24.05.2015 Was ist das bloß mit dem Hauen und Treten?

Nicht so schön:

  • „Mama, du sperrst mich immer ein!“ Aus heiterem Himmel!
    „Wie bitte????“ Ich war entsetzt.
    „Oh, guck mal ein Kluwe!“ – ein Bauanbieter in unserer Nähe!“
    „Sohn! Was meinst du denn damit? Wo sperre ich dich denn ein?“ Ich wollte wissen, was er meint.
    „In meinem Haus?“
    „Und wo ist dein Haus?!“
    „Das ist weg. Gaaaanz weit dahinten!“ Das war’s. Mehr sagte er nicht! Keine Ahnung, was er meint!

Dieses Zitat des Tages bietet mir einen willkommenen Anlass über ein Thema zu schreiben, dass mir schon länger am Herzen liegt:
Wie gehe ich in der Erziehung mit Gewalt seitens des Kindes um?
Seit einiger Zeit nämlich tritt unser Kind uns, haut, kneift, zieht an Haaren und beißt auch mal zu. Das war bis zu einem gewissen Maße noch erklärbar, geht er doch in die Kita und da sind gerade alle in dem Alter, in dem sie hauen und treten und sich schubsen. Soweit ich weiß, wird den Kindern dort sehr geduldig erklärt, dass sie das nicht machen sollen, auch nicht als Reaktion auf ein vorangegangenes Hauen. Sie sollen lieber sagen: „Nein nicht schubsen, das macht man nicht!“ Nun, das kommuniziert unser Sohn auch sehr deutlich. Er erzählt uns z.B., dass der O ihn geschubst hat und dass er dann gesagt hat „Nein O, nicht schubsen. Das macht man nicht!“ Im nächsten Moment aber schubst er uns mit den Worten: „Ich schubse dich!“ Oder er sagt uns, dass Hauen oder Beißen weh tut – er wurde ja selbst kürzlich von einem der kleineren Kinder gebissen, also weiß er das noch – und kurz danach spüre ich seine kleinen Zähnchen in meinem Bein oder ich bekomme eine Kopfnuss.
Das ganze ist schlimmer geworden, seit seine kleine Schwester auf der Welt ist. Das ist natürlich irgendwo verständlich, denn schließlich ist das für den kleinen Mann eine umwälzende Veränderung, die sein ganzes bisheriges Leben durcheinander wirft. Vor allem auf mich muss er sehr viel verzichten, denn auch wenn ich versuche, möglichst viel für ihn da zu sein, gibt es einfach Momente, in denen er zurück stehen muss oder ich einfach keinen Nerv mehr habe, auch wenn ich das eigentlich müsste. Gerade abends wird er sehr schwierig, wenn dann Müdigkeit und Sehnsucht nach Mama zusammen kommen. Da gibt es schon den einen oder anderen lauteren Wortwechsel zwischen Papa und Sohn mehr. Oftmals ist dieses rabiate Verhalten tatsächlich nur Übermut. Das Käferchen strampelt vor Freude und merkt dabei nicht, dass es dem Papa weh tut oder sein kleines Köpfchen kann mit der Müdigkeit nicht mehr umgehen. Aber im Moment gehäuft, steckt wirklich Absicht dahinter. Der kleine Mann tritt und haut, manchmal sogar mit Ankündigung. „Ich haue/trete dich.“ Wenn man dann sagt, dass einem das weh tut, dann lacht er und haut nochmal, manchmal sogar doller. Und während am Anfang seine kleine Schwester von diesen Ausbrüchen verschont blieb, trifft es nun auch sie immer öfter – wobei ich sagen muss, dass die meisten dieser „Überfälle“ dem überbordenden Bedürfnis zu kuscheln geschuldet sind und nur selten die Absicht zu hauen, dahinter steckt. Manchmal aber merkt man, dass er seine kleine Schwester aus Frust haut, sicherlich auch aus Eifersucht. Das ist oft der Fall, wenn er z.B. auf Teufel komm raus seiner Schwester den Nuckel in den Mund stecken möchte, die den aber gar nicht will. Wenn man ihm dann sagt, sie möchte den gerade nicht, er soll das bitte lassen, dann kann es schon passieren, dass sie eine gewischt bekommt.
Wir wissen nicht so richtig, wie wir damit umgehen sollen. Wir haben schon viele Gespräche miteinander geführt, was der richtige Weg ist. „Was sollen wir da nur machen?“ oder „Warum macht er das?“, „Wie geht man damit um?“ sind da nur einige Fragen und sicherlich handeln auch wir nicht immer richtig, werden mitunter auch mal laut, wenn es wirklich weh tut oder sagen etwas falsches, handeln unüberlegt. Vor etwa einem Jahr– der Lütte war etwa eineinhalb Jahre alt, hatten wir eine Phase, in der unser Sohn seine Zähne ausprobiert hat. Ein einziges Mal, nachdem er mich trotz Erklärung, das tut weh und mehrfacher Wiederholung blau gebissen hatte, biss ich beispielsweise zurück – nicht doll, gerade genug, dass es zwickt – aber es bleibt dabei, ich habe ihn gebissen. Ich bereue das jetzt zutiefst. Ich weiß, dass dies keine bleibenden Schäden beim Kind verursacht, zumal es der einzige Vorfall dieser Art war und ich mich auch kürzlich bei meinem Sohn aufrichtig dafür entschuldigt habe, aber ich hätte das trotzdem nicht tun sollen. In unserer Erziehung gibt es ein Null-Toleranz-Regel, was Gewalt angeht, dann darf ich den kleinen Mann auch nicht beißen, um ihm zu zeigen, dass es weh tut. Das ist wie auf die Finger zu hauen, während man sagt: „Man haut nicht!“
Wir erklären nun also unserem Sohn, dass es uns sehr traurig macht, wenn er uns haut, dass uns das weh tut und dass wir nicht verstehen, warum er das tut. „Warum haust/trittst/etc. du uns/mich?“ fragen wir ganz gezielt und weisen auch darauf hin, dass wir das niemals tun. „Wir hauen dich doch auch nicht. Oder hat dich jemand von uns schon mal gehauen.“ Diese Frage verneint der kleine Mann jedes Mal und meistens entschuldigt er sich sogar, aber manchmal kommt die Frage gar nicht bei ihm an. Speziell wenn er wütend ist, kann ich manchmal kaum bändigen. Da schlägt er so sehr um sich, dass ich mich tatsächlich gezwungen sehe, denn Raum zu verlassen, weil ich merke, dass ich aggressiv werde. Das geht wahrscheinlich jedem so, der kontinuierlich geschlagen wird.
Ich hasse das!!!
Ich möchte dem kleinen Mann nicht das Gefühl geben, dass ich ihn verlasse, wenn er nicht lieb ist, versuche darum auch möglichst unüberlegte Äußerungen wie „Dann mag ich nicht mehr mit dir spielen/kuscheln!“ zu vermeiden. Aber manchmal geht es nicht anders, manchmal ist man einfach auch Mensch, vergisst, dass der Käfer eigentlich nur Aufmerksamkeit oder Zuwendung braucht. Und bevor ich tatsächlich die Kontrolle verliere, gehe ich lieber, gönne ihm und mir einen Moment Ruhe, bevor ich mich wieder annähere. Dann erkläre ich ihm, dass mir das zu viel war und dass ich ihn zwar lieb habe, aber dass ich mich nicht von ihm hauen lasse und meistens entschuldigt er sich sogar. Eigentlich immer kommt er nach solchen Vorfällen, ganz eng kuscheln – wir hatten sogar schon Situationen, in denen der Käfer erst haute, dann trat und sich einem quasi sofort in die Arme schmiss, noch bevor man überhaupt Aua sagen konnte – es tut ihm leid und er möchte nahe sein. Dann weiß ich erst recht nicht, was ich von diesen Gewaltausbrüchen halten soll. Angesichts der Nachrichten habe ich Angst, dass mein Sohn später einmal keine Kontrolle über seine Wutausbrüche hat und ich will, dass er weiß, wie sehr Gewalt andere Menschen nicht nur körperlich verletzt.
Darum habe ich auch kürzlich meinem Sohn seine weinende Oma gezeigt, nachdem er sie gehauen hatte. Sie war gerade nervlich etwas angegriffen und wurde dann auch noch von ihrem frustrierten Enkel gehauen, was ihr den Rest gab. Während der Sohn schon auf und davon war, weinte sie heimlich, wollte nicht, dass er sie so sieht. Aber ich wollte das. Er muss lernen, was Gewalt verursacht, denn das beste Mittel gegen diese unkontrollierte Kraft ist Empathie. Und wenn Oma weint, weil er sie haut, dann kann er das sehen, ich finde dann muss er das sogar sehen. Und ich denke, das hilft. Meistens steckt seine kleine Schwester seine, ich nenne sie mal, „Liebesbeweise“ relativ klaglos weg, aber manchmal weint sie auch laut los. Dann ist er erschrocken, will sie trösten und macht Ei. Oder er weint mit, wenn einer von uns laut wird, weil seine Attacke wirklich weh tut.
Ich habe das Gefühl, dass es langsam besser wird. Zwar haut/tritt/etc. der kleine Mann immer noch sehr viel, aber immer öfter ist das nur Übermut beim Toben oder Übermüdung. Er erkennt langsam, dass diese Art und Weise ein Ergebnis hat, dass ihm nicht gefällt, nämlich das Mama und Papa und auch alle anderen traurig sind. Er entwickelt ein Gefühl dafür, dass Gewalt auf viele Art und Weisen verletzend ist und das ist so unheimlich wichtig für sein weiteres Leben.
Ich habe selber bis zu diesem Zeitpunkt nicht alles richtig gemacht. Ich habe ihn, wie gesagt, das eine Mal zurück gebissen, ich werde immer noch manchmal laut, wenn er mich oder seine Schwester haut, ich gehe, wenn ich nicht noch mehr Schläge oder Tritte einstecken kann, auch wenn ich weiß, dass der kleine Mann gerade jetzt mit Verlassensängsten zu kämpfen hat. Ich bin manchmal es manchmal so leid, immer wieder dieselben Worte sagen zu müssen, dass ich einfach nichts mehr sage und mich hauen lasse. Aber ich erkenne meine Fehler und ich versuche nach dieser Erkenntnis zu handeln. Ich versuche möglichst ruhig zu bleiben, nicht erschrocken zu schreien oder zu schimpfen und dem kleinen Mann eher zu sagen, dass ich traurig bin, als wütend zu werden. Auf keinen Fall sage ich ihm, dass er oder sein Verhalten böse ist, denn das ist einfach nicht richtig. Er versucht mit seiner neuen Situation umzugehen, sein Verhalten ist manchmal ein Hilferuf, manchmal ein Ruf nach Aufmerksamkeit.
Und ich gebe ihm das Gefühl wertvoll zu sein für mich – egal was er tut.
„Ein Kind muss sich im Strahlen in den Augen seiner Eltern wieder finden, dann fühlt es sich geborgen.“
Ein schöner Spruch. Danach handele ich. Und solange ich das tue, wird die Schlagerei unseres Sohnes bestimmt auch nur eine Phase werden.

Frhoppe 27.05.2015

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23.05.2015 Babysitter – oder: Warum man sich immer im Auge behalten sollte!

Der weiß, was er will:

  • „Oma, du gibst mir einen Joghurt!“
    „Wie bitte?!“
    „Ich möchte bitte einen Joghurt essen!“
    Oma geht mit Kind zum Buffet!
    „Was möchtest du – Blaubeere oder Erdbeere!“
    „NEEEEEIIIIIIIIN!!!! Ich möchte Joghurt!“
  • „Die Männer sind Blümchen!“

Heute waren wir auf einer Familienfeier – ein großer 80ster Geburtstag. Der kleine Mann hatte sich extra schick gemacht, so richtig mit Anzug und sogar mit kleiner Fliege und ich sage bewusst er hat sich schick gemacht, denn er gefiel sich selbst so gut, dass er sich eine geschlagene Stunde standhaft weigerte, sein kleines Jackett auszuziehen. Und das, obwohl es wirklich, wirklich warm war.
Dieser Geburtstag war so etwas wie eine Generalprobe für die Hochzeit, denn auch wenn keine 80 Leute da waren, sondern nur etwa 30, so zeigte sich doch, dass wir zwar für die Feierlichkeiten bestimmt keinen Babysitter zu organisieren brauchen, aber dass es doch klare Absprachen geben muss, wer wann wie für das Kind verantwortlich ist. Man verlässt sich nämlich nur allzu schnell darauf, dass ja genug Leute da sind, um das Kind zu betreuen. Der Papa und ich nutzten diese Gelegenheit, um das Verhalten der verschiedenen Omas und Opas und Tanten und Onkel und und und zu beobachten und während z.B. die Oma und die Uroma mütterlicherseits sehr gut in ihrem „Job“ waren, d.h. den kleinen Käfer nicht aus den Augen ließen, bis die Aufsichtspflicht übergeben war, gab es auch Momente, in denen der gerade Zuständige plötzlich im Gespräch war und dann doch Mama oder Papa hinterherliefen. Oder auch die Oma mütterlicherseits, die immer Blickkontakt mit dem Papa hatte. War schon irgendwie witzig zu beobachten, wie die beiden sich ohne Worte darüber verständigten, wer den kleinen Mann jetzt im Blick behält und ihm notfalls hinterher rennt.
Es geht nämlich wahnsinnig schnell, dass so ein kleiner Mensch weg ist. Einmal nicht aufgepasst und das Kind ist an der Treppe, so wie bei meiner angeheirateten Großcousine und ihrer Freundin: „Wo ist das Kind?“ fragte ich meine Stiefschwester!
„Der ist mit A. und S. draußen!“
„Und wissen die das auch?“
Denn während die beiden am einen Ende der Terrasse standen, rannte der kleine Mann fröhlich Richtung Treppe. Hätte er da wirklich runter gemacht, wäre keine von ihnen schnell genug bei ihm gewesen – natürlich stand der Papa aber an der Treppe bereit. Ebenso bereit stand er, als der Sohn seinem Großcousin entwischte und um die Ecke des Vorraums verschwinden wollte, in dem das Buffet stand. Und das waren nur zwei von einigen Situationen, in denen entweder der Papa oder die Oma plötzlich aufsprangen und dem Sohnemann hinterher rannten. Er ist nun einmal ein kleiner Wirbelwind und man weiß nie, was er als nächstes plant.
Dafür hat er aber auch seine ruhigen, ganz wundervollen Seiten. Weil der 80ste Geburtstag früher als nötigenfalls eingeplant zu Ende war, beschlossen wir spontan beim 30. Geburtstag einer unserer ältesten und liebsten Freundinnen vorbei zu schauen, der wir eigentlich abgesagt hatten. Das wir damit goldrichtig lagen, zeigte sich, als sie bei unserem Anblick völlig unerwartet vor Freude in Tränen ausbrach. Aber davon ganz abgesehen, war es auch für den kleinen Mann trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit noch eine ganz tolle Entscheidung, denn die Blumen – die Menschen mit den bunten Haaren nämlich – schnappten sich ihre Klampfe und spielten noch ein paar ganz wunderbare Lieder. Und unser kleiner Wildfang wurde ganz still und staunend, während er der Musik lauschte und weckte damit die Begeisterung aller Anwesenden über ein so musikbegeistertes Kind.

Frhoppe 27.04.2015

22.05.2015 Ein Stück Normalität – Mama fährt mich zur Kita!

Apropos Normalität – hier kommen mal wieder die Knaller des Tages:

  • „Hat Oma schon Teller hingestellt? Jaaaaa!!! Dann können wir ja endlich Kuchen essen!“
  • „Du bist ne olle Plärre!“ Opa hat die Nase voll vom theatralischen Geweine des Enkels!
    „Nein Opa, man sagt sowas nicht!“
  • „Guck mal Sohn! Ein Bus!“
    „Ich meine, das wär‘ ein LKW!“
  • „Ich hab dich lieb, mein kleiner Mann!“
    „Ich hab dich lieb, mein großer Mann!“
    „Mama und Papa passen immer auf dich auf!“
    „Mama und ich passen immer auf DICH auf!“

Und nun geht es los:
Das erste wovon man sich verabschieden sollte, wenn man sich dafür entscheidet ein Kind zu bekommen, ist der Gedanke an Planbarkeit! Alles was praktisch ist und gut strukturiert und geplant funktioniert, hat meist einen Haken: Das Kind.
Ganz aktuell betrifft dies bei uns die morgendliche Kita-Regelung, die doch so wunderbar bequem für alle Beteiligten war – na gut, kurz nach der Geburt mehr für mich, denn ich durfte im Bett liegen bleiben, während Papa das große Kind fertig macht und zur Kita bringt. Seit etwa einer Woche war es dann ein bisschen anders: Papa weckt das große Kind, während ich das kleine Kind stille, das daraufhin noch einmal einschläft. Während Papa das große Kind aus dem Schlafzeug und aufs Töpfchen quatscht, mache ich den beiden Männern Frühstück, welches diese dann zusammen einnehmen, während ich das kleine Kind wickele und es, so wie auch mich, anziehe. Kurz vor oder kurz nach neun verlassen wir dann im Rudel das Haus gen Kita! Gestern stellten wir dann fest, dass dieses Vorgehen für den kleinen Mann offenbar nicht optimal ist, denn schon als wir ihn auszogen wollten er uns nicht von der Seite weichen, als wir dann gingen, weinte er bittere Tränen – was er schon sehr lange nicht mehr gemacht hat. Das brachte uns beide zum Nachdenken und wir hatten bereits gestern entschieden, dass wieder nur noch einer von uns fährt. Da der Papa ja immer noch nicht wieder fit war, übernahm also heute ich den Weck- und Fahrdienst und was soll ich sagen? Es war super. Der kleine Mann pullerte aufs Töpfchen, zog sich allein an, frühstückte, während ich mich anzog und als es losging, konnte ich das frisch gestillte Kind bedenkenlos bei Papa zurück lassen.
Im Auto erzählte der kleine Mann dann munter vor sich hin und in der Kita war von Abschiedsschmerz oder Tränen nichts zu sehen. Als ich ihn nachmittags fragte, ob ich ihn wieder zur Kita fahren soll morgens, sagte er: „Ja! Und der Papa bleibt zu Hause mit der Schwester.“ In diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war endlich wieder etwas so wie vor der Geburt. Da hatte ich den kleinen Mann morgens immer geweckt und zur Kita gefahren. Seit der Geburt ist ja nicht nur das sondern überhaupt alles anders und ich kann mir vorstellen, dass es für den kleinen Kerl ein Stück Sicherheit in einer völlig umgeworfenen Lebenssituation bedeutet, wenn er auf einmal ein altes Ritual wieder hat.
Und egal, wie schön und bequem es für mich ist, morgens mit der kleinen Maus einfach liegen zu bleiben, oder wie gut es funktioniert, wenn wir uns den Ablauf teilen, ich habe mir fest vorgenommen, jetzt wieder öfter den Weck- und Kita-Dienst zu übernehmen. Bleibt nur abzuwarten, ob der Papa mich lässt! Der ist nämlich von dieser Idee gar nicht begeistert, denn er hat das Gefühl, ich will ihm seine Zeit mit seinem Sohn wegnehmen. Naja, vielleicht lässt sich ja eine Regelung finden, in der mal er, mal ich den Sohn wecken und bringen.

Frhoppe 22.05.2015

21.05.2015 Mamas sind auch nur Menschen – oder: Dann mach’s halt allein!

Heute Abend hatten wir einen Vorfall der besonderen Art, der vermutlich den allseits angespannten Nerven geschuldet war. Insgesamt war unser Tag nämlich nicht besonders rosig verlaufen. Es begann damit, dass der Herr Papa spontan entschied, er bliebe heute lieber zu Hause, er sei schließlich krank. Zum einen war ich genervt, dass ich plötzlich doch nicht allein vor mich hin rödeln können würde, zum anderen ist der Gatte gerade so krank, dass er zwar wirklich krank ist, aber noch nicht krank genug, um nicht mehr sofort daran zu sterben. Es gibt ja diese zwei Stufen bei Männern: Die eine ist die, wo sie wirklich so krank sind, dass sie einem leid tun und man sich auch gern um sie kümmert, die andere ist die, wo es ihnen schlecht geht und sie vernehmlich daran leiden und einfach nervig sind – vor allem, wenn es einem selber auch nicht so gut geht und man sich aber standhaft weigert, krank zu werden.

In jedem Fall aber war der Mann nun zwar zu Hause, aber nicht wirklich zu gebrauchen. Er half mir ganz lieb beim Wäscheaufhängen und versuchte sich auch sonst an der Bearbeitung von Papieren, aber leider, leider schaffte er es nicht, zum Impfen mitzukommen. Nun musste ich da alleine hin und durch, mit Sack und Pack und Kind festhalten und allem drum herum – eine Situation, in der man einfach schon gerne den Papa des Kindes dabei hat. Zum Glück hatten wir gestern im Leila eine Manduca gefunden – diese großartigen Tragehilfen für Kinder, die wie unsere Maus das Tragetuch nicht mögen – so musste ich wenigstens nicht auch noch den Autositz mit mir herum schleppen. Das Impfen hat die Maus dann ziemlich gut vertragen. Sie hat zwar während dessen geweint, aber nach dem Stillen direkt im Anschluss schlief sie tief und fest ein und dann auch bestimmt vier Stunden ganz gut – wieder in der Manduca, denn nach dem Impfen mag ich die Kiddies immer ganz nah bei mir haben. Außerdem durfte ich mich nicht hinsetzen, denn dann wachte sie sofort auf und meckerte richtig mit mir. Irgendwie süß, aber leider auch sehr anstrengend, wenn man vier Stunden durch die Gegend schaukelt. Da hilft dann auch die Manduca nichts mehr gegen Rückenschmerzen.
Eh wir es uns versahen, war es Zeit den kleinen Mann aus der Kita abzuholen – weil Mausi noch in der Manduca schlief, musste doch der kranke Papa ran und weil ich schon so lange bettelte und außerdem den ganzen Balkon allein sommerfertig gemacht hatte, brachte er mir noch meine Hängeblumen an, bzw. die Haken dafür. Das hieß dann aber, dass ich nun den kleinen Mann und die Maus betreute und bespielte und zwar bis zum Abendbrot, denn nach der Arbeit war der kranke Papa dann zu fertig, um noch handlungsfähig zu sein. Das große Kind wiederum war wegen nicht absolviertem Mittagsschlaf in der Kita zu müde, um noch händelbar zu sein. Und das kleine Kind war nach vier Stunden Schlaf zu wach, um noch ruhig zu sein.
Summa Summarum war ich zur Bettgehzeit einfach durch. Völlig durch und am Ende. Wegen des kranken Papas übernahm ich heute das Abendritual des kleinen Mannes. Bzw. hatte ich das geplant. „Sohn, ziehst du dich bitte aus!“
„Nein!“
„Dann muss ich es machen!“
„Nein, ich mach das!“
„Dann mach es bitte auch!“
„Nein!“
„Warum nicht!“
„Du musst mir helfen!“
In dem Moment aber, wo ich damit begann, setzte es bei ihm – wohl ob der Müdigkeit – komplett aus. Er schrie, tobte, trat, biss, wand sich – ich sag euch, ein Oktopus ist ein Scheißdreck dagegen – haute und kratzte. Als ich dann den nächsten Tritt abbekam, hatte ich genug. Ich stand ruckartig auf, brüllte: „Dann mach’s halt alleine!“ Ich stürmte zum Fenster, ließ das Rollo runter und riss die Vorhänge zu und blaffte das Kind an: „Dann geh halt allein ins Bett! Mir reicht’s für heute! Gute Nacht!“ Ging raus und machte die Tür zu. Ich war sauer, wirklich, wirklich sauer und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, gab der Gatte auf dem Bett liegend mit der Zeitung in der Hand auch noch seinen Senf dabei: „Was war denn los?“ „Er tickt total aus, beißt, kratzt und haut und so!“ „Naja, du bist ja auch total aggressiv! Du bist total angenervt, dass ich mich nicht um die Kinder kümmere“
Ich muss ehrlich sagen, ich war sprachlos! Klar, war ich genervt und ehrlicherweise bereute ich in diesem Moment auch schon, dass ich so gebrüllt hatte und einfach abgehauen war und die Tür zugemacht hatte und das direkt vorm Schlafen – aber wie Pascha auf dem Bett liegen und mir sagen, ich sei total aggressiv, nachdem das Kind MICH geschlagen und getreten hat und ich darauf reagiere, finde ich schon ein starkes Stück. Ich weiß bis jetzt nicht, woher ich die Selbstbeherrschung nahm, ihm nicht den nächsten Gegenstand an den Kopf zu schmeißen, aber ich blaffte nun ihn an: „Mir geht’s selber total beschissen, aber daran denkst du in deinem Elend ja nicht!“ Dann drehte ich mich um, atmete tief durch, erkannte, dass ich den Mist nicht am Kind auslassen kann und ging wieder zum Sohnemann rein.
Der mit seinem Tutti und seinen Tüchern voll angezogen und mit großen blauen Augen im Bett lag und mich abwartend anschaute.
„Es tut Mama leid, dass sie einfach raus ist, aber ich konnte einfach nicht mehr. Es macht mich traurig, wenn du mich haust und trittst. Können wir uns jetzt ausziehen?!“
„Ja!“
So einfach. Ja! Und das Kind legte los, zog sich aus, ging aufs Töpfchen, ließ sich waschen und putzte Zähne. Alles so brav, dass ich noch ein schlechteres Gewissen hatte, einfach gegangen zu sein. Man merkte, dass er befürchtete, ich würde wieder gehen, wenn er nicht alles ganz lieb macht und das tat mir weh. Aber ich kann mich ja auch nicht einfach hauen lassen und irgendwann ist die Geduld auch mal erschöpft und man kann nicht mehr ruhig darum bitten, nicht getreten zu werden.
Man ist ja schließlich auch nur ein Mensch.
Um das wieder gut zu machen, krabbelte ich zu meinem kleinen Mann ins Bett unter die Decke, so wie er es wollte und sang ganz viele Lieder mit ihm und kuschelte, bis schließlich der Mond singen sollte und ich mit einem „Raus, raus, raus!“ der Tür verwiesen wurde.

Frhoppe 21.05.2015

20.05.2015 Links! – Erkenntnisse beim Orthopäden!

Endlich war er da! Der Termin zum Hüftultraschall, von dem wir uns neue Erkenntnisse zur Gesamtlage unseres Bauchschmerzbabys erhofften. Gehört hatten wir ja schon so einiges, dass eine Verspannung im Hals zu Bauchweh führen könne, dass diese Babys mit dem überstreckten Köpfchen meist auch Schreibabys sind und einiges andere mehr. Fand ich alles sehr plausibel und hatte mich darum schon entschieden, dass wir dem Orthopäden eine Überweisung zum Osteopathen aus den Rippen leiern wollten.
Das war aber gar nicht nötig! Der Doktor warf eine Blick auf unsere Tochter, legte die Hände hinten um ihr Köpfchen und hob ihren Oberkörper zu sich heran!
„Na, Mäuschen, lass mal locker!“ Tat sie aber nicht, also wandte er sich mir zu. „Wie lange hat die Geburt gedauert?“ wollte er wissen.
„Naja, relativ lange, weil sie nicht ins Becken gerutscht ist!“
„Das zählt nicht, wie lang war die eigentliche Geburt denn? Also danach?!“
„Die ging ziemlich schnell!“
„Ja und da haben wir auch schon das Problem! Zu schnell ist nicht gut und zu langsam auch nicht. Sie hat eine Blockade im Hals. Schreit sie viel?“
„Nicht prinzipiell. Eigentlich ist sie gut drauf, aber sie hat viel Bauchweh und dann schreit sie!“
„Ja, das dachte ich mir. Meistens geht eine Blockade im Hals mit einer Blockade im Hüftbereich einher und das wirkt sich auf den ganzen Verdauungstrakt aus. Ich schau mir das gleich im Ultraschall mal an!“
Und das tat er! Ergebnis: Wir haben ein Kind mit zwei super gesunden Hüften, aber einer linksseitigen Blockade, wie er uns nach dem kurzen Zuruf „Links!“ in Richtung der Sprechstundenhilfe mitteilte. Wir nutzten die Gelegenheit, um das Wort Osteopathie fallen zu lassen und er nickte zustimmend. „Ja! Das habe ich der Schwester gerade mit dem Zuruf Links mitgeteilt! Hier verstehen wir uns so gut, da reicht das Kommando links und sie weiß, dass sie ein Rezept über drei mal Osteopathie ausstellen soll!“
Jetzt haben wir also ganz ohne Betteln das, was wir für unser kleines Mädchen wollten. Hoffentlich bekommen wir ganz bald einen Termin und hoffentlich hat sie dann nicht mehr andauernd solche Bauchschmerzen. Wobei ich schon auch ein bisschen gespannt bin, wie sich die Sache mit der Osteopathie auf ihr Wesen auswirkt. Alle mit denen ich bisher gesprochen habe, meinten, dass ihre Kinder danach wie ausgewechselt waren, gut gelaunt und fröhlich! Das ist unsere Maus ja im Grunde schon jetzt, außer wenn sie Bauchweh hat. Wahrscheinlich ist es dann nicht mehr auszuhalten vor lauter Frohsinn 😉

Frhoppe 20.05.2015

19.05.2015 Letzte Probe mit Kind!

Den Tag über war unsere kleine Maus so lieb und brav, so aufgeweckt und frohen Mutes, dass ich wirklich dachte, heute könnte es gut sein. Selbst noch, als wir ins Auto einstiegen, hatte sie gute Laune und gurrte fröhlich vor sich hin. Wie gesagt: Ich war frohen Mutes.
Bis zur vorletzten Ampel.
Schon während des langsamer Werdens verzog sich ihr kleines Gesichtchen leidend und mit dem Stillstand des Autos setzte die Sirene ein. Auch beim Weiterfahren wimmerte und quietschte sie leise vor sich hin, schlief aber kurz vor dem Erreichen des Ziels doch noch einmal ein, nur um dann im Probenraum selber schlagartig wieder hellwach zu sein. Zunächst schaute sie noch recht friedlich in die Runde, hörte interessiert dem Gesang zu – beim Kanon schaute sich sich wie wild nach der Geräuschquelle um, denn da wir im Kreis sitzen, hatte sie quasi Dolby Surround. Dann kam der Hunger. Zur allgemeinen Erheiterung machte sie sich laut schmatzend über die durch eine Decke verborgene Futterquelle her und war damit auch noch eine ganze Weile zufrieden gestellt.
Dann aber ging es von einer Sekunde auf die andere los. Lautes Geschrei, verzweifeltes Weinen, schmerzhaftes Gebrüll – die volle Palette. Mir blieb nichts anderes übrig, als vor die Tür zu gehen, wo ich nach einer Viertelstunde verzweifelt beschloss nach Hause zu fahren. Da war es viertel neun, also noch eine Stunde bis Probenende. Ich hatte zwar wieder nichts geschafft, aber es hatte ja auch keinen Zweck zu bleiben, wenn die Maus so brüllte. Ich wartete also eine Pause im Gesang ab und kehrte in den Raum zurück, um meine Entscheidung mitzuteilen und die Maus einzupacken. Alle zeigten großes Verständnis und bedauerten sehr, dass ich früher gehen müsste. Aber da sei nun nix zu machen. Ich hab ja auch eh keine Ruhe, wenn sie so schreit. Und dann geschah das Übliche. Ich setzte die Maus in die Wagenschale, hob das Ding an und sofort schwieg sie und schaute fröhlich. Spaßenshalber sagte ich: „Naja, dann tragen wir jetzt reihum und dann kann ich bleiben.“ „Gute Idee!“ meinte die Chorleiterin und eine Mitsängerin trat sofort vor, um die erste – und einzige – Schicht zu übernehmen. Eine ganze halbe Stunde schaffte sie es, die kleine durch sanftes Schaukeln der Schale so zu beruhigen, dass sie sogar einschlief. Dann allerdings war es endgültig aus. Um dreiviertel neun schrie die Maus wieder los und ich ging diesmal sofort los, was eine gute Entscheidung war, denn nicht einmal das Autofahren beruhigte sie. Erst zu Hause nach Bauchreiben, Fliegergriff, Sab Simplex und Fiebermessen beruhigte sie sich und schlief ein.
Und ich teilte dem Papa mit, dass ab nächste Woche definitiv er diese drei Stunden Abwesenheit der Mama durchstehen muss. Milch lasse ich ihm ja da und alles andere kann ich auch nicht besser als er. Außerdem ist es wichtig, dass die Maus auch lernt, dass Mama nicht immer da ist und vor allem aber, dass Mama, wenn sie denn mal weg ist, auch immer wieder kommt. Und das kann sie nicht lernen, wenn ich nicht auch mal weg bin.

Frhoppe 19.05.2015

18.05.2015 Big Oma is watching you – warum ich mir wieder selbst wie ein Kind vorkam.

Heute wurde unser kleiner Käfer von meiner Mama abgeholt, ein höchst seltenes Erlebnis, da sie ja bis vier Uhr arbeiten muss und darum erst um halb fünf frühestens in der Kita sein kann, was uns wiederum eigentlich zu spät ist. Umso größer war dann also die Freude, als die Oma in der Kitatür stand und natürlich kam der kleine Mann ganz brav mit Oma mit.

Gegen viertel sechs waren sie dann bei uns und der Käfer war seinerseits schon sehr müde, weshalb ich relativ schnell mit dem abendlichen Ritual anfing – in stillschweigender Übereinkunft war klar, dass Oma bleiben würde, bis ich eines der beiden Kinder im Bett hätte. Wir spielten noch eine Weile – ich nutzte schamlos aus, dass meine Mama mir sofort das kleine Kind abnahm und befasste mich mit dem Sohnemann, was dieser sichtlich genoss – dann bereitete ich dem kleinen Mann Abendessen. Bereits da fing es an.
„Aha!“ meinte Oma nach einem Blick auf unseren tollen unterteilten Kinderteller. „Du darfst also den Belag auch ohne Brot essen!“
Ich hatte dem Kind nämlich zusätzlich zu seine zwei kleinen Scheiben bestrichenem Brötchen noch etwas hauchdünnen Käse und Salami gepackt, weil er das eben gerne so hat! Warum auch nicht – ich ess ja auch gerne mal den Käse so und ich weiß zufällig ziemlich genau, dass die Frau Mama das auch so macht! Trotzdem zog ich innerlich kurz den Kopf ein, kümmerte mich aber nicht weiter darum.
Nach dem Abendbrot ging es dann aufs Töpfchen, wo mich das Kind in folgendes Gespräch verwickelte: „Mama, wenn ich pullere, dann bekomme ich ein Gummibärchen!“
„Ja, dann bekommst du eins!“
„Ich habe nicht gepullert, ich bekomme aber trotzdem ein Gummibärchen!“
„Nein, wenn du nicht pullerst, dann gibt es auch keins!“
„Dann mache ich einen Tropfen und dann bekomme ich eins!“
„Ja, aber nur, wenn du dich ganz doll anstrengst und eigentlich nicht pullern kannst und dann doch ein Tropfen kommt!“
Das Kind runzelt konzentriert die Stirn und drückt ganz doll!
„Jetzt habe ich einen Tropfen gemacht!“
„Wirklich? Zeig mal her!“
Der Topf war leider leer. Aufgrund der eher schlechten Lichtverhältnisse hob ich ihn aber noch einmal an und drehte ihn zum Licht, um ganz sicher zu gehen – aber es blieb dabei: Kein Tropfen. Dafür sagte die Oma hinter mir: „Na, ich würde ja noch drin rumpulen!“ Und wieder zog ich den Kopf ein bisschen ein, dachte aber gleich darauf ein bisschen rebellisch „Pfft! Ich will ja nur nicht meinem Kind fälschlicherweise eine Lüge vorwerfen.“ Ich sagte aber nix, schließlich war ich meiner Mama sehr dankbar, dass sie das Tochterkind versorgte – sie hätte ja auch gehen können! Aber trotzdem fühlte ich mich zurecht gewiesen. Nun ging es ans Ausziehen. Während Oma mit der kleinen Bauchwehmaus in der Wohnung umher wanderte, begann ich die allabendliche Diskussion zum Thema: „Bitte zieh dich aus!“ „Nein!“ „Dann ziehe ich dich aus!“ „Nein, das mache ich alleine!“ „Dann mach!“ „Nein!“. Und während wir so diskutierten, fühlte ich auf einmal in meinem Rücken meine Mama stehen und das lustige ist, ich wusste genau, welchen Blick sie da gerade aufgesetzt hatte. Den Blick, den meine Nichte „Oma guckt!!!!“ getauft hat. Und wie Oma gucken kann. Ganz böse, eiserne Disziplin spricht aus ihrem Blick und sie sagt kein Wort. Braucht sie auch nicht, denn es klappt jedesmal. Bei jedem Kind! Beinahe hätte sogar ich angefangen mich auszuziehen und ich hatte den Blick ja nicht mal gesehen.
Aber so konnten wir wenigstens schnell zum Waschen gehen, das nämlich macht der kleine Käfer dank Frosch- und Affenwaschhandschuh mittlerweile ziemlich gerne, manchmal sogar allein. Lieber unterhält er sich aber mit den beiden, während sie ihn waschen. Nun ist es bei uns so, dass der kleine Mann sich nur abends waschen muss. Einmal am Tag ist für so kleine Menschen völlig ausreichend, zumal sie ja auch noch nicht diesen aggressiven Schweiß haben, den Erwachsene so tagein, tagaus produzieren. Ich gebe zu, dass wir mit diesem allabendlichen Waschen auch erst recht spät angefangen haben, so etwa vor einem halben Jahr, vorher haben wir eben nach Bedarf – sprich, wenn das Kind schmutzig/sandig/klebrig war, also auch recht häufig, aber eben nicht täglich – gewaschen und ein bis zweimal die Woche gebadet. Darüber haben wir uns auch gar keine Gedanken gemacht. Bis der kleine Mann bei Oma war und sich weigerte, sich vor dem Schlafengehen zu waschen. „Nein, ich muss mich nicht waschen!“ behauptete er steif und fest und hatte je irgendwie recht damit, denn als Teil des Abendrituals kannte er das nicht. Nach einem langen Telefonat mit meiner Mama sah ich tatsächlich ein, dass es durchaus sinnvoll ist, jetzt doch schon mit der Routine anzufangen, auch wenn er es nicht unbedingt braucht, denn sie hat schon recht! Wenn er es jetzt nicht lernt, dann sieht er nachher, wenn es nötig ist, nicht ein, dass er es machen muss. Ich war zwar etwas peinlich berührt über den Rüffel, aber auch dankbar, weil ich ja selber nicht dran gedacht hatte und durchaus bestrebt das in die Tat umzusetzen.
Insgesamt ist es nun also ein großer Fortschritt für einen so kleinen Menschen, dass er innerhalb eines halben Jahres gelernt hat ordentlich am Tisch sitzen zu bleiben, die Ärmel alleine hoch zu krempeln, mehr oder weniger sauber zu essen, sich alles alleine (!) auszuziehen und auch anzuziehen – wenn auch mitunter verkehrt herum, sich die Zähne zu putzen, aufs Töpfchen zu gehen (na gut, noch nicht ganz 😉 ) und sich abends zu waschen und noch etliches andere mehr. Ich dachte jetzt, dass der kleine Mann für sein braves Waschen gelobt wird, aber stattdessen meinte die Oma nur: „Na, du hast es ja gut. Dein Cousin und deine Cousine müssen sich morgens UND abends waschen!“ Da sagte ich dann was. Nämlich: „Da müsste er ja noch eine halbe Stunde eher aufstehen.“ Und das stimmt! Denn weil der kleine Mann so viel schon alleine machen kann und darf, dauert morgens eben alles etwas länger. Zwischen ein und eineinhalb Stunden sind wir morgens mit Aufstehen, Töpfchen, Anziehen und Frühstücken beschäftigt, denn mal ehrlich, so ein Hemd hat echt viele Löcher, wo Arme fälschlicherweise durchpassen und eine Strumpfhose anzuziehen, ist wirklich was für Feinmotoriker, erst recht morgens um dreiviertel acht und überdies vor allem für ein zweieinhalbjähriges Kind. Klar ist es später wichtig, dass er sich vernünftig wäscht, aber jetzt ist es wichtiger, dass er das Gefühl bekommt, alles zu schaffen. Und wenn das eben heißt, dass das zweite Waschen, oder eher das erste, am Tag wegfällt, damit er nicht um sieben aufstehen muss, dann ist das so!
Ich habe aber heute etwas gelernt über mich: Ich bin davon überzeugt, dass wir das mit unserem Kind schon ganz richtig machen. So alles in allem! Und überhaupt! Natürlich mit Fehlern und Holperstellen, aber wir lernen ja noch! Schließlich machen wir beim großen Kind ja alles zum ersten Mal und manches fällt einem eben erst auf, wenn es einem einer sagt! Wie das mit dem Waschen! Anderes wissen aber Außenstehende – und ja, das sind alle, die nicht täglich mit dem Kind zu tun haben – auch einfach nicht zu beurteilen. Ich weiß ja, dass der Sohn morgens oft noch extrem müde ist und ich ihm nicht zumuten kann und will, noch eine halbe Stunde eher aufzustehen, nur damit er sich noch wäscht! Und ich gebe auch offen zu, dass mir persönlich das morgendliche Waschen nicht die Diskussion wert ist, wenn ich anstatt den Sohn früher zu wecken, ihn anziehe, statt ihn dass alleine machen zu lassen. Denn da legt er großen Wert drauf, dass er das kann!
Trotzdem fand ich es bemerkenswert, wie sehr ich mich trotz meiner Überzeugung – für die ich auch eintrete – wieder wie ein kleines Kind gefühlt habe. Mein erster Reflex war es, meiner Mama zuzustimmen und morgen früh mit dem Waschen anzufangen. Und dann fiel mir wieder ein, dass ich erwachsen bin. Und selbst zweifache Mama. 😀

Frhoppe 18.05.2015

17.05.2015 Kleiner Wutpinkler – oder: Streite nie mit einem Kind ohne Windel!

Seit einigen Wochen bereits versuchen wir unseren Sohn an das Töpfchen zu gewöhnen. Das klapp mal mehr, mal weniger gut, je nach Laune des kleinen Mannes. Was wir dabei heraus gefunden haben, ist, dass er schon sehr gut einhalten kann – wenn er nicht aufs Töpfchen will, dann geht er nicht! Basta. Er kann eine halbe Stunde sitzen und Buch lesen oder Auto spielen, pinkeln tut er dann erst wenn er die Windel wieder umhat. Und das sagt er auch so. Wenn er auf dem Topf thront und man ihn fragt, ob er schon gepullert hat, antwortet er: „Nein, ich will nicht! Ich brauche eine Windel!“ Es ist wohl bei ihm hauptsächlich eine Frage des Willens, wann er trocken wird. Dementsprechend bringt es natürlich kaum etwas, ihn zum Töpfchen gehen zu zwingen. Wir haben aber den Lokus in sein Morgen- und Abendritual eingebunden. Morgens nach dem Aufstehen geht er rauf und abends vor der Nachtwindel auch noch mal. Und morgens klappt es sogar schon sehr häufig, dass die Windel noch trocken und der Topf dann gefüllt ist. Abends sind wir da noch lange nicht so weit. Aber ich bin ehrlich – wir arbeiten mit schamloser Bestechung. Wer aufs Töpfchen pullert, bekommt ein Gummibärchen!

Vom tagsüber auf Töpfchen gehen, hält der Käfer nun allerdings noch nicht besonders viel. Er setzt sich zwar ab und zu drauf, aber so wirklich eine Meinung hat er nicht zu dem Thema und wenn er die Wahl hat, dann lässt er es lieber. Kann ich aber auch irgendwie verstehen. Diese neuen Windel lassen ja nix durch. Wer da mal den Taschentuchtest gemacht hat, wird merken, dass das alles (relativ) trocken ist. Und trocken ist nun mal nicht unangenehm. Höchstens ein bisschen schwer wird das irgendwann.
Was genau der Grund ist, aus dem wir den beginnenden Sommer dazu nutzen zum nächsten Schritt über zu gehen. Wir lassen die Windel weg. Zunächst noch sporadisch und möglichst, wenn er gerade mal zufällig aufs Töpfchen gepullert hat, aber der Plan sieht vor, öfter und länger ohne Windel unterwegs zu sein. Gestern und heute hat das sogar schon ganz gut geklappt. Gestern konnte der kleine Mann ganz stolz aufs Töpfchen pullern nach drei windelfreien Stunden, weil wir rechtzeitig erkannt haben, dass er mal muss und ihn aufs Töpfchen gesetzt haben. Gut, ein paar Tropfen gingen in die Hose, aber ein bisschen Schwund ist immer. Ohnehin steigt die Frequenz an gebrauchten Hosen in dieser Phase der Trockenlegung, aber das ist ja auch der Zweck der Sache. Der kleine Mann soll ja merken, dass es nass ist, wenn man pullert.
Natürlich gehen wir damit sehr sensibel um. Wenn es dann doch zu spät ist – meistens ist er so vertieft ins Spiel, dass er es erst merkt, wenn die Hose schon nass ist – dann nehmen wir ihn als erstes in die Arme und trösten ihn, dass das gar nicht schlimm ist, er lernt das ja schließlich gerade erst. Und beim nächsten Mal merkt er vielleicht etwas früher, dass er mal muss und sagt uns einfach Bescheid. Es käme für keinen von uns in Frage, deswegen mit ihm zu meckern, denn er kann ja wirklich nichts dafür!
Allerdings muss ich zugeben, dass ich über die heutige Situation erst im Nachhinein lachen kann. Während mein Sohn mir auf die Hose pinkelte, fand ich das gar nicht komisch. Und das kam so: Das Kind sollte baden. Wie jeden Sonntag. Das Kind wollte aber nicht in die Wanne. Wie jeden Sonntag. Wenn er dann drin ist, findet er es gut, aber ihn in die Wanne zu bekommen, hat ein bisschen was von „Der Exorzist“. Das hatte ich heute vergessen – oder eher, ich hatte vergessen, dass das Kind keine Windel um hat, als ich ihn zum Ausziehen auf meinen Schoß nahm. Eigentlich macht er das nämlich schon allein. Aber eben nur, wenn er will. Will er aber Sonntags Abend nicht, dann muss ich das machen. Und das ist dann eben wie aus „Der Exorzist“ – ohne Windeln dann wie „Der nasse Exorzist“. Immerhin war ihm dieses Missgeschick so unangenehm, vor allem wohl, weil er mich mit nass gemacht hat – ich gestehe, ich sagte im ersten Schreck wohl etwas wie: „Ich glaub das nicht! Hast du mich jetzt angepinkelt!?“ – dass wir dann verhältnismäßig ruhig ausziehen und sogar blendend gelaunt baden konnten.

Frhoppe 17.05.2015

16.05.2015 Der kleine Tyrann – oder: Nicht in diesem Ton!

Zunächst eine kleine Begebenheit zur allgemeinen Erheiterung (Achtung Windelinhalt – wer dazu nix lesen will, bitte zum nächsten Absatz springen 😉 ) :

Ich wickelte heute meine kleine, süße, possierliche Tochter! Ein Mädchen, so süß und lieblich – sollte man meinen! Das sie rülpst wie ein Bauarbeiter hatte ich ja schon erwähnt, heute jedoch übertraf sie sich beim Wickeln selbst.
Ich öffnete die Windel und maß ihre Temperatur – sie war mir ein wenig warm vorgekommen – und was ich sonst nur zu oft vergeblich anwende, um ihr bei Bauchschmerzen weiterzuhelfen, hatte heute durchschlagenden Erfolg. Ein gewaltiger Pups brach sich Bahn … und mit ihm ein Schwall, der sich über Thermometer, Windel und auf mein T-Shirt ergoss, weil ich ja aufgund des Fiebermessens die Windel unten hatte. Ich säuberte das Kind, entfernte die schmutzige Windel und … das kleine süße Mädchen pupste erneut mit Schwung und Schwall auf das unterliegende Taschentuch. Ich legte eine neue Windel unter. Zack! Reingemacht. Windel entfernt – jetzt muss ja mal fertig sein. Rumms, noch ein Schwall auf das Sicherheitswickelunterlagenviertel – wir legen auf die große Unterlage immer noch ein zerschnittenes Viertel, dann muss man nicht immer gleich die ganze Unterlage wegschmeissen. Ich entfernte selbige und legte eine Windel unter und … jipppiiieee! Immer rein damit. In dem festen Glauben, dass das Kind nun leer sei, entfernte ich die Windel, wollte mich aber mit der neuen trotzdem beeilen. Ich war nicht schnell genug. ZackBumm. Auch die große Unterlage war dahin. Resigniert legte ich erstmal zwei drei Taschentücher auf die Bescherung, um das Kind zu wickeln, doch bevor ich dazu kam, kackte die Tochter auch auf die Taschentücher. Auch diese Tat bedeckte ich zunächst mit Tüchern und tatsächlich blieben die auch von weiteren Darmentleerungen verschont. Auf einmal schaute die Maus aber ganz entspannt drein … und tatsächlich: Sie pinkelte einen riesigen See auf den Taschentuchberg, um die Sache so richtig schwierig zu machen. Das war der Moment, in dem ich zu lachen anfing.

Nun aber zum eigentlichen Thema 😉 :
Dass unser kleiner Mann gut sprechen kann, ist nun einigermaßen bekannt. Was der für Satzkonstruktionen bildet, da schlackern einem die Ohren, sage ich euch.

  • „Mama, ich ziehe dir einen Schlüppi an, dann kannst du aufstehen und pullerst nicht auf den Boden!“

Bekam ich zu hören. Ernsthaft! Vor drei Tagen von meinem zweieinhalbjährigen Sohn. Mal vom etwas absurden Inhalt abgesehen – ich schwöre ich bin noch nicht inkontinent – finde ich diese absolut korrekte Grammatik und die Verwendung einer Vielzahl von Verben und dem Wörtchen dann schon sehr beeindruckend.

  • „Weißt du Papa! Wir fahren mit dem Polizeiauto. Ich sitze mit dir vorne und Mama sitzt hinter dir!
    Dann hält sie mich fest, damit ich nicht raus falle!“

Ist ein weiteres Beispiel für relativ alltägliche Äußerungen unserer kleine Quatschtasche!
Mit dieser Sprachbegabung geht nun allerdings auch ein recht hohes Diskussionsbedürfnis einher. So hebt beispielsweise das Kind nicht einfach etwas auf – das er nebenbei gesagt, absichtlich auf den Boden geworfen hat:

  • „Sohn! Heb das bitte sofort wieder auf!“
    „NEIN!!! DU hebst das auf!“
    „Das mache ich nicht. Ich habe das ja nicht runter geworfen!“ oder auch an etwas stressigeren Tagen weniger gewählt ausgedrückt. „Ich denk nicht dran. Du hast das geschmissen!“
    „NEIN! DU hebst das auf! Aber ganz schnell!“

Er muss das Corpus delicti dann selbstverständlich im Endeffekt selbst aufheben – immer, jedesmal! Aber das hält ihn nicht davon ab, zu diskutieren und mit Formulierungen um sich zu werfen, die mich regelmäßig ganz unpädagogisch zum lachen bringen – vor allem, weil ich darin uns wiedererkenne! Er kann nämlich im Grunde eigentlich gar nichts dafür, denn er plappert ja nur nach, was Mama und Papa zu ihm sagen. „Mach das nicht noch mal!“ sagte er heute seeeehr ernst zu mir, als ich den Geschirrspüler wiederholt öffnete – was er ja nicht darf –, aber auch „Jetzt ist Schluss!“ oder „Ich warne dich!“ gehören in diese Kategorie.
Was aber soll man dagegen machen – er soll natürlich nicht so mit uns reden, aber wie soll er das verstehen, wenn wir doch selbst immer wieder solche Formulierungen verwenden. Andererseits können wir bei unserem kleinen Sturkopf auch nicht darauf verzichten, denn oftmals reagiert er erst, wenn genau diese Worte fallen. Ich fürchte, es wird eine Art Never-Ending-Story werden.
Wenigstens endet sein Nachplappern nicht beim Frech-Sein, sondern erstreckt sich auch auf alle anderen Lebensbereiche. Gerade eben kam er beispielsweise extra ins Schlafzimmer zu mir, um mir noch ein Küsschen zu geben. „Nein, ich muss Mama noch ein Gute-Nacht-Kuss geben.“ Und dann als ich sagte: „Mama hat dich ganz doll lieb.“ schaute er mich an und antwortete: „Ich hab dich ganz doll lieb!“ Das erste Mal.
Jetzt bin ich glücklich ❤

Frhoppe 16.05.2015

15.05.2015 Waaah! Was ist das? – Oder wie unsere Tochter ihre Hand entdeckte!

Heute war ein wundervoller Tag. Da nun der Sohnemann gestern ja so sehr spät im Bett war, schlief er heute auch verhältnismäßig lange, wodurch er auch recht gute Laune hatte. Er zog sich ziemlich kooperativ an, wenn auch erst, nachdem er erfahren hatte, dass heute eine bei ihm beliebte Freundin zu Besuch kommen sollte – bei uns ist sie natürlich auch beliebt, aber bei ihm ist das besonders erwähnenswert, weil sie sogar direkt mit Hand und Worten begrüßt und ziemlich schnell in sein Spiel eingebunden wurde. Beides ist in letzter Zeit nicht unbedingt üblich, erst recht nicht bei Leuten, die seltener als einmal die Woche auftauchen. Allerdings muss auch zugegeben sein, dass diese Freundin sechs selbstgemachte Bärentatzen – oder auch Magdalenas – mitgebracht hatte, von denen vier im Bauch des kleinen Mannes landeten. Ein wirklich gut durchdachtes Bestechungsmittel, ist es doch nicht nur süß, sonder fesselt auch den kleinen Fressbär an den Tisch, wo er sich dann wieder an den Besuch gewöhnen kann.

Nachdem die Freundin dann wieder losgegangen war, beschlossen wir den Tag im nahegelegenen Park auf dem Spielplatz ausklingen zu lassen. Und während wir da so mit dem Kinderwagen unsere Kreise zogen und das kleine Käferchen hingebungsvoll am zweiten Waffeleis seines Lebens leckte, ertönten plötzlich aus dem Kinderwagen laute, ebenso hingebungsvolle Schmatzgeräusche. Etwas irritiert ob dieser ungewohnten Laute wagten wir einen Blick …
… und stellten fest, dass die kleine Maus an ihrer Hand nuckelte. Eine weiterführende Beobachtung ergab, dass sie die Hand zielsicher zum Mund führen kann, um dann daran saugen zu können. Das ist ein gewaltiger Schritt für so einen kleinen Menschen, denn es ist eine bewusste Steuerung ihrer Arme. Sie möchte an ihrer Hand nuckeln, also muss sie diese zum Mund heben und dann auch noch dabehalten. Wer mal ein Baby in seinen ersten Lebenswochen beobachtet hat, weiß, dass das nicht so selbstverständlich ist, wie es klingt. Zumal sie für diesen Akt des Körperkultes sogar ihren Nuckel ausgespuckt hat. Da wird einem ganz glücklich und zugleich ganz wehmütig ums Herz – so groß ist sie schon, acht Wochen alt seit gestern und kann jetzt schon ganz breit lachen und gurren und sogar ihre Hand zum Mund führen. Und ehe ich es mich versehe, stehe ich da und sehe ihr dabei zu, wie sie dasselbe über ihr Kind sagt. 😉

Frhoppe 15.05.2015