05.06.2015 Da zieht er von dannen!

Bevor man es sich versieht ist er heran – der große Tag! Der Tag, an dem unser Söhnchen von seiner Oma abgeholt wird, auf dass er eine Woche in Griechenland verbringe. Während ich heute Vormittag seine Sachen packte und noch die Vollmacht schrieb, fingen dann doch meine Nerven an zu flattern. Klar freue ich mich, dass er diese Gelegenheit bekommt. Ich finde es toll, dass er so jung schon so etwas aufregendes machen kann und dass ihm seine Großeltern ermöglichen zu verreisen.
Aber er ist doch mein kleines Baby.
Mein kleines Baby wird in ein Flugzeug steigen und eine Woche lang weg sein – ganz ohne seine Mama und seinen Papa. Er ist oft übers Wochenende weg, aber eine ganze Woche, das ist das erste Mal und wir alle waren gespannt, wie er damit umgehen würde – und wie wir damit umgehen würden. Erst einmal war aber heute noch mal die volle Dröhnung Mama und Papa angesagt. Ein Mittagskind war der kleine Mann nämlich heute – er wurde also gleich nach dem Mittag abgeholt, damit wir den Nachmittag noch zusammen verbringen konnten, bevor der kleine Käfer von Oma gegen vier abgeholt würde. Und das taten wir exzessiv. Mittagsschlaf fiel aus, dafür ging es auf den Hof – mit Decke, Baby, ferngesteuertem Auto, Buddelzeug und Keksen. Und dann wurde gespielt, gekuschelt und gealbert, was das Zeug hielt. Ganze vier Stunden lang verbrachten wir in Familie auf dem Hof und vielleicht war das genau das richtige. Denn als Oma dann kam, war von Abschiedsschmerz keine Spur!
Vielleicht lag das aber auch an dem supercoolen Ziehkoffer-Rucksack. Ein todschickes Teil, rotschwarz mit Rennautos drauf und gleichzeitig zum hinterher ziehen und zum tragen auf dem Rücken. Und außerdem soooo groß, dass es auf dem Rücken unseres kleinen Mannes aussah wie ein Koffer mit Beinen. Ganz eifrig wurde er bepackt, wobei sich herausstellte, dass unser kleines Genie meine Ausführungen zum Thema „zu schwer“ sehr wohl verstanden hatte, denn er hielt sich nicht nur an die „Zwei Autos, zwei Bücher, zwei Kuscheltiere“ – Regel, er entschied sogar nur EIN Auto mitzunehmen.
Dann sollte es aber schnell gehen. Kaum schaffte er es nochmal zu kuscheln und uns einen Abschiedskuss zu geben – wir hatten größere Probleme als er, ihn loszulassen, haben uns aber ganz tapfer zurückgehalten, um es ihm nicht schwer zu machen -, von einem Foto mit Rucksack wollte er dann gar nichts mehr wissen. „Nein Papa, lass das jetzt einfach! Ich brauche kein Foto!“, sagte er mit erhobener Hand und seitlich weg gedrehtem Kopf, ganz wie die großen Stars es zu tun pflegen. Er wollte los! Jetzt! SOFORT! Und am liebsten gar nicht mehr zurückschauen.
Und zurück blieben Mama und Papa. Ganz wehmütig und auch ein bisschen wehleidig, aber vor allem ganz mächtig stolz ob ihres kleinen großen Weltreisenden.

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Frhoppe 25.06.2015

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03.06.2015 Sonnenbrille ja oder nein?

Am Wochenende wird unser kleiner Mann das erste Mal auf große Reise gehen. Nach Griechenland geht es – mit jeder Menge Großeltern.

Während nun alle mitfahrenden Großeltern sich auf die bevorstehende Reise freuten, mussten wir dem Sohnemann erklären, dass eben nicht alle Großeltern mitfahren würden. Er war nämlich der festen Überzeugung, dass auch seine Oma väterlicherseits mit von der Partie sein würde. Was sie nicht ist. Um nun aber auch etwas zur Reise beitragen zu können, erklärte sie sich bereit, mit dem kleinen Mann heute Nachmittag ein Sonnenbrille zu erwerben. Dazu hatte ich angeregt, denn ich war der Überzeugung, das Kind bräuchte doch eine Sonnenbrille.
Zum Glück geriet meine Schwiegermama an eine kompetente Verkäuferin, die nicht um jeden Preis verkaufen wollte, sogar zunächst vom Kauf abriet, bis sie erfuhr, dass es nach Griechenland geht. Unter dieser besonderen Voraussetzung erklärte sie sich doch zu einem Verkauf bereit, bestand aber auf einer ausführlichen Beratung, deren Ergebnis mich überraschte.
Kinder sollen keine Sonnenbrillen tragen – höchstens in Ausnahmefällen! – denn die kindlichen Augen haben sich noch nicht an das helle Licht gewöhnt. Der Anpassungsvorgang ist noch in vollem Gange und wenn die Kinder zu früh eine Sonnenbrille auf bekommen, dann werden die Augen lichtempfindlich und die Kinder sind später nicht mehr in der Lage in hellem Licht gut zu sehen. Lediglich in solchen Fällen wie einem Urlaub am Meer oder beispielsweise einem Skiurlaub sei eine Sonnenbrille vertretbar, weil die Spiegelung der Sonne im Meer oder im Schnee sehr intensiv ist. Ansonsten solle man doch eher auf eine Mütze mit Schirm zurückgreifen.
Wieder etwas gelernt.

Frhoppe 15.06.2015

02.06.2015 Ich mag nicht mehr schreien – und ich mag nicht, wenn ich schreie!

Es ist ja hier schon öfter von mir erwähnt worden, dass wir unsere Kinder nicht schlagen. Die Kleine sowieso nicht und den Großen auch schon gar nicht. Das ist ein unverhandelbarer Grundsatz in unserer Erziehung. Wie sollen wir unserem Kind denn auch beibringen, dass man nicht schlägt, wenn wir nicht danach handeln. Ich meine, versteht mich nicht falsch, niemand ist unfehlbar, und ich selbst möchte nicht ausschließen, dass ich nicht doch mal einen Klaps auf den Windelhintern gebe, wenn mein Kind gerade über eine voll befahrene Straße gerannt ist, aber selbst wenn mir das passiert muss ich mich hinterher bei meinem Kind entschuldigen.

Allerdings bleibt eine Tatsache bestehen: Kinder können mit traumwandlerischer Sicherheit ihre Eltern zur Weißglut treiben. Wenn man selber noch nicht genau wusste, wo eigentlich der eigene wunde Punkt liegt, das Kind wird ihn finden. Unser Kind nun ist zuzüglich zu dieser traumwandlerischen Sicherheit mit einer großen Cleverness gesegnet. Gepaart mit dem bei Kindern noch fehlenden Gespür dafür, wie weit man gehen kann, wird meine Geduld sehr oft auf die Probe gestellt. Immer wieder singe ich mir innerlich mein Mantra vor: „Du wolltest ein charakterstarkes Kind, jetzt hast du eins!“ Denn je stärker der Willen und der Charakter des Kindes, desto heftiger die Kämpfe. Und ich bin Widder!
Manchmal gelingt es mir nicht ruhig zu bleiben. An Tagen, an denen alles schief läuft. Tagen wie heute, an denen das kleine Kind noch mit Blockade-bedingtem Bauchweh zu kämpfen hat, während es gleichzeitig schon mit der wiederholten, explosionsartigen Entleerung beginnt. Tagen, an denen das kleine Würmchen nicht weiß, wohin mit sich und deswegen die ganze Zeit bei Mama bleiben will. Tagen, an denen Mama bereits den zweiten Tag allein für beide Kinder verantwortlich und die mit einer extrem durchwachten Nacht begannen. Tagen, an denen meine Nerven bis zum Zerreißen gespannt sind, ich vor Müdigkeit nicht klar denken kann und meine Toleranzschwelle sehr niedrig ist. So niedrig, dass selbst etwas so Banales wie mein Sohn, der mich immer wieder beim Kühlschrank einräumen sabotiert, zum Ausrasten bringt.
Dann schreie ich!
Und ich meine wirklich schreien. Laut, kreischend und bedrohlich. Ich fluche und brülle Dinge wie: „Verdammt noch mal, nimm doch einmal deine Finger hier weg!“ Ich rage über meinem Sohn auf und schaue ihn böse an, bin soviel größer und bedrohlicher als er, während ich brülle, fliegt Speichel aus meinem Mund und ich sehe, wie er zusammenzuckt, seine ganze fröhliche Aufmüpfigkeit in sich zusammenfällt und er ganz verunsichert brav wird, sich zurück zieht.
In diesem Moment habe ich mich vor mir selbst geekelt.
Ich habe es bis heute nie als allzu schlimm empfunden, zu schreien – schließlich schlage ich ja nicht, tröstete ich mich immer – aber heute am frühen Abend sah ich mich plötzlich, wie mein Sohn mich sehen muss und ich habe mich erschrocken. Ich hatte Angst vor mir und ekelte mich und war verunsichert. Alles Gefühle, von denen ich nicht möchte, dass mein Sohn sie von mir vermittelt bekommt. Mir wurde bewusst, dass auch für mich lautes Gebrüll ein körperlich unangenehmes Gefühl ist, dem ich ausweichen will und mir wurde bewusst, dass ich kein Kind haben will, dass nur aus Angst vor mir ganz lieb und brav ist. Zumal mein kleiner Mann in diesem speziellen Fall nur helfen wollte beim Einräumen. Ich mag meinen Sohn so wie er ist. Manchmal zu laut, manchmal zu überdreht und manchmal frech und ich will nicht verantwortlich dafür sein, dass er sich eingeschüchtert zurück zieht.
Ich weiß, dass er ein starker kleiner Mensch ist, der mitunter ein deutliches Wort und eine feste Hand braucht. Aber deutlich muss nicht laut sein, nur ernsthaft und die feste Hand soll ihm nicht wehtun, sondern ihn nur sicher halten.
Ich mag nicht mehr schreien!

Frhoppe 15.06.2015

01.06.2015 Besuch beim Osteopathen und andere Monster!

Nun stand er an, der lange erwartete Termin beim sagenumwobenen Osteopathen. Viel gutes hatte man über ihn zu berichten gewusst. Wahre Wundertaten soll er vollbracht haben und täglich von Neuem voll bringen. Schreiende Babys seien nur durch Berührung seiner magischen Hände zu sanft schnurrenden Kätzchen geworden, gar unter seinen fähigen Fingern aus einer Brüllattacke heraus eingeschlafen. Andere – bauchschmerzgeplagte – Babys hätten nach der Behandlung eine Stunde lang gepupst oder gar den ganzen Tag ordentlich die Windeln gefüllt und seien schließlich wie ausgewechselt gewesen. Ich kannte all diese Geschichten, einige der Babys sogar persönlich, wenigstens bei dem Fall mit den sieben vollen Windeln an einem Tag und der folgenden totalen Gemütsänderung habe ich persönlich miterlebt, wie gut solch ein Besuch bei Osteopathen tun kann. Ich hatte also große Erwartungen. So große, dass ich mich fast schon wieder fragte, was ich machen würde, wenn sich das alles als wirkungslos erweisen würde. Ich wollte meine kleine Tochter einfach nicht mehr jeden Abend schreien hören und sehen, ich wollte ihr endlich diesen furchtbaren Bauchschmerz ersparen, zumal dieser Schmerz so unnütz ist.

Vom Osteopathen unserer Wahl hatte ich gerade erst heute morgen wieder nur Gutes gehört. Ein gutaussehender, großer Mann sei er, dem die Babys zu Füßen liegen würden und der sehr viel von seiner Profession verstand. Ich war also sehr gespannt und stellte schnell fest: Gutaussehend und groß stimmte schon mal offensichtlich. Mama war also schon mal optisch angetan und auch seine Art mich nach der Geburt und dem Verhalten unserer kleinen Maus zu befragen, wirkte auf mich sehr vertrauenerweckend. Aber die wahre Überraschung erlebte ich dann auf der Liege. Der große, gutaussehende Mann beugte sich nämlich über meine wunderschöne, kleine Maus und fragte sie erst einmal ganz freundlich mit einer tiefen, sehr sonoren Stimme: „Guten Tag, kleines Fräulein, wie geht es dir denn heute? Geht es dir gut?!“ Und meine kleine, eigentlich ziemlich schlecht gelaunte Tochter strahlte über das ganze Gesicht und stieß ein begeistertes „Ngah!“ aus! Aha! Dachte ich mir, da muss also nur ein gutaussehender, dunkelhaariger Mann mit blauen Augen kommen und du fängst an zu flirten. Die Behandlung an sich war dann auch sehr aufschlussreich. Unser kleines Menschlein hat aufgrund der doch recht schnellen Geburt das sogenannte KISS-Syndrom. Das heißt ausgeschrieben kopfgelenksinduzierte Symmetrie-Störung und bedeutet im Grunde genau das: Aufgrund einer Blockade des Kopfgelenks ist der ganze Körper wortwörtlich schief. Das konnte ich schon selbst beobachten, wenn ich das Kind auf dem Rücken vor mir liegen hatte. Fast wie ein C sah das aus. Mit dieser Asymmetrie geht sehr häufig eine Blockade im Beckenbereich einher, die wiederum auf einen Nervenknoten drückt, der für die Tätigkeit eines Teils des Dickdarms verantwortlich ist. Blockade im Becken also = Blockade des Dickdarms = Bauchschmerzen. Anhand meines Berichts vom Anfang hatte der gute Doktor sich schon ein Bild machen können, dass er mit nun anhand der beiden Beinchen unserer kleinen Bauch demonstrierte. Das rechte Bein nämlich, ließ sich nicht annähernd so weit nach unten drücken wie das linke Bein, asymmetrisch also!
„Na, das machen wir mal weg!“ brummelte der gutaussehende Doktor. „Das ist ja auch doof so mit Bauchweh, nicht wahr?“ gurrte er hinzu, was ihm ein weiteres strahlendes Lächeln meiner Tochter einbrachte. Und dann ging es los. Drehen, drücken, strecken, ziehen, schieben und noch viel mehr. Zum Glück sah unsere kleine Maus dabei unheimlich entspannt aus, so dass auch ich ganz ruhig bleiben konnte.

Ganz und gar nicht ruhig blieb ich dann nachmittags. Da war ich nämlich mit beiden Kindern bei meiner Oma zum Geburtstag. An sich eine tolle Sache und alles in allem auch ein sehr schöner Nachmittag. Nur dass Sohnemanns Großtante der Meinung war, ihn als verwöhnt und verzogen bezeichnen zu müssen, fand ich überhaupt nicht schön. Ich fand es sogar unfassbar unverschämt, denn mein Sohn ist vielleicht manchmal laut und sicherlich auch mitunter vorlaut, sogar frech, aber eines ist er ganz sicher nicht: Verwöhnt oder Verzogen! Und so etwas zu sagen, während das Kind mithört, nur weil eben dieses Kind nicht den ganzen Nachmittag brav dasitzt und von seinem Kita-Alltag erzählt, finde ich fehl am Platz. Vor allem, wenn dieses Kind mit seinen zweieinhalb Jahren bereits Bitte und Danke sagt und zwar ohne Aufforderung. Und obwohl ich bei meiner Großtante normalerweise auf Durchzug schalte, weil ich ihre Sticheleien zur Genüge kenne, war ich dazu heute nicht in der Lage. Nicht, wenn es meine Kinder betrifft und nicht, wenn es sie nur trifft, weil meine Großtante schlechte Laune hat.

Frhoppe 15.06.2015

31.05.2015 Und er ist doch schüchtern!

Es ging auf große Fahrt. Seit ein paar Tagen hatten wir den kleinen Mann darauf vorbereitet, dass wir heute zu seiner Uroma mütterlicherseits fahren würden, um dort an einer Geburtstagsfeier zu Ehren ihres achtundachtzigsten teilzunehmen. Da unser Käferchen ja ein kleines Genie ist, wusste er sehr wohl noch, wer Oma Ianne ist, auch wenn er sie wirklich seeeehr selten sieht und freute sich sehr, dass wir nach Leipzig fahren würden – der Geburtstag fand zwar woanders statt, aber das bekamen wir irgendwie erst auf halber Strecke mit, zum Glück lag der neue Ort auch auf dem Weg.

Während der ganzen Fahrt krähte er und erzählte und freute sich und sang und schrie – ich entschuldigte mich nach der Ankunft als erstes bei meinen Eltern für all die Jahre Autofahrt, als wir noch Kinder waren – und schlief dann natürlich, wie Kinder das so tun, zehn Minuten vor der Ankunft tief und fest ein. Als ich ihn dann am Ankunftsort weckte und ihm sagte, wir seien da, schreckte er hoch, schaute sich mit weit aufgerissenen, offensichtlich noch schlafenden Augen an und fragte „In Leipzig?“ Das wir nicht dort waren, nahm er relativ gelassen hin und stiefelte brav hinter uns her in die Restauration, wo die Meute auf ihn wartete.
Wie um seinem Entwicklungsgespräch gerecht zu werden, blieb er erst einmal an der Treppe stehen und beäugte alle, bevor er den Papa zu seinem Platz begleitete und von dort aus alle beäugte. Lange Zeit blieb er dort sitzen, ließ sich nur mal von seinem Onkel und seiner Tante oder von Oma durch die Lokalität spazieren führen. Er war so ruhig, dass sich eine Gästin zu der Aussage hinreißen ließ, ihre Enkelin hätte schon längst den Laden aufgemischt, sie sei sehr lebhaft. Mag es dieses Stichwort gewesen sein oder vielleicht der plötzliche gemeinsame Aufbruch aller Raucher, jedenfalls verlor der Sohn schlagartig alle Schüchternheit. Er lief durch den Raum und erzählte dabei munter, bis er schließlich vor dem gläsernen Geländer stehen blieb, durch das er einen sehr guten Blick auf die unter ihm im Garten befindlichen Raucher hatte.
„Was machen die da?“ wollte er von seinem Onkel wissen!
„Die machen Quatsch“, antwortete dieser. „Die rauchen!“
„Nein! Nein“, fing er daraufhin an, nach unten zu rufen. „Die sollen das nicht machen! Hör auf!“ Und er hörte auch nicht wieder damit auf – man möchte sagen, er steigerte seine Empörung noch, denn als die Raucher alle nacheinander wieder nach oben kamen, sagte er jedem laut und vernehmlich: „Nein! Du SOLLST nicht rauchen!“ Sehr ernst und sehr böse sagte er das! Und jeder Raucher nickte und antwortete: „Da hast du Recht! Das soll man wirklich nicht!“ Es war witzig zu beobachten, dass sie wirklich alle dasselbe sagten.
Meine Mama fand das auch alles sehr witzig, obwohl sie ja als Raucherin selbst von seiner Entrüstung getroffen wurde. Nicht mehr ganz so witzig fand sie, was kurz darauf geschah. Sohnemann ging mit seinem Onkel in den nun raucherfreien Garten und nahm in einem der Sessel Platz. Als die beiden wieder nach oben kamen, sagte der Onkel nur ganz trocken zu meiner Mama: „So jetzt habt ihr’s geschafft!“ Man schaute ihn verwundert an, fragte sich, was er wohl meinte, bis er uns grinsend aufklärte. „Naja! Er setzte sich hin, schaute sich um und sagte: Jetzt rauche ich!“ Man lachte daraufhin, aber es klang ein wenig ertappt und meine liebe Mama, die immer sagte, sie würde sofort aufhören zu rauchen, aber eben nur, wenn ihr Arzt ihr sagen würde, es sei der Gesundheit wegen nötig, erklärte meinem Sohn sehr ernsthaft, dass Rauchen gar nicht schön ist und – Achtung! – sagte dann: „Vielleicht hört die Oma ja auch bald damit auf!“ Ich würde es mir wünschen. Ich bin kein militanter Nichtraucher. Ob jemand raucht oder nicht, ist ihm selbst überlassen, da hilft auch keine Predigt oder Naserümpfen. Ich habe meine eigenen Laster und gestehe darum anderen auch ihre zu, aber ich finde es toll, dass so ein kleiner Mensch einen jahrelangen, überzeugten Raucher durch eine einfache Spiegelung seines Verhaltens zum Nachdenken anregen kann. Denn auch wenn meine Mama gerne raucht, weiß ich, dass sie stolz ist, dass ich nie damit angefangen habe und dass sie auf keinen Fall will, dass ihr Enkel raucht, geschweige denn, dass er sich sie in diesem Punkt zum Vorbild nimmt.

Frhoppe 10.06.2015

30.05.2015 Talent liegt in der Familie!

Heute hatte ich Probe – und zwar in der Gemeinde, mit der dort ansässigen Singgruppe, Band, was auch immer, für einen Chor sind wir jedenfalls zu klein 😉
Allerdings ist es genau die Größe der Gruppe, die es eben auch erlaubt, dass man seine Kinder mitbringt, wenn es denn nötig ist. Heute war es das, denn der Herr Papa fühlte sich nicht so recht und hatte zudem in den letzten Nächten schlecht geschlafen, sodass ich mich bereit erklärte, sowohl das naturgemäß an mich, oder besser meine Titties, gebundene Kind, als auch den älteren Sohn mit zur Probe zu nehmen. Da auch die Kinder meiner sehr guten Freundin dabei sein würden, hätte er zudem Spielkameraden und würde mich wahrscheinlich sogar ganz gut proben lassen.
Er ließ mich proben – nicht nur mich, sondern die anderen auch. Na klar kam er ab und zu kuscheln, vor allem, als er dann mitbekam, dass seine kleine Schwester in der Manduca vor meinem Bauch saß, aber eigentlich war er vollauf damit beschäftigt, durch die Kirche und um den Altar herum zu rennen und mit dem Playmobil des befreundeten Jungen zu spielen – was der widerum nicht ganz so super fand.
Und dann plötzlich geschah es. Wir hatten soeben eine Pause zwischen zwei Liedern eingelegt, da tönte es von den Stufen zum Altar laut und klar: „Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein Fuß, hat ein Zettel im Schnabel, von der Mutter einen Gruß.“ Und Schluss. Einfach so war er fertig und lachte uns strahlend an, als erwarte er den ihm zustehenden Applaus. Eine Mitsängerin schaute staunend und meinte dann: „Eine schöne Stimme hat er! So klar und kräftig!“ Da freut sich doch das mütterliche Sängerherz, umso mehr, da ich es wirklich liebe, wie viel Spaß der kleine Käfer am Singen hat. Für sein Alter schon erstaunlich melodisch und vor allem aber inbrünstig erfreut er uns eigentlich täglich mit einem oder mehreren Liedern. Besonders schön finde ich es immer, wenn er mir Lieder aus der Kita mitbringt. Daran sehe ich, dass er wirklich von sich aus Spaß am Singen hat und nicht nur nach- oder mitmacht, wenn die Mama trällert! 😉
Und gerade die Situation heute beweist mir, dass er außerdem über genügend Selbsvertrauen verfügt, dass auch öffentlich zu tun – wobei ich daran eigentlich bislang auch nicht gezweifelt habe. Erst heute nachmittag sagte er zu einer weiteren sehr guten Freundin: „ICH bin hier der Mann!“ Und ging spielen!

Frhoppe 08.06.2015

29.05.2015 Zeit!

Die Zeit vergeht so rasend schnell,
sie dreht sich wie im Fluge.
Erst ist es Nacht, dann wird es hell,
Sie wandert Zug um Zuge.

Die Kleinen wachsen Tag für Tag
sie werden größer, älter, schlauer
Und was man heut‘ kaum glauben mag
trifft’s morgen noch genauer.

Soeben war’n sie noch ganz klein,
sie konnten sich kaum regen.
Jetzt woll’n sie schon die Großen sein,
so ist es halt, das Leben.

Und wir? Wir schauen dabei zu.
Wir lachen, staunen, weinen.
Und woll’n in der Erinnerung,
all unser Glück vereinen.

Die Zeit vergeht so rasend schnell
sie dreht sich immer weiter,
Und ist mal dunkel und mal hell,
mal traurig und mal heiter.

Und eines Tag’s in fünfzig Jahren
da schauen wir zurück.
Und freu’n uns weise und erfahren
an unserm ganzen Glück.

Frhoppe 29.05.2015

28.05.2015 Unser Sohn ist ein ganz Süßer – oder: Unser erstes Entwicklungsgespräch.

Heute endlich war es soweit – der Moment, den wir so lange schon erwartet/gefürchtet/erhofft und noch so vieles andere hatten. Irgendwie war es ein bisschen wie bei einer Prüfung. Was würden wir über unseren Sohn hören? Etwas Schlimmes? Nur Gutes? Die Vernunft sagt einem ja, dass diese Gespräche nicht der Bewertung dienen, dass sie nur informieren sollen über den Stand der Entwicklung. Aber die Gefühle, ja, die sind da etwas anderes. Gestern Nachmittag hatte ich noch scherzend zur Bezugserzieherin gemeint, dass ich gar nicht weiß, was ich erwarten soll, aber so wirklich ein Scherz war das nicht, denn wir waren wirklich komplett ahnungslos was dabei passiert und alle Eltern hoffen ja, dass ihr Kind gaaaaanz toll ist – auch wenn sie natürlich wissen, dass es das ist, egal, was die ganzen anderen Ahnungslosen da draußen reden 😉 !
Aber im Ernst: Man macht sich seine Gedanken, bei uns vor allem über die Verhaltensänderung unseres Sohnes seit der Geburt seiner Schwester, seit der er sich deutlich aggressiver zeigt, aber auch über den Fortschritt seiner motorischen Fähigkeiten. Bei seinen sprachlichen Fähigkeiten machten wir uns keine Sorgen, aber auch da waren wir sehr interessiert, was die Erzieherin dazu zu sagen hat. Grundsätzlich waren wir daran interessiert, ob unser Bild von unserem Sohn mit dem in der Kita übereinstimmt.
Das tut es! Weitestgehend zumindest, denn die ein oder andere Überraschung gab es schon.
Als erstes sprachen wir über die Problematik Verhaltensänderung bei unserem Sohn. Die Erzieherin fragte sehr behutsam, ob und wie weit uns denn etwas aufgefallen sei. Natürlich haben wir das bemerkt, ich hatte ja auch schon an der ein oder anderen Stelle darüber geschrieben, dass der kleine Mann sehr viel mehr schlägt/tritt/beißt und ähnliches. In der Kita haben sie das in diesem Maße nicht bemerkt, aber doch auch eine ähnliche Verhaltensänderung. Vor der Geburt der kleinen Maus war er nämlich eher derjenige, den die Erzieher vor anderen beschützen mussten, weil er sich quasi gar nicht wehrte. Jetzt ist es andersherum, die Erzieher müssen die kleinen vor ihm beschützen. So wie ich das verstanden habe, nicht weil er sie so aggressiv behandelt, wie uns, sondern weil er zu impulsiv und aggressiv in seiner Zuneigung ist. Das äußert sich z.B. so: Er will ein Kind umarmen und tut das auch, aber so fest und lange, dass das Kind anfängt zu weinen und selbst dann lässt er noch nicht los. Er respektiert also die Grenzen dieses Kindes nicht, vielleicht weil er es nicht will, vielleicht aber auch, weil er sie nicht wahr nimmt! Das ist für mich sehr wichtig zu wissen, denn ich lege sehr großen Wert darauf, dass diese Grenzen eingehalten werden. Natürlich darf unser Sohn immer kuscheln kommen und uns auch anfassen, aber ich habe z.B. direkt nach der Geburt eine sehr ernste Diskussion zum Thema „Titties auspacken“ mit meinem Sohn geführt, weil er beim kleinsten Schrei seiner Schwester sofort anfing, mit den Ausschnitt herunter zu ziehen. Sehr ruhig und geduldig – weil mehrfach – erklärte ich ihm, dass das meine Titties sind und dass ich darüber entscheide, wann ich die auspacke, er würde auch nicht wollen, dass ich ihm auf der Straße die Hose herunter ziehe. Genauso gehe ich aber auch mit seinem durchaus schon vorhandenen Scham- und Körpergefühl um. Ich habe von der Ärztin den Auftrag bekommen, seine Vorhaut im Auge zu behalten, ob sich da alles gut entwickelt. Ich frage ihn jedes Mal erst, bevor ich dort etwas untersuche und da ich das nicht täglich machen muss, respektiere ich es uneingeschränkt, wenn er Nein sagt. Egal wie klein mein Sohn ist, es ist sein Körper und er darf darüber entscheiden, wer ihn dort wo anfässt – dass gilt für fremde Frauen im Supermarkt, die ihn ungefragt im Gesicht stricheln und von ihm ein gepfeffertes „Nein! Nicht anfassen!“ zu hören bekommen, dass gilt für Freunde und Verwandte, die ein Küsschen von ihm wollen, dass er nicht immer gibt und das gilt auch für mich und seinen Papa! Sein Körper, seine Regeln. Ich glaube, dass ist das Beste, was ich tun kann, um ihn zu schützen und um ihm beizubringen, dass andere dieses Recht ebenso haben.
Glücklicherweise kann ich mit meinem Sohn schon sehr gut über solche Dinge reden, denn er hat ein unheimlich großes Verständnis und einen sehr großen Sprachschatz. Er ist in diesem Bereich seinem Alter weit voraus, was uns auch die Bezugserzieherin im Gespräch bestätigte. Sie ist immer wieder verblüfft, was er alles für Wörter kennt und vor allem, dass er in seinen mitunter sehr langen und verschachtelten Sätzen schon sehr logisch schlussfolgert, nach dem Motto „Wenn? Dann!“. Das ist so bemerkenswert, dass sie sogar wissen wollte, ob wir unseren Sohn speziell fördern, was wir aber zu ihrer Erleichterung verneinten. Wir haben nur nie in Babysprache mit ihm geredet, ich habe von Anfang an alles, was ich tat, kommentiert und ihm auch mit fünf Monaten schon Geschichten vorgelesen. Na klar verstehen Babys zu diesem Zeitpunkt den Inhalt noch nicht, aber sie hören das Sprachmuster und die Grammatik und das legt den Grundstein. Auch unsere Art ihn zu berichtigen – denn richtige Grammatik ist etwas, das mir ziemlich wichtig ist – trägt wohl dazu bei, dass er so gut sprechen kann. Ich habe zwar gehört, dass man Kinder nicht berichtigen soll, weil das ihr Selbstbewusstsein schwächt, aber laut unserer Erzieherin haben wir es instinktiv richtig gemacht. Wir berichtigen zwar, aber durch positive Bestätigung. Wenn unser Sohn beispielsweise sagt „Mama, Papa hat ihre Brille auf!“ dann antworte ich „Stimmt, du hast Recht, der Papa hat seine Brille auf!“. Ganz nebenbei hört er die richtige Version, ohne dass ich ihn wirklich berichtigt hätte. Das ist wohl ein guter Weg, damit umzugehen. Besonders spaßig ist das können unseres Sohnes wohl im Bereich Zahlen und Buchstaben. Als sie ihn fragte, wo er wohnt – das müssen die Kinder in diesem Alter benennen können, also nicht die Daten, aber so Dinge wie „In einem großen Haus!“ oder „da beim Edeka!“ oder so was – sagte er ihr die Hausnummer und die ist immerhin zweistellig und war richtig. Und ganz absurd wird es, wenn es Buchstabensuppe gibt! Da kommt unser Kind kaum zum essen, weil es immer wieder Buchstaben findet, die es kennt und das laut kund tut. „Da habt ihr wirklich ein gesegnetes Kind!“ schloss unsere Erzieherin ihren Bericht zum Thema Sprachentwicklung und kognitive Fähigkeiten.
Auch sonst ist er ein tolles Kind. Er macht sehr gerne mit bei Kitaaktivitäten, wie Malen oder Kneten, ist sehr offen gegenüber neuen Spielen und Zeitvertreiben und ist auch bereit z.B. beim Morgenkreis aktiv mitzumachen – besonders beim Singen. Das tut er sehr textsicher und so inbrünstig und laut, dass die Erzieherin neulich richtig zusammengezuckt sei. Das freut natürlich die choraktive Mama sehr 😀 . Er kann sich aber auch sehr lange mit sich selbst beschäftigen, spielt sehr lange, sehr konzentriert und auch allein. Mit anderen Kindern spielt er noch nicht so sehr, aber das ist dem Alter auch noch nicht so sehr üblich und liegt auch nicht daran, dass die anderen Kinder ihn „ausschließen“ würden oder er nicht mit anderen Kindern kann, sondern daran, dass er generell ein eher ruhiges, bedächtiges, manchmal zurückhaltendes, vielleicht sogar träumerisches Kind sei.
Dies war der Punkt, an dem ich überrascht war. Bei träumerisch ging ich noch mit, der kleine Mann ist schon manchmal ein rechter „Hans-guck-in-die-Luft“, aber ruhig? Bedächtig? Zurückhaltend gar? So kennen wir ihn überhaupt nicht. Unser Sohn ist laut, lärmend, quatscht am laufenden Band und haut Sprüche raus, da ist manch Großer sprachlos. Schüchtern kennen wir ihn seit der Geburt seiner Schwester, da tut er sich deutlich schwerer damit hinter meinen Beinen hervor zu kommen und hallo zu jemandem zu sagen, den er nicht einmal die Woche sieht. Das traf selbst meine Schwester und meinen Papa! Aber ruhig und zurückhaltend ließ mich dann doch aufhorchen. Sollte es etwa ein Problem in der Kita geben, von dem ich nichts weiß?
Nein! Beruhigte uns die Erzieherin. Alles ganz normal. Unser Sohn wird einfach einfach in größeren Gruppen ruhig. Er beobachtet erst einmal die Situation, macht vieles mit sich aus und nimmt sich zurück, wenn es ihm zu viel wird. Das haben wir mitunter auch schon zu Hause beobachtet. Wenn es sehr wuselig ist, dann geht er in sein Zimmer und spielt da eine geraume Zeit allein, bis er uns ruft oder er wieder zu uns kommt. Je kleiner die Gruppe, in der er sich befindet, desto aufgeschlossener und redseliger wird er. Das ist besonders auffällig in der Kita nach dem Mittagschlaf – den er ja nicht macht – wenn nur zwei oder drei Kinder mit ihm wach sind. Dann schnattert er, was das Zeug hält und kommt richtig aus sich raus. Es ist also nur folgerichtig, dass er zu Hause sehr viel lebhafter ist, denn da hat er ja zumeist sehr kleine Gruppen, die in der Regel aus Personen bestehen, die sich eins zu eins mit ihm befassen. Allerdings ist uns auch schon aufgefallen, dass er bei Familienfeiern immer erst seine Zeit braucht, bevor er wieder „er selbst“ wird. Er beobachtet erst einmal und wen er nicht mag, zu dem geht er auch nicht hin oder ist dann einfach ganz stumm.
Der letzte Punkt im Entwicklungsgespräch betraf die Grob- und Feinmotorik. Da kam raus, dass unser Sohn zwar durchaus altersgemäß einzuschätzen, aber dabei eher behäbig ist. Er macht und kann alles, was er können muss, aber mitunter sehr langsam und bedächtig und mit wenig Körperspannung. Unsere Erzieherin benutzte den Ausdruck er sei sehr mit dem Boden verhaftet, was übereinstimmt mit unserer Beobachtung, dass er noch nicht wirklich hüpfen kann und wenn er rennt, dann steigert er dabei sein Tempo nur unwesentlich, winkelt aber seine Arme an und dreht seinen Oberkörper hin und her. Er löst sich einfach noch nicht so sehr vom Boden, aber das ist auch noch nicht weiter bedenklich und sie hat es auch nur erwähnt, damit man es schon einmal gehört hat. Genauso verhält es sich mit seiner Fähigkeit einen Stift zu halten z.B. Das kann er auch noch nicht, aber das ist auch nicht so arg schlimm im Moment.
Insgesamt kann sie aber sagen, dass unser kleiner Mann sehr gut angekommen ist in der Kita. Wir hatten zwar eine etwas längere Eingewöhnungszeit, die sich über zwei Monate hinzog, aber die hat sich gelohnt, denn jetzt fühlt sich unser Käfer pudelwohl dort und hat vor allem mittlerweile alle Erzieher angenommen, nicht nur seine Bezugserzieherin. Das macht es nicht nur den Erziehern leichter, sondern vor allem auch ihm, wenn er dann doch mal eine Not hat. Denn dann lässt er sich auch in der Kita sehr gut trösten und scheut sich nicht, mit seiner Sorge auch zu einem der Erzieher zu gehen. Das beruhigt mich sehr.
Ich bin also mit einem guten Gefühl aus dem Erziehungsgespräch gegangen. Einiges war mir neu, anderes kannte ich schon, aber alles in allem stimmt das Bild, dass wir ganz subjektiv von unserem Sohn haben, mit dem anderer Menschen überein und das stimmt mich glücklich, denn es heißt, dass mein Sohn von ganz vielen Menschen geliebt und geschätzt wird.
„Euer Sohn ist wirklich ein Schatz – und das sage ich nicht einfach nur so: Er ist ein ganz Süßer!“
Recht hat sie, die Erzieherin ❤

Frhoppe 05.06.2015

27.05.2015 Mama, wir haben eine Kirche gemalert!

Nein, dieser Satz ist kein Versprecher. Unser Strahlemann meint nicht, dass er eine Kirche auf ein Blatt Papier gemalt hat! Er hat wirklich und tatsächlich eine Kirche gemalert. Guuuuut, es war eine aus Umzugskartons und mit Papier beklebte Kirche, aber er hat sie gestrichen – in einem viel zu langen Malerkittel und mit seiner eigenen Farbrolle. Mächtig stolz war er, denn er war das einzige Kind, dass helfen durfte, wenngleich das eher daran lag, dass er nicht einverstanden war mit einer Trennung von seiner gerade entdeckten Frau Mama.

Und das kam so:
Wie das in Kitas so ist, werden die Eltern ab und zu um Beteiligung an diversen Vorbereitungen gebeten. Dieses Mal sollte ein Wagen für einen Festumzug gestaltet werden und weil wir ja ein evangelischer Kindergarten sind, sollte darauf nun eine Kirche stehen. Eigentlich sollte sie durchaus der angegliederten Kirche ähneln, aber das erwies sich doch als zu schwierig, also wurden acht Umzugskisten zum Kirchenschiff zusammen gestellt und aus zwei zweiteren Umzugskisten entstand der Turm. Während eine Mama mit der Hilfe meines Sohnes – er sagte ihr immer, wo sie noch abschneiden musste – die Turmspitze erstellte, tüffelten wir drei anderen Mamas mit Hilfe der Erzieherin am Dach der Kirche, was uns mittels Malertape und Unmengen Heißkleber auch ziemlich gut gelang.
Während der gesamten Bauarbeiten wuselte der kleine Mann durch unsere Füße, denn was ich mir fast schon gedacht hatte, war eingetreten. Sobald der kleine Kerl mich erblickt hatte – und das war ziemlich schnell – war er aus dem Raum nicht mehr heraus zu bekommen. Ursprünglich sollten die Kinder alle im Garten bleiben und von außen zugucken, aber meinem Sohn war nichts zu machen. Alle Versuche, ihn im Garten zum spielen zu bewegen, schlugen fehl. Selbst, dass ich ihm seine Schwester in der Autoschale nach draußen stellte, damit er nicht das Gefühl hat, die darf und ich nicht, half nichts. Einige Mädchen fanden das Baby totaaaal süß und scharten sich um den Autositz, der kleine Mann klammerte sich weiter an mein Bein und weinte und schrie, als ich ihn einer Erzieherin übergab, blieb aber erst einmal bei ihr. Für zwei Minuten! Dann kam er wieder in den Raum mit den Bauarbeiten und erklärte mir mit weit aufgerissenen, tränenumflorten blauen Augen, dass er bei mir bleiben müsse. Er müsse schließlich helfen. Ich ließ ihn. Sicher wäre es einfacher gewesen, ihn aus dem Weg zu haben, in Sicherheit vor allem, denn überall lag Werkzeug herum, und ich versuchte auch noch mehrmals ihm das draußen spielen schmackhaft zu machen oder ihn zu überreden mit den Mädchen der anderen Mamas und der Kitaleiterin zu spielen, aber ich konnte ihn auch so gut verstehen. Er hilft einfach unheimlich gerne, trägt gerne an schweren Taschen mit – „Weißt du Mama, ich träge dass, damit du dass nicht allein machen musst!“ –, fässt am Autositz an, schiebt den Kinderwagen, bringt Müll in die Mülltonne – „Ich bringe das nur schnell in die Küche!“ – und und und. Er möchte so vieles mitmachen, nützlich sein und eben gleichzeitig bei seiner Mama sein, die er im Moment wirklich selten ganz für sich hat. Mag sein, dass dies für die anderen Mamas und die helfenden Erzieherinnen umständlicher war, aber das glaube ich eigentlich nicht, denn sie stellten sich wunderbar auf unseren Sohn ein. Der kleine Mann wurde super eingebunden. Er durfte – gesicherte – Cuttermesser anreichen, wies uns darauf hin, wenn wir eine Schere liegen lassen hatten – indem er sie uns brachte und sagte: „Mit Scheren darf ich nicht spielen!“ Jaaaaa, mein Sohn, da hast du absolut recht! Sehr gut, dass du das erkennst!!! – und sagte, wie schon erwähnt der Kirchturmspitze bastelnden Mama immer sehr genau, wo sie abschneiden musste. Während dessen bediente er sich an dem Teller mit Keksen, der eigentlich für die Mamas bereit gestellt worden war. Immer wieder tauchte die kleine Hand hinter dem Tischchen auf und schnappte sich einen Keks. So richtig glücklich war ich damit nicht, aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich in dieser Situation keinen Nerv für den Wutausbruch, der unweigerlich auf ein Verbot folgen würde. Normalerweise fechte ich diesen Kampf aus, nach zwei, maximal drei Keksen ist Schluss, egal wie sehr er meckert, aber wir wollten voran kommen und keiner der anderen hatte ein Problem mit den abnehmenden Keksen, also sei’s drum. Dann bekommt er dafür morgen keinen Keks. Da ist er ohnehin bei seiner Oma mütterlicherseits, die hält nicht viel von Süßkram.
Allerdings waren alle Kekse vergessen, als die Malerkittel kamen. Also nicht wirklich Kittel, eher Schürzen – zumindest für uns Erwachsenen. Der kleine Mann wurde komplett verhüllt von diesem Ding, was unheimlich niedlich aussah, wie er da in seiner Toga durch die Gegend watschelte und fleißig mit seiner weißen Farbrolle die Kirchenwände weißte. Es ist natürlich klar, dass der ein oder andere Farbunfall nicht ausblieb – seine Hose war danach trotz des bodenlangen Kittels weiß gesprenkelt und die grauen Spitzen seine Schuhe waren weiß. Auch fand er es unheimlich lustig, seine Hand in den Farbeimer zu tunken, was ich nicht ganz so grandios fand, denn er machte danach Anstalten, die an seiner Hand haftende Farbe auch ablecken zu wollen. Allerdings hatte ich hier ein Aha-Erlebnis, denn offenbar wusste das kleine Genie sehr genau, dass das Zeug nicht essbar und auch nicht gesund ist, denn er führte zwar die Hand Richtung Mund, tat dies aber mit einem deutlichen Zögern und so langsam, dass ich mühelos seine Hand festhalten konnte. Da standen wir nun: Aug in Aug, ich seine beiden Hände festhaltend, in einer Pattsituation, denn ich wollte, konnte aber seine Hand nicht sauber machen, denn wenn ich ihn losließ würde er den Geschmackstest vielleicht doch noch durchführen und in der anderen Hand hielt er seine weiße Malerrolle, mit der ebenfalls gewaltigen Schaden anrichten können würde. Zum Glück reagierten die anderen Mamas großartig, indem eine mir Küchenpapier brachte und eine andere die gefährliche Rolle an sich nahm, sodass wir dann auch gleich Hände waschen gehen konnten.
Insgesamt war es ein wirklich großartiger Nachmittag. Gegen Ende stießen die beiden Töchter der anderen Mamas noch zu uns und halfen beim Einräumen der Bausteine und als wir endlich sauber gemacht hatten, konnten wir glücklich und zufrieden nach Hause fahren.
„Mama, ich habe eine Kirche gemalert!“ verkündete mein kleiner Käfer im Auto stolz.
Ja, das hast du, du wunderbarer kleiner Kerl. Ganz großartig hast du das gemacht und so lieb bist du gewesen, dass ich wieder einmal nur über dich Staunen kann.
Und weil der Tag ernährungstechnisch eh schon verloren war, gab es zur Belohnung auf dem Heimweg noch die so seltenen „ein Pommes“ – die kleine Tüte von dem Laden mit dem großen M – die der kleine Mann auf dem Rücksitz selig vor sich hinschmatzte.

Frhoppe 04.06.2015

26.05.2015 Die nächste Generation Chaos-Kinder

Nachdem ja nun der kleine Mann selbst im Schlaf noch gezuckt hatte, jegliche Simulation, um Mitleid zu heischen also ausgeschlossen worden war und der kleine Käfer auch immer noch vor sich hinhumpelte, wenn auch nicht mehr so arg schlimm, entschieden wir endgültig, den Arzt aufzusuchen.

Der Arzt ist eigentlich eine Ärztin und kennt schon den Papa und seinen Bruder quasi aus dem Effeff. Die beiden sind quasi Praxislegenden, seit mein Mann seinem Bruder einmal versehentlich ein Gabel in die Wange geschmissen hat und meine Schwiegermama geistesgegenwärtig nur ein Handtuch drum gewickelt und den Sohn in die Praxis verfrachtet hatte. Nach einem ausgewachsenen Lachanfall wurde die Gabel dann fachgerecht entfernt, aber die Erinnerung an die Jungs blieb. Zumal die beiden Chaoten auch häufige Gäste waren.
Als wir dann heute mit dem kleinen Mann in die Praxis kamen, erwarteten wir halb einen Kommentar dazu, dass nun auch unser Sohn Patient bei ihr wird, aber es war so voll, dass die Ärztin ihren Kopf ganz woanders hatte. Erst als wir zum Röntgen dran waren, merkten wir, dass sie den Papa doch bemerkt hatte und dass sie sich sehr wohl an die vielen Besuche erinnerte. Fast familiär konnte ihr Tonfall genannt werden:
Ärztin: „So, dann röntgen wir mal! Kann das nicht der Papa machen mit dem halten?“
Ich: „Ach Nö, das geht schon. So schwer isser ja nicht!“
Ärztin: „Ich meine, wegen einer Schwangerschaft!“
Ich: „Na, jetzt bin ich ja nicht mehr schwanger!“
Ärztin: „Ist mir anders trotzdem lieber! Das ist doch der Papa da draußen?“
Ich nickte!
Ärztin: „Daniel! Komm mal rein hier!“ In diesem liebevoll-familiären Tonfall bei dem man immer dieses berühmte „Schakkeline, komm von den Damm runter!“ im Ohr hat. Und nach dem Röntgen erkundigte sie sich beim Papa über dessen Bruder.
Der Fuß des kleinen Kerlchens ist übrigens nicht gebrochen, sondern wohl nur gezerrt oder gedehnt oder auch nur geprellt. Machen kann tut man da nix, weil Kinder von allein entlasten und alles andere nur eingreifen würde in den natürlichen Heilungsprozess. Erst wenn der kleine Mann in einer Woche noch humpeln sollte, dann müssten wir noch mal wieder kommen.
Und weil man manchmal eben doch ganz krank sein muss und Mitleid braucht, durfte der kleine Unglücksrabe zum Mittag einen Schokopudding essen und wurde den ganzen Tag sehr viel getragen. Dasss wir ganz viel kuschelten, versteht sich von selbst und ganz von allein wurde das humpeln weniger und war am Abend schon kaum noch zu sehen.

Darüber hinaus durfte ich heute das erste Mal allein zur Probe gehen – ganz ohne Kind, aber nicht ganz ohne Hektik. Denn damit ich weg kann, muss ich natürlich abpumpen. Etwa eine Stunde nach dem Abpumpen hatte das Tochterkind natürlich außerplanmäßig wieder Hunger und ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder genug Milch. Ziemlich verraten blickte mich mein Baby an, als es an der Brust nuckelte und nicht wie gewohnt ein Schwall Milch kam, sondern nur ein Rinnsal. Gereicht hat es definitiv nicht, aber sie war erst einmal zufrieden gestellt. Kurz vor dem Gehen, etwa eine Stunde später durfte sie dann doch noch einmal an die Brust und scheinbar reichte ihr das, denn sie schlief kurz darauf tief ein. Nach der Probe rief ich den Papa nämlich quasi sofort an und fragte nach dem Stand der Dinge, der da so lautete: Das kleine Kind schlief tief und fest, dafür sei das große gerade aufgewacht und weine laut und verzweifelt nach seiner Mama. Mein Angebot, sofort nach Hause zu kommen, lehnte er jedoch ab. Man würde noch zehn Minuten abwarten, dann könne ich immer noch kommen, ich solle doch jetzt erst mal noch die gesellige Runde nach der Probe genießen. Das fand ich gut. Ich müsse auch nicht so bald kommen, er habe schließlich die Milch, falls unser Töchterchen weint, und alles andere kann ich auch nicht besser als er. Fand ich noch besser.
Und war dann doch schon eine halbe Stunde später da, obwohl auch der große Sohn schon wieder schlief.

Frhoppe 01.06.2015