28.05.2015 Unser Sohn ist ein ganz Süßer – oder: Unser erstes Entwicklungsgespräch.

Heute endlich war es soweit – der Moment, den wir so lange schon erwartet/gefürchtet/erhofft und noch so vieles andere hatten. Irgendwie war es ein bisschen wie bei einer Prüfung. Was würden wir über unseren Sohn hören? Etwas Schlimmes? Nur Gutes? Die Vernunft sagt einem ja, dass diese Gespräche nicht der Bewertung dienen, dass sie nur informieren sollen über den Stand der Entwicklung. Aber die Gefühle, ja, die sind da etwas anderes. Gestern Nachmittag hatte ich noch scherzend zur Bezugserzieherin gemeint, dass ich gar nicht weiß, was ich erwarten soll, aber so wirklich ein Scherz war das nicht, denn wir waren wirklich komplett ahnungslos was dabei passiert und alle Eltern hoffen ja, dass ihr Kind gaaaaanz toll ist – auch wenn sie natürlich wissen, dass es das ist, egal, was die ganzen anderen Ahnungslosen da draußen reden 😉 !
Aber im Ernst: Man macht sich seine Gedanken, bei uns vor allem über die Verhaltensänderung unseres Sohnes seit der Geburt seiner Schwester, seit der er sich deutlich aggressiver zeigt, aber auch über den Fortschritt seiner motorischen Fähigkeiten. Bei seinen sprachlichen Fähigkeiten machten wir uns keine Sorgen, aber auch da waren wir sehr interessiert, was die Erzieherin dazu zu sagen hat. Grundsätzlich waren wir daran interessiert, ob unser Bild von unserem Sohn mit dem in der Kita übereinstimmt.
Das tut es! Weitestgehend zumindest, denn die ein oder andere Überraschung gab es schon.
Als erstes sprachen wir über die Problematik Verhaltensänderung bei unserem Sohn. Die Erzieherin fragte sehr behutsam, ob und wie weit uns denn etwas aufgefallen sei. Natürlich haben wir das bemerkt, ich hatte ja auch schon an der ein oder anderen Stelle darüber geschrieben, dass der kleine Mann sehr viel mehr schlägt/tritt/beißt und ähnliches. In der Kita haben sie das in diesem Maße nicht bemerkt, aber doch auch eine ähnliche Verhaltensänderung. Vor der Geburt der kleinen Maus war er nämlich eher derjenige, den die Erzieher vor anderen beschützen mussten, weil er sich quasi gar nicht wehrte. Jetzt ist es andersherum, die Erzieher müssen die kleinen vor ihm beschützen. So wie ich das verstanden habe, nicht weil er sie so aggressiv behandelt, wie uns, sondern weil er zu impulsiv und aggressiv in seiner Zuneigung ist. Das äußert sich z.B. so: Er will ein Kind umarmen und tut das auch, aber so fest und lange, dass das Kind anfängt zu weinen und selbst dann lässt er noch nicht los. Er respektiert also die Grenzen dieses Kindes nicht, vielleicht weil er es nicht will, vielleicht aber auch, weil er sie nicht wahr nimmt! Das ist für mich sehr wichtig zu wissen, denn ich lege sehr großen Wert darauf, dass diese Grenzen eingehalten werden. Natürlich darf unser Sohn immer kuscheln kommen und uns auch anfassen, aber ich habe z.B. direkt nach der Geburt eine sehr ernste Diskussion zum Thema „Titties auspacken“ mit meinem Sohn geführt, weil er beim kleinsten Schrei seiner Schwester sofort anfing, mit den Ausschnitt herunter zu ziehen. Sehr ruhig und geduldig – weil mehrfach – erklärte ich ihm, dass das meine Titties sind und dass ich darüber entscheide, wann ich die auspacke, er würde auch nicht wollen, dass ich ihm auf der Straße die Hose herunter ziehe. Genauso gehe ich aber auch mit seinem durchaus schon vorhandenen Scham- und Körpergefühl um. Ich habe von der Ärztin den Auftrag bekommen, seine Vorhaut im Auge zu behalten, ob sich da alles gut entwickelt. Ich frage ihn jedes Mal erst, bevor ich dort etwas untersuche und da ich das nicht täglich machen muss, respektiere ich es uneingeschränkt, wenn er Nein sagt. Egal wie klein mein Sohn ist, es ist sein Körper und er darf darüber entscheiden, wer ihn dort wo anfässt – dass gilt für fremde Frauen im Supermarkt, die ihn ungefragt im Gesicht stricheln und von ihm ein gepfeffertes „Nein! Nicht anfassen!“ zu hören bekommen, dass gilt für Freunde und Verwandte, die ein Küsschen von ihm wollen, dass er nicht immer gibt und das gilt auch für mich und seinen Papa! Sein Körper, seine Regeln. Ich glaube, dass ist das Beste, was ich tun kann, um ihn zu schützen und um ihm beizubringen, dass andere dieses Recht ebenso haben.
Glücklicherweise kann ich mit meinem Sohn schon sehr gut über solche Dinge reden, denn er hat ein unheimlich großes Verständnis und einen sehr großen Sprachschatz. Er ist in diesem Bereich seinem Alter weit voraus, was uns auch die Bezugserzieherin im Gespräch bestätigte. Sie ist immer wieder verblüfft, was er alles für Wörter kennt und vor allem, dass er in seinen mitunter sehr langen und verschachtelten Sätzen schon sehr logisch schlussfolgert, nach dem Motto „Wenn? Dann!“. Das ist so bemerkenswert, dass sie sogar wissen wollte, ob wir unseren Sohn speziell fördern, was wir aber zu ihrer Erleichterung verneinten. Wir haben nur nie in Babysprache mit ihm geredet, ich habe von Anfang an alles, was ich tat, kommentiert und ihm auch mit fünf Monaten schon Geschichten vorgelesen. Na klar verstehen Babys zu diesem Zeitpunkt den Inhalt noch nicht, aber sie hören das Sprachmuster und die Grammatik und das legt den Grundstein. Auch unsere Art ihn zu berichtigen – denn richtige Grammatik ist etwas, das mir ziemlich wichtig ist – trägt wohl dazu bei, dass er so gut sprechen kann. Ich habe zwar gehört, dass man Kinder nicht berichtigen soll, weil das ihr Selbstbewusstsein schwächt, aber laut unserer Erzieherin haben wir es instinktiv richtig gemacht. Wir berichtigen zwar, aber durch positive Bestätigung. Wenn unser Sohn beispielsweise sagt „Mama, Papa hat ihre Brille auf!“ dann antworte ich „Stimmt, du hast Recht, der Papa hat seine Brille auf!“. Ganz nebenbei hört er die richtige Version, ohne dass ich ihn wirklich berichtigt hätte. Das ist wohl ein guter Weg, damit umzugehen. Besonders spaßig ist das können unseres Sohnes wohl im Bereich Zahlen und Buchstaben. Als sie ihn fragte, wo er wohnt – das müssen die Kinder in diesem Alter benennen können, also nicht die Daten, aber so Dinge wie „In einem großen Haus!“ oder „da beim Edeka!“ oder so was – sagte er ihr die Hausnummer und die ist immerhin zweistellig und war richtig. Und ganz absurd wird es, wenn es Buchstabensuppe gibt! Da kommt unser Kind kaum zum essen, weil es immer wieder Buchstaben findet, die es kennt und das laut kund tut. „Da habt ihr wirklich ein gesegnetes Kind!“ schloss unsere Erzieherin ihren Bericht zum Thema Sprachentwicklung und kognitive Fähigkeiten.
Auch sonst ist er ein tolles Kind. Er macht sehr gerne mit bei Kitaaktivitäten, wie Malen oder Kneten, ist sehr offen gegenüber neuen Spielen und Zeitvertreiben und ist auch bereit z.B. beim Morgenkreis aktiv mitzumachen – besonders beim Singen. Das tut er sehr textsicher und so inbrünstig und laut, dass die Erzieherin neulich richtig zusammengezuckt sei. Das freut natürlich die choraktive Mama sehr 😀 . Er kann sich aber auch sehr lange mit sich selbst beschäftigen, spielt sehr lange, sehr konzentriert und auch allein. Mit anderen Kindern spielt er noch nicht so sehr, aber das ist dem Alter auch noch nicht so sehr üblich und liegt auch nicht daran, dass die anderen Kinder ihn „ausschließen“ würden oder er nicht mit anderen Kindern kann, sondern daran, dass er generell ein eher ruhiges, bedächtiges, manchmal zurückhaltendes, vielleicht sogar träumerisches Kind sei.
Dies war der Punkt, an dem ich überrascht war. Bei träumerisch ging ich noch mit, der kleine Mann ist schon manchmal ein rechter „Hans-guck-in-die-Luft“, aber ruhig? Bedächtig? Zurückhaltend gar? So kennen wir ihn überhaupt nicht. Unser Sohn ist laut, lärmend, quatscht am laufenden Band und haut Sprüche raus, da ist manch Großer sprachlos. Schüchtern kennen wir ihn seit der Geburt seiner Schwester, da tut er sich deutlich schwerer damit hinter meinen Beinen hervor zu kommen und hallo zu jemandem zu sagen, den er nicht einmal die Woche sieht. Das traf selbst meine Schwester und meinen Papa! Aber ruhig und zurückhaltend ließ mich dann doch aufhorchen. Sollte es etwa ein Problem in der Kita geben, von dem ich nichts weiß?
Nein! Beruhigte uns die Erzieherin. Alles ganz normal. Unser Sohn wird einfach einfach in größeren Gruppen ruhig. Er beobachtet erst einmal die Situation, macht vieles mit sich aus und nimmt sich zurück, wenn es ihm zu viel wird. Das haben wir mitunter auch schon zu Hause beobachtet. Wenn es sehr wuselig ist, dann geht er in sein Zimmer und spielt da eine geraume Zeit allein, bis er uns ruft oder er wieder zu uns kommt. Je kleiner die Gruppe, in der er sich befindet, desto aufgeschlossener und redseliger wird er. Das ist besonders auffällig in der Kita nach dem Mittagschlaf – den er ja nicht macht – wenn nur zwei oder drei Kinder mit ihm wach sind. Dann schnattert er, was das Zeug hält und kommt richtig aus sich raus. Es ist also nur folgerichtig, dass er zu Hause sehr viel lebhafter ist, denn da hat er ja zumeist sehr kleine Gruppen, die in der Regel aus Personen bestehen, die sich eins zu eins mit ihm befassen. Allerdings ist uns auch schon aufgefallen, dass er bei Familienfeiern immer erst seine Zeit braucht, bevor er wieder „er selbst“ wird. Er beobachtet erst einmal und wen er nicht mag, zu dem geht er auch nicht hin oder ist dann einfach ganz stumm.
Der letzte Punkt im Entwicklungsgespräch betraf die Grob- und Feinmotorik. Da kam raus, dass unser Sohn zwar durchaus altersgemäß einzuschätzen, aber dabei eher behäbig ist. Er macht und kann alles, was er können muss, aber mitunter sehr langsam und bedächtig und mit wenig Körperspannung. Unsere Erzieherin benutzte den Ausdruck er sei sehr mit dem Boden verhaftet, was übereinstimmt mit unserer Beobachtung, dass er noch nicht wirklich hüpfen kann und wenn er rennt, dann steigert er dabei sein Tempo nur unwesentlich, winkelt aber seine Arme an und dreht seinen Oberkörper hin und her. Er löst sich einfach noch nicht so sehr vom Boden, aber das ist auch noch nicht weiter bedenklich und sie hat es auch nur erwähnt, damit man es schon einmal gehört hat. Genauso verhält es sich mit seiner Fähigkeit einen Stift zu halten z.B. Das kann er auch noch nicht, aber das ist auch nicht so arg schlimm im Moment.
Insgesamt kann sie aber sagen, dass unser kleiner Mann sehr gut angekommen ist in der Kita. Wir hatten zwar eine etwas längere Eingewöhnungszeit, die sich über zwei Monate hinzog, aber die hat sich gelohnt, denn jetzt fühlt sich unser Käfer pudelwohl dort und hat vor allem mittlerweile alle Erzieher angenommen, nicht nur seine Bezugserzieherin. Das macht es nicht nur den Erziehern leichter, sondern vor allem auch ihm, wenn er dann doch mal eine Not hat. Denn dann lässt er sich auch in der Kita sehr gut trösten und scheut sich nicht, mit seiner Sorge auch zu einem der Erzieher zu gehen. Das beruhigt mich sehr.
Ich bin also mit einem guten Gefühl aus dem Erziehungsgespräch gegangen. Einiges war mir neu, anderes kannte ich schon, aber alles in allem stimmt das Bild, dass wir ganz subjektiv von unserem Sohn haben, mit dem anderer Menschen überein und das stimmt mich glücklich, denn es heißt, dass mein Sohn von ganz vielen Menschen geliebt und geschätzt wird.
„Euer Sohn ist wirklich ein Schatz – und das sage ich nicht einfach nur so: Er ist ein ganz Süßer!“
Recht hat sie, die Erzieherin ❤

Frhoppe 05.06.2015

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