17.05.2015 Kleiner Wutpinkler – oder: Streite nie mit einem Kind ohne Windel!

Seit einigen Wochen bereits versuchen wir unseren Sohn an das Töpfchen zu gewöhnen. Das klapp mal mehr, mal weniger gut, je nach Laune des kleinen Mannes. Was wir dabei heraus gefunden haben, ist, dass er schon sehr gut einhalten kann – wenn er nicht aufs Töpfchen will, dann geht er nicht! Basta. Er kann eine halbe Stunde sitzen und Buch lesen oder Auto spielen, pinkeln tut er dann erst wenn er die Windel wieder umhat. Und das sagt er auch so. Wenn er auf dem Topf thront und man ihn fragt, ob er schon gepullert hat, antwortet er: „Nein, ich will nicht! Ich brauche eine Windel!“ Es ist wohl bei ihm hauptsächlich eine Frage des Willens, wann er trocken wird. Dementsprechend bringt es natürlich kaum etwas, ihn zum Töpfchen gehen zu zwingen. Wir haben aber den Lokus in sein Morgen- und Abendritual eingebunden. Morgens nach dem Aufstehen geht er rauf und abends vor der Nachtwindel auch noch mal. Und morgens klappt es sogar schon sehr häufig, dass die Windel noch trocken und der Topf dann gefüllt ist. Abends sind wir da noch lange nicht so weit. Aber ich bin ehrlich – wir arbeiten mit schamloser Bestechung. Wer aufs Töpfchen pullert, bekommt ein Gummibärchen!

Vom tagsüber auf Töpfchen gehen, hält der Käfer nun allerdings noch nicht besonders viel. Er setzt sich zwar ab und zu drauf, aber so wirklich eine Meinung hat er nicht zu dem Thema und wenn er die Wahl hat, dann lässt er es lieber. Kann ich aber auch irgendwie verstehen. Diese neuen Windel lassen ja nix durch. Wer da mal den Taschentuchtest gemacht hat, wird merken, dass das alles (relativ) trocken ist. Und trocken ist nun mal nicht unangenehm. Höchstens ein bisschen schwer wird das irgendwann.
Was genau der Grund ist, aus dem wir den beginnenden Sommer dazu nutzen zum nächsten Schritt über zu gehen. Wir lassen die Windel weg. Zunächst noch sporadisch und möglichst, wenn er gerade mal zufällig aufs Töpfchen gepullert hat, aber der Plan sieht vor, öfter und länger ohne Windel unterwegs zu sein. Gestern und heute hat das sogar schon ganz gut geklappt. Gestern konnte der kleine Mann ganz stolz aufs Töpfchen pullern nach drei windelfreien Stunden, weil wir rechtzeitig erkannt haben, dass er mal muss und ihn aufs Töpfchen gesetzt haben. Gut, ein paar Tropfen gingen in die Hose, aber ein bisschen Schwund ist immer. Ohnehin steigt die Frequenz an gebrauchten Hosen in dieser Phase der Trockenlegung, aber das ist ja auch der Zweck der Sache. Der kleine Mann soll ja merken, dass es nass ist, wenn man pullert.
Natürlich gehen wir damit sehr sensibel um. Wenn es dann doch zu spät ist – meistens ist er so vertieft ins Spiel, dass er es erst merkt, wenn die Hose schon nass ist – dann nehmen wir ihn als erstes in die Arme und trösten ihn, dass das gar nicht schlimm ist, er lernt das ja schließlich gerade erst. Und beim nächsten Mal merkt er vielleicht etwas früher, dass er mal muss und sagt uns einfach Bescheid. Es käme für keinen von uns in Frage, deswegen mit ihm zu meckern, denn er kann ja wirklich nichts dafür!
Allerdings muss ich zugeben, dass ich über die heutige Situation erst im Nachhinein lachen kann. Während mein Sohn mir auf die Hose pinkelte, fand ich das gar nicht komisch. Und das kam so: Das Kind sollte baden. Wie jeden Sonntag. Das Kind wollte aber nicht in die Wanne. Wie jeden Sonntag. Wenn er dann drin ist, findet er es gut, aber ihn in die Wanne zu bekommen, hat ein bisschen was von „Der Exorzist“. Das hatte ich heute vergessen – oder eher, ich hatte vergessen, dass das Kind keine Windel um hat, als ich ihn zum Ausziehen auf meinen Schoß nahm. Eigentlich macht er das nämlich schon allein. Aber eben nur, wenn er will. Will er aber Sonntags Abend nicht, dann muss ich das machen. Und das ist dann eben wie aus „Der Exorzist“ – ohne Windeln dann wie „Der nasse Exorzist“. Immerhin war ihm dieses Missgeschick so unangenehm, vor allem wohl, weil er mich mit nass gemacht hat – ich gestehe, ich sagte im ersten Schreck wohl etwas wie: „Ich glaub das nicht! Hast du mich jetzt angepinkelt!?“ – dass wir dann verhältnismäßig ruhig ausziehen und sogar blendend gelaunt baden konnten.

Frhoppe 17.05.2015

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