20.04.2015 Aus eins mach zwei! – Teil 1

Nun ist es also geschehen – wir haben zwei Kinder!

Ganz plötzlich und nicht ganz unerwartet sind wir zu viert, unsere kleine Familie ist erst einmal komplett und der Weg dahin und damit war zwar bislang sehr ereignisreich, aber auch wunderschön zu sehen, was für ein toller großer Bruder unser kleiner Mann ist – was vielleicht auch ein bisschen an unserer Vorbereitung lag.
Aber ich fange am besten von vorne an – nun ja, vielleicht nicht ganz von vorne, aber doch schon ziemlich am Anfang:

Wir hatten unserem Sohn schon recht früh von seiner kleinen Schwester erzählt. Sobald die wichtigsten Familienmitglieder Bescheid wissen durften, weihten wir auch ihn langsam ein – zunächst erst einmal nur anhand der für einen Knirps von nicht einmal zwei Jahren recht unbedeutenden Aussage „Du bekommst bald eine kleine Schwester!“ Seinen Gesichtsausdruck dazu deute ich in etwa so: Tolle Wurscht! Eine Schwester – was is’n das? Kann man das essen oder wozu ist das gut?
Als wir das dann aber präzisierten und ihm erklärten, dass ich jetzt ein Baby im Bauch habe und dass dieses Baby im nächsten März raus will, konnte er damit durchaus etwas anfangen, denn dass Mamas Babys im Bauch haben, die dann irgendwann auf der Welt sind, das hatte er schon erlebt im Freundeskreis. Und irgendwie war ihm auch von vorneherein klar, dass er damit sehr vorsichtig sein muss, denn schon sehr früh begann er, ganz vorsichtig meinen Bauch zu streicheln und als ich ihn im Oktober fragte, ob er denn schon gesehen habe, wie rund Mamas Bauch ist, nickte er begeistert und sagte dann ganz ernst: „Ist ein Baby drin, muss man aufpassen!“ Keine Frage, dass mein Mutterherz bei diesen Worten unwiderruflich dahin schmolz.
Spätestens da war das kleine Würmchen fest in unseren Alltag eingezogen – jeden Tag bezogen wir die kleine Bauchmaus in unseren Alltag mit ein, erzählten dem kleinen Mann, wie sehr wir uns darauf freuen, dass sie bald bei uns ist, sagten ihm, dass er ein ganz toller großer Bruder wird und dass seine kleine Schwester einmal ein toller Spielgefährte wird, sobald sie etwas größer ist. Wenn wir etwas neu anschafften oder bauten – z.B. den Wickeltisch – dann wurde er mit einbezogen. Natürlich blieben da auch erste Anmeldungen von Besitzansprüchen nicht aus: Im Dezember bekam der kleine Mann ein großes Bett. Ein Feuerwehrauto war das, von seinem älteren Cousin gesponsert und een rischtisch schniecket Teil, das sofort mit Begeisterung in Beschlag genommen wurde. Große Freude brach aus im heimischen Kinderzimmer, bis … ja bis das alte Gitterbett abgebaut werden sollte. Die Freude schlug um in schiere Verzweiflung. Unter Tränen klammerte sich der kleine Mann an den Gittern fest und schrie. „NEEEIIIN!!! Das Bett bleibt hier!!!“ Mit Engelszungen redeten wir auf ihn ein, dass doch das Bett zu groß und dann kein Platz mehr sei und überhaupt, man könne ja gar nicht spielen, wenn hier ein Gitterbett mitten im Raum und so … Nichts half! Schließlich hatte ich die zündende Idee: „Weißt du, kleine Mann! Wir brauchen doch das Bett für deine kleine Schwester – oder soll die in deinem Feuerwehrbett schlafen?“ Totale Stille. Dann: „Nein! Das ist mein Bett!“ Sprach’s und das Thema war erledigt. Das Gitterbett musste sogar umgehend in den Keller geschafft werden.
Im Januar schließlich überraschte uns der kleine Kerl mit einer unheimlich intelligenten Erkenntnis. „Wie soll denn deine Schwester heißen?“ fragten wir ihn eines Tages.
„Anne!“ kam es wie aus der Pistole geschossen, woraus dann später ‚Onkel M…‘ wurde, wovon er auch durch hartnäckige Erklärung ‚Onkel M…‘ sei doch ein recht ungewöhnlicher Name für ein Mädchen, nicht abzubringen war. Anne allerdings war es auch nicht!
Wir schauten einander nun also ein wenig hilflos an und überlegten, was zu tun sei, denn unsere Namenswahl unterlag strengster Geheimhaltung gegenüber der Familie. Den tatsächlichen Namen dem Kinde zu verraten, kam also gar nicht in Frage, denn gegen kleine Kinder sind Facebook und Konsorten in Sachen Herausgabe von Daten an Unbefugte ein Witz. Also verlegten wir uns auf eine Ausweichtaktik.
„Naja, müssen wir mal schauen, ob deine Schwester dann Anne heißt! Das sagt sie uns dann, wenn sie auf die Welt kommt! Mama und Papa wissen das auch nicht!“
Es folgte ein prüfender Blick aus verengten Augen, erst zu Mama, dann zu Papa, dann lächelte der Sohn siegesgewiss und verkündete: „Mama und Papa wissen das!“
Die eigenen Eltern dermaßen ausgekontert zu haben, ließ ihn dann auch sämtliches Interesse am zukünftigen Namen seiner Schwester verlieren.
Für uns war dieses eindeutige Zeichen großer Kombinationsfähigkeit der Anlass den nächsten Schritt zu tun, um den Sohn auf das große Ereignis einzustellen. Da wir auch für unser zweites Kind das wunderbare Erlebnis eines Familienzimmers anstrebten, würden sowohl Mama als auch Papa einige Tage nicht anwesend sein, wenn es losging und darauf will so ein kleiner Mensch vorbereitet sein – erst recht wenn die beiden dann auch noch so ein kleines schreiendes Bündel mitbringen, um das sich erst einmal alles drehen wird. Dankenswerterweise hatte sich meine Mama bereit erklärt, den kleinen Mann nicht nur in unserer Abwesenheit zu betreuen, sondern im Notfall auch mitten in der Nacht hier einzureiten, um zu gewährleisten, dass der Papa auch schon im Kreißsaal dabei sein konnte. Wir erklärten nun also dem Sohnemann, wenn dann irgendwann morgens plötzlich die Oma da ist, dann will seine kleine Schwester endlich auf die Welt und er kann dann ein paar Tage Urlaub mit der Oma machen.
Eigentlich gingen wir davon aus, dass das nicht nötig sein würde, denn immerhin kam der Große ja tagsüber, aber wir wollten eben auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, vor allem aber den kleinen Mann wie gesagt gut vorbereiten. Nicht das plötzlich Mama und Papa einfach so über Nacht für mehrere Tage verschwinden. Das wäre ein denkbar schlechter Start ins Geschwisterleben.
Und wie es dann so ist mit den Geburten und mit Kindern überhaupt – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Wir hatten uns 9 Tage nach Termin schweren Herzens entschieden angesichts keinerlei vorhandener Anzeichen, dass es los gehen könnte, am 10. Tag die Geburt einleiten zu lassen. Alles war gepackt, die Oma für den nächsten Tag zum Kind aus der Kita abholen einbestellt und wir planten einen emotionalen Abschied vom großen Sohn am nächsten Morgen, bei dem wir ihn schwersten Knuddeln und Knutschen wollten.
Um vier Uhr nachts platzte die Fruchtblase!
Oma kam und übernahm den Rest der Nachtwache und als sie am nächsten Morgen die Tür zum Kinderzimmer öffnete, erwartete sie ein strahlend waches Kind, das bei ihrem Anblick freudig verkündete: „Meine kleine Schwester ist da!“

Frhoppe 20.04.2015

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