23.02.2013 Unfassbar!!!

Wieder sind zwei Mädchen tot in ihren Wohnungen aufgefunden worden! Wie, warum, von wem – das weiß man noch nicht, man vermutet, dass es die Mutter war! Und ich frage mich wieder einmal: Wie und warum kann eine Mutter respektive ein Vater dem eigenen Kind das antun?

Es gibt eine ganze Anzahl von Erklärungen, die skizzieren sollen, aus welchen Gründen es zu solchen Übergriffen kommen kann. Totale Überforderung ist eine Ursache – wenn Mutter oder Vater nach zig durchwachten und durchschrienen Nächten die Nerven verlieren und das Kind nicht einmal bewusst schlagen, sondern „nur ganz kurz“ schütteln. Manchmal ist eine große Lebenskrise der Verursacher einer solchen Tat – wenn die Familie hoch verschuldet ist oder die Eltern sich getrennt haben. Oftmals denken die Täter dann, in Schemata, die gesunden Menschen nicht verständlich sind. Sie glauben daran, dass ihr Kind ohne sie schlechter dran ist, als wenn es gar nicht mehr lebt. Dieses sind nur zwei Beispiele dafür, warum so etwas passiert und doch stellt sich mir immer und immer wieder die Frage: Wie? Wie kann ein Vater oder eine Mutter es über sich bringen?

Ich kann es einfach nicht verstehen. Das ging mir schon so, als ich selber noch kein Kind hatte und es hat sich jetzt noch tausendfach verstärkt. Wenn ich den kleinen Mann ansehe, wenn ich ihn anfasse, höre, rieche, fühle oder alles andere, ist es mir unbegreiflich, dass irgendjemand einem so kleinen Wesen weh tun kann. Noch unbegreiflicher ist mir, dass das von den eigenen Eltern ausgehen kann. Und das gilt für mich erst recht in Situationen, in denen Baby sich überhaupt nicht beruhigen will und ich mit den Nerven komplett am Ende bin. Es wird oft gesagt, es ist ein ganz schmaler Grad, auf dem Eltern da zwischen Kontrolle und Ausrasten balancieren – auch wir haben diesen Vergleich schon oft herangezogen. Und doch: Dieser Grad, so schmal er manchmal scheinen mag, ist für mich unüberwindbar breit. Selbst wenn wir seit Ewigkeiten durch die Wohnung laufen und der kleine Mann mir ins Ohr brüllt und ich wirklich komplett am Ende der Geduld angekommen bin, überwiegt das Mitleid mit meinem Sohn. Er tut mir so unfassbar leid, denn er hat ja einen Grund so zu schreien, ich erkenne ihn nur nicht. Und auch wenn ich mit meiner Kontrolle kämpfe, käme es für mich nie in Frage, dass an meinem Kind auszulassen. Lieber lege ich ihn in seine Wiege und gehe eine Runde ums Haus. Mittlerweile gibt es ja auch Anlaufstellen, die man kontaktieren kann und die unmittelbar helfen.* Egal was, ich würde alles in Kauf nehmen, damit meinem Kind kein Schaden geschieht.

Ich weiß, dass nicht einmal ein Bruchteil der Eltern in solch einer guten Situation ist wie wir. Wir haben so viele Verwandte und Freunde, die mit dem kleinen Mann spazieren gehen und uns so mindestens dreimal die Woche ein bis zwei Stunden Ruhe gönnen. Ich weiß auch, dass in extremen Situationen manchmal extremes Denken auftreten kann, aber selbst wenn ich nach einer Trennung mein Kind nicht mehr sehen dürfte, würde ich es nicht aus dem Leben reißen, nur damit es nicht ohne mich leben muss. Ich würde leiden wie ein Tier, aber ich würde niemals meinem Kind die Chance auf Leben und Glück nehmen. NIEMALS!!!

Wahrscheinlich ist der heutige Text wirr und an manchen Stellen unreflektiert und ganz sicher auch nicht fundiert, was die Ursachen angeht. Es sind einfach nur diese Gedanken, die sich in meinem Kopf herumtreiben, seit ich wieder diese Nachricht gehört habe. So grausam, tragisch, furchtbar und immer wieder unbegreiflich ist das, dass ich es kaum in Worte fassen kann! Ich kann nur sagen: Es ist nicht schlimm oder peinlich Hilfe anzunehmen, wenn man sie braucht. Wenn es um das Wohl des Kindes geht, gibt es keinen Stolz!

* http://kinderschutzgruppe.charite.de/links/hilfen_fuer_familien/  –> spezifische Anlaufstelle für Berlin!

http://www.schreibabyambulanz.info  –> Deutschlandweit!

 

© frhoppe 23.02.2013

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2 Gedanken zu „23.02.2013 Unfassbar!!!

  1. hallo liebes,

    ich finde es auch immer wieder unfassbar und bekomme eine gänsehaut, wenn ich solche schlagzeilen lese, höre oder sehe. ja, was mag in solchen menschen vorgehen, dass sie zu so einer tat fähig sind…

    ich gebe zu, ich selbst war auch des öfteren an meinen grenzen angelangt. denn ja, ich bin und war die meiste zeit mit meinem kleinen scheißer alleine. und er litt sehr unter den koliken zu beginn seines lebens bis in den 5. monat rein. es war die hölle. für ihn und für mich. hinzu kam bei ihm die blockaden der wirbelsäule, was ja erstmal herausgefunden werden musste, was ihm überhaupt fehlt. bis wir das wussten, waren etliche wochen vergangen und ich am ende meiner kräfte, der kleine sowieso. dann das „problem“, dass er tagsüber nur im kinderwagen richtig schlief, nicht in der wohnung. das zerrt alles wirklich, wenn man die summe betrachtet. und ich muss gestehen, ich hab ihn dann auch mal fünf minuten weinen lassen, wenn es gar nicht mehr ging :(. in solchen momenten musste ich weg … raus aus seinem zimmer oder dem wohnzimmer … eine kleine trennung durchführen und ein- oder zweimal durchatmen. dann ging es wieder und ich hab ihn liebevoll in die arme geschlossen und weiter getröstet.

    denn ja, wir haben nicht das glück, dass wöchentlich und dann noch mehrmals irgendwer uns den kleinen mann abnehmen kann. wie gesagt, die meiste zeit bin ich tatsächlich alleinerziehend, leider.

    und ich glaube, wenn eltern aus solchen situationen sich nicht befreien können, auch wenn das kind dann mal ein paar minuten weinen muss, dann kommt man an den punkt, wo man das baby schüttelt oder erstickt oder sonst was tut, nur damit ruhe einkehr …

  2. Liebe frhoppe, vielen Dank für diesen Beitrag! Es ist immer wieder wichtig aufzuzeigen das es andere Möglichkeiten gibt…. Leider sind es immer noch zu wenig Anlaufstellen und nicht immer kann sich Zeitnah um die Mütter respektive Familien gekümmert werden.
    Besonders toll finde ich deinen letzten Satz!! Es ist keine Schande mal ungute Gedanken zu haben und sich anderen mitzuteilen und Hilfe anzunehmen! Ich hoffe das sehr viele diesen Beitrag lesen und den Mut finden sich Hilfe zu suchen, wenn sie in einer Situation sind, welche sie und ihr kind schädigen könnten!!

    LG, Ulrike

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