26.04.2015 Eine haarige Angelegenheit!

„Die ist aber süß die Kleine!“

Diesen Satz höre ich mindestens drei Mal die Woche, mitunter auch täglich – nämlich jedes Mal, wenn jemand, den wir nicht kennen, uns auf unseren Sohn anspricht! Der Grund dafür ist folgender: Er hat lange Haare! Wirklich lange Haare, die ihm bis an den Hintern reichen, so sie denn nass sind, denn im trockenen Zustand locken sie sich recht ansehnlich. Dazu kommen noch seine relativ feinen Gesichtszüge, die groooßen blauen Augen und vielleicht auch die Tatsache, dass wir ihn relativ neutral anziehen – wobei ich das aber auch schon gesagt bekam, wenn er Turnschuhe, eine dunkle Jeans und sein schwarz-weiß kariertes Herrenhemd anhatte.
An sich stört mich das nicht, ich berichtige den Irrtum lächelnd, habe auch Verständnis dafür und bin mir vor allem ziemlich sicher, dass es auch mit kürzeren Haaren zu dieser Verwechslung kommen würde. Die Haare könnten also und können auch von mir aus lang bleiben, vor allem, wenn es bei einem Schnitt nur darum gehen würde, unseren Sohn deutlich als Jungen zu kennzeichnen. Ich stimme meinem Mann zu, dass die schönen langen blonden Haare ein Alleinstellungsmerkmal sind und ich denke auch nicht, dass sie unseren Sohn per se in seiner Identitätsfindung negativ oder positiv oder sonstwie beeinflussen – das tun eher diejenigen, die ihm, obwohl sie wissen, dass er ein Junge ist, immer wieder sagen: „Du siehst ja aus wie ein Mädchen.“

Mein Problem mit den langen Haaren ist ein eher ein praktisches – Es wird Sommer!
Ohnehin hat der Sohn die Haare schon andauernd im Mund und im Gesicht kleben, besonders wenn er Schnupfen hat und sich das mit dem Schnodder vermischt, ist es nicht mehr schön – für ihn nicht und für mich auch nicht, denn das Zeug klebt in den Haaren. Im Sommer kommt dann noch dazu, dass man schwitzt, vor allem im Nacken, die Haare kleben überall fest und verfitzen ziemlich leicht. Zudem geht es für unseren kleinen Mann in ein paar Wochen mit den Omas und Opas in den Urlaub nach Griechenland. Eine Woche lang jeden Tag Sonne satt, Sand, Salzwasser, Sonnencreme und vor allem jeden Abend Haarewaschen, damit das Zeug wieder aus den Haaren rauskommt. Ich frage mich, wie angenehm das für unseren kleinen Mann wird.
Eine Lösung wäre es einen niedlichen Pferdeschwanz zu machen oder die Haare hochzustecken zu einer hübschen Frisur, aber bei einem Jungen? Kann ich das? Darf ich das? Will ich das? Will er das und vor allem, will ich ihn dem aussetzen? Für mich ist es keine Frage, dass er ein Junge ist, ob er nun seine Haare lang hat oder nicht und auch er zweifelt nicht daran. Es ist mir egal, ob er einen Zopf hat oder nicht und auch er hatte heute keine Bedenken, sich von mir nach dem Baden die Haare flechten zu lassen, aber die meisten anderen Menschen sind leider selten sensibel. Es beginnt mit: „Du siehst ja aus wie ein Mädchen“ und endet bei „Hach, dann machen wir dir niedliche Zöpfchen und demnächst trägst du noch ein Kleid!“ Ich reagiere darauf immer mit der Antwort. „Wenn ihn das glücklich macht, dann soll er eins tragen!“ und merke, dass die meisten dann schlucken. Ich versuche meinem Sohn das Gefühl zu geben, dass alles, was er tut, okay ist, aber ist es nicht auf Dauer zu anstrengend, zu „verstörend“ für ihn, immer wieder in Frage gestellt zu werden?

Ich weiß es wirklich nicht!
Für die langen Haare muss in der Hitze und den anderen Bedingungen des Sommers eine Lösung gefunden werden. Ich für meinen Teil möchte sie wenigstens ein bisschen abschneiden, weil ich denke, dass das im Sommer sehr viel angenehmer für ihn ist und weil ich die Entscheidung über das Tragen eines Zopfes ihm überlassen möchte. Es ist ein Unterschied, ob ich dem Kind vorschlage einen Zopf zu machen oder ob er es von sich aus macht. Mein Mann hingegen stellt sich vehement gegen die Vorstellung ihm die Haare abzuschneiden. „Bei einem Mädchen würde es diese Diskussion überhaupt nicht geben!“ meint er – nicht zu Unrecht. Einem Mädchen würde man aber auch einfach einen Zopf machen können! Und wieder einmal frage ich mich, warum all das in unserer Gesellschaft eine so große Rolle spielt. Warum kann ich einem Jungen nicht einfach einen Zopf machen, ohne dass er dafür mit blöden Kommentaren konfrontiert wird und ich ihm erklären muss, dass die das alle nicht so meinen und er ganz toll so ist, wie er ist?
Für Gedanken und Anregungen zu diesem Thema bin ich sehr dankbar.

Frhoppe 26.04.2015

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5 Gedanken zu „26.04.2015 Eine haarige Angelegenheit!

  1. Das mit den Haaren ist so eine Sache. Egal, wie man es macht. Es ist falsch. Jeder sagt seine Meinung dazu und/oder redet einem rein. Meiner Meinung nach ist ein Zopf eine gute Lösung und mit ihm darüber reden. Es laufen auch auf der Straße einige Männer mit langem Haar rum.
    Kinder stereotypisieren alles. Das ist bestimmt normal. Fußballtrikots der Eltern sind für Kinder ziemlich lang, trotzdem werden sie voller Stolz getragen. So lange bis jemand auf die dämliche Ideen kommt, das sehe wie ein Kleid aus. Wie dumm.
    Bin gespannt auf eure Lösung.
    Lg

  2. Ich bin Verfechterin alles Praktischen, Nerven- und Zeitsparenden. Daher würde ich es eher andersherum sehen: kurze Haare auch für Mädchen.

    • Haha…ja, das ist auch eine Methode *lach* …wir bleiben vorerst beim Status Quo … nachdem der Sohnemann nach mehreren Nachfragen immer wieder Nein gesagt hat zur Frage „Haare abschneiden?“, bleibt es erst mal so 😀

  3. Hallo Liebes,

    wir hatten Vinc über den Herbst und Winter ja auch die Haare wachsen lassen. Er hat seine langen Haare geliebt und ich hab ihn öfters gefragt, ob er sie behalten mag oder mit Papa zum Frisör gehen möchte. Am Ende haben wir auch oft Aussagen gehört wie „Hach, euer Mädchen ist aber süß!“ oder „Du siehst aber wieder hübsch aus, Mädchen-Vinc.“ Ihn hat es selten gestört und wenn doch hat er sich mit beiden Beinen fest in den Boden gestempt, die Hände in die Seiten und mit lauter Stimme verkündet „Ich bin ein Junge!“. Hehe. Das kann und konnte er gut.

    An den ersten wärmeren Tagen ist er von ganz alleine darauf gekommen, dass die Haare doch wieder ab sollen, einfach weil es ihn gestört hat. Ihm war warm am Kopf. Er ist auch ein doller Kopfschwitzer. Somit war uns die Entscheidung abgenommen und nun heißt es wieder überall „Ihr habt euren Jungen wieder.“

    Was ich sagen möchte: Überlass ihm die Entscheidung. Er wird es euch verkünden, wenn die Haare ihn stören.

    Ihr macht das schon ganz richtig so. Bloß weil das Umfeld ihn als Mädchen empfindet, sollt ihr euch dem nicht beugen. Der kleine Mann soll sich wohlfühlen und sonst niemand.

    Liebe Grüße, Susi

    PS: Ich liebe seine Locken ;).

    • Danke Süße … es tut gut solche Worte zu hören 🙂 … Im Endeffekt werden wir es wohl genauso machen … er entscheidet und wir sind brave Eltern, die folgen, denn Eltern werden ja bekanntlich erst in der Pubertät schwierig 😀

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