Aus aktuellem Anlass: Es kotzt mich an!

Ich habe Kinder und ich schreibe über sie! Nein wirklich? Unfassbar und vor allem so unerwartet, diese Aussage auf einem Blog, wo es ausgewiesenermaßen um Kinder geht!

Aber Spaß beiseite:
Meine beiden Kinder waren geplant! Für mich war sehr früh klar, dass Kinder ein essenzieller Bestandteil meines Lebens und ja, auch meines Lebensglücks sein würden. Ich wusste immer, es werden mindestens zwei Kinder sein und ich war mir auch sicher, dass sie keinen großen Abstand haben würden, denn so war es bei mir und meiner Schwester und ich finde das rückblickend sehr gut so. Also schoben wir zwei Jahre nach der Geburt unseres großen Kindes das zweite Kind nach – eine unschöne Formulierung wie ich finde, aber sie begegnete mir schon des öfteren.
Anlass für diesen Blogeintrag außer der Reihe ist nun eine etwas weniger harsche Wortwahl, aber der Sinn ist in etwa der Selbe. Einhergehend mit dieser Formulierung – die im Übrigen nicht direkt an mich gerichtet war, die ich aber als Bloggerin in dieser Thematik zu Recht auf mich beziehen darf, zumal ich die äußernde Person kenne – fand sich eine deutliche Beschreibung dessen, wie sehr diese Mütter nerven, welche die Welt an ihrer Mutterfreude teilhaben lassen wollen. Per Se hat jeder jedes Recht dazu, diese Meinung zu äußern, denn jeder hat ein Recht auf seine Meinung und keiner muss meinen Blog oder auch nur meine Begeisterung für meine Kinder teilen. Ich muss in der Lage sein, damit umzugehen, dass Menschen von meinem Tun genervt sind, sonst hätte ich nicht in die Öffentlichkeit gehen dürfen damit. Das an sich hat mich auch im Wesentlichen nur am Rande interessiert.

Dass aber im selben Atemzug diesen Müttern unterstellt wird, sie seien Satelliten, die wie Geier über ihrer Beute kreisen und hätten keine wirklich tiefsinnigen Gedanken mehr, ja seien nicht einmal mehr eigene Individuen, das finde ich in höchstem Maße beleidigend und intolerant.

In meinem Blog geht es tatsächlich nur um meine Kinder und um das, was mit und um sie herum passiert und was mich als Mutter bewegt – ich habe aber auch nie etwas anderes behauptet. Ich schreibe lediglich auf, wie es mir in meiner konkreten Situation mit bestimmten Fragen oder Umständen geht. Ich gebe keine Ratschläge in Erziehungsfragen und maße mir kein Urteil an über andere Meinungen oder Erziehungsstile. Ich finde, solange das Kind nicht zu schaden kommt, hat alles seine Berechtigung. Das Themenspektrum dieses Blogs ist klar umrissen – es heißt: Meine Kinder und ich als Mutter. Und nicht: Kinder, Mama, Politik, Wirtschaft und überhaupt der Sinn des Lebens und des Universums.

Aber nur weil das Spektrum dieses Blogs eng umrissen ist, ist es nicht auch mein Denken. Ich finde es unverschämt, anhand dieser Einträge, dieser Form des Auftritts in der Öffentlichkeit, davon auszugehen, dass ich oder überhaupt jede Mutter, die darüber schreibt, außer ihren Kindern nur Brei im Kopf hat und sich nicht mit den ernsten Fragen der Gesellschaft und des Lebens befasst. Ich finde es ebenso unverschämt, davon auszugehen, dass man gleich das zweite Kind plant, weil man das eben so macht und eigentlich nicht wirklich darüber nachgedacht hat. Na klar!!! Weil wir verblendeten, hirnlosen Satellitenmütter ja kaum erwarten können, den nächsten Kinderarsch von Scheiße zu befreien und die Babykotze aus sämtlichen Klamotten zu waschen, denn für uns riecht das ja alles nach Rosen und sieht aus wie ein Regenbogen.
Wenn ich mal nur von meinem Fall ausgehe, dann sei dazu folgendes gesagt: „Gleich“ – also nach zweieinhalb Jahren – das nächste Kind zu bekommen, war von uns eine sehr wohlüberlegte und lange diskutierte Entscheidung, die im übrigen schon stand, bevor das erste Kind auf die Welt kam. Wir gedankenlosen Menschen haben uns sehr genaue Gedanken darüber gemacht, was wir für unser Kind für das beste halten und haben uns dazu sogar belesen, man soll es ja kaum glauben. Und aus psychologischer Sicht ist nun einmal die Phase zwischen dem zweiten und dem dritten Jahr ideal, um ein Geschwisterkind in die Familie zu integrieren, denn das ältere Kind fängt gerade an sich als Individuum jenseits von Mama und Papa wahrzunehmen und sich von seinen Eltern zu distanzieren, es ist aber gleichzeitig noch nicht lange genug allein, um sich zu sehr an die alleinige Aufmerksamkeit der Eltern gewöhnt zu haben und das jüngere Kind als Rivalen wahrzunehmen. Dies ist natürlich nur eine Sichtweise, aber diejenige, die uns nun einmal überzeugt hat.
Ich möchte mich aber richtig verstanden wissen: Egal welchen Altersabstand Geschwister haben oder ob es überhaupt noch ein zweites Kind gibt, alles hat seine guten und schlechten Seiten. Und vor allem SEINE BERECHTIGUNG!!! Ich äußere mich dazu nur so detailliert, weil ich meine Sicht der Dinge äußern möchte. Und ja: Das ist eine Rechtfertigung!

Denn meines Erachtens ist es genau dieses Denken, an dem unsere Gesellschaft krankt. Dieses be-, nein eigentlich tatsächlich VERurteilen von Frauen, die sich entschieden haben, für ihre Vorstellung von Familie zunächst kürzer zu treten. Diese Frauen sind nicht weniger Individuen, nur weil sich eine Zeit lang für sie mehr oder manchmal auch alles um ihre Kinder dreht, denn sie haben sich größtenteils bewusst dafür entschieden und das ist für mich genauso Ausdruck von Individualismus, wie jede andere Entscheidung einer Person auch. Entscheidung ist hier das Wort der Stunde. Ich weiß nicht, wie oft ich jetzt schon schräg angesehen wurde, weil ich mit dem ersten Kind zwei Jahre zu Hause geblieben bin und es auch mit dem zweiten wieder vorhabe. Es kotzt mich an, dass mir immer wieder gesagt wird, ich könne damit auf Dauer doch nicht glücklich sein, ich müsse doch mehr vom Leben wollen und jetzt auch noch, ich sei nicht (mehr) in der Lage zu tiefgreifenden Gedanken und kein Individuum jenseits meiner Kinder. Man hat ja quasi die Verpflichtung, zumindest ein bisschen unglücklich mit dem Umstand des Nur-Mutterseins zu sein, denn schließlich wäre ja Jahrzehnte dafür gekämpft worden, dass Frauen nicht mehr zu Hause bleiben müssen.

NEIN! Es ist Jahrzehnte dafür gekämpft worden, dass Frauen die Wahl und die Möglichkeiten haben!

Und das ausgerechnet eine Frau mich als gedankenlosen, kreisenden Geier bezeichnet, weil ich nicht nur meine Gedanken zum, sondern auch meine Freude über das Mutterdasein teile, dass sie mir Individualismus abspricht, weil ich mit meinem Leben als Mutter derzeit glücklich bin und das äußere, finde ich unfassbar traurig!
Das sie genervt ist – fein! Das bin ich auch, von allem möglichen, angefangen bei Intoleranz gegenüber anderen Menschen bis hin zu den ewigen Verschwörungstheorien um jeden Autounfall. Aber ich renne deswegen nicht herum und beleidige sinnlos Leute! Denn wie andere ihr Leben führen, ist ihre Sache. Und egal, wie ich das persönlich finde, es ist ihr gutes Recht, das zu tun.

In diesem Sinne!

Frhoppe 03.05.2015

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