27.05.2015 Mama, wir haben eine Kirche gemalert!

Nein, dieser Satz ist kein Versprecher. Unser Strahlemann meint nicht, dass er eine Kirche auf ein Blatt Papier gemalt hat! Er hat wirklich und tatsächlich eine Kirche gemalert. Guuuuut, es war eine aus Umzugskartons und mit Papier beklebte Kirche, aber er hat sie gestrichen – in einem viel zu langen Malerkittel und mit seiner eigenen Farbrolle. Mächtig stolz war er, denn er war das einzige Kind, dass helfen durfte, wenngleich das eher daran lag, dass er nicht einverstanden war mit einer Trennung von seiner gerade entdeckten Frau Mama.

Und das kam so:
Wie das in Kitas so ist, werden die Eltern ab und zu um Beteiligung an diversen Vorbereitungen gebeten. Dieses Mal sollte ein Wagen für einen Festumzug gestaltet werden und weil wir ja ein evangelischer Kindergarten sind, sollte darauf nun eine Kirche stehen. Eigentlich sollte sie durchaus der angegliederten Kirche ähneln, aber das erwies sich doch als zu schwierig, also wurden acht Umzugskisten zum Kirchenschiff zusammen gestellt und aus zwei zweiteren Umzugskisten entstand der Turm. Während eine Mama mit der Hilfe meines Sohnes – er sagte ihr immer, wo sie noch abschneiden musste – die Turmspitze erstellte, tüffelten wir drei anderen Mamas mit Hilfe der Erzieherin am Dach der Kirche, was uns mittels Malertape und Unmengen Heißkleber auch ziemlich gut gelang.
Während der gesamten Bauarbeiten wuselte der kleine Mann durch unsere Füße, denn was ich mir fast schon gedacht hatte, war eingetreten. Sobald der kleine Kerl mich erblickt hatte – und das war ziemlich schnell – war er aus dem Raum nicht mehr heraus zu bekommen. Ursprünglich sollten die Kinder alle im Garten bleiben und von außen zugucken, aber meinem Sohn war nichts zu machen. Alle Versuche, ihn im Garten zum spielen zu bewegen, schlugen fehl. Selbst, dass ich ihm seine Schwester in der Autoschale nach draußen stellte, damit er nicht das Gefühl hat, die darf und ich nicht, half nichts. Einige Mädchen fanden das Baby totaaaal süß und scharten sich um den Autositz, der kleine Mann klammerte sich weiter an mein Bein und weinte und schrie, als ich ihn einer Erzieherin übergab, blieb aber erst einmal bei ihr. Für zwei Minuten! Dann kam er wieder in den Raum mit den Bauarbeiten und erklärte mir mit weit aufgerissenen, tränenumflorten blauen Augen, dass er bei mir bleiben müsse. Er müsse schließlich helfen. Ich ließ ihn. Sicher wäre es einfacher gewesen, ihn aus dem Weg zu haben, in Sicherheit vor allem, denn überall lag Werkzeug herum, und ich versuchte auch noch mehrmals ihm das draußen spielen schmackhaft zu machen oder ihn zu überreden mit den Mädchen der anderen Mamas und der Kitaleiterin zu spielen, aber ich konnte ihn auch so gut verstehen. Er hilft einfach unheimlich gerne, trägt gerne an schweren Taschen mit – „Weißt du Mama, ich träge dass, damit du dass nicht allein machen musst!“ –, fässt am Autositz an, schiebt den Kinderwagen, bringt Müll in die Mülltonne – „Ich bringe das nur schnell in die Küche!“ – und und und. Er möchte so vieles mitmachen, nützlich sein und eben gleichzeitig bei seiner Mama sein, die er im Moment wirklich selten ganz für sich hat. Mag sein, dass dies für die anderen Mamas und die helfenden Erzieherinnen umständlicher war, aber das glaube ich eigentlich nicht, denn sie stellten sich wunderbar auf unseren Sohn ein. Der kleine Mann wurde super eingebunden. Er durfte – gesicherte – Cuttermesser anreichen, wies uns darauf hin, wenn wir eine Schere liegen lassen hatten – indem er sie uns brachte und sagte: „Mit Scheren darf ich nicht spielen!“ Jaaaaa, mein Sohn, da hast du absolut recht! Sehr gut, dass du das erkennst!!! – und sagte, wie schon erwähnt der Kirchturmspitze bastelnden Mama immer sehr genau, wo sie abschneiden musste. Während dessen bediente er sich an dem Teller mit Keksen, der eigentlich für die Mamas bereit gestellt worden war. Immer wieder tauchte die kleine Hand hinter dem Tischchen auf und schnappte sich einen Keks. So richtig glücklich war ich damit nicht, aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich in dieser Situation keinen Nerv für den Wutausbruch, der unweigerlich auf ein Verbot folgen würde. Normalerweise fechte ich diesen Kampf aus, nach zwei, maximal drei Keksen ist Schluss, egal wie sehr er meckert, aber wir wollten voran kommen und keiner der anderen hatte ein Problem mit den abnehmenden Keksen, also sei’s drum. Dann bekommt er dafür morgen keinen Keks. Da ist er ohnehin bei seiner Oma mütterlicherseits, die hält nicht viel von Süßkram.
Allerdings waren alle Kekse vergessen, als die Malerkittel kamen. Also nicht wirklich Kittel, eher Schürzen – zumindest für uns Erwachsenen. Der kleine Mann wurde komplett verhüllt von diesem Ding, was unheimlich niedlich aussah, wie er da in seiner Toga durch die Gegend watschelte und fleißig mit seiner weißen Farbrolle die Kirchenwände weißte. Es ist natürlich klar, dass der ein oder andere Farbunfall nicht ausblieb – seine Hose war danach trotz des bodenlangen Kittels weiß gesprenkelt und die grauen Spitzen seine Schuhe waren weiß. Auch fand er es unheimlich lustig, seine Hand in den Farbeimer zu tunken, was ich nicht ganz so grandios fand, denn er machte danach Anstalten, die an seiner Hand haftende Farbe auch ablecken zu wollen. Allerdings hatte ich hier ein Aha-Erlebnis, denn offenbar wusste das kleine Genie sehr genau, dass das Zeug nicht essbar und auch nicht gesund ist, denn er führte zwar die Hand Richtung Mund, tat dies aber mit einem deutlichen Zögern und so langsam, dass ich mühelos seine Hand festhalten konnte. Da standen wir nun: Aug in Aug, ich seine beiden Hände festhaltend, in einer Pattsituation, denn ich wollte, konnte aber seine Hand nicht sauber machen, denn wenn ich ihn losließ würde er den Geschmackstest vielleicht doch noch durchführen und in der anderen Hand hielt er seine weiße Malerrolle, mit der ebenfalls gewaltigen Schaden anrichten können würde. Zum Glück reagierten die anderen Mamas großartig, indem eine mir Küchenpapier brachte und eine andere die gefährliche Rolle an sich nahm, sodass wir dann auch gleich Hände waschen gehen konnten.
Insgesamt war es ein wirklich großartiger Nachmittag. Gegen Ende stießen die beiden Töchter der anderen Mamas noch zu uns und halfen beim Einräumen der Bausteine und als wir endlich sauber gemacht hatten, konnten wir glücklich und zufrieden nach Hause fahren.
„Mama, ich habe eine Kirche gemalert!“ verkündete mein kleiner Käfer im Auto stolz.
Ja, das hast du, du wunderbarer kleiner Kerl. Ganz großartig hast du das gemacht und so lieb bist du gewesen, dass ich wieder einmal nur über dich Staunen kann.
Und weil der Tag ernährungstechnisch eh schon verloren war, gab es zur Belohnung auf dem Heimweg noch die so seltenen „ein Pommes“ – die kleine Tüte von dem Laden mit dem großen M – die der kleine Mann auf dem Rücksitz selig vor sich hinschmatzte.

Frhoppe 04.06.2015

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