17.10.2014 Urgroßtanten und andere Komplikationen

Heute bin ich so richtig fertig. Körperlich sowieso – die Erkältung trägt ihr übriges zum allgemeinen Schwangerschaftserschöpfungszustand bei – und nervlich erst recht völlig.
Der Kita-Tag mit der Eingewöhnung lief zunächst erst einmal sehr gut. Nach unserem gestrigen Erfolg, gefolgt von der mehr oder minder gut kaschierten und von mir verneinten Frage, ob denn der kleine Kerl irgendwie geäußert habe, nicht in die Kita zu wollen, wurde beschlossen, dass ich heute bereits um halb zehn gehen sollte. Das wären dann immerhin schon 2,5 Stunden, also fast der gesamte Vormittag. Der Morgenkreis lief wieder sehr entspannt ab – der Sohn nahm aufgeregt teil, ich wartete im Flur und war schon guter Dinge, als der kleine Mann nach dem Ende des morgendlichen Singens plötzlich sehr anhänglich wurde. Immer wieder wurden mir diverse Kuscheltiere zur Verwahrung gebracht und bereits wenige Augenblicke später wieder abgeholt, bis ich schließlich vom Kind ganz in den Raum gebeten wurde. Gemeinsam mit der Bezugserzieherin beschlossen wir, dass ich dann noch ein bisschen länger bleiben würde, was ich dann auch tat, bis das Kind wieder sehr geschäftig im Raum umher stromerte. Als ich mitteilte, dass ich nun „einkaufen“ müsse, würdigte er mich kaum eines Blickes, geschweige denn, dass er mich verabschiedete. Erst als ich dann wirklich fast weg war, kam er noch einmal in den Flur gestürzt und wurde nun doch etwas weinerlich, darauf beharrend, dass Mama nicht gehen solle. Ich erklärte ihm sehr ruhig, dass ich doch die Zutaten für die Bouletten einkaufen müsse, die wir am Sonntag zum Segnungsgottesdienst der Kita mitbringen wollen und überraschenderweise war ihm diese Erklärung genug, denn er antwortete mit einem einfachen „Okay!“ Ohne weiteres Jammern oder Bitten folgte er der Erzieherin, die ihm vorschlug ein Instrument auszuprobieren.
Als ich knapp zweieinhalb Stunden später wiederkam, wusste die Erzieherin zu berichten, dass der kleine Mann das alles ganz toll macht. Wenn er draußen ist, mischt er überall mit und muss immer als einer der letzten eingefangen werden. Und drinnen macht er auch sein Ding und hat kaum einmal Anwandlungen von Sehnsucht. Und heute hatten wir dann auch eine Premiere. Normalerweise verrichtet der kleine Mann sein großes Geschäft entweder VOR oder NACH der Kita, aber nicht dort. Heute hat er es das erste Mal dort getan, was heißt, dass er sich dort mittlerweile wohl genug fühlt – er kann das große Geschäft nämlich geraume Zeit einhalten. Und es bedeutet gleichzeitig auch , dass er das erste Mal von der Erzieherin gewickelt wurde. Und das hat er sich ganz brav gefallen lassen, ohne irgendwelches Theater. Es klingt bescheuert, aber ich bin deswegen ganz schön stolz auf ihn.
Soweit so gut. Und nun kommt der stressige Teil:
Da der Papa übers Wochenende nicht da ist, bat er mich, ihn gegen dreiviertelzwei zum Bahnhof zu fahren. Dies bedeutete, dass es keinen Mittagsschlaf für den Gnom geben würde. Da der Papa aber wegen der Wochenendbeschäftigung noch Sachen packen musste, blieb die Betreuung eines aufgedrehten, mittagsschlaflosen Räubers an mir hängen – schon für normale Nerven manchmal eine Herausforderung. Nun hätte ich den kleinen Mann nach vollbrachter Ablieferung des Papas noch hinlegen können, jedoch waren wir zwischen drei und halb vier mit der Urgroßtante verabredet.
Besagte Urgroßtante ist am vergangenen Sonntag stolze 88 Jahre alt geworden und dementsprechend kindersicher ist ihre Wohnung! Richtig! GAR NICHT!!! Das alleine ist schon eine wirklich anspruchsvolle Aufgabe für eine einzelne Person, zumal die Tante so gut wie gar nicht laufen kann. Hinzu kam aber noch, dass die Urgroßtante von meinem nicht einmal zwei Jahre alten Sohn erwartete, still zu sitzen und sich mit ihr zu unterhalten. Und jedes Mal, wenn er das nicht tat – quasi durchgängig zwei Stunden lang, weil wirklich ALLES interessanter war, als die Großtante – war sie beleidigt und tat dies auch mit entsprechend „Ist das Schade“- „Bin ich traurig“-Kommentaren kund. Ich war also am hin und her springen zwischen der Bewahrung meines Sohnes vor Blumenvasen, Streichhölzern, Kerzen, Porzellan- und Kristallnippes – oder eher umgekehrt – und der verletzten Eitelkeit meiner Großtante.
Erst ganz zum Schluss griff Kimmi ein, die kleine Plüschkatze, die unser Sohn vor zwei Wochen von seiner Cousine geschenkt bekam und die seitdem treuer Begleiter in jeder Situation ist. Irgendwie ist das Tier für den Sohn eine reale Person, deren Meinung ihm offenbar sehr wichtig ist – mitunter sogar wichtiger als unsere, wenngleich ihre Stimme ja nur unsere verstellte ist. Wenn Kimmi sagt, dass Sohnemann ins Bett kommen soll, weil sie soooo müde ist, dann klettert er sofort ins Bett. Wenn Kimmi möchte, dass Sohnemann das Obst ist, dann isst er das Obst. Und als Kimmi heute meinte, sie würde sich soooo freuen, wenn Sohnemann sich mal zur Tante setzt und vielleicht ein bisschen kuschelt, lief Sohnemann umgehend zur Urgroßtante und blieb dort volle zehn Minuten sitzen. Sogar ein Küsschen gab er der Tante, die dann auf einmal wieder ganz versöhnt war.

Frhoppe 17.10.2014

Advertisements

2 Gedanken zu „17.10.2014 Urgroßtanten und andere Komplikationen

  1. Ach, diese Großtanten! Ich glaube, sie erwartet zu viel Anhänglichkeit von Deinem Kleinen. Immerhin gehört sie bestimmt nicht zu seinem Lebensmittelpunkt. Aber Du hast das gut auf die Reihe bekommen, so dass sogar die Tante zufrieden war. Ist doch super!

    • Recht hast du! Er mag sie, das stimmt schon, aber so richtig anfangen kann er mit ihr nichts, was natürlich daran liegt, dass sie seine Spiele aufgrund der Gesundheit nicht mehr mitspielen kann. Und weil es für mich immer der pure Stress ist, sie zu besuchen, sind wir natürlich auch nicht sooo oft da und jetzt, wo die Kita da ist, ja sowieso nicht mehr.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s