Abschiedsgedanken

Es ist nicht das erste Mal, dass es für längere Zeit ruhig geblieben ist auf diesem Blog. Schön öfter schrieb ich wochen- oder monatelang nichts und kam dann wieder.
Dieses Mal ist das nicht so.
Dieser Beitrag wird zugleich mein letzter im Blog mit dem Titel lebenwundersam sein und das hat verschiedene Gründe.

Der erste ist, dass ich diesem Blog entwachsen bin. Ich kann mich nicht mehr mit der optimistischen Frau identifizieren, die alles mit Humor nimmt. Ich kann nicht mehr über die alltäglichen Kleinigkeiten meiner wundervollen Kinder berichten.
Das liegt zum einen daran, dass es täglich so unfassbar viele wundervolle Dinge gibt, die sie tun, dass ich schon mit der Auswahl überfordert bin. Zum anderen aber liegt es daran, dass es eben nicht nur lustig und wundervoll ist, sondern wir unheimlich oft zu kämpfen haben. Das wir uns fragen, was wir falsch machen und ob das je besser wird. Das schlaucht, es macht müde und es ist so psychisch anstrengend, dass ich das abends nicht noch einmal durchleben möchte, indem ich darüber schreibe. Ich bin froh, dass ich diese Episode hinter mir habe.
Dazu kommt, dass ich über die sozialen Medien nun so oft von sogenannten „Mommy Wars“ mitbekommen habe, in denen sich zwischen Müttern unfassbare Gräben aus Hass und Respektlosigkeit auftun, dass ich auch nicht mehr das Gefühl habe, hier frei schreiben zu können.
Der Grad zwischen „Endlich sagt es mal einer!“ und „Wie kann man es wagen, so etwas zu schreiben?“ ist mir persönlich zu schmal. Ich möchte nicht irgendwann verzweifelt erklären müssen, dass ich meine Kinder selbstverständlich liebe, nur weil ich meiner Erschöpfung und Verzweiflung Ausdruck verleihe.

Der zweite Grund ist der, dass es in meinem Kopf so unglaublich viel mehr Dinge gibt, als diese Berichte über die Kinder. Ich bin soviel mehr als Mama und ich möchte dem Ausdruck verleihen. Das werde ich an geeigneter Stelle auch tun, aber hierher würde es nicht passen. So wie ich nicht mehr hierher passe.

Ich verabschiede mich also nun von euch.
Dieser Blog wird bestehen bleiben, für alle, die doch noch einmal hier stöbern wollen und wer weiß? Vielleicht rappelt es mich eines Tages wieder und ich kann mich hier wieder so sehr finden, dass ich hier auch schreiben kann. Bis dahin bleibt mir nur die Trauer über den Verlust derer, die ich war, als ich diesen Blog startete. Ich wäre gerne wieder sie und werde sie doch nie wieder sein.

Ich sage auf Wiedersehen und vielen Dank, dass ihr mich gelesen habt, bei mir wart, mir geholfen habt. Das ihr Interesse hattet und dass ihr mich begleitet habt.

Es war eine schöne Zeit

© frhoppe 13.01.2017

Waldesruh

Ein so wichtiger Text: Danke dafür!

mutterseelesonnig

Es ist ganz still.

Ich bin ganz still.

Ich habe seit 2 Tagen so gut wie kein Wort gesprochen. Das tut gut, und das ist verdammt selten. Ich bin alleine, mit mir und dem Chaos in meinem Kopf. Das muß sich erst mal legen, bevor da noch irgendwas rein- oder rausgeht. Jetzt ist Sonntag abend, jetzt geht’s langsam wieder.

Ich hatte kinderfreies Wochenende, und ich musste auch nicht arbeiten. Mein letztes kinderfreies Wochenende ist 3 Wochen her und ich habe durchgearbeitet. An dem Montag danach war ich dann so müde, dass mir per facebook Depressionen diagnostiziert wurden sowie der dringende Hinweis, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Dabei war ich nur unfassbar müde.

Morgen gehe ich deutlich entspannter und ausgeschlafener in die neue Woche. Ich habe den ganzen Samstag gebraucht, um die Wohnung wieder in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen: Alle (!) Wäsche gewaschen, aufgeräumt, gesaugt, geputzt, eingekauft. Das muß…

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#Gastbeitrag: Depressionen einer Mutter – ein Tabuthema

Ein sehr bewegender, ehrlicher Text.
Depressionen können jeden treffen und mit ein bisschen Achtsamkeit kommen wir vielleicht irgendwann dahin, dass niemand mehr das Gefühl hat, anonym schreiben und bleiben zu müssen.

motherbirthblog

Die Autorin des Textes möchte anonym bleiben. Diesen Wunsch respektiere ich und kann ihn auch verstehen. Es ist ein sehr sensibles Thema – gesellschaftlich tabuisiert. Ich möchte ihr aber auf meinem Blog eine Plattform bieten, da das Thema: Depressionen einer Mutter ihr schon so lange unter den Nägeln brennt, wie sie mir gestand. Ich finde es wichtig, dass gerade solche Themen auch öffentlich angesprochen werden.


sad-505857_640 by Pixabay

Dies ist nun der vierte Anlauf, einen Beitrag über Depressionen einer Mutter zu verfassen. Ich hätte niemals gedacht, dass es mir so schwer fällt darüber zu schreiben und doch sitze ich nun zum vierten Mal hier und suche nach Worten für das, was in mir vorgeht.

Denn Depressionen bei Müttern sind ein Tabuthema!
Erst recht bei denen, die nicht arbeiten.
Jeder versteht ja, in dieser so verständnisvollen Welt des „Burnout“, dass einer arbeitenden Mutter wirklich alles mal zu viel werden kann.
Aber…

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If this is a mans world

Fantastisch…wirklich und wahrhaftig wunderbar geschrieben…ein Lachanfall in der Nacht – genau das bekam ich am Ende 😉

Nieselpriem

Wenn ich ein Mann wäre, wäre ich ein ganz passabler Kerl.IMG_3029

Ich bin ein wirklich passabler Kerl! Vorzeigbar, sauber, gebildet und sparsam. Ich bringe meiner Frau oft Blumen mit und nicht nur vom Aldi, wenn ich mal dort bin, obwohl meine Frau Aldi-Blumen wirklich mag! Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt sie, sagt sie. Nein, ich lasse Floristensträuße für sie binden! Oft.

Mache Geschenke. Schmuck, Schuhe, ich weiß doch, was sie sich wünscht. Ich bin spendabel, lade sie in Kneipen ein. Ok, eigentlich, weil ich gerne ausgehe und sie nicht, aber ich bin der, der die Zeche blecht. Altmodisch und gern. Ich führe sie gerne aus, wirklich!

Ich zeige mich auch gern mit ihr. Wir halten Händchen, auch nach neunzehn Jahren. Sie ist meine Frau, das darf ruhig jeder sehen!

Ich mache Komplimente, zeige ihr, dass sie begehrenswert ist für mich obwohl sie schon ganz schön in die Jahre gekommen ist, nein wirklich…

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Körperwelten.

Ein wirklich beeindruckender Text von einer intelligenten, humorvollen, liebevollen und wunderschönen Frau!

Meg

Ich wünschte, mir wäre so eine Szene aus der Dove-Werbung passiert, in der ich mich selbst male und dann von jemand anderem gemalt oder beschrieben werde. Und das Bild, was von mir gemalt oder beschrieben wird, stimmt mit dem Bild überein, das ich malte oder beschrieb.

Das würde bedeuten, dass ich mit mir im Reinen bin.

Manchmal überlege ich, ob ich eine Umfrage im Freundes- und Bekanntenkreis mache und die Leute bitte, 3 Attribute aufzuzählen, die ihnen zu meiner Person einfallen. Sie können den Charakter oder das Aussehen beschreiben.
Doch das lasse ich, denn ich kenne das Ergebnis, schließlich habe ich das Drehbuch geschrieben und halte mich daran.

So leicht es mir fällt, Perfektionen an anderen Menschen auszumachen, zu beschreiben und mich daran zu entzücken, so sehr feinde ich meinen eigenen Körper an und frage mich, ob es erst ein bestimmtes Alter oder ein schwerwiegendes Erlebnis braucht, um ihn lieben…

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14.07.16 Brief an meine Kinder!

Meine beiden liebsten kleinen Menschen,

ich möchte, dass ihr eines immer wisst: Egal, wie müde ich bin, wie traurig, wie verzweifelt, wie wütend, ihr seid mein wertvollster Schatz.
Niemals wird es etwas wertvolleres als euch beide geben und niemals wird irgendjemand etwas an meiner Liebe zu euch ändern.
Für euch umgebe ich mich mit Menschen, wenn ich eigentlich niemanden sehen kann, weil sie euch lieben und ihr sie! Und ich tue es gerne. Ich lächle und freue mich daran, dass ihr Spaß habt, dass ihr geborgen und geliebt seid, von so viel Familie und Freunden.

Ihr seid mein Licht in der Dunkelheit.

Eure Mutter zu sein, gibt mir an manchem Morgen die Kraft aufzustehen und den Tag zu begehen.
Und selbst, wenn es manchmal Unmengen an Kraft kostet, mit euch über den Tag zu kommen, weiß ich, es wäre noch viel schwerer ohne euch, euer Lachen, eure Freude, eure Wildheit, euren Witz und eure Intelligenz.

Du mein großer, kleiner Mann bist so ein wundervoller Junge. Schlau und an allem interessiert, hinterfragst du alles. Nichts nimmst du einfach so hin, du willst genau wissen, warum Dinge so sind, wie sie sind, warum du sie tun musst, bevor du sie (vielleicht) tust.
Du bist witzig und testest deinen Humor schon jetzt an uns aus, versetzt mit deiner Sprachfähigkeit und deinem Wortschatz nicht nur mich immer wieder in Erstaunen.
Du bist wild und unbändig und treibst mich manches Mal in den Wahnsinn und doch bist du dabei oft schon so achtsam und bedacht, umarmst mich kurz und stürmisch.
Du hilfst, wo du kannst – nun ja, du versuchst es, aber das ist es was zählt – und wenn du sie nicht gerade auf dem Kiecker hast, kümmerst du dich rührend besorgt um deine kleine Schwester.
Du musstest viel verkraften in den letzten Monaten, musstest viel zurückstecken und doch zeigst du uns jeden Tag, wie sehr du uns alle liebst und versuchst soviel Geduld zu haben, wie es für einen Dreijährigen nur irgend möglich ist! Manchmal vermisse ich dich so sehr, die Zeit für uns allein und dann wieder zeigst du mir, wie gut du es findest, Teil einer Einheit mit deiner Schwester zu sein, wie wichtig es für dich ist, der Große zu sein, der auf seine kleine Schwester aufpasst und ihr die Welt zeigt und erklärt. Ich lausche so gerne, deinem manchmal altklug klingendem Geplapper aus dem Kinderzimmer.
Du gehst an deine und unsere Grenzen und manchmal darüber hinaus, doch jedes mal kehren wir von dort verliebter ineinander zurück und achtsamer füreinander!
Und du bist sensibel – vielleicht zu sehr in dieser unachtsamen Welt!
Du siehst mich manchmal an und in deinen Augen sehe ich so viel Verständnis, so viel Gefühl und zugleich so viele Fragen!
Wenn du mit deinen großen blauen Augen in die Welt schaust und Menschen so viel mehr von dir fordern, als du zu geben bereit bist, nur weil du es kannst, dann möchte ich mich vor dich stellen.
Wenn sie von dir Dinge erwarten, die du noch nicht können musst, nur weil du im Kopf schon so weit bist, dann möchte ich schreien.
Wenn sie wieder nicht sehen, dass du einfach nur eine Antwort willst, eine Erklärung, wenn sie sich über deinen Kopf hinwegsetzen, weil du nun einfach mal genau diese eine Sache tun musst, dann blutet mir das Herz vor Kummer.
Und gleichzeitig weiß ich – ich kann und darf dich nicht vor allem beschützen, denn du musst deine eigene Stimme finden. Du bist so ein starker, kleiner Kopf mit so einem großen Willen, dass es dir mehr schaden, als nutzen würde, wenn ich jeden Kampf für dich bestreiten würde.
Ich kann dich nur in den Arm nehmen und dich festhalten, kann dir nur versichern, dass du toll bist, einfach ganz großartig und perfekt unperfekt und dass ich dich liebe, mehr als mein eigenes Leben.

Und mein kleines Mädchen?
Du bist so ganz anders. Solche Angst hatte ich vor der Geburt, dass ich dich nicht so lieben könnte, wie deinen Bruder, denn wie sollte ich diese einzigartige Liebe ein zweites Mal fühlen?
Es ist genau so gekommen.
Ich liebe dich nicht so wie deinen Bruder.
Aber nicht weniger!
Nur ganz anders!
Weil du so ganz anders bist.
Du bist ein wunderbar, wildes kleines Mädchen, genau so, wie man sich ein Kleinkind immer vorstellt. Für dich gibt es keine Hindernisse, die zu groß sind. Versperrt dir doch einmal etwas deinen Weg, dann gehst du nicht darum herum, sondern kletterst drüber. Und wie du kletterst. Alles was deinem großen Bruder an Motorik fehlt, ist anscheinend bei dir gelandet, denn du kletterst wie ein kleines Äffchen, balancierst noch auf dem schmalsten Brett und hast eine Körperspannung, um die dich jeder Turner beneiden würde.
Du bist laut und verrückt, ziehst Grimassen und lachst am stärksten, wenn man den größten Blödsinn mit dir macht. Du magst es wild, je höher man dich wirft, je plötzlicher man dich absacken lässt, desto fröhlicher kreischst du und ziehst dann beim Lachen die Nase so niedlich kraus und zeigst uns deine vier Kuchenzähne.
Du bist so ein kleiner Rabauke, mit soviel Feuer und Mut, dass man schon leicht übersehen kann, wie empfindsam du eigentlich bist.
Du brauchst soviel Nähe und Kuscheleinheiten, bist bei all deiner Wildheit gleichzeitig so sanft und liebevoll. Wenn du deine kleinen Ärmchen um mich schlingst und deine Nase an meinem Hals vergräbst, schnuffelnd und ruffelnd, wenn deine kleine Hand sich in meinen Ausschnitt wühlt und du dann erst ruhig wirst, dann möchte ich dich nie mehr loslassen und die Welt anhalten.
Manchmal fällt es mir so schwer, dich gehen zu lassen, dich mutig sein zu lassen, viel schwerer noch als bei deinem großen Bruder. Du bist doch mein kleines Mädchen, mein Babymädchen, mein kleines Herzenskind. Und ich weiß, dass du bei aller Lautstärke auch ein leises Mädchen bist.
So lange hast du gebraucht, um dich von mir zu lösen und noch heute bin ich dein sicherer Hafen, wann immer dich etwas erschreckt.
Dabei bist du so freundlich und offen, lachst jeden an.
Aber immer nur, wenn du nah bei mir bist – oder inzwischen auch bei jemand anderem, der dir wichtig ist.
Ganz genau beobachtest du alles, wägst ab und triffst dann deine Entscheidung – manchmal auch entgegen dem, was ich eigentlich will. Und wenn du DAS tust, dann mit einem Blick über die Schulter zu mir und diesem frechen kleinen Grinsen.

Es ist eine tägliche Herausforderung, euch beiden täglich gerecht zu werden, denn was für den einen funktioniert, löst bei der anderen einen Bock oder Verzweiflung aus. Wenn ich die eine aber anders behandle, als den anderen, fühlt der sich ungerecht behandelt. Manchmal ist es zum Haare raufen, wie sehr wir uns im Kreis drehen, wie oft ihr euch mit euren starken kleinen Willen und den Tränenausbrüchen abwechselt.

Mitunter bin ich am Rande meiner Nerven, meiner Kraft und gerade dann, wenn ich denke: Jetzt! Jetzt kann ich nicht einen Schritt mehr weiter! Dann werdet ihr auf einmal ruhig, ganz anschmiegsam und zärtlich. Wenn ihr dann voller Liebe zu mir aufschaut, eure Arme um meinen Hals schlingt und ein ganz ruhiges „Mama!“ über eure Lippen kommt, dann ist alles gut, dann ist alles machbar.

Ihr beide seid so wundervoll einzigartige kleine Menschen, die alles und noch mehr auf dieser Welt verdient haben.

Manchmal zerreißt es mich fast, mich zwischen euch aufteilen zu müssen und ich denke, wäre nur eins nicht besser gewesen. Und dann wieder sehe ich, wie wundervoll ihr miteinander spielt und ich weiß: Nein! Nicht nur eins. Niemals. Euch beide – genau so verrückt, laut, wild, frustrierend, wütend, bockig, zickig, willenstark, liebevoll, achtsam, hilfsbereit, kuschelig und zart.

Meine Gefühle für euch sind so grundverschieden und doch auch so unendlich gleich:
Euch werde ich immer wollen!
Und lieben!

frhoppe 14.07.2016

Ich kenne eine Fette …

Ein großartiger wachrüttelnder Text!

trish n´chips

Heute war ich bei einer Veranstaltung, bei der Leute die selber diskriminiert werden, nicht müde werden über andere vorschnell zu unteilen.

Ich könne jetzt Beispiele geben, möchte aber lieber von einer Frau erzählen, die ich kenne.

Die Frau ist fett. Sie hat meist fettige Haare und verlässt das Haus nie, deshalb trägt sie nur Jogginganzüge und Schlafsachen. Sie ist 36, sieht aber mindestens 10 Jahre älter aus.

Diese Frau hat 3 Kinder und einen Mann. Der Mann hat schlechte Zähne und sitzt jeden Abend vor dem TV oder zockt. Er hat Unmengen an Videospielen. Dazu trinkt er gerne mal ein Bier.

Die Teenager-Tocher geht zur Hauptschule. Vor und nach der Schule, muss sie sich um den Hund der Familie kümmern. Im Haushalt muss sie auch helfen und der ist wirklich chaotisch.

Die Söhne sind Zwillinge und gehen noch in den Kindergarten obwohl sie schon 6 sind. Sie wirken verwahrlost, da…

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16.06.2016 Langeweile – elende, Nerven fressende Langeweile!

Vorne weg:
Ich liebe es, mit meinen Kindern zu spielen!

Ich finde es toll ihnen beim Entdecken ihrer Fähigkeiten zuzuschauen, ich sehe gerne, wie begeistert sie von Fortschritten sind und ich bewundere ihre Fantasie und ihre Vorstellungskraft, die Kameras aus Lego Duplo entstehen und gelbe Steine eine Suppe sein lässt.
Und ich bewundere ihre Geduld. Diese lang andauernde Beschäftigung mit einer einzelnen Sache, diese Vertiefung in eine Begebenheit, diese Konzentration auf den nächsten Schritt ist wirklich und wahrhaftig bewundernswert.

Und langweilig!

Ernsthaft!

Oder geht das wirklich nur mir so?

Das zwanzigste Lego-Haus zu bauen und die fünfzehnte Suppe zu essen, oder auch drölfmiausend Herzen auf ein Blatt Papier zu malen – das mache ich alles angemessen begeistert mit!
Aber innerlich möchte ich manchmal mit dem Arm alles vom Tisch fegen oder sarkastisch antworten auf die Frage, ob das denn nicht ein extra besonders hübsches Haus ist.

An manchen Nachmittagen kann ich das alles gut verkraften, vor allem, wenn der kleine Mann kooperativ ist und sich auch einmal ein Buch vorlesen lässt. An anderen Nachmittagen komme ich mir vor wie eine Maschine, die treudoof ein Teil nach dem anderen übereinanderstapelt oder Herzen im Akkord malt.

Mein Heilmittel dagegen, ist dann das Toben!
Ohne Rücksicht auf Verluste wird gehüpft, gerannt, gekitzelt und gealbert, darf der kleine Mann auf meinen Knien fliegen und ich werfe ihn sooft aufs Bett, wie er will und ich kann.
Meistens geht es dann wieder – also für mich!
Rein psychisch zumindest – körperlich bin ich ein Wrack und ich komme manchmal nicht umhin, dass die Wehen uns Mütter auf die unabsichtlich ausgeteilten Hiebe gegen Nieren und Gesicht beim Toben vorbereiten sollten.

Den kleinen Mann bekomme ich dann auch nicht mehr ins Bett, aber wenigstens hatte er Spaß!

Wie ist dass denn bei anderen Mamas? Was machen die mit dieser Langeweile?
Denn langsam wird mir der kleine Mann fürs durch die Gegend werfen zu schwer 😉

frhoppe 16.06.2016

15.06.2016 Weil es so ist!

Dieser Satz fällt bei uns in letzter Zeit häufig, denn der kleine Mann fragt nicht „Warum?“ sondern „Wieso?“ und auf „Wieso?“ kann ich nicht mit „Dieso!“ antworten.
Wobei ich auch das mitunter tue!

Der kleine Mann ist mittlerweile 3 Jahre und 7 Monate alt und er ist wahrhaftig ein kleines Sprachgenie! Das die Sprache wirklich sein Steckenpferd ist, war uns schon länger klar, denn immerhin verkündete er mit gerade einmal 17 Monaten „Kimmi unter Spüle steckt!“ beim Anblick der sich unter der Spüle versteckenden Katze. Auch vermuteten wir, dass er wohl ein bisschen weiter ist, als andere Kinder in seinem Alter, vor allem, weil er nicht selten komplizierte, grammatikalisch richtige Schachtelsätze in verschiedenen Zeitformen von sich gibt, die ihresgleichen suchen. Selbst den Konjunktiv beherrscht er weitestgehend fehlerfrei.
Allerdings ordneten wir das ganze doch eher noch im normalen Bereich ein – der eine spricht halt mehr, der andere eben weniger.

Kürzlich hatten wir jedoch ein Gespräch mit der Erzieherin des kleinen Mannes, in dessen Verlauf sich herausstellte, dass es gar nicht so üblich ist, was der kleine Mann da fabriziert.*¹
Ganz im Gegenteil.

Sprachlich und kognitiv befindet er sich auf dem Level eines 5 bis 6jährigen. Er kann Farben weit über die Grundfarben hinaus benennen, kennt bereits einzelne Buchstaben und zählt – meist fehlerfrei, nur die 11 liegt ihm nicht so – bis dreizehn. Er weiß, wo er wohnt und die Nachnamen der meisten Nachbarn. Er erkennt die winzigste Veränderung in unserer Wohnung und an uns und er weiß ganz genau, wie sämtliche Kindersicherungen im Haus aufgehen, inklusive des Sicherheitsschlosses an der Haustür. Und das alles eigentlich bereits seit etwa einem Jahr.*²

Und sein Sprachschatz – Puh!
Der war bereits mit zwei Jahren so umfangreich, dass die Kita gar nicht wusste, wie sie ein Sprachlerntagebuch anlegen sollte.
Er benutzt Wörter wie „Majestätisch“ und „theoretisch!“ und beginnt Sätze mit „Weißt du Mama? Ich habe mir überlegt … !“, „Würdest du bitte,“ oder „Reichst du mir mal…!“.
Ich könnte noch seitenlang darüber verbringen, aufzuzählen, was er alles von sich gibt und würde zu keinem Ende kommen, darum höre ich an dieser Stelle auf.*³

Mit der Sprachkompetenz geht auch ein unheimliches Verständnis für Zusammenhänge einher.
„Wenn ihr mal alt seid und nicht mehr essen könnt, dann füttere ich euch und ich wickel euch auch, wenn ihr eingekackt habt und ich mache Kindersitze für euch in mein Auto und fahre euch überall hin!“ Diesen Satz hat er genauso gesagt – ich spinne mir das nicht zusammen. Tatsächlich spuckte ich selbst fast mein Frühstücksei über den Tisch!
Kürzlich fragte er mich, ob man mir im Krankenhaus den Bauch aufgeschnitten hat, um seine kleine Schwester rauszuholen. Hat man nicht und wir haben auch nie etwas in der Richtung gesagt, er hat sich wohl einfach gewundert, wie seine Schwester eigentlich aus meinem Bauch herausgekommen ist.
Und gerade letzte Woche, als er mit seiner Oma in den Urlaub flog, schaute er gespannt dem Sicherheitsballett zu und sagte dann seelenruhig zu meiner Mama „Oma! Du hast deine Tasche unter meinen Sitz gepackt, die muss aber vorne unter den Sitz!“
Das sind nur drei Beispiele – drei ganz kleine von ganz vielen solcher Momente, die aber eindrucksvoll zeigen, was sich in seinem kleinen Kopf abspielt.

Dass dies mitunter ein Problem für ihn sein kann, habe ich instinktiv schon vermutet und im Gespräch mit der Erzieherin wurde es uns dann bestätigt.
Ja, er ist sprachlich und kognitiv auf dem Level eines 5 bis 6jährigen.
Emotional ist er aber eben erst 3

Und das bedeutet im Umkehrschluss, dass er all die Dinge, die er im Kopf schon versteht, emotional noch gar nicht verarbeiten kann. Diese Diskrepanz zwischen Vernunft und Gefühl ist manchmal – durchaus täglich – einfach zu viel für ihn.
Vor allem wenn es um die Verteilung meiner Aufmerksamkeit zwischen den beiden Kindern geht. Ich versuche wirklich mein bestes, mich beiden Kindern zu widmen und es wird immer besser, je älter das Herzensmädchen wird, aber natürlich gibt es Situationen, in denen ich mich vorrangig um sie kümmern muss.
Und der kleine Mann versteht das, versteht, dass seine Schwester noch klein ist und die voll gekackte Windel nicht warten kann, bis sein Tierpark fertig gebaut ist. Aber er kann nichts dagegen tun, dass er das ungerecht findet – zu Recht!
Dann brennen seine Sicherungen durch, er wird laut, er schlägt um sich, ist hilflos, kann sich nicht mehr anders ausdrücken als so.
Wir versuchen dann ruhig zu bleiben, beruhigend auf ihn einzuwirken, ihm Halt zu geben, doch auch wir sind nur Menschen und unsere Nerven nicht immer die besten. Selbstverständlich würden wir ihn NIEMALS schlagen. Niemals, niemals, niemals!!!

Aber manchmal werden wir laut, ungeduldig und auch ungerecht mit ihm.
Und gleichzeitig tut er mir so leid, denn ich verstehe ihn!
Es ist für uns alle eine schwierige Situation, denn manchmal sind wir abends wirklich am Ende unserer Kräfte. Ich bin verzweifelt und frage mich, ob das jemals besser wird, ob ich etwas besser machen könnte.

Einiges haben wir schon verändert. So kümmere ich mich z.B. erst abends um den Haushalt zusammen mit dem Herzensmann dann, damit ich wirklich bei den Kindern sein kann. Und einmal die Woche versucht meine Schwiegermama das Herzensmädchen von der Kita abzuholen, damit ich Zeit nur mit dem kleinen Mann zusammen habe.
Denn nicht nur er vermisst mich, auch ich vermisse die Zeit ganz allein mit meinem Sohn! Diese Zweisamkeit, dieses Gefühl „Wir gegen alle!“

Er ist so ein wunderbarer kleiner Mensch.
So klug und witzig, so neugierig und interessiert. Liebevoll und aufmerksam, immer darauf bedacht, dass es uns gut geht. Er teilt seine Süßigkeiten mit armen Kindern , die nichts haben und verbringt minutenlang Zeit damit, mit seiner Schwester zu kuscheln, wenn er sie länger nicht gesehen hat. Er ist zärtlich und rücksichtsvoll, hilfsbereit und achtsam.
Und er liebt und braucht mich so sehr – so sehr, wie ich ihn brauche!
Und jetzt, wo ich es schreibe, stehen mir wieder die Tränen in den Augen vor Glück über meinen wundervollen Jungen.

Ja! Es ist mitunter schwierig, eine Herausforderung oft – aber es ist es wert!
Alles!
Und immer!
Weil es so ist!

*¹ festgemacht hat sie es neben sehr vielen anderen Dingen an einem bestimmten Verhalten des kleinen Kerlchens. Seit einigen Wochen macht er nämlich gerne einfach „Bähbähbäh Bäh Bäh!“ wenn man ihm etwas erklären möchte oder ihn um etwas bittet.
Laut Erzieherin ist dies ein Verhalten, dass Dreijährige sich nur von älteren Geschwistern (hat er nicht) oder in der Kita (da gibt es das aber auch gerade nicht) abschauen könnten. Er muss es also ganz allein entwickelt haben und das tun Kinder üblicherweise erst mit fünf bis sechs Jahren.

*² Im Übrigen ohne, dass wir es speziell gefördert hätten. Alles was ich immer getan habe, war mit ihm zu reden, viel zu reden, alles zu kommentieren und vorzulesen, selbst, als er noch ganz klein war. Und gesungen habe ich, weil ich ohnehin sehr viel und gerne singe. Singen ist schließlich das Atmen der Seele.

*³ Ihr könnt aber gerne hier noch genauer nachlesen

28.01.2016 Ich habe Angst!

Aus Gründen!

lebenwundersam

Aber wovor eigentlich?

Vor der Armut? – Nein!
Ich lebe zwar derzeit von Harz IV und mein Mann bekommt ein sehr bescheidenes Gehalt, das gerade für die Deckung seiner Kosten reicht, aber wir haben alles was wir brauchen. Eigentlich sogar sehr viel mehr. Und zudem keine Schulden. Also Angst vor der Armut? Nein!
Denn selbst wenn es noch schlimmer kommt! Wir haben uns und wir haben das Wissen, aus wenig ganz viel zu machen.

Angst vor den Herausforderungen meiner persönlichen Zukunft? – Nein!
Es wird sich zwar einiges verändern, ich werde neue Wege gehen, die bei einigen sicherlich Kopfschütteln und „Wie kannst du nur?“ – Schreie hervorrufen und nicht einfach sind, aber Angst davor? Nein!
Denn es wird mich glücklich machen, weil es das ist, was ich will!

Angst vor der Zuwanderung, den Flüchtlingen gar? – NEIN!!! Ein ganz entschiedenes!
Ich verschließe nicht die Augen vor der Herausforderung, die sich…

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