles gleichzeitig und vor allem andauernd auf. Beide Vorfälle waren jedoch Einzelfälle und zudem noch zeitlich recht weit auseinander liegend. Ich beschloss noch das Frühstück – magen- und darmschonender Haferschleim – abzuwarten und entschied nach einiger Wartezeit, dass es wohl doch verspätete Folgen der Schokodrops-Eskapade gewesen sein mussten, die da zugeschlagen hatten.
Dann jedoch trafen wir uns heute noch einmal mit unseren Freunden im schwiegerväterlichen Garten, um das schöne Wetter zu genießen – ich hatte die Freunde zwar gewarnt, dass wir eventuell ansteckend sein könnte, aber die Mama meinte, sofern der Sohn gut drauf sei, kein Fieber habe und nicht alle fünf Minuten auf Klo müsste, würde sie es riskieren. Genau so war es und so stellten wir im Garten beisammen sitzend fest, dass der Grund für die plötzliche Darmüberfunktion unseres Sohnes wohl doch eine recht offensichtliche Ursache hatte: Am Vorabend erwischten wir ihn, wie er mit der heimlich dem Hund gestohlenen Hundewasserschale Wasser aus der kleinen, exzessiv genutzten Muschel schöpfte und dieses dann komplett austrank. Da wundert einen doch wirklich überhaupt nichts mehr!
Dem kleinen mann geht es im Übrigen bereits seit heute Vormittag wieder richtig gut, es gab keine weiteren Unfälle, wenn man mal von dem abendlichen Pinkelunfall absieht. Aber der gehört eher in die Kategorie Töpfchentraining und kam nur zustande, weil wir nicht schnell genug waren. Aber immerhin kommen wir so beim Bettwäsche wechseln nicht aus der Übung.

Frhoppe 02.08.2015

01.08.2015 Schnipp schnapp, Haare ab!

Nachdem wir nun gestern morgen kleiner bis mittelgroße Brocken aus des Sohnes Haarpracht herauswaschen mussten, war offenbar auch beim Papa die Erkenntnis zur Notwendigkeit eines Haarschnitts ausgereift. Heute nämlich beauftragte er seinen besten Freund, dessen Haarschneidemaschine mitzubringen.

Der Sohn forderte nun schon seit einigen Wochen vehement eine radikale Kurzhaarfrisur ein, jedes mal wenn wir vorsichtig antesteten, ob man denn nicht erst etwas abschneiden wolle, antwortete er bestimmt: „Nein abrasieren!“ Wir waren nicht ganz so sicher, ob er die volle Tragweite dieser Entscheidung tatsächlich erfasste, also begannen wir mit dem Haarschnitt Stück für Stück. Insgesamt klappte das alles sehr gut, als wir jedoch gerade einen schicken umlaufenden Undercut fertig hatten, wurde das Kind ungeduldig. Gerade noch eben so, schafften wir es, die Seiten mehr schlecht als recht auszurasieren, der Pony jedoch blieb noch stehen und von geradem Schnitt konnte keine Rede mehr sein. Das Ergebnis löste dann kontroverse Reaktionen aus. Von „Kindesmisshandlung“ über „Naja“ bis „Ey cool“ war alles dabei.
Immerhin durften wir dann aber noch mal mit der Maschine ran. Ganz kurz wollte der Sohn dann doch nicht mehr, im Grundsatz sollte die Frisur bleiben, wie sie war, aber wir durften die schiefen Kanten begradigen und den Pony der Frisur anpassen. Jetzt sieht der kleine Mann zwar immer noch nicht wieder so engelhaft brav wie vorher aus, aber dafür wie der kleine freche Rotzer, der er eigentlich ist. Und wenn man ihm mit dem übriggebliebenen Schwänzchen am Hinterkopf einen kleinen Dutt dreht, dann sieht er richtig genial aus.
Und als wir abends nach Hause kamen, sah er sich das erste Mal in der Spiegelung der Haustür, fasste sich an den Kopf und sagte: „Ey, was ist denn da passiert!“ Oben angekommen schauten wir in einen richtigen Spiegel und der kleine Mann stellte fest, dass ihm seine Frisur wirklich gefiel.
Jetzt bin ich mal richtig gespannt, wie die ältere Generation reagiert, die ja so energisch die Kürzung der kindlichen Haarpracht gefordert hat 😀

Frhoppe 01.08.2015