01.05.2015 Medienkompetenz für Kinder – warum unser Kind kein Fernsehen schaut!

Geistige Ergüsse:

  • „Papa wickelt dich gleich!“ sprach Mama.
    „Nein, du wickelst,“ bestimmte das Kind.
    „Ich will aber nicht! Du hast einen Kackepo – darf das nicht doch der Papa machen?“ bat Mama!
    „Nein! Du darfst das machen,“ antwortet Sohnemann – begleitet von einem generösen Lächeln, als täte er mir einen riesigen Gefallen.
  • Folgendes Gespräch ergab sich zwischen Vater und Sohn:
    „Sohn, wo ist denn deine Meise!“
    „Die wohnt im Stall!“
    „Und wo ist Mamas Meise?“
    „Bei Papa!“
    „Und wo ist dann Papas Meise?“
    „Die wohnt im blauen Stall!“ – man erinnere sich der Messung von Papas Gehirn mit dem Ergebnis blau.
    „Und wo ist der blaue Stall?“ fragt Papa misstrauisch.
    „Der ist im Kaninchenstall!“
  • „Sohn, hast du einen Vogel?“
    „Nein! Nein, mein Vogel ist weggeflogen!“
  • Nach dem Spielen auf dem Hof stoppt der Sohn mitten auf der Treppe.
    „Oh Mama, du musst mich tragen.“
    „Nein Schatz, ich kann dich nicht tragen! Du schaffst das schon!“
    „Ich schaffe das nicht!“ Seufzer. „Ich bin alt!“
  • „Mama ich gehe jetzt auf den Hof und dann kommt Frau Sch. und schenkt mir wieder Kekse!“

Soweit so gut! Nun aber zum eigentlichen Thema:
Gestern hörte ich im Bus einer Gruppe Schülerinnen zu, die sich offenbar auf einer Stadtralley befanden. Ihre Lehrerin war auch anwesend und eben jener Lehrerin erzählten sie, dass ihr Lehrer, der mit dem Jungs unterwegs war, diesen Jungs sagte: „Ich gebe euch mal einen Tipp: Ihr könnt auch googlen! Aber sagt das keinem!“
Ich bin ehrlich! Ich war ein bisschen sprachlos. Da empfiehlt ein Lehrer seinen Schülern, sie sollen im Internet nach der Lösung suchen, die eigentlich qua Aufgabenstellung erlaufen werden soll und nicht nur das – sie sollen ihre Lösungen auch noch als eigene Leitung ausgeben. Ich meine der Sinn einer Stadtralley ist es doch die Orte aufzusuchen und sie sich anzuschauen – zumindest dachte ich das immer, mal ganz zu schweigen davon, dass er ernsthaft seinen Schülern beibringt, fremde Arbeit als ihre eigene auszugeben. Da wundert mich wirklich gar nichts mehr. Die Lehrerin wirkte auch nicht sonderlich erfreut und sagte den Mädchen, dass es besser sei, sich mit eigenen Augen von der Richtigkeit einer Sache zu überzeugen, als blind dem Internet zu vertrauen. „Puh,“ dachte ich. „Glaube in die Menschlichkeit wieder hergestellt!“
Abends zu Hause gab mir dann der Gatte einen Artikel zum Thema Kinder und Medien zu lesen. Diese beiden Ereignisse und ein kürzlich gelesener Blogeintrag zu diesem Thema brachten mich wieder einmal zum nachdenken. Oder eigentlich nicht einmal zum Nachdenken, denn wir stehen hinter unserer Entscheidung.

Bei uns gibt es kein Fernsehen! Also nicht grundsätzlich. Wir schauen schon auch Fernsehen, aber eben nicht mit dem Kind. Unser Sohn hat in seinem zweieinhalb Jahre andauernden Leben etwa 10 Minuten Fernsehen geschaut. Vor etwa einem Jahr nämlich ließ ich ihn abends 10 Minuten Simsalagrimm schauen, weil ich wirklich nicht mehr konnte und der Papa sich auch noch verspätete. Das Ergebnis fand ich gruselig. Mein lebhafter, lauter, damals schon quasselnder Sohn stand vor dem Gerät und starrte, ohne sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Zehn Minuten lang, gab es keine Reaktion von ihm, nicht einmal aufs Ansprechen hin. Ich schaltete daraufhin den Fernseher aus, obwohl die Serie noch nicht zu Ende war und auch nicht wieder ein und ich ärgerte mich über mich selbst! Denn eigentlich hatte ich es besser gewusst. Spätestens seit dem Vortrag von Manfred Spitzer über Kinder und Medienkonsum war es für uns keine Frage mehr, dass wir ganz richtig damit lagen, weder unseren Sohn, noch unsere Nichten und Neffen Fernsehen schauen zu lassen. Mal davon abgesehen, dass ich ohnehin finde, wenn ich meine Nichte mal zwei, drei Tage habe, dann muss ich diese Zeit nicht damit verschwenden, Fernsehen zu schauen. Es gibt soviel sinnvolleres zu tun, als vor der Glotze zu hängen und es ist ja auch nicht zielführend. Die Kinder sind zwar währenddessen ruhig(-gestellt), aber danach drehen sie dann völlig frei. Verständlicherweise, denn sie müssen ja irgendwohin mit ihrer Energie.
Und dann ärgern mich Beiträge, wie der kürzlich gelesene, wo man überhaupt kein Problem darin sieht, dass die Kinder Fernsehen schauen, schließlich sei ein Buch zu lesen oder ein Bild zu malen, auch nicht sinnvoller. Gut, das sei mal dahin gestellt, aber selbst wenn das so ist, dann regt ein Buch zu lesen oder zu malen wenigstens die Fantasie an und vor allem muss man dafür sein Gehirn anstrengen, die Feinmotorik wird beim Zeichnen geschult und die Hand-Augen-Koordination, um nur einige Beispiele zu nennen. Derselbe Beitrag sieht ebenfalls kein Problem darin, die Kinder frühzeitig mit Smartphones, Tablets und Internet spielen zu lassen, man könne Kinder ja sowieso nicht vor allem schützen, also solle man sie besser gleich dran gewöhnen.
Ich meine, ich bin bei weitem kein Gegner von Internet und Co – wäre ja auch doof, so als Internetblogger – und ich poste auch auf Facebook nicht nur allgemeinen Kram, sondern gerne auch mal persönliches. Aber es hat einen Grund, warum ich in diesem Blog keine Namen nennen. Und auch auf Facebook gibt es keine Bilder von den kleinen Menschen. Als ich mit dem Sohn schwanger war, hieß es zum Abschied von meinen Arbeitskollegen: „Na, wir sehen dein Kind dann ja auf Facebook!“
Nein! Aus einem ganz einfachen Grund:
Wie soll ich meinen Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten beibringen, wenn ihr gesamtes bisheriges Leben in Bildern auf Facebook steht?

Ich weiß nicht, wann wir was wie umsetzen werden. Ich weiß nicht, ob nicht unsere Kinder ohnehin in einer ganz neuen Generation aufwachsen werden in der man ohne das alles nicht mehr weiter kommt, aber ich kann mich dagegen wehren, ich kann versuchen sie davor zu schützen. Und ich fange damit an, dass unsere Kinder kein Fernsehen schauen, bevor sie mindestens drei Jahre sind. Und danach gibt es das auch nur im Rahmen eines besonderen Erlebnisses, denn wenn es selten ist, dann ist es viel mehr wert. Auch wenn ich nämlich nicht finde, dass es nötig ist, so gehört es doch zu meinen schönsten Erinnerungen, wenn wir am Wochenende richtig mit Stüllchen und Knabberkram einen Disneyfilm schauen durften.

Frhoppe 01.05.2015

Advertisements

2 Gedanken zu „01.05.2015 Medienkompetenz für Kinder – warum unser Kind kein Fernsehen schaut!

  1. Gerade das Thema Fernsehen finde ich sehr schwierig. Ich persönlich bin der Meinung, je seltener und besonderer ich es für mein Kind mache, desto wichtiger mache ich es.
    Ich möchte, dass Fernsehen für meine Tochter etwas normales ist, was man hin und wieder machen kann.
    Und ich finde, meine Tochter geht damit mir ihren 1 1/2 Jahren schon recht gut um. Manchmal zeigt sie auf den Fernseher und möchte gucken, manchmal (nicht immer natürlich) mach ich ihr dann eine Kindersendung an. Dann guckt sie 5 Minuten, findet es toll, und widmet sich dann wieder anderen Dingen – sogar wenn der Fernseher noch läuft.

    Ich will die hier in keiner Weise auf die Füße treten oder so, sondern wollte nur mal meine Erfahrung damit schildern.

    LG, Biene

    • Ach Quatsch, ich fühl mich nicht getreten 😉 … Ganz im Gegenteil, ich freue mich Reaktionen auf die Texte zu bekommen und andere Sichtweisen zu haben. Bislang zeigt unser Sohn ja noch keinerlei Interesse an dem schwarzen Ding, von daher will ich das auch nicht wecken, indem ich ihm das anbiete, aber irgendwann wird das kommen und da finde ich deinen Umgang damit einen interessanten Ansatz, vor allem, weil der kleine Kerl auf Verbote mit „Ich will erst Recht!“ reagiert. Allerdings ist er ja auch bald drei und bei uns heißt es ja, bis drei Jahre kein Fernsehen, also vielleicht schaffen wir das ja noch das halbe Jahr 🙂 Danke auf jeden Fall für dein Interesse und vor allem für deine Meinung!
      Lg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s